Ausgabe 
29.11.1929
 
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Hon heute noch nicht erreicht wurde, daß die Lage vielmehr als unverändert anzu­sehen sei. Da der Reichstag sich morgen in der Behandlung des Entwurfes für das Freiheits- geseh auf die erste Lesung beschränken muh, hat die deutschnationale Fraktion zunächst b i s Samstag Zeit, um eine Klärung herbeizu­führen.

Zusammenschluß der Minder­heiten in Polen.

Warschau, 28. Rov. (WB.) 3m Sejmgebäude haben bedeutsame Beratungen von Vertreten) sämtlicher ukrainischer, weißrussischer und litauischer Parteien in Polen stattge­funden. Rur die Kommunisten haben sich der Beratung ferngehalten. Rach erschöpfender Er­örterung der Lage dieser drei Rationalitäten innerhalb der polnischen Grenzen wurde fest­gestellt. daß im Zusammenhang mit der beab­sichtigten Aenderung der polnischen Verfassung das Bestreben herrsche, die Rechte dieser Minderheiten gänzlich einzuschrün- k e n Angesichts dessen hat die von den drei Minderheiten beschickte Konferenz beschlossen, in engster Zusammenarbeit denK am p f um die Rechte der Rationalitäten zu führen und zu diesem Zweck einen stän- digen Verständigungsausschuß ins Leben zu rufen. Die nationaldemokratische Gazeta War- szawska hält es nicht für ausgeschlossen, daß sich die Verständigungsaktion auch noch auf Deutsche und Juden erstrecken wird.

Krastprobe der Opposition in England.

London. 28.Rov. (WTB.) 3m Unterhaus brachten bei der Erörterung des Ar b e i t s - losenversicherungsgesetzes die Libe­ralen einen Abänderungsantrag ein. demzu­folge Personen unter 18 3ahren nur Anspruch auf Unterstützung haben sollen, wenn sie während der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit an Unter­richtskursen teilnehmen. Der Arbeits­minister M.ß Margaret Bondfield bekämpfte diesen Antrag mit der Begründung, daß die An­regung zwar wertvoll, aber praktisch un­durchführbar sei. Die anwesenden Konser­vativen und Liberalen stimmten für den Abänderungsantrag. Sie waren aber nicht in genügender Stärke erschienen, um der Regierung eine Riederlage beizubringen. Der Antrag wurde mit 237 gegen 167 Stimmen ab - gelehnt. Während der Abstimmung ging Lloyd George zu Baldwin hinüber, und beide verliehen gemeinsam das.Haus unter den Rufen der Arbeiterpartei:Sie wollen eine neue Regierung bilden!" Wenn auch eine Riederlage der Regierung in einer verhältnismäßig unter­geordneten Frage nicht zu ihrem Sturze führen konnte, wurde doch dieses Zusammengehen der Konservativen und Liberalen erregt erörtert.

Wie Frankreich seine Ostgrenze armiert.

Maginots Bericht vor dem Heeresausschutz . Paris. 28. Rov. (WB.) DasEcho de Paris" bringt weitere Einzelheiten über die Ausfüh­rungen des Kriegsministers M a g i n o t vor dem Heeresausschuh der Kammer zur Frage der Befestigung der französischen O ft - grenze. Danach soll der Kriegsminister betont haben, daß die Arbeiten zur Verteidigung des Rheins, an den Befestigungen in der Gegend von Metz und an der Lauter im vollen Gange seien. Die Vorrichtung zur 11 n - brauchbarmachung der Straßen sei vollendet. Man könne voraussehen, daß im Som­mer 1930 180 einfache oder doppelte Kase­matten, vier kleine Defestigungswerke und etwa 100 Unterstände sowie ein Drittel der vorgesehenen mobilen Befestigungs- Parks fertiggestellt seien oder in Dienst ge­stellt würden. Auf diese Weife werde binnen einem 3ahre die Verteidigung der franzö- sischen Ostgrenze den Deckungstruppen eine Feuer­unterstützung bieten, die alle 3ahre bis 1934 weiter ausgebaut werde. 1934 werde das französische Verteidigungssystem endgültig vollendet sein.

Um den Frieden im Femen Osten.

Die Chinesen haben darauf verzichtet, solange zu warten, bis der Völkerbund sich in den fernöstlichen Konflikt einmengt oder die Kellogg-Mäcbte alarmiert find. Sie haben Rußland um Frieden ge­beten und Moskau hat nicht gezögert, unter der Voraussetzung der Wiederher st ellung des s r ü h e re n Zustandes in die dargebotene Hand einzuschlagen. Damit ist natürlich der Friede selbst noch nicht perfekt. Wird man sich am grünen Tisch nicht einig, dann wird man eben den Krieg fort- setzen. Kroß sind die Widerstandskräfte Chinas aller­dings nicht, so daß es schließlich doch einen Vertrag unterzeichnen wird, auch wenn er noch über die Be­dingungen des Waffenstillstands hinaus geht. Be­denklich ist es aber doch, daß die Kellogg- Mächte bis heute keinen Finger ge- rührt haben, um dem Krieg im Fernen Osten ein Ende zu bereiten, obwohl Rußland und China den Kriegsächtungspakt unterzeichnet haben, und alle Staaten verpflichtet sind, gegen den Störer des Friedens Front zu machen.

Oie Friedensbedingungen. Eine Proklamation des Oberbefehlshabers der Lowjetarmee.

Paris. 28. Rov. (WB.) Rach Havas hat der Oberbefehlshaber der Sowjetarmee im Fer­nen Osten die folgende Proklamation erlassen: Wir haben die Chinesen auf zwei Fronten geschlagen. Wir hätten den Feind bis Charbin verfolgen können, begnügen uns aber damit. China eine Lektion gegeben zu haben, die unsere Stärke und unsere feste Ab- sicht zeigt, dieKontrolleüberdieEisen» bahn aufrechtzuerhalten. Die Lage wird nur durch vollständige Ausfüh­rung der Verträge von Moskau und Muk» den geändert werden können. Wenn China eine neue Lektion vermeiden will, so wird es ohne Verzug die früher bei der chinesischen Ostbahn bestehende Lage wieder Herstellen, die russischen Gefangenen befreien, die Konzentra­tionslager öffnen, die Weißgardisten entwaffnen

Hessischer Landtag.

D a r m st a d t, 28. Roo. (WHP.) Präsident Delp eröffnet um 10.15 Uhr die Sitzung. Das Haus ist nur schwach besetzt. Auf der Tagesordnung steht die Beratung eines kommunistischen Antrages, die Anschaffungskosten für Ortstafeln und Verkehrszeichen in den Gemeinden auf die Staatskasse zu übernehmen.

Abg. N i e p o t h (D. Dp.) vertritt die Auffasiung, daß die Kosten für diese, lediglich dem Durch- gangsoerkehr dienenden Verkehrszeichen den Provinzen auferlegt werden müßten, da die- sen auch das Aufkommen aus derKraft- fahrzeugsteuer zufalle. Auf Grund welcher ge­setzlichen Bestimmungen verlange die Regierung von den Gemeinden, diese Kosten selbst zu tragen? Der Antrag wird auf Grund gesetzlicher Bestimmun- gen gegen vier Stimmen fürerledigterklärt.

Die Abg. Angermeier und G a lm (Komm.- Opposition) begründen einen Antrag, die D e s o l - dungsmehrkosten, die den Gemeinden durch das hessische Staatsbeamtenbesoldungsgesetz entstehen, der Staatskasse aufzuerlegen.

Abg. Dr. Müller (Dbd.) erklärt, daß die Be­soldung der Gemeindebeamten sich nach derLei- stungsfähigkeit der Gemeinde richten müsse. Die Verantwortlichkeit der Gemeinden für ihre Besoldungspolitik müsse bei Erweiterung ihrer Selbstoerwaltungsrechte erhalten bleiben. Der Antrag wird abgelehnt.

Mehrere Anträge auf Abgabe von Laub­streu aus den Staatswaldungen und Oeffnung der Waldweiden angesichts der herrschenden Futter- mittelnot werden gemäß einer zust.mmenden Re- gierungsantwort einstimmig angenommen.

Anträge, die die Derkehrsverhältnisse auf dem Bahnhof Stockheim (Oberhessen), und die Der- kehrssicherheit auf den Provinzialstraßen entlang der Bahnlinie ReinheimReichelsheim betreffen uno ein kommunistischer Antrag auf freie Fahrt für die Ar­beiter und Bediensteten bei der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. werden bis zur Vorlage der Ergeb­nisse der zum Teil noch laufenden Verhandlungen mit den Reichsbahnbehörden der Regierung als Ma­terial überwiesen.

Abg. Böhm (Dn.) begründet einen Antrag auf Einführung einer besonderen Belrlebssteuer für Warenhäuser

(der Antrag ist im Ausschuß aus formal-steuerrecht- lichen Gründen für erledigt erklärt worden). Die Warenhäuser vernichteten den kaufmännischen Mit­telstand und führten zu einer Zerrüttung auf dem Grundstücksmarkte in der Nähe der Warenhäuser, da dort sogar erste Hypotheken nicht mehr zu bekommen seien.

Abg. Lux (Soz.) lehnt den Antrag ab. da den Gemeinden das Recht zur Beteuerung der Warengrobbetriebe im Gemeindeumlagen- geseh gegeben fei.

Abg. Dr. Wolf (DRP.) ist für den Antrag, weil sich sogar ausländische Waren­hauskonzerne in Deutschland breitmachten.

Abg. W e ck l e r (Ztr.) lehnt den Antrag ab und meint, daß kaufende Publikum müsse eben den kaufmännischen Mittel st and mehr unterstützen.

Abg. Dr. R i e p o t h (D. Dp.) erblickt in dem Antrag kein Mittel, der Entwicklung der Warenhäuser entgegenzuwirlen. Die steuer­liche Bevorzugung der Filialbetriebe und Konsumvereine n erde nach Vorlage tet Der- a la u s rge is e aus geh obenwerde - müs­sen. ~»ie Re al »teuer,., also auch die Fiäal- und Warenh aus steuer müßten den Gemeinden als Einnahmequelle erhalten bleiben.

Finanzminister Kirnberger weist darauf hin, daß er trotz der für den Staat zu erwartenden Einnahmen es kürzlich abgelehnt habe, den heutigen Palais-Garten für ein Wa­renhaus abzugelen. Den Gemeinden könne die Warenhaussteuer nicht ohrre Aenderung des Finanzausgleichsgcsehes genommen und dem Staate überwiesen werden. Dies feien keine juristischen Deduktionen, die auS Mittelstands- feindlichkeit vorgebracht würden, sondern es bestehe tatsächlich die Gefahr, daß die Steuer von den Warenhäusern auf ihre Liefe­ranten abgewälzt werden würde, wo­durch man dann gerade denMittelstand schädige. Wer den Antrag ablehne, könne in keiner Weise als Feind des Mittelstandes betrachtet werden.

Der Antrag wird mit großer Mehrheit ab­gelehnt.

Auf Anfrage des Abg. Dr. Werner (wild) erllärte Ministerialdirektor R e u r o t h, daß mit Preußen und den süddeutschen Ländern über eine Zusammenlegung von Straf­anstalten Verhandlungen geführt würden, um den stufenweisen Strafvollzug zu ermöglichen. Bei der Zustimmung zur Einstellung eines Straf­verfahrens gegen einen 3ugendlichen wegen Falscheides wird die Regierung aufgefordert, sich bei der Strafrechtsreform gegen die gene­relle Vorleistung des GidesimStraf- prozeh auszusprechen, um die vielen fahr­lässigen Eidesverlehungen, namentlich durch Zu­gendliche, einzudämmen.

Abg. H a m m a n n (Komm.) verteidigt dann den kommunistischen Mißtrauensantrag gegen die Regierung wegen ihrer Hal­tung zur Reform der Arbeitslosenver­sicherung. Die sozialdemokratischen Regierun­gen im Reich und in Hessen verdienten schärfste Verurteilung wegen ihrer Beteiligung an dieser 'Offensive der Arbeitgeber gegen die arbeitenden Massen. (Es sind noch sieben Abgeord­nete im Saal.) Rachdem der Abgeordnete eine Stunde lang die einzelnen Paragraphen der Reformvorlage, die im Oktober in Kraft trat, durchgesprochen hat, entspinnt sich eine Ge­schäftsordnungsdebatte. da Präsident Blank die Weiterberatung der kommunistischen Anträge zum Arbeitslosengesetz auf Dienstag der kom­menden Woche vertagen will.

Das Haus beschließt jedoch, die ganze Frage der Arbeitslosenanträge zu Ende zu beraten.

Abg.Weber (Soz.) wendet sich im einzelnen gegen die Behauptungen des Abg. Hammann, die mit den Bestimmungen des Gesetzes im schreienden Widerspruch ständen. Schließlich wird die Sitzung auf Dienstag vertagt.

und die chinesischen Truppen von den Grenzen zurückziehen müssen. 3ede Verzögerung würde einen Verstärkung unserer Aktion nach sich ziehen." Mulden hat diese Bedingungen soeben ange­nommen.

Oer Sprengstoff-Lieferant der Bombenleger.

Hamburg, 29. Rov. (Priv.-Tel.) Den in der Untersuchung der Bombenanschläge in Altona tätigen Berliner Kriminalbeamten ist es gelun­gen. in einem der letzten Verhafteten, dem Land­wirt 3ohann R a t h j e n aus Bargfeld, den Lieferanten und 11 e b e r b r i n g e r von Explosivstoffen zu ermitteln. Rathjen ist jetzt unter dem Druck der ihm vorgelegten Be­weismittel g e st ä n d i g . den für die Anschläge in Winsen, Beidenfleth, Lunden und Hollingstedt benötigten Sprengstoff besorgt zu haben.

Hauszinssteuer und Siedlung

Aus dem Preußischen Landtag.

Berlin, 29. Rov. Der Haupt ausschuh des Preußischen Landtages berüt am Donnerstagabend den Lira, trag Schmitt, Lim­burg (Deutsche Fraktion), der das Staatsmini­sterium ersucht, unverzüglich noch für das 3ahr 1929 «inen weiteren Mindest betrag von 10 Millionen aus dem Aufkommen der Hauszinssteuer zur Gewährung von Hauszins­steuerhypotheken . für landwirtschaft­liche Siedlungsbauten zur Vertilgung zu stellen.

Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff gab einen Hcberblick über die Verwendung des Haus­zinssteueraufkommens. 3m 3ahre 1923 halt) es 1040 Millionen betragen. 3nsgesan t sind 53 6 Millionen für die Bautätigkeit ver­wendet worden. Wenn man hiervon 2 0 Mil­lionen für die Siedlung abzweigen würde, so fiele das gegenüber dem Gesamt­betrag nicht entscheidend ins Gewicht. Dabei solle man nicht übersehen, daß es auch der Stadt zugutekommt, wenn durch den Woh­nungbau aus dem Lande die Abwande­rung nach der Stadt eingedämmt wird. Schließlich steht die Gesamtfrage im Zusammen­hang mit der Ost Preußen Hilfe, die ohne ausreichende Siedlunystätigkeit nicht wirksam werden kann. lleberdies hat Preußen bei der Ausstellung des Ostpreußenprogramms die Ve r- pslichtung übernommen, aus Hauszinssteuer- mitteln Beträge für Siedlungszwecke zur Ver­fügung zu stellen. Für den Dau von Land­arbeiterwohnungen sind aus Anleihemit­tels zur Verfügung gestellt worden je 30 Mil­lionen in den 3ahren 1927, 1928 und 1929. ilr- sprünglich seien von der Reichsgesehgebung ein Zehntel der Hauszinssteuermittel für den Baubedarf und neun Zehntel für andere Zwecke bestimmt gewesen. Durch die preußische Aus- führungsgesehgebung ist das Verhältnis zu­gunsten der Mittel für den Baubedarf verändert worden. Bei dem ernsten Stand der Staats- finanzen ist es unmöglich, laufende Mittel oder Anleihemittel für die Siedlung zur Ver­fügung zu stellen. Die Frage ist nur die, ob man die Siedlung durch Hauszcnssteuermitteln för­dern oder gar nicht fiedeln will.

Landwirtschaftsminister Dr. Steiger wies daraus hin, daß die Mittel nicht entbehrt

werden könnten. Die Belastung für die ein­zelnen Siedler stellen betrage schon jetzt 16 Mark für den Morgen. Wenn man die Hauszins- steuermittel nicht erhalte, sei eine weitere Siedlung nicht möglich. 3m 3ahre 1929 wolle man 4000 neue Siedlerstellen schaffen; dazu brauche man die 10 Millionen. Man be­schloß schließlich, zunächst den' Beirat beim Wohlfahrtsministerium über die Verteilung der Hauszins steuermittel zu Horen.

Oie evangelische Kirchenbehörde für 5-Llhr-Ladenschluß.

Berlin, 29.Rov. Der Deutsche Evan­gelische K irchenausschuh, dis oberste Vertretung der evangelischen Kirchen, hat fol­genden Beschluß gefaßt: Der Deutsche Evange­lische Kirchenausschuh hat mit Befriedi­gung von den im Reichstag gestellten Anträgen Kenntnis genommen, die die gesehlicheFest- legungde25-Llhr-Ladenfchlussesam 2 4. Dezember zum Zwecke haben. Ec würde es begrüßen, wenn ein entsprechender Gesetz­entwurf baldigst zur Verabschiedung gelangt. Es wird damit einem schon längst in kirchlichen Kreisen geltend gemachten Wunsche Rechnung getragen.

Oas goldene priesterjubiläurn des Papstes.

Rom, 28. Nov. (WB.) 5)eute mittag um 121 Uhr überreichte der deutsche Botschafter o. Bergen dem Pap st ein Schreiben des Reichspräsi­denten mit den persönlichen Wünschen des Reichs­präsidenten und denen der Reichsregierung z u d em goldenen Priesterjubiläum des Pap­stes. Anschließend erfolgt die Uebergabe des Geschenkes der Reichsregierung an den Papst. Das Geschenk ist ein Duplikat des sogenannten roten Prunktafelseroices" Fried­richs des Großen, das seit gestern in dem besonders geschmückten Paramentensaal des Vati­kans ausgestellt war. Botschafter o. Bergen wird ich in Begleitung des Personals der Botschaft sowie >es Vatikanreferenten des Auswärtigen Amtes, Ge- andtschaftsrats Klee, in den Vatikan begeben. Nach der Audienz findet die Besichtigung des Ge­schenks der Reichsregierung durch die Press« statt.

Aus aller Wett.

Ein Preßbeleidigungsprozeh.

Senatspräsidcnt Reichert vom Reichsgericht und Reichsgerichtsrat a. D. B e w e r wurden wegen Beleidigung des Herausgebers desTagebuchs", Leopold Schwarzschild, zu je 300 Mark Geld- strafe verurteilt. Die beiden Verurteilten redi­gieren dieDeutsche Richterzeitung". Der Kläger hatte das Todesurteil des Neustrelitzer Schwurge­richts gegen den Russen Jakubowski imBerl. Tageblatt" scharf kritisiert. Darauf erschien in der Deutschen Richterzeitung" eine Erwiderung, in der dem Schriftsteller Schwarzschildabscheuliche Fahrlässigkeit und empörende Wahr- heitswidrlgkeit* nachgesogt und er als rechtsbeugender Literat" bezeichnet wurde. Auf die Klage des Beleidigten sprach das Amtsgericht Schöneberg am 30. Januar d. I. die An­geklagten Reichsgerichtsrüt« frei, indem es ihnen Wahrnehmung berechtigter Jnteres.

f e n zubilligte. Schwarzschild legte Berufung ein. Die Strafkammer versagte den Angeklagten den Schutz des § 193 (Wahrnehmung berechtigter Interessen), da sie in ihren Angriffen das erlaubte Maß überschritten und sich schwerer formaler Belei­digung schuldig gemacht hätten. Als besonders er­schwerend sah das Gericht die hohe Stellung der beiden Angeklagten an, die sie zu besonderer Vor­sicht hätte veranlassen müssen.

Der Gladbecker Lohngeldraub erneut vor Gericht.

Der geistige Urheber und Organisator des großen Lohngeldraubes auf der Zeche M atthias Stinnes" in Gladbeck, bei dem den Räubern die gesamte Lohnsumme in Höhe von 118 000 Mark in die Hände fiel, der 33 3ahre alte Anstreicher Franz Hutmacher, ist vom Erweiterten Schöffengericht wegen dieses Raubes und anderer Delkite zu einer Gesamt­strafe von 15 3ahren Zuchthaus ver­urteilt worden. Der Kellner Willi Steeger, der um den Plan gewußt hatte und später ge­meinsam mit Hutmacher in Rotterdam aus den Deutegeldern eine Gastwirtschaft erworben hatte, wurde wegen Begünstigung zu zwei 3ahren Zuchthaus verurteilt. Me anderen Teilnehmer an dem Äeberfall, die Brüder Keimling, sind schon vor einiger Zeit zu 12 bzw. 13 3ah- ren Zuchthaus verurteilt worden.

Großer Erfolg des ttlingler-Ouarletts in London.

Der große Erfola, den das Klingler-Quartett vor einem Jahre in London erzielte, wiederholte sich nun in der Aeolian Hall, wo eine auserlesene Musikgemeinde den Herren Professor Karl Klingler, Richard Heber, Fridolin Klingler und Ernst Silberstein einen begeisterten Empfang be­reitete. Das heutige Programm umfaßte das Preis- quartett Nr. 2 von Cherubini, Opus 168 von Schu bert, und als Krönung des Abends Opus 131 von Beethoven. Bis zum letzten Satz folgte die Zuhörerschaft, die die Aeolian Hall bis auf den letzten Platz füllte, dem meisterhaft vorgetragenen Spiel mit atemloser Spannung. Stürmischer Beifall gab dem Dank für den hohen Genuß Ausdruck, den die deutschen Künstler der Londoner Musikwelt bereiteten.

Asta Nielsen klagt.

Wegen des Verbotes der Kieler Gast­spiele Asta Äielsens hat Direktor Ellen vom Schillertheater Altona als Leiter der Gastspiel­tournee der dänischen Filmschauspielerin gegen die Kieler Polizeibehörde eine Feststellungs- klage angestrengt, während die Kieler Reichs­hallen, in denen das Gastspiel stattfinden sollte, ihrerseits auf Schadenersatz klagen. Außer­dem verlautet, daß Asta Rielsen gegen den 3nten- danten des Kieler Stadttheaters Hartmann eine Beleidigungsklage anstrengen wird wegen der Begründung, mit der er als Gut­achter das Gastspiel derF l immer da me" abgelehnt hat.

Disziplinarverfahren gegen den Vorstand der Berliner Studentenschaft.

Zu den Vorgängen, die sich kürzlich in der Universität Berlin nach einer Kundge­bung der Allgemeinen Studentenschaft abgespielt haben, wird letzt bekannt, daß gegen die Aus­schutzmitglieder und gegen den Vorstand der Stu­dentenschaft Diszivlinarunterfuchun- g e n eingeleitet sind. Dem Vorsitzenden der Stu­dentenschaft, Hoppe, der nicht immatrikuliert gewesen ist, wurde seine Reuimmatrikulation verweigert. Hoppe hat gegen die Matz- nahme Beschwerde eingelegt.

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Wettervoraussage.

Die Störungstätigkeit hat mit dem Vordringen neuer Wirbel mildes, ungünstiges regnerisches Wet­ter verursacht. Die gestern über dem Kanal lieaenbe Störung, die im Laufe des gestrigen Tages unserem Bezirk Niederschläge gebracht yat, ist nach Dänemark weiter gezogen. Bereits heute nähert sich den bri­tischen Inseln wieder eia neues Fallgebiet. Infolge­dessen besteht keine Aussicht auf beständigeres Wet­ter, vielmehr gestaltet sich der Witterungcharakter wechselnd, wobei unter dem Herantransport weiterer seuchi-milder Luftmassen wolkiges, auch zeitweise trübes Wetter mit Niederschlägen bevorsteht.

Wettervorhersage für SamStag- Weiterhin unbeständiges, mildes Wetter mit zeit­weisen Riederschlägen. Südwestliche bis westliche Winde.

Wetteraussichten für Sonntag. Roch wechselnd wolkig, vorübergehend aufheiternd, wei­terhin mild, vereinzelte Riederschläge.

Lufttemperaturen am 28. November: mittags 7,6 Grad Celsius, abends 6,9 Grad: am 29. November: morgens 9,3 Grad. Maximum 10,6 Grad, Minimum 4,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 28. November: abends 5,4 Grad: am 29. November: morgens 5,4 Grad Celsius. Niederschlag 4^ wm.