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Der 6id*a»« »irzei-« mit Hr SHeestagslxiliig« „Siert-Hrnftbea- er- hpttni täghdj, culZer 5<nm- um) ^tertaes. BmflMftMBroteite: Ttoril L - änfchbetzlich Träger lohn, durch bie P*fi btjoqen Mark 5.75 einW»Bf'd) BefleUgea. Fern|prech.»nfch lüfte: für dir ^chrijlkitunq 112; für Drucker«, Verlag neb <8e^häftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach. richten: Mittiger Sieben.
PeWc*eete:
Sreiftert «. N. 11M6.
_____ Nl- Jahrgang „ Mittwoch,
GiehenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vnlck ent Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- und Steintruderei R. Lange. ZchriftleitMlg, Seschäftrstelle und Druckerei: Lchulstratze 7.
5. AllgUfi 1921 liieret »oi iRjfleei für bie lagtenummrr dtp zum Nachm Naq vorheK ohne jede verdlndUchkett. Breil für I mm höh« für Injetgen o 34 mm Brett« örtlich 40 <P1, ou.wLrt, 50 Df.; für 91 »hlam«« Anzeigen von 70 mm Breite 180Di v«' Platz« vorlchrrfl 20Aufschlag. ^auptschriftieNer: ?luq, Goetz Verantwortlich für Politik: Aug. Goetz; für den übrigen Teil: Dn Bemholb Ienz; für bett Anzeigenteil: Hans Beck, sämtlich in Bietzen
Eine Reichskanzlerrede.
Der Reichskanzler Dr. Wirth hat in Bremen eine grohe und bedeutsame Rede über die politische Lage gehalten, in der er zwar nicht direkt seinen R ü ck t r i 1 t ankündigt für den Fall, daß die oberschlesische Frage nicht nach Recht und Gerechtigkeit entschieden wird, in der er jedoch sehr deutlich der Auhen- Welt erklärt, dah er seine Mission als gescheitert betrachte, wenn die Entente die „Sabotage der grohen Ideale der Welt" fortsetze. Es ist ein moralischer Notschrei, den Dr. Wirth in Bremen von sich gegeben hat. Er scheint selbst nicht zu glauben, daß seine Ideale und Auffassungen den Lärm von Gewalt und Hah in der Welt ablösen und besiegen könnten, und er scheint eine Ahnung davon zu haben, daß demgemäß unter Umständen bald ein Wechsel in der Führung des Reiches etntreten werde. Dr. Wirth sprach von „deutscher Charakterfestigkeit- Diele Deutsche werden sich davon ein etwas anderes Bild machen als er; aber man braucht es nicht zu leugnen, daß er auch in Bremen konsequent seine Auffassungen verfochten und sich keines AmfalleS in eine andere Gedankenwelt schuldig gemacht hat. Dielleicht war es doch ein wohlmeinender WinkdeS Schicksals, dah dieses moralisch-demokrattsche Gebäude eines Dr. Wirth in Deutschland eine gewisse Spanne Zeit bestehen durfte, weil die anderen Kräfte Isich daran messen und sich davon abheben, die es vermutlich von außen her zusammenstohen werden. Wir mußten noch einmal in die Schule Der rauhen Wahrheit gehen. Es wäre natür- llich auch unser heißer Wunsch, daß der Glaube Dr. Wirths sich bewähren und bewahrheiten würde — aber wir hörten bisher nur die deutsche Botschaft, und die Taten und Herren der SiegervöÜer rechtfertigten optimistische Annahmen nicht. Der Kanzler sprach von der B e g e t st e r u n g für die Arbeit, die un« frei mache. Wenn es jedoch wahr ist, dah solche Riesenkräfte im deutschen Volke schlummerten, die eo befähigten, die fabelhaften Wiederherstellungssummen, die von uns gefordert werden, aufzubringen — so muß man sich doch fragen, ob man nicht mit Begeisterung an die Aufgabe Herangehen sollte, Schmach und Sklavenunwürde von den deutschen Schultern möglichst bald von sich weisen zu können.
Der Reichskanzler in Bremen.
Bremen, 2. Aug. (Wol'f) Der Reichskanzler ist heute morgen hier eingetroffen. Rach einem in den Bormittagsstunden der A-G. Weser abgestatteten Besuch unternahm der Kanzler eine Fahrt weserabwärts, woran einige Mitglieder des Senats, der Verwaltung der 21.-®. Weser, der Handelskammer, sowie Vertreter der Presse teilnahmen. Heute abend findet die von der bremischen Handelskammer einberufene öffentliche Versammlung im großen Saale der Bremer Börse statt, worin der Reichskanzler über die AuSwiickungen der politischen Lage auf die Wirtschaftslage sprechen wird. Auf Einladung des Senats wird der Reichskanzler das 2lbendessen im engeren Kreise des Senats, der Handelskammer, der 2L-®. Weser und einiger anderer geladener Herren einnehmen. Die Rückreise nach Berlin wird der Reichskanzler voraussichtlich noch heute nacht antreten.
Reichskanzler Dr. Wirth über die ^aae.
Bremen, 2. Aug. IWTB.l In einer von etwa 5000 Menschen besuchten öffentlichen Versammlung, die von der Handelskammer Bremen einberufen war sprach Reichskanzler Dr. Wirth über 'die wtrtschaft- liche Lage.
Ich will, so führte er aus. kei neRededer Resignation sondern der Ermunterung halten. Die Losung heißt: Durch Arbeit £ur Freiheit! Es handelt sich nicht um vergangene Illusionen der Macht sondern um die Tleber- »zeugung, daß derKernde rW eltgeschichte >et n m o ral i sche r ist. Wir haben in den letzten Wochen und Monaten manche Enttäuschung er- ttten .aber das eine hat sich doch gezeigt: Wir smd nuht Illusivnsmänner gewesen. Wenn man einmal m der Politik eine feste Richtung eingeschlagen hat und wenn man diese Richtung inne chalt, dann^muh man doch in der Welt Beachtung .Lindem (oebr richtig.) Diese Beachtung in der «Welt baut sich aufaufdeutscheCharakter- Festigkeit. (Bravo.) Der Weg der uns vor- xgAeichnet ist ist der Weg des Rechts, ist der Weg, der nicht bezeichnet wird durch das blanke Schwert ist der Weg, der dorthin weist, wohin die Sehnsucht aller Völker geht: es ist der Weg der Barmherzigkeit und Liebe; er weist zum wahren Menschentum. der Weg, auf den die Welt ein Recht hat, es ist der Weg zum Glück und zur Wohlfahrt.' (Bravo und Händeklatschen.) Es wird mancher unter Ihnen sein, der an den alten -Fahnen hängt. Ich nehme es niemanden übel. Das ist Historie. Manchem wird es schmerzlich sein, wenn er an die alten Zeiten denkt. Allein die heutige Politik des Reiches kann sich nicht wnkleidLn mit Illusionen der Macht, denn diese Faktoren sind nicht mehr vorhanden. Bremen muß ein Ausgangspunkt auch für die Gesundung des Welthandels sein. Dieses Wiederausblühen ist nur möglich unter dem Gedanken des 'Rechtes .nicht unter dem Gedanken der Macht. Wohin
der Machtgedanke führt zeigt das traurige Schauspiel Oberschlesiens. Wir wollen keine Diktatur in der Welt, wir wollen nur eines, daß deutsches Land, das duoch deutsche Arbeit und durch deutsche Kultur zu großer Blüte empor gewachsen ist, daß dieses Land nicht unter polnischer Diktatur dem Ruin preisgegeben wird. (Bravo.) Dort haben Sie den Mißbrauch der Gewalt gesehen und ich glaube, niemand in Bremen verkennt den großen Gedanken der Stunde, die uns bevorsteht, wo sich zeigen soll, ob in Oberschlesien das Recht oder ob die Gewalt, ob die Unvernunft oder die wirtschaftliche Vernunft in Oberschlesien herrschen sollen Ich habe genügend dargetan, wie wichtig es für die ganze Welt ist, dah an Stelle,des Machtgedankens der Gedanke des Rechts zum Durchbruch kommt. Wir hören Stimmen des Rechts und des Friedens in der ganzen Welt Aus Amerika, aus England hören wir diese Stimmen. Wenn diese Stimme auf der ganzen Welt rechtzeitig im Toben des Weltkrieges zur Geltung gekommen wäre, die Welt stände heute anders da, als in dem jetzigen ungeheuren Elend. Wir wollen jede Stimme des Rechts und der Vernunft, ob sie jenseits des 2Ileeres oder jenseits des Kanals ertönt, mit Dankbarkeit begrüßen. Mit herzlicher Freude haben wir gehört, dah aus dem Munde führender Staatsmänner auf der Seite unserer früheren Gegner das Wort vom Glück und der Wohlfahrt der Völker wieder öffentlich ausgesprochen wird. Liebe Volksgenossen! Das deutsche Volk weih von vergangenem Glück und Wohlfahrt zu erzählen. Waren es nicht glückliche Tage, wo die Welt auch in Bremen yt Frieden ihren Geschäften nachgehen und den Werien der Wohlfahrt und des sozialen Gedankens leben konnte? Wenn wir heute das Wort „Glück und Wohlfahrt" auf die Lippen nehmen, so tun wir es in dem Gefühl, Glück und Wohlfahrt verloren zu haben Das grohe Weltgeschehen hat diesen Friedensgedanken verschüttet und allein Machtgedanken zur Geltung gebracht. Wir sprechen von Glück und Wohlfahrt, weil dieses Land der Sehnsucht hinter uns liegt Aber wenn drüben heute von Glück und Wohlfahrt gesprochen wird, so frage ich Sie, ob, seitdem der Waffenstillstand dem deutschen Volke die .Waffen genommen hat, dieses Ziel, die Wohlfahrt und das Glück der Völker zu erneuern, wirklich das Ziel der führenden Männer gewesen ist. Schauen Sie hin auf die Politik der letzten drei Jahre, auf die Politik der letzten Monate. Mit ewigem Drohen tritt man uns gegenüber. Damit macht man keine Wohlfahrt, sondern nur neuen Haß Wir haben in den letzten Tagen wieder erlebt, welche schweren Wolken wieder über unser deutsches Vaterland heraufgezvaen sind, welche neuen Drohungen ausge prochen worden sind, während wir glaubten, dem wahren Gedanken der Liebe und Der Versöhnung in der Welt zu dienen und damit den Völkern neues Glück und neue Wohlfahrt zu bringen. Ich nehme es niemanden in dieser großen Halle übel, wenn sie an der Politik der letzten Monate Kritik üben. Ich habe nichts dagegen, wenn hier und dort der Ruf an mich herantritt: Herr Reichskanzler, Sie sind einen falschen Weg gegangen! Trotzdem würde ich, wenn noch einmal die schwere Entscheidung zu fällen wäre, eine Regierung zu bilden, wieder allein den Weg des Rechtes gehen. Ich würde mich keinen Augenblick besinnen, diese Politik noch einmal zu machen. (Bravo und Händeklatschen.) Ich habe die Antwort auf das Ultimatum von London gegeben, auch unter diesem politischen Ge i t fünfte. Will man in ter We t den großen D danken der sozialen Demokratie Rechnung tragen, dann darf man die Politik der deutschen Regierung nicht sabotieren, die getragen ist von Dem Vertrauen der arbeitenden Welt und Handelswelt. Eine solche Sabotage würde ich auflasten als eine Sabotage der großen Ideale der Welt. Eine solche Sabotage wäre es, wenn trotz der Abstimmung in Oberschlesien Korsanty und nicht das Recht in Europa zur Geltung kommen würde. Es ist eine große gewaltige Stunde die für die Machthaber Der alliierten Mächte in Dieser Woche anhebt. Ich weiß nicht, ob man in der ganzen Welt die Zeichen der Zeit richtig versteht. 2lber es darf nicht geschehen, daß man den großen Gedanken bed Selbstbestnnmungsrechts verletzt In einem Augenblick, wo alle Machte moralischer Qlatur mit eherner Stimme in die Welt hinausrufen müßten: Achtet das Selbstbestim- mungs recht des oberschlesischen Volkes, das mit aller Macht und Klarheit sich ausgesprochen hat, achtet den Gedanken der Demokratie in der Welt, den Gedanken der Freiheit, wenn ihr nicht das unglückliche Europa dem 2iuin, dem Elend und endgültigen Untergänge weihen wollt. (Bravo und Händellatschen.) Von die em Gedan.'en getragen, daß das Recht der Selbstbestimmung Oberschte- siens geachtet werden muh, haben wir zur Zeit unsere Politik eingeschlagen, die Politck der ehrlichen Erfüllung des Friedensvertrages. Ich weiß, daß wir in den politischen Idealen nicht alle einig sind. Mein Ideal, das ich persörllich erkämpfe und für das ich jederzeit bereit bin einzutreten, ist das der demokratischen Freiheit der d eut sch e n V o lks r ePu b N k (Befall)Wr verlangen, daß man unsere Ideale und unser aufrichtiges Streben achtet. 2Hu6 nicht heute allen, die an dem Geschick Europas mitarbeiten wollen, klar sein was es bedeutet, Den größten Teil des deutschen Volkes zu mißachten das sich jetzt in den bitteren Stunden der Erfüllung des Ultimatums beleben läßt durch Den Gedanken, durch Arbeit zur Freiheit zu kommen? Ich frage vor aller Welt: Haben Sie je ein Voll gesehen, das solche ungeheure Opfer auf sich nimmt, wie sie durch unlere Steuergesetzgebung, gerade
auch von den Lohn- und Gehaltsempfängern von der deutschen Arbeiterwelt, von der Angestelltenschaft und Beamtenschaft verlangt werden? Hat uns nicht der große Gedanke geleitet, durch Arbeit, durch Opfer die junge deutsche Republik wieder zur Freiheit und zu neuer Wohlfahrt zu führen? Die Wohlfahrt aller Voller ist eng untereinander verflochten. Sieht die Welt um uns nicht ein, daß man heute ein Volk nicht isolieren kann? Schauen Sie hinüber nach England. Sind dort nicht 2 Millionen Arbeitslose, die um ihr täglich Brot ringen ? Schauen Sie hinüber nach Amerika. Sind es dort nicht doppelt so viele wie In England? Schauen Sie rings herum, wie das Wirtschaftsleben zu- sammengebrochen ist, wie die Tausende wirtschaftlicher Fäden zerrissen worden sind durch das große Schicksal der europäischen Kriegskatastrophe. Wie war es im Jahre 1914? Heute sind es sieben Jahre danach. Was stand am Eingang dieser siebenjährigen Epoche? Ein Ultimatum, das unglücklichste, was Die Welt gesehen hat, jenes Ultimatum an Serbien. Und ist es jetzt nicht wieder ein Ultimatum gewesen, das für die Welt entweder das Zeichen Der Verständigung oder vielleicht noch einmal das Zeichen neuer Zerstörungen für Europa sein kann? Auch Europa kann nicht noch einmal durch eine neue Katastrophe, durch neuen Wirrwarr, durch einen neuen Krieg hindurchgeführt werden. Todesschatten lagern auf dem Kontinent, der ein Bringer des Lichtes und der sittlichen Freiheit für die ganze Welt hätte fein können. Der europäische Gedanke, der den Blick loslöst von engem Kreis und ihn lenkt auf das gemeinsame Schicksal Europas und damit der ganzen Welt, dieser Gedanke muß als 2tuf bittend und flehend und ermahnend und hoffend in die ganze Welt hin- ausllingen. Der Gedanke, daß man die Welt nicht mit Ultimatums und Bedrohungen und Brüskierungen bessert, sondern daß man sie nur retten kann, wenn man sich am Verhandlungstisch zusammen niederläßt und über die Probleme der Weltwirtschaft verhandelt. Denkt kaufmännisch I Denkt verzeihend! Denkt in Liebe der gefallenen Brüder, Die auf allen Schlachtfeldern ihr Leben ließen! Denkt in Ehren aller Millionen, die in dem Glauben an die Erlösung der Welt auf allen Schlachtfeldern ihr Leben gelassen haben! 2lber denkt groß und denkt versöhnlich! Möget Ihr auch denken an die, die Erbrechen getan haben in a l l e n Rationen. 2Tber überlegt immer, ob es politisch und ob es klug ist, heute über das zu reden, was man morgen noch ausgraben kann. Denkt großzügig, denkt an die Welt! Das deutsche Denken hat sich nicht immer bewegt innerhalb der Grenzpfähle unseres Volkes. Es hat darüber hinausgegriffen in die weite Welt. Gerade hier in Bremen ist der Boden für den grohen Gedanken bereitet, daß die Welt schließlich doch einig ist in der Wirtschaft. Mit diesem Denken und Fühlen werdet Ihr in Bremen nicht nur Eurer Vaterstadt und unserem Vaterlande, sondern auch Europa und der ganzen Welt den größten Dienst erweisen. Run, liebe Volksgenossen, gerade in diesen Stunden, wo wir Den großen deutschen Gedanken der Solidarität Europas in aller Welt vertreten gehen wir der En scheidung über Obe Schlesien entgegen. Es ist eine schwere Stunde nicht nur entscheidend etwa für eine Regierung. Um Personen handelt es sich nicht. Ich habe mich in den letzten Wochen manchmal gefraat. wie es möglich ist, dah im Osten Deutschlanos ein neuer Staat eine solche Politik betreiben kann, wie es Polen getan hat. Was hätte ein polnischer Staat für dir Welt bedeuten können, wenn er sich innerhalb seiner natürlichen Grenzen bewegt hätte! Haben Sie je in der Welt ein Volk gesehen, das durch deutsches Blut und durch den Tod unserer Brüder zum Leben erweckt worden ist und uns derart schmählich behandelt hat, wie gerade das polnische Voll? Wir hätten den Wunsch gehabt, nachdem Polen zum Staate erwacht ist. uns mit diesem Volke zu verständigen, um dem Gedanken der europäischen Kultur gemeinsam zu dienen. Und was begibt sich jetzt vor unseren Augen? Im Osten greift Polen weit in russisches Gebiet hinein. In Litauen ist die Grenze nicht geregelt Die Frage von Wilna ist noch offen und in Galizien herrscht Den Ruthen en gegenüber die Politik Der Macht, ohne einen Gedanken an Recht und Versöhnung. Und nun auch das frevelhafte Beginnen gegenüber Dem deutschen Volke, ein zweites I f a b- Csd t b- ringen zu schaffen und einen ewigen Brandherd zwischen großen Völkern der den europäischen Kontinent aufs neue im Laufe des Jahrhunderts ins Unglück stürzen kann. Ich glaube wir alle, die wir hier vereint sind, haben nicht Den Gedanken in uns aufgenommen, dah, nachdem Millionen Kreuze auf allen Schlachtfeldern stehen, diese Frage aufs neue Das arme Europa in Elend und Verzweiflung stürzen soll. Warum keine Verständigung? Well p o l 11 i s ch e Leidenschaft und grenzenloser Hochmut in Warschau Die Welt nicht zur Ruhe kommen lassen will. (Bravo!) Darum geht unsere Mahnung hinaus über das ganze Erdrund: Löst die vberschlesische Frage, nachdem das Volk gesprochen hat löst sie gerecht, löst sie so. daß nicht im Osten ein neuer Brandherd entsteht der Deutschland und die ganze Welt aufs neue dem Ruin entgegenführen ran. Sieb en Ia h r- hunderte lang ist Oberschlesien in deutchem Vesitz gewesen, von Deutschland zur Höhe Der Wohlfahrt und zum Reichtum emporgetragen, zu jener Kultur, in der auch die soziale Gerechtigkeit eingebaut ist Diese Bewegung war nicht zu Ende. Dars ich es Ihnen offen ausfprecheiv Dor Dem Kriege war Deutschland gewiß reich und manche Frage wäre zu lösen gewesen, wenn
die Versöhnung zwischen Desth und Arbeit Im deutschen Vaterlande überall gepflegt worden, wäre. Oberschlesien und seine arbeitende Bevölkerung wird unter deutscher Herrschaft und unter deutscher demokratischer Freiheit andere Tage genießen als etwa unter Der Herrschaft polnischer Illosionisten, die nur Den Gedanken nationalistischer Verstiegenheit kennen und darauf sinnen, durch Gewalt Da« alte deutsche Kulturland in ihren Besitz zu bringen. Wir sehen Der Entscheidung mit klaren Augen, gewiß mit klopfendem Herzen, aber in dem Bewußtsein entgegen, daß ein Volk, daS für sein gutes Recht ist, niemals untergehen kann Ich vertraue auf die Einsicht der großen führenden Rationen der Welt, daß unsere Stimme nicht ungehört im CRatc der Völker verhalten wird. Wir werden nicht dabei sein bei dieser Entscheidung. Es ist gut, daß wir nicht Dabei sind, Denn die Verantwortung für eine gerechte Entscheidung liegt bei Denen, die uns weder nach London berufen, noch zur Abrüstungskonferenz eingeladen haben. Es ist nut ein Zeichen dafür, dah wir jetzt umsomehr, wo wir nicht mehr das Schwert führen, der ganzen Welt dienen, wenn wir den Gedanken Des Rechts und der Gerechtigkeit als deutschen Gedanken in der Welt vertreten Ich sehe nicht ohne Hoffnung in Die Zukunft Ich weih, was diese Hoffnung für uns bedeutet. Ich weih, dah man enttäuscht werden kann. Als ich heute morgen durch die Weserwerft ging, Da sagte ich mir, Bremen war Der richtige Platz, in letzter Stunde eine Mahnung in Die Welt! hinauszugeben, daß wir in DeutschlanD bereit sind, zu arbeiten und zu opfern, aber nicht ohne einen großen Impuls. Der a l 11 Die Ar* beit beleben kann. Denn nur Die Begeisterung für eine große 3Dee ist Die Quelle großer Taten. Die Begeisterung für Den Gebankm, wieder Durch Arbeit emporzusteigen, Dieses Ziel muß uns alle beleben, jetzt unD immerbar. (Bravo!) Ich hoffe von Der Bremer Arbeiterschaft unD Kaufmann- schäft, daß sie uns in Der Stunde Der Entschet- Dung unterstützt und daß nicht politischer Streit unsere Arbeit zunichte macht. Das wäre unseren Gegnern gerade recht, wenn in Deutschland irgendeine Torheit begangen würde vor Der grohen politischen Entscheidung. Daher: keine Putsche! Gerade, in diesen Tagen, wo große politische Entscheidungen reisen, keine Störungen l re Deutschland! In dieser Stunde [ei' nen Gedanken an Gewalt! Von Der großen Elnheltslinie, Die Die Rcichs- polltik vorgezeichnet hat und von Der Politik der Erfüllung des Friedensvertrages darf es fein Abirren geben. Wir wollen In solchen Stunden kein Schwanken auf Den Dahnen des Rechts, den Bahnen der Arbeit und des grohen Gedankens der sozialen Republik, des Gedankens bet Freiheit und Wohlfahrt unseres Vaterlandes. Ich vertraue auf die, die uns ein faires Spiel zugesagt haben. Eine E ittäufchung des oberfchlesifchen Volkes in der Hoffnung auf feine baldige Aufrichtung wäre das größte hifto- rifche llnglüd, das Europa widerfahren könnte. Wir haben Schweres übernommen, und ich weih, daß alle deutschen Stämme dem Gedanken der Einheit die schwersten Opfer gebracht haben. Was haben wir gerettet aus dem Sturm und Drang deS Weltkrieges? Die Macht ist in Trümmer gesunken Der Wohlstand ist vernichtet und die Herrlichkeit ist versunken Eines aber haben wir gerettet: die Einheit des Reiches, die Einheit unlerer Wirtschaft und die Hoffnung, daß wir In der Einheit, in der sozialen Freiheit, In der Demokratie und in der Gerechtigkeit unser Glück und unfere Wohlfahrt wieder neu aufbauen können. Dies wird Opfer kosten von allen Seiten Allen denen, die noch an den alten Zeiten hängen, nehme ich daS nicht übel Aber nehmen Sie die neue Verfassung deS Reiches hin und lesen Sie die einfachen und schlichten Worte, die an der Spitze stehen, wo eS beißt: „Das deutsche Dolk einig in seinen Stämmen und von dem. Willen beseelt, sein Reich in Freiheit und Gerechtigkeit zu erneuern, hat sich diese Verfassung gegeben“ und — ich darf ergänzend hin zufügen — den deutschen VolkSstaat gegeben Lassen wir ans nicht niederdrücken von dem Gedanken an das was hinter uns liegt Gewiß, gedenken tolr’ dann und wann In Treue und Gebet der- gefallenen Brüder, die au Millionen auf den Schlachtfeldern ruhen. Aber wir wollen un» nicht berabbrüden lassen. Auch über bie Gräber wollen wir wieder vorwärtsschreiten und die Menschheit vorwärtSführen zu großen Zielen, vorwärts und wieder aufwärts zum Licht, zum neuen Glück und zur Gerechtigkeit für; unser Deutsches Doll. (Bravo und Hänbeklatschen.)
Der Kampf um Oberschlesien.
London, 3. August. (WTB.) Der „Manchester Guardian" berichtet, auf Selten der französischen Sachverständigen mache sich das Bestreben bemerkbar, in Oberschlesien nicht nur die polnischen, sondern auch die deutschen Interessen zu berücksichtigen. Paris scheine bereit, die Berechtigung dessen anzuerkennen, was London schon vor vielen Wochen vorgeschlagen habe, nämlich, daß die unanfechtbar deutschen Gebiete sofort Deutschland, und die unbestreitbar polnischen Bezirke den Polen zugewiesen werden sollen. Die britische Regierung werde zweifellos darauf drin gen, dah das gesamte o b e r sch le s i s ch e Problem in nach st er Woche geregelt wird. Die „CEteftminfter Gazette


