Ausgabe 
1.7.1921
 
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Zreitag, )uli 1921

Zweites Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 151

denen

Reichsministerium des 3nnern gestellt.

37. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

Danach wird in die

Spezialberatung des Etats eingctreten. Die ersten Kapitel werden ohne De»

geleitet worden.

Der letzte Zeuge. Zimmermann G r i e n en­de rg er, ein Elsässer, gibt an. daß der Befehl des Hauptmanns Crusius, Verwundete zu er­schießen, nicht von der Kompagnie befolgt worden sei. Nur einmal habe ein Soldat auf Befehl des Hauptmanns einen verwundeten Franzosen er­schossen.

daß der Täter, wie schon aus den Zeitungen bekannt war, zu einem Jahre Gefängnis ver­urteil! worden ist. Hinsichtlich der zu gewähren­den Genugtuung enthält sie jedoch nichts. Es wird nunmehr Sache der Reichsregierung sein, aus diplomatischem Wege für die Betroffenen, welche durch die Tat eine schwere Einbuße an ihrer Gesundheit erfahren haben, eine angemessene Sühne zu fordern. Das Staatsministerium hat bereits einen entsprechenden Antrag bei dem

machen sollen.

Abg. Lux (6.): Die Besichtigungsreise hat jedenfalls erwiesen, daß infolge des Siedlungs- gesehes ein Wettstreit zwischen Groß- und Klein­betrieb entstanden ist. Jeder sucht den anderen zu übertreffen und den Bortell hat die Allgemein­heit. Das Kapitel wird dann genehmigt.

Es tritt dann eine längere Pause ein. in der die Fraktionen sich mit der Regierungsumbildung befassen, die durch den inzwischen bekannt gewor-

Küssen Sie mich . . . aber nur ein einziges Mal . . .

Mit schwindelndem Kopf zog Philipp sie un­gestüm an sich, von demselben bittern Genuß durch­bebt, den er gefühlt, als sie ihn vor zwei Tagen bei Frascati plötzlich mit feinem Hamen ange­sprochen hatte. Aber ach, jetzt war er hundert­fach größer, und mit wildbrennenden Händen um­faßte er den schönen Kopf und Bedeckte ihren Wund ?.üt Küssen, während sein Blick tn die wunderbaren blauen Augen starrte. Es waren seine Iugendträume, seine Vergangenheit, alles, das nie mehr werden konnte, was er auf ihren Lippen küßte Sie hatte den einen Arm um fernen Hals geschlungen, in dem trüben Licht fah er ihr weiches Lächeln. Oh. Weib. Weib . . . und ehe der Hahn krähet . . .

Plötzlich riß sie sich los und sagte mit atem­loser Stimme:

Rein, gute Rächt!" ilnö im nächsten Augen­blick war sie mit raschen Schritten in dem zit­ternden Schatten der Blätter verschwunden. Einige Sekunden, und Philipp hörte ihr Tor mit einem scharfen Knall zuschlagen.

Hessische Volkskammer.

Darmstadt, 30. (Juni.

Am Regierungstisch: Staatspräsident Ell­rich. Minister des Innern Dr. Fulda, (Justiz- Minister v. Brentano. Präsidenten der Law desämter und Kommissare.

Es war am nächsten Tag gegen 5 ilt)r nach­mittags, in Invemeß Crescent, einem Gäßchen im nordwestlichen London, hauptsächlich von Künst­lern und Bohemiens bewohnt. Ateliers und Einzelzimmer waren da beständig zu vermieten. Einzüge kamen jeden Tag vor, ohne daß Möbel­wagen die Straße verstellten, Auszüge ebenso oft und selten, auf Grund von Kündigung von feiten der Mieter.

Es hatte darum gegen 12 Uhr an diesem

Bevor sie spät abends vor ihrem Boarding- haus voneinander Abschied nahmen, kam Philipp ein Gedanke. Während er dem Chauffeur bezahlte und sie noch in dem scharfen Licht der Signal­laternen des Autos stand, sagte er unbefangen

Apropos, ich fahre bald wieder nach Schwe­den zurück.' Kein Zögern! Ach, kein Zögern- Sie zuckte in unverkennbarem Staunen zusammen und stammelte:

..Wie . . . nach Schweden zurück . . . Src fahren nach Schweden zurück?"

Fassen Sie sich." sagte Philipp lachend, ..morgen verlasse ich Sie auf reden Fall ^wch nicht."

Sie war, als er von seiner Reise nach Schwe­den sprach, mihtrauifch zusammengezuckt, also kannte sie seine Stellung daheim, also waren seine Vermutungen gerechtfertigt. Oder . . konnte es fein, weil sie ihn nicht verlieren wollte? Ern Beben durcheilte ihn trotz alledem bei diesem Ge­danken, und er faßte einen raschen Entschluß.

(Ja, richtig," sagte er, während das Auto fortrollleDarf ich Sie um etwas bitten, Fräu­lein Holten?"

Gerne."

Wollen Sie mir versprechen, mich zu be­nachrichtigen, falls ich Ihnen in dieser Pollzei­geschichte irgendwie von Rutzen sein kann? Hier ist meine Adresse Sie entschuldigen, ich habe keine Visitenkarte.'

schäften.

Abg. Knoll (Ztr.): Herr Dr. Dehlinger scheint nicht zu wissen, was unsere Siedlung will, fonst könnte er nicht von Sozialisierung sprechen.

Abg. Fenchel (H. Vp.) stellt fest, daß bei Abg. Dehlinger nur für seine Person gesprochen hat. Cs hat sich erwiesen, daß die Kleinbauern und die Siedler ihr Land genau so gut bebauen wie die großen Güter. Der Abg. Urstadt hätte seine Ausführungen vor dem Reichswirtschaftsrat

fjerrn Collins Abenteuer

Roman von Frank Heller.

Tage keinerlei Aufsehen erregt, daß ein einfach gelleideter Herr mit wenig Gepäck sich in Rr. 19 ein fand und zwei Zimmer tm dritten Stock links mietete. Das einzige, worüber man sich wunderte, war, daß er von einem Mann begleitet wurde, der offenbar sein Diener war, Bediente waren seltene Vögel in Invemeß Crescent. Der fremde Herr mietete die Zimmer unter dem Ramen Col­lin für einen Monat und ließ seine Sachen so­gleich hinauf bringen. Der Portier, der den Zms in Empfang genommen hatte, zog sich in seine eigene Wohnung zurück, ohne sich weiter für den neuen Mieter zu interessieren.

Run war es fünf, und die Sonne beleuchtete Invemeß Crescent mit bleichen, horizontalen Strahlen. Aus den halb geöffneten Fenstern der Straße drang Geplauder und Lachen, während der Tabakrauch leicht ins Sonnenlicht hl'nauS- wogte Alles atmete die Ruhe eines Herbst­nachmittags. als die Stille plötzlich von dem schrillen Tuten eines Autos unterbrochen wurde, das auf breiten Gummireifen über den knistern­den Kies von Invemeß Crescent cinbog. Das Tempo verlangsamend, fuhr es die Häuserreihe entlang, bis es Rr. 19 erreichte, wo es stehen blieb. Eine blasse Dame in grauem Promenade­kostüm und ein rothaariger Herr in tadellosem Sakkoanzug sprangen rasch heraus und verschwan­den in die Halle.

Mr. Collin?' fragte der Herr.

Dritter Stock, links. Sir,' sagte der Por­tier, und mit raschen Schritten eilten die Fremden die' schmale, teppichlose Stiege hinauf.

(Fortsetzung folgt.)

geäußerte Zweifel über einen solchen Befehl ist er bei seinen Angaben geblieben.

Als erster Zeuge bekundet Rittmeister Fre- mery: Deutsche Sanitätssoldaten hätten erzählt, wie ein verwundeter französischer Kapitän auf sie geschossen habe. Daraufhin seien die deutschen Sanitätssoldaten mit Handseuerwaffen ausge­rüstet worden.

Der 6. Leipziger Kriegsprozeh.

Leipzig, 29. (Juni. Vor dem zweiten Strafe senat des Reichsgerichts begann heute unter dem Vorsitz des Senatspräsidenten Schmidt der sechste Kriegsbeschuldigtenprozeh, der sich gegen den Ge­neralleutnant a. D. Karl Stenger und gegen den Major a. D. Crusius richtet. Dem Prozeß wohnen viele Vertreter der deutschen Regierung und die fünfgliedrige Kommission der französischen Regierung bei.

Der Präsident eröffnet die Verhandlung mit der Mitteilung, daß gegen den Generalleutnant von dem Oberreichsanwalt wegen der von der französischen Regierung erhobenen Beschuldigun­gen keine Anklage erhoben worden sei. Rach der französischen Liste wird dem Generalleutnant Stenger vorgeworfen, den Befehl gegeben zu haben, keine Gefangenen zu machen und G e = f angene erschießen zu lassen. Der angeb­liche Befehl des Generalleutnants Stenger ist seinerzeit in die Presse der Entente übergegangen und gegen Deutschland ausgeschlachtet worden. Major Crusius soll am 21. und 26. August 1914 auf dem westlichen Kriegsschauplatz als Haupt­mann den Befehl des Generalleutnants Stenger an mindestens sieben französischen Gefangenen haben ausführen lassen.

Generalleutnant Stenger, der nur an zwei Krücken gehen kann, gibt an: Am 21. August 1914 befand ich mich mit meiner 58. Infanteriebrigade nach einem Gefecht bei Saarburg auf dem Vor­marsche. Als ich mich mit meinem Stab den Exer­zierplatz überschritt, lagen dort anscheinend tote Franzosen. Rachdem wir an ihnen vorüberge­kommen waren, hat mein Stab von hinten In­fanteriefeuer erhalten. Es ist mir gesagt worden, daß sich die angeblichen Toten wieder au fge richtet und uns beschossen hätten. Da habe ich geäußert, solche Feinde sollte man sofort an Ort und Stelle erschießen, niemals habe ich aber gesagt, Wehrlose sollten niedergeschossen werden.

fen, daß die Regierung sich nicht irre machen läßt und energisch weitergeht trotz aller Gegen- agitation. Der Reformbund der Gutshöfe hat das gute Recht, für sich zu agitieren. Die Muster- Höfe, die er zeigte, waren sicher erfreulich gut, aber auch die Besitze der kleinen Bauern waren gut Geringe Ausnahmen fallen hier nicht ins Gewicht Diese Art der Siedlung ist keine So­zialisierung. Wir wünschen, daß entsprechend dem Landgeseh, wo immer nur es sich ermöglichen läßt, Grund nicht nur in Pacht, sondern in Eigentum gegeben wird, bann ist das keine So­zialisierung. Es muß Gewähr dafür geschaffen werden, daß den Siedlern ihr Besitz erhalten i bleibt, wenn sie ihn zweckentsprechend bewirt-

Zu den Personalien des Majors Crusius stellt der Präsident aus den Akten fest, daß der geistige Zustand des Angellagten, der damals Hauptmann war, am 26. August 1914 Anlaß zu Beanstandungen gegeben habe. Major Crusius schildert alsdann den Aufmarsch seines Regi­ments. Dor dem Angriff habe der Brigade- general die Offiziere zusammengerufen und ihnen den Befehl gegeben, alle auf dem Schlachtfelde liegenden Franzosen sind zu erschießen. Diesen Befehl habe er feiner Kompagnie in der Schützen­linie durchgegeben. Beim Vorgehen der Kom­pagnie hätten sie bann einen Franzosen auf dem Schlachtfelde liegend gefunden, der sich tot gestellt habe. Da habe der nunmehr verstorbene Major Müller den Befehl gegeben: Erschießen! Präsi­dent: Rein, Herr Major, Sie sollen den Befehl gegeben haben. Crusius: Das ist nicht wahr, der Major hat selbst den Befehl gegeben und mir noch zugerufen, Herr Hauptmann C4rufius, kennen Sie denn den Brigadebefehl nicht?

Beim weiteren Vorgehen sei dann noch ein Franzose erschossen worden, der angeblich flehent­lich um fein Leben gebeten habe. In diesem Falle soll Major Crusius den Befehl zum Erschießen gegeben haben. Der Präsident hält dies dem Angeklagten vor. Crusius erwidert, er hätte nur dem Befehl seines Vorgesetzten Folge zu leisten gehabt. Major Crusius schildert bann das unmittelbar anschließende furchtbare Waldgefecht. Präsident: An diesem Tage waren Ihre Rer- ven noch in gutem Zustande?Crusius: (Jawohl!

Es wird alsdann der erste Sachverständige, Geheimrat Dr. B u m k e - Leipzig vereidigt. Gr stellt an den Major die Frage, was und wieviel er am Morgen getrunken habe. Major Crusius: Ich habe nach Ausgabe des Befehls morgens um 6 Uhr einen tiefen Schluck Alkohol aus meiner Feldflasche genommen und den Tag über nichts gegessen. .

Generalleutnant Stenger schildert den Mitangeklagten Crusius, daß er das Bild eines Menschen geboten habe, der nervös zufammen- gebrvchen sei.

Der zweite ärztliche Sachverständige. Ober­arzt Dr. S e r n a u gibt alsdann das Protokoll einer Rervenklinik bekannt, worin es heißt: Major Crusius gibt an, daß er seelisch zusammenge­brochen sei, weil er am 26. August auf Befehl Gefangene habe erfchießen lassen müssen. Aus

Der Kamps gegen die Arbeitslosigkeit.

Berlin 29 Juni. Der Volkswirt schaftliche Ausschuh des Reichstags beschäftigte sich heute mit dem Anträge seines Unterausschusses, der die grundsätzliche Regelung der Erwerbslosenfürsorge behandelt. Zur Lö­sung dieses Problems soll in erster Reihe eine planmäßige Umschichtung der Bevölkerung bei­tragen Das Arbeitslosenproblem fei mit den Fragen der Wirtschaft aufs engste verbunden. Eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse trage gleichzeitig zur Linderung der Rot der Arbeitslosen bei und vermindere deren Zahl durch zunehmende Beschäftigung. Erwerbslose, die keine Beschäftigung finden konnten, bedürften einer finanziellen Unterstützung, die ihnen ein Existenzminimum sichere. Dabei bestehe jedoch in erster Linie die zwingende Rotwendigkeit, den Beschäftigungslosen Arbeit zu beschaffen. Rach Ansicht des Unterausschusses machen die nach dem Kriege eingetretenen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse eine weitgehende Umschichtung der Bevölkerung von der Stadt auf das Land drin­gend erforderlich. Zur Erleichterung unserer Versorgung mit Rahrungsrnitteln, zur Vermin­derung unserer Einfuhr sei eine Verbreite- ru ng der landwirtschaftlichen Grund­lage unentbehrlich. Diesen Zwecken dienten l.e'me großzügige Reusiedelung und Anlieger- fieMung, 2. die Bereitstellung der dazu erforder­lichen Wittel, 3. eine Abänderung des Reichs- siedlungsgeseyes, wodurch die jetzt bestehenden Hemmnisse der Siedlung beseitigt werden, 4. die Anlernung städttscher Arbeiter für Landwirtschaft unb Gartenbau. Die produktive Erwerbslosen« fürforge solle die Anlernung durch Gewährung eine«, angemessenen Zuschusses für die Dauer der Anlernzeit fordern, 5. sei die Schaffung von Kulturgürteln nötig, namentlich um die großen Städte, durch Ruhbarrnachung von Oedflächen und Ausbau zu gärtnerischer Siedlung zwecks Versorgung der Bevölkerung mit Gemüse, Obst und anderem, 6. die Förderung der Melioratio­nen Kulttvierung und Besiedlung von Moor- länbcreicn unter möglichster Berücksichtigung des Raturschutzes.

Was die Arbeitsbeschaffung betrifft, so kam bei Unterausschuß zu dem Ergebnis, daß eine Förderung des Baugewerbes in Stadt und Land zu erfolgen habe, und zwar 1. durch Dauhilfe, 2. durch Anregung der privaten Bau« tättgkeit auf dem Wege steuerlicher Erleichterung und freier Verfügung über Reubauten, 3. durch die Bekämpfung ungesund hoher Preise der Bau­stoffe. Aufhebung der Verordnung vom 29. (Juni 1916 über das Verbot der Errichtung von Werken zur Herstellung von Zement. 4. durch schnellere Förderung des Baues von Kanälen, Talsperren sowie anderen Arbeiten, die einer Förderung des Verkehrs und der Wirtschaft dienen, 5. .durch Reubau notwendiger Verkehrsstraßen und durch Wiederherstellung der vielfach stark abgenützten Landstraßen und Wege, 6. durch Beschleunigung der Wiederaufforstungsarbeiten. Ferner soll mit den Mitteln der produktiven Erwerbslosensürsorge

Mit seiner Füllfeder schrieb er rasch em paar Zeilen auf Sin Blocknotesblatt.

Ich bin immer gegen fünf Uhr nachmittags zu Hause, oft länger, und ich stehe jederzeit zu Ihrer Verfügung, Fräulein Holten."

Mr. F. Collin. 19 Invemeß Crescent. RW., las fic und steckte das Blatt in ihr Täschchen zu Mr. Kenyons Adresse.

Danke," sagte sie,aber Sie sind schon zu freundlich gewesen, Herr Collin. Ach, ich müßte mich ja schämen, wenn ich . . .

»Wenn Sie mich in Anspruch nehmen soll­ten," ergänzte er rasch.Im Gegenteil, ich bitte Sie, tun Sie es. Es wird mir nur ein Vergnü­gen lein, wenn Sie mich im Bedarfsfall auf­suchen oder mir schreiben."

Gehen wir noch einen Augenblick die Straße hinunter," brach sie ab.Ich brauche ein biß­chen Luft." _

Er beeilte sich, zuzustimmen, und sie gingen schweigend einige Schritte unter den Bäumen bie ihre Zweige über das Gitter von Regents Part streckten. _ . .

Plötzlich blieb fic stehen und wandte sich ihm freundlich getoelen,' Sagte sie.

Ich" hatte Sie mir so ganz anders vorge-

Äch Fräulein Holten, Sie kannten mich doch kaum, einmal in Stockholm, vor zehn (Jahren, das ist doch nichts. Aber inwiefern hatten Sie sich mich anders vorgestellt?" fragte Philipp mit klopfendem Herzen. Oh, Weib! Weib.'

Ich weiß nicht," fagte sie lahm, und ohne irgendeinen Uebergang fügte sie plötzlich hinzu

die allgemeine Ausbesserungsarbeit an den Wohnhäusern gefördert werden. Schließlich ist der Unterausschuß der Ansicht, daß eine sofor­tige Inangriffnahme öffentlicher Arbei­ten in weitestem Umfange zu geschehen habe.

Schließlich wurde vom Unterausschuß betont, daß die in Aussicht stehenden Preissteigerungen und die Gefahr einer Verschlechterung unserer Währung infolge der Entschädigungsverpflichtun- gen auf die Wahrscheinlichkeit großer sozialer Kämpfe in naher Zukunft An­beuten. Deshalb werde die Regierung ersucht, schleunigst zu prüfen, ob nicht die Abwälzung der in Aussicht stehenden Geldentwertung durch gesetzliche Maßnahmen zu erleichtern sei. Dabei soll besonders geprüft werden, ob nicht auf der Grundlage der amtlich ermittelten Teuerungs­zulagen von Zeit zu Zeit alle Löhne und Gehalter selbsttätig der Preis­entwicklung nach oben und unten an« zupass en seien.

Entgegen dem Antrag des Unterausschusses wurde vom Volkswirtschaftlichen Ausschuß be° schloffen, das Verbot der Errichtung von Zement­werken weiter bestehen zu lassen. Man beschränkte sich auf die allgemeine Forderung der Bekämp­fung ungesund hoher Preise auf dem Markte der Baustoffe. Abgelehnt wurde ferner der Sah des Antrages, der bei Arbeitslosigkeit, die durch Kampfmahnahmen zwischen Lieferanten und Ab­nehmern entsteht, die daran schuldigen Verbände für den Lohnausfall haftbar machen wollte. Auch die Anregung wurde gestrichen, wonach geprüft werden sollte, ob nicht auf der Grundlage der auttlich ermittelten Teuerungszahlen von Zeit zu Zeit alle Löhne und Gehalter selbsttätig der Preisentwicklung nach oben und unten anzu-

paffen seien. Hierbei war die Mehrheit des Aus- schuffeS der Ansicht, daß dieser Vorschlag in keinem direkten Zusammenhang mit der Erwerbs - lofenfürforge stünde. Im übrigen wurden die im Anträge des Unterausschusses feftgclegten Grundgedanken für eine planmäßige Reglung der L-werbslosenfürforge ohne wesentliche grund­sätzliche Aenderungen auch vom Volkswirtschaft­lichen Ausschuß genehmigt.

Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9.40 Uhr und teilt mit, daß die Antwort der Regierung auf die Anfrage Dinge l- d e y wegen des Uebersalls auf den Post- sekretär Scheel-Mainz eingegangen fei. Der Tatbestand, welcher der Anfrage zugrunde liegt, ist der Regierung bekannt. Der Vorfall spielte sich in folgender Weife ab: Am 8. Fe­bruar d. (V, gegen 11 Uhr abends, ging in Mainz der Postsekretär Scheel mit feiner Richte von der Stadt nach Haufe. In der Rühe des Forts Hechts­heim näherte sich ihnen ein marokkanischer Sol­dat. Plötzlich fiel ein Schuh, der den Scheel, , ______

in die rechte Seite des Hinterkopfes traf; er fiel Rücktritt des Ministers des Innern Dr. SlllDO bewußtlos zur Erde. Der Soldat ging auf die I notwendig geworden ist.

Richte zu, hielt sie fest und verlangte von ihr. sie Um 12 Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet solle mitgehen. Das Mädchen setzte sich energisch » a r; x - « t si r r i A

zur Wehr und wurde dabei von dem Marokkaner I Staatspräsident Ulrich.

mit einem mefferartigen Instrument am linken I Der Minister des Innern, Dr. Fulda hat Auge schwer verletzt. Rachdem der Postsekretär mir heute morgen einen Vries übersandt, in dem Scheel wieder zum Bewußtsein gekommen war er erklärt, daß er von feinem Posten als Minister und sich erhoben hatte, lieh der Soldat von dem des Innern zurücktritt. Diese Erklärung ist Mädchen ab Unb verschwand. Sobald der Fall eine Folge von Differenzen innerhalb zur Kenntnis des Staatsministeriums gekommen unserer Partei. Wir haben im Ministerium, war, ersuchte es, unter schärfster Verurteilung soweit das möglich war, in persönlicher Unter- der scheußlichen Untat, den Oberkommandierenden Haltung die Frage, was zu tun ift, erörtert.

der Rheinarmee um eine Mitteilung über den sind zu dem Entschluß gekommen, daß die Fort- Ausgang der Untersuchung, sowie über die für die führung des Ministeriums des Innern beiden Verletzten beabsichtigte Genugtuung, in zunächst seitens desStaatspr afi dentenzu Unterstützung der bereits von dem Landeskom- e r l e d i g e n ist. Es wird demgemäß von mir oer- missar für das besetzte hessische Gebiet bei den fahren werden. Ich darf annehmen, oaß auS dem Delegierten des Kreises und der Provinz unter-1 Hause fein Widerspruch erfolgt. Die Geschäfte des nommenen gleichen Schritte. Die Antwort des Ministers des Innern werden von mir in alter Oberkommandos ist jetzt eingegangen. Sie bestätigt, s Weise fortgeführt werden.

" - * " " Abg. Dr. Osann: Die Gründe, Die den

Minister des Innern dazu veranlaßt haben, fein Amt niederzulegen, find von dem Staatspräsiden­ten dahin definiert worden, daß es sich um Dlffe- renzen in der Fraktion handele, die ihn veranlaßt haben, von seinem Amte zurückzutreten. Welche Differenzen hiermit gemeint sind, hat der Staats­präsident nicht näher gesagt, wir können sie nur aus der Presse entnehmen, insbesondere aus der Presse der Sozialdemokratie, aus der ja zu er­sehen ist, daß lebhafte Meinungsverschiedenheiten

batte genehmigt.

Zum Kapitel Forsiveiwaltung tritt Abg. Ur­ft a d l (Dem.) für die A u f h e b u n g d e r H o lz- rationier ung ein, um auch mit dieser _ rp = Zwangswirtschaft zu brechen und beantragt da-

Generalmajor R e u b a u e r, damals Regt- für öcn holzarmen Gemeinden von Staats wegen mentskommandeur, gibt an, er habe nie einen qct^inc Klengen Holz zuzuweisen.

Dngadebefehl zu Gesicht bekommen, der die Er- ^ibg (y i n n c r tt (Soz.j spricht sich gegen f<bi?bung der Verwundeten anordnete. Er se, ben Antrag aus. der sicher eine starke Erhöhung am 26. August in der Rahe des General Stenger ber Hoizpreise zur Folge haben dürfte, gewesen. Wenn dieser einen solchen Befehl ge- Finanzminister Henrich Der Regierung ist geben hätte, müsse er davon etwas wissen Daupt- cinc -Meinungsäußerung der Kammer zu dieser mann Crusius war nach der Schlacht am 26 Aug 5rage nkht unerwünscht Der Abbau der Ra- verschwunden. Erst Mitte September tauchte er tn Pionierung wird sehr erwünscht, zumal sie schon Mülheim a. d. R. wieder auf. Eine halbe Stunde | ftdrl durchlöchert ist Für die Minderbemittelten nach dem Waldkampfe fei Crusius höchst erregt I mu)) übcr ÖPrge getragen werden, unb da« ließe aus der Schützenlinie zurückgekommen unb hätte fid) in ber Art machen baß jeher Waldbesitzer , einer Gruppe von Offizieren zugerufen: Alles ist I cin bestimmtes Quantum Holz für Minberbemit- verloren, rettet Euch! Der Zeuge hatte bamalä tc[lc Verfügung stellt, das die Regierung je den Eindruck, daß Crusius wahnsinnig geworden nad) Bedarf zuteilt ei, und er habe ihn unter Begleitung zurück- Abg K n o 11 «Ztr.) möchte dringend warnen, bringen lassen. die Rationierung des Brennholzes aufzuheben.

Generalleutnant a. D. E ck e r m a n n, damals Das Kapitel wird genehmigt. Der Antrag Regimentskommandeur, erklärt gleichfalls , U r ft a b t wird abgclehnt

stimmt, daß er von dem angeblichen Brigadebefehl $ulu Äat,ltc[ Siedlung«wesen macht nichts weiß. 2lbg Dr Dehlinger einige Ausführungen all-

Regimentsarzt Dr. D ö h n e r horte, wie ^meiner Art Er warnt dringend vor einem Zu- Crusius am 21. August feinen Leuten zurief: weitgehen in dieser Sozialisierung, denn er- Wollt Ihr nicht den Brigadebefehl ausfuhren und sabrungsgemäß vermindert jede Sozialisierung die die Kerle erschießen? Die Leute der ^onipagmc tpirDt)uitiDn des Crusius haben aber nicht geschossen, sondern zibg U r st a b t «Dem.). Es ist anzuerken- gesagt, Wehrlose erschießen wir nicht. c nen daß bas Sieblungswesen nunmehr (im Gegen-

Staatsanwaltschaftsrat Langel gibt Auf- »atz' zum Dorjahr > besser sorischreitet. Wir Hof- tlärung über ben Geisteszustand des Angeklagten - - - *-* *

Crusius. Dieser fei im August 1914 aus der Schützenlinie zurückgestürzt mit Alarmrufen. Aber es sei schon bamatd feftgeftelU worden, daß zu der Stunde überhaupt kein Angriff der Fran­zofen erfolgt fei. Wegen dieses Vorfalls sei damals auch ein Kriegsgerichtsverfahren wegen Fahnenflucht gegen den Hauptmann Crusius ein-