Mittelpunkt wieder Oberleutnant Schulz, einer der Organisatoren der Schwarzen Reichswehr, steht. Schulz befindet sich noch immer in Haft, obwohl niemals schlüssige Beweise dafür erbracht werden konnten, daß er sich an Morden beteiligt hatte. Eine neue Begnadigungsaktion sollte nun kürzlich in die Wege geleitet werden. Sie wurde abgestoppt, weil inzwischen der Feldwebel Fahlbusch von Amerika ausgeliefert wurde, der jetzt gestanden haben soll, daß er von Schulz zu einem Mord an« gestiftet worden sei. Infolgedessen wird gegen Schulz ein neues Verfahren eröffnet, und der traurige Film der Fememorde noch einmal ab- gerollt.
Oie Reform
des Schlichtungswesens.
Vorschläge der Arbeitgeber.
Berlin, 29. April. (Priv.-Tel.) Die Re- formvorschläge der Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände zur Schlichtungsverordnung wenden sich gegen die bisherige Regelung des Schlichtungsverfahrens, das nach Ansicht der Arbeitgeber durch Einschränkung der eigenen Derantwor- rung der Vertragsparteien, bei_ diesen bei schwerwiegenden Entscheidungen die Fähigkeit zu verantwortungsbewußtem Handeln schwächt, und ferner durch das „$) ine in tragen wechselnder politischer Einflüsse, Den ohnehin schwierigen sachlichen Ausgleich der sozialen und wirtschaftlichen Aotwendigkeiten und die gesunde Aufwärtsentwicklung der deutschen Wirtschaft gefährdet". Dementsprechend wird gefordert, daß die freie Vereinbarung stärker als bisher in den Vordergrund gestellt werden soll und dem staatlichen Schlichter nur eine engbegrenzte Tättgkeit zugewiesen wird. In der Regel sollen zu vereinbarende freiwillige Schlichtungsstellen in Tättgkeit treten: nur im Falle eines Fehlens^ Lieser Schlichtungsstellen sollen die staatlichen Schlichter eingreifen. Die staatliche Schlichtunys- kammer soll versuchen, in erster Linie eine Einigung der Parteien herbeizuführen. Falls diese nicht zustande kommt, soll die Schlichterkammer das Recht erhalten, einen Schiedsspruch abzugeben. Für das Zustandekommen 6e8 Schiedsspruchs soll eine e i n f a ch e S t i m- men Mehrheit erforderlich sein. Die Der- bindlichkeitserklärung von Schiedssprüchen soll nur bei Gesamtstreittgkeiten _ i n „lebenswichtigen Betrieben" zulässig sein, sowie bei „Gesamtstreittgkeiten, die die Deutsche Volkswirtschaft so stark treffen, daß die Lebensmöglichkeit der Gesamtbevölkerung gefährdet ist".
Oie Lohnbewegung der Reichsarbeiter.
Berlin, 29. April. (Priv.-Tel.) Rach dem „D.T." fand heute nachmittag eine gemeinsame Besprechung des Reichskabinetts und des preußischen Staatsmini st eriums im Reichstage statt. Auf der Tagesordnung der ae- meinsamen Kabinettssihung stand vor allem die Regelung der L o h n f r a g e für die Eisenbahn- nnd Postarbeiter sowie für die Reichs- und Staatsarbeiter. Auch Vertreter der Reichsbahn waren anwesend. Das Ziel der Besprechung war trotz der überaus schlechten Finanzlage sowohl der Reichsbahn wie des Reiches und der Länder eine gemeinsame Basis für eine befriedigende Lösung des Lohnkonfliktes zu finden und gleichzeitig durch eine langfristige Festlegung der Arbeitsbedingungen eine Störung des Wirtschaftsfriedens in absehbarer Zukunft hintanzuhalten. Die Reichsbahn, die wohl der ausschlaggebende Faktor bei dieser Auseinandersetzung ist, stellt sich, wie wir von gut unterrichteter Seite hören, auf den Standpunkt, daß Lohnerhöhungen nur dann bewilligt werden könnten, wenn ent- spreck^nde Erhöhungen der Tarife durchgeführt würden. In diesem Zusammenhang erwägt die Leitung der Reichsbahn die Aufhebung besondere rDergün st igungen, die sie bisher gewährt hat, in erster Linie eine Erhöhung der Tarife bei den Arbeiterwochenkarten. Da hier eine relattv große Zahl in Frage kommt, glaubt die Reichsbahn auf diesem Wege die Mehrbelastung durch eine Lohnerhöhung von rund 80 Millionen Mark wieder einbringen zu können.
Rechtsstagen im Haushaltsausschuß.
Juristische Vorbildung. — Aufwertungshypotheken.
Berlin, 29. April. (D.D.Z.) Im Haus- hallsausschuh des Reichstages erklärte bei der Beratung des Etats des Reichsjustizministeriums Reichsjustizminister v. G u 6 r a r d u. a.. bei der Frage der Vereinheitlichung der juristischen Vorbildung kämen drei Punkte in Frage: 1. Vereinheitlichung der in den einzelnen Ländern zur Zeit geltenden, voneinander stark abweichenden Ausbildungsvorschriften, 2. Vereinheitlichung der Vorbildung zum höheren Richterund höheren Verwaltungsdienst, 3. stärkere Betonung der öffentlich-rechtlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Studien. Am 6. Oktober v. I. hätten eingehende Besprechungen mit den Landesregierungen hierüber stattgefunden. Cs sei ein Ausschuß eingesetzt worden, der zum Ausgangspunkt seiner Arbeiten die Mehrhcitsauffassung, eine 6 V, jährige Gesamtdauer der Ausb ildung einschließlich einer mindestens halbjährigen Verwaltungspraxis, genommen habe.
Staatssekretär Dr. I o e l berichtete über die Frage der Aufwertungshhpotheken. Eine Verlängerung des Moratoriums könne nur erfolgen, wenn der jetzige Zinssatz von 5 Prozent ab 1932 wesentlich erhöht werde. Das bedinge aber eine Aenderung des Bürgerlichen Gesetzbuches. Schwierig sei die Lösung dieser Frage auch wegen der Höhe der 1932 fälligen Hypotheken, die auf mindestens 6 Milliarden geschäht würden. Der Zustand der Grundbücher müsse Wieder übersichtlich gestaltet werden, die Papiermarkeintragungen in Goldmarkeintragungen umgeschrieben oder gelöscht werden. Hierüber sei ein Gesetzentwurf in Bearbeitung.
Handelsvertreter und Gewerbesteuer.
Die Absicht, die freien Berufe der Gewerbesteuer zu unterwerfen, muh nach dem Abstimmungsergebnis im Preußischen Landtage als endgültig gescheitert angesehen werden. Die Gründe,
OieRegienmgskrifis in Oesterreich
Von Seipel zu Sireeruwitz.
Von unserer Berliner Redaktion.
Berlin, 30. April. Fast vier Wochen hat glücklich nun auch die Regierungskrise in Wien gedauert. Nicht ganz solange, wie wir das bei uns in Deutschland gewohnt sind. Immerhin aber doch eine Zeit, in der so ziemlich sämtliche Kombinationen durchprobiert werden konnten. Und das Ergebnis ist schließlich gewesen, daß ein Mann an Seipels Stelle tritt, den außerhalb der österreichischen Grenzen wohl bis zum Tage seiner Nominierung nur sehr wenige gekannt haben: Herr Dr. Streeruwitz. Was von ihm berichtet wird, aeht eigentlich wenig über die übliche parlamentariscye Laufbahn hinaus, allerdings mit dem einen und vielleicht entscheidenden Unterschied, daß er von der Wirtschaft her kommt. Er ist nicht Berufsparlamentarier, sondern er ist Industrieller, Leiter einer der größten österreichischen Textilsirmen, dem nachgerühmt wird, daß er es verstanden hat, in seinem eigenen ziemlich schwierigen Betrieb Ordnung zu halten und Arbeitsniederlegungen zu verhindern. Das ist immerhin schon etwas, denn der künftige österreichische Ministerpräsident wird in erster Linie seinen Befähigungsnachweis an wirtfchaftlichenFra- gen zu erbringen haben.
Das ganze Unglück dieses zwangsweise für selb- ständig erklärten Gebildes ist ja, daß die natürlichen Voraussetzungen eines Staates nicht gegeben sind, daß es sich nicht selbst ernähren kann, daß seine Industrie für das Land viel zu groß ist, daß aber durch die industrielle Ueberseßung der früheren österreichischen Provinzen, die sich alle durch eigne Schutzzollgrenzen abgeschlossen haben, die Möglichkeiten zum Export stark beschnitten sind. Herr
Seipel hat versucht, mit Hilfe der Dölkerbunds- anleihe, die im Vertrauen auf seine Person gegeben wurde, die innere Umschaltung vorzunehmen, was ihm nur teilweise gelungen ist; und ihm auch nur teilweise gelingen konnte, weil die österreichische Sozialdemokratie die ökonomischen Voraussetzungen der Existenzfähigkeit des Staates nicht einsehen wollte, sondern sozialpolitische Experimente machte.
Dazu das Mißverhältnis, daß die Landeshauptstadt fast ein Drittel der Ein- wohn er ganz Oesterreichs umfaßt, und daß in dieser Hauptstadt wieder eine Sozialdemokratie radikaler Schattierung das Heft in den Händen hat: Probleme also, die eine starkeHand brauchen, um sie meistern zu können. Freilich, Herr Seichel hat mancherlei getan, um seinen Rachfolgern die Wege zu ebnen. Die Angst, als er zurücktrat. War bei den Sozialdemokraten so groß, daß sie plötzlich mit sich reden ließen, und die Reform des Mieten- g e s e h e s , der fie seit Iahren leidenschaftlich widerstrebt hatten, zugestanden, so daß dadurch zumal für Wien die Möglichkeiten einer ver- nünfttgen Wohnungspolitik und einer Wiederherstellung des Hypothekarkredits gegeben sind. Da auch bei den Grohdeutschen und bei den Agrariern der neue Mann weitgehendes Entgegenkommen gefunden hat, sind die Auspizien seines Regierungsantrittes nicht ungünstig. Vielleicht gelingt es ihm, über die ersten schweren Monate Hinwegzukommen. Am Ende freilich wird die Auflösung des Parlamentes stehen, und bis dahin muß er zeigen, ob er stark genug ist, der übermächtig gewordenen Sozial- demokratte ein Paroli zu bieten.
die für die Freistellung der freien Berufe ins Feld geführt worden sind, treffen in gleicher Weise aber auch für die selbständigen Handelsvertreter (Handlungsagenten im Sinne des § 84 H.G.B.) zu. Auch der Handelsvertreter arbeitet mit keinem im Betriebe investierten Kapital. Sein Einkommen bezieht er nur aus persönlicher Arbeitsleistung. Für seine Berufsarbeit erhält er überdies ein Entgelt nur dann, wenn er tatsächlich Aufträge für das vertretene Haus erzielt. Da er auf die Preisgestaltung der Waren keinen Einfluß hat, ist es ihm auch nicht möglich, die Gewerbesteuer irgendwie abzuwalzen. Sein Unternehmen, das keinen Kapitalwert darstellt, das vielmehr auf reinen Persönlichkeitswerten und auf den engen Beziehungen zur Kundschaft aufgebaut ist, kann er nicht veräußern. Wenn er auch rechtlich und subjektiv selbständig ist, so ist er auf Grund der Bestimmungen der Paragraphen 84 ff. H.G.B. wirtschaftlich doch in weit stärkerem Maße abhängig, als irgendein Angehöriger eines freien Berufes.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 29.April. (VDZ.) Die zweite Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums wird fortgesetzt beim Kapitel „Sozialversicherung".
Abg. P e tz o l d (Wtsch.-P.) tritt für die Jnnungs- krankenkassen ein und wendet sich gegen den Plan, die Einkommensätze für die Zwangsversicherung in Ortskrankenkassen und in der Angestelltenversicherung weiter zu erhöhen.
Abg. Ziegler (Dem.) erklärt, die Demokraten seien nicht grundsätzlich Gegner der Jnnungskranken- kassen, aber sie seien gegen di« Besttmmung, daß Jnnungskrankenkassen für eine so kleine Zahl Der- sicherter gegründet werden, daß die Beiträge kaum zur Deckung der Verwaltungskosten ausreichen. (Unruhe bei der Wirtschaftspartei.) Die Reichsregierung sollte einmal das Material über die Zustände bei den Jnnungskrankenkassen bekonntgeben. (Große Unruhe bei der Wirischaftspartei.) Der gegen die Krankenkassen erhobene Vorwurf der Verschwendung sei unberechtigt.
Abg. Troßmann (Bayer.Dp.) führt aus, der starke Geburtenrückgang hänge zum großen Teil mit der wirtschaftlichen Notlage zusammen. Die Fürsorge für die Kinderreichen müsse verbessert werden. Bei der Familienversicherung könne die Sozialversicherung noch viele Ver- besierungen durchführen.
Abg. S t ö h r (Nat.-Soz.) begründet den Antrag seiner Freunde, die Ungleichheiten bei der Behandlung der Sozialversicherten im Saargebiet endlich durch Bereitstellung von 120 Millionen im Etat zu beseittgen und die hier begangenen Ungesetzlichkeiten durch einen Unterausschuß klären zu lassen.
Damit schließt die Besprechung zum Kapitel „Sozialversicherung". Die sozialdemokratischen Anträge auf Erhöhung der Pflichtgrenze in der Angestelltenversicherung werden durch die Erklärungen der Regierung als erledigt erklärt. Der von den Nationalsozialisten beantragte Untersuchungsausschuß wird gegen die Antragsteller und Kommunisten abgelebnt, während die übrigen Einzelforderungen dem Ausschuß überwiesen werden. Es folgt die Aussprache über den Abschnitt „Arbeitsvertragsrecht, Schlichtungswesen, Arbeitsschutz".
Abg. Frau Weich (Soz.) verlangt die schleunige Vorlegung eines Hausangestelltengesetzes und die Verhinderung der Kinderarbeit auch in der Landwirtschaft. In Ostpreußen gehe die Ausnutzung der Kinder in der Landwirtschaft so weit, daß viele Kinder überhaupt keinen geregelten Schulunterricht genießen.
Angenommen wird ein sozialdemokratischer Antrag, der die baldige Vorlegung einer Seemanns« ordnung, eines Hausgehilfengesetzes, eines Tarif- vertragsgesetzes und eines Arbeitsvertragsgesetzes verlangt, ebenso der demokratische Antrag, der eine Denkschrift über die mit der Durchführung des Betriebsrätegesetzes gemachten Erfahrungen fordert. Ein deutschnationaler Antrag auf Zulassung von Rechtsanwälten bei den Arbeitsgerichten wird abgelehnt. Verschiedene andere Anträge werden Ausschüssen überwiesen. — Dienstag: Rest der Kapitel des Arbeitsministeriums und Haushalt des Reichs- ernährungsministeriums.
Ser Kampf um die Ejnwandenmgsquoten in L.S.L.
Washington. 30. April. (WTB. Funkspruch.) Ohne einen sogenannten Kalendertag ab» zuwarten, an dem die einfache Mehrheit entscheidet, unternahm Senator R h e heute im Einwanderungsausschuh des Dundessenats den Versuch, die Entscheidung über die Aufschiebung der neuen, auf Grund der Ursprungstlausel berechneten EiiUvanderungsquOten durch einen ent
sprechenden Antrag der Jurisdiktion des Ein- wanderungsausschusses zu erzwingen. Zur Annahme des Antrags wäre Einstimmigkeit erforderlich gewesen, Senator Reed opponierte jedoch und behauptete, die Propaganda gegen die neuen Quoten würde lediglich von den „Binde st richamerikanern" und den Schiff ahr tge sellschaf ten betrieben. Senator Iohnson, der Vorsitzende des Ausschusses, machte Reed darauf aufmerksam, daß auch Präsident Hoover Gegner der neuen Quoten sei. Reed erwiderte, wenn Hoover die Devöllerungsprobleme so genau studiert hätte wie die Wirtschafts- und Agrarfragen, würde er auch für die Einführung der Ursprungsklausel eintreten. Senator Black (Alabama) kündigte an, daß er eine Resolutton einbringen werde, alle Einwanderung für die Dauer von 10 Iahren aufzuheben.
Aus aller Welt.
Schwerer Betriebsunfall auf der Neuyorker Untergrundbahn.
3n dem Stadtteil Vronx fuhr ein vollbesetzter Zug der Untergrundbahn, aus schweren Metall- wagen bestehend, in voller Fahrt auf einen vor ihm haltenden Hochbahnzug, der aus leichlge- bauten Holzwagen zusammengestellt war. Bei dem Zusammenstoß, der an einer Stelle erfolgte, wo die Untergrundschnellbahn die Gleise der Hochbahn benutzt, wurden 3 Personen getötet und etwa 40 verletzt. Unter den Insassen entstand eine ungeheure Panik, die noch dadurch gesteigert wurde, daß die übrigen wagen des Hochbahnzuges in Brand gerieten. Durch dos Feuer wurden die Rettungsarbeiten stark behindert. Polizei, Aerzte und Sanitätspersonal der in der Rahe Liegenden Krankenhäuser sowie die Feuerwehr eilten zu der Unglücksslelle und arbeiteten fieberhaft an der Rettung der verunglückten.
Der Zusommenstoß der beiden Schnellbahnzüge erfolgte in einer Kurve. Der Vorderteil des Expreßzuges und der hinterteil des Hochbahnzuges wurden vollständig zertrümmert. Ls gelang, das Feuer rasch zu löschen. Die Leiche des Führers des Lxprehzuges konnte nur mit dem Azetylengebläse befreit werden. Seine Hand ruhte noch auf der Rotbremse, der Motor war umgeschaltet. Der heftige Anprall halte alle Insassen von ihren Sitzen geschleudert. Bei der furchtbaren Panik, die sich der etwa 3000 Passagiere beider Züge bemächtigte, versuchten die Unverletzten, rücksichtslos über die Körper der verletzten trampelnd, die Ausgänge zu erreichen. Polizei und Feuerwehr muhten sich den weg zu den vielen Bewußtlosen und verletzten mit Gewalt erkämpfen.
Opfer des Verkehrs.
In Reuhork find bei Autounfällen am Sonntag im ganzen 11 Personen getötet und etwa 20 Personen verletzt worden. Bei Reuhamptonnewy wurde ein Automobil von einem Cisenbahnzug erfaßt und völlig zertrümmert. Hierbei wurden neun Personen, darunter sieben Kinder, getötet. Bei einem gleichen Unfall in Indiana wurden neunter« fönen getötet. — Ein Lastkraftwagen, mit dem 21 Arbeiter aus Zdikow nach Prag zur Arbeit fuhren, stieß bei Groß-Kuchelbad gegen einen starken Baum und überschlug sich dann. Ein Arbeiter wurde auf der Stelle getötet, elf weitere wurden verletzt, davon sieben schwer. Einer der Schwerverletzten ist inzwischen im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. — In Riederdodeleben (Kreis Wolmirstedt) fuhr der Fleischer Thieß mit seinem Motorrad in voller Fahrt gegen eine Gartenmauer. Sein Sozius, der Musiker Wille, war sofort tot, während der Führer kurz daraus feinen schweren Verletzungen e r I a g. — Auf bisher ungeklärte Weise geriet ein Krast- wagen auf der Fahrt von Wanne nach Gelsenkirchen zwischen die geschlossenen Schrankenbäume der Kreuzung der Straße mit der Bahn von „Unser Fritz" nach Wanne. Bevor der Wärter die Schranken wieder öffnen und den Kraftwagen weiterfahren lassen konnte, war ein Personenzug von „Unser Fritz" herangekommen und hatte den Wagen erfaßt. Der Zug schleifte ihn 100 Meter weit mit, bis der Wagen zertrümmert liegen blieb. Der Fahrer wurde getötet. Weitere Personen waren nicht im Wagen. — Ein Automobil, in dem eine sechs köpf ige Familie einen Ausflug unternahm, wurde in Elkton (U.S.A) von einem Eisenbahnzug erfaßt und zertrümmert. Fünf der Insassen waren auf der Stelle tot, während das einzig überlebende
Mitglied der Familie, ein Kind von 18 Monaten, schwer verletzt wurde.
Rachverhandlungen über den Schiedsspruch für den Ruhrbergbau.
Rachdem die Arbeitnehmerverbande des Ruhrbergbaus dem Schlichter chre Ab« l e h n u n g des in der vergangenen Woche gefällten Schiedsspruches mitgeteilt haben, der Zechenverband aber seine Bereitschaft zur Annahme erklärt hat, sind für Dienstag im Reichsarbeitsministerium Verhandlungen anberaumt worden.
Waldbrand am Hartmannsweiler Kopf.
Ein Brand in den Vogesenwaldungen am Hart- mannsweiler Kopf hat den Charakter einer Katastrophe angenommen. Seit zwei Uhr früh bedroht das Feuer die Ortschaft W a 11 w e i l e r. Im Laufe des Vormittags sind neue Brandherde entstanden. Das ganze Thal von Thann bis Gebweiler gleicht einem riesigen Flammenmeer, dessen Schein zehn Kilometer weit sichtbar ist. Zahlreiche im ehemaligen Kampfgebiet verschüttete Granaten sind explodiert. Der Präfekt des Departements Oberrhein hat die Hilfe der Kdl- marer Garnison erbeten, die mit den Feuerwehren der umliegenden Ortschaften an der Bekämpfung des Brandes arbeitet.
Die „Mecklenburger Rachrichten" stellen ihr Erscheinen ein.
Die deutschnattonalen „Mecklenburger Rachrichten" in Schwerin haben nach dreiundfünf- zigjährigem Bestehen am Montag ihr Erscheinen eingestellt. Der Verlag veröffentlicht eine längere Erklärung, aus der ersichtlich ist, daß geschäftliche Schwierigkeiten die Ursache für die plötzliche Einstellung des Blattes gewesen sind. In der Erklärung wird weiter der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß es gelingen möge, bald wieder eine deutschnationale Zeitung in Mecklenburg-Schwerin herauszugeben.
Eine hohe Auszeichnung für General Booth.
Der bisherige Leiter der Heilsarmee, General Booth, ist durch den König von England zum Mitglied des Ordens „Companion of Ho - n o u r" ernannt worden. Der Orden, der im Iahre 1917 geschaffen wurde, ist auf 50 Mitglieder beschränkt und wird für hervorragende Dienste von nationaler Bedeutung verliehen. Titel oder andere Vorteile sind damit nicht verbunden, doch zählt er zu den höchsten Auszeichnungen. die England zu vergeben hat. Die Verleihung hat nicht nur in der Heilsarmee, sondern auch in der breiten Öffentlichkeit starke Befriedigung ausgelöst, da die hervorragenden Verdienste von General Booth auch nach den kürzlichen unerfreulichen Auseinandersetzungen innerhalb der Heilsarmee überall volle Anerkennung finden.
Kanarienvögel
als Versuchstiere bei Malariaforschung.
Daß Kanarienvögel für Malaria besonders empfänglich sind, ist seit langem eine feststehende Tatsache für die medizinische Wissenschaft. Auf Grund dieser Tatsache sind daher seit 10 Iahren an der Universität in Baltim ore Versuche mit Kanarienvögeln angestellt worden, um der Krankheit durch Erkenntnis des Malariaerregers ihre Gefährlichkeit zu nehmen. Das soll nach amerikanischen Berichten jetzt auch tatsächlich gelungen sein. Die in den letzten 10 Iahren gemachten Beobachtungen an infizierten Kanarienvögeln haben zu der Erkenntnis geführt, daß die für die Krankheit verantwortlichen Parasiten ausschließlich in den roten Blutkörperchen vorkommen, wodurch der Medizin eine wirksame Handhabe für die Bekämpfung von Malaria gegeben ist.
Oie Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Unsere Wetterlage steht unter dem Einfluß der westlichen Druckstörung, deren Kern sich nach dem Nordseeküstengebiet verlagert hat. Ihr Vorderseiten- einfluß brachte kräftige Erwärmung, die zu Gewitterstörungen und Niederschlägen führte. Mit dem Zustrom kühler Lustmassen an der Rückseite der Störung bleibt das Wetter veränderlich. Allmähliche Erwärmung und wechselnde Bewölkung sowie einzelne Schauer bestimmen morgen den Witterungscharakter.
Wettervoraussage für Mittwoch: Wechselnd wolkiges Wetter mit Aufheiterung, leichte Abkühlung, vereinzelte Schauer.
Wettervoraussage für Donnerstag: Mäßig warmes und wolkiges Wetter, noch Neigung zu ftrichweifen Niederschlägen.
Lufttemperaturen am 29. April: mittags 18 Grad Celsius, abends 9,8 Grad: am 30. April: morgens 11 Grad. Maximum 19 Grad, Minimum 5,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. April: abends 14,4 Grad: am 30. April: morgens 9,1 Grad. — Niederschlag 2,8 mm. — Sonnenscheindauer 23A Stunden.


