Ausgabe 
1.8.1921
 
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1 Für einen Sefl davon ist schon jetzt nacygLLneten, ' daß Stücke gleicher Art im Auftrage Frauen­

dorf ers nachgegossen und ziseliert worden sind.

drei Schülp der höheren Le'

'Denn diese Mnrtchtung ~ durch DeroTuMti Klassen fürBegabtere vom zwerren Grundschul- jahr an oder durch Sondsruntercicht auSgedau» und zu einer dauernden gemacht wird, so wird die wirtschaftliche Schwierigkeit auf sozialem Dege gelöst zum Wohl der deutschen Bildung."

DMerkmEiL»s heute geschlofseu wvr-- den. Infolgedessen sind gegen 1300 Arbeiter, Angestellte und Beamte entlassen wvrden.

wenn sie bei der Aufnahme die hierfür nötigen Fädigkeiten in der deutschen und lateinischen Schrift, Rechtschreibung, Grammatik und Rechnen Nachweisen können.

Aus Stabt und Land.

Gießen, den 1. Aug. 1021.

Die Landcsunivcrsität für die Sklassige höhere Lehranstalt.

Don der Landesuniversität wird uns folgende Entschließung übermittelt:

Der Gesamtsenat der he fischen Landek-Uni- versitcit Gießen erhebt schär-fsten Einspruch gegen alle Versuche, die neunklassigen höheren Lehr­anstalten aus achtklassige zu vertürzen, weil'durch diese Experimente die für den llniversttäts- Un erricht unbedingterforderlicheDor- bildung nicht mehr gewährleistet, da-' ganze Bildungswesen in Derwirruntz gebracht und die Gesundheit der durch Unterernährung ge­schwächten Schülergeneration schwer geschädigt würde.

Maßnahmen zur Bekämpfung der Futtermittelnot.

Berlin, 30. Juli. 3m Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft fanden am 29. Juli 1921 unter dem Vorsitz deS Staatssekre­tärs Dr. Huber Beratungen über Maßnah - men zur Bekämpfung der infolge der Dürre entstandenen Futtermittelnot statt.

Der Vorsitzende betonte einleitend, daß nach den aus den verschiedenen Reichsteilen vorliegen­den Rachrichten von einer Gefährdung der Ernte im allgemeinen nicht gesprochen werden könne, daß aber in einzelnen Gebieten des Reichs die Rauhfutter- und Futterpflanzenernte unter der Dürre außerordentlich gelitten habe. Die Sorge für Abhilsernaßnahrnen gegen örtliche Rotstände der Landwirtschaft falle zunächst in die Zustän­digkeit der Länder. Immerhin bestehe aber auch für das Reich nach seinen Zuständigkeiten die Möglichkeit, auf bestimmten Gebieten, so durch Maßnahmen der Ein- und Ausfuhr und die Frachttarifpolitik helfend einzugretfen.

Im einzelnen ist aus dem Ergebnis der Be­ratung folgendes hervorzuheben: Sowohl von den Vertretern der Landesregierungen als auch von den Vertretern der landwirtschaftlichen Organi­sationen wurde besonders Gewicht darauf gelegt, daß jene Rotstandsgebiete, die ganz beson­ders unter der Dürre zu leiden haben, bei der Belieferung mit Taufchmais zeitlich vorzugsweise berücksichtigt würden. Die geringen Bestände an Kraftfuttermitteln, die sich noch im Besitz des Reiches befinden, namentlich Kleie und Gerstenfuttermehl, sollen nach Maßgabe des Rindriehbestandes, jedoch unter Berücksichtigung der besonderen Rottage einzelner Reichsteile, den Ländern zur Verfügung gestellt werden.

Die Vertreter der Landesregierungen und die Vertreter der Landwirtschaft gaben einstimmig dem Dünsche Ausdruck, daß die im Juni zuge­lassene teilweise Ausfuhr von Oelkuchen aus aus­ländischen Saaten im Hinblick auf die in den letzten Wochen eingetretene Futternot baldigst gesperrt werde. Zum mindesten müsse diese Rege­lung einer sofortigen Rachprüfung unterzogen werden.

Um wie bisher den Viehhaltern zu ermög­lichen, sich die Futter- und Streuvorräte der öffentlichen und privaten Waldungen wie in den Kriegsjahren zunutze zu machen, soll die Bekanntmachung über Streu-, Heide- und Weide- Nutzung vom 13. April 1916 ausrechterhalten bleiben, wonach die Besitzer von Forsten und anderen nicht landwirtschaftlich genutzten Grund­stücken auf Anordnung der höheren VertvaltungS- behörde verpflichtet sind, die Wertung von Fullrr- und Streumnterial jeder Art und das Weiden von Vieh zu gestatten. Als besonders wirksames Mittel zu einer baldigen besseren Futterversor» gung der Viehhaltungen der gefährdeten Geviete wurde von den Vertretern der Landesregiei-ungen in voller Liebereinstimmung mit der Vanbnnrt- schäft und dem Futtermittelhandel die Einfüh­rung von Oiotstandstarifen für Futter- und Streu- mittel bezeichnet.

Von der Regierung wurde die unverzügliche Entscheidung über die einzelnen Anträge und Wünsche zugesagt.

Wettervoraussage

für Dienstag:

Vorwiegend heiter und trocken, sehr trxmrt, Südwestwinde, schwache Gewitterneigung

Die Wetterlage hat sich wenig verändert. Infolge der südwestlichen Luftströmung und der laden Sonnenbestrahlung ist wei.erhtn mit starte, Erwärmung zu rechnen. Wesentliche Riederschläge ind nicht zu erwarten.

Der Gewerkschaftskongreß in Lille und die Internationale.

Paris, 31. Juli. (Wolfs.) Auf dem Ge­werkschaftskongreh in Lille empfahl gestern der Kommunist OKonatte den Anschluß an die Moskauer Internationale, während I v u h a u x im Rarnen der Mehrheit auf die Rotwendig­keit hinwies, in der Internationale von Amster­dam zu verbleiben. Bei der Abstimmung wurde der Antrag der Mehrheit, wie Havas meldet, mit 248 Stimmen angenommen.

Paris, 31. Juli. (WTB.) Die Tagesord- tfnmg, die der Gewerkschaftskongreß in Lille ineffern genehmigte, wurde mit 15?2 Stimmen ter h N er t>V 2Ii eine n n Arb u ve bandes angenommen. Die Minderheit, zu der die An­hänger der Mockauer Internationale gehören, .erhielt für ihre Tagesordnung 1325 Stimmen. «5 Delegierte enthielten sich der Abstimmung.

gelegt worden ist.

Düsseldorf. .30 Juli. (WTB.) Heute morgen erschienen in der Wohnung des Reichs- tagsabgeordneten Erkelenz (Demokrat) drei französische Geheimpolizisten und erklärten ihn ür verhaftet. Er wurde vor die s r a n - zösische Besatzungsbehörde g bracht, wo ihm der Zivilkommissar ertUrtc, er habe den Auftrag, ihn wegen seiner Anfang Jüli imBer­liner Tageblatt" und in der Grenzlandkorrespon­denz erschienenen Artikel zu belehren. Die Belehrung erstreckte sich u. a. auf die Mitteilung, dah die Behauptung, die Arbeitslosigkeit am Rhein sei in olge der Sanktionen entstanden, falsch sei, was sich schon daraus ergebe, dah in allen Staaten Arbeitslosigkeit herrsche. Auch andere Angaben Erkelenz' wurden als nicht zutreffend hingestellt und z. B. behauptet, die Besahungs- truppen hätten keine 400 Wohnungen in Düssel­dorf benötigt Hinsichtlich der erfolgten 83 Aus­weisungen wurde mitgeteilt, dah nur 19 davon auf politische Gründe zurückzuführen, die anderen aber im Interesse der Desatzundsbehörden aus hygienischen Gründen erfolgt feien. Der Kom­missar bestritt auch, dah überhaupt eine Verhaf­tung des Abgeordneten stattgefunden habe. Gr sei lediglich gerieten worden, zu er cheinen. Durch eine Gegenüberstellung mit dem Führer der Ge­heimpolizisten wurde festgestellt, dah dieser die Verhaftung ausdrücklich ausgesprochen hat Schließlich wurde der Abgeordnete entlassen, nach­dem der Kommissar erklärt hatte, es handele sich um einen jungen Beamten.

Die pfälzische Industrie gegen die Sanktionen".

Reustadt, 29. Juli. Die gutbesuchte Jahreshauptversammlung des Verbandes pfälzischer Industrieller, an der auch der bayerische Handelsminister Hamm und Vertreter der pfälzischen Behörden teil­nahmen, stimmte nach einer eingehenden Aus­sprache über die durch die Sanktionen und die Annahme des Ultimatums geschaffenen Lage einer Entschließung zu, in der betont wird, daß die infolge derSanktionen" eingetrete­nen wirtschaftlichen Schädigungen geeignet sind, den wirtschaftlichen Zusammenbruch der pfälzischen Industrie herbeizuführen. Reichsregierung und die bayerische Staatsre­gierung werden dringend ersucht, mit aller Kraft für die Beseitigung der Sanktionen ein­zutreten. Minister Hamm wies u. a. darauf hin, die wirtschaftliche Voraussetzung für die Leistungsfähigkeit Deutschlands sei, daß der deutschen Wirtschaft die dringenden Daseins­bedingungen wiedergegeben werden.

Verbotene Sammlungen für Oberschlesien.

fpd. Mainz, 31. Juli. Der Delegierte der interalliierten Kommission für die Provinz Rhein­hessen hat durch Verfügung vorn 25. Juli 1921 für Rheinhessen entschieden, dah Sammlungen in den Kaffeehäusern zugunsten von Oberschlesien verboten sind.

Endgültiges Fiasko der französischen Kunst­ausstellung in Wiesbaden.

Wiesbaden, 29. Juli. Die französische Kunstausstellung in Wiesbaden-Biebrich betritt taum ein deutscher Fuh. DaS Liebeswerben um die Seele der Rheinländer stellt sich als ein kläglicher Mißerfolg heraus. Selbst an den sogenannten Freitagen, an denen kein Ein­tritt erhoben wird, ist der Besuch der Ausstellung kläglich. Herr Tirard hat die Ausstellung bis September verlängert, und die KreiSdeleiierten entfalten eine fieberhafte Propagandatätigkeit durch Artikel, die den Zeitungen aufgezwungen werden. Aber alles nützt nichts, solange weiße und farbige Kulturträger so merkwürdig wie in Bovvard und anderen Orten für die französischen Kultursegnungen wirken.

Als den einzigen Weg aus der durch die Aufhebung der breiflaffigen Vorschulen geschaffe­nen Lage erkennt er die von der hessifchen Unter- richtsverwalkung getroffene Einrichtung, dah Schüler einer Volks» oder Mittelschule nach " tjähren in die Sexta allen ausgenommen werden.

tLsö deutsche Rote Kreuz uud die Not in Rußland.

Berlin, 30. Juli. (WTB) Das deutsche Rote Kreuz bot zur Linderung der Rot in Rußland dem rusiischen Roten Kreuz seine Hilfe an. In kürzester Frist soll zunächst ein Sanitätsschisf des deutschen Roten Kreuze- mit ärztlichem Pflege- und Enlseuchungspersonal 'sowie mit McQikamenten und ärztlichem Behelfs- material nach Petersburg gesandt werden. 3m Einvernehmen mit dem russischen Roten Kreuz beabfübtigt die deutsche Rote-Kreuz-Hilfe in erster Linie eine planmäßige Bekämpfung der Seu­chen in den Hauptepidemieherder.. Die deutsche Regierung Hai, wie schon bekann. gegeben wurde, ihre weitgehende Förderung zugesagt. Eine Ver­einigung ist bereits von mehreren nationalen Lotekreuzgesellschaften unternommen Vdrden. und Hllfsbestre ungen der Internationalen Rvlekreuz- Hilfe für Rußland stehen zu erwarten.

6 Millionen Auswanderer aus dem Wolgagedict.

B e r I i n, 31. Juli. Dem03erl Tag?bl." wird Wien gemengt: Berichten aus Moskau zu­folge befinben sich etwa j e ch s Millionen Auswanderer aus dem Wolga-Gebiet dort­hin unterwegs. Am 20. Juli erreichte die Menge Tambow. Dort wurden die Geschäfte und Ma­gazine geplündert, die Pferde der dortigen Feuerwehr und Kavallerie geschlachtet und an Ort und Stelle verzehrt.

Amerika und Rußland.

Riga, 30. Juli. (WTB.) Rach einer Mel­dung der Associated Preß hat die Sowjet­regierung die Bedingungen deS Han* elssekretärs Hoover angenommen und vorerst die in Rußland gefangen gehaltenen amerifam Bürger freigelaffen. Als erste der Freigelafjenen traf gestern Frau Harrison, eine bekannte amerikanische Journalistin, in Beglei­tung des amerikanischen Senators France hier ein. Frau Harrison und Senator France werden auf ihrer Heimreise Berlin berühren.

Die Kartoffelernte.

Berlin, 30. Juli. (Privattel.) Der Ver­band deutscher Kartoffelinteressen- ten tritt in einer Mitteilung den übertriebenen Meldungen über eine angebliche Katastrophe in der Kartoffelernte entgegen. Die Früh- lartaffeletnte war gut über mittel, und die Herbst- kortoffelernte dürste sich, zumal auf schwererem Boden, wieder erholen, sobald Regen kommt. Zur Zeit lasse sich die Herbstkarioffelernte durch- auS noch nicht übersehen.

Aus dem besetzten Gebiet.

Der Abgeordnete Erkelenz verhaftet!

Berlin, 33. Juli. (Privattel.) Wettermel­dungen aus Düsseldorf zufolge wurde der demo- Ira ische Reichstagsabgeordnete Erke­lenz von der Besahungsbehörde ver­haftet. Die Gründe, die zu der Verhaftung führten, wurden nicht befanrit gegeben. Es ver­lautet, dah Erkelenz schon seit vier Wochen von der Besatzungsbehörde kontrolliert worden sei.

Die Verhaftung des Abgeordneten Erkelenz ist, wie die .Franks. Ztg." noch erfährt, auf ein Mißverständnis untergeordneter Organe zurückzu- ühren. Wie die städtische Rachrichtenstelle zu der Angelegenheit mitteilt, sollte Erkelenz, der in­zwischen auf freien Fuß gesetzt wvrden ist, den, kommandierenden General eine Aus­kunft über einen von Erkelenz in einer Berliner Zeitung veröffentlichten Artikel geben. Zu diesem Zwecke hatte Erkelenz eine Vorladung erhalten, die aber von den mit der Ueberbcingung der Vorladung beauftragten Organen der Besatzung irrtümlicherweise als ein Verhaftungsbefehl aus-

Aus dem Reiche.

Die netten Steuern.

Die bevorstehende Erhöhung der Bier- und der Tabaksteuer ist, wie nach der5.3. , verlautet, mit folgenden Sähen in Aussicht ge­nommen. Die Bterfteuer soll durchweg auf das Vierfache erhöht wenden, so daß der jetzt . ür die unterste Stufe (2000 Hektoliter Bier- erzeugung) geltende Steuersatz von 10 Mark für > edes Hektoliter künftighin 41 Mark betragen würde, von den folgenden 8000 Hektolitern werden 42 Mark, von den nächsten 10 000 Hektolitern 43 Mark ust. zu entrichten fein. Bei den Tabak- : prod ukte n werden die bisherigen Steuersätze für 1000 Stück Zigarren bei Kleinverkaufspreisen bis zu 100 Pfennigen für das Einzelstück ver­doppelt. Die Belastung des Deckaufspreijes dürfte sich demnach bei Zigarren zu 40 Pf. von 18 auf 26 Prozent, bei 75 Pf. von 14 auf 28. bei 100 Pf. von 15 auf 30 Prozent erhöhen. Bei Zigaretten zu 10 Pf. das Stück soll sich der Steuersatz auf 41, bei einem Verkaufspreis von 40 Pf. auf 50 Prozent stellen; für feinge- chnittenen Ra uchtabak blci t die prvzen.ulle Belastung unverändert, während für Pfeifen­tabak gemeinhin eine Verdoppelung Platz greifen soll.

Ein weiterer Kredit von Holland.

Berlin, 30. Juli. (WTB.) Die Reichsbank teilt uns mit, daß sie sich durch Vermittlung des Hauses Mendelssohn u. Co. n Amsterdam einen weiteren Kre- )itvon50Mil!i0nenGoldmark be- chafft hat. Die Gesamtsumme der durch Men- )elssohn u. Cv. beschafften Kredite erhöht sich damit auf 250 Millionen Goldmark.

Auflösung des Thüringischen Landtags.

W e i m a r, 30. Juli. (WTB.) 3n der Land­tagssitzung wurde der Antrag der Unabhängigen auf Auflösung des Landtages einstim­mig angenommen. Der Antrag der Rechten, den Auflösungsantrag bis zum 33. August zu ver­tagen, um die Arbeiten des Untersuchungsaus» chusses in der Angelegenheit Müller-Branden­burg zum Abschluß zu bringen, wurde abgelehnt, desgleichen der Antrag der Demokraten, den Unterausschuß trotz der Auslösung des Landtages beizubehalten. Der Abstimmung ging eine große politische Debatte voraus, worin über die Ur- achen und die Rotwendigkeit des Rücktritts der Regierung sowie über die Auflösung des Land­tages von allen Parteien nochmclls Stellung genommen wurde. Der Zeitpunkt der Reuwahlen ft noch unbestimmt.

Die wieder Krieg!"

Berlin, 31. Juli. (Wolff.) Unter dem Losungswort,, Die wieder Krieg!" wurde heute im Berliner Lustgarten eine riesige Kundge­bung der Mehrheitssozialisten, der Unabhän­gigen, der Gewerkschaftskommission, desFrie- vensbundeö der Kriegsteilnehmer und weite­rer 16 Organisationen veranstaltet. Etwa drei­ßig Redner sprachen gegen den Revanchegeist und für eine friedliche Außenpolitik, für einen neuen Geist in der Jugenderziehung und für Sicherung der republikanischen Staatsform. Alle Redner hoben hervor, daß der Krieg wei­tergehe, so in Polen und der Türket. Immer noch schmachten zahlreiche Kameraden in Gefangenschaft. Bei Sieger und Besiegten sei der wirtschaftliche Druck ungeheuer. Ungeheuer seien auch die Menschenopfer und die finan­ziellen Verluste. Der Kriegsgedanke müsse all­gemein bekämpft werden. Das wichtigste sei die Propaganda für die Verweigerung des Kriegsdienstes, der Munitionsherstellung und de.' Waffentransporte. Die Reden fanden brausenden Beifall. Aehnliche Friedenskund­gebungen wurden an etwa dreihundert ande­ren deutschen Orten sowie in England, Frank­reich und den Vereinigten Staaten veran­staltet.

Die Zusammenstöße in Stettin.

Berlin. 30. Juli. (WTB.) Amtlich. Die in der Presse über den Zusammenstoß zwi­schen Reichswehr und Schupo in Stettin verbreiteten, teilweise ungeheuerlichen Rachrich- ten geben dem Reichswehrministerium und dem preußischen Ministerium des Innern Ver­anlassung zu folgender Richtigstellung: 1. Der Anlaß der bedauerlichen Vorgänge bedarf noch der Feststellung. Diese erfolgt durch die ordent­lichen Gerichte. Es wird insbesondere noch fest- gestellt werden inüssen, ob, tote anfangs als fest­stehend gemeldet wurde, ein Angriff der Sol­daten vorliegt und wer geschossen hat. 2. Schon jetzt kann gesagt werden, dah politijche Motive oder die Kasernenfrage bei dem Zusammenstoß keine Rolle spielten. 3. Wie immer in solchem Falle fand sich der Janhagel ein und nahm gegen die Polizeibeamten Stellung, doch ist der Zusammenhang zwischen den ORUitarperfoncn und dem Janhagel in keiner Weise sestgestellt. 4. Es stehl etnwandsfrei fest, dah Offiziere an dem Vorfall in keiner Weise beteiligt sind. 5. Der Vorfall wird die beteiligten Behö.den veranlaßen ein ähnlich gutes Verhältnis und eine gegenseitige Unterstützung von Schutzpolizei und Hecresange- hörigen, tote sonst im Reich, auch in Stettin anzu­bahnen

Die Münzfälschungen des Herrn v. Frauen­dorfer.

München, 30. Juli. (WB.) Zu dem Fast der Münzfälschungen deS Ministers von Frauendorfer teilt die Staatsanwaltschaft mit, cS stehe fest, daß Frauendorfer seit vielen Jahren von seltenen alten Medaillen Abgüsse Her­stellen. ziselieren unb dabei ein Verfahren an* wenden ließ, das die Herstellung der Abgüße in ber Grdßc der Originale ermöglich c hierdurch ist die Feststellung der Fälschung er- jchwert Es steht wetter fest, daß aus dem Besitz Fiauendoifers Rachbildungen seltener alter Me- löaUlcn als echte Stücke in den Verkehr tarnen.

* Die neuen Sitzgelegenheit en der Stadtverordneten, deren Bequemlich­keit in einer der letzten Sitzungen viel Kopfzer­brechen machte, sind mittlerweile Im Sitzungssaals eingebaut toorben. Sie find schon und bequem. Die Anordnung der Tische hat nunmehr die Form, wie sie in Parlamenten üblich ist, sie bilden Äncm Halbkreis zum Magistratstisch. Jede- Pull ha' eine verschließbare Schublade, damit die Stadt- Väter Anträge usw in der eigenen Versenkuna verschwinden lassen können und nicht erst zu war­ten brauchen, bis die- in den Kommissirmen pc- chieht.

"Gesellschaft der Gießener Kunst­freunde. Der Vortrag von Prof. Wilhelm Worringer -Bonn über das Porträt tn der antiken Plastik mit einem Ausblick auf die moderne Entwicklung wie- in fefselndsterWesit an einer wohlausaewablten Reihe von antiken Porträts nach, wie sich die Strukturveränderunger der Menschheit vollziehen. Am PerilleS des 5. Jahrhunderts wurde die Schicksallvsigkett des klassischen Menschen, die Unbestimmthett deS Aus­drucks, an einer Alexanderbüste die erwachende Leidenschaft, das Einsehen, Schicksalhaften er­wiesen. In der römischen Kunst tritt im Gegenfat- zu dieser Dynamik Statik, mimischer Ausdruck, ein. Richts wird betont wie die Willensenergie, fci? ihren zugespitztesten Ausdruck in der ®ara- callabüste bei beginnenden 3. Jahrhunderts fin­det. Im Gegensatz hierzu zeigt eine Büste des Kaisers Probus die erwachende Seele, der Wille wirft nun als magisches Prinzip. Diese Dtieelung Verchristlichung'', dieses Verlegen deS ganzen Lebens in den Blick, der den Menschen nur noch zu einem »Innenraum deS Ausdrucks" macht, wie der Redner sich ausdrückte, zeigt ihre AuS- drucksparallcle in der gleichzeitigen Architektur, etwa der hagäa Sophia in Konstantinopel. Al- letzte Endphäsc, als äußerstes auf die Spitze treiben, folgt leere- Glotzen: die letzte Steigerung erzeugt Leerheit und der Raum wird abstrakt, im Bilde drängt sich der Goldgrund vor. Ein kurzer Ausblick auf die moderne Entwicklung, etwa bei Poelsig. die der späten Antike in vielem ent­spricht, schloß den feinsinnigen und geistreichen Vortrag. D- o

* Volkshochschule. Vorige Woche ging, tote uns mitgeteilt wird, das 5. Semester zu Ende. Es war als Sommerfemester naturgemäß nicht so stark besucht wie das vorhergegangene Wintersemester, doch war die Beteiligung bet den meisten Veranstaltungen durchaus befriedigend. Ganz besonderer Rachdruck wurde dieses Mal auf Führungen und Ausflüge gelegt, die In großer Zahl stattfanden. Die TeUnehmer an den heimat­kundlichen Kursen lernten geschichtlich und künst­lerisch wichtige Orte und Denkmäler unserer Hei­mat aus eigener Anschauung kennen. Ferner wur­den Fabriken und technische Anlagen besichtigt und geologische und botanische Wanderungen ver­anstaltet. Einige Kurse werden sogar noch m den Ferien gemeinsame Ausfluge unternehmen, ein Beweis für die rege Teilnahme der Besucher an der Arbeit. Das nächste Semester beginnt im Oktober. Al- GröftnungSfeier ist ein Dante-Abend geplant, bei dem Prof. Dr. Franz überDante und die Gegenwart" spricht und ausgewäJ e Abschnitte auS derGöttlichen Komödie" vvrgetrazen werden. R ä h e r e s wird rechtzeitig betanntgegeben,

" Die Rotlage der Studenten, Bow Ausschuß der Gießener Studenten­schaft wird uns geschrieben: In der Samstag- Rummer des Gieß Auz. war angeregt worden, bei Unterstützung notleidender Studierender zuerst die bemittelten Studenten heranzuziehen. Schorf in diesem Sommerfemefter sollte innerhalb der Stu­dentenschaft eine Sclbftbefteuerung eingc führt werden. Infolge verschiedener Schwierig- leiten mußte leider dieser Plan unterbl Iben. Iw kommenden Wintersemester jedoch wird die Selbst- Erneuerung durchg führt werden. Auch ohne einen Zwang sind in diesem Semester von den belfer- gestellten Studierenden wiederum n a m h a f te Beträge für ihre weniger bemittelten Kom­militonen zur Beifügung gestellt worden. Rach vorsichtiger Schätzung müssen an hiesiger Uni­versität 200300 Studenten unter dem Sristenz- mintmum lebe«. Um diese große Zahl zu unter­stützen, reichen die von der Studentenschaft auf­gebrachten Mittel bei weitem nicht aus Daher st vor einiger Zeit der Verein .6 t u den ten- b i I f e" gegründet worden, um weitere Mittel zu ammeln und zu verkeilen. Möge die Bürgerschaft bei Beurteilung der Lage der Studenten stets auch derjenigen gedenken, die hungernd auf ihrem Zim­mer an ihren Büchern sitzen

**Die Zuckerdezug»scheinefür August können von den Kleinhandelsgefchäften morgen auf dem LedenSmittelamt, Zimmer 8, in Empfang genommen werden.

DaS Fest der silbernen Hochzeit begehen am 2. August Heinrich Lang und Frau Bahnhofstraße 41

Bornolizerr.

Lageskalender für IRontag: Brandplah 4p, 6 Uhr, Mitgliederversammlung des LheatcrvereinS. Hotel Großherzig. 8 Uhr, Versammlung des D. D A. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße. ..Der LiebcSkorridor" und ..Tro­pengift'. - Astoria-Lichkfviele.Die geheimnis» volle Kugel' undKatinka".

Die Arena Delie gibt z. Zt. auf dem OSwaldSgarten allabendlich ihre Vorfkellungen. Die Truppe verfügt über gute Kräfte, deren Lei­stungen meist über daS DurchfchnittSmaß derar­tiger Darbietungen anderer -Unternehmungen hinausgehen. Die Einlagen der Clowns zeugen von wirklich gutem Humor Den Hauptanziehungs­punkt bildet die Besteigung deS lo Meter hohen TurmscileS. welche durch Abbrennen von Fe»er- veu besonder« wirkungsvoll 'gestattet wird