Ausgabe 
1.7.1921
 
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-wischen der Lanbtagsfraktivn und der Dvzial- demokratischen Partei und dem Minister Dr. Fulda in der Frage bestanden hat, ob bei der D e - setzung höherer Stellen der Verwal­tung eine Vorbildung, wie sie zur Zeit verlangt wird, auch weiter beibehalten werden soll, oder ob den Ansprüchen der Sozialdemokratie dahin Genüge geleistet wird, daß durch llnvor- gebtldete auch derartige Besetzungen von Ver­waltungsbeamtenposten vorgenommen werden sol­len. Es ist ja nicht neu, es ist ja dasselbe, was in Preußen die Zeit über verlangt worden war, und durch den preußischen sozialdemokratischen Minister Severing zum Teil zur Durchführung gekommen ist. Wir haben den Standpunkt des Herrn Ministers Dr. Fulda in dieser Frage durch­aus für richtig gehalten, und wir haben auch konstatieren können, daß er mit der nötigen Festig­keit diesen Ansprüchen seiner eigenen Parteige­nossen entgegengetreten war. Ihm stand das Wohl des Staates höher, als die An­sprüche der Parteigenossen. Wenn wir auch manche Dinge bei dem Herrn Minister Dr. Fulda zu bekämpfen hatten, so müssen wir das doch vor dem Lande anerkennen. Die Situation muß aber dahin geklärt werden, daß wir eine authentische Erklärung von dem jetzigen Vertreter des Ministers Dr. Fulda verlangen, dahin, ob der Kurs, den der Minister Dr. Ailda die Zeit über festgehalten hat, ge­ändert, und ob jetzt den Ansprüchen der Sozial­demokratie Genüge geleistet werden soll. Ich Slaube, wjr haben die Berechtigung, das zu ver-

mgen und zwar nicht allein wir als die Partei der Rechten, sondern es sind ja auch in der Dis­kussion über den Hauptvoranschlag die Anschau­ungen der anderen bürgerlichen Par­teien, sowohl der Demokratie, wie auch des Zentrums nach dieser Richtung hervorge­treten. (Ich habe keinen Zweifel darüber.) Ich kann eine ausdrückliche Erklärung dieser beiden Parteien im Moment nicht beibringen, aber nach allem, wie wir die Reden aufgefaßt haben, haben sie auf demselben Standpunkt gestanden daß es nicht angängig sei, höhere Stellen in der Ver­waltung unseres Landes anders zu besetzen, als durch solche Personen, die die erforderliche Vor­bildung durch Examina und andere Voraus­setzungen nachgewtesen haben. Wenn das aber der Fall ist, wenn sowohl von der Zentrumspartei Wie auch von der Demokratischen Partei dieser Standpunkt vertreten wird wenn darüber noch Zweifel bestehen sollten, so werden die Par­teien doch in einem derartigen wichtigen Augen­blick gebeten, die Meinungen, die sie in dieser Frage haben, hier vor der Oeffentlichkeit zu äußern. Wenn das der Fall sein wird, so werden vielleicht andere Konsequenzen nicht aus­bleiben. Ich brauche darauf zur Zeit nicht ein­zugehen, wollte aber doch darauf hingewiesen Haden. Wir bitten deshalb auch den Herrn Staatspräsidenten, hier eine nachdrückliche und klare Erklärung darüber abzugeben, damit wir wissen, wie wir uns auch dem Herrn Staatspräsidenten als Minister des Innern gegenüber zu verhalten haben. Wir bleiben auf dem Standpunkt stehen, daß es absolut notwendig ist, im Interesse der Erhaltung unseres Staates und im Interesse der richtigen Fortfüh­rung der Geschäfte, daß keiner der Kreisdirektoren, keine Stelle der höheren Verwaltungsbeamten anders, besetzt wird als daß die notwendige Vor­bildung dazu gewährleistet wird. Dieser Stand­punkt muß mit aller Deutlichkeit vertreten wer­den and wird von unS auch mit aller Deullich- keit Lnn Ausdruck gebracht.

Abg. Kaul (S.): Sie werden es verstehen, toenrf meine Partei in diesem Augenblick in ihren Erklärungen Zurückhaltung übt. Gegenüber dem Abg. Dr. Osann erüären wir aber, daß es nicht etwa die Frage der Besetzung von Beamtenposten gewesen ist, die den Rücktritt veranlaßt hat. Wir erllären, daß Minister Dr. Fulda mit der Partei in verschiedenen Fragen der Amtsführung Diffe- rengen bekam, über die innerhalb der Fraktion noch keine Erklärung herbeigeführt werden konnte. Ains liegt besonders am Herzeq die Durchführung der Verwaltungsreform, die wir noch vermissen. Zu der Ansicht Dr. OsannS erllären wir, die Ausführungen, die Finanzminister Henrich gestern vormittag hier machte, stellen auch die Haltung unserer Fraktion dar.

Abg. D r a u e r (H. Dp.): Die Mitteilung des Staatspräsidenten überraschte uns. Ich möchte nicht unterlassen, den Standpunkt meiner Fraktion, den ich bereits gestern hier vorgetragen habe, noch­mals hervorzuheben. Wir stehen auf dem Stand­punkt, daß für die Derwaltungsposten unbedingt ein Befähigungsnachweis gefordert werden muß. Ob wir schon soweit gehen können, wie es gestern der Herr Finanzminister getan, daß der Be­fähigungsnachweis auch in anderer Form als bis­her erbracht werden kann, ist eine Frage, über die ich mich zunächst noch nicht äußern kann. Wir ver­langen vorläufig noch die vorgeschriebene Vor­bildung.

StaatSpräsidentLllrich: Generell die Erklärung: Die Besetzung der Ver­waltungsposten ist Sache der Regierung. Sie haben es in der Hand, etwaige Maßnahmen der Regierung zu kritisieren und Aenderung anzustre» ben. Im besonderen möchte ich erllären, die Koali­tionsparteien haben bisher bewiesen, daß sie wis­sen, was sie dem Lande schuldig sind. Sie werden auch für die Folge die gleichen Gedanken maß­gebend sein lassen.

Abg. Al r ft a b t (Dem.): Auch wir hätten gern Raheres über die Gründe des Rücktritts gehört. Ains genügt aber vorläufig die Erklärung des Abg. Kaul. Wir freuen uns, daß die Re­gierung fo schnell eine Lösung der Krise gefunden hat, mit der wir vollständig ein­verstanden sind. Das Kabinett hat unser voll­stes Vertrauen, und wir haben dieses Vertrauen auch für den Rest der Lebensdauer des Kabi­netts. Die Frage der Stellenbesehung ist nur eine Teilfrage (Zuruf: Oho!), die wir heute nicht zu erörtern brauchen.

Abg. Len Hard (Ztr.): Die Zentrumsfral- tion ist von dem Rücktritt des Ministers des Innerri um so unangenehmer überrascht als dieser Rücktritt noch vor dem natürlichen Ende des Landtags erfolgte. Sie verhehlt sich nicht, daß dieser Rücktritt unter Almständen eine schwere Belastungsprobe für die Koalition werden konnte. Sie begrüßt es daß verhältnißmähig rasch eine Lösung gefun­den worden ist, und wird sich für den Rest deS Landtages damit einverstanden erklären daß wir für die höheren Verwaltungsbeamten' und die Stellen der Kreisdirektoren den wisse n - ichaftlichen Befähigungsnachweis verlangen.

Es wird dann in der Spezialberatung forl- gefahren. Eine Anzahl Kapitel werden ohne we­

sentliche Debatte, den Ausschußanträgen gemäß, I übrigen ist eS gefährlich, sich auf das künstlerische , erledigt. ' Gebiet zu begeben. Maßgebend ist letzten Endes

Berliner Devisenmarkt.

367,10

367,90

36;,60

278,70 279,30 280,45

Berlin

:e

KurS

66,50

305,

283,

303,

305,

6,25

euyork

Züricher Devisenmarkt.

100 L.

74,29

599,40

59,20

88,80

117,80

88,80

117,88

97,83

29.6.

7,95

4,08

8,20

75,07 601,35

100 Fl.

100 W.

307,50 284,- 525,- 225,-

117,90

365,40

281,05

100 100

100

1 100 100 100 100 100

Kr.

Kr.

Kr.

Sh.

30.6.

7,20

4,05

8,10

Börsenkurse.

Frankfurt

Kr.

Kr.

Fr. £ ß.

Zürich . . . Amsterdam Kopenhagen Prag .... Stockholm. Wien. . . . London . .

r

Kr.

74,45

600,60

Datum: 1.7.14. . . . Fr. 125,40

7,27

16,75

1,34

299,50 280,- 510,- 227,- 585,-

288,50

71,50 305,-

522,- 226,50

592,-

290,-

71,75

310,

503,- 328,- 299,50 278,- 545,- 225,25

6,15

969,50

6,95

16,12

1,35

364, ,395, 555, 315, 275,

nicht die Kritik, sondern der Erfolg. Die Ent­wicklung in künstlerischer Beziehung müssen wir abwarlen, wirtschaftlich sind schon jetzt Erfolge erzielt. In der Bedeutung des Theaters als Kulturstätte sind wir uns alle einig. Wir müssen aber bedenken, daß der neue Leiter erst ein Jahr im Amte ist.

Damit schließt die Debatte. Das Kapitel wird genehmigt. Rächste Sitzung Freitag 9Vs Alhr. Schluß li/4 AIHr.

Datum: Amsterdam- Rotterd. Brüssel-Antwerpen . Thristiania Kopenhagen .... Stockholm ....*. Helsingfors Italien London N euyork Paris Schweiz Spanien Wien (altes) Deutsch-Oesterr. . . . Prag Budapest Bulgarien Konstantinopel....

Müller'sche Badeanstalt.

Wasserwärme der Lahn am 1. Juli: 17" R.

Wechsel auf: Holland

Deutschland Wien Prag........

Paris ........ London ......

Italien ......

Brüssel.......

Budapest .....

Neuyork. ......

Agram. ......

Bukarest ......

47.50

22.16

29.05

47.30

2.20

595

3.85

8.92

29. 6. Schweizer - 195.40 = 7.80

= 1.025

= 7.90

= 47.45

= 22.20

- 28.90

- 47.25

« 2.225

-- 594 = 3.85

- 9

12,88 12,92

100,45 100,75

27,97 28,03

. Fr. 125,40

. * 23,80

unterer Wünsche sind berücksichtigt.

29.6.

77,50

London, 30. Juni.. (WTB.) Wie auS Smyrna berichtet wird, fand dort unter dem Vorsitz des Königs Konstantin ein K r i e g s r a t statt. Es verlautet, daß wichtige Entschlüsse gefaßt wurden.

Die Engländer haben, wie aus Athen gemel­det wird, den Griechen die Inseln L e m n o s und I m b r o s übergeben

Die Königin Sophia trifft in dieser Woche zum Besuch der Militärhospitäler in Smyrna ein.

Die kurdische Aufstandsbewegung.

Paris, 30. Juni. (WTB.) Aach einer Havasmeldung aus Konstantinopel ist die kurdische Aufstandsbewegung noch nicht unterdrückt. Die Bewegung greife vielmehr jetzt auch auf Oft- kurdistan über. Die Kurden wollen nach dem Ver­trag von Sevres das freie Selbstbestimmungsrecht. Es sott ein großer Kongreß einberufen werden, um | die Verwaltung zu organisieren.

Datum: 5e/e Disch. Kriegsanl. 46/, Dtsch. Reichsanl. 3*/e Dtsch. Reichsanl. 4*/e Preutz. Konsolr Darmstädter Bank . Deutsche Bank . . . Disconto-Gesellschaft Dresdner Bank. . . Nationalbank s. D. . Mitteld. Treditbank. H.-Amerik. Pakets. . Norddeutscher Lloyd. Doch.Gußstahlwerk . D.-Luxemb. Bergw.. Gelsenkirch. Bergw. . Harpener Bergbau . Oberschles. Eisenb.-B. Oberschles. Tisenind. . Phönix,Dergb -Akt.. Bad. Anilin- u. Soda Höchster Farbwerke. Tlektr. A. E. G Schuckert-Werke. . . Felten-Guilleaume. . Daimler .

Bud.. Tisenw.- Akt. . Adlerwerke 4°/o Hess. Staatsanl. . Elektron Griesheim.

Abend- Abend- Schluß^ Schluß- Kurs Kurs Kurs "

Bedenken der Frau Hattemer kann ich nicht teilen, soweit ich das beurteilen kann. Bedenken habe ich gegen die Absicht, das Landestheater auch in Bad- Aauheim spielen zu lassen. Das würde nichts ein­bringen, würde aber das

Gießener Theater schwer gefährden. Das wäre sehr bedauerlich, denn bisher ist das Gießener Theater ohne Zuschuß des Staates ausgekommen. Ich möchte bitten, die Ver­träge so zu gestalten, daß das Gießener Stadt­theater nicht benachteiligt wird.

Abg. Dr. Büchner (Denr): Die Beanstan­dungen sind erllärlich, ich möchte dem aber ent­gegenhalten, daß die Bühne eben ein Spiegel der Zeit ist. Alnfere Zeit ist nun einmal fo unklar und zerrissen. Wie man z. D. den entfesselten Zeit­genossen auf die Bühne bringen konnte, ist durch­aus unverständlich. Auch mit der neuen Auffassung der Klassiker, so interessant sie sind, kann ich nicht einverstanden fein, weil die Jugend sich an diesen Aufführungen nicht so begeistern kann, wie wir es in der Jugend erlebten. Im übrigen stimme ich Herrn Wünzer über die Aufgaben des Theaters im wesentlichen bei. Wir müssen natürlich beden­ken, daß daS Theater sich zur Zeit in einem Aleber- gangsstadium befindet.

Abg. Reiber (Dem.): Die Ausführungen der Frau Hattemer dürfen nicht ganz unwider­sprochen bleiben. Man kann doch unmöglich Stücke wie die Königin Tamare und Frau ohne Schatten zu Werken von zweifelhaftem Wert rechnen. So banausenhafter Kritik fottte man doch nicht zu» ftimmen. Alnfere modernen Dichter und Kompo­nisten haben ein Recht, aufgeführt zu werden.

Abg. Al r ft a b t (Dem.): Bezüglich des Thea­terturniers mit Bad-Aauheim ist seinerzeit auch die künstlerische Qualität in die Wagschale gewor­fen worden. Ich möchte doch feststetten, daß das Gießener Theater durchaus gut ist und auch verwöhntem Geschmack wohl Rechnung tra­gen kann. Sicher ist, daß das Defizit noch größer wird, wenn das Landestheater in Bad-Aauheim spielt. Wenn wir das Gießener Theater schädigen, können wir es auf feiner künstlerischen Höhe nicht erhalten. Oberhessen hat -aber ein Recht darauf, daß sein Provinztheater gesichert bleibt. Wir haben auch für Mainz und Darmstadt Opfer ge­bracht. Es handelt sich für uns nicht nur um die Erhaltung erstllassiger Kunstinstitute, sondern auch das Provinztheater ist kulturwichtig.

Abg Frau Hattemer verwahrt sich gegen den Ausdruck Banausenkritik.

Finanzminister Henrich: Wir haben nicht die Absicht, das Gießener Theater zu schädigen. Wenn das Gießener Theater auf feiner großen künstlerischen Höhe bleibt, wird es auch weiter in Bad-Aauheim spielen können. Im

Märkte.

Frankfurter Schweine- und Kleinviehmarkt.

Frankfurt a. M., 30. Juni Amtlicher Bericht. Bei langsamem Handel blieb in Schweinen etwas Aleberstand. Aufgetrieben waren 601 Kälber, 397 Schafe und 246 Schweine. An Preisen wurden angelegt per Zentner Lebend­gewicht. für Kalber bester Qualität 700-800 Ml, für Kälber mittlerer Qualität 600700 Mk. für Kälber geringerer Qualität 500600 Mk., für Häinrnei 300575 Mk., für Schweine unter 80 Kilogramm Lebendgewicht 9751000 Ml., alle schwereren 11001300 Mk. Außerdem wurden 41 Rinder ohne amtliche Preisnotierung gehan­delt. Die Marktpreise liegen um soviel 'höher beit. Die Marktpreise liegen um soviel lieben Gewichtsverluste, Spesen und Händler­gewinn in sich schließen.

Geld Brief Geld Bries 29. Juni. 30. Juni.

2412,55 2447,95 2460,- 2465. -

596,40 597,60 598,40 599,60 1064,90 1067,101068,90 1071,10 1253,70 1256,301260,70 1263,30 1645,85 1649,15 1660,80 1664,20

118,35 118,65 117,60 -----

Handel.

Berlin, 30. Juni. Börsen st immungs- bild. Im Devisenhandet ^trat schon vormittags nach beträchtlicher Steigerung infolge des nie­drigen Aeuhorker Markkurses eine wesentliche Ab­schwächung ein. Im Mittagsverkehr zeigte sich aber wieder Aeigung nach abwärts. Infolge­dessen sah die Spekulation sich eher zur Zurück­haltung veranlaßt. Gleichwohl gestaltete sich die Tendenz fest, weil sich verschiedene Einflüsse gel­tend machten. So stiegen Westeregeln bis zu 40 Prvz. auf die Mitteilung in der General­versammlung. daß Braunlohlenflöze erbohrt wor­den seien und die Förderung bereits ausgenommen sei. 'Andere Kaliwerke wurden hierdurch stark mit aufwärts gezogen. Oberschlesische Montan- werte erfuhren eine wesentliche Besserung im Zu­sammenhang mit der fortschreitenden Befreiung des oberschlesischen Industriegebiets von den In­surgentenbanden. Elektrizitätsaktien, besonders A. E. G. und Felten u. Guilleaume zogen kräftig auf -die Meldungen über einen guten Geschäfts- San. Von Spezialpapieren find Augsburg- iberger Maschinen, Deutsche Waffen und be­sonders Hirfch-Kupfer als wesentlich höher her­vorzuheben. Das letztgenannte Papier gewann 16 Proz. Rheinmetall setzten die Aufwärtsbewe­gung fort und stellten sich 15 Proz. hoher; auch Stettiner Vulkan erzielten einen neuerlichen Auf­schwung um 15 Prvz. Kolonialpapiere waren meist gebessert. Von Valutawerten waren mexi­kanische Anleihen ansehnllch höher. Von Banken waren Diskontogesellschast 2 Proz. gebessert. Der Anlagemarkt war fest und im allgemeinen wenig verändert.

§ r a n k f u r t a. M., 30.3uni. Börsen- stimmungsbild. In der Abendbörse konnte sich zwar die feste Tendenz erhalten, doch war das Geschäft etwas ruhiger. Soweit der Ein- heitsmarkt der Industriewerte in Betracht kommt, vollzogen sich wieder in einzelnen Spezialpapieren lebhaftere Almsähe. Gelsen­kirchen Gußstahl, Maschf. Karlsruhe waren zu höherem Kurse gesucht. Aiedriger angeboten aber Schuhs. Berneis Wessels. Elektropapiere lagen fest, wobei A. E. G. bis 306 stiegen, Lflhmeher ebenfalls begehrter 242, 243, Licht und Kraft 233Vr notierten. Chemische Aktien lagen ruhig bei behaupteten Kursen. Alnter den Auslandswerten stellten sich 5 Proz. Gold- mexikaner höher 815, 817. Deutsche Petroleum belebter. Die Aktien waren mit 785, 792, 790 im Verkehr. In freien Verkehr unterlagen Ge­brüder Fahr Schwankungen 353 bis 347, PH. Holzmann schwächer 353. Deutsche Maschinen 388, 390. Montanaktien vernachlässigt. Deutsch Luxemburg verloren 5 Proz. Fest lagen Aie- beck-Montan 5291/2 und Westeregeln 506. Maschf. Ehlingen, Berlin-Frankfurter Gummi- abr., Kammgarn Kaiserslautern wurden zu föheren Kursen gehandelt. Die Abendbörse chloh bei vorwiegend fester Haltung.

Frankfurt a. TI., 1. Juli.

Marktkotierungen.

Für 100 deutsche Mark wurden gezahlt:

602,65

1253,70 1256,30 1 260,70 1 236,30

976,50 978,50 969,- 971,-

Zum Kapitel

Landestheater

führt Abg. Dr. Wünzer (D. Vpt.) aus: Es ist Ihnen bekannt, wie warm ich immer für unser Kunstinstitut eingetreten bin. Gerade darum möchte ich aber einige unerfreuliche Dinge hier zur Sprache bringen, die nach meiner Ansicht dem Kunstinstitut schaden. Rückhaltlos kenne ich das starke Regietalent des neuen Intendanten und auch seine offensichtliche geschäftliche Tätigkeit an. Ich will mich auch keineswegs zum Sprachrohr etwa unzufriedener Theatermitglieder machen. Ein Theaterleiter kann seine künstlerischen Aufgaben nur lösen, wenn er ein tüchtiges Ensemble hat. Ich bin der Ansicht, daß aus dem vorhandenen Künstlerpersonal ein solches Ensemble, natürlich nach Ergänzung von Lücken, sich gestalten lasse. Statt dessen aber wechselt das Personal fast ständig. Eine Aleberfülle an Personal ist einge­treten. Es ist sicher yicht nötig, daß wir zwei Ballettmeisterinnen haben, es ist nicht zu ent­schuldigen, daß der langjährige Theatermaler Kempin, der die beste Anerkennung von Kritik und Publikum hat. pensioniert wurde. Ich halte es nicht für notwendig, daß man für den Louis Ferdinand einen Frankfurter Gast haben mußte, Herr Kulisch hätte diese Rotte spielen können. Ziehen wir das Resümee aus dem Schauspiel, so haben wir zunächst einige Neuinszenierun­gen, mit denen man sich schwer abfinben kann. Aeues bringen ist gut, aber AInmögliches sollte man nicht bringen. Es ist mir gesagt worben, bah z. B. ber Don Carlos als gebrochener Murmel­greis auf bie Bühne kommt, dem kein Mensch ein Verhältnis mit ber Prinzessin Eboli zutrauen kann. Wir haben bann ein paar interessante Neu­inszenierungen, ein paar große schauspielerische Darstellungen gehabt, sonst nichts. Don einem tieferen Eindringen in bie Materie ber Dichtungen ist keine Rebe. Die Faustinszeniemng z. D. war sehr schwach. Hätte man nur einen Teil ber Qluftoenbungen, bie für ben Kea n" gemacht würben, ber Faustinsze- nierung zugewenbet, wäre sicher etwas besseres herausgekommen. Anstatt das Kunstinstitut zu veredeln, hat man es durch Boxkämpfe und Akro- batenkunststücke auf die Niveau des Kinos und des Varietes herabgedrückt. Das Theater soll doch auch wieder zu einer Erziehungsstätte un­serer Jugend in ethischer Beziehung werden. Man sollte doch daran denken, daß das Publikum aus der drückenden Atmosphäre des Alltags hinüber- gefüljrt werden will, in die reine klare Atmosphäre dckt Kunst. Wir wünschen, daß mit Beginn der neuen Spielzeit der Intendant über ein geschlos­senes, leistungsfähiges Ensemble verfügt, damit uns das Theater auch in der schwierigen Zett er­halten bleibt.

Abg. Frau Hattemer (Ztr.): Alnsere Be­denken gegen den großen Zuschuß für das Thea­ter sind nicht Reiner geworden. Wir erkennen an, daß seitens des Intendanten alles geschieht, den Besuch zu heben. Aber wir sind der An­sicht, daß das Theater seine Aufgabe in ethischer Beziehung nicht erfüllt. Das Theater soll 'der Kunst dienen, soll eine Volkserziehungs- und Volksbildungsstätte sein. Wir vermißen die Pfleger klassischer Kunst. Statt dessen kommen Stücke von zweifelhaftem Wert, die höchstens ein paar mal gegeben werden. Vom Standpunkt der Frau aus muß ich sagen, daß unsere zeitgenössi­schen Dichter unsere Frauen so entstellen, daß es in feiner Weise ber Würbe ber Frau ent­spricht. Wie die Damen aus ber Bühne ange» zogen sind, bas entspricht nicht mehr bem An­stand und verdirbt ber Iugenb Moral und Sitte. Ich erinnere an Blaufuchs, Mit dem Feuer spielen, Gläubiger, Kean u. a.

Abg. Detters (©.): Auf bem Lanbe werben bie großen Anforberungen bes Theaters nicht be­griffen. Ich stimme bem Herrn Dr. Wünzer bei, daß sparfammer gewirtschaftet werben muh. Einige

30. 7. Franken 195.50

7.19

(In einem Teil ber Auflage wieberholt.)

Dom Reichswirtschastsrat.

Berlin, 29. Juni. (WTB.) Der Re­pa r a ti o n s a u S f ch u ß bes Reichs- wirtschaftSrates beschäftigte sich in seinen Sitzungen am 28. und 29. Juni mit der Frage ber Ausfuhr als Index für bie variablen Reparationsleistungen, zu der bie Alnterkommission bc:i Bericht erstattete. Der Ausschuß trat dem Bericht einstimmig bei und beschloß, ihn der Presse sofort nach Druck­legung zugehen zu lassen. Sodann beschäfttgte sich der Ausschuß mit einem Entwurf des Ge­setzes zur Aenderung des Körpers chafts- steuergesetzes, über den er einstimmig ein Gutachten abgab. Der Regierung wird empfohlen, unter Berücksichtigung der Grund­sätze dieses Gutachtens mit größter Beschleu­nigung einen neuen Entwurf auszuarbeiten. Darauf vertagte sich der Ausschuß zunächst auf den 5. Juli, da der Reichskanzler den be­stimmten Tag für seine angekündigte Rede noch nicht in Aussicht stellen konnte.

Rücktritt des Ministers Dr. Fulda.

Darmstadt, 30. Juni. (WTD.) Der sozialdemokratische Minister des Innern, Dr. Fulda, hat seinen Rücktritt erklärt. Die Gründe sind Differenzen mit der Partei. Lieber die Neubesetzung des Mi­nisteriums ist noch nichts bekannt.

Reichsverbandstag der deutschen Presse.

Hamburg, 30. Juni. (WTB.) Zu ber vom 24. Juli ftattfinbenben Tagung bes Reichs- verbanbs ber Deutschen Presse wirb eine große Zahl Journalisten aller Parteirichtun- gen Deutschlands eintreffen. Auch bie Reichsmini­ster Dr. Rosen unb Dr. Rathenau sagten ihre Anwesenheit bei ben Veranstaltungen zu.

Amerika unb der Friede.

London, 30. Juni. (WTB.) Wie auS Washington berichtet wirb, ist man dort ber Zu­versicht, baß Präsident Harbing die Reso­lution, durch welche ber Friedenszustand mit Deutschlanb wieberhergestellt wirb, gegen Ende ber Woche unterzeichnen wirb. Einer anberen Meldung aus Washington zufolge erwarten bie Führer des Repräsentantenhauses unb bes Se­nats bie sofortige Ratifizierung bes Friebens mit Deutschlanb unb bie sofortige AInterzeichnung durch ben Präsidenten Harbing.

Die Politik Oesterreichs.

Wien, 29. Juni.. (WTB.) Wie eine Paria» rnentskorresponbenz meldet, wurde in ber gestrigen Sitzung bes Reichsparteitages ber großbeut- schen Volkspartei einstimmig eine Entschlie­ßung angenommen, in ber erklärt wirb, Oesterreich müßte versuchen, solange sein Leben zu fristen, bis ber Augenblick komme, der es ihm ermöglicht, wenn auch als armes, so boch als aufrechtes M i t g (i c b in ben beutschen Bundesstaat ei ncu­tteten.

Neuer polnischer Angriff auf Deuthen.

Berlin, 30. Juni. Blättermeldungen aus Beuthen zufolge hatinderNachtzum 29.3 u n i erneut ein umfan greicherAn- griff der Insurgenten auf die Stadt Beu­then stattgefunden. Die Insurgenten dran­gen unter dem Schutz von Minenwerfern und Maschinengewehrfeuer bis in die unmittelbare Nähe des Hauptbahnhofes vor. Zahlreiche Geschäfte wurden geplündert und in die Häu­ser Handgranaten geworfen. Die Franzose« verhielten sich bei dem Angriff volllommen passiv.

Die Lage Griechenlands.

12,23 12/27

101,10 101,40

27,67 27,70

30.6»

29. 6.

30.6.

77,50

77,50

77,50

78,10

78,30

.

75,75

.

-

69,70

69,90

168,-

168,-

168,50

324,-

322,50

322,45

276,50

275.50

278,50

226*50

227,-

1

181,

181,50

166,50

167,-

166,50

165,25

165,50

147,50

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525,-

527,50

362*

364,-

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386,-

395,-

389,75

556,-

553,50

553,50

318 -

316,

-

277,-

t

760,«

404*-

398,-

409*

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.

329,75