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Ur. 50| Erstes Blatt
179. Zahrgang
Montag, 30. Dezember 1929
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Jahresbilanz der Weltwirtschaft.
Von Professor Dr. Hermann Levy, Berlin.
Das Jahr 1929 wird in der nun schon langen Reihe der Rachkriegswirtschaftsjahre eine gewisse Denkwürdigkeit behalten. Denn während man bei weltwirtschaftlichen Iahresrückblickcn seit 1918 immer betonen mußte, daß die Vereinigten Staaten von Amerika bezüglich ihres Wohlstandes eine Ausnahme von fast allen übrigen, sicherlich aber von allen europäischen Ländern der Weltwirtschaft machten, kam im Herbst dieses Jahres der erste, starke und unerwartete Rückschlag dieser bisher unerschütterlich scheinenden „prosperity“. Dies ist eine Tatsache, welche das weltwirtschaftliche Saljr 1929 zu einer Besonderheit macht. Die ersten drei Viertel des wahres schienen in ihrem Verlauf die Tendenz der beiden Vorjahre zu bestätigen, nämlich die Entwicklung zu einem langsamen, aber sicheren Wiederaufsteigen der Wirtschaft der verschiedensten Länder.
Dies beweisen vor allem gewisse maßgebende Erzeugungsziffem und die Entwicklung führender Ausfuhren. Man wird z. V. nicht umhin können, in der jeweiligen Entwicklung der Kohle nausfuhr Zeichen einer verbesserten ober verschlechterten Lage der Weltwirtschaft zu erblicken. Hier zeigte das Jahr 1929 einen Aufschwung. Die Ausfuhr von Kohle aus den bedeutendsten Weltwirtschaftsländern Hal sich nicht ungünstig entwickelt; so betrug die englische Kohlenausfuhr in den ersten neun Monaten 1929 er. durchschnittlich im Monat 4,9 Millionen Tonnen gegen nur 4,1 Millionen im Monatsdurchschnitt von 1928. Der Mehrbedarf der Kohlen importierenden Länder — als englische Kunden vor allem Skandinaviens, Belgiens, Frankreichs, Italiens, Südamerikas, Spaniens und Aegyptens — ist entschieden als ein sehr günstiges weltwirtschaftliches Symptom zu deuten gewesen. Wir selbst konnten im Juli, August und September mit nicht unerheblich höheren Erzeugungsziffern für Brennstoffe aufwarten als im Monatsdurchschnitt der Vorjahre. Preisniveau und Arbeitslosigkeit hatte sich in den einzelnen Ländern der Weltwirtschaft nicht wesentlich verändert. Im Frühsommer schien es, als ob die Weltweizenpreise eine kritische Senkung — gute Ernteaussichten und noch vorhandene Bestände der Vorernten — erfahren würden, aber eine Erholung folgte, so daß dis schon drohende Beunruhigung der Weltweizenmärkte vermieden wurde. Man hätte also für das Ende des Weltwirtschaftsjahres das Ergebnis erwarten können, daß mehr oder weniger „alles beim alten“ bleiben werde: immer noch starke weltwirtschaftliche Depression, aber Ansätze zu allmählicher Besserung und Belebung.
Die von den Vereinigten Staaten ausgehende finanzielle Krisis — die schon einen gewissen Vorläufer durch die mit dem Tode Loewen- steins zusammenhängenden Zusammenbrüche der großen Kunstseidespekulationen erhalten hatte — scheint plötzlich in dem letzten Viertel des Jahres eine völlige Veränderung dieser Situation gebracht zu haben. Der Krach an den amerikanischen Effektenbörsen war der Auftakt zu starken Kursrückgängen in London, Paris und vor allem auch in Berlin. Die enormen Verluste, welche Die amerikanischen Essektenbesiher plötzlich zu verzeichnen hatten, übten aber auch sofort ihre Wirkungen auf die Produktenmärkte und die In- Dustrieerzeugung aus. Die amerikanische Automobilindustrie, die gesamte Luxusindustrie, vor allem aber das in den 11021. so weit verzweigte und verbreitete Abzahlungsgeschäft wurde ganz plötzlich auf das empfindlichste getroffen. Mit einem Schlage sah sich auch Amerika vor jene Wirtschaftskrise gestellt, die man von drüben fett 1920 wohl als „rein europäische Erscheinung“ mit einem etwas mitleidigen Lächeln betrachtet hatte. Der Dezemberbericht der Commerz» und Diskont-Bank bemerkt z. B. über den Baumwollmarkt: „Der Zusammenbruch Der Reuyorker Effektenbörse hat auch sämtliche Warenmärkte stark in Mitleidenschaft gezogen und in wenigen Tagen demonstriert, daß auch die große Linie bei allen Warenmärkten die sukzessive Annäherung an die Friedenspreise zeigt.“ Auch der Economist (vom 23. November) konstatiert, daß unmittelbar nach den schwarzen Tagen von Wallstreet ein scharfer Rückgang vieler wichtiger Warenpreise einsetzte: besonders von Weizen, Baumwolle Gummi und Metallen.
Dieser scharfe Preisrückgang hing zum Teck damit zusammen, daß viele Händler in diesen und anderen Erzeugnissen ihre Vorräte schleunigst verkaufen mußten, um ihren ©ffeftenengage» ments gerecht zu werden, aber wenn diese Tatsache auch die Schärfe des Preissturzes erklärt, so läßt sie nicht erkennen, inwieweit eine rasche Wiederherstellung der früheren Preislage eintreten wird. In Amerika scheint man trotz mancher Versicherung der dortigen Blätter über die „gesunden Grundlagen der heimischen Industrie" nicht so unbedingt an die rasche Wiederkunft der Prosperität zu glauben, — denn sonst hätte man nicht in aller Eile unter der Aegide des Präsidenten Hoover ein weitgehendes „Wirt- schaftsprogramm" der Stützung entworfen, das zum Teil mit Rotstandsarbciten großen Stils arbeiten will, zum Teil die Rettung' in einer gesteigerten und vielleicht sogar staatlich forcierten Ausfuhrtätigkeit erblickt. Es ist überaus beachtlich, wenn Dr. Hans E. Priester, dem gewißlich jede aufhehende Propaganda gegen Amerika fern liegt, in einem Artikel des Berliner Tageblatts sich zu der Erklärung entschließen muß: „Lieber- all hat das amerikanische Handelsamt seine Fang-
Die deutsche Delegation für die zweite Haager Konferenz.
Marschbereit.
Von unserer Berliner Redaktion.
Die Reichsregierung ist sich nach mehrtägigen, sehr intensiven Beratungen über ihre im Haag einzuschlagende Taktik einig. geworden, sie hat auch bereits die Delegation zusammengestellt, der wieder eine ganze Reihe von Persönlichkeiten angehören, die das Reich schxm öfter zu internationalen Konferenzen hinausgcfchickt hat und die auch teils an den Pariser Sachverständigenberatungen, teils an der ersten Haager Konferenz selbst teilgenommen haben. Wer e i n Mann fehlt, der seit vielen Jahren unverzagt in der vordersten Linie unserer außen- politischeir Front kämpfte und der in unermüdlicher Arbeit auch die jetzt bevorstehenden Verhandlungen im Haag vorbereitete. Es ist Dr. Skresemann. den der Tod zwischen den beiden Konferenzen über die Räumung des Rheinlandes und die Reuregelung unserer Reparationslasten abberief.
An seine Stelle tritt jetzt sein Freund und Vertrauter Dr. C u r t i u s , der durch seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Verstorbenen dessen Gedankengänge, Pläne, Ziele und Absich- ten am besten kennengelernt und auch schon auf der ersten Haager Konferenz an ihrer Erreichung und Verwirklichung praktisch mitgearbeitet hat. Da der Reichskanzler es vorgezogen hat, in Berlin zu bleiben, wird Dr. Curtius die Delegation leiten. Bei allem Vertrauen, das wir ihm entgegenbringen, hätten wir es doch lieber gesehen, wenn auch der Kanzler mit nach dem Haag gegangen wäre. So wird die Hauptlast und Verantwortung lediglich auf den Schultern der beiden bürgerlichen Minister Curtius und Moldenhauer ruhen, während Wirth und Schmidt eigentlich nur als Horchposten ihrer Parteien dabei fein und eine Rolle von untergeordneter Bedeutung spielen werden.
Auch der Reichsbankpräsident Dr. Schacht bleibt in Berlin, er will nur auf besonderen Wunsch der Delegation in die Verhandlungen eingreifen und auch nur bann, wenn die Reparationsbank zur Debatte steht, deren Grundlagen er in Baden-Vaden mitgeschaffen hat. Daß Herr Schacht sich femhält, läßt den Rückschluß auf tiefgehende Meinungsverschieden h e i t e n zwischen ihm und dem Kabinett über die Behandlung der noch offenen Probleme im Haag zu. Daß es nicht gelang, Schachts Mitarbeit im Haag selbst zu gewinnen, ist bedauerlich, aber nicht mehr zu ändern.
So steht nun die Delegation marschbereit, sie wird Mitte der Woche im Haag eintreffen und bann an eine Aufgabe Herangehen, die übermenschliche Anstrengungen von ihr verlangen wird. Richts wäre unter diesen Umständen törichter, als den innerpolitischen Streit gerade während der Haager Konferenz von neuem aufflammen zu lassen. Jetzt gilt es, alle politischen Kräfte zusarnrneNzufasfen, die Delegation zu stützen und zu stärken, um zu verhindern, daß die Forderungen der Gegenseite sich nicht noch weiter steigern und schließlich nur der Dawes- plan feinen Ramen wechselt, die Lasten aber im wesentlichen die gleichen bleiben.
Deutschlands Vertreter für den Haag.
tetne amtliche Verlautbarung über die Beschlüsse des Reichskabinetts.
Berlin, 28. De;. (WB. Amtlich.) Der Delegation für die zweite Haager Konferenz gehören als Delegierte an: Der Reichsminister des Auswärtigen Dr. Curtius, der Minister für die be
setzten Gebiete Dr. Wirth, der Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer und der Reichswirt- schastsminister Robert Schmidt.
Als Sachverständiger nimmt an der Konferenz der deutsche Unterhändler in Paris Dr. Melchior teil. Soweit die Beratungen über die Internationale Bank es erforderlich erscheinen lassen, wird auf Anforderung der Delegation auch Reichsbank- präfident Dr. Schacht an der Haager Konferenz teilnehmen. 3m übrigen wird auf Vorschlag des Reichsbankpräsidenten das Mitglied des Reichsbankdirektoriums Geheimer Finanzrat Dr. Bocke der Delegation angehören.
Bon den übrigen Reichsressorts gehören der Delegation folgende Herren an: vom Auswärtigen Amt Staatssekretär Dr. v. Schubert, die Ministerialdirektoren Dr. Gaus und Dr. Ritter: vom Reichsfinanzministerium Staatssekretär Dr. Schä f- f e r und Ministerialdirektor Dr. Dorn; vom Ministerium für die besetzten Gebiete Ministerialdirektor Miller; von der Reichskanzlei Staatssekretär Dr. Piinder und der Pressechef der Reichsregierung Ministerialdirektor Dr. Z e ch l i n.
wie in politischen amtlichen Kreisen weiter verlautet, wird die deutsche Delegation am Abend des 2. Januar nach dem Haag abreifen und am vormittag des 3. dort eintreffen. Die Delegation der hauptbeteiligten Mächte werden dann wahrscheinlich noch vor Beginn der Eröffnungssitzung, die für fünf Uhr nachmittags angesetzt ist, miteinander Fühlung nehmen, um das Verhandlungsprogramm und die technische Abwicklung der Konferenz zu vereinbaren. Line Unter- gliederung in eine politische und eine Finanz- kommifsion, wie sie bei der ersten Haager Konferenz durchgeführt war, ist wohl nicht zu erwarten, da es sich diesmal ja nicht in so starkem Maße um politische, sondern sehr überwiegend um finanztechnische und juristische Fragen handelt. Soweit ihre Lösung im größeren Gremium der vollkonferen; als fchwie-
Berliner preffestimmen.
Berlin, 28. Dez. (TU. Funkspruch.) Die Tatsache, daß als Ergebnis der ausgedehnten Kabinettsberatungen unter Teilnahme des Reichs- bankpräsidenten Dr. Schacht, dieser selbst nicht als Mitglied der deutschen Abordnung zur zweiten Haager Konferenz gesandt wird, ließ bereits darauf schließen, daß die Schwierigkeiten zwischen dem Reichskabinett einerseits und dem Reichsbankpräsidenten andererseits bezüglich der Auslegung des Pariser Sachverständigengutachtens unüberbrückbar schienen. Zu dieser Frage nehmen denn auch am Samstag einige Berliner Abendblätter Stellung. Der sozialdemokratische „Abend" überhäuft Schacht mit den stärksten Vorwürfen und meint, Schacht habe geglaubt, der Reichsregierung sei für die bevorstehenden Verhandlungen Richtlinien und Bedingungen aufzuzwingen und das Ziel fortzusetzen, das er bei der Lieberbrückungsanleihe gegeben habe. Herr Schacht habe geglaubt, seine törichte Taktik bei den Pariser Verhandlungen könne im Haag wiederholt werden. Die Reichsregierung habe diese Zumutungen einmütig für unmöglich gehalten. — Die „Vossische Zeitung“ erklärt, Dr. Schacht habe anscheinend seine Teilnahme an den Haager Verhandlungen davon abhängig gemacht, daß sich das Reichskabinett auf fein bekanntes Memorandum festlege, mit anderen Worten, daß die deutsche
tiger anzusprechen ist, wird für sie sicher ein Ausschuß von Sachverständigen eingesetzt werden. Wohl auch mit Rücksicht daraus ist die Zusammensetzung der deutschen Delegationn so gewählt worden, daß im wesentlichen dieselben Sachbearbeiter nach dem Haag fahren, die an der er st en Konferenz feilgenommen haben, wenn übrigens in einem Berliner Abendblatt die Tatsache, daß der Reichsbankpräsident Dr. Schacht nicht an der Konferenz feilnimmf, gewissermaßen als ein bedauerlicher Beschluß der Reichsregierung bargeffellf wird, so kann man nur darauf Hinweisen, daß dieser Entschluß allein von Herrn Schacht a u s g e h t. Er ist von der Reichsregierung mehrfach dringend gebeten worden, in der Eigenschaft als einer der hauptdelegierten an der Konferenz teilzunehmen, hat dieses Ersuchen aber, wohl mit Rücksicht auf fein bekanntes Memorandum, abgelehnt.
Uber die Dauer der Konferenz läßt fich im Augenblick nur sagen, daß Brianb wohl hofft, nach Genf zur völkerbunbstagung fahren zu können, bie am 13. Januar beginnt. Ls steht aber nach dem Urteil unterrichteter beutscher Kreise noch keineswegs fest, ob bie Konferenz, bie boch bie ganze Aufgabe ber Ingangsetzung bes Houngplanes zu losen hat, sich bis bahin zum Abschluß bringen lassen wirb, zumal bie breizehn sogenannten offenen Fragen zum Teil boch noch erhebliche Schwierigkeiten machen bürsten. Man wirb also unter Um stäuben mit einer längeren Dauer ber Konferenz rechnen müssen.
von Interesse ist and), baß auch die Schweiz zu der Konferenz eingeladen und an dem Abschluß beteiligt werden wird, da ihre Mitwirkung wegen des Sitzes der internationalen Bank notwendig ist. Die erforderlichen Vereinbarungen mit ber schweizerischen Bunbesregietung bürfen bereits getroffen sein.
Abordnung mit gebundener Marschroute nach dem Haag gehe, um das durchzusehen, wozu Schachts eigene Kräfte bei den Pariser Verhandlungen nicht ausreichten.
Im Gegensatz dazu meint die „D. A. Z.". durch das bekannte Memorandum habe die Person Dr. Schacht auch für das Ausland die Bedeutung eines politischen Programms, und zwar gerade eines tributpoliti- schen Programmes bekommen. Das Ausland habe wohl begriffen, daß der Reichsbankpräsident seinerseits entschlossen sei. eine Verantwortung fürdieVerfälschung desVoung- Planes abzulehncn. Die Entscheidung des Reichskabinetts muß als eine Ausschaltung Dr. Schachts vielleicht sogar als ein B l a n tote e d) fei für die Haager Konferenz gelten. Die Reichsregierung habe eine scharfe Waffe aus der Hand gegeben. Es sei um so bedauerlicher, als ein so dramatisches Vorgehen, wie Dr. Schacht cs für notwendig gehalten habe, mit der Llebernahme praktischer Verantwortlichkeit kompensiert werden mußte. Die „D. A. Z." schreibt u. a. weiter: Wir wissen nicht, was in der Kabinettssihung im einzelnen zur Erörterung gekommen ist. aber es ift uns bekannt, daß wenigstens bei einzelnen Mitgliedern des Kabinetts einerseits wie bei dem Reichsbankpräsidenten andererseits der lebhafte Wunsch bestand. eine gemeinsame Linie der Politik für den Haag zu finden. Es ist aufs tiefste zu
Warum Sr. Schacht nicht mit nach dem Haag geht.
arme ausgestreckt, überall hat es die Möglichkeit eines erweiterten Absatzes amerikanischer Industrieprodukte durch eingehende Marktuntersuchun- gen studiert. Die wirtschaftliche Offensive auf dem Weltmarkt ist für den Ernstfall auf das tatkräftigste vorbereitet. „America ante portas“ ist der Schreckensruf, den man jetzt in fast allen europäischen Ländern hören kann.
Man erkennt, welche Bedeutung weltwirtschatt- licher Art ganz besonders aber auch für die Wirtschaft Europas, und hier wiederum Deutschlands, Englands, Frankreichs und Italiens in erster Linie, der Arnschwang der wirtschaftlichen Situation in Amerika im letzten Viertel des Jahres 1929 bedeuten kann. Steht wirklich ein Schleuderexport auf wichtigen amerikanischen Exportgebieten bevor, so wird die europäische Industrie hiervon um so schwerer getroffen werden, als gleichzeitig Amerika höhere Zölle plant, also seine eigenen Märkte stärker einmauert, während die Industrie der europäischen Märkte nach wie vor unter den hohen Lasten aus der Kriegszeit leidet und die deutsche Industrie insbesondere durch die Tributzahlungen schweren Zeiten entgegengeht.
Das sind bedenkliche Aspekte für das kommende Jahr, die wir aus dem alten Wirtschaftsjahre der Welt hinübernehmen müssen. Rur eiserner Dehauptungswille der europäischen Wirtschaft kann eine Rettung bringen. Unö darum bleibt für die weltwirtschaftliche Struktur der deutschen Wirtschaft ein Lichtblick aus dem letzten Jahre, daß wir, wie die Verständigung der I. G. Farben
mit dem amerikanischen Oelintereffen zeigt, technisch fortschreiten, daß wir ferner unermüdlich an der Organisation unserer Wirtschaft rationalisierend weitergearbeitet haben, — im Vertrauen auf bessere. Zeiten.
Christlich-sozialer Dolksdienst.
Zusammenschluß des Christlichen Bolksvicnstcs und der Christlich-sozialen
Neichsvercinigung.
Berlin, 28. Dez. (WB.) In gemeinsamer Sitzung haben Vertreter des Christlichen Volksdienstes und der Christlich-Sozialen Reichsvereinigung aus ganz Deutschland den Zusammenschluß beiber Bewegungen unter dem Ramen Christlich- Sozialer Dolksdienst beschlossen. Der Reichsvorstand setzt sich aus den Herren Bausch, Mitglied des Württembergischen Landtags. Hcrtwig, Mitglied des Reichstags, Hülser, Mitglied des Reichstags, Kliesch, Mitglied des Preußischen Landtags, Kling, Mitglied des Württembergischen Landtags, und Sinz en- dorffer (Stuttgart) zusammen. Die Vereinigung veranstaltete eine K un d g e b u ng, in der in mehreren programmatischen Ansprachen Ausgaben und Ziele dargelegt wurden. In seinen Begrü- ßungsworten betonte der Vorsitzende, Reichstags- abgeordneter Dr. Wumm, daß die Vereinigung für des Volks Ehre gegen die marxistischen Odeen kämpfe und die Wiederherstellung der landwirtschaftlichen
Rentabilität sowie die Gesundung des M i 11 e 1 sk a n de s erstrebe. Sie habe insbesondere den Kamps gegen den Bolschewismus und andere zersetzende Erscheinungen auf ihre Fahne geschrieben. Abgeordneter H ü 1 - s e r verlas darauf den heute beschlossenen Aufruf an das deutsche evangelische Christenvolk, in dem in erster Linie gegen den bolschewistischen Einfluß Stellung genommen wird. Professor Vcidt von der Paulskirche in Frankfurt a. M. sprach sodann über das Thema „Volk in Rot“. Der Redner forderte, daß das erniedrigte und am Boden liegende Volk von innen heraus - - ohne Anwendung politischer Schlagworte — neu aufgebaut werde. — Oberlehrer Sin - zendörf fer lKardial b. Stuttgart), der Schriftleiter des „Christlichen Volksdienstes“. behandelte die Rot des deutschen Staates, der insbesondere durch den Radikalismus von links und rechts bedroht sei. - Reichstggsabgeordneter Behrens schilderte die Rot, die Verbitterung und Verzweiflung der ärmeren Arbeiterschichten des Volkes und forderte, daß die Auffassung von der Arbeit christlich fundiert und aus dem Materialismus dieser Zeit herausgerissen werde. — Als letzter Referent erörterte der württembergifche Landtagsabgeordnete Rektor Kling den „Kampf zwischen Glaube und Unglaube und die großen Schicksalsfragen des deutschen Volkes“. — Nachdem Generalsekretär Rudolf für die evangelischen Arbeitervereine gesprochen hatte und ein an den Reichspräsidenten gerichtetes Telegramm verlesen worden war, war die Kundgebung beendet.


