Kste könne leider nicht annehmen, dah Setzung des Tages der Jusarmnen- kunft des Obersten Rates das Ende der Mei- uungSverschiedercheiten der Alliierten in der überaus wichtigen oberschlesischen Frage bedeute. Die Einwande, die bisher gegen die Konferenz vorgebracht worden seien, seien unzweifelhaft auf die Furcht zurückzuführen, dah Liese Meinungsverschiedenheiten am Konferenztisch zum Ausbruch kommen könnten. Es jsel jedoch wesentlich, dah der Oberste Rat nicht auseinandergehe, ohne die Frage endgültig entschieden zu haben. Der Konflikt in Ober- Ischlesien bedrohe den Frieden Europas jetzt «und in Zukui f . Der Willen ausdruck der ober- .fchlesischen Bevölkerung müsse von den Alliierten angenommen werden.
Die Pariser Konferenz
Daris, 2. Aug. (WTB.) Wie der „Petit Pacisien" mitteilt, sind zur Tagung des Obersten Rates durch Briand fünf Staaten eingeladen w t)en: Italien, Eng and, Amerika, Japan und Belgien. Fünf Puncte stehen auf der Tagesordnung: an erster Stelle die Frage der Entsendung von Verstärkungen nach Ober- schlesten, an zweiter Stelle das oberschlestsche Problem, an Dritter Stelle die Orientfrage, an vierter Stelle die Frage der Aburteilung der Kriegsbeschuldigten und endlich die Ernährung Rußlands. Rach diesem Blatt werden die Arbeiten des Obersten Rates mindestens eine Woche bauern.
Protokolle über den dritten polnischen Ausstand.
, Berlin, 2. Aug. (Wolff.) Heber den dritten polnischen Auf st and im ober» ischlestfchen Abstimmungsgebiet wurden Protokolle und Berichte zusammengestellt, die ein anschauliches Bild des Wütens der polnischen Insurgenten geben. Zu der am 28. Juni abgeschlossenen Zusammenstellung verösfentlichen Die deutschen Parteien und Gewerkschaften Ober» Schlesiens eine Einführung, worin hervorgehoben wird, wie Hunderte Deutschgesinnter das Opfer fanatisierter Banden geworden sind und Zehntausende deutschgesinnter Oberschlesier von ihrer Wohnstätte vertrieben wurden. Die Zusammenstellung kann nicht beanspruchen, ein vollständiges Bild der Zustände zu geben, sie soll nur einen Ausschnitt darstellen aus jenem grausigen Gemälde, das, mit Blut, Tränen und Jammer gemalt, dereinst zeugen wird von den namenlosen Leiden des gequälten und gepeinigten und von aller Welt verlassenen friedlichen Pvlksteils in Oberfchlesien. Eine Anklage «von gewaltiger Wucht fei dieses Buch gegen diejenigen, die die Derwallung des Landes zu treuen Händen übernommen, die ihnen (übertragene Mission aber auf das Lchmählichste schändeten. Die einzelnen Abschnitte behandeln die polnischen Gewalttätigkeiten, wie Verschleppungen, Zwangsaushebungen, Munitionstransporte und die Praktiken der polnischen Insurgenten. Der letzte Abschnitt ist der Marteillchkell der Franzosen gewidmet.
Die Not in Nuhlanv.
Kopenhagen, 2. Aug. (Wolff.- „Poli- iftfen“ wird aus Riga gemeldet: Amtlich wird mitgeteilt, die Cholera wütet im Gouvernement «Samara furchtbar. Allein in der Stadt Samara kommen täglich 400 neue Fälle vor. Eine un- igeheure Anzahl flüchtender Eltern hat ihre Kinder zurückgelassen. Im Gouvernement Samara gibt es bereits über 40 000 solcher verlassener Kinder. — Trotzki erklärte in einer Unterredung, daß 'bad verbreitete Gerücht einer Mobilisierung Sowjet rutzlands gegen Polen, Rumänien und Lettland eine freche imperialistische Lüge fet, *ba die Rote Armee zur Zell drei- bis viermal geringer fet alS vor 8 Monaten. Dagegen würden chiele neue Offiziersschulen errichtet, um die Schlagfertigkeit des HeereS zu verbessern.
Kopenhagen, 2. Aug. (Wolff./ „Politiken" veröffentlicht ein Petersburger Gerücht, wonach die Sowjetregierung gegenüber den Menschewiki erklärt habe, dah sie der Lage in Ruhland nicht gewachsen fei. Sie sei bereit, mit allen Parteien das Schicksal Ruhlands zu bestimmen, und verlange, dah das eingesetzte Hilfskomitee, In dem Idie Bolschewiki nur schwach vertreten seien, die (Macht übernehmen solle.
Kopenhagen. 2. Aug. (Wolff., Das Moskauer Blatt „Jswestja" meldet: Die Zahl der Hungernden Bewohner in Ostruh- I a n d, die auf Moskau marschieren, beläuft sich auf über 6 Millionen, die die Gouvernements Tambow, Pensa, Warvnesch überschwemmen und sich ohne Ausenthall vorwärts bewegen. Am
Die Rothersteins.
Roman von Erich Sbenstein.
Copyright 1919 by ©reiner 4 Evmp., Berlin W 30.
22. Fortsetzung. (Rachdruck verboten.)
Die besah gute Manieren, ein sehr gewandtes Wesen und hatte sich eine große Vielseitigkeit ungeeignet. Besonders gut verstand sie sich auf Frisieren und allerlei raffinierte Toilettentricks, waS Anneliese sofort herausfand und ausnüyte.
Weniger glanzend waren ihre wirtschaftlichen Kenntnisse. Gröbere Arbeit, besonders Frühausstehen, waren ihr ein Greuel. Doch wuhte sie dies recht geschickt zu verbergen. Ihr Traum war, endlich eine gute Heirat zu machen — etwa einen Verwalter oder Oberförster, Der sie aus einer Dienerin zur Herrin gemacht batte Da sie einige Ersparnisse besah, hielt sie die Sache trotz ihrer fünfundvierzig Jahre nicht für aussichtslos.
„6lc ist eigentlich eine verkappte Kammer- hmgfer, aber keine Mamsell," meinte Hertha, „ich bin nur neugierig, waS Rüdiger dazu sagen wird l"
Rüdiger, den man bereits Sonnabend zurück- ertoartet hatte, war noch immer nicht gekommen. Die Geschäfte zögen sich unerwartet in die Länge, schrieb er an seinen Vater. Doch hoffe er, Montag oder Dienstag bestimmt mit Magelone zu- rückzukehren, Magelone fei übrigens etwas unwohl und läge meist zu Bett, weshalb er sie bisher erst ein- ober zweimal habe sprechen können. Es scheine Influenza zu fein.
»Das ist eine Lüge, oder die gute Magelone fHhrt Rüdiger an der Aase herum,“ sagte Hertha am Abend des Tages, nachdem der Fürst diesen Brief erhalten hatte, Au Do. „Durch Zufall weih stch von Waldemar, dah seine Schwester Edith
20. 7. erreichten sie die Stadt Tambow, nachdem sie entgegengesandte Truppen geschlagen hatten. Sie plünderten alle Vorräte und töteten sämtliche Pferde der Kavallerie, Feuerwehr und Droschken. Die Untersuchung ergab, datz die Truppen, denen der Schuh der Stabt anoertraut war, sich weigerten, auf die Menge zu schiehen.
Hungersnot in Sibirien.
Berlin, 2. Aug. Wie der .Lokllanzerger" aus Riga meldet, berichten dort eingetro fsne sibirische Flüchllinge, datz auch ganz Sibirien infolge der groben Trockenheit vor einer schrecklichen Hungersnot stehe. Das Getreide auf den Feldern sei verdorrt V Außerordentlich zahlreich seien die Feld- und Waldbrände.
Amerikanische Lebensmittelsendungen.
London, 2. Aug. (Wolff.) Hoover erteilte dem in London weilenden Leiter des amerikanischen Hilfswe.kes für Europa den Auftrag, sich sofort nach Riga au begeben, um mit den russischen Sowjetbehörden über die Einleitung eines amerikanischen Lebensmitteltransportes für Ruhland zu verhandeln. Hoover teilt mit, dah die Lebensmittels nwungen über Danzig tm Einvernehmen mit Rußland sofort beginnen können. Er schäzt die Aufwendungen, die das amerikanische Hckfeto.rl in Rußland erfordert, auf Ii/4 bis 1>° Milliarden Dollars monatlich. Die erste Lebensmittels endung gehe wahrscheinlich nach Petersburg. Auher Lebensrnitteln würden auch Arzneien gesandt.
Das Hilfswcrk in Berlin.
Berlin. 2. Aug. Laut „B. T." fand gestern in den Räumen des Auswärtigen Amtes eine Besprechung einer Reihe von Herren und Damen statt, die dem Hilfswerk für das hungernde Ruhland ihr besonderes Interesse entgegenbringen. Auher dem Minister des Auswärtigen waren u a. anwesend: der Reichskanzler, die Minister Gradnauer und Rathenau, Gerhard Hauptmann, Frau Gorki und Cb.rftkutnant Draudt als Vertreter des deulschen Roten Kreuzes.
Ein dentsch-schwrizerifchcr Vertrag.
Berlin, 2. Aug. (Wolff.) Die zur Zeit hier stattfindenden deutsch schweizerischen Verhandlungen über den Abschluß eines allgemeinen Schiedsgerichts- und Vergleichsvertrages verlaufen befriedigend und kamen heute zu einem vorläufigen Abschluh. Der schweizerische Bevollmächtigte Pros. Max Huber verläßt voraussichllich heute Berlin. Die Verhandlungen werden in kürzester Frist in Bern wieder ausgenommen. Anläßlich der Abreise der schwei;e° rischen Delegierten findet beim Reichsminister des Aeuhern ein Frühstück statt.
Aus dem Reiche.
Eine große Unterschlagung kommunistischer „Treuhänder".
Berlin, 2. Aug. Wie dem „Vorwärts“ mUgeteilt wird, wurde die Unter ft üöungä- kommission der Berliner Arbeiterschaft, die den Zweck hat, die wegen ihrer politischen Ueberzeugung Verfolgten und Inhaftierten sowie deren Angehörige zu unterstützen, von den beiden kommunistischen Treuhändern Paul Eckert und Karl Hagen um 345 000 Mark bestohlen. Die beiden Treuhänder haben im Rovember vorigen Jahres die genannte Summe von dem Bankguthaben der Unter» ftühungskommission abgehoben und sind damit verschwunden. Die als Kassierer und Revisoren tätigen Kommunisten der Kommission wußten durch lügenhaften Kassenbericht die Veruntreuung bisher zu verbergen. Erst dem zum Vorsitzenden der Unterstützungskommifsivn neu» gewählten Wehrheiissozialisten Emil Barth gelang es, die riesenhafte Unterschlagung zu entdecken.
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Aus Stabt und Land.
Gießen, den 3. Aug. 1921.
Gin Dankschreiben für die Avignon-Spende.
Die Vereinigung ehern. Kriegsgefangener Oberhessens (Ortsgruppe Gießen) hat zu Beginn des Jahres eine Sammlung veranstaltet, an der sich auch einzelne Gießener Firmen, sowie die hiesige Bezirksschule beteiligten. Die Sammlung wurde im Januar geschlossen. Die Vereinigung war darauf in der Lage, ihren Kameraden 2000 Stück Zigarren durch die deutsche Friedensdelegation in Paris zu überweisen. Der Vereinigung ist
einen Tag zu Magelone nach Wien fuhr und dort sehr viel mit ihr beilammen ist. Edith schrieb, sie machten täglich zusammen Einkäufe und verbrächten die Abende gemeinsam mit Bekannten in Vergnügungslokalen.
„Aber Magelone ist doch noch in TrauerI" tagte Do ganz bestürzt. „Auch bann sie doch Rüdiger nicht so schändlich belügen!"
„Du kennst Magelone noch nicht, wenn du dies für unmöglich hältst. Sie lügt sehr ost und äußerst gewandt, kann ich dir sagen I Die Trauer aber saß nie tief bei ihr. Ratürlich weiß sie, dah Rüdiger eS ihr sehr übel nähme, wenn er wüßte, daß sie sich schon jetzt vor Ablauf des Trauerjahres in öffentlichen Vergnügungslokalen zeige, darum stellte sie sich vor ihm wahrscheinlich krank. Wien ist ja so groß! Da brckucht sie nicht zu fürchten ihm zu begegnen, besonders da sie weiß, daß Rüdiger selbst kein Freund von Dergnügungs- iokalen ist. Er besucht höchstens das Bürgt Heater ober die Oper, und die sind jetzt geschlossen."
»Ich dachte — du sagtest doch —“ murmelte Do nach einer Pause beklommen, »Magelone lieble Rüdiger?"
„Rein. Ich sagte nur, er liebe sie insgeheim. Magelone will ihn vermutlich nur heiraten. '
Do sagte nichts mehr, aber die Sache beschäftigte sie noch lange, obwohl sie den Kopf voll anderer Dinge halte, die ihre beständige Aufmerksamkeit erforderten.
Denn feit jenem Morgen, da die Gräfin sie anfgeforbert Halle, für die entlassene Mamsell ein» zuspringen, hatte sich eine $an$ neue Welt für Do gufgetan. Dar Pflichten kreis, nach dem sie sich instinktiv gesehnt, war auf einmal da und spannte sich wie ein Retz um sie.
In schüchterner Aengstlichkell hatte sie sich anfangs bemüht, Fühlung mit den Dienstboten
nun vor kurzem folgendes Schreiben aus Ävignon zugegangen:
(Abschrift.)
Liebe Kameraden!
Wir gelangten heute in den Besitz Eurer Zigarrensendung, die uns durch Vermittlung des HauptauSschusses für Kriegsgefangene bei der deutschen Friedensdelegation in Paris zugegangen ist. Indem wir nun den guten Eingang bestätigen, beeilen wir uns Euch im Rainen all unserer Kameraden den herzlichsten Dank auszusprechen für diesen schönen Beweis alter Kameradentreue, die Ihr uns auch in der fernen Heimat bewahrt habt. Wir wissen wohl, dah in der Heimat noch immer der Gedanke an die Gefangenen, die fernen Brüder besteht und wie aufrichtig freut es uns, von Euch zu hören, daß bei Euch in allen Kreisen dieses Gedenken sich erhält, llnb gerade die Beweise der Liebe und Treue aus der Stätte unserer Sehnsucht geben uns ja immer wieder die Kraft zumWeiter» yarcen und Hosten auf den balligen Erlösungstag Zwar scheint sich dieser nicht bewahrheiten zu wollen, Denn noch immer lastet die dunkle Ungewißheit auf unserer Seele. Im Monat April sind 11 und im Monat Mai 17 unserer Kameraden Aur Entlassung gekommen, da sie ihre Strafe in Diesen Monaten vollendeten. Jetzt zählen wir noch 115 Mann und unter diesen bat die weitaus größere Zahl noch recht hohe Strafen iu verbüßen. Wann wird nun für uns der Tag Der Freiheit kommen und wann werden wir endlich die liebe Heimat Wiedersehen? Roch ist keine Entscheidung gefallen und müssen wir weiterharren im festem Glauben an die Treue der Heimat. Rur aus ihr vermögen wir die Kraft zu nehmen, das Los weiter zu tragen und hoffen bald wieder zurückkehren zu können.
Run bitten wir Euch noch, allen Gönnern und Freunden, sowie Herrn Kommerzienrat Schirmer, für ihre Opferwilligkeit zu danken und stets unsere Anerkennung allen zu versichern.
Mit den besten Grüßen von allen Kameraden bleiben wir in unverbrüchlicher Kameradschaft stets Euer dankbarer
Hilfsausschuh des Depots Special des P. G. d'Avignon» France.
(6 Unterschriften.)
Kurse für Säuglingspflege.
Schon früher wurde In ben Zeitungen auf Säuglingspflege-Kurse in Volks- und Fortbildungsschulen, welche die Zentrale für Mutter- und Säuglingefürsorge durch hierfür geeignete Schwestern abhalten läßt, hingewiesen. An vielen Or en Hessens haben, wie wir Horen, bereits derartige Kurse, deren Rotwendigkeit immer mehr eingesehen wird, stattgefunden und stets den besten Erfolg aufzuweisen gehabt. — Die Schülerinnen der Fortbildungsschulen. sowie die Mädchen der Ober* klassen der Volksschulen werden mit den wichtig- tigsten Forderungen der Säuglingspflege in sechsstündigen Kursen bekannt gemacht. Da gerade unsere Volksschülerinnen der vielbeschäftigten, oft überlasteten Mutter in der Pflege des Säuglings besonders an die Hand gehen, sie darin sogar nicht selten vertreten müssen, haben sich die Kurse als überaus zweckmäßig erwiesen und die Aufmerksamkeit, der Eifer und die Freude, mit denen die Teilnehmerinnen demselben gefolgt sind, haben ge>- zeigt, tote sehr diese Belehrungen im Bereiche ihres Interesses liegen, umsomehr, als manche der Mädchen In der Säuglingspflege schon allerlei Erfahrungen besitzen. 3m Verlauf dieses Unterrichts erkannten diese immer wieder, daß Gewissenhaftigkeit, Pünktlichkeit und Sauberkeit die Grundpfeiler einer zielbewuhten guten Säuglingspflege sind, daß diese Eigenschaften sich in der peinlichsten Reinhaltung 1. an sich selbst, 2. am Körper, der Wäsche, dem Bettchen, kurzum der ganzen Umgebung und zu allermeist der Rahmng des Kindes erweisen; die Pünktlichkeit aber besonders in einer ganz genau geregelten Pflege. Die richtigen Griffe beim Halten und Tragen, beim Baden und Anziehen des Säuglings, werden an einer Puppe erlernt. Die Kurse tragen hoffentlich dazu bei, daß die Mädchen für ihren Teil sich bemühen, die ihrer Obhut anvertrauten Heinen Geschwister nid)! durch unsachgemäße Pflege und mangelhafte Sauberkeit zu Schaden kommen zu lassen, sondern ihrerseits zu helfen, daß die Säuglinge zu gesunden und fröhlichen Kindern heranwachsen können.
Eine besondere Bedeutung erlangen diese Belehrungen in den heihenSommermonaten, der für die Säuglinge gefährlichsten Jahreszeit, welche die Säuglingssterblichkeit, zumal bei unzureichender Pflege, überhitzender Lagerung und un* Öneter oder zu reichlicher Rahrung, oft auf das
>elte anwachsen läßt.
Es wäre sehr zu wünschen, daß an recht vielen Orten den schon gegebenen Beispielen nachgeeifert würde und seien an dieser Stelle Schul- und He- meindevorstände, welche beabsichtigen diesen Unterricht bei fich einzuführen, darauf aufmerksam
gemacht, daß sich ein baldiger diesbezüglicher Antrag bei der Zentrale für Mutter- und Säuglings - fürsorge empfiehlt, um eine rechtzellige Einstellung in den sehr besetzten Stundenplan zu sichern.
*• Das Wetter Im August soll nach dem hundertjährigen Kalen der die tr» pische Hitze des Juli bis zum 5. fortsehen. Dann soll endlich der langersehnte Regen kommen, und zwar in recht ausgiebiger Weise bis zum 19. August Die letzten Tage des Monats sollen dann weder Sommer- noch Herbflcharakter haben, sondern feyr unbeftänbla fein. — Es kann auch anders kommen
♦
* Personalnachrichten. Lieder» tragen wurden am 26. Juli dem Lehrer Wti heim Hölzinger zu Appenrod die Lehre. stelle an der Volksschule zu Fauerbach bei Ridda, Kreis Büdingen; dem Lehrer Hermann Kaiser zu Sichelsachsen eine Lehrer- stelle an der Volksschule zu Wallernhausen, Kreis Büdingen. - Uebertragen wurde am 27. Juli dem Schulamtsanwarllr Otto Müller aus Sellnrod die Lehrerstelle an der Volksschule zu Volkartshain, Kreis Schotten — Kirchliche Dien st nachricht. Am 29. Juli l. I. wurde dem Pfarrer Rudolf Laut zu Dietzenbach die erste evangelische Pfarrstelle zu Ridda übertragen.
"• O b erschlesierspende. Am öamAtag» abend wurde i bei einer Sammlung im Eafc Astoria für Die hart bedrängte Bevölkerung in Oberschlesien 212,30 Mk. aufgebracht. Besonderer Dank gebührt den jungen Damen, welche sich als Sammlerinnen betätigten. — Die Sammlung, welche Landgerichtsdirektor Wiener zum Bester der Oberschlesier veranstaltet hatte, brachte die erfreuliche Summe von 387,1Z Mk.
♦♦ Ausgewiesen aus Mainz wurde von Der französischen Behörde der ehemalige Geschäftsführer der Vereinigung ehern. Iriegegefan- gener Oberhesten, Herr Peter Heß, Gießen, well er in einer Versammlung Der R. e. K. Mainz über das Thema „Der Krieg-gefangene und sein Verhältnis zu den Heimatbehörden" sprach.
Kreis Büdingen.
Die Rot der Kleinstädte.
spd. B ü d i n g e n, 2. August. Der HauS» Haltsplan für 1921 schließt in Ausgaben mit 1 046977 Mk. ab. An Einnahmen sind 994 697 Mk. aus Gemeindemitteln und 152 300 Mark aus ReichSzuschüssen vorgesehen.
Kreis Schotten.
O Gedern, 1. Aug. Als ein Opfer der »■ Hitze verstarb hier der 1. Kommandant der Stciv/r willigen Feuerwehr Heinrich Koch II., er war in der Frühe des heutigen Tages mll Frucht- abschneiden beschäftigt, wobei er einen Hitz- schlag erlitt, der seinen raschen Tod hrLbeiführlc
Starkenburg und Rheinhessen.
rm. Darmstadt, 2 Aug. Der Darmstädter Brotpreis wurde in einer gestern vom Lebenc- mittilamt ei iberuf.nen Versammlung des sozia'» Politischen Ausschusses und Der PreiSprüfungs- stelle auf 5.50 Mark für den Laib festgesetzt, der Brötchenpreis wurde auf 20 Pf. für 50 Gramm bestimmt. Das Krankeobrot wird in Zukunft nur für Unbemittelte zu billigerem Preise abgegeben, während es tm übrigen den Bemittelten überlassen bleibt, sich Weißbrot tm freien Verkehr zu beschaffen.
Kreis Wetzlar.
d. Groß-Rechtenbach, 1. Aug Eine auf Veranlassung des Provinzialausschusses der Rheinprovinz der Vvlksspende für die vertriebenen Ausländsdeutschen zu Düsseldorf in den Gemeinden der hiesigen Bürgermeisterei veranstaltete Sammlung für die Ausländsdeutschen hat den Gesamtbetrag von 2783,45 Mark ^«11. Es wurden gesammelt in Dornholzhausen
, Ebersgöns 56,25, Groß-Rech'enbach 229 50. Hochelheim 190, Hörnsheim 302, Klein-Rechtenbach 83,50, Lüyelllnden 935 20, Münchholzhausen 195, Riederkieen 194. Oberkleen 171, Reiskirchen 71, Vollicktrchen 223 50, Volbertshausen 47, Weikenhausen 49, zusammen 3783,45 Mari.
Heflcn-Nafluu.
Erhöhung des Milchpreise-.
Wiesbadens. August. In einer Besprechung von Vertretern des Bundes he s s.- nassauischer Städte, in der auch hie Vorsitzenden der Vereinigung rnilchproduzie- render Landwirte von Oberhessen und Starkenburg anwesend waren, wurde beschlossen, den S t a l l p r e i S für ein Liter Milch von 2.20 Mk. auf 2.50 Mk. zu erhöhen. Die durch die anhaltende Dürre entstandene Fuller- rnittelknappheit rechtfertige diesen Beschluß, der zum 6. August in Kraft treten soll.
zu betommen und vorerst zu erfahren, worin eigentlich die Tätigkeit Fräulein MMers bestanden hatte.
Man sagte es ihr bereitwillig. Schon darum, damit man nicht nun selbst die Arbeit der Miller übernehmen müsse. Aber schon am zweiten Tag waren ihr die Leute von Herzen gut. Sie war so sanft und freundlich mit ihnen, ließ fich so gern belehren und gab sich redliche Mühe, allen Forderungen gerecht zu werden, dah selbst der Meier, der sonst als besonders unfreundlich gegen jedermann galt, anerkennend sagte: »Alle Achtung vor der kleinen Komtesse! Die wird in acht Tagen alles besser weghaden als die Miller, die ohnehin zumeist für ihre eigene Tasche arbeitete.“
Dos Tag hatte dadurch eine feste und ,ehr ftrenge Einteilung erhalten, die stand, wie daheim in Monrepos, um 4 Ühr morgens auf, nur daß sie dann nicht im Park herumschlenderte, um mit Blumen und Vögeln zu plaudern, sondern direkt in den Kuhstall ging und den Abtransport der Frühmilch überwachte.
Bis halb sechs Halle sie dann in der Milchkammer zu tun, wo die Blechkannen zi'.m Verkauf gefüllt wurden, die Butter abzuwiegen und die Magermilch nach den Ställen und der Käserei zu schaffen war. Aus der Milchkammer ging's in die Gärtnerei. Denn der Milchfahrer nahm auch gleich das zum Verkauf bestimmte Gemüse in ’bie Stadt mit. Bei dieser Gelegenhell versäumte Do nie, sich auch gleich einen Strauß Blumen für des Fürsten Frühstückstisch geben zu lassen, seit sie gemerkt Halle, wie sehr er sich Darüber freute.
Danach äab's im HauS allerlei vvrzuberellen für das Frühstück. Rat zu halten mit der Köchin über daS Menü. Die frische« Anzüge für die
Kinder berell zu legen. Den Hausmädchen die Tagesarbeit anzuweisen usw.
Wenn all dies besorgt war. holte He Hertva ab, um mit ihr beim Fürsten zu frühstücken, denn dieser nahm vorläufig nur die Hauptmahlzeiten mit den übrigen Familienmitgliedern gemeinsam ein. '
,Es ist ja viel neller und gemüllicher, toenn wir drei allein sind," sagte er, ..da wird wenigstens nicht gestritten, und man muß sich nicht stets ärgern. Wenn Rüdiger wieder da ist, müssen wir s ja ohnehin wieder ändern."
Arn Vormittag, toenn der Fürst wie jetzt, seit er sich wieder wohler fühlte, meist las oder schrieb, war Do gewöhnlich frei. Da speiste sie mit den Kindern im Park oder ging mll Hertha spazieren Zweimal hatten sie dabet „zufällig" Waloenmk Ruhland getroffen. Aber Do hatte sich zu Herthas stillem Aerger sehr zurückhaltend gegen ihn verhallen.
,Er pibt sich solche Mühe, Dir zu gefallen, und du btst so unfreundlich gegen ihnk" warf ihr n vor, alS sie wieder allein waren.
nur gegen ihn?"
..Richts. Bloß ... ich finde ihn ein wenig zudringlich Auch sagt er einem so viel Schmeicheleien — das liebe ich nicht."
,Well du ihm gefällst. Du solltest stolz darauf semi Er ist ein sehr bedeutender Mensch."
Do errötete und schwieg
Rach Tisch Halle sie wieder in dex Milch- lanuner zu tun, wo der größte Teil der MlltagS- mllch in der großen Zentrifugen maschine zu Butter verarbeitet wurde.
(Fortsetzung fttlgQ


