„ExctzlNo^ MÄLkr Das 5tabtit* *ft Pvincars wird ohne Poincar6 unter Leitung des geeignetsten Mannes m einem Augenblick fortgesetzt, in dem die Inkraftsetzung des Yvung-Planes als erste Etappe der allgemeinen Liquidierung des Krieges geregelt wird.
Auch „Aveni r" nennt das Kabinett ein Kabinett PvincarS ohne Poincars. Das Kabinett werde im Herbst umgebildet werden.
„Ere Rouvelle" schreibt: Es Ware gefähr- lich unb ungerecht, wenn man die internationale Stellung Briands nicht fe stigen würde. Innenpolitisch befiirdet man sich in einer Periode des Mo-ratoriums, außenpolitisch in der Stunde der Realisierungen.
„Quotidien" sagt, die Politik Briands auf der Reparationskonferenz sei, wie man wisse, die Politik der republikanischen Mehrheit. Man dürfe ihm die Unterstützung bei einem so klar bestimmten Ziel nicht abschlaaen. Die linksstehenden Parteien blieben bei ihrer Haltung.
Der sozialistische „Populaire" schreibt: Briand operiere mit einer Aussicht, die die Regierungsvertreter in tadelloser Einmütigkeit den Radikalen vorspiegelten, nämlich mit einer durchgreifenden Regierungsbildung im Herbst. Dis dahin würde das Ministerium Driand also die Innenpolitik ausschalten.
Oer chilenische Heereschef in Neutschland.
Bremen, 29. Juli. (WTB.) General Diaz, der Generalinspekteur der chilenischen Armee, traf heute in Begleitung des chilenischen Oberstleutnants Fuentes auf dem Dampfer »Stuttgart" des Rorddeutschen Lloyd in Bremen ein. Der Chef der deutschen Heeresleitung, General Heye, Herren des Bremer Senats und des Rorddeutschen Lloyd begrüßten General Diaz an Bord der „Stuttgart". 2m Ramen des Rorddeutschen Lloyd hieß zunächst Generaldirektor Geheimrat Stimming den Gast herzlich willkommen, im Auftrage des Senats sprach Dr. Koch. General Heye, den eine längere Freundschaft mit General Diaz verbindet, richtete an ihn gleichfalls herzliche Worte der Begrüßung. Alsdann begaben sich die Herren nach Bremen, wo zum Empfang des Gastes eine Ehrenkompagnie aufmarschiert war. General Diaz hat sich auf Einladung des Reichswehrministeriums nach Deutschland brgeben. Sein Besuch erfolgt in Erwiderung des Besuches, den General Heye im Frühjahr dieses Jahres Chile auf Einladung der chilenischen Regierung abstattete.
Don Bremen aus begeben sich die chilenischen Herren zunächst nach Essen zu Krupp, dann über Düsseldorf nach Berlin.
Oer schwedische Flottenbesuch in Kiel beendet.
K i e l, 29. Juli. (WB.) Der seit Samstagvormittag hier weilende schwedische Flottenübungs- verband, bestehend aus dem Werkstättenschiff „Sven", sechs U-Booten, einem Flugzeug-Mutterschiff, einem Depeschenboot und fünf Flugzeugen, hat heutc morgen den Kieler Hafen wieder verlassen und die Rückfahrt angetreten.
Zahlreiche Todesurteile gegen litauische Sozialisten?
Memel, 29.Juli. (WTB.) Das Kriegsgericht in Schaulen hat in einem Prozeß gegen 24 Angeklagte, darunter das Mitglied des Zentralkomitees der Sozialdemokratischen Partei, Galinhs, die vor einigen Monaten in Kowno in den Räumen des Zentralkomitees der Sozialdemokratischen Partei verhaftet worden waren, nach viertägiger Derhandlung bereits am Samstag das II r -
Großer Arbeitskampf in England.
Oie Aussperrung in der Baumwollindustrie.
Manchester, 29.3ulL (IBS.) Die Aussper- rung in der BaumroolUnbuffrie hat heute begonnen. Etwa 1800 Spinnereien liegen still. Ungefähr eine halbe Million Arbeiter sind von der Aussperrung betroffen. Die Wochenlöhne, die dadurch ausfallen, betragen über zwei Millionen Pfund. Lin günstiger Umstand in der schwierigen Lage ist der Entschluß einiger weniger Unternehmer, sich von der Auseinandersetzung fernzuhalten und bei den zur Zeit bestehenden Löhnen ihre Betriebe weiter in Gang zu halten. Der Arbeitsminister betrachtet die Lage mit großer Besorgnis, ist aber der Ansicht, daß bei dem gegenwärtigen Stand der Dinge das Ministerium keinen Schritt unternehmen kann.
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Eine Einigung im englischen Textilgewerbe ist also nicht zustande gekommen, obwohl sich die Regierung bis zum letzten Augenblick bemüht Hal, eine für die streitenden Parteien annehmbare Lohnformel zu finden. Die Textilindustriellen beharrten jedoch auf einer Verminderung der Löhne um 12,5 v.h., weil sie sich außerstande fühlen, unter den gegenwärtigen Verhältnissen den Kampf mit der ausländischen Konkurrenz fortführen zu können, von den Arbeitnehmern dagegen ist geltend gemacht worden, daß mit Hilfe einer Mo
dernisierung der veralteten Betriebe sich wesentliche Vorteile finanzieller Ratur für die Textilindustrie herausholen liehen. Ls wäre vielleicht noch zu einer Einigung gekommen, wenn nicht die Weber jede Lohnreduzierung rücksichtslos abgelehnt hätten, so daß sich schließlich auch die Spinnet und Wollkämmer anschließen mußten. Damit ist die Aussperrung perfekt geworden. Für die Regierung Macdonald ist es gewiß kein erhebendes Gefühl, schon in den ersten Wochen ihrer Tätigkeit in einen Arbeitskampf von riesigen Ausmaßen hineingezogen zu werden, der sich natürlich nicht nur auf das Textilgewerbe selbst beschränkt, sondern auch alle mit ihm in Verbindung stehenden Wirtschaftszweige empfindlich in Mitleidenschaft ziehen muh. hinzu kommt, daß in der Stahl- und Eisen- industrie sich Konfliktstoffe anhäufien und daß vor allem im Bergbau die Arbeiter auf die Erfüllung der wahlverfprechungen, namentlich die Einführung des Siebenstundentages, bestehen. Unter den Bergarbeitern herrscht eine starke Kampfstimmung, so daß vielleicht schon in ganz kurzer Zeit England im Zeichen von Arbeitsstreitigkeiten stehen kann, die an Größe und Bedeutung hinter dem Generalstreik vom Mal 1926 nicht Zurückbleiben dürsten.
Meder ein polnischer Tendenz-Prozeß.
Oer OeuischiumS-Bun- in Bromberg. — Groteske Anklagen.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 30. Juli. Das Verfahren, das in Posen gegen die Mitglieder des aufgelösten Deutschtums-Bundes in Bromberg jetzt in Gang gebracht wird, beruht auf einer Fülle geradezu grotesk anmutender Anklage- Punkte. Eine wichtige Rolle spielt bei der ganzen Angelegenheit das frühere geschäftsführende Mitglied des Deutschtums-Bundes, der aus Polen ausgewiesene Lehrer S ch ä r f f. Schärff war von einem alten Bekannten, der ebenfalls Polen verlassen muhte, gebeten worden, ihm eine Photographie seines ehemaligen Besitzes, einer Mühle, als Erinnerung zu verschaffen. Diese völlig harmlose Bitte wurde aber zum Anlaß des 1923 ausgesprochenen Verbotes des Deutschtums-Bundes in Bromberg, da die polnischen Behörden die Mühle als einen strategischen Punkt bezeichneten und in dem Wunsch des ehemaligen Besitzers, den Schärff gar nicht einmal erfüllt hat, einen Spionageversuch erblickten. Gegen S ch ä r f f wurde ein Verfahren eingeleitet, d as ihm fünf Jahre Gefängnis brachte, wogegen er Berufung einlegte, die aber bisher noch nicht verhandelt wurde. Die Gefängnisstrafe wurde dann in Ausweisung umgewandelt. Rur die Tatsache, daß ein des Landes Vertriebener einen zurückgebliebenen Freund ersucht, ihm ein Bild von seinem ehemaligen Besitz zu besorgen, wurde dann A. laß zu dem Verbot des Deutschtums- Bundes.
Das jetzt in Gang gebrachte Verfahren baut sich auf zwei Anklagepunkten auf, wobei bemerkenswert ist, daß das Gesetz, welches der Anklage zur Grundlage dient, erst 1924, also ein Jahr nach dem Verbot der Organisation, geschaffen wurde. Acht Personen werden bescyuldigt, statt st isches Material gesammelt zu haben, was ihnen als Spionage ausgelegt wird. Am allergroteskesten ist der zweite Anklagepunkt, der sich auf die „geheime Aufstellung einer deu t s ch en Armee in Polen" bezieht. Ehemalige Mitglieder des nach der Gründung des polnischen Staates verbotenen Kyffhäuserbundes hatten die Bitte ausgesprochen, die sog. Erinnerungsmedaille, die damals verteilt wurde, zu erhalten. Zu diesem Zweck mußte selbstverständlich eine Liste hergestellt werden, auf Grund deren dann die Versendung der Erinnerungsmedaillen nach ihrem Eintreffen aus Deutschland erfolgen sollte. Die polnische Phantasie sieht aber in dieser völlig harmlosen Angelegenbeit den gefährlichen Plan, für den Fall eines deutsch- polnischen Konfliktes schon jetzt Sabres aufzustellen, die dann den deutschen Zwecken bienen könnten. Dieser Teil ber Anklage ist wohl bie größte Groteske, bie jemals von polnischer Seite im Kampf gegen bas Deutschtum erfunben würbe. Im übrigen burfte in bem kommenben Verfahren auch die Fälschung von Akten von feiten ber Polen, bie angeblich bem Archiv bes Deutschtums- Bundes entnommen fein sollen, eine große Rolle spielen.
teil gefällt, das jedoch bisher noch nicht veröffentlicht worden ist. Dem „Memeler Dampfboot" zufolge verlautet gerüchtweise, daß zehn bis vierzehn Angeklagte zum Tode und die übrigen zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden sind. Das Todesurteil gegen einen Grenzpolizisten, der den Pleschkaitis-Anhängern beim Grenzübertritt Hilfe geleistet haben soll, soll bereits vollstreckt worden sein.
Rußland und England.
London, 29. Juli. (WB.) Staatssekretär des Auswärtigen Henderson hatte heute vormittag mit dem Sowjetbotschafter in Paris, DowZalewski, eine Unterredung über die Vorbereitungen zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Sowjetunion und Großbritannien. Dowgalewskl war gestern abend in London eingetroffen.
Gehnen Sie sich auch...?
Von Polly Tieck.
Finden Sie auch, daß es die kleinen Dinge des Lebens sind, nach denen man sich am brennendsten sehnen kann? Gewiß, ich sehne mich auch nach einem dunkelblauen Auto, nach einem Haus mit Terrasse, mit einem Garten, der einen eigenen Badesteg hat, also, wie Sie leicht daraus ersehen können, unmittelbar am Wasser liegt, nach einem Abendcape, gemacht aus einer alten chinesischen Stickerei, Silber auf milchigem Grunde — und nach einem Manne, väterlich, großherzig, und mit den Mitteln begabt, mir all das zu schenken, wonach ich mich am Anfänge dieses Satzes sehnen zu können glaubte. Die Sehnsucht nach diesen Dingen jedoch läßt sich trefflich überwinden, es geht auch mit der Aussicht auf ein Wägelchen kleinsten Formats, mit einer Vierzimmerwohnung und mit etwas weniger edelmütig schlagenden Herzen. Was sich aber nicht überwinden läßt, wenigstens für uns nicht, für uns Frauen, für Sie, für mich, für Mimi, für Karla, für Elisabeth — das ist die Sehnsucht nach jenen winzigen Dingen unserer Vergangenheit, jenen Kleinigkeiten noch nicht vergessener Kindheit, von denen wir uns so gerne einreden, daß es Kleinigkeiten sind, um nicht vor der wahren Größe ihrer Bedeutung zu erschrecken.
Wollte ich mich recht modern und gebildet zeigen, so würde ich Sie fragen, ob auch Sie, kleine Frau, an diese Dinge Ihrer Kinderzeit so fixiert sind, — da ich aber Lust habe, der wunderbaren Sentimentalität, die mich sanft und traurig überrieselt, hemmungslosen Lauf zu lassen, so frage ich Sie ganz einfach: Sehnen Sie sich auch nach...
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Sehnen Sie sich auch so furchtbar nach dem Gitterbett?
Ich hatte eines aus weißem Eisen, es war nicht mehr ganz neu, jedenfalls erinnere ich mich deutlich daran, daß der Lack an vielen Stellen abgesprungen war und der dunkle Grund des Gerüstes durchbrach. Das aber machte es doppelt schön und interessant. Das Gitter in der Art des grohlöcherigen englischen Gittertülls durchbrochen, hatte in halber Höhe eine Klappe mit vielen Verschnörkelungen, die sich noch einmal zur vollen Höhe hochklappen lieh und, dort oben durch eine sinnreiche, sichere Mechanik befestigt, dem Ganzen erst recht den Anblick der kühnen und sicher geschützten Burg gab, die es war.
2n diesem Gitterbett konnte einem nichts passieren, das Leben mit seinen schweren Ansprüchen — Schule, Kindergesellschaft, Gang zum Zahnarzt — lag irgendwo in ungefährlicher Ferne und plätscherte nur mit harmlosen Wellen an das sichere Schiff. Krankheiten im Gitterbett waren Tage unvergeßlicher Freude, denn jetzt durfte man auch am Tage die Wonne auskosten, so gut befestigt zu sein. Sicher werden auch Sie, kleine Frau, die sehr weibliche Angewohnheit beibehalten haben, sich, wenn Ihnen das Leben zu dumm oder zu schwer wird, ganz einfach in Ihr Bett zu legen — in den „Dettstreik" treten, nenne ich das — und dort abzuwarten, bis die Konflikte sich besänftigt oder Ihr Gemüt sich gekräftigt hat, was beides auf denselben Enddesekt yerausläuft. Aber auch Sie werden denken, daß diese breite und nach allen Seiten hin offene Muschel Ihres damenhaften Lagers eigentlich keine rechten Garantien auf Sicherheit mehr bietet, und Sie werden denken, wieviel leichter es doch wäre, sich auf ein paar Stunden hinter die weihen Gitter zu verkriechen, die allen Trost der Welt zu spenden vermochten.
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Sehnen Sie sich auch nach dem roten Tuch - m a n t e I?
©eine Form war strengen Gesetzen unterworfen, wie das die Gegenstände von autoritativer 'Bedeutung gerne an sich haben. Gr mußte feuerrot fein, von einem ziemlich glänzenden Tuche, und zweireihig durchgeknöpft mit goldenen Matrosenknöpfen, die, zum Zeichen, daß sie auch wirklich welche waren, einen außerordentlich feinziselierten Anker zu präsentieren hatten. Der rote Tuch- mantel mußte zwei Taschen haben, aber wohlgemerkt, nicht Taschen zum Schonen — (es gab boshafte Gouvernanten, die, um Schönheit und Sitz zu erhalten, auf den teuflischen Gedanken tarnen, sie zuzunähen) — sondern Taschen zum Ausbeuteln, Taschen für Schokolade, die man aus dem Automaten zog, für Maronenschalen von eben heimlich aufgegessenen, heiß gerösteten Maronen von dem Maronenmann, der immer vor bem Gymnasium des großen Bruders stand, Billetts von der Elektrischen, mit denen man nachmittags Eisenbahn spielte, eine Trillerpfeife, eine Tüte mit Mehlwürmern für den Feuersalamander zu Haus und einen feinen Rotizkalender von einer feinen Firma in Himmelblau und Weiß.
Das alles mußte in die Taschen reingehen und außerdem natürlich noch die Hände. Marschierte man so die mittäglich besonnte Straße entlang, so war die Sicherheit des Auftretens
eine vollendete. Man wünschte sich nur noch, das Fräulein aus dem Kindergarten zu treffen, ober ben Jungen vom Flur nebenan, ber soviel älter war und immer so tat, als sähe er nicht, wer ihn auf ber Stiege des Treppenhauses knicksend begrüßte. Es gibt Versinonen, nach denen der rote Tuchmantel von einer entsprechend roten Matrosenmütze begleitet sein muh. Versionen, bie viel für sich haben, ohne bah ich — ganz unb völlig vom Mantel an sich gefangen — ihnen noch zu folgen vermag. —
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Allerdings gehörte eigentlich noch etwas zum roten Tuchmantel, unb bas war, an feinem obersten, golbenen Knopf sicher verknotet, ber Luftballon.
Obwohl eigentlich auch er von Rechts und Ratur wegen rot zu sein hatte, wurde er zwecks Hebung durch Gegensatz zum roten Mantel oft grün gewählt oder in dem intensiven Blau des Adriatischen Meeres. Unnötig zu sagen, daß es gemusterte, geblümte, tarierte Luftballons damals noch nicht gab, sondern daß der Luftballon in der einfachen und stillen Größe existierte, eindeutig rot, grün, blau, eventuell noch_ safrangelb, erstrahlte, wie es sich für einen anständigen Luftballon einzig und allein schickt. Schön waren diese Luftballons, wenn sie, frisch und vor Kraft strotzend, gegen den blauen Himmel fliegen, nur mühsam gehalten durch die Gewalt der am Knopfe verknoteten Strippe und auch sie manchmal zu sprengen drohend. Aber sie hatten noch eine andere, geheime, verborgene Schönheit, die anhob, wenn man sie ein Paar Tage im Zimmer eingesperrt hatte, wenn chre wilde, himmelstürmende Kraft gebrochen war und sie jenes Etwas wurden, nicht mehr ganz Luftballon und noch nicht ganz Ball. Ein Ball vielmehr, der nicht ben Gesehen ber Schwere untergeordnet schien, ein Ball, ber mit zwei Fingern an bie Decke geknipst, nicht zu Boden sauste, sondern zu Boden sank, schwankte, tanzte. Eine seltsame Zartheit und Gebrechlichkeit war um diese verblühenden Luftballons, man wurde liebevoll zu Ihnen, man streichelte sie, gab ihnen die Vornamen geliebter Freundinnen und trauerte mit ihnen ihrem verlöschenden und von allen Reizen des Vergehens umflossenen Ende entgegen.
Etwas robuster geartet, aber nicht weniger brennend ist die Sehnsucht nach dem Radies- ch e n h r o t. Sie werden mir entgegenfjatten,
England und Aegypten.
London, 30. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der Staatssekretär für den Krieg, Shaw, «klärte gestern in einer Rede, die Regierung werde A e g y p. ten seine Unabhängigkeit geben unter De» dingungen, die glückliche Beziehungen zwi» schen den Aegyptern unb ben Englänbern schaffet! unb bie Verbindungswege Englands mit seinem Ost« reich für alle Zeiten sicher gestatten werben.
Margarete Behm f.
Berlin, 30. Juli. Die Begründerin und Hauptvorsihende des Gewerkvereins ber Heimarbeiterinnen Deutschlands unb langjährige beutschnationale Reichstagsabgeordnete Margarete Behm ist im 70. Lebensjahre gestern abend ihrem alten Herzleiden erlegen, das sie den schweren Unfall, ben sie kü^ich erlitten hatte, nicht mehr überstehen lieh.
/ Margarete Behm wurde am 3. Mai 1860 als Tochter eines Gutspachters in Behndorf (Kreis Liebenwerda) geboren. Sie besuchte zunächst bie Dorfschule in Coßdvrf (Prov. Sachsen) und spater bie Höhere Töchterschule in Stvlp (Pom.). Darauf war sie von 1876—78 auf dem Gut in bet Heimat, machte aber bann ihr Lehrerinnenexcimen an dem Prosschen Lehrerinnenseminar in Berlin, wat von 1879—84 Lehrerin an der Prosschen Höheren Töchterschule und von 1884 bis 1905 Dolks- schullÄhrerin in Berlin. Seit März 1899 setzte sie sich für bie Gesunbung ber Heimarbeitsverhältnisse in Deutschland und den Ausgleich der Klassengegensätze ein. Sie schuf die Organisation ber Heimarbeiterinnen. Außerdem war sie Mitglied des Vorstandes des Gesamtverbandes der Christlichen Gewerkschaften, des Vorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes, des Ausschusses des Deutschen Arbeiterkongresses, ber Gesellschaft für Soziale Reform, bes Deutsch-Evangelischen Frauenbundes u. a. m. Äach ber Revolution würbe sie von der Deutschnationalen Volkspartei: in Pommern in die Rationalversammlung gewählt, bei den Reichstagswahlen 1920 unb 1924 erfolgte ihre Wiederwahl. Vor ber Reichstagswahl im Mai 1928 trat sie aus GefundheitZ- unb Altersgründen von weiterer parlamentarischer Tätigkeit zurück. Sie würbe baraufhin zum Ehrenmitglied der Gesamtpartei ernannt.
Schlagwetterexplosion im Waldenburger Vergwerksrevier.
23 Tote.
Waldenburg, 30. Juli. (WTB. Funkspruch.) Aus der Friedenshoffnungs-Grube in Rieder-Hermsdorf ereignete sich gestern abend 7 Uhr eine schwere S chlagwetler- exploslon, durch die 23 Bergleute getötet und zwölf schwer verletzt wurden. Sämtliche Verunglückten sind geborgen. Berghaupt- mann Fischer und Oberbergrat Weber vom Oberbergamt Breslau trafen noch nacht? in Rieder- Hermsdorf ein, um gemeinsam mit den Bergrevler- beamten die Grube zu befahren. Die Ursache der Explosion steht noch nicht fest. Die von der Explosion betroffenen Baue sind befahrbar, doch ist Ihr Betrieb vorläufig eingestellt. 3m übrigen ist der Betrieb der Grube nicht gestört.
Aus aller Well.
Amerikafahrt des „L.Z. 127" voraussichtlich am Donnerstag.
Friedrichshafen, 29. Juli. ($.51. Funkspruch.) Wie die Telegraphen°51nion vorn Luftschiffbau Zeppelin erfährt, wird die Amerikafahrt voraussichtlich erst am Donnerstag angetreten werden können, da einige Fahrgäste, bie mit dem ursprünglich am 1. August angelegten Antritt ber Fahrt gerechnet hatten unb zum Teil von weit her kommen, kaum am Mittwochmittag in Friebrichshafen eintreffen werben. Ein
daß, wenn ich schon vielleicht nicht kindisch genug bin, mir an mein Bett em Gitter bauen; mir einen roten Tuchmantel machen zu lassen ober im geheimen in stillen Stunden mit Luftballons zu spielen, ich bie Sehnsucht nach einer Ra- dieschenbrot hoch, ohne allzu großes Aufsehen zu erregen, mit Leichtigkeit befriedigen könnte Bitte, versuchen Sie es mall Machen Sie sich eine Schwarzbrot mit Butter, fein in Scheiben geschnittenen Radieschen und streuen Sie ein paar Körnchen Salz darauf. Dann schneiden Sie das Brot der Breite nach in fünf schmale, Streifen, legen Sie sie auf einen weißen Teller unb essen Sie. —
Was, das soll ein Radieschenbrot sein? DaS ist ein Butterbrot, auf bas man ziemlich unsinnigerweise Rabieschen gelegt hat, statt lieber Spickgans ober Rollschinken. Gin Rabieschenbrot ist das Q aber nicht. Ein Radieschenbrot ist, wenn ... wenn man an einer langen, schmalen, weihgedeckten Tafel sitzt, mit fünfzehn oder zwanzig anderen Kindern, die Geschenke vom Topfschlagen vor dem Teller aufgebaut, letzten Geschmack nachmittäglichen Apfelsinencremes noch auf der Zunge. Auf dem großen Teller, unter der älnzahl von Broten und Brötchen aller Gattungen, die einem Kind nach bem anberen angeboten werben, liegen, perlmutterschirnmernbe, leuchtende Oasen — einzelne Radieschenbrote. Richt gerade übermäßig viel, aber immerhin genug, um bie Hoffnung nicht sinken zu lassen, daß man es, trotzdem noch fünf Kinder vor einem nehmen dürfen, doch noch zu einem Radieschenbrote bringen wird. Jetzt hat man es, man beißt hinein, es knackt unb knirscht — bec kühle Safte zermalmter Rabieschenscheiben mischt sich mit der sanften Wonne sahniger Butter zu einem Genuß, selbst von Fürst-Pückler-Bombe kaum zu erreichen. Sehen Sie, bas war ein Rabieschenbrot.
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Sehnen Sie sich auch nach ... nach diesen unsinnigen Dingen, bie man nicht vergessen kann, selbst wenn man Rechtsanwältin ist, ein Krankenhaus leitet ober kaufmännische Transaktionen vollführt, als wäre einem bas am Gitterbett gelungen worden? Geben Sie es ruhig zu, denn es ist so — und diese Erkenntnis macht die andere Sehnsucht unwichtiger — bie Sehnsucht nach bem Auto, ber Billa mit Babesteg unb dem väterlichen Mann mit ' bem großmütigen Herzen. ...


