Ausgabe 
30.4.1929
 
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viemtag, ZV. Apnl 1929

Nr. 100 Erstes Blatt

179. Jahrgang

jebe Reform als völlig überflüssig erklärt. Man muß sich also darauf gefaßt machen, daß gerade diese Staaten jeder aktiven Behänd- lung der Minderheitenfrage auf das schärfste widerstreben werden. Da auch von der Sette der Westmächtc zum mindesten keine Sympathie für die deutschen Vorschläge zu erwarten ist, wird das Ergebnis der Minderheitendebatte aus der Junitagung des Völkerbundsrates nicht gerade überwältigend sein.

Das neue dänische Kabinett.

Kopenhagen, 29. April. (WTB.) Der König hat der neuen Ministerliste seine Zustimmung er- teilt. Die Liste setzt sich aus neun Sozial­demokraten und drei Mitgliedern der radi­kalen Linken zusammen. Ministerpräsident S t a u n i n g übernimmt auch das Ministerium für Seeschiffahrt und Fischerei. Die Ministerien des Aeußeren, der Justiz und des Innern sind mit den Radikalen Munch, Zahle und Dahlgaard besetzt.

peinliche Zwischenfälle in Oppeln. Jugendliche Nationalsozialisten stören einepolnischeTheateraufführungTätliche Beleidigungen der Schauspieler. - Prompte Wirkung in Polnisch-Oberschlesien.

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Dr. Friedr. Will). Lange. Verantwortlich für 'Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Mc^ Filter, sämtlich in Gießen.

B e r I i n , 29. April, (prioafinformation.) Die An­wesenheit des Reichsbonkpräsidcnten Dr. Schacht in Berlin, die auf zwei Tage bemessen ist, Hal heute vormittag zu einer Besprechung des führen­den deutschen Sachverständigen mit dem Reichskanzler und den drei Res- ortministern, dem Reichsauhenminister, dem Reichsfinanzminister und dem Rcichswirlschaftsmini- ter, geführt. Eine veränderte Haltung der deutschen Sachverständigen wird sich daraus gutem vernehmen nach nicht ergeben. Die deutschen Sachverständigen hoben von vornherein ihre Aufgabe, den Verein­barungen entsprechend, so ernst genommen, daß eine Abänderung ihres Standpunktes mit dieser Aufgabe nicht vereinbar erscheint. Es ist aber auch verfrüht, von einer Diplomatenkonfe- renz oder irgendwelchen anderen Bemühungen zu reden, die an Stelle der Sachverständigenarbeit treten könnten, nenn diese abgeschlossen sein wird. Einstweilen ist der Bericht über den Verlauf der Kon­ferenz noch in seinem Endergebnis nicht zu über­sehen: es ist aber durchaus denkbar, daß ;w e i o d e r drei voneinander abweichende Ansich­ten niedergelegt werden. Der in offenkundig polemischer Absicht gegen die deutsche Delegation er­hobene Vorwurf, sie habe mit ihrem Vorschlag P o - litik getrieben, ist inzwischen selbst von fran­zösischen Zeitungen zurückgenommen bzw. in die Feststellung abgeändert worden, daß die betr. Fragen sehr wohl Gegen st and künftiger Arbeiten der geplanten Reparations­bank werden könnten.

Steuert Paris auf eine Oiplomatenkonferenz zu?

Paris. 30. April. (W.T.B.-Funkfpruch.) Ge­gen den Gedanken einer politischen Konfe­renz für den Fall, daß die Sachverständigen zu keinem Ergebnis kommen sollten, wendet sich heute dasJournal". Es schreibt: Wenn die Konfe­renz der Finanzsachverständigen in Paris schei­tert, dann wird in dieser Hinsicht darf man

und mit aller Schärfe durchgeführt werden, bereits zur Festnahme von 10 Personen geführt. Der Oberpräsident hat dem polnischen Generalkon­sulat in Beuthen sein Bedauern über die Vor­fälle ausgedrückt und erklärt, daß alles geschehe, um die Täter zu ermitteln und der notwendigen Sühne zuzuführen. Der bedauerliche Vorgang muß, wie die Blätter bemerken, um so schärfer ver­urteilt werden, als deutsche Theater­truppen in dem polnischen Teil Oberschlesiens, so vor allem im Kattowitzer Stadttheater, seit Jahr und Tag deutsche Stücke in deut­scher Sprache spielen.

Oie ersten Folgen.

Polnische Vergettungsmatznahmen in Kattowitz.

K a t t o w i h, 30. April. (Priv.-Tel.) Die Aus­schreitungen während und nach dem sonntäglichen Gastspiel der polnischen Kattowitzer Oper in Oppeln haben für die deutsche Minder­heit in Polnisch-Oberschlesien emp­findliche Folgen gehabt. Dor dem K a t t o- wiher Stadttheater sammelten sich am Montag gegen Abend große Massen demostrie- rendcr Polen, die energische Vergel­tungsmaßnahmen forderten. Der Vorstand der deutschen Theatergemeinde in Kattowitz wollte dem Direktor des polnischen Theaters in Katto­witz sein Bedauern über die Oppelner Vor­gänge aussprechen, wurde aber von den erregten Schauspielern zum sofortigen Verlassen desTheaters aufgefordert, und bis auf weiteres ist den Organisatoren der deutschen Theaterabende das Betreten des Thea­tergebäudes untersagt worden. Das Bureau und die Kassenräume der deutschen Theatergemeinde wurden geschlossen, die deut­schen Schilder überstrichen, die deutschen An­schlagszettel an den Säulen und in den Straßen­bahnen unkenntlich gemacht. Die deutschen Par­teien und Verbände in Polnisch-Oberschlesien haben in offiziellen Erklärungen energisch gegen die Oppelner Vorgänge Stellung genommen.

Der Reichsbankpräsidenl berichtet in Berlin

Kein neues deutsches Angebot. - Oie Gestattung des Schlußberichts.

Zehn Zchre Konferenzen.

Vor 10 Jahren, am 29. April 1919, traf die deutsche Friedensdelegation in Ver­sailles ein. Sie war 80 Köpfe stark und hatte sechs eigentliche Delegierte: den Reichsaußen­minister Grafen Brockdorff-Ranhau, , bcn Rcichspostminister Giesberts, den Reichsjustizminister Dr. Landsberg, den Prä­sidenten der preußischen Landesvcrsammlung Le inert, den Abgeordneten Professor Dr. ' Schütting und den Hamburger Bankier Dr. Melchior zu Führern. Beigegcben waren ihr der damalige Ministerialdirektor und Leiter der Rechtsabteilung im Auswärtigen Amt, Dr. Simons, nachmals Reichsaußenminister und Reichsgerichtspräsident, der spätere Rechtsbera­ter des A. A., heute Ministerialdirektor Dr. Gaus, und eine große Anzahl Sachverständiger für die verschiedenen militärischen, finanziellen, wirtschaftlichen und sonstigen Fragen. Seit dieser Konferenz, die bis in den Juni hinein dauerte und ergebnislos abgebrochen wurde, weil die Gegen­seite diktieren wollte und schließlich auch dik­tiert hat, sind ihr viele weitere gefolgt, bis jetzt, wiederum in Paris, eine entscheidende Konferenz über die Reparationsfrage statt« findet.

Es seien hier nur einige der wichtigsten ver­zeichnet: die Konferenz von Spa. die im Juli 1920 stattfand und das System der Barzahlungen und Sachlieferungen, ohne Rennung einer End­summe, aber auf 30 Jahre begrenzt, deutsch^- seits zum Ziele hatte. Sic war ergebnislos. Cs folgte die Pariser Konferenz vom Januar 1921, bei der Deutschland nicht offiziell zugczogen war, aber die Gegenseite Forderungen aufstellte, die von 2 bis 6 Milliarden im Jahr steigen sollten, diese letztere Summe wurde vom l.Mai 1932 ab verlangt. Die Zahlungen sollten von 1921 bis 1962 laufen und um je 12 Prozent vom Wert der deutschen Ausfuhr erhöht werden. Es folgte die Londoner Konferenz vom 1. bis 7. März 1921, auf der Dr. Simons 50 Mil­liarden Gegenwartswert als deutsche Leistung vorschlug; hiervon sollten 20 Milliarden für den Böcrt der vorangegangenen Ablieferungen abge­rechnet werden. Rach längeren Verhandlungen kam das bekannte London er Ultimatum in einer zweiten Konferenz in London vom 30. April bis 5. Mai 1921, das 132 Milliarden Goldmark, unter Anrechnung von nur 8 Milliar­den für die vorherigen Leistungen verlangte und durch die sogenannten Sanktionen, Besetzung von Duisburg, Düsseldorf und Ruhrort, Zollgrenze zwischen besetztem und unbesetztem Gebiet Mw., erzwungen werden sollte. Ein Stundungsgesuch, das deutscherseits am 14. Dezember 1921 gestellt wurde, führte zu der Konferenz von Can- ne s: sie wurde wegen des Sturzes des^Kabi­netts Briand am dritten Tage, am 13. Januar 1922 abgebrochen. .r

Es folgten Sitzungen der Reparationskommis- fion und des sogenannten Obersten Rates in den nächsten Monaten, die man aber als Konferen­zen nicht ansprechen kann; die Konferenz von Genua, die sich nicht ausschließlich aus Pie Reparationsfrage beschränkte, sondern den Charakter einer Weltwirtschaftskonferenz trug und bei der Deutschland zum erstenmal volle Gleich­berechtigung genoß, tagte vom 10. April ms 19 Mai 1922 und führte u. a. zum vertrage von Rapallo am 16. April. Vom 7. bis 14. Aug. 1922 tagte eine neue Londoner Konferenz wegen eines deutschen Stundungsgesuchs, das ab- aelchnt wurde. Es folgte eine Wahrungskonfe- renz der internationalen Sachverständigen in Berlin 2. bis 10. November 1922, Entente­konferenzen in Lon d o n und Paris und nach dem dazwischenliegenden Ruhreinbruch die Lon doner Daweskonfereng vom 16. Juni vis 17 August 1924. Mit Locarno, 5. bis 16 Ok­tober 1924 ist die Reihe der internationalen Kon- fermen vor der jetzigen Sachverstandigenkonfe- renz abgeschlossen. Es sind also mindestens zwölf große Konferenzen wegen der Fr.edensvertrage und des Reparationsproblems bereits abgchal- ten worden ungerechnet die vielen internen Äon» Aenzendep ehemaligen Entente oder diezenigen, die sich mit Deutsch laich mcht berührenden Fra- aen b3aßt haben. Rechnet man Zeit und Kosten dieser Verhandlungen, so man eme end­gültige und abschließende Rege ung auch unter diesem Gesichtswinkel dringend fordern.

Oie Minderheitendenkschrist der Kleinen Entente.

Zcdc Reform ist überflüssig.

Berlin. 29. April. (Pr^'E^-^K^- liegt auch die Denkschrift der Lan^rr der K e n e n E n t e n t e zur

ihr Urheber darf der griechische Rolkerbundsve treter P o l i t i s gelten, derselbe Mann der bei den Minderheitendebatten in Genf d e ^Hese Mello Francos von der allmählichen Auf sang ung der Minderheiten verteidigt hat Cs ist begreiflich, daß gerade bie Staaten der Klei ncn Entente, also Rumänien. Sud la Wien und die T sch e ch o s l o w a k c i, zu oe- uen in diesem Fall noch Polen und ®ne chenland treten, in der Mm^rhettenfrage c besonders schlechtes Gewissen haben. Sind sw es doch gerade, die in ihren Staaten iede ge rechte 'Minderheite,ipolitik auf das.

sabotieren. Das jetzt geltende Minderheiten verfahren, dessen Wirkungslosigkeit .bekanntlich

Anstoß zu Stresemanns Vorstoß im Roller- gegeben hat, wird als Ideal bezeichnet.

keine Illusion bestehen lassen die Frage a u f lange Zeit begraben sein, bis die Um­stände die Wiederaufnahme der Verhandlungen erheischen und dann zweifellos unter weit we­niger günstigen Bedingungen. DasOeuvre" ist anderer Auffassung. Es erklärt, die Welt werde nicht einstürzen, wenn die Sachverständigen nicht zu einmütigen Schlußfolgerungen gelangen. Die Regierungen würden jedoch in dem Bericht, den man ihnen zustellen werde, a u s g e z e i ch - nete Anregungen finden. Die Frage, was Deutschland etwa für die vorzeitige Räumung des Rheinlandcs zu zahlen geneigt sei. könne brutal gestellt werken, jedoch könnten nur die Staatsmänner sie lösen. Bis dahin sei der Zwischenakt ohne Gefahr, denn der Dawesplan besteht ja weiter. AuchQuo-- tidien" vertritt einen demJournal" entgegen­gesetzten Standpunkt. Er erklärt: Das Wort haben die Regierungen.

Oie französischen Kredite in Oeutschland.

Berlin, 30. April. (TU.) 3n einem Brief an die DAZ. erklärt der Leiter des Pariser Bureaus des deutsch-französischen Studienkomi­tees, D i e n o t, daß nach seinen Informationen im Gegensatz zu der Veröffentlichung derDAZ." weder die Regierung noch die Bank von Frankreich die Anordnung ge­geben hätten, in Deutschland untergebrachte französische Kredite zurüttzuziehen. Demgegenüber stellt dieDAZ." noch einmal ausdrücklich fest, daß den deutschen Inhabern französischer Kredite in der Tat bei deren Zu­rückziehung von den betreffenden französischen Kreditgebern mitgeteilt worden ist, daß die Zu­rückziehung in Verfolg einer allgemei­nen Weisung erfolge. Inzwischen habe aller­dings in Paris ein anderer Wind zu wehen begonnen. Das sei aber erst geschehen, nachdem die dortigen Stellen erkannt hätten, daß ihr Vorstoß völlig wirkungslos habe verpuffen und nur ihnen selbst zum Schaden gereichen müssen.

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Ein Ermächtigungsgesetz?

Berlin, 30. April. (Priv.-Tel.) Im Augen­blick ist cs zwar um die innerpolitische Krise, um das Versagen der Parteien und den Spuk einer Parlamentsauflösung still geworden, aber um so interessanter ist die Tatsache, daß sich auch jetzt noch ernsthafte Kreise, vor allem der Deut­schen Volkspartei, ganz konkret mit der Forde­rung nach einem Ermächtigungsgesetz be­schäftigen. Anlaß für eine solche Politik bietet die Entwicklung der finanziellen Lage, die wieder neu aufgctauchten Gerüchte über eine nicht mehr zu umgehende Steuer- erhöhung spätestens im Herbst dieses Jahres, womit natürlich eine neue schwere Belastung für die Große Koalition zweifellos gegeben ist. Daneben spielt das Anwachsen der raöi- k«a I en Strömungen eine gewisse Rolle. So taucht der Gedanke, der Innenpolitik durch ein Ermächtigungsgesetz zu einer stärkeren Zusmn- menfassung und zielklareren Führung zu ver­helfen in voltsparteilichen Kreisen erneut wie­der auf, wobei man diese Forderung schon jetzt erhebt, um vorbeugend dem gefürchteten Druck ernster Rot rechtzeittg entgegenwirken zu kön­nen. Interessant ist, daß die Liste der in diesen volksparteilichen Kreisen für die Durchführung eines solchen Ermächtigungsgesetzes genannten Rarnen außerordentlich vielseitig ist und von dem sozialdemokratischen preußischen Minister- Präsidenten Otto Brann bis zu dem der Volks­partei nahestehenden Dr. Luther reicht. Es cheint. daß die Rede Brauns im preußischen Landtag vor knapp einer Woche zur Pariser Reparationskonserenz die Popularität dieses Mannes auch über seine Parteikreisc hinaus ver­größert hat. Auch der preußische Finanzminlster Höpter-Aschoff und der Zcntrumsabgevrd- nete Brüning, der sich vor allem auf sozial­politischem und finanziellem Gebiete betätigt, werden in diesem Zusammenhänge genannt. Es scheint also, daß der Gedanke eines Ermächti­gungsgesetzes vor allem angesichts des voraus­sichtlichen Mißerfolges in Paris zwar in der allgemeinen Diskussion zurüttgetrcten ist, aber immer noch eine gewisse Rolle spielt.

Oer 1. Mai in Berlin.

.Höchste Alarmbereitschaft der Polizei.

Berlin, 29. April. (WTB.) Der Poli­zeipräsident hat für den l.Mai bereits von den frühesten Morgenstunden ab die höchst c Alarmbereitschaft für die Schutz­polizei angeordnet. Der Streifen- und der Postendienst werden ganz erheblich verstärkt, ebenso der Straßenaufsichtsdienst durch den Einsatz zahlreicher Kraftwagen st re i- f e n zu den Ueberfallkornmandos. Mit Rück­sicht auf die wiederholt von den kommunistischen Demonstrationen an einzelnen Schutzpolizisten ver­übten Tätlichkeiten werden am l.Mai alle Strei­fen so stark sein, daß sie sich überall durchsetzen können. Fliegende Wachen und sonstige Reserven an den Brennpunkten des Verkehrs haben die Aufgabe, an wesentlichen Plätzen und dergleichen jede Demonstration zu unterbinden. Ihr besonderes Augenmerk haben die Schuh­polizeibeamten auch darauf zu richten, daß die öffentlichen Verkehrsmittel nicht behindert werden.

Schwere Kommunistenübersälle aus die Polizei.

Berlin. 29. April. (WB.) In den Abend­stunden des Montags kam es an den verschieden­sten Punkten der Stadt zu kommunisti­schen Zusammenrottungen unö 11 eber­füll e n auf Polizeibeamte. Die Kommu­nisten wandten ihre übliche lleberfalltaktik an. Auf ein Kommando sammelten sich plötzlich an Brennpunkten des Verkehrs Rotten von 200 bis 300 Mann in Zivil und fingen an, Riederrufe auf die Polizei auszubringen. Sobald dann Polizeibeamte einfchritten, fielen sie über diese her. Besonders schwer war ein Zusammenstoß, der sich gegen 7*/2 Uhr abends auf dem Potsdamer Platz ereignete, wo plötzlich etwa 200 Demonstranten auf tauchten, die ver­suchten, im geschlossenen Zuge in die Leipziger Straße zu marschieren, und die ihnen entgegen­tretenden Polizeibeamten tätlich angriffen. Da­bei ist einer der Beamten erheblich ver­letzt worden, da er zu Boden geworfen und mit Stiefelabsätzen bearbeitet wurde. Sechs Per­sonen wurden feftgenommen. Ebenso kam es zu einer Zusammenrottung vor dem Gebäude desVorwärts", bei der einer der Haupt- heher schließlich festgenommen wurde. Aehnliche Vorfälle spielten sich noch am Richard-Platz in Reukölln ab. wo sechs jugendliche Mitglieder des Jungspartakusbundes festgenommen wurden, und in der Gneifenaustrahe, wo beim Einschreiten der Polizei ein Wachtmeister durch Schläge er­hebliche Kopfverletzungen erlitt. Wie der kom­munistischeBerlin am Morgen" mittcilt, ist von der Staatsanwaltschaft gegen drei Redakteure der BerlinerRoten Fahne" ein Verfahren wegen Aufforderung zum Wider st and gegen die Staats- ' gcwalt eingeleitet worden.

Dor neuen Kemeprozeffen.

t Berlin, 29. April. (Priv.-Tel.) Da der Reichs­tag im vorigen Jahr, nicht den Mut aufbrachte, die i Generalamnestie auch auf die sogenannten Feme- i mörder restlos auszudehnen, wird uns die nahe Zu­kunft eine Reihe neuer Prozesse bescheren, in deren

Oppeln, 29. April. (WTB.) Der Oberpräsident der Provinz Oberschlesien veröffentlicht einen Be­richt über bedauerliche Vorfälle, die sich nach einem Gastspiel der Kattowitzer Oper im Oppelner Stadttheater ereignet haben. Aus dem umsangreichen Bericht ist u. a. folgendes zu entnehmen: Der Polizeipräsident von Oppeln hatte anläßlich des Gastspieles besondere Vor­sorge zur Verstärkung der sonst üblichen Theater- wache im Eingang des Theaters, sowohl als auch im Theater selbst getroffen. Die Aufführung verlies im allgemeinen ungestört, außer, daß zweimal Stinkbomben geworfen wurden. Es wurden darauf in einer Loge insgesamt zehn Jugendliche festgenommen, die der N a t i o n a l s o z i a l i st i - schen Arbeiterpartei angehören. Sie waren nicht im Besitze einer Einlaßkarte. Als vor dem Schluß der Vorstellung sich vor dem Thea­ter eine große Menschenmenge ansam melke, forderte der diensttuende Polizeioffizier eine erhebliche Verstärkung an. Nach Schluß der Vor­stellung traf der persönlich anwesende Polizeipräsi­dent Mai selbst die notwendigen Anordnungen, um ein unbehelligtes Wegfahren der Mitglieder des Kattowitzer Theaters zur Bahn zu gewährleisten. Diese waren durch den Anblick der vielen Menschen auf dem Ringe, welche stark lärmten, in große Auf­regung geraten. Der Polizeipräsident ließ durch Be­amte der Kriminalpolizei beruhigend auf die Men­schenmenge einwirken. Während dieser Zeit hatten die Mitglieder des Kattowitzer Theaters bereits vor­zeitig ohne Wissen des Polizeipräsidenten das Theater verlassen, so daß es unmöglich ge­worden war, ihnen auf dem Wege zur Bahn polizei­lichen Schutz zu geben. Als die Polizeibeamten am Bahnhofseingang eintrafen, hatte die Theatergesell­schaft bereits den Bahnhof betreten und war hier von einigen jungen Burschen ange­griffen worden. Nach den Feststellungen des Bahnarztes haben die Angegriffenen Verletzungen erheblicher Art nicht erlitten. Es handelt sich um kleine Stirnwunden, eine Armkontusion und um Kratzwunden im Gesicht bei mehreren anderen Per­sonen. Im Laufe des Montags haben die polizei­lichen Ermittlungen, die noch nicht abgeschlosien sind,

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

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