Ausgabe 
31.7.1929
 
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Mittwoch. 31. Juli 1929.

Nr. 177 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Die Vorbereitung -er Haager Konferenz

technischen Untemchi

Fischer.

Fischer.

.Keller-

shire eine goldene Ernte ein, erklärtDaily Expreß":Englands Verlust ist Deutsch­lands Lhance."

Ab an Ab an Sn

inben des Kreises.

Huterrid)t in den Volks- Luise Mutschler, ist am Nachfolgerin ist mit Ge- und Bildungswesen die s Hausen bestellt worben.

vorgesehen, der sich aber wegen der dort ge­planten größeren Veranstaltungen bis zu fünf Tagen verlängern kann.

Ab Tokio 22. August,

an San Diego (bei Los Angeles über Stillen Ozean, Honolulu) 26. August.

Ab San Diego 27. August, an Lakehurst 29. August.

Die Rückkehr nach Friedrichshafen erfolgt kn den ersten Septembertagen.

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags Beilagen

Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr-Vezugrpreir:

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Friedrichshafen, 30. Juli. (IDIB.) Rach dem erfolgreichen Abschluß der Probefahrten des L u f t s ch i f f e sG r a f Z e p p e l i n" ist man zur 5eii auf Ser Friedrichshafener werft eifrig beschäf­tigt, das Luftschiff für die in wenigen Tagen vor­gesehene Fahrt noch Amerika auszurüsten. Da die Maschinenanlage während der am Samstag und Sonntag durchgeführten Fahrten nach neuer­lichen Erklärungen der Werftleitung den an sie ge­stellten Anforderungen durchaus genügt hat, trug man sich im Luftschiffbau gestern sogar mit der Absicht, die neue Ozeansahrl unter Umstän­den bereits in der Rächt zum Mittwoch anzutreten. Da aber, wie schon kurz berichtet, noch nicht alle Fahrgäste in Friedrichshafen eingetroffen sind, wurde in einer Besprechung Dr. Eckeners mit seinen Offizieren beschlossen, die Fahrt erst zum ursprünglich vorgesehenen Zeitpunkt, also in der Nacht zum Donnerstag, zu beginnen. Für die an die Oz e a n ü b e r q u e r u n g sich anschlie­ßende Weltreise sind nunmehr alle passa- g i e r p l ä h e, ebenso wie für die Amerikasahrl, belegt.

heute nachmittag wird mit der Unterbringung des nach Amerika bestimmten Frachtguts im Laderaum desGraf Zeppelin" begonnen werden können. Zu der bei der im Mai abgebrochenen Amerikafahrt milgeführlen und bisher in Fried­richshafen lagernden Luftfracht, worunter sich be­kanntlich ein Bechstein-Flügel, ein Rubens-Gemölde und das Gorilla-WeibchenSufi" befanden, find in der Zwischenzeit neben einer großen Zahl an­derer Gegenstände noch zur Beförderung angemeldet worden: ein Schimpanse von der Tierhandlung Ruhe (Hannover), von der auch der junge Gorilla herrührt, desgleichen nicht weniger als 600 fiana-

Lakehurst 7. August, Friedrichshafen 10. August.

Friedrichshafen 14. August,

Tokio (über Sibirien) 18. August.

Tokio ist ein Aufenthalt von drei Tagen

inben des Kreises.

nilidjen Hanbardeits- un) 7/ ihre 'SejthäftiQü^ im ir Lehrkräfte mit vLn § antzeMe ^xtrinm unb Me, die Shinton- tiid) fein, welche Stunden dungsfchule erteilt werben.

Vor -er Amerikafahrt -es Zeppelin.

Abflug in her Nacht zum Donnerstag. - Im Anschluß an hie Rückkehr nach Zriehrichshafen folgt hie Weltreise.

Innerhalb eines Teiles der Spinnerei­besitzer besteht Neigung, der Arbeiterschaft in­sofern entgegenzukommen, als die Lohnkür­zungen von 1 2 12 auf etwa 5 t>. Sy er­mäßigt würden. Ob auf dieser Grundlage neue Verhandlungen in Gang kommen werden, ist im Augenblick noch ungewiß. Das Arbeitsministe­rium gibt bekannt, daß die ausgesperrten Ar­beiter keinen Anspruch auf Arbeitslosenunter­stützung haben.

Lange Dauer -es Konflikts?

EnglandsBerlustistTeutschlandsChance."

London, 31. Juli. (WTB. Funkspruch.) Die Blatter weisen auf den Ernst der Arbeits­ein st el'ung in der Baumwollindustrie von Lancashire hin, die weitere Industrien in Mitleidenschaft zu ziehen beginnt. Die be­kannte Kunstseidensabrik Eourtaulds teilt in einer gestern abend veröffentlichten Erklärung mit, daß ein beträchtlicher Prozentsatz ihrer Produktion von den Fabriken in Lancashire abgenommen wird und daß infolge der augenblicklichen Arbeitseinstellung die Erzeugung dieser waren herabgesetzt werden muh. Aus Manchester berichtetDaily Telegraph", eine zuständige Persönlichkeit habe eine lange Dauer des Konfliktes, sowie eine Aus­dehnung auf weitere Werke vorausgefagk. während sichDaily Mail" aus Lille melden läßt, die Textilindustrie Rordfrankreichs bringe infolge des Laumwollkonfliktes in Cancg-

Besuch beim Reichskanzler in Heidelberg am heutigen Dienstage nach Berlin zurückgckehrt ist, werden Reichsaußenminister Dr. Strese- m a n n und die übrigen Minister, die bisher in den Ferien weilten, am Mittwoch zurückerwartet. Es dürfte dann sehr bald eine Kabinetts- s i tz u n g stattfinden, die sich mit der Vorberei­tung der Konferenz im Haag zu befassen haben wird. Der 6. A u g u ch gilt nunmehr end­gültig als der Tag des Beginnes der Kon­ferenz.

Jm Haag alles bereit.

Ein amerikanischer Beobachter zur Stelle.

Haag, 30.Juli. (WB.) Die niederlän­dische Regierung hat in Beantwortung der heute von den Regierungen Frankreichs, Englands, Deutschlands, Belgiens, Italiens und Japans unter» nommenen Schritte wegen Abhaltung der R e p a rationskonferenz der Regierungen im Haag den betreffenden Gesandten mitgeteilt, daß sie sich freuen werde, die Konferenzmitglieder im Haag zu empfangen. Sie hat dabei der Hoff­nung Ausdruck verliehen, daß der kurze Termin, der ihr zur Vorbereitung der Konferenz belassen wird, es ihr doch ermöglichen werde, alle Maß­nahmen zu treffen, die einem glatten Geschäfts­gang der Konferenz förderlich sein könnten.

lieber die Vorbereitungen zur Haager Konferenz verlautet, daß die Delegationen

rlenoögel von derselben Firma. Ein Berliner Bild­hauer läßt eine Büste des verstorbenen Ozean- flicgers v. hünefeld auf dem Luftwege nach Lake­hurst befördern. Die gesamte Fracht hat ein Ge­wicht von etwa 2 000 Kilogramm. Auch zu den für die letzte Amerikafahrt eingetroffenen und immer noch beim Friedrichshafener Postamt aufgcftapelten Luftpostkarten und Brie­fe n im Gesamtgewicht von annähernd 350 Kilo­gramm werden noch einige Säcke neu hinzukom- men. Luftpostsendungen werden vorläufig noch bis Mittwochabend angenommen. Die Fahrt werden bekanntlich u. a. auch die P a s s a g i e r e der zwangs­läufig vor zwei Monaten unterbrochenen Reife wieder mitmachen.

Der Flugplan.

Berlin, 30. Juli. (TU.) Für die Ame­rikafahrt und den Weltflug desGraf Zeppelin" wird mit folgendem Flugplan ge­rechnet:

Ab Friedrichshafen 1. August, an Lakehurst 4. August.

___ schule bei großer M inben bes * *Ä?i*S*

Die deutsche Kohlenaus suhr hat unter dem doppelten Druck des englischen und polni­schen Wettbewerbs, sowie unter dem der unver- hältnismätzigen Steigerung ihrer eigenen Pro­duktionskosten Marktgebiete wieder aufgeben müssen, die sie erst 1926 erobert hatte. Auf dieser Grundlage ist eine internationale Kohlenverstän­digung schwer möglich. Wenn die englische Re­gierung mit einem Vorschlag an die deutsche Regierung herantritt, der im wesentlichen nichts anderes will als die Sicherung der heute er­reichten Absatzmärkte, so wäre es em Verhäng­nis wenn Deutschland darauf emgrnge. Der deutsche Bergbau kann ferne Produktionskosten bei der Zwangsbewirtschaftung des Kohlen­preises und der Löhne nicht wesentlich senken, erst recht dann nicht, wenn die Kohlenverstandr- qung eine Verkürzung der Arbeitszeit herber­führt, wobei der polnische Bergbau Nicht ein­begriffen ist.

Wir werden zunächst einmal zuwarten multen, wie die Arbeiterregierung das Lancashrre-Pro- blem löst, wobei wir aber heute schon 10 gegen 1 wetten können, daß es nicht auf Kosten der eng­lischen Wirtschaft geschieht. Ob der Sozialismus dann Schaden leidet, wird Macdonald nrcht an­fechten.

Keine Veränderung.

London, 30. Juli. (TU.) Im englischen Daumwollausstandsgebiet sind hn Verlaufe des Dienstags keine Veränderungen erngetreten. Dre einzelnen Verbände auf Arbeitgeber- und Ar- bertn^merseite verhandelten getrennt

Es kann wohl keinem Zweifel mehr unterliegen, daß die große Reparationskonferenz nun doch bestimmt am 6. August ihren Anfang nehmen wird. Die niederländische Regierung ist bereits offiziell davon in Kenntnis gesetzt worden, daß sich die Gläubigermächte mit Deutschland auf holländischem Boden treffen werden, auch die rein formalen Einladungen an die beteiligten Regierungen werden noch in diesen Tagen hin­ausgehen, so daß von dieser Seite her alles in Ordnung gebracht ist. Don der anderen Seite kann man ebenfalls mit Hindernissen nicht mehr rechnen, da die Vorstellung der neuen französi­schen Regierung die Kammer höchstens 48 Stun­den beschäftigen wird, also für Driand kein Grund vorliegt, sich über das Wochenende hinaus in Paris aufzuhalten. Man darf weiter an- nehmen, daß sämtliche Delegationen ihre Rüstun­gen für die kommenden Kämpfe vollendet haben, jedenfalls ist in Berlin alles marsch­bereit. Die Reichsminister sind fast alle wieder zurückgekehrt oder treffen Mitte der Woche wie­der in der Reichshauptstadt ein, fo daß noch ein­mal eine Kabinettssihung vor der Abreise der Delegation der Haager Konferenz gewidmet wer­den kann.

Eine Frage harrt allerdings noch ihrer Lö­sung: Wie ward das Arbeitsprogramm der Konferenz aussehen? Wir dürfen wohl an­nehmen, daß in den Wochen des Streites um den Konferenzort auch des Arbeitsprogramms wie­derholt gedacht worden ist, ohne daß es aber hier zu festen Abmachungen kam. Auf der Kon­ferenz selbst wird man sich also erst schlüssig werden müssen, Unb da zeigt sich bereits heute, daß die Reihenfolge der zu erledigenden Ar­beiten ganz erhebliche Schwierigkeiten bereiten wird. Zwei Vorschläge liegen schon vor, ein englischer und ein französischer, beide aber weichen soweit voneinander ab, daß sich heute noch gar nicht erkennen läßt, wie man hier zu einer Einigung kommen will, wenn sich die Väter dieser Konferenzprogramme genau so starr­köpfig zeigen, wie das während des Mei- '"ber ber Konferenzort -&er Fall war. Die Engländer wollen öine Zwei­teilung der Beratungen herbeiführen: eine Kommission soll die politischen Fragen, die andere die Finanzangelegenheiten erörtern, wobei offen­bar die Engländer der Lösung der politischen Probleme, also der Rheinlandräumung, noch den Vorrang geben wollen. Ganz anders wollen da­gegen die Franzosen verfahren, soweit man das aus ihrer sicherlich nicht schlecht orientierten Presse ersehen kann. Die Räumung des Rhein­landes ist für sie ziemlich bedeutungslos, sie haben dementsprechend diesen Punkt auch an die letzte Stelle ihres Programms gerückt. An die Spitze ist dagegen die Annahme des Voung- Planes gestellt worden, der die Gründung der Tributbank folgt. Dann kommt die höchst über­flüssige Kontrollkommission, zum Schluß erst die Erörterung derMöglichkeit einer eventuellen Rheinlandräumung". Wieder einmal zeigt sich bei dieser Gelegenheit das wahre Gesicht des Friedensapostels Driand, der aus Furcht vor jenem Mann, dessen Platz er nur vorübergehend eingenommen hat und dessen Kritik und Tadel er sich nicht gerne zuziehen möchte, auf der Haager Konferenz einen Kurs einschlagen wird, wie ihn die französischen Chauvinisten sich nicht besser wünschen können.

Form und Inhalt des Konferenzpro­gramms werden also die ersten Kämpfe auslösen. Bei dieser Gelegenheit wird sich übri­gens Herausstellen, welcher Geist in der franzö­sischen Delegation herrschen wird.

Die Ministerferien beendet.

Berlin, 30. Juli. (TU.) Nachdem Reichs­finanzminister Dr. Hilf er ding nach einem

Neheim Anzeiger

General-Anzeiger sm Gberhessen

vruck und Verlag: vrühl'sche Univerfilätr-Vuch' und 5teindruckerei R. Lange in Gießen. Zchristlettung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7.

Deutschlands, Englands, Frankreichs, Belgiens, Ito» liens, Japans, Polens, Rumäniens und Griechen, lands bereits zum größten Teil Unterkunft in Haa­ger und Scheveninger Hotels gefunden haben. Unter den Konferenzteilnehmern, für die bereits persönlich Hotelzimmer belegt worden sind, befinden sich der amerikanische Militärattache, Major Wat­son, der als Beobachter der Vereinigten Staaten an der Konferenz teilnehmen foll, ferner der französische Ministerpräsident B r i a n d, für den imHotel des Indes" mehrere größere Zimmer für Empfangsfeierlichkeiten reserviert worden sinl^ sowie der polnische Ministerpräsident. Die französische Regierung soll im Augenblick Ver­handlungen mit der niederländischen Postverwaltung führen über die Herstellung einer eigenen Telephon- Verbindung zur ununterbrochenen Fühlungnahme ihrer Haager Abordnung mit dem Quai d'Orsay.

Die Abreise

der deutschen Delegation.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 31. Juli. Rach den vorliegenden Dispositionen wird die deutsche Delegat t Ion für die Haager Reparationsverhandlunq gen am kommenden Montag Berlin verlassen. Dr. Stresemann wird die wenigen Tage seines Berliner Aufenthaltes vor der Konferenz dazu benutzen, sich über das inzwischen bis in alle Einzelheiten vorbereitete Verhandlungsq

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her Vllssatzung" öcr I bes W^joveinber | , hierzu vou> U'

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Hnben des Kreises.

n Hochschule zu Sarmslcidi iir Mus unb Bilbungs 3tn währenddes Sommer I en sollen. Sie Schulhelser- | julhchr bem juftänbigen -richten, wenn sich ern > \ er SchulhchWl rnelbei. | anlaM

Annahme von Anzeige« für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm hohe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re- Klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig. Platzvorschrist 20°/. mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Gange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filler^ sämtlich in Gießen.

Seipel über die Zukunft Europas.

Wien, 30. Juli. (WB.) Bei einem Vortrag, den der frühere Bundeskanzler Seipel bei der Eröffnung der 8. Jahrestagung des Weltstudenten- werkes heute in Krems über die Zukunft Eu­ropas hielt, erklärte Seipel, in dieser Frage sei jeder Pessimismus unbegründet.

Europa brauche sich vor der sogenannten Amerikanisierung nicht zu fürchten.

Die Nachricht, daß B r i a n b in der nächsten Zeit einen feierlichen Appell zur Gründung der Ver­einigten Staaten von Europa oder doch wenigstens zu einem wirtschaftlichen Zu? sammenschluß Europas erlassen wolle, habe allenthalben größtes Aufsehen erregt. Für diese Initiative müsse man Briand besonders dankbar sein. Wenn es nun so scheine, als ob sich die an­deren europäischen Staaten gegen eine euroväiscke Wirtschaftsunion sehr skeptisch äußerten, so sei daran nur wieder das Mißtrauen schuld.

Gan; besonders zurückhaltend sei Amerika, das hinter den vereinigten Staaten von Europa einen antiamerikanischen Block vermute.

Es bleibe also die Aufgabe der Polittker, Den» trauen zu verbreiten und damit die notwendigen psychologischen Voraussetzungen für die Sanierung Europas zu schaffen,

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Der Kampf in -er englischen Textilindustrie

In Lancashire feiern seit dem 29.Juli 500000 Arbeiter. Der Haupttragpfeiler der englischen Wirtschaft, die gewaltige Textil­industrie, sucht aus der Krise, in der sie seit Jahr und Tag herumwirbelt, dadurch her­auszukommen, daß sie die Erzeugungs- kosten senkt, um nicht noch größere Absatz­märkte zu verlieren. Welche Bedeutung die Textil­industrie für England hat, geht daraus hervor, daß sie vor dem Kriege 55 653 000 Daumwoll­spindeln zählte, die bis 1928 auf über 57 Millio­nen gestiegen sind. Im Vergleich dazu hat Deutschland vor dem Kriege nicht viel mehr als 11 Millionen erreicht, um nach dem Verlust des Elsasses auf etwa 9,5 Millionen zu sinken, die inzwischen aber wieder auf 10,8 Millionen ge­steigert werden konnten. Auch hier hat England eine falsche Rechnung gemacht, denn der Ver­nichtungskrieg gegen Deutschland hat die eng­lische Wirtschaft nicht zu unerreichbaren Gipfel­höhen geführt. Im Kriege und erst recht nach dem Kriege hat sich di- Textilindustrie Asiens und Amerikas so stark ausgedehnt, daß sie den Briten einen erheblichen Teil der Absatz­gebiete im fernen Osten und in Lateinamerika wegnehmen konnte. Welchen Rückschlag die eng­lische Textilindustrie durch den Krieg erlitten hat, geht daraus hervor, daß der Ausfuhrwert der Textilerzeugnisse 1913 über drei Milliarden Mark erreichte, während er heute bei gesunkenem Geldwert noch nicht an zwei Milliarden Mark herankommt. Gewiß hat das Aufkommen der Kunstseidenindustrie den Verbrauch baumwollener Erzeugnisse eingeschränkt, aber England hat gerade diesen Verlust nicht durch Umstellung, oder durch schärfste Ratio­nalisierung hereinbringen können. Das hängt zum Teil auch mit der Umschichtung auf dem Daumwollmarkt selbst zusammen, unter der nicht nur die englische Baumwollindustrie leidet, son­dern auch die aller anderen Länder. Für die fast 22 Millionen Centals Rohbaumwolle, die Eng­land 1913 einführte, mußte es fast 1,5 Milliarden Mark bezahlen, während es 1928 für 15 Millio­nen Centals Royvammoottel 6 MMarden Mark anlegen mußte. In der englischen Wirtschafts­geschichte spielt gerade die Textilindustrie eine hervorragende Rolle, denn sie ist auch die Schritt­macherin gewesen für die imperialistische Politik, die vor allem auch dem britischen Kattun die Märkte sichern sollte.

Der Lohnkampf in Lancashire spitzt sich darauf zu, daß die Industrie die Löhne um anderthalb vom Hundert allgemein senken will, was die Gewerkschaften rundweg abgelehnt ha­ben. Die Arbeiterregierung hat also die etwas heikle Aufgabe, in einem Lohnkampf vermitteln zu müssen, der gerade so wie die Aussperrung der Grubenarbeiter vor drei Jahren unmittel­bar die Grundlage der englisch en Wirtschaft berührt. Es handelt sich ja nicht nur um die Lohnfrage allein, sondern darum, wie bei der wachsenden Verschärfung des internationalen Wettbewerbs die gewinn­bringende Ausfuhr gesichert werden kann. So hat es sich England Milliarden kosten lassen, um dem Kohlenbergbau wieder die überragende Stel­lung zu verschaffen, die er vor dem Kriege besah. Das ist nicht gelungen, denn die Ausfuhr hat mengen- und wertmäßig die von 1913 nicht ent­fernt wieder erreicht, ganz abgesehen davon, daß das Ausfuhrgeschäft in der Hauptsache ein Ver­lustgeschäft ist. Deshalb wehrt sich auch der Bergbau mit allen Kräften dagegen, daß die Arbeiterregierung das feierlich gegebene Wahl­versprechen einlöst, die Sieben stunden- schicht wieder einzuführen.

Die Baldwin-Regierung hat den Bergbau da­durch über Wasser zu halten versucht, daß sie nach­einander mit Zuschüssen unterschiedlicher Art ein­griff, ohe mehr zu erzielen, als daß die englische koljle die Preise auf den Auslandmärkten gedrückt hat. Gewiß ist das vornehmlich unter dem Druck geschehen, den die polnische Kohle auf den skandinavischen Märkten ausübte. Auch da kann sich England feine falsche Kriegsrechnung be­sehen, denn cs hat fast widerstandslos geschehen lassen, daß Oberschlesien zerissen wurde, daß also die Polen eines der reichsten Kohlengebiete Europas erhielten, mit dem sie nichts anderes um­fangen konnten, als Raubbau um jeden Preis zu treiben. Das tun sie auch gründlich, wobei es Eng­land ist, das den Hauptteil der Zeche bezahlen muß. Wenn Macdonald das heiße Eisen anfaßt, das die Wiedereinführung der Siebenstunden­schicht für den Bergbau bedeutet, so wird er sich vor geradezu unüberwindlichen Schwierig­keiten sehen. Es ist damit zu rechnen, daß er au Umwegen fein Ziel zu erreichen sucht, d. h. durch eine internationale Verständigung, bei der Deutsch­land der Vertragsgegner sein soll. Das laßt sich aus der Nachricht schließen, daß die englische Re­gierung beabsichtigt, den Bergbau zwangs­weise zu kartellieren, um so eine Organi­sation zu schassen, die mit dem deutschen Bergbau über die Austeilung der Markte verhandeln kann. Das ist ja der eigentliche Sinn der Kohlenverstan- digung, an die der englische Bergbau desha b heute Herangehen kann, weil er sich durch feine Ausfuhr­politik, die auf Preisunterbietung gegründet ist, einen großen Teil der Absatzmärkte wieder ge­sichert hat. Daß diese Preispolitik auf Biegen und Brechen ausgeht, beweist die Tatsache, daß Eng­land 1927 und 1928 fast gleichgroße Mengen Kohle ausführte, dafür 1928 aber 300 Millionen Mark weniger erzielte.

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