1. wirtschaftliche Verhältnisse-
Die ungeheuerlichen Desatzungslasten werden eingehend dargestellt. Hier ist bekanntlich die Stadt Mainz besonders hart betroffen. Wie start dort Beschlagnahmungen auf den Wohnungsmarkt einwirken, beweist die Tatsache, daß in Mainz am 1. November 1928 9833 Wvh- nunasuchende, davon 4379 ohne jede Wohnung vorhanden waren.
Ls wird weiter an das Ordvnnanzenshstem, die Militärgerichtsbarkeit und die berüchtigte Sü- ret6. die bekannten Eingriffe in das Verkehrs- wesen (Rheinbrücken. Opel-Bahnhof usw.). die Hemmungen, die dem Fremdenverkehr auferlegt sind, und schließlich an die älebergriffe der Be- sahungsangehorigen erinnert. Der innere und äußere Druck ist naturgemäß da am größten, wo die Desahungstruppen am zahlreichsten sind. Zur Zeit garnisvnieren in Hessen fast 19 000 Besatzungsangehörige. Don den noch 1300 Farbigen befinden sich über 400 im besetzten Hessen. Besonders groß ist die Zahl der verheirateten Offiziere und Unteroffiziere; der daraus sich ergebende große Wohnungsbedarf hatte im hessischen Gebiet Beschlagnahmungen zur Folge, wie sie kein anderer besetzter Gebietsteil aufzuweisen hat. Zu den Beschlagnahmungen für Wohnungszwecke kommen dann noch sonstige Inanspruchnahmen von Gebäuden, Gelände usw. durch die Besatzung.
Groh sind die wirtschaftlichen Schäden, die bas hessische besetzte Gebiet durch die Abtrennung von Elsaß-Lothringen und die Zollgrenze nach dem Saargebtet erlitten hat. Der Wormser Bezirk beispielsweise gibt bei sorgfältiger Schätzung einen älmsatzver- lust in Industrie und Handel von 20 Millionen Vorkriegsmark an. Zahlreiche Firmen sind im besetzten Gebiet eingegangen oder abgewandert, neue Unternehmungen haben sich kaum angefte- beit. Die Landwirtschaft ist durch Beschlagnahmungen und Schießübungen stark beeinträchtigt. Bei der Landwirtschaft des besetzten hessi- scheu Gebiets macht sich ein besonders großer Rückgang der Ernteerträge bemerkbar, was in der Denkschrift in mehreren Uebersichten gezeigt wird. Sie leidet ebenso wie die übrigen Wirtschaftszweige sehr stark unter den verlöre- nen Absatzmärkten, die nur zum kleinen Teil wieder erobert werden konnten. Als Beispiel sind einige Zahlen über den Absatz eine- Obstund Gemüsebauvereins in einem der Haupt-Obst- und Gemüseorte Rheinhessens angeführt. Dieser Verein setzte im Jahre 1922 5600 Zentner nach Essen. 720 nach Barmen, 892 nach Duisburg ab. Im Jahre 1927 war der Absatz nach Essen auf 50 Zentner, nach Barmen auf 23 Zentner zusammengeschrumpft. nach Duisburg wurde überhaupt nichts mehr obgeseht. Für die Landwirtschaft ist noch zu berücksichtigen, daß große Flächen besten Ackerlandes von der Besatzungs- artnee zu militärischen Anlagen, wie Magazinen. Schieß- und Flugplätzen usw. dauernd beschlagnahmt sind. Die Bevölkerung wird durch Schießübungen, Marsch- und Feld- dienstübungen usw. an der Ausübung ihrer Tätigkeit sehr behindert.
Die Rotlage im besetzten Gebiet ist naturgemäß nicht ohne schwere Rückwlrkün- gen auf die Rh e i nschifs ah rt geblieben; ganz besonders die Ruhraktion hat sehr beträchtliche Schäden verursacht, was in den Verkehrszahlen für den gesamten Hasenverkehr auf dem Rhein für die Jahre 1919 bis 1926 deutlich zum Ausdruck gebracht wird. Diese Lage der Rheinschiffahrt hat sich auch auf dip hessischen Samenanlagen und deren Wirtschaftlichkeit ausyewirkt. Der Rückgang der Umschlagsziffern ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß den Häfen ausgedehnte Einzugsgebiete, wie das Saargebiet und Eisatz-Lothringen, durch den FriedenSschluh verloren gingen.
Auch eine Betrachtung der Arbeits markt- Verhältnisse ergibt für das hessische besetzte Gebiet besonders ungünstige Zahlen. Während z. B. im Juli 1927 im Deichsdurchschnitt auf 100 offene Stellen 253 Arbeitsuchende entfielen, waren es im hessischen besetzten Gebiet deren 405.
Für die Auswirkung der wirtschaftlichen Rotlage auf die Gemeindefinanzen fehlt es leider an zuverlässigen Vergleichsmöglichkeiten infolge der Verschiedenartigkeit des Aufgabenkreises der Gemeinden in den einzelnen Ländern, aber auch im gleichen Lande und der Verschiedenartigkeit des Steuersystems. Fest steht, daß der Steuerbedarf der Gemeinden des hessischen besetzten Gebietes. insbesondere veranlaßt durch die enorme Steigerung der Ausgaben auf dem Gebiete der Fürsorge und des Wohlfahrtswesens, ein vielfaches von denjenigen der Vorkriegszeit beträgt (in Mainz z. D. sind die Ausgaben für die Fürsorge und das Wohlfahrtswesen auf mehr als das elffache gestiegen!), daß diese Ausgaben im besetzten Gebiet allgemein stärker angewachsen sind? als im unbesetzten Deutschland, insbesondere außerhalb des Randgebietes, und daß die Realsteuern eine Höhe erreicht haben, die auf die Dauer ohne schwerste Schädigung der einheimischen Wirtschaft unmöglich beibehalten werden kann. Ein Beispiel für die unmittelbare Einwirkung der Besetzung bieten die Ausfälle an I a g d p a ch t e n, die im hessischen besetzten Gebiet nicht weniger als rund 135 000 Mk. jährlich betragen. Rur wenige Gemeinden beziehen heute überhaupt eine Rente aus ihrem Walde; die übrigen sind gezwungen, jährlich zu den laufenden Kosten noch Zuschüsse zu leisten. Für die Waldwirtschaft der meisten Gemeinden stellt die alsbaldige Lieberleitung des bisherigen Riederwaldbetriebes in Hochwald eine Lebensfrage dar. In Frage kommt eine Umwandlungsfläche von 2223 Hektar mit einem Kostenaufwand von 1 171 500 Mark.
2. Kulturelle Verhältnisse.
In der Denkschrift ist zunächst auf das Schulwesen hingewiesen. Wenn, wie im hessischen besetzten. Gebiet. Gemeinden nicht mehr in der Lage sind, ihren Schulkindern genügend Schul- räumc zur Verfügung zu stellen, wenn Unter# richt aus Mangel an sonstigen geeigneten Räumen in Wirtshäusern abgehalten werden muß. wenn der Unterricht zahlenmäßig starker Klassen in kleinsten Schulsälen die Gesundheit der.Jugend gefährdet, dann kann man wohl wirklich von einer kulturellen Rot sprechen.
Unendlich v.iel muh in verschiedenen kulturellen Aufgabengebieten nachgeholt werden. Hierüber enthält die Denkschrift eingehende Mitteilungen. Auch der Rot der Kirchen ist nachdrücklichst Erwähnung getan. Die mangelhafte Bezahlung der Geistlichen, die starke Vernachlässigung der kirchlichen Gebäude. die im besetzten Hessen besonders zahlreichen Kirchen von kunsthistorischer Bedeutung seien hier hervorgehoben.
Osterferien der pariser Konferenz
Paris. 28.März. (MTV.) Die heutige Volt- sihuug der S a ch v e r st ä n d i g e n k o n s e . r e n z, die um 12 Uhr begonnen hatte, dauerte bis 13 Uhr. 3n ihrem Verlaufe haben die Delegierten der vier Hauptgläubigerländer Frankreich, England, Belgien und Italien eine formulierte Er- kläruug über ihre Ansprüche vorgebracht, desgleichen der Vorsitzende der Konferenz, Owen V. Poung, aber nur in seiner Eigenschaft als Vorsitzender und nicht als amerikanischer Delegierter. Diese beiden Vorschläge enthalten, wie ausdrücklich betont werden muh, keine Z l f - fern, sondern sind lediglich grundsätzliche Ausführungen, auf weichem Wege man am besten zur Diskussion über die höhe der Repara- tlonsverpflichtungen nach Ostern gelangen kann. 3m Laufe des heutigen Tages werden beide Vorschläge schriftlich formuliert und sämtlichen Delegierten übermittelt werden, damit sie Gelegenheit haben, sie während der Osterpause zu prüfen. Die nächste Sitzung der Konferenz findet am Donnerstag, 4. April, 11 Uhr, statt.
Ueber den Verlauf der heute vormittag statt- gelundenen Vollsitzung der Reparationswnferenz berichtet die Havasagentur, Owen Voung habe angesichts der Einstellung der Arbeiten während Der Osterferien vorgeschlagen. diese Frist dem Rachdenken zu widmen. Diese Anregung sei angenommen worden, und die Sachverständigen würden ihre Ferien dazu benützen, noch einmal das Wesentliche des Problems, das sie zu lösen hätten, ins Auge zu fassen und ihre Regierungen zu befragen. Der Standpunkt jeder Delegation sei bereits schriftlich niedergelegt worden und werde im Laufe des Rachmittags den verschiedenen Delegationen zugestellt werden. Diese Exposees würden also nicht die Form eines Memorandums annehmen, wie gewisse Pressenachrichten angekündigt hätten, sondern die Form vonS eparat- noten, in denen die bereits auf gestellten Grundsätze und die verschiedenen Anregungen niedergelegt werden würden. Diese Roten, die als Grundlage für die Errechnung der Anzahl und der Höhe der deutschen Annuitäten dienen, und die anderseits die hauptsächlichsten Bedürfnisse der Gläubiger Deutschlands enthalten würden, hätten einen ausges prochen vertraulichen Charakter. und ihr Bekanntwerden würde nach Aussage wohl unterrichteter Persönlichkeiten die im Gange befindlichen Verhandlungen beträchtlich behindemi. Am Donnerstag. 4. April, würden dann im Verlaufe der Vollsitzung sehr wahrscheinlich die wirklichen Diskussionen über die Ziffern eingeleitet werden.
Noung nannte den amerikanischen Mindestbetrag?
P a r i s, 30. März. (WTB. Funkspruch.) Heber die Stellungnahme des Vorsitzenden der Reparationssachverständigenkonferenz Ow en D. Voung in der Schlußsitzung vor den Osterferien schreibt „Scho de Paris". Owen D. Voung habe es zwar abgelehnt, in der Debatte endgültig Stellung zu nehmen, und sich wie eine Art Schiedsrichter seine Handlungsfreiheit Vorbehalten, aber er habe es sich doch angelegen sein lassen, einige Ziffern zu nennen, die den merklichen Abstand zwischen dem interalliierten Höch st betrag und einem amerkanischen Winde st betrag, unter den man bei den Verhandlungen nicht werde heruntergehen dürfen, visieren. Das sei ein bizarres und recht wenig geeignetes Verfahren, um die Börse des Schuldners zu öffnen. Es sei klar, daß Dr. Schacht sich anschicken werde, mit dem amerikanischen Betrage zu manöverieren und daß er sich mit dem interalliierten Höchst- betrage nicht mehr als mit dem blauen Himmel beschäftigen werde. Man müsse jedoch feststellen, daß eine Verständigung nur erzielt werden könne, wenn die Deutschen sehr bedeutend über
daS Minimum Owen D. VoungS hinaus- gehen. Owen D. Voung habe nicht verfehlt, ihnen das mitzuteilen.
Oie Höchstvorschläge der Gegenseite.
London, 30.März. (WTB. Funksoruch.) Perti n a x meldet dem „Daily Telegraoh" aus P a« r i 5, daß in der Sitzung oes Ausschusses der Reparationssachoerständigen am Donnerstag die Delegierten Großbritanniens, Frankreichs. Belgiens, Italiens und Japans Dr. Schacht ein gemeinsames Memorandum mit ihren Vorschlägen übergeben hätten.
Daria beständen sie darauf, daß die deutschen Zahlungen ihre sämtlichen Schulden an Amerika decken und einen Ueberschuß für Reparationen und verschiedene andere Zwecke übrig lassen müßten.
Sie seien der Ansicht, daß die deutsche Annuität aus einem veränderlichen Teil bestehen müsse, der den Summen parallel ist, die nach Amerika transferiert werden müssen, und einem feststehenden Teile für Reparationen. Pertinax erklärt, der von den Delegierten unterbreitete Plan entspreche wahrscheinlich einem Betrage, der etwas niedriger sei, als die augenblickliche Dawesannuität. Es heiße, daß die Alliierten bereit feien, Gegenvorschläge zu erörtern. Außerdem habe Owen D. Doung, der als eine Art von Schiedsrichter handele, mündliche Vorschläge über die Betrage gemacht, die an die verschiedenen Mächte außer den Summen, die vom amerikanischen Gläubiger gefordert würden, gezahlt werden sollten. Die von ihm angegebenen Summen müßten jedoch als Minima angesehen werden. Es sei z. B. klar, daß der Betrag, den er für Frankreich angegeben habe, von der französischen Delegation nicht angenommen werden würde. Pertinax meint, die Deutschen würden ihre Gegenvorschläge nächste Woche natürlich eher auf die amerikanischen, als auf die alliierten Vorschläge gründen.
Optimismus in der englischen presse.
London, 30. März. (WTB. Funkspruch.) „Times" berichtet aus Paris: Reichsbankpräsident Dr. Schacht nahm an der Erörterung am Donners- tag einen hervorragend konstruktiven Anteil. Der Korrespondent erwartet, daß am nächsten Donnerstag zum ersten Male die Frage der Zahlungsbeträge behandelt werden wird. Die Aussichten für einen befriedigenden Fortschritt in dieser Richtung hätten sich sehr gebessert. Ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen dem Standpunkt Deutschlands und dem der Gläubigerländer sei bei diesen Erörterungen nicht zutage gebracht worden. Wie man annehmen könne, bildeten sie vielmehr eine für beide Seiten annehmbare Der Handlungsgrundlage.
„Morning Post" berichtet aus Paris: Die am Donnerstag vom Vorsitzenden und von verschiedenen Delegierten gemachten Vorschläge sind von den Deutschen als Erörterungsgrundlagen angenommen worden. Dies deutet auf eine günstige Atmosphäre hin. Der Pessimis- mus, der zu Beginn Der Woche geherrscht hatte, ist einem Optimismus gewichen.
ör. Schacht kommt nicht nach Berlin.
Berlin, 28. März. (Priv.-Tel.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird Deichsbank- präsident Dr. Schacht nicht über Ostern nach Berlin zurückkehren, sondern auch bis zum Wieder- zufammentritt der Sachverständigen-Konferenz nach den Feiertagen in Frankreich bleiben. Damit entfallen auch die Vermutungen ausländischer Blätter, daß Dr. Schacht während der Pause neue „Instruktionen" in Berlin ein» holen werde.
morgen seine Europareise antritt, vkrd sich kV London von dem bekannten Maler de Laßlc malen lassen. Das Bild wird alter Ueberliefe- rung gemäß seinen Platz neben den Porträts der früheren Staatssekretäre im Konferenzsaal deS Staatsdepartements finden.
Ratifizierung des Kellogg-pattes im französischen Senat.
Paris, 29. März. (WB.) Der Senat hat den Gesetzentwurf zur Ratifizierung des Kellogg-Paktes in einfacher Abstimmung angenommen. Außenminister Driand führte u. a. aus, man habe der Tatsache keine gebührende Beachtung geschenkt, daß der Pakt alle Rationen miteinander gleichstelle. Frankreich habe niemals zwischen starken und schwachen Rationen unterschieden. Es fei eine sehr große Freude für ihn gewesen, den Pakt gleichzeitig mit den Signataren des Locarnopakte S in Paris zu unterzeichnen.
Der Friedensgedanke sei nach dem blutigen Kriege lief in die Geisler eingedrungeu, doch dürfe deshalb ein Land im Gedanken an den
Frieden nicht eiuschlafen.
Man müsse den Frieden organisieren. Er, B r i a n d, habe Vertrauen in die Zukunft der Menschheit. Dem Kriege müßten Hindernisse in den Weg gelegt werden; dies mache aber Vorsichtsmaßnahmen keineswegs unnötig. Zweifelsohne gebe es noch Heere und Flotten, aber wenigstens seien die Rüstungen nicht verstärkt worden. Wenn der Kellogg-Pakt auch den Völkern nicht den sicheren und unbedingten Frieden bringe, so erleichtere er ihn doch und verdiene daher Billigung.
Aus aller Welt.
Oer Zannowiher Mod.
Hirschberg, 29. März. (WB.) Landgerichtsrat Thomas, der Untersuchungsrichter in der Iannowitzer Mordangelegenheit, muhte heute nacht in ein Sanatorium gebracht werden, wo er sich sofort einer Blinddarmoperation untergeben ließ. An feine Stelle tritt Landgerichtsrat Späthe, als Leiter der weiteren Untersuchung, die durch diesen Wechsel naturgemäß eine gewisse Verzögerung erleiden dürfte. Heute wurden die Mitglieder der gräflichen Familie bis in' die späten Nachmittagsstunden hinein vernommen. Landgerichtsrat Späthe hält im Gegensatz zum Staatsanwalt und zum bisherigen Untersuchungsrichter einen einfachen Unfall vorläufig für nicht ausgeschlossen.
Die heutigen Vernehmungen galten vor allem den Alibibeweisen der übrigen Mitglieder der gräflichen Familie. Die Alibibeweise können sämtlich als gelungen angesehen werden.
Die Gräfin Eberhard ist gestern abend während ihrer Vernehmung vollständig zusammengebrochen und mußte ins Bett gebracht werden. Die Aerzte haben aus Gesundheitsrücksichten nicht gestattet, daß die Gräfin vorläufig weiter vernommen wird.
Die Mordkommission dementiert heute abend die Meldung, daß auf den Grafen zu Stolberg zwei Schüsse abgegeben worden seien. Das Gutachten Prof. Brünings hat den Beweis erbracht, daß nur ein Schuß gefallen ist. An dem auf dem Fußboden gefundenen Geschoß sind bei der chemischen Untersuchung Blutspuren vorgefunden worden. Prof. Brüning, der heute in Hirschberg weilt, wird morgen am Tatort eine Rachprüfung vornehmen.
Schändung eines kriegsblindenDenkmals.
Ein in seinen Einzelheiten von erschreckender Verkommenheit zeugender Roheitsckt wurde am Karsreitagnachmittag an dem Denkmal „Der Kriegsblinde" auf dem Fichteberg in Steglitz verübt. Bisher noch unbekannte Täter schlugen der Broncefigur des erblindeten Kriegers nicht nur mit dem Meißel den rechten Arm ab, sondern schändeten das Denkmal außerdem noch in niederträchtiger Weise.
An sonstigen kulturellen Einrichtungen sind die städtischen Theater und Museen erwähnt, insbesondere sei die Notlage des Mainzer Stadttheaters betont, dem unter den Desatzungsverhältnissen eine ganz besonders kulturelle Bedeutung zukommt.
Die weiteren Kapitel der Denkschrift sind bann der Jugendpflege, der Volksbildung, dem Hochschulwesen und den sonstigen Kultureinrichtungen gewidmet.
Hebet die Grundfrage deS ganzen hochbedeutsamen Problems,
in welcher Weise der Wirtschaft des befehlen Gebietes zu helfen ist, und wie der kulturelle
Notstand zu beheben ist, haben in letzter Zeit mehrfach Erörterungen stattgefunden. Die übereinstimmende Auffassung aller Beteiligten geht dahin, daß vor allem die Inangriffnahme dringender Aufgaben durch Bereitstellung entsprechender Mittel eröffnet werden muh. Daneben muh durch Kreditgewährung, durch Ausbau und Förderung der gewerblichen und landwirtschaftlichen Organisationen, des Innungswesens usw. der Wirtschaft geholfen werden. Auch bezüglich der Besserung der Cisenbahnanschluhverhältnisse und der Verbesserung des Straßennetzes müssen Schritte unternommen werden.
Die Notwendigkeit einer tatkräftigen Unter ft üfcung durch das Reich ist um so mehr gegeben, als eine weitere Steuererhöhung nicht mehr tragbar ist. Die Unterstützung notleidender und die Wiederbelebung stilliegender Unternehmungen der Industrie und des Handels ist nur möglich durch Begebung von Krediten mit verbilligten Zinsen, durch Gewährung von Steuererleichterungen und Steuerstundungen, stärkere Berücksichtigung des besetzten Gebietes bei Vergebung von Aufträgen und durch die Durchführung größerer, notwendiger Arbeiten zur Hebung der Land- und Forstwirt-- schäft, Steigerung der Erzeugung der Landwirtschaft durch Vornahme von Meliorationen, landwirtschaftlichen Wegebau und Verbesserung der Viehhaltung sowie der landwirtschaftlichen Methoden überhaupt.
Bei den Kapiteln kulturelle, soziale und sanitäre Aufgaben wird der Neu- und Ausbau von Schulen, die Errichtung von Lehrerwohnungen, Schaffung von Sport- und Spielplätzen, Schwimmanstalten. Jugendheimen und -Herbergen usw.
durch besondere Reichsmittel für notwendig gehalten. Zur Verhütung weiter um sich greifender Schädigungen im frühen Kindesalter wäre der Ausbau vorhandener Mütter- und Säuglingsheime erforderlich.
Die Denkschriften der Städte Mainz, Worms und Alzey sind der Denkschrift der hessischen Regierung angegliedert. Sie befassen sich mit den besonderen Notständen dieser Gemeinden im besetzten hessischen Gebiet.
Giresemann ausderHeimreise
San Remo, 29. März. (WB.) Reichsaußenminister Dr. Strefemann ist heute abend 7.30 Uhr nach Deutschland abgereist. Der Minister wird die Ostertage voraussichtlich in einem süddeutschenBadevrt verbringen. Kurz nach dem Fest wird er dann wieder in Berlin eintreffen.
JtaliLMscheVolschastiliWarschau
L o n d o n, 30. März. (WTB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" meldet, Italien habe nach dem französischen Vorbild beschlossen, seine Gesandtschaft in Wa rschau zur Botschaft zu erheben.
Der neue Mann im amerikanischenAußenmimstenum
Washington, 28. März. (WTB.) Staatssekretär S t i m s o n wurde heute durch den früheren Präsidenten Tast, den jetzigen Vorsitzenden des Obersten Bundesgerichtes, vereidigt und übernahm damit die Geschäfte des Staatsdepartements für auswär tige Angelegenheiten. Staatssekretär Kellogg verabschiedete sich vormittags in bewegten Worten von der Presse, der er für ihre liberale und hilfsbereite Mitarbeit dankte. Ein Vertreter der in- und ausländischen Korrespondenten sprach dem scheidenden Staatssekretär den Dank dafür auS, daß er ihnen ihre Arbeit erleichtert habe. Es werde allgemein bedauert, daß sich das Inkrafttreten des KeUoggpaktes nicht vor feinem Abschied habe ermöglichen las,en. Kellogg erklärte hierzu, die Verzögerung des Inkrafttretens des Paktes fei erklärlich, da die übrigen Signatar-Mächte die verhältnismäßig spät vollzogene Ratifizierung durch den amerikanifchen Bundessenat abgewartet hätten» Kellogg, der
Uebersall auf zwei Postbeamten.
Heute früh ist in der Röhe des Bahnhofes unt der Postagentur Reimannsfelde bei Elbing ein Ueberfall auf zwei Postbeamte verübt worden, die vom Frühzug einen Beutel mit wichtigen Post- fachen und 7000 Mark Bargeld nach der Postagen tur brachten. Die Agentur liegt etwa sieben Minu- ten vom Bahnhof entfernt an etwas abgelegener Stelle. Unterwegs hielt ein braunes Auto, dem, als die beiden Beamten vorbeikamen, drei mit Pistolen bewaffnete Männer entstiegen und die Herausgabe des Beutels erzwangen. Nachdem sie sich des Beutels bemächtigt hatten, fuhren sie mit dem Auto davon. Vorher hatten die Räuber die von der Postagentur und vom Bahnhof nach Elbing führenden Drcchtleitungen durchschnitten.
Einsturz einer Hängebrücke in England.
Aus London wird gemeldet: Etwa 40 Personen befanden sich heute in Wagen und Automobilen auf der Hängebrücke, die von Cotherstone über den Fluß Tees nach der Grafschaft Durham führt, als eines der Drahtseile brach und' ein Teil der Drücke ins Wasser stürzte. Alle. Personen und Gefährte, die sich auf der Brücke befanden, wurden in den Fluh geschleudert. Etwa 20 Personen sind verletzt, einige von ihnen schwer.
Wettervoraussage.
Das finnische Tics ist weiter südwärts gewandert und hat das Hochdruckgebiet etwas verdrängt. An der Rückseite des Tiefs dringen unter lebhaften Nordwestwinden polare Luftmassen in Deutschland ein. die in Norddeutschland sogar schon eine ausgedehnte Regenfront erzeugten. In unserem Gebiet ist bis jetzt nur Bewölkung aufgetreten. Es ist auch kaum damit zu rechnen, daß es bei uns zu ergiebigen Niederschlägen kommt. Da die Rückseitenwirkung des Tiefs noch etwas anhält, wird sich zunächst das Wetter etwas unfreundlicher als die letzten Tage gestalten. Später wird jedoch wieder Aufheiterung und Erwärmung eintreten.
Wettervoraussage für Sonntag: Wolkig mit Aufheiterung, tagsüber etwas kühler, meist trocken.
Wettervoraussage fürMontag: Vielfach aufheiternd, wieder etwas wärmer und trocken.
Lufttemperaturen am 29. März: mittags 15,3 Grad Celsius, abends 4,2 Grad; am 30. März: morgens 7 Grad. Maximum 15,8 Grad, Minimum 3,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. März: abends 10,8 Grad; am 30. März: morgens 4,6 @raä Celsius. — Sonnenscheindauer 5K Stunden,


