Ausgabe 
30.3.1929
 
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Samstag, 30. Mär; MO

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen)

Nr. 75 Zünfte; Blatt

folgt.)

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Olun kam die Papierschere und wollte die

Oer Kragen

(Aus dem Dänischen v.L.Tronier - Funder.)

gerade Vas vtuck weitzen Papiers, oas wir yier sehen und worauf die Geschichte gedruckt steht. Lind das geschah, weil er hinterdrein so ge­waltig mit allem möglichen prahlte, was sich ganz anders zugetragen hatte. Lind daran sollen wir denken, damit wir es nicht ebenso machen; denn man kann nie wissen, ob wir nicht auch einmal in einem Lumpenkasten enden und als Weihes Papier unsere ganze Geschichte samt allen Ge­heimnissen aufgedruckt bekommen und damit her- umlaufen und sie selbst erzählen müssen, wie es dem Kragen geschah.

e aufnahmefähig Sie rsame hier find. So« m Heim da oben am rient wird Sie bald mich, und Wohl nie

mer tocltentrüdt auf . unten, auf das un> aus dem die Inseln drüben in der Ferne Rauchwolken am Hori- nsucht nach der alten dampf fragte Sri« 18 ihrer Ergriffenheit

deutung dieses Fundes tagte damals Professor Borchardt:Bon Amcnopycs IV. gibt cs schon viele gute Beliess, auch viele, die ähnliche Fo- milienlzcnen darstcllen; aber ich glaube nicht zuviel zu sagen, das; es ein so gutes Familienbild aus dieser Zeit noch nicht gab. Ganz abgesehen von der tadellosen Erhaltung der Farben stellt schon allein die Feinheit uni) Freiheit der Zeichnung dieses Bild in die erste Reihe. Aber noch etwas anderes macht das Bild wertvoll: cs ist näm­lich das ä l t c st c Klappaltarlüld." Bom archäo- logischcri und ägyptologischen Standpunkt aus ilt dicscr Klappaltar sicherlich noch wertvoller als der Kops der Königin Rcphretete womit nicht be­hauptet werden soll, das; er ebenso schön und künstlerisch bedeutend sei.

Rach ägyptischem Recht fällt die Hälfte der Funde, die ein Forscher ausgräbt, an die ägyptische Regierung. Am 20. 3a- nuar 1913 wurden die wertvollen Stücke, die Prof. Borchardt gefunden hatte, von dem Ehesinspektor Lcfivrc im Aufrag des Leiters der ägyptischen Antiicn-Abtcilung in zwei gleiche Teile geteilt. In Kairo blieb der Klappaltar, während der Kopf der Rcphretete nach Berlin wanderte. Darüber besteht ein Protokoll, das in den Hän­den der ägyptischen Regierung ist. und durch das jeder Rechtsstreit ausgeschlossen sein sollte. Bon einem Schmuggel oder irgendeiner anderen gesetzwidrigen Handlung der deutschen Forscher, denen das ägyptische Volk für ihre Arbeit zu Dank verpflichtet ist. kann also keine Rede sein. Die Ägypter begehen ein gros;es Unrecht an Professor Borchardt, wenn sie ihn wegen des Konfliktes daran hindern, seine wichtigen wissen­schaftlichen Arbeiten fortzusctzen. Die ägyptischen Ansprüche können keinesfalls damit begründet werden, daß in den verflossenen 14 Jahren die Beamten gewechselt haben, so dah nun an der Spitze des zuständigen ägyptischen Berwal- tungszweiges der Franzose L a e a u steht, der der deutschen Forschung nicht wohlgesinnt ist. Aeghptische Zeitungen haben Deutschland einmal aufgefordert, eineschöne Geste" zu zeigen und den strittigen Kopf zurückzugebcn; ein internatio­nales Schiedsgericht, das von deutscher Seite an­geboten wurde, wäre aber zweifellos besser ge­eignet, den Streitfall ohne Verletzung nationaler Gefühle zu schlichten.

Einführung von Gerichtskostenmarken bei den hessischen Gerichten.

Einem aus Kreisen der Wirtschaft wiederholt geäußerten Wunsche entsprechend werden vom 1. April 1929 an auch bei den hessischen Gerichten Kostenmarken eingeführt. Sie werden in Werten von 5, 10, 20 und 50 Pfennig, sowie von 1. 2, 3. 5. 10, 20 und 50 Mark ausgegeben und können zur Begleichung von Kostenschulden bis zu 500 Mk. verwendet werden. Den Rcchtsuchenden kann im eigenen Interesse nur dringend empfohlen werden, von dieser neuen Einrichtung Gebrauch zu machen, da sie durch Zahlung mit Kostcnmarken zu einer beschleunigten Erledigung ihrer Rechtssachen selbst wesentlich beitragen können, namentlich in denjenigen Fällen, in welchen die gerichtliche Tätigkeit von der Dorausentrichtung der Kosten abhängig ist. Reichsgesetzlich ist die Vorauszahlung einer Ge­bühr vorgeschrieben 1. beim Antrag auf Erlaß eines Zahlungsbefehls; 2. beim Antrag auf Be­stimmung eines Termins zur mündlichen Ver­handlung nach Erhebung des Widerspruchs; 3. bei Einreichung eines Güteantrags; 4. bei Einreichung einer Klageschrift sowie bei Erwei­terung des Klageantrags, falls dadurch eine hö­here Gebührenstufe erreicht wird; 5. beim Lieber­gang von einem Güteverfahren zum Streitver­fahren; 6. bei Einlegung der Berufung. Die Vorauszahlung eines Gebührenvorschusses ist Dor- geschciebcn bei Erhebung einer Privatklage. Auch die Gebühren, die infolge eines Arrestantrags oder eines Antrags auf Forderungspfändung

raucht, es ist eine Lust zu fahren!

Die Amerikaner, die ja alles besser wissen, be­haupten, wenn sie solche Aussichtspunkte hät­ten, solche Sehenswürdigkeiten, solche Baedeker- sterne, dünn wären die durch glatte Straßen ver­bunden und. sehen die Deutschen hinzu, durch einladende Lokale erträglich und ertragreich ge­macht. Die Schweizer gar träumen Kaffeestübli und Küchliwirtschaften hinzu.

Rur eine, dafür um so rühmlichere Ausnahme von den wildromantischen Schuttmoränen der rö­mischen Straßen gibt es: die Via del Marc, diese schnurgerade Rennbahn nach Ostia, die nur von Personenwagen befahren werden darf. Da war Mussolini dahinterher. Rehmen wir an. er werde auch mit der Zeit anderswo nach dem Rechten sehen. Am besten, er würde, wie früher, selber in den Volante greifen. Raste er nicht immer nächtens nach Rettuno? Rettuno liegt dicht neben Anzio. dem mondänsten Seebad, wie verschossene Plakate behaupten, was aber von dem Pinetastrand Fregcne bestritten wird. Auf dem Wege dorthin bleibt man aber leider im Schotter stecken. Kehren wir also um und fahren wir nach Rettuno.

Wir fahren und mahlen. Cs soll Sizilien- fahrcr geben, die von ihrem Wagen nur die Erinnerung mit nach Hause gebracht haben. So arg ist das ja nun hier nicht, aber engbrüstige und schwachbeinige kleine Serienwagen tun doch besser, auf dem hauplstädtiichen Asphalt zu blei­ben. Die Lokomotive eines Isotta-Fraschini oder ein erdbebensicherer Mercedes können vielleicht aus die steinige Geschichte Pfeisen, wir dazwischen aber, wir vom Mittelgewicht, wir fahren und mahlen und rechnen: Macht 140 Kilometer Schot­ter. 3 Reifenpannen. 2 Verstauchungen, 32 Liter Benzin zu je 2.15 Lire. 1 Kovfbeule. eine Hand­voll wilder Rarzisscn. 1 Svlitter im Benzintank. 2 im Leder, 2 Schüsseln Spaghetti und einen hal­ben Liter Goldgelben, letzteres zusammen für 7.80 Lire. Die wundersame Osterlandschaft gratis. Das Meer zum Lhrischwerden. Die Murillo- kinder mit den Tollkirschenaugen als erheiternde Tafelmusik. Lind die hochhüftigen Mädels von Rettuno nun. es ist ja bekannt, daß ihre langen Deine schon Horaz besungen hat, wenn es nicht sogar der heroische Homer war ...

Da vergißt man die lange Schotterrechnung. Ist fast ein bisserl froh darüber, daß die Götter den Schweiß vor die Tugend gesetzt haben, di« Landstraße vor die Schönheiten Italien».

Sie würden ia sonst über Imitat

Mitte zwischen Kairo und Luksor, der am rechten Llfer des Rils gegenüber von Mellawi und Dcrut am Rand der arabischen Wüste liegt. El Amarna bestand nur 30 Jahre. Die Raa)' folger desKetzer-Königs' kehrten zur alten ägyptischen Religion zurück, schlugen wieder in Theben ihre Residenz auf und zerstörten alles, was an Amenophes erinnern konnte. El Amarna verfiel, und der Sand der Wüste bedeckte all­mählich die Trümmer der Pharaonenstadt. in der vor drei Jahrtausenden unermeßliche Kunst­werke vernichtet worden sind; denn unter Ame­nophes IV. erreichte das ägyptische Kunsthand­werk einen Höhepunkt wie nie zuvor und niemals später.

Rcphretete war die Gemahlin des Sonnen­königs Amenophes und die Schwiegermutter Tutenchamons, dessen Geschichte weiten Kreisen bekannt geworden ist, als seine Mumie enthüllt wurde. Seit dem Jahre 1908 ließ die Deutsche Orient-Gesellschaft in El Amarna Ausgrabungen vornehmen, die Hauptstraße der Stadt freilegen und planmäßig die Aufdeckung des ganzen Ortes in Angriff nehmen. Deutsche Forscher, die fid) auf dem Gebiet der Aeghptologie sehr verdient gemacht haben, drangen auch in das Grundstück und die Werkstatt des Oberbildhauers T h u t m e s ein, der im Dienst des vierten Amenophes stand, und den man ohne Uebertreibung einen der größten Bildhauer aller Zeiten und aller Völker nennen kann. Ende Rovember 1912 nah­men die Forscher unter der Leitung Professor Dr. Ludwig Borchardts ihre Arbeiten wie­der auf, und schon wenige Tage darauf wurde ein Stück gefunden, das die Rähe einer Dild- hauerwerkstatt anzeigte: eine unvollendete Kalk- steingruppc, die König Amenophes darstellt, wie er eine seine Töchter küßt. Bald folgte Fund auf Fund, bis sich die Gelehrten zu der Modell- fammer des Oberbildhauers durchgearbeitet hatten. Dort standen wertvollste Plastiken in so großer Zahl, daß die Forscher zunächst nur Proto­kollieren und registrien konnten, während sie die endgültige Verarbeitung der Funde, die mehrere Jahre in Anspruch nehmen mußte, auf spätere Zeit verschoben.

Das wertvollste Stück aus dieser Modell­kammer ist nun zweifellos der Kopf der Kö­nigin Rcphretete. der von einem großen, buntbemalten Aufputz geschmückt wird und dessen dekadente Linie von vollendeter Schönheit sind. Auf einem schmalen, langen, edelgeformten Hals thront ein feingeschnittener Kopf mit leicht einge­fallenen Wangen, geschwungenen Augenbrauen, einem herrlichen verführerischen Mund, dem länglichen Kinn, das ägyptische Köpfe jener Zeit besitzen, und einem Auge es ist nur ein Auge ausgeführt dessen Schönheit jeden Beschauer tief ergreift Man hat auch den Entwurf zu diesem Kops gefunden, ein gröber ausgeführtes Modell, dessen Gesicht zu voll geraten war und dem auch der kränkliche Zug unter den inneren Augenwinkeln fehlte. An diesem Modell hat Meister Thutmes mit festen, schwarzen Pinsel- strichen die nötigen Korrekturen angebracht, die dann bei der Ausarbeitung der endgültigen Düste verwendet worden sind.

Fast gleichzeitig grub man dicht an der Außen- mauer von El Amarna einen Klappaltar aus, der ebenfalls bunt bemalt ist. Leicht und lässig sieht man auf ihm Amenophes auf einem Sessel, ihm gegenüber sitzt Rcphretete, dazwischen erblickt man seine drei Töchter; die Familienszene ist überstrahlt von der göttlichen Sonne, dem religiösen Symbol jener Zeit. Lieber die De-

Erste Ausfahrt.

Don Gustav W. Eberlein, iRom.

Kühler und Herzen sind aufgetaut, Schnee schimmert nur noch fern auf den Abruzzen, die Straße hat uns wieder. Fahren wir aus.

Gehen wir spazieren, sagt man anderswo. In solchen Gegenden, wo sich Fußwege durch Wiesen und Felder schlängeln, eine Dank im Walde wartet und am Ziele vielleicht gar eine gemüt­liche Gaststube winkt. Dinge, die uns in Rom vom Hörensagen bekannt sind oder von den Fe­rien, in denen es die Fremden unwiderstehlich in die nordische Heimat zieht.

Roch ist es nicht so weit, ergeben wir uns in unser Schicksal, das Straße heißt. Die letzte Ausfahrt war eine Mühlfahrt. Abenteurer, die dazwischen angekurbelt haben, behaupten, die Zwischenfahrt sei nichts anderes gewesen als eine Mühlfahrt.

Was das ist? Run. der Haine sagt's. Man fährt als Mühle. Die Räder mahlen. Gemahlen werden die Steine, schöne graue Basaltsteine, weiße Kalksteine, der historische Travertin, der nicht minder antike Peperin, hin- und aufreißende Steinsammlungen, reich ausgestattete Mineralien- kabinettc. mit einem Wort: Schotter. Schotter ist das Lebenselixier unserer Gummireifen. Sie quieken und platzen vor Dergnügen.

Man kannin die Castelli" fahren, nach Fras­cati mit dem echten Tuskulum auf der Höhe, nach Castelgandolfo. dem nun wieder akut ge­wordenen Sommersitz des Papstes, nach Remi, wo jeden Tag die Orgienschiffe des mit Recht so berüchtigten Caligula ans Licht kommen kön­nen. Oder ins Tiberdelta oder auf Geratewohl in die Campagna oder in die Maremmen der Schotter läßt dich nicht aus. Er ist der Schatten deiner Reifen, er nimmt sie bis zum Ventil in seinen Schoß, er spritzt, daß es wie Maschinen- gewehrfeuer aut den Lack deines Gehäuses trom-.

Um den Kopf einer Königin.

Aegypten verlangt Aephretete zurück. König Fuads Besuch in Berlin. Ein kostbares Gastgeschenk.

Don Or. Walther Hötiing.

In Berlin erwartet man den Besuch des ägyptischen Außenministers H a f e z Dey, der König Fuads Europarcise vorbereiten will. Er wird bei dieser Ge­legenheit Verhandlungen über die Rück­gabe des wertvollsten Stückes in der Aeghptischcn Abteilung des Berliner Reuen Museums, der Büste der Köni­gin Rcphretete, einzulciten versuchen.

Eine schone Frau entfacht noch nach Jahr­tausenden die Leidenschaften der Völker. Seit mehreren Jahren fordert die ägyptische Regie­rung unter dem Druck der ägyptischen Ratio­nalisten, daß der Kopf der Königin R e p h r e t e t e, die Zierde des Berliner Reuen Museums, in seine Heimat zurückge- bracht werden soll, und vor anderthalb Jahren hat der Streit um das Kunstwerk sogar zu einem diplomatischen Rotenaustausch geführt. Da man inzwischen nichts mehr von der Angelegenheit gehört hat, konnte man glauben, daß sich die Aeghpter endlich mit dem Verlust abgefunden hätten; doch erhebt nun der Außenminister Hafez Bey wiederum die alte Forderung, die, zweifel­los zu Llnrecht, damit begründet wird, dah deutsche Gelehrte das antike Meisterwerk aus dem Rilland hinausgeschmuggelt ha­ben sollen. König Fuad, der in diesem Sommer Berlin besuchen wird, soll beabsichtigen, den Kopf der Königin Rephretetc von den deutschen Gast­gebern zu erbitten; da der Besitz dieser Plastik inzwischen zu einer Prestigefrage für Lleghpten geworden ist, würde König Fuad, wenn er die Büste mit nach Hause bringen könnte, sicherlich auf einigen Dank bet den Volksschichten rechnen können, die ihm bisher wegen seiner england- freundlichen Politik keine Sympathien entgegen­gebracht haben. Da aber an der rechtmäßi­gen Erwerbung des kostbaren Kopfes kein Zweifel erlaubt ist, wird Deutschland dem exoti­schen Monarchen sicherlich diese kostspielige Freude nicht bereiten können.

ES ist verständlich, daß öaS unterdrückte ägyp­tische Volk seine Gedanken gern in die Ver­gangenheit richtet und in Erinnerungen an die Zeiten schwelgt, in denen das Flußgebiet des RilS der Vorort der menschlichen Kultur ge­wesen ist. An der Wiedererweckung dieser Epoche der ägyptischen Geschichte haben deutsche Ge­lehrte mit besonderes großer Tatkraft teil- genommen. Der bekannte Mäzen James Simon gab in uneigennütziger Werse das Geld, um einen der eigenartigsten Orte des alten Aegyp­tens dem Wüstensand wieder zu entreißen und El Amrana, die Stadt, in der der Pharao Amenophes IV. residierte, mit allen Kunst­werken und Baulichkeiten auszugraben. Ame­nophes IV. bestieg vor 3300 Jahren den Thron und regierte zunächst von Theben auS sein Land. Bald befriedigte den grüblerischen Jüng­ling die Verehrung der vielen ägyptischen Gott­heiten nicht mehr; er wurde dem Glauben seiner Väter abtrünnig und schuf einen neuen, fast monotheistischen Kult, der in der Anbetung der Sonnenkraft als des Spenders allen irdischen Lebens gipfelte. Nichts sollte spätere Generationen an die Zeiten seiner Vorfahren erinnern, in denen der Gott Amon als Ge­waltigster unter den ägyptischen Göttern verehrt worden war. Amenophes verlieh sogar die alte Hauptstadt Theben, die ihn zu sehr an den früheren Götterkult erinnerte, und schuf sich eine neue Residenz in El Amarna, einem damals wie heute fast unbesiedelten Platz ungefähr in der

Fasern abschneiden. w

»O, sagte der Kragen,Sie sind wohl Dor- tänzerin? Wie Sie die Deine strecken können! Wirklich das Reizendste, was ich je gesehen habe' Das kann Ihnen fein Mensch nach­machen."

.Das weih ich," sagte die Schere.

.Sie verdienten, eine Gräfin zu werden!" sagte der Kragen.Alles, was ich besitze, ist ein seiner Kavalier, ein Stiefelknecht unb ein Kamm nur die Grafschaft fehlt 7wch."

Freit er etwa?" sagte die Schere. Sie wurde böse und gab ihm noch einen tüchtigen Schnitt. Dann war er entlassen.

Ich werde wohl um den Kamm anhalten müssen." sagte der Kragen.Eigentlich komisch, dah Sie alle Ihre Zähne noch haben, kleines Fräulein. Haben Sie nie an Verlobung gedacht?"

»Ra, das können Sie sich doch denken!" sagte der Kamm. .Ich bin ja mit dem Stiefellnecht verlobt!"

Verlobt", sagte der Kragen. Jetzt gab cs keine mehr, um die er hätte freien können, und deshalb verachtete er die Freierei.

Die Zeit verging, und der Kragen toanberte in den Kasten des Papiermüllers. Dort hatte sich eine grohc Lumpengesellschaft zusammengefunden, die feinen für sich und die groben für sich, wie es sich gehört. Alle rissen den Mund auf beim Erzählen, aber der Kragen am meisten; er war ein ordentlicher Prahlhans.

»Was ich so alles an Geliebten gehabt habe? sagte der Kragen.Tag und Rächt hatte ich keine Ruhe. Liber ich war auch ein wirklich feiner Kavalier, und so voller Stärke! Ich hatte einen Stiefelknecht und einen Kamm, die ich nie ge­brauchte. Sie hätten mich sehen müssen da­mals. hätten sehen müssen, wenn ich auf der Seite lag! Rie werde ich meine erste Geliebte vergessen; sie war ein Gürtel ach, so fein und weich und niedlich! Sie stürzte sich meinetwegen in ein Waschfaß. Da war auch eine Witwe, die für mich erglühte; aber ich lieh sie stehen und schwarz werden. Lind bann die Vortänzerin! Sie war es. die mir den Rih beibrachte, den ich heute noch trage. Sie war so bissig! Sogar mein eigener Kamm war in mich verliebt und verlor alle Zähne vor Liebeskummer. Ja, ich habe so allerlei hinter mir! Am meisten aber schmerzt mich doch die Geschichte mit dem Strumpfband dem Gürtel, meine ich. der ins Waschfaß ging. Ich habe viel auf dem Gewissen; ich sehne mich danach, wieder ein unbeschriebenes Blatt zu

Iwerden!"

Lind das wurde er. Alle Lumpen wurden Weihes Papier, aper aus dem Kragen würbe

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tote betäubt Elenden Auto L bann durch bie »noRt6inne Waren tn ^ben unb Trei- U| zu einen 'Ruf cnJ Qu^obenb, M 1 ®tobt einbog.

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nere Desihungen als ©arten, gesehen zu Een trank sie daS Dagen da» Stadt. >he Chaussee bergan, c Fahrt ging, desto 18 Innern in Hellem tsuhr ihr ein leiser Dale links unten in c Ozean vor ihren

ckm Märchen von Hans Christian Andersen.

SS war einmal ein seiner Kavalier, dessen naiver Hausrat aus einem Stiefelknecht und ! einem Kamm bestand, aber dafür hatte er den schönsten Kragen der Welt, Unbvon diesem Kragen sollen wir jetzt eine Geschichte Horen. Qr war in dem Alter, wo man ans Heiraten denkt; da traf es sich, daß er mit einem Strumpf­band zusammen in die Wäsche kam.

Rein," Tagte der Kragen,habe ich doch noch jemanden so schlank und sein geseh^c, nie efoaä

Weiches und Riedliches! Darf ich um Ihren ^»Den sage"ich nicht!" sagte das^ Strumpfband.

Wo gehören Sie denn hin? fragte der oSer' das Strumpfband war eine von den Der- Ichämten und fand es ungehörig, darauf zu ant- toDs1e' sind wohl ein Gürtel?" fragte der Ära- «icn,so ein Gürtel für bnmtertoegl Ich sehe -schon, Sie sind sowohl zum Ruhen als zum

I «Strumpfband.Mich dünkt auch, ich habe Ihnen durchaus keinen Anlaß dazu gegeben.

Wenn man so schön ist tote 6ie, sagte der «tragen so ist das Anlaß genug!

>Wollen Sie toohl sein lassen, so dtcht heran- zurücken!" sagte das Strumpfband.Ste sehen so "^ch^in" auch ein feiner Kavalier!"sagte. der ^raaen ich habe Stiefelknecht und Kamm! . und das "war gar nicht wahr ; sie gehörten ia 'einem Herrn, aber er prahlte.

|Treten Sic mir nicht zu ?ahc. sagte d Strumpfband.Das bin ich Nicht gewohnt.

Zimperliese!" sagte der Kragen und dann Durde er aus der Wäsche genommen.

Er wurde gestärkt, hing im Sonnenschein auf einem Stuhl "nd wurde dann auf das Platt Trett gelegt. Da kam das heiße Siscn.

.©näbige Staul tagte der Äragen. -M-tlerne Witwe mir wird ganz warm! Ich werde ein Anderer in ihrer 2Iähe. ich bm ganz aieS bem Häuschen, Sie versengen mich ich bitte 36ßumyr6/fagte bas Plätteisen unb ging »or- «e^n über den Äragen hinweg: benn £ bdbete 'ich ein es sei ein Dampfkessel, der our isncn b?hn hinaus und dort Wagen ziehen sollte.

SaUnfaierkgbcrCSrogen ein bißchen an ben

Ränbem - v

lüanfinger Regierung verschlechtert. Wahrend es trch vor Wochen so schien, als ob Tschtang- . saischek durch die Geschicklichkeit seines Ver- Ixmdelns mit der Opposition ohne ernsthaftere ' Auseinandersetzungen fertig werden wurde, ist ; iaht offenbar der Bruch zwischen dem rechten limb dem linken Flügel der Kuomintang, der ! .^incsischcn Rationalpartci. unvermeidlich ge­

worden Die ersten Schüsse sind offenbar schon .^gegangen. Die Verhältnisse entwickeln sich in

Hina mit der in diesem Lande eiacnen iln- hurdjfidotigfeit. Soviel scheint aber festzustehen, 1<]& Tschiangkaischek sich nicht der Mitwirkung »einer Generale ganz versichert halten darf. In trfter Linie ist es F e n g j uh s i a n g, den man 1 rüber einmal den christlichen General nannte, dessen Haltung wiederum ganz im Dunkeln liegt. Auf der Schantung-Halbinsel sitzt ein anderer Aordgeneral, Tschangtschungtschang, und läßt sich von den Japanern im Kampf gegen tie Ranking-Regierung aushalten. Der Haupt- fern des Widerstandes aber liegt in Hank au, jener Stadt am Mittellauf des Vangtseflusses, die einst das Wirkungsfeld desRussen

lerabe das Stück weißen Papiers, das wir hier melt, er ist ohne Anfang und ohne Ende wie die ... - - - - Ewigkeit, wie meinte doch Ulrich von Hutten?

Die Straßenbaukünste blühen, der Kautschuk

Heuer Bürgerkrieg in China?

Lleberraschend schnell hat sich btc_ 2agc ber lianfinaer Regierung verschlechte!

Borodin war.

Von Kanton in Südchina aus war die chine- iische Rationalbewegung ausgegangen. Kanton war die Heimatstadt SunhatsenS, des Schöpfers deS chinesischen Rationalismus. Von dort aus drangen die Truppen vor zwei Jahren in wechselreichen Kämpfen in das Vangtsebecken vor. Die große Doppelstadt Hankau-Wuhan am Mittellauf des Vcmgtse fiel in ihre Hände und wurde provisorisch zur nationalen Hauptstadt ge­macht. In diesen Zeiten war es, daß die chine- lifche Rationalbewegung tn losere Verbindungen mit den russischen Bolschewisten trat und sich deren Hilfe gern gefallen ließ. Damals kam auch Tschiangkaischek, der jetzige Staatspräsident der Rationalregierung in Ranking allmählich cmpor. Die nationale Bewegung dehnte sich dann nach dem Unterlauf des Vangtse hin aus, I Nanking wurde erobert, wobei es zu den be­kannten blutigen Unruhen kam, die noch lange I Nähre hinaus wegen der Tötung ausländischer i Staatsangehöriger den Gegenstand von Verhand­lungen mit den großen Mächten bildeten. Um Sch a n g h a i, wo die englischen Kriegsschiffe und Marinesoldaten lagen, gingen die nationalifti- 1 (eben Truppen vorsichtig herum unb über- 1 raschenb gelang ihnen bann der Vorstoß auf

Peking und bis zur großen Mauer.

Die chinesische Revolution schien ihren Sieg errungen zu haben. Mit allem Brimborium, das bei solchen Gelegenheiten in allen Staaten üblich zu sein pflegt, wurde die neue Zeit eingeläutet, und man machte sich daran, das Haus von innen einzurichten, daS von außen her noch kaum recht fertig war. Der Außenminister der Ra- tionalregierung, der große Dr. Wang, führte in geschickten diplomatischen Verhandlungen feinen Staat eigentlich von Erfolg zu Erfolg. Aber den nationalistischen Heißspornen vom linken Flügel der Kuomintang ging dieser Vormarsch der natio­nalen Bewegung nach außen hin nicht schnell genug. So haben denn wiederholt Studenten dem Außenminister in Ranking die Fenster­scheiben eingetoorfen. Hinzu kamen die innen­politischen Schwierigkeiten. Ranking und ins­besondere der neue Staatspräsident Tschiang­kaischek wollten die Selbständigkeit der le­iden Behörden einschränken, die Armee in ]eber Beziehung straff zentralisieren und damit China überhaupt erst zu einem rn o d e r n c n Staats- ioesen machen. Es scheint, als ob sich alle oie- icnigcn, denen an der Aufrechterhaltung bet früheren Zustände liegt, jetzt zusammen tun, um das Anbrechen einer neuen Zeit in China wirk­lich zu verhindern. Es scheint, als ob die Gegen­sätze jetzt bis zum bitteren Ende ausgekampft »erben. ________________