Ausgabe 
31.7.1929
 
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material zu informieren, während irgendwelche bedeutungsvollen politischen Vor- besprechungennichtmehraufder Tages­ordnung stehen.

Die französische Delegation.

Paris, 31. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die französische Delegation für die Haager Konferenz wird lautMatin" aus folgenden Personen bestehen: Ministerpräsident Driand, Finanzminister Cheron, dem Sekretär im Außenministerium B e r t h e l v t, dem Gouver­neur der Dank von Frankreich, M o r r e a u. dem Kabinettschef Driands Leger, dem Rechts­sachverständigen des Außenministeriums Fro- m a g e o t. sowie mehreren Sachverständigen, dar­unter dem Archivar der Bank von Frankreich Q u e s n e h.

Ministerpräsident Driand und die übrigen Mitglieder der Delegation für die Haager Kon­ferenz werden, wie derJntransigeant" wissen will. Montag 11 Uhr Paris verlassen und um 18 Uhr im Haag eintreffen.

Llnterstützung des Kabinetts Driand.

P a r i s, 30. 3uIL (WTB.) Die s oz i a l r e pu- blikanische Kammerfraktion hat be- fchlossen, der Regierung Driand im Hin­blick auf die Konferenz im Haag ihre Unter­stützung zu gewähren. 3n der Begründung wird jedoch erklärt, daß die Zusammensetzung des Kabinetts weder den Wünschen der republi­kanischen Mehrheit, noch den erforderlichen Er­fordernissen einer Linkspolitik entspreche. Das Kabinett habe nur die Aufgabe, sämtliche auf der Haager Konferenz aufgerollten außen- politifchen Fragen zu regeln. Auch die links- republikanifche Fraktion hat in einer Entschließung ihr Bedauern darüber zum Aus­druck gebracht, daß die Erweiterung der repu­blikanischen Mehrheit des Kabinetts nach links nicht möglich gewesen sei.

Die Flottenabrüstungskonserenz.

Tagung in London noch in diesem Jahr?

London, 30.Juli. (WTB.) In einer Reuter- Meldung aus Washington heißt es: Rach Mit- teilungen von Persönlichkeiten, die in engster Füh­lung mit dem Präsidenten Hoover stehen, ist jetzt das Ziel des Präsidenten eine

Flottenabrüstungskonferen; in London vor Ende des Jahres.

Hoover hofft zuversichtlich, daß die jetzt im Gange befindlichen Verhandlungen zu einer erfolg­reichen Flottenabrüstungskonferenz führen werden, und zwar vor der im Washingtoner Vertrage vorgesehenen Konferenz im Jahre 1931. Es wird angenommen, daß Präsident Hoover dem englischen Premierminister Macdonald, wenn dieser eventuell im Oktober nach Amerika kommt, mitteilen wird, daß nach seiner Ansicht eine Flottenabrüstungskonferenz größere Aussicht auf Erfolg habe, wenn sie in London abgehalten werde. Die amerikanische Regierung sei jedoch nicht gegen den Gedanken, selb st Gastgeberin der Konferenz zu sein, und würde gern diese Auf­gabe übernehmen, wenn die anderen Regierungen der Ansicht seien, daß eine Konferenz in den Ver­einigten Staaten zu besseren Ergebnissen führen würde. Der Kriegssekretär Good, der das Wochen­ende zusammen mit Präsident Hoover verbracht hatte, teilte bei seiner Rückkehr mit, daß

der gesamte Generalstab des Heeres sich der Prüfung der militärischen Ausgaben im Hinblick

auf eine Einschränkung widmen werde.

Wie der Amtliche Britische Funkdienst berichtet, wurde die in Washington laut gewordene Ver­mutung, daß es sich ermöglichen lassen werde, noch vor Ablauf des Jahres in London eine Abrüftungs- konferenz der führenden Seemächte abzuhalten, i n London mit Interesse ausgenommen. Man ist hier der Meinung, daß bei einem zufrie­denstellenden Verlauf der vorbereitenden Bespre­chungen zwischen den Vertretern Englands und der Vereinigten Staaten die Abrüstungskonferenz, die nach der auf der Washingtoner Konferenz getroffe­nen Vereinbarung im Jahre 1931 stattfinden sollte, schon in diesem Jahre abgehalten werden kann. Der amerikanische Botschafter, General D a - wes, hatte heute nachmittag eine weitere Unter­redung mit Premierminister Macdonald über die Frage der Abrüstung zur See.

Die kommunistische Weltpropaganda am 1. August.

3n Frankreich, Holland, der Schweiz, Skandi­navien und namentlich auch auf dem Balkan haben die K o m m u n i st e n in den letzten Wochen so intensiv für einen blutigen 1. August Pro­paganda gemacht, daß sich die Regierungen fast aller dieser Länder veranlaßt gesehen haben, zu scharfen Abwehrmahnahmen zu schrei­ten. Namentlich in Frankreich und den Donau­ländern sind Massenverhaftungen von kommunistischen Agitatoren vorgenommen wor­den, außerdem haben sich hier die Sicherheits­behörden veranlaßt gesehen, in den Städten die Polizei und die Garnisonen in Alarm- zustand zu versehen, um sofort alle kommui nistischen Demonstrationen im Keime ersticken zu können. Auch in Deutschland haben die Kommunisten alle Dorkehrungen getroffen, um Erinnerungsfeiern an den Kriegsausbruch vor fünfzehn 3ahren auf ihre Art begehen zu können. 3edoch verhalten sich unsere Sicherheitsbehörden ziemlich passiv, obwohl bekannt ist. daß sich am 1. August die blutigen Ereignisse des 1. Mai in Berlin leicht wiederholen dürften. Lediglich der sozialdemokratische Polizeipräsident von Dort­mund hat öffentlich erklärt, daß er die neu­gegründeten kommunistischen Hundertschaften in seinem Amtsbereich mit aller Schärfe verfolgen werde, weil sie einen Ersah von Rotfront dar- stellten. Offenbar liegt ihm Material darüber vor, daß es im Ruhrgebiet zu ernsten Zwischen­fällen kommen kann. Wir würden es sehr be­dauern, wenn der August durch blutige Ereig­nisse eingeleitet werden sollte.

Verbot kommunistischer Kundgebungen in München.

München, 30.Juli. (WB.) Der Bezirk Süd- boyern der K o m m u n i st i s ch e n Partei beab­sichtigte, wie der Polizeibericht meldet, am 1. Au-

Das Waldenburger Gmbenunglülk.

27 Todesopfer. - Die Explosionsursache bis seht noch unbekannt.

Waldenburg, 31. Juli. (WTB. Funkspruch.) Das Waldenburger Grubenunglück for­derte noch weitere Opfer. In der heutigen Rächt sind drei Schwerverletzte gestorben, so daß jetzt ins­gesamt 27 Todesopfer zu beklagen sind. Auch für die anderen verletzten besteht nach wie vor Lebensgefahr. Wit dem Leben daoonkommen dürften die beiden Hauer Rösner und Franz.

wie das hiesige Revierbergamt mitteilt, lrisft nach den bisherigen Feststellungen die Grubenverwaltung keinerlei verschulden an der Grubenkatastrophe. An­scheinend ist die Explosion auf eine der sog. Benzinsicherheitslampen zurückzuführen. Sin Hilfsfonds in Vorbereitung.

Breslau, 31. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der Regierungspräsident wird heute einen Ausruf veröffentlichen, der zur Gründung eines Fonds für das Waldenburger Berg- revier auffordern wird, aus dessen Zinserträgen den von solchen Unglücksfällen Betroffenen sofort geholfen werden kann. An der Unfallstelle sind gestern nachmittag auch Vertreter der Stadt Breslau, die durch ihre Kapitalsbeteiligung bei den Linke-Hofmann-Werken zu neun Zehntel Be­sitzerin der Grube ist, eingetroffen.

Die Ursache der Katastrophe liegt noch immer im Dunkeln.

Die Wetterführung war gut in Ordnung. Das Auftreten des Schlagwetters wird gerade im Wal­denburger Gebiet durch die Gebirgsstörungen sehr begünstigt. Während die Arbeiter im allgemeinen mit elektrischen Lampen ausgerüstet sind, tragen die Aufseher sog. Benzin sicherheitslam- p e n, die am besten geeignet sind, drohende Schlag­wetter anzuzeigen. Enthält die Luft 8 bis 13 o. H. schlagende Wetter, so ist die Explosivkraft am größ­ten und die etwa 15 Millimeter hohen Benzin- flämmchen bilden infolge des Eintritts der Gase einen höheren Lichtkegel, während bei den elektri­schen Lampen Anzeichen von schlagenden Wettern sich nicht bemerkbar machen.

Wie die Morgenblätter melden, wird mit der Möglichkeit gerechnet, daß ein mit einer Benzin­sicherheitslampe ausgerüsteter Bergmann die Lampe einen Augenblick beiseite gestellt hatte und das A n - wachsen der Flamme, das sich infolge der eintretenden Schlagwetter in ganz kurzer Zeit voll­zog, nicht bemerkt hat. Infolge der großen Flamme geriet wahrscheinlich der die Benzinsicher­heitslampe umgebende Korb ins Glühen, wodurch die Explosion herbeigeführt wurde. Die Stichflam­men breiteten sich mit der größten Geschwindigkeit aus und führten die furchtbaren Brandwunden herbei.

Von einem Augenzeugen

werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Kurz vor 7 Uhr betrat der Wettersteiger den Schacht und merkte an seiner Lampe, daß etwas nicht in Ordnung war. Er forderte die Arbeiter auf, die Stelle zu verlassen. Die nächste Wetterführung lag durch eine Tür getrennt. Die Arbeiter waren gerade dabei, ihr Hand'- werkszeug zusammenzupacken, als das Unglück geschah. Der Hauer, der mit einer Bohrmaschine die Bohrung für die elektrische Sprengung vor­

bereitete, hatte die Aufforderung nicht gehört und mutz beim Dohren an totes Gestein gekommen sein, dessen Härte eine Funkenbildung verursachte.

Es bildeke sich eine 40 Meter lange Stichflamme, die die Umstehenden sofort verbrannte. Die Wucht der Explosion hatte alle Stempel fort­gerissen, die die Gesteinsdecke des Stollens tragen. Bis zu einer Entfernung von 60 Meter flog das Gestein umher, und auch die Menschen wurden zum Teil ebenso weit geschleudert. Die leeren Kohlenwagen wurden vollständig zu- sammengedrückt, während die vollen wagen melerweit forlgeschleudert wurden.

Als die erste Rettungsabteilung die Unglücks- stelle betrat, bot sich ihr ein fürchterliches Dild der Derwüstung. Eingekeilt in Gesteinsmassen lagen die Opfer bis zur Unkenntlichkeit durch den Kohlenstaub entstellt. Eine der Leichen war durch die Explosion mit solcher Wucht auf eine Säge geschleudert worden, dah der Kopf in zwei Teile gespalten wurde.

Lieber dir Ursache der Katastrophe weiß der Bote aus dem Riesengebirge" zu melden:

In der Grube befand sich seit Jahren ein brennende^ Flöz,

das durch Mauern abgeschlossen war. Wie es heißt, ist eine Mauer plötzlich gebrochen, und durch die herausdrängenden Stichflammen wur­den die im Schacht befindlichen Gase entzündet, die mit furchtbarer Gewalt explodierten.

Besonders tragisch ist bei dem Unglück das folgende Einzelschicksal eines Bergmannes: Mit dec Mittagsschicht, die zum Unglücksort einfuhr, begab sich auch ein älterer Bergmann unter Tage, der sich nach dieser Schicht in den Ruhestand begeben wollte. Er fand bei der letzten Fahrt in die Grube den Berg­manns! od.

Diele Leichen waren so unkenntlich, daß die Feststellung ihrer Personalien kaum möglich war. Die im Knappschaftslazarett untergebrachten Schwerverletzten konnten bisher über das Unglück nicht befragt werden. Die Leichen sind inzwischen von der Staatsanwaltschaft sämtlich zur Bestat­tung freigegeben worden und werden gemein­schaftlich zur letzten Ruhe bestattet werden. Die Hinterbliebenen befinden sich fast aus­nahmslos in schwer bedrängter Lage. Es wird allgemein erwartet, dah ihrer schweren Rot durch eine besondere Hilfsaktion ab­geholfen werden wird.

Das Beileid

des Reichspräsidenten

Berlin, 30. Juli. (WB.) Der Herr Reichs­präsident hat an das Oberbergamt Breslau folgendes Telegramm gerichtet:Tief erschüttert durch die Nachricht von dem schweren Schlagwetter­unglück auf der Friedenshoffnungs-Grube im Wal­denburger Revier bitte ich Sie, den Hinter­bliebenen der getöteten Bergleute den Aus­druck meiner herzlichsten Anteilnahme zu übermitteln und den Verletzten meine besten Wünsche für ihre baldige Wiederher» stellung auszusprechen."

au st eine Antikriegs-Kundgebung und im An- schluß daran eine Demonstration durch die Stadt. Um Störungen der öffenllichen Ruhe und Sicherheit zu vermeiden, wurden diese Demon­strationen, wie auch alle von der Kommunistischen Partei und ihren Hilfsorganen für den 1. August geplanten öffentlichen Versammlungen in geschlosse­nen Räumen verboten.

Denronstraiionsverbot in Paris.

Paris, 30.3uIL (WB.) 3m Hinblick auf die von den Kommunisten für den 1. August angekündigten Kundgebungen auf der Straße hat der 3nnenminister heute nach einer Konferenz mit dem Polizeipräfekten für Paris und das Seine-Departement bekanntgegeben, daß Hm» züge und Versammlungen, sowie sonstige Kundgebungen auf den Straßen nach wie vor verboten seien. 3ede Behinderung der Ar­beit sf reche it, jede Gewalttätigkeit, vor allem je­der Angriff der hierfür geschaffenen Kampf­gruppen auf die Vertreter der Staatsgewalt werden energisch bekämpft werden. Wer auf frischer Tat ertappt oder im Besitz von Waf­fen betroffen wird, wird sofort der Staatsanwalt­schaft zugeführt. Ausländer, die sich an den Kundgebungen beteiligen, werden außerdem aus- gewiesen. Dem Polizechräfekten sind die zur Aufrechterhaltung der Ordnung nötigen Kräfte (den Blättern zufolge etysa 2 0 000 Poli- zisten, die erforderlichenfalls durch Truppen verstärkt werden) zur Verfügung gestellt worden.

Oie Evangelische Kirche am Verfaffungötag.

Berlin, 30.3uli. (WTB.) Wie der Evan­gelische Pressedienst mitteilt, hat der Deutsche Evangelische Kirchenausschuß den Landeskirchen empfohlen, einer Anregung des Reichsinnenministers, des Verfassungs­tages in den Kirchen zu gedenken, nach ihren kirchlichen Verhältnissen Folge zu geben. 3n einem Erlaß an die Konsistorien weist der Evangelische Oberkirchenrat der Evan­gelischen Kirchen der altpreutzischen Union darauf hin, daß die Reichsverfassung nach den schweren Erschütterungen der Umsturzzeit wieder einen Rechtsboden für ein geordnetes staat­liches Gemeinschaftsleben geschaffen und auch den Kirchen wieder eine feste Rechtsgrundlage für ihre Stellung im öffentlichen Recht und für ihre freie Entwicklung gegeben, sowie ihren Zu­sammenschluß im Deutschen Evangelischen Kirchen­bund ermöglicht habe. Die Erinnerung hieran, die selbstverständlich von Politik und P a r - teipolitik freizuhalten sei, werde ge­eigneten Anlaß bieten können, in den G e - meindegottesdiensten am Sonntag, dem 11. August, die Stellung des evangeli­schen Christen zum Vaterland und zu der im Staate erfaßten Volksgemeinschaft in das Licht des Wortes Gottes zu rücken und die Gemeinden aufzurufen zum verantwortungsbewußten Dienst an Vaterland, Volk und Staat. Die Konsistorien

werden ersucht, unter Hinweis auf die Pflicht sorgfältiger Erwägung der besonderen Verhält­nisse in den einzelnen Gemeinden, den Geistlichen anheim zu geben, im Gottesdienst am Sonntag, dem 11. August, in diesem Sinne des Zehn­jahrestages der Aeichsverfassung zu gedenken.

Oie Aenderung der spanischen Verfassung.

Madrid, 30. 3uli. (WTD.) 3n einem Erlaß über die Vermehrung der Zahl der Mitglieder der R a t i on a l v e r s a m m- l u n g werden zuerst die Gründe zu dieser Maß­nahme dargelegt und dabei erklärt, der Augen­blick, scheine der Regierung günstig, um die Aenderung der Verfassung durchzu­führen und das Verfahren zur Prüfung und Er­örterung dieser Aenderung einzuleiten. Die Ver­fassung vorn 3ahre 1876 habe sich ungenügend gezeigt und die Regierungen zur Autoritäts- losigkeit verurteilt. Es sei also notwendig, dah die Regierung, die der Diktatur folgen werde, volle Autorität besitze. Die Regierung habe sich über den Entwurf einer neuen Verfassung, der noch nicht perfekt sei, noch nicht geäußert. Sie lade die ehemaligen Ministerpräsidenten und Vorsitzenden der Kammern und des Staatsrats ein, ihre Mei­nung darüber auszusprechen. Der zweite Teil des Erlasses enthält sieben Artikel. Die Sitze in der Rationalversammlung werden um 4 9 vermehrt. Sitze erhalten Vertreter der Universitäten, verschiedener Akademien, der Aerzte- und Rechtsanwaltsvereine von Madrid und Darcelona, des Allgemeinen Arbeiterverban­des, der Arbeitergewerkschaften, des Vereins für den Völkerbund und des Vereins für inter­nationales Recht.

OieTodesurieile von Schauten

Kowno, 30. 3uli. (TU.) Zu dem vor dem Feldgericht in Schaulen gegen eine An­zahl von Sozialdemokraten gefällten Ur­teil. über das bereits gemeldet wurde, gibt die amtliche litauische Telegraphen-Agentur heute eine amtliche Verlautbarung heraus, in der be­stätigt wird, dah das Urteil gegen Galinis und Genossen bereits gefällt wurde. Die Ange­klagten seien, so heiht es u. a., wegen Ver­brechens gegen das Strafgesetz und das Sonder­gesetz zum Schuhe des Staates angeklagt ge­wesen. Die Verhandlungen hätten den eindeuti­gen Deweis erbracht, dah Galinis und Genossen einem Verbände angehört hätten, dessen De- strebungen darin bestanden hätten, einen be­waffneten Umsturz herbeizuführen und Schreckensmaßnahmen vorzubereiten. Ferner habe diefer Verband mit Pletschkai - t i s und seinen Anhängern mittels verschlüsselter Briefe in Verbindung gestanden. Auch habe er Gewehre und Spreng st offe aus Po­len erhalten. Das Gericht habe sämtliche An­geklagten für überführt erachtet und eine Reihe

, von ihnen zum Tode und die übrigen zu milderen Strafen verurteilt. Sämtliche zum Tode Verurteilten hätten an den Staatspräsidenten ein Gnadengesuch eingereicht, dem statt- gegeben worden sei. Die Todesurteile seien in lebenslängliche Zuchthaus st rasen umgewandelt worden.

An dieser amtl. Darstellung ist bemerkenswerr, daß in ihr weder angegeben ist, dah es sich bei den Verurteilten um Sozialdemokraten handelt, noch dah die Zahl der zum Tode Verurteilten, sowie der Angeklagten überhaupt angegeben ist. Aus der ganzen Form der amtlichen Verlautbarung, ferner aus dem Umstand, dah sie heute erst erschien und gleichzeitig die erfolgte Begnadigung der zum Tode Verurteilten meldete, läht sich schließen, dah die Regierung augenscheinlich selbst ein derartiges Urteil nicht er­wartet hat und vornehmlich aus auhenpoli- tischen Gründen bestrebt ist, die Härte des Ur- teils abzuschwächen. Der halbamtlicheLietuvoS Aidas" bestätigt übrigens die gestern als Gerücht gebrachte Nachricht über 15 Todesurteile und gibt gleichzeitig die Zahl der Angeklag­ten mit 2 7 an.

Aus aller Welt.

Sven Hedin in Berlin.

Hamburg, 31.Juli. (WTB. Funkspruch.) Der mit dem HapagdampferAlbert Ballin" Dienstag abend in Cuxhaven eingetroffene schwedische For» schungsreisende Sven Hedin ist noch am glei. chen Abend über Hamburg nach Berlin weiterge- reift, von wo er nach dreitägigem Aufenthalt nach Stockholm fahren wird, aber, wie dasHamburger Fremdenblatt" meldet, nur für zwei Wochen. Dann reist er wieder nach Peking, um von da aus in Karawanenmärschen zu seiner großen Expedition zu stoßen, die imHerzenZentralasiensauf ihren Führer wartet.

Gute Fahrt derBremen".

Reuhork, 30. 3uli. (WD.) DieBremen* funkte dem hiesigen Bureau des Rorddeutscheir Lloyd, sie habe bis heute mittag in 23 Stunden 651 Seemeilen bei einer durchschnittlichen Fahrt von 28 V» Knoten zurückgelegt. Wegen ihrer guten Fahrzeit läuft dieBremen" Plymouth an, wo sie wahrscheinlich am Mittwoch um 21 Uhr eintrifft. 3n Cherbourg wird sie voraussichtlich am Donnerstag um 3 Uhr, in Southampton am Donnerstagmittag und in Bremerhaven am Freitag um 8 Uhr eintreffen. Nebcrschwcmmungskatastrophc in Indien.

London, 31. 3uli. (WTB. Funkfpruch.) Daily Telegraph" meldet aus Bombay, daß die Ueberschwemmungen in der Pro­vinz Sind größeren Umfang annahmen, als bei der Katastrophe in Assam vor einigen Jah­ren. Hunderte von Menschen sind ob­dachlos, zahlreiche Eisenbahnlinien stehen unter Wasser. 3m Bezirk von Heiderabad ist eine Anzahl Menschen durch Einsturz von Häusern getötet worden. 3n vielen Gebieten wurde Vieh von den Fluten mitgerissen. Während des Wochenendes dauerten die schwe­ren Regengüsse ununterbrochen 30 Stunden lang an. Die Gesamtverluste an Menschenleben sind noch unbekannt. Es wird jedoch befürchtet, daß sie, ebenso wie der Sach­schaden, hoch sind.

Landung des amerikanischen Rekordflugzeuges. lieber 420 Stunden in der Luft.

St. Louis, 30. 3uli. (WTB. Funkspruch.) Das FlugzeugSt. Louis Robin" ist heute abend 7,38 Uhr amerikanischer Zeit ge­landet, nachdem es über 4 2 0 Stunden in der Luft gewesen war.

Blutiger Kampf zwischen mexikanischen Farmern.

N e u y o r k, 30. Juli. (WB.) Der Korrespondent der Associated Preß in Mexiko City berichtet, daß es am vergangenen Sonntag in der Nähe von Orizaba im Staate Veracruz wegen des Besitzes gewisser Ländereien zu einem Kampf zwischen Farmern kam, bei dem 2 2 Personen g e tötet und 17 verwundet wurden. Beide Par­teien waren gut bewaffnet. Der Kampf dauerte mehrere Stunden.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Wetterlage, die sich gestern durch den Vorstoß des Azorenhochs etwas zu beruhigen schien, wird erneut eine Verschlechterung erfahren. Heber den Britischen Inseln liegt eine Depression, die Baro­meterstände von nahezu 740 Millimeter aufweift. Ihre Warmluft läßt es in England bereits vieler« orts regnen und wird sich auch bei uns bald bemerk­bar machen. Es ist also mit regnerischem und etwas wärmerem Wetter zu rechnen.

Wettervoraussage für Donnerstags Wolkig bis bedeckt, wieder wärmer und Rieden schlüge.