Ausgabe 
30.3.1929
 
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1. wirtschaftliche Verhältnisse-

Die ungeheuerlichen Desatzungslasten werden eingehend dargestellt. Hier ist bekannt­lich die Stadt Mainz besonders hart betroffen. Wie start dort Beschlagnahmungen auf den Woh­nungsmarkt einwirken, beweist die Tatsache, daß in Mainz am 1. November 1928 9833 Wvh- nunasuchende, davon 4379 ohne jede Wohnung vorhanden waren.

Ls wird weiter an das Ordvnnanzenshstem, die Militärgerichtsbarkeit und die berüchtigte- ret6. die bekannten Eingriffe in das Verkehrs- wesen (Rheinbrücken. Opel-Bahnhof usw.). die Hemmungen, die dem Fremdenverkehr auferlegt sind, und schließlich an die älebergriffe der Be- sahungsangehorigen erinnert. Der innere und äußere Druck ist naturgemäß da am größten, wo die Desahungstruppen am zahlreichsten sind. Zur Zeit garnisvnieren in Hessen fast 19 000 Be­satzungsangehörige. Don den noch 1300 Far­bigen befinden sich über 400 im besetzten Hessen. Besonders groß ist die Zahl der verheirateten Offiziere und Unteroffiziere; der daraus sich er­gebende große Wohnungsbedarf hatte im hes­sischen Gebiet Beschlagnahmungen zur Folge, wie sie kein anderer besetzter Gebietsteil aufzuweisen hat. Zu den Beschlagnahmungen für Wohnungs­zwecke kommen dann noch sonstige Inanspruch­nahmen von Gebäuden, Gelände usw. durch die Besatzung.

Groh sind die wirtschaftlichen Schäden, die bas hessische besetzte Gebiet durch die Abtren­nung von Elsaß-Lothringen und die Zollgrenze nach dem Saargebtet er­litten hat. Der Wormser Bezirk beispielsweise gibt bei sorgfältiger Schätzung einen älmsatzver- lust in Industrie und Handel von 20 Millionen Vorkriegsmark an. Zahlreiche Firmen sind im be­setzten Gebiet eingegangen oder abgewandert, neue Unternehmungen haben sich kaum angefte- beit. Die Landwirtschaft ist durch Beschlag­nahmungen und Schießübungen stark beeinträch­tigt. Bei der Landwirtschaft des besetzten hessi- scheu Gebiets macht sich ein besonders großer Rückgang der Ernteerträge bemerkbar, was in der Denkschrift in mehreren Uebersichten gezeigt wird. Sie leidet ebenso wie die übrigen Wirt­schaftszweige sehr stark unter den verlöre- nen Absatzmärkten, die nur zum kleinen Teil wieder erobert werden konnten. Als Beispiel sind einige Zahlen über den Absatz eine- Obst­und Gemüsebauvereins in einem der Haupt-Obst- und Gemüseorte Rheinhessens angeführt. Dieser Verein setzte im Jahre 1922 5600 Zentner nach Essen. 720 nach Barmen, 892 nach Duisburg ab. Im Jahre 1927 war der Absatz nach Essen auf 50 Zentner, nach Barmen auf 23 Zentner zusam­mengeschrumpft. nach Duisburg wurde überhaupt nichts mehr obgeseht. Für die Landwirtschaft ist noch zu berücksichtigen, daß große Flächen besten Ackerlandes von der Besatzungs- artnee zu militärischen Anlagen, wie Magazinen. Schieß- und Flugplätzen usw. dauernd beschlagnahmt sind. Die Bevölkerung wird durch Schießübungen, Marsch- und Feld- dienstübungen usw. an der Ausübung ihrer Tä­tigkeit sehr behindert.

Die Rotlage im besetzten Gebiet ist natur­gemäß nicht ohne schwere Rückwlrkün- gen auf die Rh e i nschifs ah rt geblieben; ganz besonders die Ruhraktion hat sehr beträcht­liche Schäden verursacht, was in den Verkehrszah­len für den gesamten Hasenverkehr auf dem Rhein für die Jahre 1919 bis 1926 deutlich zum Ausdruck gebracht wird. Diese Lage der Rhein­schiffahrt hat sich auch auf dip hessischen Samen­anlagen und deren Wirtschaftlichkeit ausyewirkt. Der Rückgang der Umschlagsziffern ist nicht zu­letzt darauf zurückzuführen, daß den Häfen aus­gedehnte Einzugsgebiete, wie das Saargebiet und Eisatz-Lothringen, durch den FriedenSschluh ver­loren gingen.

Auch eine Betrachtung der Arbeits markt- Verhältnisse ergibt für das hessische besetzte Gebiet besonders ungünstige Zahlen. Während z. B. im Juli 1927 im Deichsdurchschnitt auf 100 offene Stellen 253 Arbeitsuchende entfielen, waren es im hessischen besetzten Gebiet deren 405.

Für die Auswirkung der wirtschaftlichen Rot­lage auf die Gemeindefinanzen fehlt es leider an zuverlässigen Vergleichsmöglichkeiten in­folge der Verschiedenartigkeit des Aufgabenkreises der Gemeinden in den einzelnen Ländern, aber auch im gleichen Lande und der Verschiedenartig­keit des Steuersystems. Fest steht, daß der Steuer­bedarf der Gemeinden des hessischen besetzten Ge­bietes. insbesondere veranlaßt durch die enorme Steigerung der Ausgaben auf dem Gebiete der Fürsorge und des Wohlfahrtswesens, ein viel­faches von denjenigen der Vorkriegszeit beträgt (in Mainz z. D. sind die Ausgaben für die Für­sorge und das Wohlfahrtswesen auf mehr als das elffache gestiegen!), daß diese Ausgaben im besetzten Gebiet allgemein stärker angewachsen sind? als im unbesetzten Deutschland, insbesondere außerhalb des Randgebietes, und daß die Real­steuern eine Höhe erreicht haben, die auf die Dauer ohne schwerste Schädigung der einhei­mischen Wirtschaft unmöglich beibehalten werden kann. Ein Beispiel für die unmittelbare Einwir­kung der Besetzung bieten die Ausfälle an I a g d p a ch t e n, die im hessischen besetzten Ge­biet nicht weniger als rund 135 000 Mk. jährlich betragen. Rur wenige Gemeinden beziehen heute überhaupt eine Rente aus ihrem Walde; die übrigen sind gezwungen, jährlich zu den laufenden Kosten noch Zuschüsse zu leisten. Für die Wald­wirtschaft der meisten Gemeinden stellt die als­baldige Lieberleitung des bisherigen Riederwald­betriebes in Hochwald eine Lebensfrage dar. In Frage kommt eine Umwandlungsfläche von 2223 Hektar mit einem Kostenaufwand von 1 171 500 Mark.

2. Kulturelle Verhältnisse.

In der Denkschrift ist zunächst auf das Schul­wesen hingewiesen. Wenn, wie im hessischen besetzten. Gebiet. Gemeinden nicht mehr in der Lage sind, ihren Schulkindern genügend Schul- räumc zur Verfügung zu stellen, wenn Unter# richt aus Mangel an sonstigen geeigneten Räu­men in Wirtshäusern abgehalten werden muß. wenn der Unterricht zahlenmäßig starker Klassen in kleinsten Schulsälen die Gesundheit der.Jugend gefährdet, dann kann man wohl wirklich von einer kulturellen Rot sprechen.

Unendlich v.iel muh in verschiedenen kulturellen Aufgabengebieten nachgeholt werden. Hierüber enthält die Denkschrift eingehende Mitteilungen. Auch der Rot der Kirchen ist nachdrücklichst Erwähnung getan. Die mangelhafte Be­zahlung der Geistlichen, die starke Vernachlässigung der kirchlichen Ge­bäude. die im besetzten Hessen besonders zahl­reichen Kirchen von kunsthistorischer Bedeutung seien hier hervorgehoben.

Osterferien der pariser Konferenz

Paris. 28.März. (MTV.) Die heutige Volt- sihuug der S a ch v e r st ä n d i g e n k o n s e . r e n z, die um 12 Uhr begonnen hatte, dauerte bis 13 Uhr. 3n ihrem Verlaufe haben die Delegierten der vier Hauptgläubigerländer Frankreich, England, Belgien und Italien eine formulierte Er- kläruug über ihre Ansprüche vorgebracht, desgleichen der Vorsitzende der Konferenz, Owen V. Poung, aber nur in seiner Eigenschaft als Vorsitzender und nicht als amerikanischer Delegierter. Diese beiden Vorschläge enthalten, wie ausdrücklich betont werden muh, keine Z l f - fern, sondern sind lediglich grundsätzliche Ausführungen, auf weichem Wege man am besten zur Diskussion über die höhe der Repara- tlonsverpflichtungen nach Ostern gelangen kann. 3m Laufe des heutigen Tages werden beide Vorschläge schriftlich formuliert und sämtlichen Delegierten übermittelt werden, damit sie Gelegenheit haben, sie während der Osterpause zu prüfen. Die nächste Sitzung der Konferenz findet am Donners­tag, 4. April, 11 Uhr, statt.

Ueber den Verlauf der heute vormittag statt- gelundenen Vollsitzung der Reparationswnferenz berichtet die Havasagentur, Owen Voung habe angesichts der Einstellung der Arbeiten während Der Osterferien vorgeschlagen. diese Frist dem Rachdenken zu widmen. Diese Anregung sei angenommen worden, und die Sachverstän­digen würden ihre Ferien dazu benützen, noch einmal das Wesentliche des Pro­blems, das sie zu lösen hätten, ins Auge zu fassen und ihre Regierungen zu befragen. Der Standpunkt jeder Delegation sei bereits schriftlich niedergelegt worden und werde im Laufe des Rachmittags den verschiedenen Dele­gationen zugestellt werden. Diese Exposees wür­den also nicht die Form eines Memorandums annehmen, wie gewisse Pressenachrichten ange­kündigt hätten, sondern die Form vonS eparat- noten, in denen die bereits auf gestellten Grund­sätze und die verschiedenen Anregungen niederge­legt werden würden. Diese Roten, die als Grund­lage für die Errechnung der Anzahl und der Höhe der deutschen Annuitäten dienen, und die ander­seits die hauptsächlichsten Bedürfnisse der Gläu­biger Deutschlands enthalten würden, hätten einen ausges prochen vertraulichen Cha­rakter. und ihr Bekanntwerden würde nach Aussage wohl unterrichteter Persönlichkeiten die im Gange befindlichen Verhandlungen beträchtlich behindemi. Am Donnerstag. 4. April, würden dann im Verlaufe der Vollsitzung sehr wahrschein­lich die wirklichen Diskussionen über die Ziffern eingeleitet werden.

Noung nannte den amerikanischen Mindestbetrag?

P a r i s, 30. März. (WTB. Funkspruch.) Heber die Stellungnahme des Vorsitzenden der Repara­tionssachverständigenkonferenz Ow en D. Voung in der Schlußsitzung vor den Osterferien schreibt Scho de Paris". Owen D. Voung habe es zwar abgelehnt, in der Debatte endgültig Stellung zu nehmen, und sich wie eine Art Schiedsrichter seine Handlungsfreiheit Vor­behalten, aber er habe es sich doch angelegen sein lassen, einige Ziffern zu nennen, die den merklichen Abstand zwischen dem in­teralliierten Höch st betrag und einem amerkanischen Winde st betrag, unter den man bei den Verhandlungen nicht werde her­untergehen dürfen, visieren. Das sei ein bizarres und recht wenig geeignetes Verfahren, um die Börse des Schuldners zu öffnen. Es sei klar, daß Dr. Schacht sich anschicken werde, mit dem amerikanischen Betrage zu manöverieren und daß er sich mit dem interalliierten Höchst- betrage nicht mehr als mit dem blauen Himmel beschäftigen werde. Man müsse jedoch feststellen, daß eine Verständigung nur erzielt werden könne, wenn die Deutschen sehr bedeutend über

daS Minimum Owen D. VoungS hinaus- gehen. Owen D. Voung habe nicht verfehlt, ihnen das mitzuteilen.

Oie Höchstvorschläge der Gegenseite.

London, 30.März. (WTB. Funksoruch.) Per­ti n a x meldet demDaily Telegraoh" aus P a« r i 5, daß in der Sitzung oes Ausschusses der Re­parationssachoerständigen am Donnerstag die Dele­gierten Großbritanniens, Frankreichs. Belgiens, Italiens und Japans Dr. Schacht ein gemein­sames Memorandum mit ihren Vorschlägen übergeben hätten.

Daria beständen sie darauf, daß die deutschen Zahlungen ihre sämtlichen Schulden an Amerika decken und einen Ueberschuß für Reparationen und verschiedene andere Zwecke übrig lassen müßten.

Sie seien der Ansicht, daß die deutsche Annuität aus einem veränderlichen Teil bestehen müsse, der den Summen parallel ist, die nach Amerika transferiert werden müssen, und einem feststehenden Teile für Reparationen. Pertinax erklärt, der von den Dele­gierten unterbreitete Plan entspreche wahrscheinlich einem Betrage, der etwas niedriger sei, als die augenblickliche Dawesannuität. Es heiße, daß die Alliierten bereit feien, Gegenvor­schläge zu erörtern. Außerdem habe Owen D. Doung, der als eine Art von Schiedsrichter han­dele, mündliche Vorschläge über die Betrage ge­macht, die an die verschiedenen Mächte außer den Summen, die vom amerikanischen Gläubiger gefor­dert würden, gezahlt werden sollten. Die von ihm angegebenen Summen müßten jedoch als Minima angesehen werden. Es sei z. B. klar, daß der Be­trag, den er für Frankreich angegeben habe, von der französischen Delegation nicht angenommen werden würde. Pertinax meint, die Deutschen würden ihre Gegenvor­schläge nächste Woche natürlich eher auf die amerikanischen, als auf die alliierten Vor­schläge gründen.

Optimismus in der englischen presse.

London, 30. März. (WTB. Funkspruch.)Times" berichtet aus Paris: Reichsbankpräsident Dr. Schacht nahm an der Erörterung am Donners- tag einen hervorragend konstruktiven Anteil. Der Korrespondent erwartet, daß am nächsten Donnerstag zum ersten Male die Frage der Zahlungsbeträge behandelt werden wird. Die Aussichten für einen befrie­digenden Fortschritt in dieser Richtung hätten sich sehr gebessert. Ein unüber­brückbarer Gegensatz zwischen dem Stand­punkt Deutschlands und dem der Gläubigerländer sei bei diesen Erörterungen nicht zutage ge­bracht worden. Wie man annehmen könne, bildeten sie vielmehr eine für beide Seiten annehm­bare Der Handlungsgrundlage.

Morning Post" berichtet aus Paris: Die am Donnerstag vom Vorsitzenden und von verschiede­nen Delegierten gemachten Vorschläge sind von den Deutschen als Erörterungsgrundlagen angenommen worden. Dies deutet auf eine günstige Atmosphäre hin. Der Pessimis- mus, der zu Beginn Der Woche geherrscht hatte, ist einem Optimismus gewichen.

ör. Schacht kommt nicht nach Berlin.

Berlin, 28. März. (Priv.-Tel.) Wie wir von unterrichteter Seite erfahren, wird Deichsbank- präsident Dr. Schacht nicht über Ostern nach Berlin zurückkehren, sondern auch bis zum Wieder- zufammentritt der Sachverständigen-Konferenz nach den Feiertagen in Frankreich blei­ben. Damit entfallen auch die Vermutungen ausländischer Blätter, daß Dr. Schacht während der Pause neueInstruktionen" in Berlin ein» holen werde.

morgen seine Europareise antritt, vkrd sich kV London von dem bekannten Maler de Laßlc malen lassen. Das Bild wird alter Ueberliefe- rung gemäß seinen Platz neben den Porträts der früheren Staatssekretäre im Konferenzsaal deS Staatsdepartements finden.

Ratifizierung des Kellogg-pattes im französischen Senat.

Paris, 29. März. (WB.) Der Senat hat den Gesetzentwurf zur Ratifizierung des Kellogg-Paktes in einfacher Abstimmung angenommen. Außenminister Driand führte u. a. aus, man habe der Tatsache keine gebührende Beachtung geschenkt, daß der Pakt alle Rationen miteinander gleichstelle. Frankreich habe niemals zwischen starken und schwachen Ra­tionen unterschieden. Es fei eine sehr große Freude für ihn gewesen, den Pakt gleichzeitig mit den Signataren des Locarnopakte S in Paris zu unterzeichnen.

Der Friedensgedanke sei nach dem blutigen Kriege lief in die Geisler eingedrungeu, doch dürfe deshalb ein Land im Gedanken an den

Frieden nicht eiuschlafen.

Man müsse den Frieden organisieren. Er, B r i a n d, habe Vertrauen in die Zukunft der Menschheit. Dem Kriege müßten Hindernisse in den Weg gelegt werden; dies mache aber Vor­sichtsmaßnahmen keineswegs unnötig. Zweifels­ohne gebe es noch Heere und Flotten, aber wenigstens seien die Rüstungen nicht ver­stärkt worden. Wenn der Kellogg-Pakt auch den Völkern nicht den sicheren und unbe­dingten Frieden bringe, so erleichtere er ihn doch und verdiene daher Billigung.

Aus aller Welt.

Oer Zannowiher Mod.

Hirschberg, 29. März. (WB.) Landgerichts­rat Thomas, der Untersuchungsrichter in der Iannowitzer Mordangelegenheit, muhte heute nacht in ein Sanatorium gebracht werden, wo er sich sofort einer Blinddarmoperation un­tergeben ließ. An feine Stelle tritt Landgerichts­rat Späthe, als Leiter der weiteren Unter­suchung, die durch diesen Wechsel naturgemäß eine gewisse Verzögerung erleiden dürfte. Heute wurden die Mitglieder der gräflichen Fa­milie bis in' die späten Nachmittagsstunden hinein vernommen. Landgerichtsrat Späthe hält im Gegensatz zum Staatsanwalt und zum bisherigen Untersuchungsrichter einen ein­fachen Unfall vorläufig für nicht ausge­schlossen.

Die heutigen Vernehmungen galten vor allem den Alibibeweisen der übrigen Mitglie­der der gräflichen Familie. Die Alibi­beweise können sämtlich als gelungen ange­sehen werden.

Die Gräfin Eberhard ist gestern abend während ihrer Vernehmung vollständig zu­sammengebrochen und mußte ins Bett ge­bracht werden. Die Aerzte haben aus Gesund­heitsrücksichten nicht gestattet, daß die Gräfin vorläufig weiter vernommen wird.

Die Mordkommission dementiert heute abend die Meldung, daß auf den Grafen zu Stolberg zwei Schüsse abgegeben worden seien. Das Gutachten Prof. Brünings hat den Beweis erbracht, daß nur ein Schuß gefallen ist. An dem auf dem Fußboden gefundenen Geschoß sind bei der chemischen Untersuchung Blutspuren vorgefunden worden. Prof. Brüning, der heute in Hirschberg weilt, wird morgen am Tatort eine Rachprüfung vornehmen.

Schändung eines kriegsblindenDenkmals.

Ein in seinen Einzelheiten von erschreckender Verkommenheit zeugender Roheitsckt wurde am Karsreitagnachmittag an dem DenkmalDer Kriegsblinde" auf dem Fichteberg in Steglitz verübt. Bisher noch unbekannte Täter schlugen der Broncefigur des erblindeten Kriegers nicht nur mit dem Meißel den rechten Arm ab, sondern schändeten das Denkmal außerdem noch in nieder­trächtiger Weise.

An sonstigen kulturellen Einrichtungen sind die städtischen Theater und Museen er­wähnt, insbesondere sei die Notlage des Mainzer Stadttheaters betont, dem unter den Desatzungs­verhältnissen eine ganz besonders kulturelle Be­deutung zukommt.

Die weiteren Kapitel der Denkschrift sind bann der Jugendpflege, der Volksbildung, dem Hoch­schulwesen und den sonstigen Kultureinrichtungen gewidmet.

Hebet die Grundfrage deS ganzen hochbedeut­samen Problems,

in welcher Weise der Wirtschaft des befehlen Gebietes zu helfen ist, und wie der kulturelle

Notstand zu beheben ist, haben in letzter Zeit mehrfach Erörterungen stattgefunden. Die übereinstimmende Auffassung aller Beteiligten geht dahin, daß vor allem die Inangriffnahme dringender Auf­gaben durch Bereitstellung entsprechender Mit­tel eröffnet werden muh. Daneben muh durch Kreditgewährung, durch Ausbau und Förderung der gewerblichen und landwirtschaft­lichen Organisationen, des Innungswesens usw. der Wirtschaft geholfen werden. Auch bezüglich der Besserung der Cisenbahnanschluhverhältnisse und der Verbesserung des Straßennetzes müssen Schritte unternommen werden.

Die Notwendigkeit einer tatkräftigen Unter ft üfcung durch das Reich ist um so mehr gegeben, als eine weitere Steuer­erhöhung nicht mehr tragbar ist. Die Unterstützung notleidender und die Wiederbele­bung stilliegender Unternehmungen der Industrie und des Handels ist nur möglich durch Begebung von Krediten mit verbilligten Zinsen, durch Ge­währung von Steuererleichterungen und Steuer­stundungen, stärkere Berücksichtigung des besetz­ten Gebietes bei Vergebung von Aufträgen und durch die Durchführung größerer, notwendiger Arbeiten zur Hebung der Land- und Forstwirt-- schäft, Steigerung der Erzeugung der Landwirt­schaft durch Vornahme von Meliorationen, land­wirtschaftlichen Wegebau und Verbesserung der Viehhaltung sowie der landwirtschaftlichen Me­thoden überhaupt.

Bei den Kapiteln kulturelle, soziale und sani­täre Aufgaben wird der Neu- und Ausbau von Schulen, die Errichtung von Lehrerwohnungen, Schaffung von Sport- und Spielplätzen, Schwimm­anstalten. Jugendheimen und -Herbergen usw.

durch besondere Reichsmittel für notwendig ge­halten. Zur Verhütung weiter um sich greifender Schädigungen im frühen Kindesalter wäre der Ausbau vorhandener Mütter- und Säuglings­heime erforderlich.

Die Denkschriften der Städte Mainz, Worms und Alzey sind der Denkschrift der hessischen Regierung angegliedert. Sie befassen sich mit den besonderen Notständen dieser Ge­meinden im besetzten hessischen Gebiet.

Giresemann ausderHeimreise

San Remo, 29. März. (WB.) Reichsaußen­minister Dr. Strefemann ist heute abend 7.30 Uhr nach Deutschland abgereist. Der Mi­nister wird die Ostertage voraussichtlich in einem süddeutschenBadevrt verbringen. Kurz nach dem Fest wird er dann wieder in Berlin eintreffen.

JtaliLMscheVolschastiliWarschau

L o n d o n, 30. März. (WTB. Funkspruch.)Daily Telegraph" meldet, Italien habe nach dem fran­zösischen Vorbild beschlossen, seine Gesandtschaft in Wa rschau zur Botschaft zu erheben.

Der neue Mann im amerikanischenAußenmimstenum

Washington, 28. März. (WTB.) Staats­sekretär S t i m s o n wurde heute durch den frü­heren Präsidenten Tast, den jetzigen Vorsitzen­den des Obersten Bundesgerichtes, vereidigt und übernahm damit die Geschäfte des Staats­departements für auswär tige An­gelegenheiten. Staatssekretär Kellogg verabschiedete sich vormittags in bewegten Wor­ten von der Presse, der er für ihre liberale und hilfsbereite Mitarbeit dankte. Ein Vertreter der in- und ausländischen Korrespondenten sprach dem scheidenden Staatssekretär den Dank dafür auS, daß er ihnen ihre Arbeit erleichtert habe. Es werde allgemein bedauert, daß sich das Inkrafttreten des KeUoggpaktes nicht vor feinem Abschied habe ermöglichen las,en. Kellogg erklärte hierzu, die Verzögerung des Inkraft­tretens des Paktes fei erklärlich, da die übrigen Signatar-Mächte die verhältnismäßig spät voll­zogene Ratifizierung durch den amerikanifchen Bundessenat abgewartet hätten» Kellogg, der

Uebersall auf zwei Postbeamten.

Heute früh ist in der Röhe des Bahnhofes unt der Postagentur Reimannsfelde bei Elbing ein Ueberfall auf zwei Postbeamte verübt worden, die vom Frühzug einen Beutel mit wichtigen Post- fachen und 7000 Mark Bargeld nach der Postagen tur brachten. Die Agentur liegt etwa sieben Minu- ten vom Bahnhof entfernt an etwas abgelegener Stelle. Unterwegs hielt ein braunes Auto, dem, als die beiden Beamten vorbeikamen, drei mit Pistolen bewaffnete Männer entstiegen und die Herausgabe des Beutels erzwangen. Nachdem sie sich des Beutels bemächtigt hatten, fuhren sie mit dem Auto davon. Vorher hatten die Räuber die von der Postagentur und vom Bahnhof nach Elbing führenden Drcchtleitungen durchschnitten.

Einsturz einer Hängebrücke in England.

Aus London wird gemeldet: Etwa 40 Per­sonen befanden sich heute in Wagen und Auto­mobilen auf der Hängebrücke, die von Cotherstone über den Fluß Tees nach der Grafschaft Durham führt, als eines der Drahtseile brach und' ein Teil der Drücke ins Wasser stürzte. Alle. Per­sonen und Gefährte, die sich auf der Brücke be­fanden, wurden in den Fluh geschleudert. Etwa 20 Personen sind verletzt, einige von ihnen schwer.

Wettervoraussage.

Das finnische Tics ist weiter südwärts gewandert und hat das Hochdruckgebiet etwas verdrängt. An der Rückseite des Tiefs dringen unter lebhaften Nordwestwinden polare Luftmassen in Deutschland ein. die in Norddeutschland sogar schon eine ausge­dehnte Regenfront erzeugten. In unserem Gebiet ist bis jetzt nur Bewölkung aufgetreten. Es ist auch kaum damit zu rechnen, daß es bei uns zu ergie­bigen Niederschlägen kommt. Da die Rückseitenwir­kung des Tiefs noch etwas anhält, wird sich zunächst das Wetter etwas unfreundlicher als die letzten Tage gestalten. Später wird jedoch wieder Aufheiterung und Erwärmung eintreten.

Wettervoraussage für Sonntag: Wolkig mit Aufheiterung, tagsüber etwas kühler, meist trocken.

Wettervoraussage fürMontag: Viel­fach aufheiternd, wieder etwas wärmer und trocken.

Lufttemperaturen am 29. März: mittags 15,3 Grad Celsius, abends 4,2 Grad; am 30. März: morgens 7 Grad. Maximum 15,8 Grad, Minimum 3,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 29. März: abends 10,8 Grad; am 30. März: morgens 4,6 @raä Celsius. Sonnenscheindauer 5K Stunden,