Ausgabe 
30.12.1929
 
Einzelbild herunterladen

mies

n

',..1.7 Ult viuiahon JQlitaten sind gtlud)l, 11 bessere Beachtung.

lllerlei.

ie$ Kinder.

Rrintinotyolijci gegen i Berlin-BlanieÄuiff r, daß die beiden sich itgungen ihre»'

58,28 Hb» 20,34 164'5 I68.U 21-72 111-63 58,56 2.47 112.18 81-1 57- 12,M 72,8-

ruüfi

Cn 1,705 1,505 12, ii,l3 ü s 178 |6295 >6,22 lpü ),*66

8,815 40

1,62 73Ä lll 'S 3.9* i*

Wrcife gaben da- en noch. Das IM Hetzer in Gang qc

112,«1 20.62 16.475 'S Ä uh 81.<f S7'H 12.60 73.15 m.

10.5JS 20.424

iS

58Z ß

s

H !!

kn °nZsMrn. ,bor^nomScbtN

J^ibeden cf'c am S l°gen

Schluß der" '''bl ln mit

1 einzeln«.» O livia

döhnt, A llahrt«. ^lW ÄI ''b. l2i® tDnr59te l'ch

ZM

z UDCrtoi^cnbftu2 Rannten Werten ' 3et9« und $olt).

l^enbörse.

xr ^tägigen Ber- LÖQ* Teschäst a« W engen Grenzen .^bnden Bro^e- geringfügig, für M.

lesten Ausland.

U. konnten etwa

1tij3 1,704 58,67 lll,W KZ

sn Rittergutes j.anfceolmiitceM-

e im tobtgtabnu ten te Men »-> ?- )

die Eltern und dem ; jene gefallen war, nach r Familie m Drom, »führt werden, w r-tesund de-AmMi' geöffnet wurde, muW gribicn Wlft * ! Se

, A» ®< 8"fc ®,n8 w»*lei s*äss "»6"

t genommen. 2ci dm liche Cinzelheitm mi Ochsten JüchtigmM ;r zwei- und dreimal 16 Kind an seinem schmutzig gemacht hatte, und der Baier schlug chnallenriemen. Als es Züchtigung ohnmäch- zog die Frau es an nd fiel mit dem Gesicht ,rde cs an den Ohren chlug das Kind mit M botauf ft ar b ei. Haares ift noef) ein be hervvrgrgangm, t wurde.

58-J 112.*

ofen.

Ur. 50| Erstes Blatt

179. Zahrgang

Montag, 30. Dezember 1929

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags

Beilagen:

Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle ntonat$--Be$ug$prei$:

2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Träger­lohn, auch bei Richter« scheinen einzelnerRummern infolge höherer Gewalt, zernfprechanfchlvffe

unterSammelnummer2251. Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Stehen.

Postscheckkonto:

Frankfurt am Main 11686.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vntck und Verlag: vrühl'sche Umverfitalr-Vuch- und SlelndruSerei R. Lange in Gießen. Schriftlettrmg und Geschäftsstelle: Zchulstraße r.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für I mm höhe für Anzeigen von 27 min Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspf ennig; für Re« lrlameanzeigen von 70miu Breite 35 Reichspfennig, Platzvorfchrift 20° mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Metzen.

Jahresbilanz der Weltwirtschaft.

Von Professor Dr. Hermann Levy, Berlin.

Das Jahr 1929 wird in der nun schon langen Reihe der Rachkriegswirtschaftsjahre eine gewisse Denkwürdigkeit behalten. Denn während man bei weltwirtschaftlichen Iahresrückblickcn seit 1918 immer betonen mußte, daß die Vereinigten Staaten von Amerika bezüglich ihres Wohlstandes eine Ausnahme von fast allen übri­gen, sicherlich aber von allen europäischen Län­dern der Weltwirtschaft machten, kam im Herbst dieses Jahres der erste, starke und unerwartete Rückschlag dieser bisher unerschütterlich schei­nendenprosperity. Dies ist eine Tatsache, welche das weltwirtschaftliche Saljr 1929 zu einer Besonderheit macht. Die ersten drei Viertel des wahres schienen in ihrem Verlauf die Tendenz der beiden Vorjahre zu bestätigen, nämlich die Entwicklung zu einem langsamen, aber sicheren Wiederaufsteigen der Wirtschaft der verschie­densten Länder.

Dies beweisen vor allem gewisse maßgebende Erzeugungsziffem und die Entwicklung führender Ausfuhren. Man wird z. V. nicht umhin können, in der jeweiligen Entwicklung der Koh­le nausfuhr Zeichen einer verbesserten ober verschlechterten Lage der Weltwirtschaft zu er­blicken. Hier zeigte das Jahr 1929 einen Auf­schwung. Die Ausfuhr von Kohle aus den be­deutendsten Weltwirtschaftsländern Hal sich nicht ungünstig entwickelt; so betrug die englische Koh­lenausfuhr in den ersten neun Monaten 1929 er. durchschnittlich im Monat 4,9 Millionen Tonnen gegen nur 4,1 Millionen im Monatsdurchschnitt von 1928. Der Mehrbedarf der Kohlen importierenden Länder als englische Kunden vor allem Skandinaviens, Belgiens, Frankreichs, Italiens, Südamerikas, Spaniens und Aegyptens ist entschieden als ein sehr günstiges weltwirtschaftliches Symptom zu deuten gewesen. Wir selbst konnten im Juli, August und September mit nicht unerheblich höheren Erzeugungsziffern für Brennstoffe aufwarten als im Monatsdurchschnitt der Vorjahre. Preis­niveau und Arbeitslosigkeit hatte sich in den einzelnen Ländern der Weltwirtschaft nicht we­sentlich verändert. Im Frühsommer schien es, als ob die Weltweizenpreise eine kri­tische Senkung gute Ernteaussichten und noch vorhandene Bestände der Vorernten erfahren würden, aber eine Erholung folgte, so daß dis schon drohende Beunruhigung der Weltweizen­märkte vermieden wurde. Man hätte also für das Ende des Weltwirtschaftsjahres das Ergebnis erwarten können, daß mehr oder wenigeralles beim alten bleiben werde: immer noch starke weltwirtschaftliche Depression, aber Ansätze zu allmählicher Besserung und Belebung.

Die von den Vereinigten Staaten ausgehende finanzielle Krisis die schon einen ge­wissen Vorläufer durch die mit dem Tode Loewen- steins zusammenhängenden Zusammenbrüche der großen Kunstseidespekulationen erhalten hatte scheint plötzlich in dem letzten Viertel des Jahres eine völlige Veränderung dieser Situation gebracht zu haben. Der Krach an den amerika­nischen Effektenbörsen war der Auftakt zu starken Kursrückgängen in London, Paris und vor allem auch in Berlin. Die enormen Verluste, welche Die amerikanischen Essektenbesiher plötzlich zu ver­zeichnen hatten, übten aber auch sofort ihre Wirkungen auf die Produktenmärkte und die In- Dustrieerzeugung aus. Die amerikanische Auto­mobilindustrie, die gesamte Luxusindustrie, vor allem aber das in den 11021. so weit verzweigte und verbreitete Abzahlungsgeschäft wurde ganz plötzlich auf das empfindlichste getroffen. Mit einem Schlage sah sich auch Amerika vor jene Wirtschaftskrise gestellt, die man von drüben fett 1920 wohl alsrein europäische Erschei­nung mit einem etwas mitleidigen Lächeln be­trachtet hatte. Der Dezemberbericht der Com­merz» und Diskont-Bank bemerkt z. B. über den Baumwollmarkt:Der Zusammenbruch Der Reuyorker Effektenbörse hat auch sämtliche Warenmärkte stark in Mitleidenschaft gezogen und in wenigen Tagen demonstriert, daß auch die große Linie bei allen Warenmärkten die sukzessive Annäherung an die Friedenspreise zeigt. Auch der Economist (vom 23. November) konstatiert, daß unmittelbar nach den schwarzen Tagen von Wallstreet ein scharfer Rückgang vieler wichtiger Warenpreise einsetzte: besonders von Weizen, Baumwolle Gummi und Metallen.

Dieser scharfe Preisrückgang hing zum Teck damit zusammen, daß viele Händler in diesen und anderen Erzeugnissen ihre Vorräte schleu­nigst verkaufen mußten, um ihren ©ffeftenengage» ments gerecht zu werden, aber wenn diese Tat­sache auch die Schärfe des Preissturzes erklärt, so läßt sie nicht erkennen, inwieweit eine rasche Wiederherstellung der früheren Preislage eintre­ten wird. In Amerika scheint man trotz mancher Versicherung der dortigen Blätter über diege­sunden Grundlagen der heimischen Industrie" nicht so unbedingt an die rasche Wiederkunft der Prosperität zu glauben, denn sonst hätte man nicht in aller Eile unter der Aegide des Präsidenten Hoover ein weitgehendesWirt- schaftsprogramm" der Stützung entworfen, das zum Teil mit Rotstandsarbciten großen Stils arbeiten will, zum Teil die Rettung' in einer ge­steigerten und vielleicht sogar staatlich forcierten Ausfuhrtätigkeit erblickt. Es ist überaus beacht­lich, wenn Dr. Hans E. Priester, dem gewißlich jede aufhehende Propaganda gegen Amerika fern liegt, in einem Artikel des Berliner Tageblatts sich zu der Erklärung entschließen muß:Lieber- all hat das amerikanische Handelsamt seine Fang-

Die deutsche Delegation für die zweite Haager Konferenz.

Marschbereit.

Von unserer Berliner Redaktion.

Die Reichsregierung ist sich nach mehrtägigen, sehr intensiven Beratungen über ihre im Haag einzuschlagende Taktik einig. geworden, sie hat auch bereits die Delegation zusammengestellt, der wieder eine ganze Reihe von Persönlichkeiten angehören, die das Reich schxm öfter zu inter­nationalen Konferenzen hinausgcfchickt hat und die auch teils an den Pariser Sachverständigen­beratungen, teils an der ersten Haager Kon­ferenz selbst teilgenommen haben. Wer e i n Mann fehlt, der seit vielen Jahren unver­zagt in der vordersten Linie unserer außen- politischeir Front kämpfte und der in unermüd­licher Arbeit auch die jetzt bevorstehenden Ver­handlungen im Haag vorbereitete. Es ist Dr. Skresemann. den der Tod zwischen den bei­den Konferenzen über die Räumung des Rhein­landes und die Reuregelung unserer Repara­tionslasten abberief.

An seine Stelle tritt jetzt sein Freund und Vertrauter Dr. C u r t i u s , der durch seine lang­jährige Zusammenarbeit mit dem Verstorbenen dessen Gedankengänge, Pläne, Ziele und Absich- ten am besten kennengelernt und auch schon auf der ersten Haager Konferenz an ihrer Erreichung und Verwirklichung praktisch mitgearbeitet hat. Da der Reichskanzler es vorgezogen hat, in Ber­lin zu bleiben, wird Dr. Curtius die Delega­tion leiten. Bei allem Vertrauen, das wir ihm entgegenbringen, hätten wir es doch lieber ge­sehen, wenn auch der Kanzler mit nach dem Haag gegangen wäre. So wird die Haupt­last und Verantwortung lediglich auf den Schul­tern der beiden bürgerlichen Minister Curtius und Moldenhauer ruhen, während Wirth und Schmidt eigentlich nur als Horchposten ihrer Par­teien dabei fein und eine Rolle von untergeord­neter Bedeutung spielen werden.

Auch der Reichsbankpräsident Dr. Schacht bleibt in Berlin, er will nur auf besonderen Wunsch der Delegation in die Verhandlungen eingreifen und auch nur bann, wenn die Repa­rationsbank zur Debatte steht, deren Grund­lagen er in Baden-Vaden mitgeschaffen hat. Daß Herr Schacht sich femhält, läßt den Rückschluß auf tiefgehende Meinungsverschie­den h e i t e n zwischen ihm und dem Kabinett über die Behandlung der noch offenen Probleme im Haag zu. Daß es nicht gelang, Schachts Mitarbeit im Haag selbst zu gewinnen, ist be­dauerlich, aber nicht mehr zu ändern.

So steht nun die Delegation marschbereit, sie wird Mitte der Woche im Haag eintreffen und bann an eine Aufgabe Herangehen, die über­menschliche Anstrengungen von ihr verlangen wird. Richts wäre unter diesen Umständen törichter, als den innerpolitischen Streit gerade während der Haager Konferenz von neuem auf­flammen zu lassen. Jetzt gilt es, alle politischen Kräfte zusarnrneNzufasfen, die Delegation zu stützen und zu stärken, um zu verhindern, daß die Forderungen der Gegenseite sich nicht noch weiter steigern und schließlich nur der Dawes- plan feinen Ramen wechselt, die Lasten aber im wesentlichen die gleichen bleiben.

Deutschlands Vertreter für den Haag.

tetne amtliche Verlautbarung über die Beschlüsse des Reichskabinetts.

Berlin, 28. De;. (WB. Amtlich.) Der Delega­tion für die zweite Haager Konferenz gehören als Delegierte an: Der Reichsminister des Aus­wärtigen Dr. Curtius, der Minister für die be­

setzten Gebiete Dr. Wirth, der Reichsfinanzmini­ster Dr. Moldenhauer und der Reichswirt- schastsminister Robert Schmidt.

Als Sachverständiger nimmt an der Kon­ferenz der deutsche Unterhändler in Paris Dr. Mel­chior teil. Soweit die Beratungen über die Inter­nationale Bank es erforderlich erscheinen lassen, wird auf Anforderung der Delegation auch Reichsbank- präfident Dr. Schacht an der Haager Konferenz teilnehmen. 3m übrigen wird auf Vorschlag des Reichsbankpräsidenten das Mitglied des Reichsbank­direktoriums Geheimer Finanzrat Dr. Bocke der Delegation angehören.

Bon den übrigen Reichsressorts gehören der Dele­gation folgende Herren an: vom Auswärtigen Amt Staatssekretär Dr. v. Schubert, die Ministerial­direktoren Dr. Gaus und Dr. Ritter: vom Reichsfinanzministerium Staatssekretär Dr. Schä f- f e r und Ministerialdirektor Dr. Dorn; vom Mini­sterium für die besetzten Gebiete Ministerialdirektor Miller; von der Reichskanzlei Staatssekretär Dr. Piinder und der Pressechef der Reichsregierung Ministerialdirektor Dr. Z e ch l i n.

wie in politischen amtlichen Kreisen weiter ver­lautet, wird die deutsche Delegation am Abend des 2. Januar nach dem Haag abreifen und am vormittag des 3. dort eintreffen. Die Dele­gation der hauptbeteiligten Mächte werden dann wahrscheinlich noch vor Beginn der Eröffnungs­sitzung, die für fünf Uhr nachmittags angesetzt ist, miteinander Fühlung nehmen, um das Verhandlungsprogramm und die technische Abwick­lung der Konferenz zu vereinbaren. Line Unter- gliederung in eine politische und eine Finanz- kommifsion, wie sie bei der ersten Haager Konferenz durchgeführt war, ist wohl nicht zu erwarten, da es sich diesmal ja nicht in so starkem Maße um po­litische, sondern sehr überwiegend um finanztechnische und juristische Fragen handelt. Soweit ihre Lösung im größeren Gremium der vollkonferen; als fchwie-

Berliner preffestimmen.

Berlin, 28. Dez. (TU. Funkspruch.) Die Tat­sache, daß als Ergebnis der ausgedehnten Kabi­nettsberatungen unter Teilnahme des Reichs- bankpräsidenten Dr. Schacht, dieser selbst nicht als Mitglied der deutschen Abordnung zur zweiten Haager Konferenz gesandt wird, ließ bereits darauf schließen, daß die Schwierig­keiten zwischen dem Reichskabinett einerseits und dem Reichsbankpräsidenten andererseits bezüglich der Auslegung des Pariser Sachverständigen­gutachtens unüberbrückbar schienen. Zu dieser Frage nehmen denn auch am Samstag einige Berliner Abendblätter Stellung. Der sozialdemo­kratischeAbend" überhäuft Schacht mit den stärksten Vorwürfen und meint, Schacht habe geglaubt, der Reichsregierung sei für die bevor­stehenden Verhandlungen Richtlinien und Be­dingungen aufzuzwingen und das Ziel fortzu­setzen, das er bei der Lieberbrückungsanleihe gegeben habe. Herr Schacht habe geglaubt, seine törichte Taktik bei den Pariser Verhandlungen könne im Haag wiederholt werden. Die Reichs­regierung habe diese Zumutungen einmütig für unmöglich gehalten. DieVossische Zei­tung erklärt, Dr. Schacht habe anscheinend seine Teilnahme an den Haager Verhandlungen davon abhängig gemacht, daß sich das Reichs­kabinett auf fein bekanntes Memorandum fest­lege, mit anderen Worten, daß die deutsche

tiger anzusprechen ist, wird für sie sicher ein Aus­schuß von Sachverständigen eingesetzt wer­den. Wohl auch mit Rücksicht daraus ist die Zusam­mensetzung der deutschen Delegationn so gewählt worden, daß im wesentlichen dieselben Sach­bearbeiter nach dem Haag fahren, die an der er st en Konferenz feilgenommen haben, wenn übrigens in einem Berliner Abendblatt die Tat­sache, daß der Reichsbankpräsident Dr. Schacht nicht an der Konferenz feilnimmf, gewissermaßen als ein bedauerlicher Beschluß der Reichsregierung bargeffellf wird, so kann man nur darauf Hinweisen, daß dieser Entschluß allein von Herrn Schacht a u s g e h t. Er ist von der Reichsregie­rung mehrfach dringend gebeten wor­den, in der Eigenschaft als einer der hauptdele­gierten an der Konferenz teilzunehmen, hat dieses Ersuchen aber, wohl mit Rücksicht auf fein bekann­tes Memorandum, abgelehnt.

Uber die Dauer der Konferenz läßt fich im Augenblick nur sagen, daß Brianb wohl hofft, nach Genf zur völkerbunbstagung fahren zu können, bie am 13. Januar beginnt. Ls steht aber nach dem Urteil unterrichteter beutscher Kreise noch keineswegs fest, ob bie Konferenz, bie boch bie ganze Aufgabe ber Ingangsetzung bes Houngplanes zu losen hat, sich bis bahin zum Abschluß bringen lassen wirb, zu­mal bie breizehn sogenannten offenen Fragen zum Teil boch noch erhebliche Schwierigkeiten ma­chen bürsten. Man wirb also unter Um stäuben mit einer längeren Dauer ber Konferenz rechnen müssen.

von Interesse ist and), baß auch die Schweiz zu der Konferenz eingeladen und an dem Abschluß beteiligt werden wird, da ihre Mitwirkung wegen des Sitzes der internationalen Bank not­wendig ist. Die erforderlichen Vereinbarungen mit ber schweizerischen Bunbesregietung bürfen bereits getroffen sein.

Abordnung mit gebundener Marsch­route nach dem Haag gehe, um das durch­zusehen, wozu Schachts eigene Kräfte bei den Pariser Verhandlungen nicht ausreichten.

Im Gegensatz dazu meint dieD. A. Z.". durch das bekannte Memorandum habe die Person Dr. Schacht auch für das Ausland die Be­deutung eines politischen Pro­gramms, und zwar gerade eines tributpoliti- schen Programmes bekommen. Das Ausland habe wohl begriffen, daß der Reichsbankpräsident seinerseits entschlossen sei. eine Verantwor­tung fürdieVerfälschung desVoung- Planes abzulehncn. Die Entscheidung des Reichskabinetts muß als eine Ausschaltung Dr. Schachts vielleicht sogar als ein B l a n to­te e d) fei für die Haager Konferenz gelten. Die Reichsregierung habe eine scharfe Waffe aus der Hand gegeben. Es sei um so be­dauerlicher, als ein so dramatisches Vorgehen, wie Dr. Schacht cs für notwendig gehalten habe, mit der Llebernahme praktischer Ver­antwortlichkeit kompensiert werden mußte. DieD. A. Z." schreibt u. a. weiter: Wir wissen nicht, was in der Kabinettssihung im einzelnen zur Erörterung gekommen ist. aber es ift uns bekannt, daß wenigstens bei einzelnen Mitgliedern des Kabinetts einerseits wie bei dem Reichsbank­präsidenten andererseits der lebhafte Wunsch be­stand. eine gemeinsame Linie der Politik für den Haag zu finden. Es ist aufs tiefste zu

Warum Sr. Schacht nicht mit nach dem Haag geht.

arme ausgestreckt, überall hat es die Möglichkeit eines erweiterten Absatzes amerikanischer Indu­strieprodukte durch eingehende Marktuntersuchun- gen studiert. Die wirtschaftliche Offen­sive auf dem Weltmarkt ist für den Ernstfall auf das tatkräftigste vor­bereitet.America ante portas ist der Schreckensruf, den man jetzt in fast allen europäi­schen Ländern hören kann.

Man erkennt, welche Bedeutung weltwirtschatt- licher Art ganz besonders aber auch für die Wirtschaft Europas, und hier wiederum Deutsch­lands, Englands, Frankreichs und Italiens in erster Linie, der Arnschwang der wirtschaftlichen Situation in Amerika im letzten Viertel des Jah­res 1929 bedeuten kann. Steht wirklich ein Schleu­derexport auf wichtigen amerikanischen Export­gebieten bevor, so wird die europäische Indu­strie hiervon um so schwerer getroffen werden, als gleichzeitig Amerika höhere Zölle plant, also seine eigenen Märkte stärker einmauert, wäh­rend die Industrie der europäischen Märkte nach wie vor unter den hohen Lasten aus der Kriegs­zeit leidet und die deutsche Industrie insbeson­dere durch die Tributzahlungen schweren Zeiten entgegengeht.

Das sind bedenkliche Aspekte für das kommende Jahr, die wir aus dem alten Wirtschaftsjahre der Welt hinübernehmen müssen. Rur eiserner Dehauptungswille der europäischen Wirtschaft kann eine Rettung bringen. Unö darum bleibt für die weltwirtschaftliche Struktur der deutschen Wirtschaft ein Lichtblick aus dem letzten Jahre, daß wir, wie die Verständigung der I. G. Farben

mit dem amerikanischen Oelintereffen zeigt, tech­nisch fortschreiten, daß wir ferner uner­müdlich an der Organisation unserer Wirtschaft rationalisierend weitergearbeitet haben, im Vertrauen auf bessere. Zeiten.

Christlich-sozialer Dolksdienst.

Zusammenschluß des Christlichen Bolksvicnstcs und der Christlich-sozialen

Neichsvercinigung.

Berlin, 28. Dez. (WB.) In gemeinsamer Sitzung haben Vertreter des Christlichen Volksdienstes und der Christlich-So­zialen Reichsvereinigung aus ganz Deutschland den Zusammenschluß beiber Bewegungen unter dem Ramen Christlich- Sozialer Dolksdienst beschlossen. Der Reichsvorstand setzt sich aus den Herren Bausch, Mitglied des Württembergischen Landtags. Hcrtwig, Mitglied des Reichstags, Hülser, Mitglied des Reichstags, Kliesch, Mitglied des Preußischen Landtags, Kling, Mitglied des Württembergischen Landtags, und Sinz en- dorffer (Stuttgart) zusammen. Die Vereini­gung veranstaltete eine K un d g e b u ng, in der in mehreren programmatischen Ansprachen Ausgaben und Ziele dargelegt wurden. In seinen Begrü- ßungsworten betonte der Vorsitzende, Reichstags- abgeordneter Dr. Wumm, daß die Vereinigung für des Volks Ehre gegen die marxisti­schen Odeen kämpfe und die Wiederher­stellung der landwirtschaftlichen

Rentabilität sowie die Gesundung des M i 11 e 1 sk a n de s erstrebe. Sie habe insbeson­dere den Kamps gegen den Bolschewis­mus und andere zersetzende Erscheinungen auf ihre Fahne geschrieben. Abgeordneter H ü 1 - s e r verlas darauf den heute beschlossenen Aufruf an das deutsche evangelische Christenvolk, in dem in erster Linie gegen den bolschewistischen Ein­fluß Stellung genommen wird. Professor Vcidt von der Paulskirche in Frankfurt a. M. sprach sodann über das ThemaVolk in Rot. Der Redner forderte, daß das erniedrigte und am Boden liegende Volk von innen heraus - - ohne Anwendung politischer Schlagworte neu aufgebaut werde. Oberlehrer Sin - zendörf fer lKardial b. Stuttgart), der Schrift­leiter desChristlichen Volksdienstes. behandelte die Rot des deutschen Staates, der insbesondere durch den Radikalismus von links und rechts be­droht sei. - Reichstggsabgeordneter Behrens schilderte die Rot, die Verbitterung und Ver­zweiflung der ärmeren Arbeiterschichten des Vol­kes und forderte, daß die Auffassung von der Arbeit christlich fundiert und aus dem Materialismus dieser Zeit herausgerissen werde. Als letzter Referent erörterte der württembergifche Landtagsabgeordnete Rektor Kling denKampf zwischen Glaube und Un­glaube und die großen Schicksalsfragen des deut­schen Volkes. Nachdem Generalsekretär Ru­dolf für die evangelischen Arbeitervereine ge­sprochen hatte und ein an den Reichspräsidenten gerichtetes Telegramm verlesen worden war, war die Kundgebung beendet.