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«schlossen. Zuzug von allen Seilen bedtärftf die Arbeiterschaft b?i i- r in Marsche Ins Lause deS Nachmittages zu Zehntausenden Auf bcm Dege über den Ring richtete sich die Erregung der Menge gegen bie Kaffrcf-Önfer und Veschäfts- lokale, von welch letzteren die Lebensmittel­geschäfte teilweise fltrna aus geplünder t wurden. 3n ben späten Abendstunden gelang eS der zahlreich aufgebotenen Pollzei zu Jutz urb zu PserLe, auf bem Ring einiger-na'en Ruhe zu schaffen. 3n den späten TLbenbfiunben waren aber noch verschiedene Trupps von Arbeitern in bvt Stadt in Bewegung und es ist nicht ausgeschlossen, das) eS nod) zu weiteren Ausschreitungen tommt

Dien. 1 Dez (WTB) Das .Acht-Hhr- Abendblatt^ berichtet über die heutigen Ausschrei­tungen. dah bei der Börse die Dagen der Straften- bahn, bie den Verk^r nicht einstellten, angehal­ten und die Fahrgaste herausaeholtund verprügelt wurden. 3n der Düpe des Parla­mentes versuchte man. dem 3nsassen eines Automobils eine Schlinge um den Hals zu legen und ihn aufzuhängen. ES gelang ihm zu fliehen, er wurde aber wieder etngeholt und blutig geschlagen. Nuc mit Mühe gelang eS der Prli.;ei, ihn zu retten. Auf dem Hing unb den anderen Straften, die die Menge durchzog, lieaen die Haufen der »erschlagenen Scherben in unb werden von «der Femrwehr fortgeschafft.

Dien. 1. Dez. (WTB) Die Polizei ver­haftete eine Anzahl Personen, die in Lastautos unter Begleitung Berittener eingeliefert wurden. Man fand bet ihnen aus den Plünderungen herstammende Wertsachen sowie Kleidungsstücke. Um zu verhindern, bat) verantwortungslose Ele­mente. die auch bei den heutigen Demonstrationen bie Hauptrolle spielten, dieses Treiben neuerlich versuchen, trurben alle behördlichen Sicherheits- Vorkehrungen getroffen. Eine abend- erschienene Äunbgcbung der Polizeibirektion verbietet Ansammlungen und Zusammenrot­tungen. Zwischen der Regierung und den poli- tifcM-i Parteien sanden Besprechungen statt, als deren Ergebnis eine entsprechende Einwirkung auf die Bevölkerung unb im weiteren Zuge die Ber- mclbung und Wiederholung der heutigen Dor­gänge erwartet wird.

Wien, 1. Dez. (WTB.) 3m Älublotal der sozialdemokratischen Partei versammelten sich heute unter dem Dorsch deS Abgeordneten Dr. Bauer die DertrauenSmänner der Arbeiter­schaft von Florisdorf und aller Diener Bezirke sowie die Arbeiterschaft deS Lagerhauses der Stadt Wien. Der Sitzung wohnte auch Bundeskanz­ler Schober, cbenfo ber Finanzminister Dr Gürtler bei. Die Vertreter ber Florids­dorf er Arbeiterschaft verlangte von der Regierung die Erfüllung der bereits mitgeteilten Forderun- gen. 3n der Debatte ergriff der Bundeskanzler das Wort und erklärte, daft die Regierung mit allem Ernste den sozialdemokratischen Finanzplan er­wogen habe und kündigte u. a. an, daß gegenüber ben Preistreibereien und Wuchereien radikale Ab­hilfe geschaffen würde. BundeSminister Gürtler wies auf eine Reihe von ihm getroffener Maßnah­men hin. die sich zum Teil mit den im sozialdemokratischen Finanzplan aufgestellten Forderungen decken. Er erörterte sodann im einzelnen die von ber Arbeiterschaft gestellten Forderungen, namentlich "betr.f.enD Anforderung ber Devisen unb Dalliten unb erklärte, er werde eine strenge staatliche Kontrolle bes Devisen- unb Da luten Verkehrs auSführen unb alles tun, was geeignet sei, ben Ausschreitungen ber Spekulation entgegenzutreten. Bezüglich ber Erhöhung ber Besitzsteuer verwieg der Minister auf bie bereit« durchgeführten Maßnahmen, durch den ber Be- Desitz in erhöhtem Maste getroffen werde. Gr tellte mit, tat) eine Rovelle zur Dermögens- a b g a b e in 'Vorbereitung Id, durch bie eine ent­sprechende Besteuerung des großen Vermögens er­folgen werde. B?züglich des Abbaues der Le- dtnSmittelausschüsse machte ber Minister auf bas zwischen den industriellen unb ber Arbeiterschaft ^getroffene Abkommen aufmerksam. Gleichzeitig jtoerbe eine obligatorische Äinberoer- Sicherung ins Leben treten. Der Minister rversicherte schließlich, er werde überall zugreifen unb mit größter Energie und tunlichster Beschleu­nigung alles tun, um ben finanziellen Wieder­ausbau des Staates zu ermöglichen.

Die Washingtoner Konferenz.

» Die Forderungen Japans.

Neu York, 1. Dez.' (Wolfs.) Wie .Asso­ciated Preß" auS Washington mdbd, ist der ja­panische Derschlag, Japans Flotten stärke auf 70 Prozent an Stelle von 63 Prozent sestzufefen, den Bereinigten S aaten und Eng­land formell unterbreitet worden. Die briti­schen unb amerikanischen Flottensachv rst ändigen legten sich gemeinsam auf den HugheSschen Plan fest und erklärten, bah der sap-anjsche Vorschlag ganz unannehmbar sei. Amerikanische De­

legierte äußern, die Lage Jet zwar heikel, man brauche aber nicht lebe Hoffnung augeben, baß die Japaner schließlich den ursprünglichen Plan armebmen werden. Japan sei btr An­sicht, bah das Verhältnis vvu erwas weniger als 70 Prozent es ber ®nabe ber anderen gro­ben Seemächte auSliefere, unb erkläre, bie Kon­ferenz habe keine Bürgschaft dafür gefunden, bah sich in Zukunft keine Schwierigkeiten erheben wür­ben. Dre Japaner hätten stch nicht darüber aus- gelprvchen, wie sich bie Hcderwindung bes toten PuEes unter den Flottensachverstänbüren ermög­lichen lassen werbe.

Die chinesische Frage.

Paris, 1. Dez. (Dolfs.) Rach einer Ha- vaSmeldung ans Washingwn haben die chi­nesischen und fapanischenDelegier- ten die Vermittlung von Balfour und Hughes für die Regelung der Schantung- und Kiautfchoufrage angenommen.

Aus dem Reiche.

Wichtige Beschluss« deS Reichsratt.

Berlin, 1. Dez. (DTB.) Der Re ichS- rat nahm einen Gesetzentwurf über den Er­satz der durch den Krieg verursachten Personenschäden an. Grundsätzlich sol­len danach alle Reichsangehörigen, die durch den Krieg innerhalb und auherhalb des Rei­ches Schädigungen an Leib und Leben erlitten haben und nicht unter das ReichSversorgungS- gesetz vom 12. Mai 1920 fallen, entschädigt werden. Der ReichSral genehmigte ferner einen Gesetzentwurf Über die Pfändbarkeit von Gehaltsansprüchen. Danach sind Pen­sionsansprüche von Beamten, Offizieren und Angehörigen der Wehrmacht bis zum Betrage von 8000 Mk^ bisher 2000 Mk. unpfändbar. Gänzlich unpfändbar sind Teuerungszulagen und Kinderbeihilfen.

Gin neues Zeitung-Verbot.

Berlin, 1. Dez. (WTB.) Die »Königs- berger Ost Preu h. Ztg." wurde durch eine Verordnung des Polizeipräsidenten auf drei Tage bis einschließlich 4. Dezember we­gen des ArtikelsFehlende Männer- ver­boten.

Aus den Steuerausfchüflen des Reichstags.

Berlin, 1. Dez. 3m ReichstagSauSschuh für Steuerfragen wurde bei der Beratung des

DermogenSsteuergeseheS die Frage der Wertermittelung des Vermögens angeschnitten.

Abg. A ö s i d c (D N.) wünschte einen Zusatz au § 16, der auSsagt, daß bei der Bewertung des Vermögens die Vorschriften der Reichsabgaben­ordnung über die Wertermitllung gelten und daß § 139 Absatz 2 und 6 152 Abs. 2 bis 6 der Reichsabgabenordnung keine Anwendung finden sollen.

Abg. Herold (Z.) wollte dem § 16 ebenfalls eine neue Fassung geben. Danach sollen Im Gegen­satz zur Regierungsvorlage bei Verwertung des Vermögens die Vorschriften der Reichsabgaben- vrdnung über die Wertermittlung mit folgenden ergänzenden Bestimmungen gelten: .Die Der- mögenägegenftänbe werden jeweils unter Berück­sichtigung der allgemeinen Wirtschaftsverhältnisse bewertet.

Abg. Dr. Helff er ich (D. R.) verlangt als Grundlage für die Bewertung von gewerblichen' Betriebsvermögen die dauernde Deibeba t rng ces § 139 Abs 2 RAO. d e bei einer Konsolidierung der wirtschaftlichen V-rhä tniffe unentbehrlich fei Für die älebergang^eit solle man aber eine Aus­nahmeregelung schaffen.

3n der Abstimmung wurden fämlliche Anträge abgelehnt mit Ausnahme dcS Antrages Herold, der dem § 16 die oben erwähnte neue Fassung gibt. Hier wurde der Zusatz hinzugefügt, bah § 152 Abs. 3 mit der Maßgabe Anwendung findet, bah der Ertrag der letzten drei Jahre .bei Ermittelung des nachhaltigen Ertrages" zu berücksichtigen ist. § 17 der Regierungsvorlage wird abgelehnt Angenommen wurde eine Ent­schließung Dr. Scholz (D. Dp.), die die Reichs­regierung ersucht die Frage zu prüfen, ob nicht unter Entlastung der Finanzämter und unter Benutzung bestehender Einrichtungen (z. B. der preuhlschen Katasterämter) und unter Anwen­dung ber in den §§ 155 usw. der Reichsabgaben­ordnung festgelegten Grundsätze eine einheitliche Bewertung des städtischen und ländlichen Grund­besitzes zu Steuer- und gegebenenfalls Delei- hungSzwecken erreicht werden könne.

Die §§ 18 und IS wurden in ber Fällung ber Regierungsvorlage angenommen. Die Weiter­beratung beschäftigte sich mu ban Tarif der Vermögenssteuer. Es liegt ein Antrag des Abg. Herold (3.) hierzu vor, ber besagt: Die Vermögenssteuer beträgt jährlich für die natür­lichen Personen:

Von ben ersten angefangenen ober vollen 500000 bes steuerpflichtigen Vermögens 1 v. T., für die nächsten 600 003 2 v T.. für bie nächste Million 3 v T., für bie nächste Million 4 v. T, für bie nächsten 2 Millionen 5 v. T., für die nächsten 2 Millionen 6 v. T für bie nächsten 5 Million«! 7 v. T.. für bie nächsten 5 Millionen 8 v. T., für die nächsten 10 Millionen 9 v. T., für die weiteren Beträge 10 v X. Für bie übri­gen Steuerpflichtigen beträgt die Vermögens­steuer jährlich 1* 2 v T. des fteuerpffichtigen Tev- mögens.

Abg Bernstein (Soz.) begründet einen Antrag, ber bie Regierung ersucht, zur zweiten Lesung einen Taris für bie Vermögenssteuer vor­zulegen, ber so burchgestaffelt ist. bah Vermö­gen von 20 Millionen unb darüber 10 v. T. Zu­schlag zu bezahlen haben. Dies fei erforderlich, falls eine Regierungsvorlage durch bie Annahme deS Antrages Herold <3tr.) eine wesentliche 3b- schwächu g erfahren würde.

Reichsfinanzminister Dr. HermeS erklärte, durch die Annahme des Antrages Herold au ben §§ 16 unb 17 sei eine neue Situation geschaffen, er sei daher nicht in der Lage, auf den Boden des 2nträges Herold bezüglich deS Tarife- zu treten und halte an dem Tarif der Regierungsvorlage fest.

3n der Abstimmung wurde der Antrag Herold mit dem neuen Tarif angenommen, der Antrag Bernstein abgelehnt. Zu dem § 22 (Zu­schlag ur Vermögen 3' euer, hat foTob". bieRcichs- regierung ^»ie der Reichsrat eigene Dorschläge gemacht. Rach dem Dorschlag der Reichsregierung soll der Zuschlag zur Vermögenssteuer be^natür­lichen Personen betragen: von den ersten ange­fangenen oder vollen 100 000 des steuerpflichtigen Vermögens 100 Prozent der Vermögenssteuer, für die nächsten 250 000 Mk. 200 Prozent, für die weiteren 300 000 Mk. 300 Prozent der Steuer. Rach dem Vorschlag des ReichSratS ist der Zu­schlag für die ersten 100 000 M7 deS steuerpflich­tigen Vermögens der natürlichen Personen 100 Prozent, für die nächsten 150 000 Mark 150 Prv- Acnt und für die weiteren Beträge 200 Prozent. Bei juristischen Personen sollen die Zuschläge sowohl nach bcm Vorschlag deS Reichsrates wie der Reichsregierung 150 Prozent betragen. Der Ausschuh nahm ben Vorschlag In der Fassung ber ReichsratSvvrlage an. § 23 wurde mit der Mahgabe angenommen, dah sich die Vermögens­steuer für jebe vermögenssteuerpflichtige Person um 100 Proz. ermäßigt, sofern daS steuerpflichtice Vermögen nach erfolgter Abrundung nicht mehr als 500 000 Mark beträgt § 24, der die steuer­liche Entlastung des kleinen Rentners regelt, wurde in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen.

Berlin, 30. Rvv. Der ReichStagSausschuh für Derbrauchs steuern beftanbelte heute den Entwurf eineS

KraftfahrzengstenergeseheS.

Der AuSschuh beschloh. die sogenannten Klein­krafträder von der Steuer zu befreien. Sonstige Krafträder sollen nach dem Deschluh des Aus­schusses folgendermaßen versteuert werden: biS 1,5 PS 100 QHU über 1,5 bis 3 PS 200, über 3,5 b 15 4 PS 275 Mk.. über 4 PS 350 Mk. - Für Personenkraftwagen mit Ausnahme der Kraft­omnibusse wurden folgende Steuersätze beschlossen (für jede Pferdestärke oder einen Test davon): von den ersten 3 PS 140 Mk., von den nächsten 4 PS 170 Mk., von den nächsten 4 PS 200 Mk. und von den weiteren PS 270 Mk. Bei Kraftomnibussen und Lastkraftwagen wurde nach dem Eigengewicht des betriebsfertigen Kraftfahrzeuges ein Steuersatz von 300 bis 2000 Mk. beschlossen. Elektrische ober mit Dampf betriebene Lastkraftwagen sowie Zug­maschinen ohne Güter lade raum finb je nach ihrem Eigengewicht mit 150 bis 1000 Mark zu versteuern.

Somit war die erste Lesung deS Kraftfahr- zeugsteuergesetzeS erledigt.

Ss folgt bie zweite S3erung des

Rennwetten- und LotteriesteuergesetzeS.

Auf Dorschlaa deS Abg. Dr. Pachnicle (Dem.) wurde in cas Protokoll bie Feststellung ausgenommen, dah ber Ausschuß einmütig den Wuirsch Legt, einen entspr-chenben Betrag auS dem Auflommen der Steuer für Zwecke der LeibeS Übungen aufzuwenden. Angenom­men wurde ein Antrag, wonach auf den Renn­plätzen ben Buchmachern mir das Gegen von Wetten zu festen OddS gestattet fein soll. Auch dürfen auf den Rennplätzen von den Buchmachern mir Wetteinsätze im Betrage von mindestens 300 Mark angenommen werden.

Der Ausschuß trat barm in bie Beratung deS Zuckerst cu ergesetzeS

ein. Die Steuer betrug bisher 14 Marl für ben Doppelzentner und soll auf 103 Mark er­höht werden. Degen bie Erhöhung wandten sich bie Vertreter der Kommunisten und ber beiden fvqialistlscheu Parteien. Der Ausschuß vertagte sich bann auf morgen.

Aus Stabt unb Land.

Viehen. ben 2 Dez 1921.

Wettervoraussage

für SamStag:

Heiter, trocken, kalt, süböstllche Winde. 3n ber Wetterlage ist keine Aenderung eingetreten.

G

Fahrplanänberung. Die Eifen- bahnbirektion Frankfurt teilt mit, datz vom 5. Dezember 1921 an auf ber Strecke Grünberg (Oberhess.)LondorfLollar Gießen ber Zug 4336 (bisher Gründerg (Oberhest.) ab 6.16 vormittags) -wischen Grün­berg iOberheff.) unb Allendorf (Lumda) zwei Minuten früher verkehrt. Zwischen Allrndorf (Lumda) und Giehen bleibt der bisherige Fahrplan bestehen.

ee Die Erhöhung der Guter - unb Tiertarife. Vom 1. Dezember 1921 sind, wie mitgeteilt, sämtliche Frachten tm Güter- unb Tierverkehr einschließlich der tarifmähi- gen Mindest- und Eonderfrachtert, der Heben- gebühren, sowie der Ausnahmetarife um 50 Prozent erhöht worden. Bis -ur Herausgabe des neuen Frachtsatzzeigers werden den vom 1. November dS. Is. gültigen Sägen 50 v. H. zu geschlagen, was auf den Frachtbriefen be­sonders ersichtlich sein wird.

Auszeichnung. Der Schlesische Adle, lk.Stufe'wurde Herrn HanS Drife«, Geschäfts­führer ber DezirkSgruppe (Sieben ber D. V. h. O verliehen.

Vornotizeu.

Tageskalenber für 5 r e lt ag. Stabttfccater. 7 älhr: .DaS Postamt" unb .Er Ist an allem schuld". Neue Aula, 8 Ülhr. 3. Dor- tragSabend der DortragSvereinigung. Licht­spielhaus, Bahnhof st raste, bis einschlcedlich Sonn­tag: .Die Perle des Orients".

-- Der Alice-Frauenverein ver­anstaltet in ber kommenben Woche vorn Montag bis einschl. Mittwoch im Hause Sortenrtrabe 2, Zimmer 16, eine Ausstellung von Arbeiten Der Ertrag, ber sich auS Verkauf unb Verlosung ber vorlxinbenen Gegenstänbe ergibt, soll Personen aus bem not.ebenbcn Mittelstände zu'omrnen.

Aus dem Stadttheater­bureau. Nochmals sei auf die heutiae Abonnementsvoistellung hingewiesen, die tn Rabindranath TagvreS .Postamt" und Tol­stois .Er ist an allem schuld" zwei hochi- interessante Werke bringt. Während uns das Postamt" in indisches Milieu versetzt, bietet das Tolstoische Stück ein Sittenbild auS der russischen Well.

DerRinnscheMannerchor au# Wetzlar gibt am Sonntagnachmittag ein Konzert in Wieseck. Der Verein sieht unter der Leitung des Herrn Phlllpp Groh und und nimmt im Musilleben WeylarS eine be­achtenswerte Stelle ein. Geboten werden Werke unserer bedeutendsten Männerchor- Kwmponisten, u. a. .Hymne an die Musik" von Lachner, ein Eello-Solo unb Vorträge eines aus besten Kräften zusammengesetzten Orchesters. (2MeS nähere besagt bie Anzeige.)

Kreis Büdingen.

)( Ortenberal. Dez. Mit bem h utig« Tage legte LvuiS Wendel Ux-gcn geschwächter Gesundheit und vorge'chrlttenen All.rs sein Amt als Glöckner und Kirchendiener nieder. Lieber 42 Jahre hat er ben Posten mit vvcbllb- Iid,s?r Treue unb seltener Gewi len haftigk.it ver­waltet. Rur ung.rn sieht ihn bie (Xemd.ibe schei­ben. An jeiner Stelle würbe vom Gern einberat unb Kllche^vvrslanb Heinrich D i ck zum Kirchen­diener unb Glöckner ernannt Der AdventS- m a r f t am vorigen DienSlag war nur sehr schlecht beschickt Die Preise für Ferkel waren bcShalb sehr hoch unb betrugen 203220 Mark pro Kopf. - Der bei ber letzten Generalversammlung ber hiesigm Bezirkssparkasse trott, tragen* Abschluss für baS Rechnungsjahr 1920 ergab an auSgLllrhenen Kapitalien 8 530 537,08 Mark, an Einlagen 8 366 914,66 Mark, ber Re'ervefonbS betrug ^nbe 1920 369 201,LI Mark, eS verblieb ein Reingewinn von 31 252 Mark Hm bcm ar- fkigetten Verkehr Rechnung zu tragen, wurde Da

Am Vorabend

des 3. Dezember 1914.

(AuS dem Tagebuche eines Kriegsteil­nehmers vom R 3 R. 222 )

. . . 61 war inzwischen dunkel gewo-den und der Vormarsch durch bat stark durch ch tiltene Ge­lände sehr beschwerlich S Impfstellen und ein tie'er Wassergraben maftt;n genommen werden In des IcMcren kühles Wasser fprang mancher be.m Hebersetzcn hin rin. Ich könnt' mich gerade noch an einem jenseitigen Weid'nbusch halten, sonst hatte mir ba5 gleiche Schicksal gebläht So kam ich venigstcnZ mit nur einem nassen Hosenbein davon Dr chen auf einem Sturzacker wurde Hall gemacht Dr U.itcn uni nieder und warteten in Ruhe das We.t?re ab. Silberklar sch en ber Monb über uns hier unb ba krachte noch ein Kanonen- schuh und vor uns fielen noch einige Gewehr­schüsse Auf bem kalten Bob en froren wir ganz gewaltig Auch machte stch bie M iblgkeik deS arohen Marsches recht bemerkbar Rach einiger Zell tauchte a is bem Rebel vor un3 ein? Kom­panie österreichischer Jäger auf, bie uns berich­teten, bah noch ein' wettere Kompanie vor unS läge unb bah d'.e Russen sich hinter bl? Orabla zurückgezogen hätten Endlich [am von links der Befel-l . urJi. ,Rach links sammelni" Also hettte war- mit den Russen noch nichts, m also bann morgen. Wir marschierten noch einige hundert Meter wellet, um in ein:m lichten Tannenwalb im Alarmzustanb zu biwaiieren. Feuer b irftyi wegen bet Nähe ber Russen nicht angezündet werden.

ES war inzvffchen 9 H6r geworden Auk den Aeckem anherbaib deS Walbes ent t eg eine b.:nne Aebelschicht dem Boden, deren Ooerstäch? von bem Silbcrlicht bes MonbcS wie ein weideS Linnentuch beschienen wurde. ES war bitterkalt:

mindestens 5 Grad unter Null. Einige Findige batten in der Nachbarschaft noch etwas Stroh auf getrieben, um dem wurzeldurch furch ten Beben etwas von ferner Harte zu nehmen. Zelle durften nicht aufgeschlagen werden. So machte man sich mll etwas Slroh, einer Zeltbahn, Mantel unb Kopfschätzer ein Laaer zurecht, einen Doumstumvf oder eine Wurzelnder als Kopfkissen benutzend. IleberaH hatten sich ,Schlallamerabschaf:en" ge- hübet, um die gegenseitig? Wärme au-zunuhen. Balb Hub benn auch ein mächtiges Schnarchen an. Sin junger Kriegsfreiwilliger, ber leibet ben nächsten Abenb nicht mehr erleben sollte, hat bieseS Lager mit folgenden Worten in feinem Tagebuch verzeichnet:

.Mütterchen, gräme b'ch nicht. Dein Bub schläft gut ist glücklich. Ruht nach getaner Pflicht"

Auch ich versuchte auf einem harten Lager nach den gctoalt gen Anstreng mzen bes Tage- etwa- Ruhe zu f nben. Die Kälte nahm aber so zu, bah sie, nament.ich an bem nassen Beine schmerzhaft wirkte. Ich ftanb auf und wanderte. Den Kragen hoch, bie Hänbe tief in ben Taschen, so suchten manche burch Bewegung warm zu werden. Jeder hing seinen Gedanken nach, feiner sprach mit dem andern Unb eigenartig, wie bie ganze Stim­mung blefer monobeschienenen ®eirlemad)t toiren auch bie Deban'en W.t standen dicht am Feind, morgen sollten wir unsere Kräfte mit ihm messen. WaS werden die kommenden Stunden bringen? Werden wir morgen abenb noch alle zusammen sein? Die (debanen wandere weller. Hc über- tolnbcn Zelt unb Raum. He wanbern in dir Hei­mat Die Kinder liegen jetzt zu Bllt, bie Mutter hat Ihnen gute Rach: gesagt unb jedem noch einen I Kuh gegeben und sitzt nun tn ber einsamen Stube, I unb ihre Gedanken wandern ebenfalls. Der Mond. I her uns beleuchtet, scheint auch benen tn ber

Heimat unb bie Sterne, bie hier funkeln, glitzern auch ihnen. Werben wir bie Heimat werden wir unsere Lieben Wiedersehen? Die Hoffnung hat schliehlich jeder, aber sie kann auch getäuscht werden. Unb wenn es benn sein soll, bah unS heute baS Licht bes Mondes zum letzten Male scheint, bann wollen wir uns beS DlückeS freuerr das unS bisher im Leben beschieden war. Ds ist em harter Gedanke. Abschied vom Leben zu neh­men und in daS Dunkel der Ewigkeit einzutreten. In einem so ernsten feierlichen Augenblick legt man noch einmal Rechenschaft vor sich ab: Hast du auch deine Pflicht im Leben ermllt? DaS EllemhauS, die Schule, ber Freundeskreis, bä­rigen? Heim mit ben Sieben, ber Beruf, bie Arbeit im öffentlichen Leben, str ziehen mit all ihren Hoffnungen unb Kämpfen, mit Erfolgen unb Miherfolgen noch einmal in wunbervoller Emheit vor bem geistigen Auge vorüber. Da fühlt man, wie viel man versäumt hak. wie viele- man mehr hätte leisten unb besser gestalten können, jetzt war nicht- mehr zu ändern, ba- Leben lag abgeschlossen hinter einem.

Unb ba sah man wieber bie Einzelgestallen Detprnstem gleich im Walde wandern, von denen wohl mancher ben gleichrn Gebanken nachhing, man sah bie im tiefen Schlaf Liegenben unb ba wuchs man mit feinen Gebanken wieber in die Gegenwart h nein, in baS gewaltige Ringen ber Zeit Man fühlte sich als ein Glied in btefem gigantischen Kampfe. In bem d unteren tapferen Brüdern bisher gelungen war. einer ganzen Well von Feinben Hegreich bie Stirn zu Hirten, unb ber Druck, ber auf bem Herzen tag. wich einem Gefühl deS Stolzes, mtt zu denen zu grhören, von denen die Nachwelt einmal singen unb lagen tarni, bah sie baS Erbe, ba- ihnen bie Väter Hinterlasten haben, nicht Preisgaben, sondern Hch ihrer würdig gezeigt haben. Mbgen dermalein-

auch unsere Nachkommen die gleiche Begeisterung empfinden und den deutschen Gedanken In ber Welt für ben wir bereit sind unser Leben zu lassen, weiter pflegen unb au-bauen!

Mein Weg hatte mich etwa- abseits vcm ber Kompagnie geführt Ich trat aus dem Wald inS Freie. Ein Bild des Frieden« umfing mich. Die ernsten Gedanken waren torf^tounten, eine feierliche Stille batte Ihnen Platz gemacht Wie schön war bie Well auch in bem öden Polen. Ich mag wohl lange so gestanden haben. Etwa- nördlich von unS fing eS plötzlich wieder an zu donnern. Wie WetteriLuchten zucktr eS am Him­mel von bem Aufblitzen bet G-schütze Auch In- fanleriefcutr flackerte auf. Gewih haben bl« Aussen ben Rebel zu einem Angriff benutzt unb rannten wieber vergeblich an bie Eisenmauer ber Pommern. Da werben auch wir balb aiurtien.

Unsere Feldküchen hatten sich während der Nacht d'rangemacht unb hinter dem Wald ver­deckte Aufstellung genommen Der Kaffee war fertig. Wundervoll mundete ro tin Schluck hei he» Kommlhbrühe. Ss war InzwIsLen 3 H.lr getoor* den unb ich machte nochmals Den Versuch, _nu» ein Viertelstunbchen" zu schloßen, ve.geöltch. D.« Kälte lieh es nicht zu. Ich betounbrrte X. ba tm tiefen Schlaf lag unb einen mächtigen Säge» werk-betrted tn Ganz gebracht hatte.

Ich setzte wieber meine Wanderung fort E» halten sich Gruppen im Walde gebildet unb ver­traten sich bei luftiger Unterhaltung bie Füh«. Waren sie auch mll Ihren Gedanken zur Ruh« adommen unb suchten all Herbenmenschen wis­per Anschluh unb Aussprache?

Endlich mar bie Rächt herum. Hm 5 Hbf wurde geweckt Der 3. DezeTuder. ber Ehrentag unsere- BahaillonS, war angebrochen...