Ausgabe 
30.12.1929
 
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Aus her Provinzialhauptstavt

Gießen, den 30. Dezember 1929.

Oie letzten Stunden des Jahres.

Auf meinem Abreißkalender, der mir in jeder Woche ein Bild vorführt, steht nun auf dem letzten Blatt ein ragender Leuchtturm. Hell er* strahlen die tausendkerzigen Lichter hinaus in die Rächt und übergießen die Wogen des Meeres mit silbernem Glanz. Ganz in der Ferne sehen wir ein Schiff, das eben den Hafen verlassen hat und nun in die weite Welt fährt. Im Vor­dergrund aber taucht ein Dampfer auf, der nach monatelanger Abwesenheit zurückkehrt in die Hei­mat. Wohl von beiden Schiffen schauen viele Augen nach dem leuchtenden Turme. Für die einen ist es der letzte Gruß der Heimat, den sie mitnehmen in ferne Weltteile, den anderen aber scheinen die Lichter zuzurufen: Herzlich willkom­men im Vaterland!

Ich bin dem Kalendermann dankbar für dieses Bild und besonders dafür dankbar, daß er eS in der letzten Woche des Jahres gebracht hat. Der Leuchtturm ist mir ein Sinnbild des Lebens. Wie die Schiffe aus* und einfahren, so gehen die Jahre dahin. Das eine verschwindet, das neue kommt heran. Wohl dem, der im Wechsel der Zeiten hinaufschauen kann zu einem glänzenden Licht, zu seinem Stern. Der Leuchtturm zeigt den verirrten Schiffen den Weg, läßt sie Heim­finden aus Rächt und Rebel. Auch wir Men­schen tasten gar oft in tiefer Finsternis, Ver­stimmung und Aiedergeschlagenheit legen sich auf unser Herz.... In solchen Lagen mußt du zu einem leuchtenden Punkte auffehen können, zu einem ruhenden Pol in der Jagd des Lebens. Das ist dein inneres Ich. Steht es auch so fest und begründet wie der Leuchtturm am Meer? Auch dort kommen brausende Wellen und ver­suchen ihre Arbeit, aber trotzig und unerschüt­tert steht der Turm.

Mit stolzem Wagemut und erfüllt von tausen­den Hoffnungen gingen wir einst in die Welt. Aber wie wurden die Schwingen gelähmt, wie sachte tötete eine Erfahrung nach der anderen gar manchen himmelstürmenden Plan! Aber trotz alledem! Wir verloren nie den Mut, wir folgten unferm Stern. Die Bilder und Träume der stür­mischen Jugend umflatterten wohl dann und wann unser Geben, aber wir hatten einen festen Grund unter den Füßen und ließen uns nicht irreführen. In all der Alltagsarbeit, im zähen Bingen vergaßen wir nie, nach den Sternen zu schauen. Wir luden uns bei der Poesie zu Gaste. Glück und. Unglücf kehrten bei uns ein. Dem Glücke lachten wir zu, dem Hnglüd beugten wir uns. Aber niederdrücken ließen wir uns nicht! Vicht das Schicksal ist es, das unser Leben ge­staltet, sondern wir selbst...

Dor vielen Jahren, nach wichtigen Entschlüssen, konnte ich die letzten Tage des Jahres in dem Hochgebirge verleben. Cs war ein stürmischer, regenreicher, aber schneeloser Winter. Ich stieg am Silvesternachmittag auf einen Berg von über 2000 Meter, der kaum mit Schnee bedeckt war. Hier oben sah ich die Wintersonne untergehen, langsam verglühen in Dunst und Vebel. Der Sturm hatte sich gelegt. Es war auf der Derges- höhe fast wärmer als im Tale. In einer Holz- Hütte hielt ich Vast. Der Mond kam hinter ziehenden Wolken hervor und beleuchtete mit seinem milden Lichte die Schneeriesen in der Ferne, die kleinen Dörfer im Tale. Hier und da schimmerten aus den Häusern die Lichter. Wie still es da oben war! Kein Laut, fein Vogelruf, feine Menschenstimme! Es waren Stunden der <Nnsamkeit, die mir unvergessen bleiben. Ich konnte Zwiesprache halten mit der Vatur, mit meinem inneren Menschen. Welche Dilder zogen an meinem Auge vorüber! Was war Vergangen­heit, was Zukunft? In solchen Stunden gibt es keine Ausreden, keine Schönfärberei, da muht du Farbe bekennen, Und so gestaltete sich dort oben ein sester Plan, eine klare Linie erschien mir. Ich konnte sie nur innehalten, wenn ich an meinen Stern glaubte...

Als ich heimlehrte, setzte erneut Regen mit einzelnen Schneeflocken ein. Ich kämpfte mich durch gegen Wind und Wetter, noch ganz er­füllt von dem Erlebnis auf der Dergeshöhe. Da warf mich plötzlich das Glockengeläute zurück in die menschliche Gemeinschaft. Vaketen stiegen zum Himmel auf, Feuerwerke flammten, Böller­schüsse und lautes Prosit Veujahr kündeten das junge Jahr an. Ich ging schnell auf mein Zimmer, und nur von fern hörte ich noch den Lärm. Aber es war meine schönste Silvesternacht, die ich je erlebte, Unb wie beneide ich die Jugend, die heute Silvester draußen in den Bergen feiert, mit Schneeschuhen die weiße Flache durchzieht: Vingsum die große Stille, über sich die glänzen­den Sterne! Sie erleben die Ankunft des neuen Jahres am schönsten. Voch liegt die Zukunft rosig und verlockend vor ihnen. Auch zu ihnen werden große Enttäuschungen kommen. Aber ge­stählt an Körper und Seele werden sie fertig werden mit dem Leben, mit dem Schicksal. Ihr Schifflein wird in den Hafen einfahren, wenn sie sich nach ihrem Stern, nach dem Leuchtturm, richten und den Glauben an sich selber nicht ver­lieren.

Die Tage nach Weihnachten laden uns ein zur Besinnlichkeit, zur Rückschau und inneren Ein­kehr. ilnö so wollen wir auch diese Stunden nicht grüblerisch vergeuden oder gar grämlich zurück­blicken und dabei seufzen: Es ist immer das alte Lied, ein Jahr ist wie das andere. Vein! Mit tlaren Augen, mit dem festen Glauben an die Zukunft und mit Heller Zuversicht wollen wir in das nei^ Jahr schreiten. W.

Daten für Montag. 30. Dezember.

Sonnenaufgang 8.05 ühr, Sonnenuntergang 16 ilhr. Mondaufgang: 8.12 ilhr, Mond­untergang: 15.01 ilhr.

1784: der russische Seefahrer Otto von Kotzebue in Veval geboren; 1819: der Dichter Theodor Fontane in Reuruppin geboren; 1861: der Ingenieur Max Mannesmann in Bliedinghausen geboren; 1926: der Dichter Vainer Maria Rilke in Paris gestorben.

Vornotizen.

Tageskalender für Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Schleier­tänzerin" und ,.O welche Lust. Soldat zu fein". Astoria-Lichtspiele:Das verschwundene Haus" (mit Hary Piel) undMaciste und die Tochter des Siiberkönigs".

Stadttheater Gießen. Wan schreibt uns: Die morgige Silvester-VorstellungKhritz- Phritz" beginnt um 19.30 ilhr. Spielleitung hat Heinrich H u b. Das Stück ist ganz auf Silvester­stimmung angelegt. Cs wirken mit die Samen

Doering, Heß, Fuhrmann, Jüngling, Koch, Jahn, Mewes und die Herren Arzdorf, Dommi^ch, Heitzig, Tannert, Hub. Linkmann, Volck, We'e- ner, Zingel. Die Kostüme sind von Obergar- derobier Kurt Huber nach eigenen Entwürfen im modernen Stil angefertigt und Haden als histo­risches Vorbild die Zeit von 1884. Die Bühnen­bilder sind dem Humor des Stückes angepaht und von Karl Löffler entworfen und ausgeführt.

"25IahreElisabeth-Kleinkinder- schule. Am 3. Januar werden 25 Jahre ver­flossen fein, daß die Elis abeth-Kleinkinderschule im Wetzlarer Weg begründet worden ist. Die An­stalt ging aus der Baugenossenschaft des Evan­gelischen Arbeitervereins hervor. Im Jahre 1894 war diese Baugenossenschaft in das Leben ge­treten. Zwei Männer sind es, die sich um das Unternehmen sehr verdient gemacht haben, näm­lich der im Jahre 1915 verstorbene Direktor der Bezirkssparkasse, Hermann Döring, der lange Jahre Vorsitzender des Vorstandes war, und der im Jahre 1910 verstorbene Kommer­zienrat Louis Heyligenstaedt, der den Vor­sitz im Aufsichtsrate übernahm. Die Genossen­schaft baute Häuser in der Landmann- und Wolf- strahe, aber auch im südlichen Stadtteile, im Mittelweg, in der Crednerstrahe und im Wetz­larer Weg. Da die neu hergerichteten Wohnun­gen zumeist von jungen Ehepaaren, die kleine Kinder hatten, bezogen wurden, stellte sich das Bedürfnis heraus, im Südbezirk eine Kleinkin­derschule ins Leben zu rufen. Dieses Unterneh­men wurde tatkräftig von Direktor Döring und Kommerzienrat Heyligenstaedt geför­dert. Wenn Döring der eigentliche Begrün­der war, der jahrelang die Anstalt leitete, so hat Heyligenstaedt durch wiederholte groß­zügige Zuwendungen der Anstalt das Funda­ment gegeben. Am Gründungstage übernahm Schwester Friederike Oberst aus Unter« öwisheim bei Bruchsal die Pflege und Betreu­ung der Kinder, nachdem sie im Diakonifsen- Mutterhause Vonnenweier bei Lahr ihre Aus­bildung erlangt hatte. Heute noch steht Schwester Friederike Oberst in dieser Tätigkeit, sie £ann somit, da Gießen ihre erste Stelle ist, am 3. Ja­nuar ihr 25. Jubiläum als Kinderschulschwester feiern. In den 25 Jahren ihrer Tätigkeit hat sie sich mit nimmermüder Treue und Freundlich­keit der kleinen Kinder angenommen; heute sind Kinder, deren Eltern sie schon in der Kleinkin­derschule betreut hat, ihrer Obhut übergeben.

"CinGeisteskrankerentwichenund dem Winter zum Opfer gefallen. Aus der hiesigen Heil- und Pslegeanstalt entwich in der Rächt zum Samstag durch einen engen Fensterspalt ein schwächlicher, an Tiefsinn leiden­der Geisteskranker, der nur mit Unterzeug be­kleidet war. Voch bevor es dem Personal der An­stalt gelang, seiner wieder habhaft zu werden, wurde er nahe der Straße SteinbachAnnerod von auf dem Felde arbeitenden Leuten ganz durchnäßt in halberstarrtem Zustand aufgefun­den. Bald darauf verstarb er, offenbar an Er­schöpfung und Kälteeinwirkung, der er infolge seiner ganz ungenügenden Kleidung leider in erhöhtem Maße ausgesetzt war.

* Wegen Wilddieberei verhaftet. Cin aufregender Vorfall, bei dem sich auch eine Anzahl Neugieriger eingefunden batte, ereignete sich in der letzten Nacht gegen 23 Uhr in der Katharinengasse. Der Polizei mar mitgeteilt worden, daß man den in der Katharinengasse wohnenden französischen Staatsangehörigen M o r t a i g n e , der seit längerer Zeit im Verdacht der Wilddieberei stand, als Beruf aber den Milchhandel betrieb, mit einem srischge- schossenen Reh im Rucksack beobachtet habe. Die dar­aufhin von der Polizei sofort in die Wege geleitete Nachforschung fördert denn auch das Reh aus feinem Versteck in einem Misthaufen zutage, während Mortaigne in Erwartung seiner Verhaftung sich versteckt hatte. Die Polizei fand ihn schließlich in einem Spalt zwischen zwei Häusern stehend vor. Der Aufforderung, aus seinem Versteck herauszukom­men, leistete er keine Folge, so daß ein Polizei­beamter, um der behördlichen Anordnung Nach­druck zu verleihen, den schußfertigen Revolver in das Versteck hineinhielt, ohne aber bei der mangelnden Beleuchtung den Gesuchten erkennen zu können. Plötzlich fühlte sich der Beamte an der Hand gepackt, und im Nu war ihm von M. die Schußwaffe entrissen. Da mittlerweile noch einige weitere Polizeibeamte herbeigeeilt waren, wurde der Zwischenraum zwischen den beiden Häu­sern von beiden Seiten her polizeilich durchsucht, und hierbei gelang es, den Uebeüäter zu verhaften. Seiner Festnahme setzte er starken Widerstand ent­gegen, wobei er einen Polizeibeamten in die Hand biß. Es gelang ihm jedoch nicht, sich zu befreien, so daß er wohl oder übel den Weg zur Polizei antreten mußte, wo er sich heute noch in sicherem Gewahrsam befindet. In seiner Wohnung fand die Polizei bei der Haussuchung eine ganze Anzahl wertvoller Jagb- wafsen, zum Teil mit Zielfernrohren versehen, ferner eine große Anzahl Patronen, aber natürlich keinen Iagbpaß. Der Verhaftete wird nun nicht nur einen Prozeß wegen Wilddieberei, sondern auch noch eine Anklage wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt zu gewärtigen haben. Außerdem dürfte gegen ihn wohl das Äusweisungsverfahren in Gang gebracht werden, so daß er nach Verbüßung seiner Strafe zwangsweise nach Frankreich abgehoben werden wird. Der Mann war im Kriege als Kriegsgefange­ner hierher gekommen, hatte sich dann hier ansässig gemacht, aber seine französische Staatsangehörigkeit beibehalten.

* Autounfall. In der Vacht zum Sonn­tag ereignete sich auf der Landstraße zwischen dem Schiffenberg und der Stadt ein Auto­unfall. Vahe den Eisteichen kam ein Privat­kraftwagen, in dem sich zwei junge Leute be­fanden, infolge der nassen Straße ins Vutschen und fuhr mit ziemlicher Gewalt gegen einen Baum. Hierbei wurde ein junger Mann von Gießen durch die Windschutzscheibe hindurch auf die Straße geschleudert, wo er mit erheblichen Gesichtsverlehungen liegen blieb, während dec Lenker des Wagens mit leichteren Verwundungen davonkarn; der Ersterwähnte wurde von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Voten Kreuz nach der Chirurgischen Klinik verbracht, wo er sich heute noch befindet. Der Kraftwagen wurde erheblich beschädigt.

* * Die Gießener Geldinstitute geben im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß ihre Geschäfts­räume am morgigen Dienstagnachmittag geschlossen sind.

* * Ehrung von Hausange st eilten. Der Alice-Frauenoerein vom Roten Kreuz veröffentlicht im heutigen Anzeigenteil eine Aufforderung zur An­meldung von Hausangestellten, denen für langjährige treue Dienste eine Ehrung zugedacht ist. Interessenten feien auf diese Anzeige besonders hingewiesen.

**' Dienstjubiläum. Am 1. Januar 1930 kann der Werkstättenvorsteher HeinrichTopp, Krosdorfcr Straße 10, auf seine 25jährige Tätig­keit als Angestellter bei der Allgemeinen Deut­schen Eisenbahnbetriebs-Gesellschaft Berlin zurück­blicken.

Gründungsversammlung der Al­tersvereinigung 1 8 8 0 1 9 3 0. Am Sams­tag fand im Restaurant Faulstich die Gründungs- Versammlung der 50er-Bereinigung des Jahr­ganges 1880 statt. Cs waren zu der Versammlung von etwa 200 Altcrskottegen ca. 70 erschienen. Glasermeister Marx leitete die Versammlung. Cs wurde ein provisorischer Vorstand gebildet. Zum provisorischen Vorsitzenden wurde Glaser- meister Marx gewählt. Eine für den 18. Januar festgelegte Versammlung wird sich mit allen wei­teren Fragen beschäftigen.

* Preußisch-Süddeutsche Klassen- lotterie. Die Lose zur vierten Klasse müssen bis zum 3. Januar eingelöst sein, da bis zu die­sem Termin nicht eingelöste Lose anderweit ver­kauft werden können.

** Luftreifen für alle Kraftfahr­zeuge ab l.^a nu ar. Sämtliche hessischen Gen- bannerieftationen und die Bürgermeistereien sind be­auftragt worden, fcharf zu überwachen, daß ab 1. Ja­nuar 1930 Kraftfahrzeuge, deren betriebsfertiges Eigengewicht drei Tonnen nicht übersteigt und daß Kraftfahrzeuge, deren betriebsfertiges Gewicht im beladenen ober unbelabenen Zustande neun Tonnen übersteigt, mit Luftreifen versehen fein müssen. Alle übrigen Kraftfahrzeuge müssen mit Luftreifen ober hochelastischen Vollgummireifen versehen sein. Die Radkränze bürfen keine Unebenheiten besitzen, bie geeignet sind, bie Fahrbahn zu beschäbigen. Auch bie mitgeführten Anhänger müssen ab 1. Januar mit ber Dorgefdjriebenen Bereifung versehen fein. Ausnah­men werben unter keinen Umftänben mehr zuge­laufen, unb Gesuche um Weiterbenutzung unvor- schriftsmäßiger Bereifung finb zwecklos. Nur für Elektrokarren tritt biefe Bestimmung noch nicht in Kraft.

** Weihnachten in ber Verberge zur Heimat. Am Heittgenabend waren in der Her­berge zur Heimat etwa 80 fremde Wanderer erschie­nen, denen dank der Opferwilligkeit der Gießener Bürgerschaft eine schöne Weihnachtsbescherung be­reitet werden konnte. Gegen Uhr abends wurden bieBrüder der Landstraße" in den oberen Saal geführt, wo auf weißgedeckten Tischen mancherlei Gaben ausgebreitet lagen. Nach einem gemeinsam gesungenen ^Leihnachtslied hielt Pfarrer Lic. Waas eine zu Herzen gehende Ansprache. Anknüpfend an die Sage von der versunkenen Glocke wies der Red­ner darauf hin, wie die Glocken der Kirche am Weih­nachtsabend im Herzen eines jeden Deutschen er­klingen und auf den Ruf der Glocken die Eltern zu ihren Kindern und die Kinder zu ihren Eltern eilen, während denjenigen, die diesem Ruf nicht fol­gen könnten, eine Weihnachtsfreude in ber Herberge bereitet werden solle. Nach einem gemeinsamen Abendessen, bei dem auch ein Glas Bier und Zi­garren nicht fehlten, entwickelte sich eine echte Weih­nachtsstimmung, wobei einer der Wanderer der Ver­waltung der Herberge und den Spendern für das Gebotene besonderen Dank abftattete. Am ersten Feiertag Vormittag fand die übliche Kleiderparade statt, bei der manches alt und morsch gewordene Stück ersetzt werden konnte.

" Die D a me n v e re i n i g un g 1 879- 1 9 2 9 hielt, wie man uns berichtet, am Ende des ersten Vereinsjahres als Abschluß eine wohl­gelungene Weihnachtsfeier ab, zu ber sich sämt­liche Vereinsbamen mit ihren Angehörigen im Saale des (Safe Leib versammelten. Die Leitung der Feier lag wieder in den schon oft bewähr­ten Händen der Vorsitzenden Frau Ruhl, die von der Dereinskassiererin Frau Krüger tat­kräftig unterstützt wurde. Zu dem reichhaltigen Festprogramm stellten die Damen Frl. D i e r a u, Tanger, Vachtigall, Vickel. Dauer, Friedel Geiß, Bachmann und Frl. Zieg­ler ihre Kunst zur Verfügung, und sie ernteten mit ihren Darbietungen lebhaften Beifall. In einer Ansprache betonte die Frau Vorsitzende, daß Weihnachten ein Fest der Liebe fei, an dem jeder den Drang in sich fühle, andern Freude zu bereiten. Weihnachten fei aber auch ein Fest des Friedens, darum soll jeder Streit und Hader vergessen fein. Liebe und Frieden seien auch die Grundgedanken der Damen Vereinigung 1879- 1929. Frl. Castein und Frl. Tanger, zwei anmutige Erscheinungen, entzückten alle Anwe­senden durch ihre reizenden Kostümtänze, und wurden jubelnd begrüßt. Große Heiterkeit er­regte am Schluß das Erscheinen der Reichs- Fahrpost, voll beladen mit Paketen, die Weih­nachtsgeschenke für sämtliche Vereinsdamen ent­hielten. Die Darsteller (Frl. Bi er au und Frl. Tanger als Postboten, Frl. Cast ein als Postillon) unb eine lebende Ziege als Zugtier, hatten es nicht leicht, ihrer Ausgabe gerecht zu werden. Ein Doppelquartett des bestens bekann­ten Bauerschen Gesangvereins unter Leitung des Herrn G u t j a h r erntete mit seinen Vorträgen stürmischen Beifall. In unermüdlicher Weise spielte dann die Kapelle Weller bis in die frühen Morgenstunden zum Tanz auf.

Weihnachtsfeier in der Heilan­stalt für Vervenkranke. Auf Einladung des Leiters der Hessischen Heilanstalt für Verven- kranke, Mebizinalrat Dr. Bausch, versammelten sich die Patienten und das Pflegepersonal der Anstalt wie man uns berichtet am vorigen Sonntag zu einer Weihnachtsfeier mit anschließen­der Bescherung. Einige Mitglieder der Gießener Militärkapelle eröffneten die stimmungsvolle Feier mit weihevollen Klängen der Weihnachts­lieder. Hieraus richtete Medizinalrat Dr. Bausch eine Ansprache an die Gäste. Im weiteren Ver­laufe des Abends sprach noch Oberpfarrer M ü I - l e r, ferner brachten die Herren Engels und Dutte aus Wetzlar eine Anzahl Lichtbilder zur Vorführung unb fangen Lieder zur Laute. Den Patienten und dem Pflegepersonal wurde durch diese Weihnachtsfeier ein wertvoller Abend be­reitet, für den sie dem Leiter der Anstalt un& allen Mitwirkenden von Herzen dankbar sind.

General von Hahn /OZahre att.

D a r m ft a b t, 29. Dez. (WSN.) Am 28. Dezem­ber vollenbete General ber Kavallerie a. D. Ferbi- nanb v. Hah n in Hof Illbach bei Reinheim fein 7 0. Lebensjahr. General v. Hahn war u. a. 1903 Oberstleutnant unb Kommanbeur bes Husaren­regiments 14 in Kassel. Als Generalleutnant war er mehrere Jahre Generaladjutant bes früheren Groß­herzogs von Hessen. 1913_murbe er in ben erblichen Adelsstanb erhoben. Im September 1917 erhielt Exz. v. Hahn ben Charakter als General ber Kavallerie und schieb 1918 aus bem Dienst. Seit bieser Zeit wohnt er auf bem Hofgut Illbach unweit Darm- ftabt. Politisch gehört Exzellenz v. Hahn der Deutsch- nationalen Volkspartei an.

Oberhessen.

Kreis Schotten.

? Schotten, 29. Dez. Ab 1. Januar werden die D i c n ft g e f d) ä f t e bes hiesigen M r e i s g c f u n b ° b e i t s a m t s von ben angrenzenben Kreisen über­nommen. Die Aufteilung erfolgt nach Amtsgerichts bezirken. Bübingen übereimnu die Orte bes Kreises in ben Amtsgerichtsbezirken Schotten, Orten­berg unb Nibba, Gießen bie ber Bezirke Laubach unb Grünberg, Alsfeld bie bes Amtsgerichtsbe­zirks Ulrichstein. Die Statistik ites Kreises (Sterblichkeit) wirb burch bas Kreisgesunbheitsamt Bübingen erstattet. Die Aufhebung bes Kreisgesund- heitsamtes kommt für einen aroßen Teil ber Kreis­bewohner völlig unerwartet. Man fragt sich unwill­kürlich: Ist biefe Maßnahme nicht ber erste Schritt zur Aufteilung des gesamten Kreises?

Laubach , 28. Dez. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats kam zunächst ein Dc- richt des Diplom-Ingenieurs Fritz Schmidt betr. der Anlage am Lardenbacher Weg (am og. .Froschloch") an den hessischen Minister des Innern zur Verlesung. Die Aussprache und De- chlußfassung über diesen Gegenstand wurde zu- rückgestellt. Eine Eingabe der hiesigen Schrei­ner und Wagner um Holzabgabe wurde ge­nehmigt. Sodann erfolgte die Berichterstattung über die bisherigen Einnahmen und Aus­gaben der Stadt. Die Ausgaben haben bis letzt die Einnahmen um 11 000 Mark überstiegen. Die innere Einrichtung (Sprungbretter u. bgl.) ür die städtische Badeanstaltam Ober­see" soll der Firma S ch a f f st a e d t in Gießen übergeben werden, jedoch unter der Bedingung, daß die hiesigen Geschäftsleute bei der Arbeits­übertragung berücksichtigt werden.

0 Gedern, 27. Dez. Höhepunkte für das kirchliche Leben unsrer Gemeinde bedeuteten wie­der die vergangenen Festtage. Sämtliche W c i h- nachtsgottesdienste, die liturgisch reich ausgestaltet wurden, waren stark besucht. Die übliche Christseier am Heiligen Abend wurde durch die Mitwirkung des Kirchengesang- Vereins und des Kinderchors verschönt. Ersterer sang unter Leitung seines stellvertre­tenden Dirigenten die eindrucksvolle Weihnachts­motette von SilchcrEhre fei Gott in der Höhe!" Der Kinderchor des Herrn Lehrers Häusel brachte die alte WeihnachtsweiseEs ist ein Ros' entsprungen" und dann das Beethovensche Heilge Rächt, o gieße du!" zum Vortrag, und zwei Konfirmanden sprachen Weihnachtsgedichte. Sehr dankbar wurde von der Gemeinde das Turmblasen durch den Musikverein emp­funden, der einige Weihnachtschoräle in die winterliche Vacht hinein erklingen lieh. Der Hauptgottesdienst des ersten Weihnachtsfeier­tages wurde durch Gesänge des Männergesang- vereinsLiederkranz" unter Leitung von Lehrer Riedel bereichert. Am Vachmittag des ersten Feiertages hatte der Kind ergottesdienst seine Weihnachtsfeier; um die Einübung der Wechselgesänge und der Sprechchöre hatte sich Lehrer Häusel verdient gemacht; nach Schluß der Feier erhielten die Kinder eine kleine Weihnachtsgabe. Von sonstigen kirchlichen Weih­nachtsfeiern sind noch zu erwähnen _ die des Gustav - Adolf - Frauenvereins und des M ä d ch e n b u n d e s , die in der Woche vor dem 4. Advent im Gemeindesaal stattfanden und in denen neben Chorvorträgen ein kleines Weih­nachtsspiel zur Darstellung, kam. Schließlich fand noch am 4. Advent im neuen großen Saal des Bezirkskrankenhauses eine schlichte Weihnachtsfeier für die Insassen und Ange­stellten des Hauses statt, wobei der Ortsgeistliche eine Ansprache hielt und jedem Kranken ein Gabenteller überreicht wurde.

§ 111 r i rf> ft t n, 28. Dez. Vachdem am zweiten Weihnachtstage derMännergefangverein feinen sehr gut besuchten Weihnachtsball im Saal der Gastwirtschaft Groh abgehalten hatte, der einen harmonischen Verlauf nahm, fand dort am dritten Feiertag die Weihnachtsfeier des hiesigen Zweigvereins des Vogelsberger Höhenclubs bei ebenfalls guter Beteiligung in der herkömmlichen Weise statt. Eine ganze Anzahl hübscher Weihnachtsgedichte und »stücke, die mit viel Fleiß und Sorgfalt eingeübt waren, wurden von Kindern zum Vortrag gebracht und sanden lebhaften Beifall. Bürgermeister Appel begrüßte in schwungvoller Ansprache, die mit einem selbstverfaßten Gedicht schloß, die Er­schienenen. Eine Verlosung trug zur Hebung der festlichen Stimmung ihr Teil bei.

P Unter-Seibertenrod, 27. Dez. Am Heiligen Abend fand hier ein liturgischer Abendgotttesdienst beim strahlenden Lichterglanz des Christbaumcs statt, dessen Aus­schmückung auch in diesem Jahre wieder Bürger­meister Momberger in dankenswerter Weife übernommen hatte. Im Mittelpunkt des Gottes­dienstes stand das Weihnachtsevangelium, mit Ansprache, das von den Liedern der Gemeinde unter Begleitung des Posaunenchores Unter- Seibertenrod und des SchülerchorA, des Männer­chores und der Iugendgruppe von Unter-Seiber­tenrod unter Leitung von Lehrer Dutteron umrahmt wurde. Die Kollekte an diesem Abend war für Bethel bestimmt.

± Groß-Eichen, 27. Dez. Am zweiten Weihnachtstag hielt der Turnverein im Rahnschen Saale feinen diesjährigen Familien­abend ab, der sehr gut besucht war. Vach einem lieblichen Reigen, der von jungen Turnerinnen getanzt wurde, wurde zunächst die bekannte Ope­rette:Die Winzerliesel" aufgeführt. Als wei­teres Stück gelangte noch ein Lustspiel zur Auf­führung. Beide Stücke, einstudiert von dem ersten Vorsitzenden des Turnvereins, Lehrer D o p f, wurden flott gespielt und gefielen sehr. Darauf stellten Turner und Turnerinnen noch einige sehr hübsche Pyramiden. Ein Sologesang reizte die Lachmuskeln sehr. Tanz beschloß die Veranstal­tung. Der Familienabend zeigte wiederum, daß der noch junge Turnverein in unserer Gemeinde festen Boden gewonnen hat.

I Ober-Lais, 28. Dez. Wie alljährlich, ver­anstaltete der hiesige GesangvereinLie­de r s r e u n d" unter Leitung seines Dirigenten, Lehrers Strößinger, am zweiten Weihnachts­feiertage im Saale d?s Gastwirts Werner einen llnterhaltungsabend. Der Abend brachte ein bun­tes Programm: Vach flotten Weisen der hiesigen Musikkapelle sang der Verein mehrere Lieder. Zur Einweihung des neuen, aus dem lleberschuh des im Sommer hier abgehaltenen Sängerfestes erworbenen Vereinsklaviers kamen mehrere vier­händige Klavierstücke zum Vortrag. Ein stimm­lich sehr gut begabtes Mitglied des Vereins sang mehrere Lieder mit Klavierbegleitung, einSchnell- maler zeigte seine Künste. Den Abschluß bildete ein flott gespielter Einakter. Der Saal war sehr gut beseht. Das Publikum war von den Dar­bietungen hochbefriedigt.