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Nr. 283

v er Gietzeaer lajetaer er:d)etnt täglich, au&tr Sonn- und Feierlaq, Hoietn*«e<)a9S»ret|f: Mk tzchO etulchl Ita^rr. lohn, durch bi» "Poft Mk. 7JO finld)L Veslrll. qelb, auch bei Kichltrlcke,. i<n rinjelncr Hammern infolge höherer Gewalt. ,lerw|pred).»n|*lu(je: fürdieSchristleUuna 112; für Druckerei, Verlag und (he chafloftelle 51. Snschrift für Drahtnoch. litten: lajtlger Cltle«.

PNMedteite:

5rantfurt e. M. I|M6.

Erster Blatt

Ul- Jahrgang

8rettag, 2. Dezember 1921

SiehenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vntck und Verlag: vrühl'fche Univ. Such, und Steinörudtrei R. fange. Sdjriftkihing, Keschäfirftelle und Druderei: 5chu!ftraße r.

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Moratorium oder Anleihe?

Auch heute liegen eine Unmenge Rachr^ch- ten aus London vor über die don stattfinden, den Beratungen In den großen WirtschaftS- fragen, aber sie widersprechen einander zum Teil, und man kann nicht erraten, weiches Er­gebnis heraus kommen wird. Wenn wir uns auch vor zu großem Optimismus hüten muf­fen, so ist es doch immerhin schon jetzt ein moralischer Gewinn für Deutschland, daß gewisse Häupter der Entente einzusehen beginnen, wie verderblich ihre bisherige. Deutschland gegenüber geübte VernichtungS- politik auch für das allgemeine Öntereffe der Völker gewesen Ist. Freilich. Frankreich sperrt sich noch gegen die bessere Erkenntnis, bis die ihm angedrohte Isolierung den notwendigen Shslemwechsel gebieten wird. Aber auch dar­über. wie w e i t die englisch.französischen Aus­einandersetzungen gediehen sind, ob sie eine Einigung oder ein Zerwürfnis bringen werden, ist noch keine Klarheit zu gewinnen.

London, 1. Dez (WTB.i Die das Bureau Tieuter erfährt, ist man im Schatzarnte noch immer mit der Frage der Reparation». tahlungen Deutschland» be'chäftigt 6d- »ld der jetzt der Erwägung unterliegent*e Plan, der ein Moratorium oder einen dem 5er- meulenschen Schema ähnlichen B^rschla^ ein- ichlicht, in endgültiger Fassung aufgelegt und für die Beratung fertig ist, wird daS Kabinett zu­sammentreten. um die Vorschläge eingehend zu erörtern Lloyd George nmmt regen Anieil an den Bemühungen zur £farbeifü6rdna einer be- friedigenden Lösung der Sch'vieng'eiten. QBcnn es »hm möglich ist, ungefähr Mitte De­zember nach Washington zu reifen, vofft er, dann mit Aarbfng zu verbände n und ihm daS Ergebnis der Erwägunaen der Regierung und auch daS Ergebnis der Besprechungen der letzten Tage in greifbarer Form vorlegen zu können. Ifr.e verlautet, wurde nur darum die Kabinetts­sitzung verschoben, weil gewisse Einzelheiten de» Plane» noch nicht fertig sind E» ist jetzt nicht unwahrscheinlich, dah Lwyd George mit R a- thenau zusammentreffen wird, obwohl der 711 i- nisterpräsident mit den Ansichten Bathen aus schon durch Bcrmittelung de» Schatzkanzler» Home ge­nügend bekannt wurde.

Pari». 1 Dez (MTB) Der Dertreter Englands hn BeparationSauSschuh Bradbury I*ugnrte einem Redakteur deS .Intranfigenat" gegenüber, bah er feiner Regierung ein Memoran« tum überreicht oder eine Depesche geschickt habe, h der er ein Moratorium für Deutschland üor- gefchlagen habe Er habe auch weder in London noch anderwärts eine Konferenz mit Dr Ra- tHenau gehabt. Dradburtz erklärte ferner, baf e» Aufgabe der Reparation-komm|lston fei, dan über zu nxidjen, bah Deut'chland die vorgefchrie- ben-m Zahlungen leihe Rach dem letzten Besuch ter Rcparatlon-kommisfion. der her Prüsung der Mas!nahmen gegolten habe, die die deutsche Re­gierung get'-offen habe, um die Zahlungen, wenn möglich, ficherzusiellen. «ei offiziös von der beut- Wwn XiMieiung mitacteilt worden dah sie unfähig fei zu zahlen, wenn sie keine auSlärdischen Kredite erhalte. Die Reparation»komm|ssio>, habe der deutschen Regierung 810 Tage Zeit bewilligt um Terbanblungcn zu führen Ss sei möglich, bafi die deutsche Regierung die Repaiaüon-kom- mistion davon verständigen werbe, bah sie diese Kredite nicht erhalten könne 3n diesem Falle, und wenn die deutsche Regierung immer noch der An­sicht sei. dah sie ohne Kredite nicht zahlen könne, glaube man. dah sie vielleicht Zahlungs­aufschub verlangen werbe Ader e» behebe doch die Möglichkeit, dah die deutsche Regierung unter gewissen Bedingungen die gesuchten Kredite erhalten werde. Unter diesen Umständen müsse die RcparatwnSkommistton prüfen, ob sie dies» Bedingungen armebmen könne Di' Lage sei allo so. daß er. Bradbury. feiner Regierung vertrau­lich« und mündliche Mitteilungen gemacht habe, damit sie ihre Haltung bestimmen könne, wenn gewisse Eventualitäten eintreten. Die Frage de« Moratorium- könne nur gestellt werben, wenn tie deutsche Regierung einen berar igen formellen Antrag bei der Reparationskommission helle. Da» fei biS jetzt noch nicht geschehen Werde da- Verlangen erfolgen, bann mühe die ReparationS- kommission eS nach dem Wortlaut deS Frieden»- vertrage» in Betracht ziehen.

London. 1. Dez. (Wolfs) Hava» meldet Der wahrscheinlich heute zusammentretende K a - binettSrat wird die wichtige Frage zu lösen haben, ob die von Deutschland zu leistende Zahlung zum Fälligkeitstermin erfolgen soll oder ob die englische Regierung ihren Alliierten ein Moratorium Vorschlägen wird.

Rach den letzten Rachrichten ist Zohn Bradbury nach Paris gereist, wo er wie man sagt seine Kollegen in der Reparation»- kommisllon über die Frage der Reparationszah­lungen auf dem Laufenden halten toll. Ej ver- lautet, daß Rat Henau seinen Ausenthalt In London verlängere.

Aach einer weiteren Hava»-Meldung hat der in Begleitung RatbenauS befindliche Dr Simon einem Vertreter der Ha^aS-Agemur erklärt, auch der gestrige Tag sei noch ein Tag der Erwägungen gewesen. Man habe sich mit der wirtschaftlichen Weltlage und mit ihren Be­ziehungen ;u der wirtschaftlichen Lage Deut'ch- lanb» besaßt. Au herbem wird nach Haoas I erklärt, e» seien gute Gründe vorhanden, zu glau-1 ben. daß Rathenau bereit» aewistc Anrc-I

gungen bezüglich der Zahlungen durch S a ch» lieferungen unterbreitet habe, sowohl an Frankreich wie auch an England. Belgien und Jtalirn Die Finanzleute der City beschäftigten sich mit großem Interesse mit bm Reparations­zahlungen Deutschland» E» wird dazu bemerkt, daß Deutschland vor drei Monaten von euer Anzahl englischer Banken große Kredite angeboten worden sein sollen (? D. Red ). die

Angaben gewisser Fmanzleute auf 70 Millionen Pfund Sterling, nach anderen aber nur auf 30 Millionen belaufen sollen, und die» alle» solle erfolgt fein mit Rücksicht auf die ersten deutschen Reparatil.n».-zahlungen Run habe aber Deutschland nicht zu diesem Kredit gegriffen, da e», wie gewisse Kreise sagten, habe Zahlung lei­sten können ohne ZuhUfenahme diese» Ärcöite».

London, 1. Dez^ (Wvlss.) Der politische Berichterslatter der .Westminster Gazette" teilt mit, nmn sei jetzt der Ansicht, daß ein Mora­torium nicht der beste AuSweg au» den Schwie­rigkeiten fei Die Sachverständigen feien für eine langfristige Anleihe, die au-gegeben werden Tollte in der Form von Obligationen, die vom Völker­bund garantiert und in dreißig oder vierzig Jahren rückzahlbar feien Man sei der Meinung, daß die Bezahlung der Reparationen durch solche Obligationen nicht den Rachteil haben würde, daß sie den Wechselkurs in Mitleidenschaft ziehe. Dem Berichterstatter der .Westminster Gazette" zusolge. soll Deutschland auch die Pläne für ein internationales Zusammenwirken beim Wie- beraufbau Europa» einschließlich Rußlands beraten haben, denen die amerikanischen Bankier» zustimmend gegenüberstehen sollen

Reuter berichtet, daß die bisherigen Erörte­rungen noch keine konkrete Form angenom­men haben Don gut unterrichteter Seite ver­lautet, daß augenblidlich darüber verhandelt wird, auf welche ODeife Deutschland in die Lage versetzt werden könne, seine Finanzen in Ord­nung zu bringen, da die Ansicht vorherrsche, daß. bevor nicht Die deutschen Finanzen auf eine richtige Grundlage gestellt wurden, tcinerlei Aus­sicht auf größere Reparationszahlungen bestehe. In britischen Finanzkreisen fei man der An'icht, daß. wenn kluge Maßnahmen zur Reform der Finanzlage angenommen würden, und wenn diesen Maßnahmen genügend Zeit zu wirken gelassen werde, die Aussichten auf Reparationsleistungen durch Deutlchland befriedigend seien. Andererseits wird geglaubt, daß wenn sofort neue Maßnahmen gegenüber dem Schuldner angemenbet würden ohne Rücksicht auf feine Zahlungsfähigkeit und ohne Rücksicht darauf, daß die StaatSmafchine in Deutschland im Gang erhalten werden muffe, ein finanzielle» Durche-nander und ein politisches Ehao» sicher fei E» werde - Reuter zufolge darauf hingewiesen, daß die» von der öffentlichen Meinung in Frankreich nicht genügend er­kannt werde. D.e Frage eine» Vorschüsse» von feiten der Londoner Danken zur Deckung der Re­parationszahlungen im Oanuar und Februar, der, wie allgemein angenommen wird, einer der 3 toe <f c der Reise RathenauS sei, hänge mit dielen in der Hauptsache zusammen. Wenn ein genügent> großer Dorschutz nicht erreich: werde, so werde die KrisiS nur beschleunigt werden, während, wenn der Dorschuß zustande komme, Zeit gewonnen werde, die finanzielle Lage »u untersuchen und um wa» von der 'größten Be­deutung sei ein harmonisches Zusammenwirken zwischen den verschiedenen Alliierten zustande zu bringen

Laut Reuter besteht Grund zu der Annahme, daß Rathenau bereits mehrere ingeniöse Pläne für ein System der Zahlung in Waren, die auf England, Belgien. Italien und Frankreich anwendbar seien, vorgebracht hat ($» wird mit­geteilt. daß die Londoner Reise von S t i n n e » nicht dieselbe Bedeutung habe wie die RathenauS. Die Kenner der Finanzlage Deutschland» unter­stützen Reuter zufolge die von Churchill zum Ausdruck gebrachte Ansicht, daß wenn Deutschland nicht von fairen Verpflichtungen befreit würde, eS wesentlich sei, daß die HindelS- maschine wieder in Gang gebracht und die Finanz­lage Deutschland- auf eine feste Grundlage ge­hellt werden.

Pari». 1. Dez (Wolfs.) Hava» meldet Rach dem Berichterstatter de» .Journal" betrach- trachtet man die Gewährung deS Mora­torium» al» eine geregelte Angelegenheit. Der Moratoriums-Entwurf stamme von Lord d'Abernon, der da» Reich» kabinett vor meh­reren Wochen davon verständigt haben soll. ES ziele daraus ab zwischen Deu tschla ndund England eine Interessengemeinschaft zu gründen, auf der sich später nicht nur eine Revision der Reparationsbestimmungen, sondern auch der Bestimmungen des Vertrage» von Ver­sailles selbst aufbauen werde. Man behaupte in Berlin, daß Rathenau in England in» einzelne eingehende Vorschläge überreicht habe. England wäre gewiß geneigt. Hand in Hand mit der deutsche Industrie zur; Ausbeutung Rußland» vvrzu gehen.

Pari». 1. De^ <Wolff.) Der .Matin" schreibt zu der Frage eine» deutschen Morato­rium». Frankreich könne nicht zulassen, daß Zah­lungsfristen ohne Äombcnfationen, ein Morato- rfium ohne neue Pfänder bewilligt würde und daß eine englisch-deutsche Banll^mvensation über die französischen Rechte und Interessen hin­weg erfolge Die französische Regierung werde die nächste Gelegenheit suchen, um sich mit Klar­heit vor ihren Alliierten und der öffentlichen Meinung der Welt au» zu sprechen In dem Artikel weide auch behauptet, dah der britische Delegierte Bradbury bereit» innerhalb der Reparations­kommission Vorschläge auf der Grundlage eine» Moratoriums gemacht habe, die aber keine Mehr­heit gefunden hätten.

Pari». 1. De» tDTB) Rach dem .Intran- figoant hatte Präsideni Millerand brüte vor­mittag mit dem franzöijichen Vertreter im Repara- tionSauSschuß Duboi» eine Unterredung über die Frage de» deutschen Moratorium».

Lon don, 1. Dez. lWTB) Die A^endpressc beschäftigt sich eingehend mit den Äuöficht.n einer Neuregelung der Reparation»!rag: Da» Plötz- liebe Steigen derMark erregt große» Aus­sehen .Sveiing Standard" erblickt darin ein n für da» Vertrauen i Ent­

wicklung der zwischen der britischen Regierung und Rathenau geführten Delp.echungrn. Den Blättern zufolge besteht die Möglichkeit, daß Lloyd George Rathenau empfangen wird, bevor dieser nach Deutschland zurückkehrt. Laut .Evening Standard" wird die Frage erörtert, ob Frank:eiw und Belgien der abgeänberten Politik gegenüber Deutschland günstig gesinnt sein würden, da ohne die Zustimmung dieser beiden Länder eine solche Politik wiriu.igSlo» sein könnt? Dem diplomati­schen Mitarbeiter des .Svening Stanhnrd" zu­folge. ist die Frage einer kurz- oder langfristi gen Anleihe noch nicht weit gediehen. Man nimmt, jedoch in maßgebenden politischen und sinanzicllen Kreisei» London» an. daß au» der augenblicklichen Lage eine neue Reparation»politik ent­stehen wird. Laut .Pall Mall and Globe" wird ein wirklicher Versuch unternommen, um die Re­parationen auf eine feste und praktifche gefey- nnäfüge Grundlage zu stellen. Don manchen Gach- verstmtdigen wird vorgefchlagen. bah die Lon­doner Banken Deutschland den Betrag oorfl reden, den c» für die Zahlung der Januar- und Februar- Raten braucht.

Die Opposition Frankreichs.

Paris, l.Dez. (WTB.) Das ^Jour­nal des Debats" schreibt, wenn die deut­sche Regierung nicht ausführe, hätten die Alliierten das Reckt, alle Maßnahmen an­zuwenden, die der Friedensvertrag von Ver­sailles zulasse und sie müßten von diesem Rechte unmittelbaren Gebrauch machen. Der Moratoriumsvorschlag für drei Jahre sei unter gewissen Bedingungen zulässig. Aber diese Bedingungen existierten augenblicklich nicht. Weit davon entfernt, durch die jüng- slen Zahlungen ausgepumpt zu sein, habe sich Deutschland dank der unglaubltdjcn Schwäche, mit der man ihm einen Teil der 20 Milliarden erlassen habe, die es vor dem l.Mai hätte bezahlen müssen, bereichert. Die Reparationskommission würde ein Verbre­chen begehen, wenn sie das Deutsche Reich ermächtige, seine Zahlungen in dem Augen­blick einzustellen, in dem Frankreich einen Teil an den ersten Milliarden erhalten könne. Frankreich sei dazu berufen, dieses Manöver zu vereiteln. Das ganze Geschrei, das man um den Moratoriumsvorschlag mache, diene nur dazu, das Deutsche Reich in seinem Wider­stande zu ermutigen.

Deutsche (Ersatzansprüche?

Paris, 1. Dez. (Wolff.) Wie der Ber­liner Korrespondent desPetit Parisien" mit­teilt. will er erfahren haben, die deutsche Regierung habe die Absicht, von der En­tente Ersatz für die der deutschen Industtie in Oberschlesien zugefügten Schäden zu verlangen, die sich auS dem Zanuarauf- stand der Polen ergeben hätten.

(^incUnterrcd«ngzwischen^vrd(5urzoo und dem sranzöstschcu Botschafter.

Paris. 2. Dez. HavaS meldet aus Lon­don: Lord Curzon hatte gestern eine Be­sprechung mit dem französischen Bot- s ch a f t e r über die O r i e n t f r a g e n. Lord Curzon machte den Vorschlag, dah die Orient­fragen zunächst in ihren Grundsätzen geregelt werden und daß man zu diesem Zweck eine Vorkonferenz abhalten solle, an der einige Persönlichkeiten, wie z. B. Briand, Lord Cur- zon und der italienische Botschafter In Paris teilnehmen könnten. Diese Konferenz könnte in Paris abgehalten werden. Hierauf würde eine Konferenz des Obersten Rats zu folgen haben, auf der die gesamten Angelegenheiten des Orients und besonders die Vermittlung der Mächte im griechisch-türkischcn Konflitt entschieden werden würden.

Die Detriebslage der Eisenbahn.

Berlin, 1. Dez. (WTB > Da» Reich» - verkehrSmini st erium gibt zusammen mit dem ReichSkvhlenkommissar über den augenblick­lichen Eisenbahnbetrieb und die Äoblenlagc sol- ?enbe Mitteilung bekannt: Die Detriebs- age der Eisenbahn ist zurzeit äußerst gespannt. Schon feil Monaten versagt ein großer Teil der Wasserstraßen: die starke Kälte der letzten Tage brachte den Verkehr auf den für den Kohlen- verland wichtigsten Kanälen, dem Rhein-Herne- Kanal und Dortmunb-EmS-Kanal völlig zum Er­liegen. Der Güterandrang auf der Eisenbahn er­fuhr ferner durch die ougenbllckich: Hochkonjunk­tur. die eine Folge des Valuta stürze» war. eine starke Verschärfung. Auch da» Bestreben der Ver­sender. möglichst noch vor der am 1. Dezember ein getretenen Frach'.erhrhung Waren zu versen­den, brachte einen ungewöhnlichen Ansturm auf die Bahn. Der feit über acht Tagen eingctrcient

Frost und da» Rebelwetter bringen nunmehr den auf» höchste angespanntenEi'en bahn betrieb In solche Schwierigkeiten, daß namenlllch infolge der 2r- b«it»erschwerungen auf den R ingieriahnhösen Stockungen bereit» y verschiedenen Stellen emtraten und daß vor Mlem der Wagemvangcl scharfe Formen annimmf Die ^stoch'ührung de» Eisenbahnbetriebe» machte eine doiüx-igebenbc Verkehr-drosfalung durch Güterannadmelpenen erforderlich, damit die leben Mol bttacn D ter. vor allem Kohle, In erster Linie gefahren werden können G:ne Besserung Ist erst zu erwarten wenn die für den Eisenbahnbetrieb an vielen Stellen außerordentlich ungünstigen Wittemng-verhäll- mise. wie Frost und Rebel, sich änbem D.ese Wltterungseinllusfe führten bekanntlich auch Li ter Vorkriegszeit zu tciiweise ernzfi dllchc.i S ockin- gen de» Eisenbahnbetriebes Daß He beute daS Wirtschaftsleben in die stärkste Mitleidenschaft ziehen und dah vor allem ein Stocken in der Kohlenversorgung zu vorübergehender Arbeits­losigkeit und Störungen in den Ga»- und Slek- trlzitätSwerken fuhren kann, die» hängt mit dem Fehlen von Kohlenvorräten bei Verbrauchern und Handle in -.usammen. während man vor dein Kriege die Dorratswirtschaft in Hartem Umfange betrieb.

Die Steigerung der Elfeudahutarife.

Berlin, l.Dez. (WTB.) 3n einem Berliner Blatt ist die Mitteilung enthalten, daß die Reichsbahn beabsichtige, die Perfonentarife am 1. De-em der um 75 Prozent zu erhöhen. Die Rachricht, der das Eisenbahn Ministerium fernsteht, eilt den Tat­sachen voraus. Die fortgesetzten Preissteige­rungen der letzten Monate belasten den Haus­halt der Reichsbahn so sehr, daß mit einer wetteren Steigerung der Perfonentarife zu rechnen ist. Zur Zett finden deshalb, und zwar zunächst innerhalb der Verwaltung, hierüber Ermittelungen statt. Ob eine Erhöhung um 75 Prozent nötig sein wird, hängt von dev gesamten PreiSentwickelunq ab

Berlin, l.Dez. (WTB.) Wie amt­lich mitgetellt wird, betrugen die Einnah­men der Reichseisenbahn im Oktober iw Personen- und Gepäckverkehr 59t Millionen Mark gegen 390 Millionen It O. tober vorigen Jahre», im Güterverkehr 2096 Millionen gegen 958 Millionen im Ok­tober 1920. Nimmt man die Zuflüsse au« sonsttgen Quellen noch hinzu, so ergibt sich für Oktober 1921 eine Gesamteinnahme von 2825 Millionen gegen 1400 Millionen im Ver- aleichsmonat des Jahres 1920. Don April bis Oktober wurden im Personen- und Ge­päckverkehr 3883 Millionen gegen 2718 MUI. im gleichen Zeitraum des VoriahreS auf­gebracht. im Güterverkehr 11 850 Millionen gegen 6232 Millionen im Zahre 1920. Dies ergibt unter Hinzurechnung der sonstigen Ein­nahmen eine Gesamteinnahme von 16 299 Millionen von April bis Oktober 1921 gegen 9255 Millionen im Jahre 1920. Gegenüber dem Voranschlag sind von April bis Oktober im Personenoerkehr 507 Millionen mehr und im Güterverkehr 793 Mllllonen weniger auf­genommen.

Ausschreitungen und Plünderungen in Wien.

Wien, 1. Dez. (WB.) Die Arbeiter v. den FloribSdorfer Fab.ikbetrieben legten beute Mittag, wie verlautet infolge bet neuerlich ver­stärkten Teuerung die Arbeit nieder und ver­sammelten sich zu einem Zuge durch bte-Ciabt, der sich zum Parlament bewegte. Dort ange­langt. entsandten sie eine Anordnung unter 3uf, u-tq der sozialdemokratischen Abgeordneten zum Bundeskanzler, dem sie Im Beisein de» Finanzminlster- eine Reihe Forderungen zur Bekämpfung der Teuerung und Ihrer Haupt ir- fachen verlegten. In den ersten Rachmittag»- stundcn schlossen sich der Kundgebung auch Ar- bciterzüge au» anderen Fabrikvczlrken an. Wie da» Abendblatt der .Arbetter-Zeitung" mftteill, überreichte eine Abordnung der FloridSdorfer Arbeitet der Regierung folgende Forderungen Derwirllichung des sozialdemokratischen Finanz- planc». insbesondere Anforderung der ausländi­schen Valuten und die staatliche Kontrolle de» Devifanhandel». strenge Strafen für Zuwiderhand­lung. Anforderung alle» Golde». auch jene» der Kirchen und Klöster, neue Besitz steuer, Zahlung der progressiven Vermögen»':euer. Verbot der Einfuhr aller Luxu-artikel. Abbau de» staatlichen Lebensmittelzufckulsse». Heute abend tritt die so­zialdemokratische Fraktion de» 2lrbeiterrate» in Wien zu einer Sitzung zusammen. Morgen abend findet eine Vollversammlung de» Ar bett errate» statt.

Wien. 1. Dez. lWB ) Die heute plöhllch in gewalttätigen Kundgebungen zum Ausdruck gekommene Erbitterung der Arbeiter­schaft hat ihre Llrsache in der fett Wochen von Tag zu Tag maßlo» steigenden Verteue­rung aller Leben-mittel und Bedarf»artttel. der die Lohnfestseyungen in diesem Tempo gar nicht folgen konnten. Ihren Ansang nahm die Be­wegung heute vormittag mit einem spontanen AuSstand der Arbeiter mehrerer Werke in dr n Industriebeztrken Floridsdorf und vtadlau, wel­chem sich bald die Arbeiter anderer Bezirke ar- schloffen. In einigen von Vertrauensleuten und Betriebsräten zugleich einberufenen Versammlun­gen wurde der DenwnstrationSzug nach der in- nc.cn 5 labt, zum Parlament uab zur Regierung