Ausgabe 
30.12.1929
 
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Zu bcm Abkommen nehmen einige Berliner Blätter Stellung. DieD. QI. Z." sagt. Deutsch­land habe Ursache, aufrichtig die Tatsache dieses Sonderabkommens zu begrüßen; denn die Bereinigten Staaten schieden damit aus der Gläu- bigereircheitsfront aus, die ihre für ihre Auf­rechterhaltung notwendigen Kompromisse ja regel­mäßig auf Kosten Deutschlands zu schlichen pflege Die .Börse nzeitung" sagt, mit dem Ab-

plöhlichen Angriffes, den man nicht als absurd betrachten dürfe, in der Lage sein, den Feind daran zu hindern, in französisches Gebiet ein­zufallen. Die vorgcschme Räumung des Rhein­landes nötige Frankreich, seine Rordostgrenze in Verteidigungszustand zu versetzen. Die öffent­liche Meinung im Auslande werde den aus­schließlichen Verteidigungscharak­ter dieses Defestigungsgürtels erkennen. Das in Ausführung begriffene Programm benutze die natürlichen Schutzm.glichte.ten, also Flüsse, Wäl­der, Berge und mache auch das Sy st em de r künstlichen Ueberschwemmung ruhbar. An den Straßen und Strecken, die besonders offen lägen, wie bei Diedenhofen und im Lau- terbachtal, seien Verteidigungsanlagen m.t starker Artillerie und Schnellfeuergeschühen vorgesehen. Der Plan sehe eine Anzahl verlegbarer Desestigungswerke vor. und zwar in der Weise, daß gewisse Befestigungsanlagen auf Eisenbahnschienen rasch von einem Punkt der Grenze nach einem anderen übergeführt wer­den und dort in Wirksamkeit treten können. Dieses moderne Be'estigungsprogramm würde die Möglichkeit bieten, die zisfunmäßige Unterlegen­heit Frankreichs zu Beginn eines Konflutes durch die vervollkommneten V'.rteidigungLmittel auszugleichen. Die Kredite für die Grenz­befestigung werden sodann, ohne daß der Kriegs­minister die Vertrauensfrage gestellt hat, gegen die Stimmen der Sozialisten und Kommunisten mit großer Mehrheit angenommen.

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Frankreichs Grenzrüstung im Osten.

DieKammerbewilligtmitgroßerMehrheitdenMittiardenkredit

Ein Gonderreparaiions- abkommen mit Amerika.

Direkte Annuitätenzahlungen an die Vereinigten Staaten.

Berlin, 28. Dez. (WTB.) Die Derhand- lungen über das Sonderabkommen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten sind heute durch Ministerialdirektor Dr. Ritter und Herrn Wilson erfolgreich abgeschlossen worden. Rach dem Abkommen zahlt Deutschland die nach dem Sachverständigenplan vom 7. 3uni 1929 den Vereinigten Staaten von Amerika zu­stehenden Annuitäten nicht an die Bank für den internationalen Zahlungsausgleich, son­dern unmittelbar an die amerika­nische Regierung. Aus den deutschen Zah­lungen werden zwei Arten amerikanischer An­sprüche befriedigt: diejenigen Ansprüche, die durch die Deutsch-Amerikanische Gemischte K o m m i s s i o n festgesetzt werden, und die ame­rikanische Forderung für rückständige De- satzungskosten. Das Abkommen schließt sich eng an die Form der zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Mächten bestehenden Schuldenobkommen an. Die Priorität für die Dawesanleihe von 1924 bleibt gewahrt. Da Deutschland nach dem Boungplan nicht Schuldner­land der einzelnen Mächte, sondern der Ge­samtheit der Gläubigermächte ist, muß bei den bevorstehenden Verhandlungen im Haag be­rücksichtigt werden, daß die amerikanische An­nuität ausscheidet. Die deutsche Regierung wird deshalb das Qlbkommen zur Kenntnis der übrigen Gläubigermächte bringen.

Amerikas neuer Botschafter in Berlin.

Senator Fredcric Mosclcy Tackelt.

Reuyork, 29.Dez. (TU.) Als Nachfolger des bisherigen Botschafters der vereinigten Staaten In Berlin, Shurman, wird FredericMofeley S a ck e t t, republikanischer Senator von Kentucky, den Berliner Botschafterposten übernehmen. Arederic Moseley Sackett ist ein intimer Freund des Präsidenten Hoover, mit dem er während des Weltkrieges die Ernährungsorganisation durch- führle. Er wurde im Jahre 1868 in Providence (Kentucky) geboren. Nach Ablegung des juristischen Staatsexamens auf der Harvard-Universität be­tätigte er sich als Anwalt. Später war er u. a. Prä­sident des Board of Tcade in Louisville (Kentucky) sowie Direktor der Zweigstelle der Federal Reserve Bank in Louisville.

gen von Norwegen, Dänemark, Kanada und Spa­nien, sowie den Städten Fairbonks und Tromsö, den wissenschaftlichen Instituten, den Industrie- irmen und nicht zuletzt der Luftschiffbau Zeppe­lin G. m. b. H., die, die Expedition moralisch und materiell bereits so hochherzig gefördert ha­ben, zu danken.

Neues Land am Südpol.

Der norwegische Fliegerkapitän Riis er - Larsen von der .Rorwegia"-Expedition teilt mit, daß er zusammen mit Kapitän Lützow- Holm im Haakon VII.-Meer im Südpolar­gebiet zwischen Coatsland und Eniterbyland neues Land entdeckt hat, das sie für Norwegen in Besitz genommen haben. Die beiden Flieger verliehen dieNorwegia" im Flugzeug und gingen auf einer offenen Stelle im Wasser nieder. Hierauf begaben sie sich auf Skiern an Land, hißten die norwegische Flagge und flogen dann zum Schiff zurück, bas etwa 100 Seemeilen entfernt auf die Fliegex wartete. Die gegenwärtige Expedition derRorweg'.a" ist die dritte dieser Art. Bei den beiden früheren Expeditionen wurde ebenfalls Besitzergreifung von Land vorgenommen, und zwar die Bouvet- inseln und die Inseln Peters I. Genaue An­gaben über die Lage des nunmehr entdeckten Landes fehlen noch. Zur Orientierung diene jedoch, daß das in der Meldung erwähnte Coatsland auf dem 10. Grad westlicher und das Enderbyland auf dem 15. Grad östlicher Länge liegen.

3m Südpolargebiet verschollen.

Der dem zur Zeit im Südpolarmeer tätigen norwegischen Walfischfänger »Kosmos" beigege­bene Dordflieger L e i f L i e r ist von einem Fluge nicht mehr zurückgekehrt und seit 40 Stunden überfällig. In seiner Begleitung befand sich der Schiffsarzt der »Kosmos", Dr. Ingvald Schreiner. Etwa 16 Fangdampfer sind jetzt auf der Suche nach den Vermißten. Die Reeder desKosmos" haben außerdem den bekanntlich zur Zeit im Südpolargebiet tätigen Forscher und Flieger Byrd telegraphisch um seine Unter* stühung ersucht.

Ein Personenauto in den Rhein gestürzt.

In der Nacht zum Sonntag sauste in Emmerich ein mit fünf Personen besetztes Mietsauto in voller Fahrt am Hafenkopf die steile Bö­schung hinunter, prallte dort gegen eine Mauer und stürzte in den Rhein, aller­dings an einer seichten Stelle, so daß das Auto noch aus dem Wasser herausragte. Der Zoll­beamte Arndt und ein Fräulein Baumann konn­ten nur als Leichen geborgen werden, während zwei weitere Insassen mit lebensgefähr­lichen Verletzungen ins Krankenhaus geschafft wurden. Der Fahrer wurde nur leicht verletzt. Der Arbeiter Eovalsky nicht der Düsseldorfer Mörder.

Wie die Polizeipressestelle zu der Wiener Dlättermeldung über eine angebliche Spur des Düsseldorfer Mörders mit teilt, haben die Ermitt­lungen zu dem Ergebnis geführt, daß der Ar­beiter Covalsky aus Düsseldorf, der während des Krieges in Oesterreich in einer Sprengstoff- Fabrik arbeitete, sür eine Täterschaft bei den Düsseldorfer Mordfällen keinesfalls in Frage kommt.

Oie Wetterlage.

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Verlm unter der Vormundschaft.

Die Sanierungsmaßnahmen des Oberpräsidenten.

Berlin, 28. Dez. (WTB.) Der Berliner Magistrat besprach in einer außerordentlichen Sitzung erneut die Finanzlage der Stadt und die Uebertoinbung der Ultimoschwierigkeiten mit Hilfe des Überbrückungskredites. Qln den Be­ratungen nahm der Oberpräsident per­sönlich teil und erläuterte auf Anfrage ver­schiedener Magistratsmitglieder seinen Erlaß vom 20. Dezember dahingehend, daß er sich in vier Punkte zusammenfafsen lasse:

1. Solange die kurzfristige Verschuldung läuft, dürfen laufende Ausgaben nicht über­nommen werden.

2. Der festgestellte Etat des Dezembers muh unter Verantwortung des Bürgermeisters un­ter allen älm ständen eingehalten werden.

3. Der Tilgungsfonds muß regelmäßig mit fünf Millionen Reichsmark monatlich ge­speist werden.

4. Auch vermehrte Einnahmen aus der Tariferhöhung sollen in diesen Fonds ab» geführt werden, falls sie nicht zur Fertigstel­lung begonnener Bauten unbedingt notwendig sind.

Der Magistrat war sich mit dem Oberpräsiden­ten darüber einig, daß die Finanzlage der Stadt auch über den 1. Januar 1930 hinaus wei­tere Sparmaßnahmen crforberlid) machen wird, um so mehr, als zurzeit bei der Geldmarkt­lage langfristige Anleihen nicht zu erwarten sind.

Paris, 28. Dez. (WB.) Die Kammer hat den Gesetzentwurf angenommen, der die Ausführung der ersten Arbeiten zur Befestigung der ranzosischenO st grenze vorsieht. Es han­delt sich im ganzen um 2900 Millionen, zu denen 400 Millionen Franks für die Verteidigung gegen Luftangriffe hinzukommen. Die beiden Kredite ollen im kommenden Budgetjahr in Hohe von zunächst einer Milliarde verwandt wer­den und zwar 750 Millionen für Pionierarbeiten und 250 Millionen für die Artillerie. Der Be­richterstatter erklärte, daß die Durchführung des Befestigungskranzes angesichts der even­tuellen Räumung der Rheinlande notwendig sei. Frankreich müsse in der Lage ein, gleich in der ersten Stunde mit einer relativ schwachen Deckungstruppe j ebc n f e in kr­ischen Einbruch auf f ranzösis ches G e- biet zurückzuweisen. Bei den neuen De- estigungswerken ist alles vorgesehen, um die Besatzung vor den stärksten Granaten und vor den Gasen zu schützen. Entsprechende Versuche haben gute Ergebnisse gezeitigt. 1930 wird eine er ste Sperrkette fertig sein, die dann allmählich immer mehr verstärkt werden wird.

Die Annäherungspolitik und die Politik der Anlegung von Defestigungswcrkeii an den Gren­zen ergänzten einander und seien eng mitein­ander verknüpft. Frankreich müsse, wenn es Deutschland die Hände reiche, in voller Sicherheit dasteh:n. Krteg m'nister Magi- not erklärte, Francreich müsse im Falle eines

Oie Forderungen der indischen Nationalisten.

Beunruhigung in England.

Lahore, 29. Dez. (WTB.) Die erste Voll­sitzung des gesamtindischen nationalistischen Kon­gresses ist nach Abschluß der einleitenden Aus­schußberatungen von dem Präsidenten Pandit Iawaharlal R e h r u eröffnet worden. Rehm bezeichnete sich in seiner Ansprache als Sozia- listen und Republikaner und setzte sich unter Ablehnung des Dominion- st a t u s für folgende Programmpunkte ein: Kampf zur Erringung vollständiger nationaler Unabhängigkeit, sofortiger Beginn des Boykotts der zur Zeit bestehenden gesetz­gebenden Körperschaften, Organisation einer friedlichen Massenbewegung unter der Parole des Steuer st reiks.

In der englischen Presse wird die Sortierung der indischen Aationalistensührer, Indien die völlige ilnabbängtgfeit zu gewähren, eingehend

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Frankreich und die Internationale dank.

Schwaches Vertrauensvotum für Tardieu.

Paris, 28.Dez. (WB.) In der Kammer haben die radikalen Abgeordneten Margaine und Georges Bonnet sowie der Sozialist Rens Brunet Interpella­tionen über die Bank für internationalen Zahlungs­ausgleich eingebracht. B onnct erklärte, es fei selt­sam, daß Dr. Schacht als deutscher Sachverstän­diger mit Erfolg ein Memorandum gegen die Re­gierung habe herausbringen können, die ihn mit der einfachen Rolle eines Sachverständigen betraut habe. Die Politiker sollten es den von ihnen er­nannten Sachverständigen nicht mehr gestatten, aus der ihnen zugeteilten begrenzten Rolle herauszu­treten. Obwohl es sich bei der Bank für internatio­nalen Zahlungsausgleich nicht um eine Emissions­bank handele, werde sie doch indirekt Inflation er­zeugen und den Staaten Vorschüsse bewilligen kön­nen. Die Amerikaner könnten eines Tages das Wirtschaftsleben Europas beherr­schen: denn die Bank vertrete private amerikanische Interessen. Die Mobilisierung der Schulden in Ame­rika werde schwierig sein. Rechne man etwa zur Durchführung der Mobilisierung auf den französi­schen Markt? Die Leiter der Emissionsbanken wür­den durch die Bank für den internationalen Zah­lungsausgleich eine übergroße Macht erhalten. Welche Maßnahmen gedenke daher die Regierung zu treffen, um Garantien gegen d i e Dikta­tur der großen Banken und für die Auf­rechterhaltung der Unabhängigkeit des Staates zu erlangen? Die Kammer lehnte dann die Tagesord­nung Bonnet, gegen die die Regierung die Ver­trauensfrage gestellt hatte, mit 316 gegen 271 Stim­men ab und nahm die von der Regierung gebilligte Tagesordnung durch Handaufheben an.

besprochen. Daily Rews (liberal) bezeich­net die Rachrichten aus Indien als schlecht. Das Blatt hält die völlige Llnabhängigkcit für Indien unter den gegenwärtigen Verhältnissen für g a n z undenkbar. Die vorgeschlagene Kongreßent­schließung seht nach der Ansicht des Blattes an die Stelle eines wirklichen und praktischen Ideals eine törichte Illusion. Der Sonderkorrespondent desDaily Tele­graph" in Lahore meldet, sowohl die Gemä­ßigten im Kongreß als auch die mohammedani­schen Führer, die ein lieber gewicht der Hindus befürchteten, seien erfreut über tuie Annahme einer Politik durch die Extremisten, die fich als selbstmörderisch erweisen müsse. Die Time s" berichtet aus Lahore: Es ist unmöglich vrrauszusagen, welche Entscheidungen die nächsten Tage bringen werden. In der gegen­wärtigen Welt, in der die revolutionäre Begei- ftemng eine große Rolle spielt, kann alles und jedermann allzuleicht'in eine derartige Bewegung hineingerissen werden. Selbst wenn der Kon­greß beschließt, vorläufig abzuwarten, so hat die Entschließung des Arbeitsausschusses doch schon Leidenschaften an die Oberfläche gebracht, die seit langem gegärt haben. Der 1. Januar wird ein kritis cher Tag in den Industrie­mittelpunkten, insbesondere in Kalkutta und Bom­bay, sein.

kommen werde von amerikanischer Seite, wirt- chaftlich gesehen, bekundet, daß man zu dem Funktionieren der Bank Internationaler Zahlun­gen kein allzu großes Vertrauen habe. Vielleicht preche aber auch bei dieser offenbar auf ameri­kanische Anregung getroffenen Regelung die Ten­denz mit, zu einer Stärkung der Position der B.I. Z. durch Benutzung ihrer Organisation nicht irgendwie beitragen zu wollen, da möglicher­weise in einem späteren Entwicklungsstadium der B. I. Z. eine Vertretung gesamteuropäischer In­teressen gegenüber den amerikanischen Gläubiger­interessen sich herausbilden könnte. DerBör- sen-Courier" weist darauf hin, daß das Abkommen der amerikanischen Stellungnahme Rechnung trage, daß die Vereinigten Staaten in keiner Weise direkt und offiziell am Boungplan und somit auch nicht an der Internationalen Bank beteiligt sein wollten.

bedauern, daß diese Tendenzen nicht durch- gebrungen sind, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß beide Teile daran schwer zu tragen haben werden: Das Kabinett, dessen po­litische Vorbereitungen für die Verhandlungen fast alles zu wünschen übrig lassen, und der Deichsbankpräsident, der im Haag als gleichberechtigter Verhandlungsführer durch den Zwang der Tatsachen sehr halb eine überragende Dolle gespielt hätte und mindestens in der Lage gewesen wäre, noch schlimmeres zu verhüten.

DasBerlinerTagedlatt" schreibt:Man hatte erwarten dürfen, daß Dr. Schacht Mittel und Wege finden würde, die es ihm ermöglichten, durch ^Beteiligung an der Haager Delegation auch nach außen hin die tatsächliche Mitverantwortung für den Doungplan und seinen politischen Nahmen auf sich zu nehmen, die er in gewisser Hinsicht schon jetzt durch den Inhalt und die Lücken der neuen Re- parationsregslung trägt; eine moralische Verant­wortung, die durch feinen letzten Eingriff in den Gang der deutschen Finanzpolitik nur noch vergrö­ßert worden ist." Der demokratischeBörsen- Courier" kommt zu dem Schluß, daß es nur na­türlich sei, daß der Haager Delegation Dr. Schacht nicht angehöre, der starr bei seiner Auffassung bleibe, daß der von ihm mit mancher Lücke an empfind­lichsten Stellen belassene Youngplan unter kei­nen Umständen verschlechtert werden dürfe. Die deutschen Unterhändler könnten nicht mehr widerrufen, was sie bei der ersten S)aa= ger Konferenz vereinbart hätten, so wenig, wie sie dazu bereit seien, bie sehr weitgehenden Vorabmachungen für die Schlußkonferenz auf­zuheben, die nur noch wenige, wenn auch wichtige Probleme offengelassen hätten. Um diese werde im Haag sich ein Kampf entspinnen, der sehr hartnäckig werden könne, da die deutsche Delegation jeder wei­teren Zumutung sich mit aller Kraft des Willens und hoffentlich auch gesunder Nerven entgegenstem­men werde. DerVorwärts" begrüßt den Beschluß der Reichsregierung, Dr. Schacht nicht nach dem Haag zu entsenden. Nach heftigen Angriffen gegen Dr. Schacht meint das sozialdemokratische Zentral­organ, man müsse nun freilich damit rechnen, daß die Schacht-Fronde gegen die deutsche Reparations­politik während und nach der Haager Schlußkonfe­renz mit verstärkter Rührigkeit einsetzen werde. Das sei es auch gewesen, was die Reichsregierung wohl vermeiden wollte und weshalb sie mit ihm über feine Entsendung nach dem Haag verhandelte. Da gebe es eben für die Regierung und die Regierungsparteien nur eine Haltung: es müsse endlich der Stampf mit der Schacht-Fronde ausgenommen werden, und zwar ganz anders, als es nach seinem Memorandum geschehen sei.

Aus aller Welt.

Wilhelm Maybach gestorben.

Oberbaurat Dr. ing. h. c. Wilhelm Maybach, Gründer der Mahbachwerke und. Mitbegründer der Daimler-Motoren-Gesellschaft, ist in Stutt­gart am Sonntagfrüh im Alter von 84 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit ge­storben. r

Maybach begann 1872 seine Tätigkeit als Chef des Konstruktionsbureaus in der Gasmotoren- fabrik Deutz, die damals unter der Leitung Georg Daimlers stand. In gemeinschaftlicher Arbeit mit diesem wurden nach und nach die grundlegenden Erfindungen für die Konstruktion des Automobils gemacht und der Rame dieser beiden Männer wirb auf immer mit der En w'.cklungkgefchichte des Automobilismus aufs engste verknüpft bleiben. Rach einer Studienreise nach Philadelphia zum Besuch der Weltausstellung folgte Maybach 1882 seinem Freunde Daimler nach Cannstatt, wo dann gemeinsam an der Konstruktion von rasch- laufenden, . leichten Motoren für Land- und Wasserfahrzeuge gearbeitet wurde. Hier gelang es Maybach, die Glührohrzündung zu erfinden, die zusammen mit dem schon in Deutz hergestellten Vergaser einen weiteren großen Fortschritt für die Schaffung eines Fahrzeugmotors bedeutete. Es folgten die von Daimler erfundene Kurven­steuerung, der Zwei-, später der Vierzylinder. 1890 gründete Maybach ein eigenes Unternehmen und machte seine größte Erfindung, den Sprih- düsenvergaser. Schon nach kurzer Zeit über­nahm dann Maybach die technische Direk­tion der inzwischen gegründeten Daimler- Motoren-Gesellschast und machte hier Erfin­dung auf Erfindung: die Kulissenschaltung, den Stahlrahmen, die Achsenkonstruktion, den Kühler, Ausnützung des Schwungrades als Ven­tilator, dem Hinterachsenantrieb it. a. m. Die Daimler-Motoren-A.-G. hatte mit den von ihr konstruierten Wagen im In- und Ausland große Erfolge, insbesondere mit dem von Maybach ge­schaffenen Mercedes-Wagen, der auf der Aus­stellung in Paris 1900 mit seinen Neuerungen berechtigtes Aufsehen erregte. Daimler starb 1900 und an seiner Stelle übernahm Maybach die Leitung seiner Werke, aus denen er 1907 aus- schied, um sich in Cannstatt zur Ruhe zu setzen. Aber schon 1909 begann sein unermüdlicher Ar- beitsdtang sich aufs neue zu betätigen. Er be­gann in Gemeinschaft mit seinem Sohne, Karl Maybach, für den Grafen Zeppelin Flugzeug­motoren zu bauen, die Maybach-Luftschiffmotoren, mit denen alle heutigen deutschen Luftschiffe aus­gestattet sind.

Die Polarsahrl desGraf Zeppelin".

Zu der im AprilMai 1930 geplanten Polar­expedition desGraf Zeppelin" erklärt der Vor­stand der Aero Arctic u. a.: Es ist infolge der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage nicht gelungen, die Versicherung des Luft­schiffs so frühzeitig unterzubringen, daß mit der Durchführung der E x p e d i t i o,n für das Jahr 1930 gerechnet werden kann. Erst jetzt eröffnen sich günstigere Aussichten für den Wschluh der Versicherung, und nunmehr hofft der Vorstand der Aero Arctic, die Expedition im Jahre 1931 mit Bestimmtheit durchführen zu können. Der Vorstand der Aero Arctic nimmt diese Ge­legenheit wahr, ganz besonders der deutschen Reichsregierung, den Regierungen der Vereinig­ten Staaten, der Sowjet-Llnion, den Regierun-

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Wettervoraussage.

Die Wetterlage steht im Zeichen der nördlichen Tiefdruckstörung, die die Ausläufer ihrer Südseite über Deutschland erstreckt. Maritime Westluft flieht infolgedessen nach dem Kontinent und läßt noch kein beständiges Wetter zu. Wohl gehen die Tempera­turen zurück, dürften aber nur in frostgefährdeten Lagen den Gefrierpunkt erreichen und auch etwas darunter gehen.

Wettervoraussage für Dienstag: Veränderliches Wetter, mit Bewölkung und Auf­heiterung abwechselnd, kühler, keine oder nur vereinzelt geringe Riederschläge.

Witterungsaussichten für Mitt­woch: Roch kein beständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 29. Dezember: mittags 11,8 Grad, abends 7,2 Grad: am 30. Dezem­ber: morgens 5,7 Grad: Maximum 12 Grad, Mi­nimum 5,3 Grad. Erdtemperaturcn in 10 cm Tiefe am 29. Dezember: abends 0,2 Grad, am 30. Dezember: morgens 1,4 Grad Celsius. Riederschlag 0,3 Millimeter.

Amtliche Winkerfporlnachrichken.

Harz (Braunlage): Bewölkt, 2 Grad minus. Schneedecke durchbrochen. Pappschnee, Sci und Rodel stellenweise möglich.

Schwarzwald (Feldberg): Leichter Schnee­fall, minus 1 Grad, 30 Zentimeter Schnee, ver­harscht, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut

Alpen (Garmisch-Partenkirchen): Witterung heiter, 1 Grad, 10 Zentimeter Schnee, gekörnt, Spprtmöglichkeit für Ski und Rodel fefyc gut. Berchtesgaden: Heiter, 13 Zentimeter Schnee, verharscht, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel gut.

in nayen.

UM.

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