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Sechs Zahre Gefängnis für Mnaffe Friedländer

Der preußische SIMM stimm! dem Konkorda! zu

Oie Wetterlage.

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Kundgebungen zum 28. Juni

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Berlin, 28. 3uni. (Funkspruch.) 3m Tot- schlagsprozetz Manasse Friedländer verkündete am Freitagnachmittag Landgerichtsdirektor Ohne- sorge nach mehr als dreistündiger Beratung unter größter Spannung folgendes Urteil des Schwurgerichts:

Der Angeklagte wird wegen Totschlags in zwei Fällen und wegen unberechtig­ten Besitze« und Führung einer Schußwaffe zu einer Strafe von s echs Jahren Gefängnis kostenpflichtig verurteilt. Die Untersuchungshaft wird ihm im vollem Um­fange angerechnel."

Der Vorsitzende wies in der Urteilsbe­gründung darauf hin, daß das Gericht eine Notwehrhandlung des Angeklagten ver­neint habe: es sei der Ansicht, dah tatsächlich ein rechtskräftiger Angriff Waldemars vorge­legen habe, aber der Appell an den Revolver sei falsch gewesen, denn der Angeklagte habe noch genug andere Wege gehabt. Zwar habe sich der Angeklagte nur unklar über den Erwerb der Waffe geäußert, doch habe er selbst zugegeben, mit dem Gedanken gespielt zu haben, sie einmal gegen den Bruder anzuwenden. Es habe sich also nicht um eine aus Furcht begangene Tat gehandelt, sondern um eine Handlung, der ein seit langem ge­hegter Plan vorausgegangen sei. Da­her habe auch der im Gesetz bezeichnete Hot* wehrexzeh vom Gericht für diesen Fall a b- gelehnt werden müssen. ES liege ferner kein Anhaltspunkt dafür vor, dah der Angeklagte im Augenblick der Tat sich in einem Zustand be­funden habe, der die Anwendung des § 51 er­möglichen könnte. Danach sei festzustellen ge­wesen, daß der Angeklagte sowohl seinen Bruder als auch dessen Freund Földes vorsätzlich getötet hat.

Eine Riesenkundgebung im Berliner Stadion.

Berlin, 28. Juni. (WTB.) Um 7.30 abends versammelten sich im Stadion weit

Berlin, 28.Juni. (Funkspruch.) Der Staatsrat stimmte, wie gestern schon kurz gemeldet, am Frei­tag dem Staatsoertrag zwischen Preußen und dem Vatikan mit 44 Stimmen der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Demokraten gegen 36 Stammen der Arbeitsgemeinschaft und der Kommunisten bei einer Enthaltung in der Arbeitsgemeinschaft zu. Der Antrag, in das Gesetz eine Sperrfrist bis zum Vertragsabschluß mit der evangelischen Kirche ein­zubauen, wurde gegen 32 Stimmen der Arbeits­gemeinschaft abgelehnt.

Kultusminister Dr. Becker hatte erklärt: Wir würden den Vertrag nie abaeschlossen haben, wenn wir in einem vertragslosen Zustand eine bessere Si­tuation für den Staat gesehen hätten. Ich bin auch der Meinung, daß der Einfluß, den wir heute auf die Bischofswahlen haben, sogar weiter geht als die Reichsverfassung. Es ist zweifellos keine Minde­rung des staatlichen Einflusses darin zu sehen, daß z. B. ein neuer Erzbischof ausgenommen ist und daß in Zukunft drei maßgebende Leute in Rom die Interessen der deutschen Kirche wahrnehmen kön­nen. Es bedeutet auch keine Schwächung, wenn deutsche Theologie Studierende in Rom ausgebildet werden. Wir als ein Staat mit Millionen katholischer Untertanen wollen auch in Rom zum Wort kom­men und in unserem katholischen Klerus auch Leute haben, die mit den deutschen Verhältnissen vertraut sind. Wenn das nicht der Fall wäre, würde viel eher «ine Romanisierung zu befürchten sein.

Die Abmachungen über die katholische Fakultät sind günstig. Von einer Beeinträchtigung der Lehr- freiheit kann keine Rede sein. Es ist selbstverständlich, daß wir bei der Ausbildung Rücksicht nehmen müs- sen auf die katholische Kirche. Der Wille der Staats- regierung ist nunmehr, möglichst schnell auch mit den evangelischen Kirchen zu einer 23er«

60 000 Menschen zu einem eindrucksvollen Protest gegen den Frieden von Versailles und gegen die Kriegsschuldlüge. Schon um 6.30 Uhr waren alle Anrnorschstraßen verstopft durch die zahlreichen geschlossenen, mit Musik marschierenden Verbände der verschiedensten Art. Es beteiligten sich an der Kundgebung u. a. der Kyffhäuserbund, der die Krieger des alten Heeres umfaßt, viele Tausende Stahlhelmer, die Berliner Studentenschaft, die Vereinigten Vaterländischen Verbände, die Offi­ziersbünde, eine große Anzahl nationaler Arbei­terorganisationen, außerdem eine große Anzahl von Gruppen der politischen Parteien, so der Deutschnationalen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei, der Wirtschaftspartei und der Na­tionalsozialisten. Außerdem nahmen große Teile der Berliner Jugendbewegung, Pfadfinder, Iungsturm, Deutsche Freischar und andere Bünde an der Kundgebung teil. 3n der Hauptloge deS Stadions hatten eine Reihe hervorragender Per­sönlichkeiten Platz genommen, unter ihnen Par­lamentarier, Führer des alten Heeres, Vertreter

Eine Kundgebung der Deutschen Siudenienschast

Protest

gegen den preußischen Maulkorberlaß.

Berlin, 28. 3uni. (TU.) Der Vorstand der Deutschen Studentenschaft teilt mit:Das preu­ßische Staatsministerium hat die Ab­haltung der Kundgebungen anläßlich der zehnten Wiederkehr des Unterzeichnungstages des Ver­sailler Diktates an allen Hochschulen Preußens in letzter Stunde untersagt. Die aka­demische 3ugend erfüllt es mit Schmerz und Befremden, daß die Hochschulen unb die Professorenschaft damit verhindert werden sollen, dem einmütigen Willen des deutschen Volkes, ehrlich und aufrecht die Lüge von Deutschland- Kriegsschuld zurückzuweisen als die berufenen Vertreter von der hohen Warte der Wissenfchaft und Wahrheit aus, Ausdruck zu geben. 3m Na­men der gesamten Studentenschaft, insbesondere der Studentenschaft der preußischen Hochfchulen. erhebt der Vorstand der Deutschen Studenten­schaft Einspruch gegen den Versuch, die der deutschen Universität um der Wahrheit willen zustehende Unabhängigkeit zu verletzen und den Männern die Stimme zu verbieten, die der Negierung das geistige Nüstzeug in die Hand geben, mit der Waffe de sRechtesDeutsch­lands Ehre und Ansehen wiederherzustellen. Die akademische 3ugend wird ungeachtet dessen auch in Preußen am 28. 3uni ihrem Willen zum Kampfe gegen das Friedensdiktat Ausdruck geben.

der evangelischen und katholischen Kirche, einer großen Reihe von Handwerkerorganisattonen und der Berliner Turnbewegung.

Das weite Rund des Stadions war mit gro­ßen schwarzen Trauerbannern ausgestattet. Zu Beginn der Kundgebung verlas außerordentlich eindrucksvoll der Schauspieler M e i n i ck e die Botschaft, die Reichspräsident v. Hin­denburg bei der Einweihung des Tannenberg. Denkmals erliest. Dann hielt der zweite Vor­sitzende des Hauptkriegerverbandes, Rechtsan­walt Voß, eine Rede, in der er im einzelnen auf die Unschuld Deutschlands am Kriege und damit auch auf die Unmöglichkeit des Diktats von Versailles hinwies. Dieses Diktat habe in der Geschichte der letzten 3ahrtausende nur ein einziges Gegenstück, nämlich die Bedingungen, die Rom Carthago auferlegte. Er ging dann auf die Kriegsschuldlüge ein und verlas Stim­men von Kriegsschuldforschern aus allen Natio­nen, die feststellen, dost Deutschland keine Schuld am Kriege trage.

Nach ter Rede verlas Meinicke eine Entschlie­ßung. Dann stieg mächtig das Niederländische Dankgebet zum Abendhimmel empor. 3nzwischen waren im weiten Rund die Fackeln aufgeflammt. Ein außerordentlich eindrucksvoller Anblick bot sich den vielen Zehntausenten und veranlaßte sie zu impulsiv hervorbrechenten Kundgebungen. Als die Nacht hereinzubrechen begann, schloß die Feier mit dem großen Zapfenstreich.

OerÄtrbeiisausschußDeuischer Verbände.

Eine Kundgebung im Reichstag.

25 e r I i n, 28. Juni. (WTB.) Der Arbeitsausschuß Deutscher Verbände beging die zehnjährige Wieder­kehr des Tages der Unterzeichnung des Versailler Diktates heute abend mit einer Kundgebung im dicht- gefüüten Plenarsitzungssaal des Reichstages. Der Präsident des Arbeitsausschusses, Gouverneur a. D. Dr. Schnee, M. d. R., betonte in seiner Eröff­nungsansprache, daß die Kriegsschuldlüge das moralische Fundament des Gebäudes von Gewalt und Unrecht, von Unterdrückung, Knechtung und Aussaugung bilde, das durch das Versailler Dik- tat errichtet sei. Der Arbeitsausschuß Hove seit sei­nem Bestehen den Kampf gegen die Kriegsschuldlüge geführt auf der Grundlage der Aktenveröffentlichung und der Arbeit hervorragender Kriegsschuldforscher. Aber immer wieder erhebe in einigen Ländern die

ftänbigung zu gelangen. Wenn aber bet Staat auf oic Wünsche ber evangelischen Kirchen eingeht, muß er von ihnen auch bte Binbungen verlangen, bie bte katholische Kirche ohne weiteres eingegangen ist. Ich weiß nicht, ob auf biesem Stanbpunkt bie Vereinbarungen mit den evangelischen Kirchen so leicht fein werben. Ich möchte wissen, was bie evan­gelischen Kirchen sagen wollten, wenn auch in ihren inneren Angelegenheiten ber Staat noch so hinein regieren könnte, wie es z. B. bei ber katholischen Kirche bezüglich der Wahl zu ben Domkapiteln ber Fall war. Ich kann aber nochmals versichern, baß bie Regierung ben absoluten guten Willen hat, so schnell wie möglich mit ben evangelischen Kirchen bie paritätische Stellung herbeizuführen.

Der Ausschußberichterstatter, Dr. M e e r f e I b (Soz.), wies barauf hin, baß es im Wesen bes Staatsvertrages liege, baß man ihn nicht ändern könne, sondern entweder annehmen oder a b l e h n e n müsse. Aenderungsanträge seien im Ausschuß zugunsten der Vorlage abgewiesen worden.

Mitberichterstatter Dr. K. Jarres (Arbeitsgem.) erklärte, er gebe zu, daß durch die Ausführungen des Kultusministers bie beftefjenben Siebenten im wesentlichen hinweggeräumt seien. - Er persönlich könne nur erklären, baß er niemals ein Gegner bie- ses Vertrages gewesen sei. Man müsse jeboch zu­geben, baß burch ben Vertrag ber Stanbpunkt des Staates gegenüber ber Kirche wesentlich g e schwächt fei. Bezüglich der Ausbildung ber Geist- liehen habe ber Kultusminister bte Siebenten badurch zerstreuen können, baß er erklärte, auch die in Rom ausgebilbeten Geistlichen müßten ein beutsches Reife­zeugnis haben.

Schließlich würbe ber Ausschußantrag angenom­men, der besagt, daß gegen bas Konkorbat Einwen- düngen nicht zu erheben seien.

Der Reichspräsident im Dom.

Berlin, 28. 3uni. (TU.) 3m Rahmen der aus Anlaß ter 10. Wiederkehr des Tages von Versailles im ganzen Reiche abgehaltenen Kir­ch e n f e i e r n versammelte sich am Freitagabend im Berliner Dom, von dessen Türmen die umflorte Kirchenfahne wehte, eine große Ge­meinde, um in andächtiger Form dieses Trauer- tageS zu gedenken. Eine besondere Weihe erhielt die Feier durch die Anwesenheit des Reichspräsidenten, der das Gotteshaus in Begleitung des Staatssekretärs Meißner aufsuchte. Auch eine Reihe von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden sowie mehrerer politischer Parteien waren er­schienen. Oberdomprediger Dr. D u r g h a r t, der Vizepräsident des evangeilschen Oberkirchenrates, legte seiner Rede die Dibeiworte des Apostels Paulus zugrunde: Wir haben allenthalben Trüb­sal, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir vertagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir sind nieder­gedrückt. ober wir kommen nicht um.

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Wettervoraussage.

Der vom norbwestlichen Hochdruckgebiet vorgescho- bene Hochdruckteil, ter sich bis über die Alpen er­streckt, beherrscht zur Zeit die Wetterlage. Sein Ein­fluß fcheint wieder dem Ende zuzuyehen, denn im Südwesten über Frankreich drängt eine neue Druck­störung vor. Sie dürfte auch in unserem Gebiet zu erneuter Bewölkung führen, wobei gelegentlich Ge- roitterftörungen nicht ausgeschlossen sind. Die Tem­peraturen, die anfänglich wenig Aenderung ersah- ren, dürften für später wieder fallende Tendenz zeigen.

Wettervoraussage für Sonntag: Wieder Uebergang zu wolkigem Wetter, warm, Neigung zu Gewitterstörungen und Niederschlä­gen.

Wettervoraussage für Montags Wechselnde Bewölkung, leichte Abkühlung, strich­weise noch leichte Niederschläge, teilweise gewit- terhafter Art wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 28. Juni: mittags 18,9 Grad Celsius, abends 12,6 Grad: am 29. Juni: morgens 14,2 Grad. Maximum 21,4 Grad, Minimum 6,2 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm liefe am 28. Juni: abends 20,4 Grad , am 29. Juni: morgen» 13,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer zehn Stunde»

Kriegsschuldlüge ihr Haupt unb v e r h l n b e r e b 11 wahre Befriedung der Welt. Deshalb er­fordere das gemeinsame Interesse des gesamten deut­schen Volkes die W e i t e r f ü h r u n g des Kampfes gegen die Lüge des Artikels 231.

Dann kamen die Redner der verschiedenen Frak- tionen zum Wort. Schultz-Bromberg von der Deutschnationalen Volkspartei, Dr. B e l l (Zentrum), Dr. Haas (Demokrat), Dr. Moldenhauer (Deutsche Volkspartei), Bayersdörffer (Bayer, Dolkspartei), M o l l a t h (Wirtschaftspartei) unb als letzter Rebner Hepp (Christlich-Nationale Bauern- Partei).

Sobann verlas Dr. Schnee eine Entschließung, bie unter stürmischem Beifall einstimmig zur Annahme gelangte.

Aus aller Well.

Dom Lutherischen Dellkonvenl.

Die Freitagsitzung bes Lutherischen Weltkonvents fanb ihren besonderen Charakter burch bie Er- nennung von b r et Ehrendoktoren ber evangelischen Fakultät ber ungarischen Elisabeth- Universität in Debenburg. Die mit bieser Auszeich­nung Bebachten sinb: Lanbesbischof Dr. Jhmels- Dresben, Erzbischof S o e b e r d l o m - Upsala unb Prof. Dr. Moreheab- Neuyork. Als vierter Trä­ger der Auszeichnung gesellt sich der Vorsitzende des Gustav-Adolf-Vereins, Prof. Dr. R e n ö t o c f f - Leipzig zu, ber jeboch nicht in Kopenhagen weilt. Die feierliche Uebereichung der Diplome nahm Prof. Proehle mit einer Ansprache vor, in der auf bie Bedeutung der ungarischen evangelischen Kirche hin- wies, bie 1923 in Debenburg eine eigene von Staats wegen errichtete unb ber ungarischen Elisabeth-Uni­versität angegltebertc evangelische lutherische Fakul­tät erhalten hat. Der ungarische Unterrichtsminister, wie auch ber Reichsoerweser hätten zu den Er­nennungen ben ersten seit Bestehen ber Fakultät ihre Zustimmung erteilt.

Was bas Strafmaß anlangt, so hatte das Gericht zu prüfen, ob dem Angeklagten mil­dernde Umstände zuzubiUigen waren. Wenn man alle Momente berücksichtige, so ergebe sich daraus, daß der Angeklagte sicher auf seinen Bruder in höchstem Maße erbittert ge­wesen sei, unb daß die Handlung nicht eine wohlüberlegte gewesen sei, sondern eine Affekthandlung. Deshalb seien ihm auch mildernde Umstände zugebilligt worden. Auf der anderen Seite sei aber die Tat sehr schwer gewesen. Besonders falle ins Gewicht, daß der Angeklagte den Földes ohne Grund erschossen habe. Möge der Bruder ihn in Zorn gebracht haben, für den Freund sei das nicht zutreffend gewesen. Deswegen hab« die Strafe selbst bei Zubilligung mildernder Um­stände nicht gering sein können. Das Gericht habe für jeden einzelnen Fall auf vier 3ahre Gefängnis erkannt, und diese Strafe zusammen mit der Strafe wegen un­befugten Waffenbesitzes in eine Gesamtstrafe von sechs Jahren Gefängnis zusammengezogen.

3m Anschluß an die Verkündung des Urteils stellte der Vorsitzende die Frage, ob Anträge wegen des Haftverfahrens gestellt würden, was ter Verteidiger ablehnte, da dies angesichts der Höhe ter Strafe zwecklos sei. Er bat jedoch, in weitestgehendem Maße Bewährungs­frist zuzubiUigen. Rach kurzer Beratung ver­kündete das Gericht den Beschluß, daß es sich zur Zeit nicht in der Lage sehe, dem An­geklagten Bewährungsfrist zuzubiUigen. Der Staatsanwalt hatte für jeden Fall des Tot­schlages drei 3ahre Gefängnis und für den uner­laubten Waffenbesitz drei Monate Gefängnis be­antragt und diese Einzelstrafen in eine Gesamt­strafe von fünf 3ahren und einem Monat Gefängnis zusammenzuziehen beantragt.

Zahlung ber im August fälligen Schuld Frankreichs für die Cieferung amerikanischen Kriegs­materials trotz Nichlralisizierung des französisch- amerikanifchen Schuldsnabkommens bis Lude des Jahres aufzuschieben. 3m Staats­departement verhehlt man sich nicht die Schwierig­keit, die der Erfüllung eines derartigen Derlangens entgegensteht, da der Kongreß zur Zeit nicht tage und ein Aufschub in der von Frankreich gewünschten Form ohne Zustimmung des Parlaments, ja gegen dessen ausdrückliche Bedingung, daß Frankreich vor dem 1.August ratifizieren müsse, kaum mög­lich sei.

Das Schicksal des landwiri- schafilichen Noiprogramms.

Ein Rückblick des Landbundpräfidcnten Schiele auf das im Reichstag Erreichte.

Berlin, 28.3uni. (TU. Funkspruck.) Reichs­minister a. D. S ch i e l e hatte die Presse zu einer Besprechung über die in der Agrarvorlage im Reichstage erzielten Erfolge geladen. Schiele erläuterte,bie wirtschaftlichen unb politischen Druck­mittel, die es bewirkten, daß nur äußerst be­scheidene Erfolge erzielt wurden. Die B e- triebsverluste der Landwirtschaft betrugen jährlich 1,5 bis 1,75 Milliarden, die Schul­denlast der letzten fünf 3ahre ist in der Land­wirtschaft auf neun Milliarden Mark angestiegen, eine Summe, bie einem ganzen 3ahresumsah lanbwirtschastlicher Produkte in Deutschland entspricht. Zweck und Ziel des landwirtschaftlichen Notprogrammes sei es, bie landwirtschaftlichen Betriebe möglich st b a l b wieder lebensfähig zu machen. Denn je später man zur Sanierung schreite, um so schwieriger würde es sein, etwas zu erreichen. Bei Durch­führung des Notprogramms lagen politisch -un­günstige Verhältnisse vor. Hierzu sei hinzu- gekommen, daß auch ber Ernährungsminister von parteipolitischen Hemmungen nicht frei fei. 3n dem milchwirtschaftlichen Programm sei erreicht worben, was zu erreichen möglich ge­wesen sei. Auch in ber Kartoffelvorlage unb für ben Zuckerrübenbau ist wertvolles erzielt worden, während die erzielten Erleichte­rungen für den deutschen Getreidebau völlig unzureichend seien. Hier seien die gewünsch­ten Erfolge an den koalitionsparteilichen Rück­sichten der Regierungsparteien gescheitert. Ent­scheidend aber für eine wirksame Hilfe bleibe nunmehr die Kündigung bet in Frage kom­menden Handelsverträge.

Eine Provokation Danzigs.

Polnische Filmaufnahmen vor der Marienkirche.

Danzig, 28. Juni. (WTB.) Gestern versuchten polnische Photographen vor ber M a - rienkirche einen Film aufzunehmen, in dem vor Danziger historischen Denkmälern unb Bauten polnische Schauspieler in polnischen Uniformen auftreten. Die Volksmenge, bie sich dabei ansammelte, glaubte in bieser Filmaufnahme offenbar eine Fälschung bes beutschen CharaktersberStabtDanzigzu erblicken unb nahm eine brohenbe Haltung ein, wor­auf bie Polizei eine Fortführung ber Filmauf- nahmen verbot. Die Schauspieler würben in Schutzhaft genommen. Heute vormittag ersuchte bie polnische Filmgesellschaft zur Fortführung der Film- aufnahmen um ein Polizeiaufgebot: bem Ersuchen wurde aber im Hinblick auf die.Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit nicht stattgegeben. Von amtlicher Seite wird betont, daß das Vorgehen ter polnischen Filmgesellschaft geeignet fei, bas EmpfindenberDanzigerBevölkerung gerate am heutigen Trauertage aufs tiefste zu verletzen.

Schwedischer Königsbesuch in Estland.

Reval, 27. Juni. (TU.) Am Donnerstagoormit- tag liefen, von Salutschüssen empfangen, bie schwe- bischen Kriegsschiffe mit König Gustaf an Bord, in ben Revaler Hafen ein. Der König wurde im Hafen vom estlänbischen Staatsältesten mit einer Ansprache in deutscher Sprache begrüßt. Der König dankte ebenfalls deutsch für den herz­lichen Empfang. Estländische Schulkinder überreich­ten dem König einen Blumenstrauß und brachten einen Willkommensgruß in deutscher Sprache dar. Der Staatsälteste geleitete ben König burch bas reich geschmückte Reval zum Katharinentha- ler Schloß burch ein Spalier von Truppen, Schutzkorpsangehörigen und zahlreichen Vereinen.

In ber Bevölkerung Estlands herrscht über ben Besuch bes schwebischen Königs größte Begei­sterung, um so mehr als zahlreiche kulturelle, wirtschaftliche und historische Bande Estland mit Schweden verknüpfen. Zehntausende find aus allen Teilen des Landes nach Reval geeilt, um an den Begrüßungsfeierlichkeiten teilzunehmen. Am Don­nerstagnachmittag fand eine Festsitzung im est- ländischen Parlament statt. Hier wurde ter König in estnischer Sprache vom Vorsitzenden des Parla­ments begrüßt. Der König antwortete in schwedi­scher Sprache. Anschließend fand ein F e ft g o 11 e s - dienst im Dom statt. Hierauf begab sich ber König in bie schwebische Kirche, wo ihn bie schwebische Be­völkerung Estlanbs begrüßte. Am Abend fand im Außenministerium ein Festessen statt. Anschlie­ßend veranstaltete die akademische Jugend zu Eyren des Königs einen Fackelzug. UeberaU, wohin der König kommt, wirb er mit Hochrufen be­grübt. Als sich ber König auf dem Balkon des Katharinenthaler Schlosses zeigte, trugen die Kund­gebungen direkt stüünischen Charakter.

Vor einer bürgerlichen Regierungskoalition in Mecklenburg.

Schwerin, 28. 3iml (WB.) Wie aus par­lamentarischen Kreisen verlautet, sind Verband­lungen zur Bildung einer bürgerlichen Koali­tionsregierung in Mecklenburg zwischen allen rechtsgerichteten Parteien, ter Nationalen Ein­heitsliste, den Nationalsozialisten und dem Bauern­bund, ausgenommen worden. Es besteht berech­tigter Grund zu ter Annahme, daß sich bei die­sen Fraktionsgruppen kaum Differenzen grundsätzlicher Art im Verlause der Un­terhandlungen ergeben werten. Daher kann mit einem erfolgreichen Ergebnis ter Koalitionsbe­strebungen gerechnet werden. Einem au6 diesen drei Fraktionen der Rechten gebildeten Regie- rungsblock, welcher 26 Landtagsabgeordnete hinter sich hätte, würde eine Opposition von 25 Abgeordneten ter Mitte und ter Linken gegen-

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