man hier gut äße, antwortete er: überall. Wir haben aber Hunger, meinten die deutschen Jungens. Oh, Sie haben Hunger? sagte der Marseiller bedenklich, das wird sehr schwer sein... Er führte sie dann in eine Fischerkneipe, wo man zu billigen Preisen das berühmte Marseiller Fischgericht ■ Bouillabaise bekam, aber auch von diesem Gericht wurden die Jungens nicht satt. England gilt als sehr teuer. 3n London bekommt man in der Innenstadt ein schönes Hotelzimer mit Bad, Heizung und Licht und erstem Frühstück, das einem reichlichen Mittagessen gleichkommt, und den ganzen Tag vorhält, für nur zehn Mark... England und Holland sind gewiß nicht &uüg, aber man bekommt dort etwas für sein Geld. Man wird keine Aeberraschungen erleben bezüglich der Preise, aber auch kaum Enttäuschun- gen, tote in sogenannten „billigen Ländern",^ für Die wir ein Dalutaland sind oder noch sein könnten... Italien hat seit dem Kriege aufgehört, billig zu sein. Die Pensionen, die sich 7wch mit 25 Lire Tages Pension empfehlen, werden von den deutschen Gasten selten weiteremp- fvhlen. Italien ist einfach teurer geworden, sicher so teuer wie bei uns. Die Schweiz ist reell, großartig in dem, was sie bietet, aber billig ist sie auch nicht mehr: sie kann es auch nicht sein. Löhne und Mieten sind in der Schweiz sehr gestiegen, das wirkt natürlich auf die Preise.
Lind das billige Oesterreich? Ein Zimmer in einem erstklassigen Hotel in Wien, mit Ofenheizung, bezahlt man gewöhnlich mit 15 Schillingen. Drei Schillinge fünfzig für das erste Frühstück, das aus einer Tasse Kasse und zwei kleinen Gebäckstücken besteht: Mittag zu essen unter fünf, sechs Schillingen ist mir nie gelungen, nicht im einfachsten Restaurant. Das Backhuhn oder das Wiener Schnitzel erscheint paniert, ohne Soße oder sonstige Zutaten, mit Salat, Kartoffeln und Kompott, vorher einer Suppe und nachher einer Mehlspeise, dem Trinkgeld für Zählkellner, Zubringekellner und Wasserträger, einem Glas Wein, Bier oder Selters, kostet es sieben, acht Schillinge. Dafür kamt ich in Berlin bei Dresse! frühstücken. Die berühmten Mehlspeisen waren meist schon gestrichen, wenn man um halb zwei Uhr zum Essen kam. Es gab „Linzer Torte", vom Konditor an der Ecke geholt, oder immer den fetten Krapfen mit Weintunke. Der Besuch des Eafäs ist in Oesterreich auch recht teuer. Die Tasse „weißen" Kaffee achtzig Groschen, das Stück Kuchen vierzig bis sechzig, Trinkgeld usw., also teurer als bei uns. Und dann einzelnes, eBeispiel im Theater die Garderobe. Ein an- iger Parterreplatz kostet zwölf Schillinge, der Portier rechnete zwei Schillinge für Besorgung dazu, macht vierzehn Schillinge, dann die Garderobe, welche stückweise bezahlt wird! Jedes Stück 70 Groschen im Burgtheater, also Mantel, Hut, Schirm, Gummischuhe 2 Schillinge 80. Ueber so etwas ärgert sich der Fremde, das nennt er „Repp" ...In den Restaurants wird man sonst nicht geneppt, oder ich bin in diesen nicht gewesen. Haarwaschen, das bei un3 mit Frisur für drei Mark gemacht wird, kostete dort 7 Schillinge 50, mit SrinfgeU) 8 Schillinge! Das sind ungefähr . 5 Mark...
Schöne Kleider sieht man allerdings, in echt Wiener Geschmack, fein, dezent, gutgeschnitten, ausgestellt in der Kärntnerstraße: sehr reizvolle Sportkleider unZ> schicke Mäntel, aber teuer für jemand, der aus dem Rheinland oder Berlin kommt, wo es doch wahrhaftig nicht billig ist. Die ßd)ertoaren betrachtete ich mir lange. Ich hätte so gern etwas unterwegs gekauft. Ich bilde mir Sann immer ein, ich hätte Wunder was gefunden, viel billiger als daheim, viel schicker, viel schöner natürlich. So sind wir Frauen nun einmal. Aber die Preise! Unmöglich. Mag sein, daß sie länger halten, die $afd>en und Schuhe, weil sie so schön sind, die Preise waren mir zu hoch...Ich fragte nach Jumper, Sportwesten: vierzig, fünfzig, sechzig Schillinge das Stück. Dafür kaufe ich sie hier auch und brauche sie nicht heimzuschleppen.
In P r a g hat mir der Fiaker, der mich in das Hotel, das dem Bahnhof gerade gegenüberliegt, fuhr, für die paar Minuten zwanzig Kronen abverlangt. Es war das eleganteste, modernste Hotel Prags, das fünf Mark kostete, aber die Wände waren so dünn, daß ich das Abendgebet eines Inders anhören mußte, das stundenlang dauerte: ich bin.schließlich öarü&er eingeschlafen, denn es nahm kein Ende. Es gibt aber noch weniger angenehme Geräusche als indische Gebete, und die
härt man durch die dünnen Wände auch... Weder Hotelpreise, noch das Essen, 35 Kronen und dreigängiges Durchschnittsessen, noch die Autos, noch sonst etwas habe ich in Böhmen billig gefunden. Und von den berühmten böhmischen Pflaumen, die es dort so massenhaft gibt, daß sie wie Kohlen verfrachtet werden auf Schiffen, hat man keine einzige zu sehen bekommen, weder getrocknet, noch Husch, noch als Kompott. Rur Fleisch und Fleisch. Bon Vitaminen ist den Köchen dort scheints nichts bekannt. Ueberhaupt die Phantasie der Köche, wo ist sie? Derschwuu- den und vergessen... Das Backhuhn tour der Barometer für die Preise. Im vornehmen Ho el kostet es sechs oder fünf Schillinge, im Beissel drei..., und es schmeckt genau wie ein gebackenes Huhn bei uns. Im ganzen kann ich nach meinen Erfahrungen behaupten, daß man in den teue* rcn Ländern, der Schweiz, England un& Holland, wer täglich herumreist und viel sehen will, oft die Stadt wechselt, also ohne „ganze Pension", die Woche mit 250 bis 300 Mark auskommt, in O e st e r r ei ch mit 200 bis 250, in Frankreich mit 120 bis 180 Mark. Aber keine Luxushotels, nicht erster Klasse und, statt Autos, meist Straßenbahn...
Wer in fremde Länder reist, um einmal andere Luft zu atmen, unter anderem Himmelsstrich neue Landschaften, neue Menschen, neue Bilder, fremde Verhältnisse zu studieren, wird immer auf ferne Kosten kommen. Aber im ganzen gilt immer noch das Wort Gobineaus: „Wie manchen mühsamen Weg muh man machen, um Dinge zu sehen, die man trockenen Fußes daheim hätte ebenso gut sehen können..
Wanderfahrten.
Herborn — Fleihbach — Greifenstein — Diana- bürg — Ehringshausen.
Wir fahren mit Sonntagskarte nach Herborn, durchschreiten die freundliche Stadt, die m>ch manche altertümliche Schönheiten birgt, gehen auf der Werkenbacher Straße an den Gebäuden der Heil- und Pflegeanstalt vorüber und ersteigen den „Merkenbacher Stich", wandern dann abwärts, um bei einer scharfen Wegebiegung geradeaus über Viehweiden in einer Stunde nach dem Dorf Fleißbach zu gelangen. Ein schwarzes Wegzeichen führt uns von hier durch schönen Mischwald aufwärts in einer weiteren Stunde nach der Burgruine Greifenstein (Wirtschaft Simon). Aus dem Trümmerhaufen ragen noch als gewaltige Zeugen einer großen Vergangenheit die beiden Bergfriede in die Höhe. Das schlichte Kirchlein, von dessen Eingang man einen prächtigen Fernblick hat, zeigt im Inneren schöne Stuckarbeiten. Blauen Strichen nach wandern wir in höchstens zwei Stunden durch herrlichen Duchenhochwald an der Heilstätte Elgeshausen vorüber nach dem Jagdschloß Dianaburg mit gastlicher Försterei. Vom Turm hat man eine umfassende Aussicht auf die bewaldeten Bergkuppen der ganzen Gegend. Don der Dianaburg leiten uns schwarze Dreiecke in einer knappen Stunde nach unserem Endziel Ehringshausen.
Gießen — Vetzberg — Fellingshausen — Duns- berg — Lieber.
Ein wenig bekannter Zugangsweg zum Duns- berg ist der folgende, allerdings, da wenig Schatten, nur an kühlen Tagen zu empfehlen. Wir gehen die Rodheimerstrahe bis zum Windhof entlang. Gleich hinter dem Anwesen verlassen wir die Straße und gehen nach rechts einen breiten Feldweg weiter, überschreiten die Bahn, später die Krofdorf—Kinzeiibacher Straße und erreichen in I1/2 Stunden das hochgelegene Dorf Vetzberg (gute Einkehr bei Gastwirt Becker). Hier versäumen wir nicht, der Burgruine, die uns zur Zeit der Heckenrosenblüte wie ein Dornröschen- schloh anmutet, einen Besuch abzustatten. Ein überraschend schöner Rundblick von dem alten Gemäuer entschädigt uns reichlich für den etwas steilen Aufstieg. Von Vetzberg fuhrt uns ein Feldweg vorerst durch freie Gegend, später durch das Detzberger Wäldchen (am Waldrand hübscher Rückblick) nach dem anmutig im Tale gelegenen Fellingshausen. Hier treffen wir rote Striche, die uns in bequemem Aufstieg auf den Dünsberg führen. Rach genügender Augenweide von der Plattform des Turmes folgen wir dem Zeichen weiter, das uns, zumeist durch Wald, gegenüber der Steinmühle in das Biebertal bringt. Rach wenigen Minuten erreichen wir die
Reehmühle (bekannter Ausflugsort) und unser Endziel Bieber. Dauer der Wanderung höchstens 4 Stunden.
Reisewinke.
Reisen nach England.
Eine vorteilhafte Gelegenheit, England kennenzulernen, bietet sich bei einer der von dem Mitteleuropäischen Reisebureau Frankfurt a. M. im Hauptbahnhof geplanten 3 Mer-Sonderfahrten nach England, beginnend am 14. Juli, 4. August und 1. September d. 3. Man weiß im voraus genau, daß 220 Rm. anzulegen sind, weiß aber auch genau, was dafür geboten wird. — Der Preis dieser siebentägigen Reise schließt ein: Fahrt Frankfurt a. M. und zurück (Eisenbahn 3. Klasse Schnellzug, Schiff 1. Klasse), Unterkunft in erstklassigen Hotels, volle Verpflegung, Rundfahrten, Beförderung in Autos, belgisches Visum, Eintrittsgelder, Führung durch den Reiseleiter und Lokalführer, sämtliche Trinkgelder usw. Die Rückfahrt kann evtl, innerhalb 30 Tagen auch einzeln angetreten werden.
Rundfunkprogramm.
Sonntag, 30. Juni.
7 bis 8: Don Hamburg: Hafenkonzert. 8 bis 9: Morgenfeier, veranstaltet von der evangelischen Landeskirche. 11 bis 11.30: Stunde der Jugendbewegung: „3ugend und Dolksbildung", Dortrag von Friedrich Koepp vom Rhein-Mainischen Verband für Volksbildung. 11,30 bis 12: Eltern- stunde: „Religiöse Eindrücke aus der 3ugendzeit großer Männer", Vortrag von Konradine Kahl. 12 bis 13: Konzert der Kapelle Humm-Melchior vom Cafe Rumpelmaher. 14 bis 15: Stunde der Jugend. 15 bis 16: Don der Frankfurter Ruder- regatte Funkreportage vom Start, Rennverlauf unö Ziel. 16 bis 16.30: Günther Birkenfeld, Vorlesung aus eigenen Werken. 16.30 bis 17.30: Stunde des Landes: 1. „Der Aufstieg der Begabten auf dem Lande", Vortrag von Schulrat Kreuzberg, Boppard: 2. „Die Maschine im Weinbaubetrieb", Vortrag von Dr. W. Heuckmann. 17.30: Vom Frankfurter Opernhaus: Abschieds- Abend Clemens Krauß: Die Meistersinger von Rürnberg, in drei Aufzügen von Richard Wagner. Anschließend bis 0.30: Don Berlin: Tanzmusik.
Montag, 1. Juli.
6.30: Morgengymnastik. 12.30: Schallplattenkonzert: Aus „Lohengrin—Tannhäuser". 15.05 bis 15.35: Stunde der 3ugenö: Aus Sport und Spiel: „Freiluftsport". Der Einfluß von Licht, Lust und Sonne auf unseren Körper. Eine Unterhaltung zwischen Tum- und Sportlehrer Heinrich Täppel und Dr. Paul Laven, für Kinder vom 10. 3ahre ab. 16.35 bis 18.05: Von Stuttgart: Konzert des Rundfunk-Orchesters. 18.10 bis 18.30: Lesestunde. 18.30 bis 18.50: „Die schönsten Kurzgedichte der Weltliteratur", Original und eigene Übertragungen von Dr. Ludwig Harald Schütz. 18.50 bis 19.10: Vortrag von Dr. Paul Stefan, Wien. 19.10 bis 19.40: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes: „Paul Claudel und fein Werk", Vortrag von Dr. Rielen. 19.40 bis 19.50: Englische Literaturproben. 19.50 bis 20.15: Englischer Sprachunterricht. 20.15 bis 20.45: Rach Stuttgart: „Emilie vor ihrem Brauttag", Kantate für eine Altstimme und kleines Orchester von 3osef Math. Hauer. 20.45 bis 21.15: Literarische Veranstaltung aus Slings „Richter und Gerichtete". 21.15: Konzert des Rundfunk-Orchesters.
Dienstag, 2. Juli.
6.30 Uhr: Morgengymnastik. 13.30: Schallplattenkonzert: „Fantasien und Potpourris". 15.05 bis 15.35: Stunde der Jugend: Die schöne Umgebung von Frankfurt a. M. bzw. Kassel. 17 bis 18.30: Rach Köln: Konzert des Rundfunk- Orchesters. 18.55 bis 19.15: Von Kassel: Stunde der Landwirtschaftskammer Kassel. 19.15 bis 19.35: „Die Wiener Genesis und ihre Bedeutung für die
kunstwissenschaftl. Forschungen, 1. Vortrag von Alfred Conradt. 19.35 bis 19.55: Funkhochschule: „Gesundheit und Ehe". Vortrag von Pwfesso« Raecke. 19.55 bis 20.15: Schachstunde. 20.15 bis etwa 20.45: Sinfonie-Konzert. Anschließend: Schallplattenkonzert: Buntes Programm.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinden.
Sonntag, den 30. Juni. 5. Sonntag nach Trinitatis.
Stadtkirche. 8 Uhr: Pfarrer Mahr: zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde: 9.30: Pfarrer Becker; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfarrer Becker. — Jo- hanneskirche. 8: Pfarrer Müller; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinder 9.30: Pfarrer Ausfeld: 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfarrer Ausfeld; 8: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfarrer Ausfeld. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfarrer Lenz; Christenlehre für die Neukonsirmierten der Luthergemeinde. — Elisabefh-Kleinkiuderschule. 9.45: Pfarrer Lic. Waas; 10.45: Kinderkirche. — Klein-Linden. 9: Hauptgottesdienst. — Wiefeck. 9.30, 10.45: Kinderkirche. — Alteu-Bufeck. 10; 11: Christenlehre. — Kirchberg. 10: Kirchberg; 11: Christenlehre für die konfirmierte weibliche Jugend; 1.30: Mainzlar. — Hausen-Garbenteich. 9.30: Hausen, Christenlehre; 11? Garbenteich. — Watzenborn-Steinberg. 9: Kinderkirche: 10: Hauptgottesdienst. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Christenlehre für die männliche 3u- gend: 12.45: Kindergottesdienst; 2.15: Gottesdienst in Nieder-Bessingen.
katholische Gemeinden.
Samstag, den 29. Juni.
Gießen. 4.30 und 7 Uhr: Beichte.
Sonntag, den 30. Juni. 6. Sontag nach Pfingsten.
Gießen. 6.30 Uhr: Beickte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 2: Andacht; 3.15: Firmungsunterricht für die auswärtigen Firmlinge. Für die in Gießen wohnenden Firmlinge wird der Firmungsunterricht Dienstag, Mittwoch und Donnerstag gehalten, und zwar für alle, die um 6 Uhr kommen können, um 6 Uhr, für alle, die um 6 Uhr nicht kommen können, um 8 Uhr abends. — Grünberg. 9.30: Messe mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt. — Ridda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten 10.30: Hochamt mit Predigt.
jfraelilische Gemeinden.
jsraelitische Rellgionsgemeinde. Gottesdienst tni der Synagoge (Südanlage). Samstag, 29. Juni 1929. Vorabend 7.45 Uhr; morgens 8.30; abends 9 und 9.40 Uhr.
jsraelitische Religionsgesellschaft. Sabbatfeier den 29. Juni 1929. Freitag abend 7.50 Uhr; Samstag vormittag 8; nachmittags 4; Sabbatausgang 9.40. —* Wochengottesdienst morgens 6.15; abends 7.15 Uhr.
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