Ausgabe 
30.3.1929
 
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entstehen, werden sweckmühlgerwetse mit dem Rn- | trag in Kostenmarken entrichtet.

Eine weitere Erleichterung erführt in den vor­bezeichneten Füllen die Begleichung von Kosten dadurch, daß nach einer unter den Ländern ge­troffenen Vereinbarung vom 1. April 1929 an für Kostenschulden, die in Verfahren vor den ordentlichen Gerichten oder Arbeitsgerichtsbehör­den eines anderen Landes erwachsen, von Kostenschuldnern, die sich außerhalb dieses Landes aufhalten, auch Kostenmarken des Aufenthalts­landes in Zahlung genommen werden, sofern die zu begleichende Kostenschuld 50 Mk. nicht über­steigt. Hessische Kostenmarken können hiernach auch zur Begleichung einer außerhessischen Ge­richtskostenschuld von nicht mehr als 50 Mk. verwendet werden, so beispielsweise bei Einrei­chung eines Antrags auf Erlaß eines Zahlungs­befehls bei einem preußischen Gericht.

Die hessischen Kostenmarken sind bei den Ge­schäftsstellen der Amtsgerichte und der Land­gerichte erhältlich, die auch im Bedarfsfall Auf­schluß über die Höhe der zu verwendenden Kosten­marken geben. Die Marken werden am zweck­mäßigsten in der Weise bei Gericht eingeliefert, daß sie auf der Vorderseite der für die ge­richtlichen Akten bestimmten Antragsschrift auf­geklebt werden. Sie dürfen, wenn sie bei hessi­schen Gerichten eingeliefert werden, am oberen Rand mit dem Hamen oder der Firma des EinliefererS versehen werden, doch darf hierdurch die Wertangabe nicht unkenntlich werden. Die Entwertung der Marken ist ausschließlich dem Gericht Vorbehalten.

3m Interesse der Förderung deS Rechtsver­kehrs wäre es zu begrüßen, wenn die Verwen­dung von Gerichtskostenmarken in weitesten Krei­sen Anklang fände.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

z 5t 6 b g e n, 28. März. 3m vergangenen Win­ter wurden aus unserer Volksbücherei, die von einem der beiden Lehrer verwaltet wird, 190 Bücher entliehen. Die Leserzahl war aller­dings für ein Dorf, das über 700 Seelen zählt, gering; nur neun Männer und Frauen waren diesen Winter ständig Mitglied der Bibliothek. Das Lesegeld betrug für das Winterhalbjahr 50 Pf., die Leihgebühr für ein einzelnes Buch 5 Pf. Die Kreiskasse bedachte die Bücherei mit einem Beitrag von 10 Mk., die Gemeinde mit einem solchen von 20 Mk., waS hiermit dankbar zum Ausdruck gebracht wird. 3n die Schul- sparkasse wurden im abgelaufenen Schuljahr 188,80 Mk. eingelegt. Es ist daS etwa die Hälfte des vorjährigen Betrages.

ltz Lollar, 28. März. DaS zweistöckige Wohn­haus des Spielmann Erben in der Hauptstraße ging durch Kauf an Metzgermeister und Gastwirt Karl V o l k m a n n über. Gestern abend ver­mittelte im Auftrage der Liga zum Schutze der deutschen Kultur vor einem größe­ren Zuhörerkreis ein Chinese, der als Student der Medizin zur Zeit in Gießen weilt, einen inter­essanten Einblick in das große Reich der Chinesen und machte die Hörer bekannt mit den Sitten und Gebräuchen dieses Volkes. Die Ausführungen fanden ungeteilten Beifall.

Staufenberg, 27.März. Gestern verließ Lehrer Schlapv seine Wirkungsstätte. Die Be­wohner Staufenbergs werden ihm ein herzliches Gedenken bewahren, denn in seiner nahezu 40jäh- rigen Arbeit an der hiesigen Schule hat der größte Teil der Einwohner zu seinen Füßen gesessen und ist von ihm in die ersten Geheimnisse des Lesens und Schreibens eingeweiht worden. Er war ein Lehrer der Kleinen, der sie mit unendlicher Geduld und großem Berständnis zu behandeln wußte. Mancher von den Erwachsenen unseres Ortes wird sich seiner ersten Schulzeit bei Herrn Schlapp gerne erinnern, denn er verstand es, ihnen das Schwere durch manchen Scherz zu erleichtern. Aber auch den Erwachsenen war er noch Lehrer und Berater, und viele suchten bei ihm Rat und Hilfe. Da er aus Mainzlar stammt, ist er mit dem Dolkscharakter unserer Gegend vertraut, und wußte ohne viele Worte, wo jeden der Schuh drückte. Nun hat er nach 45jähriger Dienstzeit die Altersarenze erreicht und tritt in den wohlverdienten Ruhestand. Möge ihm im Kreise seiner Kinder und Enkel in Lollar ein Lebensabend beschießen fein, wie ihn ein pflicht­treues, arbeitsreiches Leben verdient.

§ Saubringen, 27. März. Der .Verein Kleinkinderfreund" hielt dieser Tage seine diesjährige Generalver fammlung ab, die recht gut besucht war. Der Vorsitzende, Dekan ©ufomann (Kirchberg), erstattete zu­nächst den Jahresbericht. Die Zahl der Mit­glieder betrug im Geschäftsjahre 1928 135. 3m Sommer des vergangenen 3ahres ist ein Schwesternwechsel eingetreten. Ein Mitglied des Vorstandes, Altbürgermeister Wilhelm Wal­ther ist gestorben, der seit Gründung des Ver­eins bis zu seinem Tode dem Verein angehörte. Die Versammlung gedachte seiner in der üblichen Weise. Der Schulbesuch war im verflossenen 3ahre gut. Die Zahl der besuchenden Kinder betrug 45. Wie alljährlich, so wurden dem Verein wiederum von einer Anzahl Gönner ansehnliche Unter» stühungen zuteil, die es ermöglichten, ohne Fehl­betrag den Betrieb der Kleinkinderschule durch- zusühren. So wurden überwiesen: von der Ge­meinde 400 Mark, von der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. 140 Mark, die diesmal in an­erkennenswerter Weise die seitherige Zuwendung von 100 auf obige Summe erhöht hat, von der Firma Scheidhauer und Gießina (Bonn) 100 Mark, von den DuderuSschen Eisenwerken in Wetzlar 50 Mark, vom hiesigen Frauenverein 50 Mark u. a. Vom Landesverband für Klein­kinderpflege in Darmstadt ging diesmal kein Be­trag ein. An Mitgliederbeiträgen flössen 132 Mark in die Kasse, so dah sich die Gesamtein­nahmen des vergangenen 3ahreS einschließlich deS geringen Schulgeldes auf rund 1298 Mark belaufen; die Gesamtausgaben beziffern sich auf rund 1202 Mark, so daß ein lleberschuh von 96 Mark verbleibt, der für das laufende 3ahr gutgeschrieben wird. Der langjährige Rechner Wilhelm A l b a ch, der die Rechnungsgeschäfte deS .Kleinkinderfreunds" unentgeltlich versieht, erstattete die Rechnungsablage. 3hm wurde nach Prüfung der Rechnung Entlastung erteilt. Für das verstorbene Vorstandsmitglied, Altbürger­meister Walther, wurde Bürgermeister Preis einstimmig durch Zuruf gewählt. Die General­versammlung beschloß, dem Verein noch die ge­meindliche gemeinnützige Kranken­pflege anzugliedern, die seither von der Kran­kenschwester Elisabeth Grölz aus Mainzlar in verdienstvoller Weise mitversehen wurde, und die diese aus Gesundheitsrücksichten nur noch bis zum Eintreffen einer Krankenschwester für Sau­

bringen allein weiterführen will. Ser Vorsitzende konnte die Zusage geben, daß voraussichtlich erst im Frühjahr 1930 mit der Besetzung der Kranken­pflegestelle zu rechnen ist, günstigenfalls schon im Herbste, aber nur vertretungsweise, da dem Mutterhaus Ronnenweiher nur wenige Kräfte zur Verfügung stehen, die eS abgeben kann, lieber die Bestreitung der Kosten gingen die Meinungen auseinander, schließlich einigte man sich dahin, daß schon für das laufende 3ahr der Mitglieds­beitrag für .Kleinkinderfreund" und angeschlosse­ner Krankenpflege 2 Mark betragen und letztere unentgeltlich für die Mitglieder ausgeführt wer­den soll. Man rechnet damit, dah alle noch dem Verein abfeitsstehenden Haushaltungen im Laufe des 3ahres beitreten, andernfalls sie, sofern sie die gemeinnützige Krankenpflege in Anspruch neh­men müssen, einen gewissen Betrag als Entgelt zu leisten haben. Sie Gemeinde ist bereit, eine Wohnung für die neue Krankenschwester zu stel­len, ebenso einen etwa entstehenden Zuschuh für Einrichtungen und dergleichen zu leisten. 3n feinem Schlußwort betonte der Vorsitzende, Dekan G u h m a n n, dah die gefaßten Beschlüsse der Generalversammlung einen bedeutsamen Mark­stein in der Geschichte de» .Vereins Kleinkinder­freund" darstellen.

-f- Aus der Rabenau, 28. März. Ueberall machen unsere Landwirte die Feststellung, daß trotz des außergewöhnlich strengen Winters die Win­tersaat sowohl, als auch die K l e e b e st ä n d e, ihn besser überdauert haben, als anfänglich ange­nommen wurde. Auswinterungsschäden sind nur wenig zu beobachten. In den Gärten hat aller­dings der Winter manchen Schoden angerichtet. Rosen-, Winter- und Römischkohl sind ihm zum Opfer gefallen. Selbst eingemietete Gelberüben sind werllos geworden. Spinat und Feldsalat haben aut überwintert. Die Obstbäume zeigen wenig Be­schädigungen, die eine Folge des strengen Wintere sind. Frostspalten und Frostplatten kann man hier und da beobachten, die aber beim Steigen des Saftes mehr noch zum Vorschein kommen werden. Leider haben die W i n t e r o o r r ä t e an Kar- tosfeln und Dickrüben in den Kellern stark gelitten, wahrend draußen in den Feldmieten nur wenig Schaden zu beobachten ist. Manchen Landwirten sind fast die ganzen Vorräte erfroren, so daß ihnen sogar z. B. Kartoffeln zu Eigenverbrauch und als Saatgut fehlen.

Beuern, 28. Marz. Dm Sonntag waren im oberen Saale unserer Schule die Handar­beiten unserer Volks- und Fortbil­dungsschule ausgestellt. Der Saal war von vielen Besuchern zeitweise überfüllt, die die Ar­beiten der Schülerinnen unter der tüchtigen Lei­tung von Frau Sornrnerlad, Beuern, be­wunderten, Es war wirklich sehenswert, waS da alles geleistet worden war. Von wunderbaren Buchzeichen und Waschlappen bis zu Kleidern und Wäsche; auch Flickarbeiten waren ausgestellt, ein Beweis dafür, dah auch diese, sehr_ wichtige Arbeit von Frau Sornrnerlad nicht übersehen wird. Dolle Anerkennung fand das, was sie den Mädchen beigebracht hatte.

> Holzheim, 28. März. Wegen AuSbesse- rungSarbeiten muhte die Provinzial st raße HolzheimGrüningen, die schon feit längerer Zeit sich in einem sehr mangelhaften Zustand befand, ab heute polizeilich gesperrt werden. Durch den starken Frost hat sich der Unterbau der Straße an manchen Stellen geho­ben und gelodert, so dah nach Befahren mit schweren Lasten der Lehm des Untergrundes zutage tritt. Der Omnibusverkehr der Strecke GießenGambach wird über die Strahengabe- lung GrüningenDorfgillHolzheim umgeleitet.

-/- Hungen, 28. März. Zur Freude unserer Gemeinde wurde die durch Berufung von Pfarrer Göckel nach Hanau freigewordene hiesige Pfarr- ft e l l e wieder besetzt und Pfarrer Dock, Ober- Mockstadt übertragen. Pfarrer Dock wurde am 6.3uni 1891 zu Langen-Brombach geboren. Er trat am 8. Rovember 1914 als Pfarrverwalter von Ulfa in hessische Kirchendienfte. Am 18. April 1916 wurde er als Pfarrassistent nach Boden­heim verseht, am 23. Februar 1918 wurde ihm die Pfarrstelle in Weiches und am 23. August diejenige von Ober°Mockstadt übertragen. Pfar­rer Dock war bisher besonders auf kirchen- musikalischem Gebiet tätig und hat sich als Dor­sitzender des Bezirksverbands der Kirchengesang­vereine in den Dekanaten Büdingen, Ridda und Schotten große Derdienste erworben. Der neu­ernannte Geistliche wird in Kürze seinen Dienst dahier antreten.

s. Utphe, 27. März. Dieser Tage feierte eine unserer ältesten Einwohnerinnen, die Witwe Sophie Bornmann, ihren 82. @ e b u r 151 a g bei ver­hältnismäßig körperlicher und geistiger Rüsttgkeit.

Kreis Frievberg.

Ossenheim, 26. März. Am heutigen Tage verlieh uns eine Familie, welche in unserem Dorfe viel Gutes getan hat. Lehrer Schutt, der wegen geschwächter Gesundheit beurlaubt ist und in den wohlverdienten Ruhe st and zu gehen denkt, hat sich in Flensungen- Mücke, wo seine Tochter an einen Lehrer ver­heiratet ist, ein Haus gekauft, um dort seinen Lebensabend zu verbringen. Don den 27 Lehrern, welche feit 1600 dahier gewirkt haben, war nur ein Lehrer länger an der hiesigen Volksschule tätig. 36 3ahre hat Herr Schutt der hiesigen Schule vorgestanden, davon 27 3ahre an der einklassigen; da die Schülerzahl 1920 auf über 80 gestiegen war. muhte in diesem 3ahre eine neue zweite Schulstelle errichtet werden. Er wurde 1893 hier definitiv angestellt, vorher war er nur kurze Zeit Schulverwalter in Rieder-Florstadt, Oberau, Lauterbach und Dorheim; et hat demnach den größten Teil seines Lebens in unsrer Ge­meinde zugebracht. Längere Zeit war er Diri­gent des hiesigen Gesangvereins, zu welcher Zeit er den Weihnachts- und Silvestergottesdienst ein- richten half, war tätiges Mitglied im "Vete­ranen» und Militärverein und in der Ortsgruppe des Kreisobst- und Gartenbauvereins. Während des Weltkrieges hat er sich in der hiesigen Ge­meinde überall verdient gemacht. Dah er ein tüchtiger Lehrer war beweist, daß er bei feiner vorgesetzten Behörde in hohem Ansehen stand. Die Lehrer des Lehrerseminars Friedberg waren mit den Seminaristen, ehe die Seminarschule in Friedberg eingerichtet war, häufig Gast bei ihm in der Schule, um den einklassigen Schulbetrieb kennenzulernen. 3ntereffant ist es, dah die letz­ten drei Lehrer, welche an der hiesigen Volks­schule gestanden haben, mit einer kurzen Unter­brechung eine» vierten, der aber nur ganz kurze Zeit hier war, zusammen 106 3ahre hier der Schule vorgestanden haben, ein Beweis dafür, daß Lehrer und Einwohner in gutem Einver­nehmen miteinander gestanden haben. Ungern sieht die Gemeinde den verdienstvollen Lehrer Schutt und Frau von hier scheiden. Die ganze

Gemeinde wünscht, dah beiden noch «in langer, froher Lebensabend im Kreise ihrer Familie in der neuen Heimat beschieden sein möge.

Kreis Büdingen.

* Ridda, 27. März. Dieser Tage beging die hiesige Landwirtschaftliche Schule ihre Schluß- und Entlassungsfeier, zu der sich die Eltern und Angehörigen der Schüler, die Ver­treter der Stadtverwaltung und sonstige 3nter- essenten zahlreich eingefunden hatten. Rach einer Begrüßungsansprache des Leiters der Schule, Direktor H e I f e r t, wurde die Prüfung der beiden Klassen in den wichtigsten Fächern vor­genommen. lieber das Ergebnis sprach sich Kreis­direktor i.R. Boeckmann sehr lobend aus, und et richtete herzliche Worte des Dankes an Lehret und Schüler, wobei er eindringlich auf die Hot» Wendigkeit einer allseitig gründlichen Berufs­ausbildung der jungen Landwirte hinwies. Hier­auf hielt ein Schüler der Oberklasse, W.Sch e r e r aus Geitz-Ridda, einen Vortrag über Schweine­zucht. Mit einer eindrucksvollen Schluhansprache des Direktors wurden dann die Schüler der Ober- klasse entlassen. Sie blieben noch lange mit ihren Angehörigen und den übrigen Gästen zu einer schonen Abschiedsfeier bei Musik, komischen Vor­trägen, Theaterspiel und Tanz zusammen. Die Zahl der Schüler betrug im letzten Winterhalb­jahr 32; alle waren von auswärts. An der An­stalt wirkten auher dem Direktor H e l f e r t noch LandwirtschafiSrat Rau, Landwirtschaftsassessor Dr. Günther und Referendar G o b e L Die Stadtverwaltung hat keine Kosten gescheut, der erst vor drei 3ahren gegründeten Schule ein eigenes freundliches Heim mit hinreichenden Räu­men in dem früheren Gasthaus der ehemaligen Brauerei Kraft zu schaffen, was volle Anerken- nung verdient.

* Ridda, 27. März. Qlufl dem 3ahres- bericht der Realschule dahier ist zu ersehen, daß an dieser Anstalt außer dem Direktor noch zwei Studienräte, ein Studienassessor, ein Real­lehrer und eine Reallehrerin im Hauptamt und zwei evangelische und ein katholischer Pfarrer, sowie eine Handarbeitslehrerin im Rebenamt tätig sind. Die Schülerzahl betrug im verflossenen Schuljahr 96, und zwar 53 Knaben und 43 Mäd­chen. Aus Ridda waren 51 Schüler und Schüle­rinnen und 45 von auswärts. Von den zu Ostern vorigen 3ahres eingetretenen 19 Sextanern hatten 6 die Grundschule nur drei 3ahre besucht, die übrigen 13 die gesetzlich festgelegten vier 3ahre. Mit Schluß des Schuljahres verließen 20 Kinder die Anstalt, wovon die meisten die benachbarten Oberrealschulen in Gießen und Friedberg weiter besuchen wollen. Rach den bereits erfolgten Reu- anmelbungen wird mit einer Zunahme der Schülerzahl von etwa 10 Schülern zu rechnen sein. Von einer öffentlichen Schluhfeier wurde diesmal abgesehen, weil mehrere Schüler in den letzten Schulwochen erkrankt waren. Der Haus­meister an der hiesigen Volksschule, Schuh­machermeister Wilhelm Luft, tritt nach 23jähri» ger gewissenhafter und treuer Dienstführung am 1. April d. 3. in den Ruhestand. Um die ausgeschriebene Stelle hatten sich zehn Bewerber gemeldet. Der Stadtvorstand wählte den Weiß­binder Karl Walther!!, zum neuen Haus­meister der Volksschule, für den eine geräumige Dienstwohnung in einem der Volksschulhäuser vorhanden ist. ,

Kreis Schotten.

-t- Eichelsdorf, 27. März. Einer der Päch­ter der hiesigen Feldjagd läßt an der Ridda, un­weit der 3unkermühle, ein massives 3 agd- haus errichten. Das Baugelände wurde von der Gemeinde erworben. Mit Den Ausschachtungsar­beiten wurde bereits begonnen. 3m abgelaufe­nen 3ahre fanden in unserem Kirchspiele (Eichelsdvrf und Ober-Schmitten) 10 Trauungen, 26 Taufen und 16 Beerdigungen statt. Konfirmirt werden insgesamt 26 Kinder. Beim Oeffnen der Dickwurzmieten konnte man allgemein die Erfahrung machen, daß man in der Beurteilung des Frostschaden» zu schwarz gesehen hat. Wo der vorsichtige Landwirt gut mit Stroh abgedeckt hatte, ist kaum ein Schaden sestzustellen. 3n weniger frost­sicher hergerichteten Mieten ist die Außenschicht erfroren, während das 3nnere gut erhalten ist. Das Stroh hat sich auch in diesem abnormalen Winter als bestes Schutzmittel gegen Frost er­wiesen. Wo hochstämmige Rosen dick damit ein- gehüllt waren, haben sie nicht gelitten, während andere Packungen sich als unzuverlässig erwie­sen haben. 3n ungeschützten Kellern sind dje Kartoffeln an den Außenwänden erfroren. Sie finden nach vorsichtigem Auftauen als Dieh- f utter Verwendung.

Kreis Alsfeld.

0^ Alsfeld, 27. März. Dieser Tage hielt der hiesige Verkehrs- und Derschöne- rungsverein im GasthofZum Grünen Baum" seine Hauptversammlung unter dem Vorsitz von Forstrat Schäfer ab. Rach einem allgemeinen 3ahresbericht, den der Vor­sitzende erstattete, berichteten die Vorsitzenden der einzelnen Ausschüsse des Vereins (Werbeaus- schuh, VerkehrLausschuß und Verschönerungsaus- schuh) über die Tätigkeit im abgelaufenen Ver­einsjahre. Daraus ging u. a. hervor, daß sich die Mitgliederzahl des Vereins ungefähr auf der gleichen Höhe gehalten hat wie im Vorjahre; sie beträgt zur Zeit 314 Mitglieder einschließlich der körperschaftlichen Mitglieder. Die Werbe­tätigkeit war im abgelaufenen 3ahre recht rege. Der in einer Auflage von 10 000 Exernplaren ge­druckte Prospekt über Alsfeld gelangte an alle Verkehrsinstitute und an alle größeren Plätze zur Versendung. Der Derkehrsausschuh hat durch wiederholte Eingaben an die Reichsbahndirektion Frankfurt und an die Oberpostdirektion Darm­stadt eifrig mitgearbeitet an der Hebung der Verkehrsinteressen und war auch mit Erfolg auf der letzten Fahrplankonferenz in Alsfeld tätig. Der Derschönerungsausschuß hat durch Veranstaltung eines Fensterblumenschmuck-Wett- bewerbs den Sinn für die Ausschmückung der in­neren Stadt wieder angeregt. Gs konnten zahl­reiche Preise zuerkannt werden. Bei der Stadt­verwaltung soll die Erweiterung der Anlagen an den Erlen und die Herstellung des Spazierweges entlang der Schwalm nach Altenburg angeregt werden. Aus dem vom Rechner des Vereins, Oberstadtsekretär S e i p p e l, erstatteten Kassen­bericht ging hervor, daß das Vermögen des Vereins zur Zeit 1798 Mk. beträgt. Der seit­herige Mitgliederbeitrag von 2 Mk. für Ginzel- mitglieder wurde beibehalten. An Stelle Des verstorbenen Stadtbaumeisters E g n e r wurde der neue Stadtbaumeister Maurer in den Vorstand gewählt. Das Programm für den am Sonntag, 7. April, unter Mitwirkung des Ver­eins in Alsfeld stattfindenden Flugtag wurde

eingehend besprochen. Die Raab»Katzensteinwerk werden mit 4 Flugzeugen vertreten fein. DaS von dem Vorstand in Verbindung mit dem Flug­tag vorgesehenen Drillantseuerwerk mit anschli«- jender Beleuchtung des Marktplatzes soll nur tattfinben, wenn die in Betracht kommenden Ge­werbetreibenden mindestens die Hälfte der für das Feuerwerk entstehenden Kosten übernehmen. Gegen i/212 Uhr schloß der Vorsitzende, Forstrat Schäfer, die Versammlung mit der Aufforde­rung zu weiterer eifriger Werbetätigkeit für den Verein. Es muh anerkannt werden, daß der Ver­ein während der ersten zwei 3ahre seines De- tehens sich schon recht erfolgreich betätigt hat.

(-) Groß-Fe lda, 28. März. Die beiden Schulen Ermenrod und Elpenrod ver­anstalteten hier einen Volksbildungs­abend, bei dem unter Leitung von Lehrer Schmoll (Elpenrod) von den. Schulen einige kleine Theaterstücke (Märchen) aufgeführt wur­den, die allgemeinen Beifall fanden. Lehrer Müller (Ermenrod) mit seinem Mundhar­monika-Schülerorchester bereicherte den Abend durch den Vortrag von Volksliedern und Märschen auf der Mundharmonika in vortreff­licher Weise. Die Veranstaltung fand bei allen Besuchern lebhafte Anerkennung.

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Sie Frankfurter Textilschwindelei-n.

WSN. Frankfurt a.M., 29. März. Die wei­teren Ermittlungen der Frankfurter Kriminal­polizei in Sachen des Textilschwindlers St oh mann haben ergeben, daß Stahmann und Frau Dohmes über II Millionen Mark erschwindelt haben. Den Hauptnutzen aus den Betrügereien hatten die Hintermänner, die für den chnellen Absatz der Waren sorgten. Inzwischen ist das Paar nach Essen übergeführt worden, um wegen der dort begangenen Straftat/n oernommeiU zu werden.

Gefängnis für einen Giadtbaurai.

WSN. Offenbach a. M., 28. März. Das hie­sige Erweiterte Schöffengericht verhandelte in mehr­tägigem Prozeß gegen den vorläufig in den Ruhe­stand versetzten städtischen Baurat Julms Klin­ge l h ö f e r. Nach der Anklage wurde Stadtbaurat Klingelhöfer beschuldigt, seine amtliche Eigen­schaft dazu benutzt zu haben, die Gewährung von Baudarlehnsraten von der Erwerbung der T i r o l st e i ne , die als seine Erfindung an- zusprechen sind und mit denen eine ganze Reihe oon Offenbacher Siedlungsbauten errichtet wurden, bei ' der Lizenzfirma Dyckerhoff & Widmann abhängig i zu machen. Weiter soll er ein Baugesuch ge- fälscht und schließlich einen Falscheid geleistet haben. Zu der Verhandlung waren 26 Zeugen ge­laden. Gestern abend wurde das Urteil gesprochen. Der Angeklagte wurde wegen fahrlässigen Falsch- eibes zu sieben Monaten Gefängnis ver­urteilt. Von der Anklage der Bestechung und der- Urkundenfälschung wurde er, da er nicht überführ! werden konnte, freigesprochen. Die Kosten des !ßer- fahrens trägt der Angeklagte, soweit Freisprechung- erfolgte, die Staatskasse. In der Begründung wir) ; ausgeführt, daß die Stadtverwaltung gegenüber dem Angeklagten nicht die nötige Kontrolle ange­wandt habe. Sie hätte sich über das Vertragsver­hältnis zwischen dem Angeklagten und der Firme Dyckerhoff & Widmann informieren müssen. Straf­mildernd sei seine Leistungsfähigkeit und seine bis­herige Unbescholtenheit, strafverschärfend dagegen, daß der Angeklagte Privat- und Amtsgeschäfte mit­einander verquickt habe. Das Gericht konnte nicht auf die Höchststrafe, aber auch nicht auf die Mindest- strafe erkennen.

OieMörderdesObertandjägersLlllrich.

WSN. Kassel, 28. März. Die Ermittelungen nach der Ermordung des Oberlandjägers Ullrich» in Groß-Allmerode haben, wie bereits gemeldet, jur| Festnahme der Täter geführt. Es handctill sich um den Arbeiter Walter Schmidt, den Glaser Otto Dietz und den Betonarbeiter Fritz Dietze!/ sämtlich aus Kassel. Sie sind geständig, nachts zwi ­schen 1 und 2.30 Uhr einen Einbruch in das Kolo­nial- und Manufakturwarengeschäft der Wilm Becker in Groß-Allmerode ausgeführt zu Haber. Dabei wurden sie von dem Oberlandjäger Ullrich überrascht, den sie kurzer Hand nieder- schossen. Wie ergänzend gemeldet wird, hat de: Arbeiter Schmidt gestern abend nach mehrstm-, diger eingehender Vernehmung unter dem Dru! der Deweislast zugegeben, den tödlichen Schuß air den ihn verfolgenden Oberlandjäger Ullrich abgt- geben zu haben. Schmidt und Dietz sind am Dicns- iagabenb auf einem Motorrad nach Groß-Allmerode gefahren, während Dietzel den Omnibus benuftti Der Einbruch selbst wurde von Schmidt ausgefüyrt, der die Ladenfenster eindrückte und Dietz die gi stohlenen Saajen herausreichte. Dietzel stank Schmiere. Dietz und Dietzel mahnten zur Eile, da ft anscheinend gestört wurden, und trennten sich nad vollbrachter Tat ungefähr in der Stadtmitte do- Schmidt. Beide trafen auf ihrem Wege zum Stadt! ausgang vor dem GasthausHessischer Hof", alfc an der Mordstelle, mit dem Oberlandjäger Ullrt« zusammen. Auf Befragen antworteten sie, sie woll­ten nach Kassel. Schmidt ist ungefähr eine Vierte! stunde hinter den beiden hergekommen und eben falls amHessischen Hof" auf den Oberlandjäge getroffen, von dem er gestellt wurde. Um fliehe zu können, hat er dann den tödlichen Schu abgegeben.

Daten für Samstaq, 30. März.

Sonnenaufgang 5.41 Uhr, Sonnenuntergang 18.2! Uhr. Tlonbaufgan 0 Uhr, Monduntergani 7.42 Uhr.

1746: der spanische Maler und Radierer Franciso de Goya y Lucientes in Fuendetodos geboren; - 1862: der Literarhistoriker Wilhelm Bode in Hon» hausen geboren.

Daten für Sonntag, 31 März.

1596: der Philosoph Rens Descartes in La Bay geboren; 1727: der englische Naturforscher Isad Newton in London gestorben; 1809: der DichtS Nicolaj Wassilij Gogol in Sorotschinzy geboren; - 1811: der Chemiker Robert Wilhelm Bunsen in ®ö; tingen geboren.