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des Studierenden auf ein Minimum herabzusehen. Da sind vor allem die akademischen Schneidereien, Flickstuben, Schuhmachereien, Wäschereien usw. an-uführen, die auch der studentischen Selbstverwaltung unterliegen und nur für Studierende arbeiten. Außerdem gibt es an manchen Hochschulen Druckereien und Schreibmaschinenstuben, die, wie die oben genannten Betriebe sehr billig arbeiten.
Wenn man nun auch auf diese Art die Unterhaltskosten des Studierenden auf ein Minimum herabsetzen kann, so gibt es doch immer noch genug Studenten, deren bescheidener Monatswechsel auch dafür noch nicht ausreicht. Diesen muh also die Möglichkeit geboten werden, sich Len Rest selbst hinzuzuverdienen. Darum richtete man auch an alten Hochschulen die sogenannten akademischen Erwerbsvermittlungsäm- t e r ein. Der studentische Nebenerwerb scheidet sich jedoch in z'vei Gruppen. Am meisten begehrt sind davon die Arbeitsmöglichkeiten während des Semesters, die also neben dem eigentlichen Studium einhergehen. Dieser Art sind die meisten Unterrichtsstellen Uebersehungs- und Bureauarbeiten, sowie die verschiedensten gewerblichen Tätigkeiten. An zweiter Stelle sind die Ferienarbeiten zu nennen, die auf großen Gütern, in Fabriken oder Bergwerken geleistet werden. Bedauerlicherweise reicht aber die Zahl der vorhandenen Stellen fast nie aus, um alle Nachfragen zu befriedigen.
Die dritte große Aufgabe der „Wirtschaftshilfe" war es jedoch, alle für die deutsche Stu-
Erwachende Welt.
Von Or. Hans Kalischer.
Die eigentliche Pubertäts- oder Reifezeit, die durchschnittlich mit dem 13., 14. Jahre einfeht und sich bis zum 17. oder 18. Lebensjahr und darüber hinauserstreckt, wobei sich noch durch Geschlechts-, Rasse- und individuelle Unterschiede die Grenzen etwas verschieben, pflegt man auch treffend als das zweite „Trohalter" zu bezeichnen. Man verglich dabei dieses Verhalten mit dem typischen Benehmen kleiner Kinder von fünf bis sechs Jahren, das denselben Namen trägt. Widerstreben, Verneinen, Ablehnen um des Ablehnens willen sind ja die charakteristischen Merkmale für das trotzige Kind wie für den Jugendlichen.
Aber während sich der Erzieher meist nur schwer mit dieser für ihn sehr unbequemen Tatsache abfindet, hat der Seelenforschcr, befreit von allen Werturteilen, den tieferen Lebenssinn und das Gesetzmäßige dieses immer wiederkehrenden Jugendtrohes ausfinden können. Den einstigen Gespielen entfremdet und von der Gemeinschaft der Erwachsenen noch mit einem ironischen Lächeln abgewchrt, suchen die jungen Menschen ihre Lebensunsicherheit hinter einer herausfordernden'Haltung zu verbergen. Vor allem aber ist der Troh eine Art von notwendigem Schuhwall, hinter dem der Jugendliche eine seelische Leistung vollbringt, deren Schwere und Bedeutung der Mensch im späteren Alter meist vergessen hat. Dem Jüngling besonders ist in der Reifezeit keine geringere Aufgabe zuteil geworden als die, Bilderstürmer und -schöpfer zugleich zu sein, einen alten Glauben zu zerschlagen, um einen neuen aus den Trümmern zu errichten. Was ihn zu diesem Tun befähigt, ist ein Erlebnis von einschneidender Bedeutung, das man am besten kurz als die Entdeckung der eigenen Welt kennzeichnen könnte. A rs den Sclbstbiographien
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dentenschaft vom Staat oder von privater Seite zur Verfügung gestellten Gelber in enisprechender Weise z i verwalten. Wir kommen damit aus die akademischen Fürsorgeeinrichtungen zu sprechen, die sich in der Hauptsache auf bie Kranken- und Einzel! ürsorge beschränken. Auch in dieser Beziehung wird Erstaunliches geleistet. Die Kranken;ürsorge springt jedoch oft da ein, wo die Leistungen der akademischen Krankenkasse aufhören. Das ist meistens der Fall, wenn die Krankheit längere Kuraufenthalte erfordert.
An letzter Stelle sei noch auf die „Darlehenskasse der Deutschen Studentenschaft" hingewiesen, die gleichfalls der Selbstverwaltung untersteht. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, minderbemittelten Studierenden über die letzten und kostspieligsten Studiensemester, die sog. Examensemester, hinweczuhel- fen. Zu diesem Zweck vergibt sie kurz- und langfristige Darlehen an Studierende höherer Semester. Die langfristigen Darlehen werden mit 3 Prozent verzinst und sind nach fünf bis zehn Jahren zurückzuzahlen. Die verleihbare Summe wird vom Staat zur Verfügung gestellt und beläuft sich jährlich auf etwa zwei Millionen Mark. Welche Bedeutung dieser Einrichtung zu- kommt, erkennt man leicht daraus, daß es durch Gewährung eines langfristigen Darlehens in jedem Jahr etwa 4000 Studierenden ermöglicht wird, ihr Studium ohne Verzögerung und mit Erfolg abzuschließen. Bisher haben schon mehr als 25 000 Studierende von dieser Einrichtung Gebrauch gemacht.
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Amerikanisches Giudentenleben
Von Or. Siegfried Scharfe.
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und Weise, wie das amerikanische Studium unterbaut ist. Bekanntlich muh man in Amerika zunächst einmal acht Jahve in die Volksschule gehen, woran sich vier Jahre Mittelschule an» schließen. Dann kommen vier Jahre College, während das eigentliche Spezialstudium erst nach dem College beginnt. Das heißt also, der amerikanische Student ist bereits 22 oder 23 Jahre alt, wenn er sich entscheidet, Mediziner. Jurist. Theologe oder Philologe zu werden.
Studentensport.
Natürlich besteht auch in Amerika das Studentenleben nicht nur aus Studieren, Vorlesungsbesuch und Bücherlesen. Mit einer Begeisterung, von der man sich in Deutschland nur schwer eine Vorstellung machen kann, wird Sport getrieben. Dafür sind allerdings auch die Voraussetzungen günstiger als in Deutschland. Den meisten Hoch- schulen stehen ausgedehnte Spielplätze, Schwimmhallen, Laufbahnen usw. zur Verfügung. Alle diese Einrichtungen sind ein Teil des „camps", wie man in Amerika den Gebäude- und Geländekomplex nennt, den die '^Universität bildet. Man braucht also keine großen Entfernungen zurückzulegen, bis man auf den Sportplatz kommt, sondern hat alles, was man braucht, in unmittelbarer Nähe der Universität.
Durch ihren Sport sind die amerikanischen Universitäten populär geworden. Wenn die großen Rugbhspiele ausgetragcn werden, nimmt daran die gesamte Oeffentlichkeit irgendwie Anteil. Zuschauerzisfern von 50 000 oder mehr sind ja bekanntlich durchaus keine Seltenheit.
Werksiuderitenium.
Es ist in Amerika für den Studenten beinahe selbstverständlich, daß er sich das zum Leben und Studieren notwendige Geld selbst verdient. Die Zahl derjenigen, die es sich leisten können, auf Nebenarbeit zum Zwecke des Gelderwerbes zu verzichten, ist sehr gering. Es ist allerdings auch nicht schwer, Arbeit zu bekommen. Man läßt sich z. B. als Kellner für zwei Stunden am Tage anstellen und erhält dafür seine sämtlichen Mahlzeiten. Oder man übernimmt einen Aufsichtsposten in einer Bibliothek, weist im Theater oder Kino Plätze an, oder wirbt Abonnenten und Inserate für Zeitungen. Auch gibt es während der großen Sommerferien Saisonbeschäftigungen, die oft ein gutes Stück Geld einbringen.
Von wahrer Erziehung.
Von Prof. LonaS (Lohn, Freiburg i. S.
Das Problem der Erziehung hat sich besonders seit Len Jahren nach Bcendigung des Krieges in den Vordergrund Les Interesses geschoben. Nachstehend behandelt Pros., Cohn, der zu den ersten Autoritäten auf diesem Gebiete gehört, von heher Warte aus die Frage, wie wahre Ersetzung sein soll. Wir entnehmen den Abschnitt dem ausgezeichneten Buche ..Wesen und Werte der Erziehungswissenschaft", das die Vorträge des pädagogischen Kongresses enthält. Verlag Quelle & Meyer in Leipzig. 104 Seiten. In Leinenband 4,80 Mk.
Zn jeder Erziehung gehört eine Vereinigung von Gleichstellung und Führerstellung des Erziehers gegenüber Lern Zögling. Darin ist zugleich ihr Problem gesetzt, das durchaus nicht nur theoretisches Problem der verstehenden Wis- senscha t, sondern ebenso praktisches Problem er- zrehemen Handelns ist. Mindestens die allgemeine Möglichleit, diese Aufgabe zu losen, und ore Grundbedingungen, unter denen die Lösung steht, müssen nachgewiesen werden, wenn bas Wesen der Erziehung erkannt werden soll. Hm Oie allgemeine Möglichkeit der Lösung zu fin- den, denken wir an einen besonders durch sich, hgen Fall, an die erziehende Bedeutung des Unterrichts. Der echte Lehrer vertritt hier die Sache, den Gegenstand des Unterrichts, er steht unter dem Gesetze dieses Gegenstands so gut wie der Schüler — nicht ec befiehlt, was richtig ist sondern die Folgerichtigkeit der Mathematik oder der Sprachgebrauch. Daher hört die rechte Wirkung des Unterrichts sofort auf, wenn der Schüler meint, sich nach gewissen Schrullen oder Dor» urteilen Les Lehrers richten zu müssen, um es ihm recht zu machen. Verallgemeinern wir dies, so läßt sich sagen: der Erzieher steht über dem Zögling immer nur als Vertreter einer Norm, die ihn selbst ebenso bindet wie jenen. Beim Unterrichte geht diese Norm auS dem Gegenstände des Unterrichts hervor — in anderen Fällen ist es die Ordnung menschlicher Gemeinschaft, die aus
DaS amerikanische Werkstudententum hat sicherlich außerordentlich sympathis.-" lüge. Es mag ja richtig sein, was in Deutschland oft gegen werkstuöentische Arveit eingeuxaiot wird, daß darüber das Studium selbst zu kurz kommt. Auf der anderen Seite darf man auch die guten Seiten ces Werkstudententums nicht unterschätzen. Für oen amerikanischen Studenten bedeutet es oft genug den Uebergang ins praktische Sieben. Demgegenüber befindet sich der deutsche Student oft in einer Verlegenheit, er hat es nicht leicht, sich von theoretischer Arbeit an der Hochschule auf die praktische Berufsarbeit umzustellen.
Studentenheime und Verbindungen.
Will man den amerikanischen Studenten in seiner Wohnung aufsuchen, wird man sich eins der Studentenheime ansehen, wie sie jede ilni» versitütsstadt aufzuweisen hat. Sie sind meist sehr wohnlich eingerichtet, mit Bädern, Bibliotheken, Spiel- und Lesezimmern ausgestattet. Sie machen es dem Ausländer besonders leicht, mit amerikanischen Studenten bekannt zu werden, während der in einem gemieteten Privatzimmer wdhnende Student es natürlich nicht so einfach hat, den gewünschten Kontakt mit Amerikanern zu finden. Gemütlich — nach deutschen Begriffen — sind freilich die amerikanischen Studentenheime nicht ohne weiteres. Immerhin denke ich gern an manche nächtliche Dridgepartie zurück, die ich mit amerikanischen Bekannten in Studentenheimen gespielt habe.
Natürlich haben die Amerikaner auch ihr Der- bindungsleben. Daran nehmen jedoch nur die Collegestudeuten aktiven Anteil, während die älniversitätsstudenten als „alumni" (den deutschen „Alten Herren" entsprechend) eine gewisse, auch in Amerika meist zahlende, Rolle spielen. Xlebri» gens sind die amerikanischen „fraternities“ in der Oeffentlichkeit nicht allgemein beliebt.
Die Zahl der amerikanischen Studentinnen ist groß, oft größer als die der Studenten. Wobei man freilich berücksichtigen muß, daß es sich dabei fast ausschließlich um Collegestudentinnen handelt, die man also in Deutschland Oberlyzeumsschüle- rinnen nennen würde. Die Studentinnen haben ihre eigenen Verbindungen („sororities“ genannt), sind zu sportlicher Betätigung verpflichtet und arbeiten auch sehr häufig als Werkstudentinnen.
Damit ist aber zugleich gegeben, daß alle Erziehung der eigenen Entwicklung des Zöglings harren, sie ieinen und verstehen muß. Die Natur der Kindheit und Jugend kommt durch die Grundeigenschaft dem Erzieher entgegen und zwingt ihn durch dieselbe Grundeigenschaft zugleich in ihren Dann: der junge Mensch lebt ganz und intensiv in der Gegenwart, aber diese reine Gegenwart ist immer zug eich auf ein Künftiges, auf eine Hö'ecbildung gerichtet, ist es um so mehr ie ftar.ee sie in sich erfüllt ist. Man hat oas Spiel als Vorübung künftigen Ernstes gedeutet — mit Recht, nur soll man nicht vergessen, baf, es zugleich Blüte sich selbst genießenden Lebens ist. Eben diese Einheit von Gegenwart und Zukunft wird in der späteren Jugend bewußt: daher ihr Schwanken zwischen Phantasie unö„ Wirtlichkeitshunger, ih e Vorwegnahme der Erfüllung im Rausche ces Krastge'ühls, ihre Unerbittlichkeit und Hingegeben5eit, ihre Stärke und Schwäche. Der Anspruch, t en die Jugend als Jktaend an den *2'eiteren stellt, ist mit diesem Willen über sich selbst hinaus allgemein bezeichnet — aber eben nur allgemein. Er befondert sich nach Lebensalter, Geschlecht, Individualität. So ist Erziehung nur möglich als fortgesetztes Hinhören auf die Entwicklung — sie muß ihre Pläne immer to eber wandeln je nach der Antwort, die der Zögling auf eine versuchte Einwirkung durch sein ganzes Verhalten gibt.
Aber noch haben wi>r Er-ieher und Zögling in künstlicher Isolierung gesehen, daher das Problem. wie Gleichstellung beider und Führerstellung des Erziehers zu vereinen sind, nur abstrakt allgemein gelöst: ein Ueber-Jndividuelles. das hier gleichmäßig bindet, da? aber dem Erwachsenen zunächst allein sichtbar ist, gibt die'em das Recht der Führung — und das Uober-sich-Hinausftre- ben der Jugend läßt diese Führung auch als Forderung des Zöglings erkennen. Nun müssen wir fragen, wie dieses ll eberindividuelle an beide herankommt, und allgemein antworten: aus einer beide umspannenden geschichtlichen Tradition. Damit wird ein neues Moment der Gr-iehung fjer- ausgestellt: sie ist wesentlich Tradition und ge- hört alis solche notwendig einem größeren sozialen Ganzen an, dem der Erzieher eingefügt ilst, der Zögling zugebildet werden soll. Auch
Akademische Selbsthilfe Welche Llnlerstühungsmöglichleiten stehen dem Studenten heute offen?
Don Erich Brandt.
Der Inflation sowie der allgemeinen Notlage der deutschen Wirtschaft ist es zuzuschreiben, daß die Zahl derjenigen Studenten yeute weit größer ist als vor dem Kriege, die ihr Studium nur unter lleberwindung äußerster Schwierigkeiten durchführen können. Zwar haben sich die Verhältnisse gegenüber der eigentlichen 3nilation8- zeit schon wesentlich gebessert, aber noch heute bleibt vieles zu tun, um auch den befähigten Minderbemittelien einen erfolgreichen Abschluß ihrer Studien zu ermöglichen.
Eine solche Hilfsaktion zugunsten der bedürftigen Studenten kann von verschiedener Seite kommen, z. B. als Fremdhilse entweder vom Staat oder von privater Seite, tote es auch bei uns vor dem Kriege in Form zahlreicher Sti- vendien der Fall war. Da diese natürlich alle der Inflation zum Opfer fielen, hat der Staat in der „Studien st iftung des deutschen Volkes" einen gewissen Ersatz geschaffen. Diese Einrichtung gewährt etwa 1200 Studierenden während ihres ganzen Studiums volle Gebührenfreiheit, sowie eine angemessene monatliche Unterstützung, von der sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Doch unterscheidet sich diese Unterstützungsweise prinzipiell durchaus von den Vorkriegsstipendien. Jedes Mitglied der Studienstiftung übernimmt nämlich die moralische Verpflichtung, die ihm zur Verfügung gestellten Mittel später einmal zurückzuzahlen. Neben dieser „Studienstiftung" gewährt der Staat durch den ganzen oder teilweisen Erlaß der Sudiengcbühren eine weitere Unterstühungsmöglichkeit, die vielleicht noch von größerer Bedeutung ist, weil sie nicht nur einer so eng begrenzen Zahl von Studierenden zugute kommt. Voraussetzung ist nämlich hierfür lediglich ein Fleißzeugnis und der Nachweis, daß das Einkommen der Eltern eine gewisse Grenze nicht überschreitet.
Das einzige jedoch, was der deutsche Student den schweren Jnflationsjahren zu verdanken hat, ist die Schaffung einer starken wirt- schaftlichenSelb st Hilfeorganisation, die auch heute noch ihre Lebensnotwendigkeit täglich von neuem beweist. Da map, nämlich von staatlicher Seite aus nur eine Vergünstigung in bezug auf die Studiengebühren erlangen konnte, mußten es die Studenten selbst übernehmen, durch entsprechende Einrichtungen auch die Kosten des Lebensunterhaltes nach Möglichkeit herakzusetzen. Diese Bestrebungen führten zur Gründung zahlreicher Wirtschaftsorganisationen in den einzelnen Hochschulstädten, die in der „Wirtschaftshilfe der Deutschen Studentenschaft" in Dresden ihren Zusammenschluß fanden.
Unter den eigentlichen Selbsthilfeeinrichtungen sind wohl an erster Stelle die Studentenspeisungen zu nennen. Fast jede deutsche Hochschule besitzt heute eine „mensa academica“, wo den Studenten ein billiges und nahrhaftes Mittagessen zu einem geringen Preise verabreicht wird. In dieser Preiswürdigkeit liegt auch ihre ungeheure Bedeutung: geben doch die 41 Studentenspeisungen, die wir in Deutschland haben, täglich mehr als 30 000 Portionen aus. Das bedeutet aber, daß jeder zweite Student, der nicht bei feinen Eltern wohnen kann, seine Mahlzeiten in einör „mensa“ einnimmt.
Nicht geringe Bedeutung kommt auch, besonders in Großstädten, den akademischen Wohnungsämtern zu. Hier werden die Adressen preiswerter und geeigneter Zimmer gesammelt, so daß dem Zimmersuchenden viel Zeit und Geld erspart wird. Das gilt in erster Linie für die fremd zugereisten Studierenden, für die die Wohnungsfrage meist ein schwieriges Problem ist. So vermittelt allein das Berliner akademische Woh- nüngSamt jährlich etwa 4—5000 Zimmer zu einem Durchschnittspreis von 40 Mark, einschließlich Morgenkaffee und Bedienung.
Neben diesen besonders bemerkenswerten Selbsthilfeeinrichtungen gibt es noch eine ganze Reihe anderer akademischer Wirtschafisbetriebe, die auch dazu angetan sind, den Lebensstandard
Wie man in Amerika studiert.
Wenn man als Deutscher eine Zeitlang amerikanisches Universitätsleben beobachtet, wird einem sehr bald klar, daß es sich von dem, was wir in Deutschland als Universitäts- und Studentenleben kennen, erheblich unterscheidet. Das geht so weit, daß es dem deutschen Studenten, der nach Amerika kommt, um dort zu studieren, in vielen Fällen außerordentlich schwer wird, sich auf die unbekannten und fremdartigen Verhältnisse umzustellen. Amerika hat feine eigene Form akademischen Lebens geprägt, mit der der Europäer oft nichts anzufangen weih.
Am entscheidendsten ist der Unterschied zwischen Deutschland und Amerika auf dem Gebiete des Studienbetriebes. Die Art, wie man in Amerika studiert, mutet zunächst schulmäßig an. Der Student wird unter professoraler Leitung vom ersten Tage, an dem er die Hochschule betritt, bis zu dem Moment, wenn er sie verläßt, durch die Jahre seines Studiums hindurchge- führt. Er hat eine bestimmte Zahl und Auswahl von Vorlesungen und Hebungen zu belegen und in sehr genau vorgeschriebener Weise Rechenschaft darüber abzulegen, daß er dabei die von der Universität gewünschten Resultate erzielt. In Amerika gibt es kein Vorlesungsschwänzen, keine verbummelten Semester. 'Wer es bis zu einem akademischen Grad bringen will, muß vom ersten bis zum letzten Semester arbeiten. Er muß die Bücher wirklich lesen, die ihm sein Professor in der „Klasse" als empfehlenswert bezeichnet, er hat sich über seine Lektüre durch schriftliche Inhaltsangaben auszuweisen, die vom Professor mit einer Zensur versehen werden.
So könnte man noch eine ganze Zeit weitererzählen von obligatorischen Semesterschlußprüfungen, vpn schriftlichen Haus» und Klassenarbeiten, von Referaten und Vorträgen, wie sie in den meisten Vorlesungen verlangt werden, und ähnlichen Dingen. Nur wenn der amerikanische Student allen an ihn gestellten Anforderungen mit wenigstens „genügend" entspricht, können ihm die besuchten Vorlesungen angerechnet werden. Andernfalls hat er den gescheiterten Besuch später zu wiederholen.
Troh des an den Tag gelegten Arbeitseifers dauert es in Amerika durchschnittlich drei bis vier Jahre länger, bis man mit dem Studium fertig wird. Das hat seinen Grund in der Art
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bie überindividuell wertvollen Güter, die ihrer Natur nach nicht historisch und sozial sind, z. B. die Sähe ter Mathematik, werden uns doch immer nur im Gewände einer Sprache zugänglich. die jedenfalls, mag sie auch Formelsprache sein, historisch ist. Sie werden ferner bewahrt und tradiert von Gemeinschaften. Zu dem Ansprüche des Zöglings an ten Erzieher tritt so der der Gemeinschaften, der Familie, der Nation, des Staates, dec Kirche, der Kulturmenschheit. Da diese Ansprüche nicht identisch sind, entstehen Spannungen und Gegensätze in der Erziehungsaufgabe. Sie treten in der Gegenwart besonders schroff hervor, weil die Herrsch at bestimmter Gemeinschaften nicht mehr allgemein und solbstverständlich arer.annt ist. Es hieße über bie We'ensbest.mmung der Erziehung hinaus auf die materielle Erziehungslehre eingehen, toci'lte ich die.e Schwierigkeiten hier erörtern. Qiur auf einen Punkt muß allgemein hingewiesen werden, weil er für die praitische Frage, .uns auf dieser Tagung beschäftigen soll, wichtig ist: wie auch der Erzieher zu den Gemeinschaften, ihren Werten uno Lehren steht — er 'nnn nicht von vornherein die künftige Stellung des Zöglings zu ihnen vorauswissen, er kann nrcht verhindern, daß dec Zögling über eine best.mmte Gemeinscha t. S'tte. Kirche, in der er erzogen ward, hinan.'-blickt und ei; nsowenig, daß er in. sie.zurück-e:.angt. Es wird daher nötig sein, ihn jeie .'Mls so zu erziehen, daß er sich in freier und söbständigec Entscheidung bewahren und hallten kann. Mir scheint, daß damit ein gemeinsamer Boden für die Vertreter verschiedener ileberlieferungen und Weltanschauungen gegeben ist. Sie müssen sich auf die ihnen gemeinsamen Güter und Werte besinnen, die jedenfalls als solche bewußt zu Pflegen sind, damit sie in der Seele des Zöglings auch dann lebendig bleiben, wenn sich seine SkSllung zu einem bestimmten Glauben politischer oder religiöser Art ändert. Es entspricht dajer der Lage unserer Zeit, wenn die Besinnung auf das Wesen der Erziehung von dem einzelnen Zögling, feinem Anspruch und der Stellung des Erziehers zu ihm ausgeht und von daraus zu den Ansprüchen der Gemeinschaften fortschreitet.
ihr spricht. Eine jede Ordnung, der sich der Er» z.eher selbst einfügt, hat etwas von überindivi- ouell bindender Kraft. Der Erzieher behandelt dabei den Zögling im Grunde nur, wie er sich in feiner Selbsterziehung selbst behandelt. Der sich selbst Erziehende unterstellt sein empirisches Selbst einer Herrschaft, die er mit feinem wahren Wesen uud Willen, mit dem zur Herrschaft berufenen Seil, dem „Hegemonikon" in sich selbst eins weiß. So stellt der echte Erzieher den Zögling zunächst und vorläufig dem unterworfenen Teil seines eigenen Selbst nur deshalb gleich, weil er in ihm das wahre herrschende Ich wecken will. „Wecken" — denn er eugen kann er es nicht. Wie jede echte Lehre nicht Mitteilung eines Resultates ist. sondern eine Wendung des erkennenden Geistes erzeugen will, die diesen befähigt, das Resultat selbst zu finden, so ist erst recht sittliche Erziehung nur zu verstehen als eine Umwandlung des Zög» Ungs, die zuletzt immer dessen eigene Tat bleibt, bie wir nur vorbereiten, nur erhoffen, nie erzwingen können. Das hat Platon ein für allemal ge eigt, und darum vor allem ist er der ewige Meister aller Erlleh-Lehrer.
Kraft der Sache über dem anderen stehen den man doch sich selbst grundsätzlich gleichstellt — cas geschieht unter Erwachsenen normaler» weise immer nur auf begrenztem Gebiet, unter ausdrücklicher oder stillschweigender Einschränkung. Zwischen dem Erwachsenen dagegen und dem älnerwachsenen ist dies Verhältnis normal durch die verschiedene Reife bedingt. Daher ist Erziehung wesentlich ilvertoacbfcnen zugewandt T der Erwachsene empfindet es mit Recht als eine Wertminderung, wenn er Gegenstand der Erziehung wird, und das färbt dann auf die Haltung des Erziehers ab. Dagegen kann ich das Kind, das ich erziehe, mir nicht nut gleich, ich kann es als Träger von Möglichkeiten, die mir unerreichbar sind, in meinem Innern über mich stellen — und die letzte heimliche Ehrfurcht des Erziehers vor dem Zögling geht darauf zurück daß er in jenem Möglichkeiten ahnt, die ihm selbst verschloßen sind. Darum ist es berechtigt die Erziehung als wesentlich auf die Jugend ««richtet aufzufassen — auch daß die inneren Schwierigkeiten der Erziehung von her Pubertät ab so rasch wachsen, findet hier feine Erklärung.
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