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Nr. 125 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 29. Mai (929
Aus Natur und Technik
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Im großen Kreis der Suchende, in den kleinen Kreisen Beispiele für die Anordnung der Suchlampen.
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und hoffentlich wird aus dem Angebot ein Auftrag!
Solche Vorfälle ereignen sich täglich in großen Geschäften, da leitende Herren nicht immer an ihrem Platze sein können und auch nicht immer sagen, wo sie in der nächsten halben Stunde zu finden sein werden. Aus diesem Grunde hat man bei Siemens & Halske eine Vorrichtung erdacht,
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mit der man dem Gesuchten gewissermaßen einen Boten mit Lichtgeschwindigkeit nachschicken kann, der ebenso geschwind zurückkommt und gleich Antwort mitbringt. Eine solche Anlage kann überall dort angelegt werden, wo eine selbsttätige Haus- fernsprcchvermittlung vorhanden ist, deren Teilnehmer sich also genau wie die den öffentlichen Selbstanschlußämtern angeschlossenen Teilnehmer chre Verbindungen durch das Drehen der bekannten Vummernscheibe am Apparat selbst Herstellen. Die Anlage sieht so aus: Man bringt in allen Teilen des Gebäudes — in den Fluren, den einzelnen Bureaus, im Lager, im Hof usw. —
farbigen Signallampen an, und solche Gruppen je nach der Zahl
gewöhnlich gerade um diese Tageszeit stark überlastet — und eine neue Verbindung könnte vielleicht Stunden dauern — und dann ist der Geschäftsfreund sicher schon längst weggegangen! Aber Herr Schmidt ist nicht an seinem Platze und auch schon nicht mehr beim Herrn Meyer, zu dem ec vor einigen Minuten gegangen war. Und im Schreibzimmer ist er nicht, der Kassierer
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Nachdruck verboten.
Große Aufregung im ganzen Geschäft! Herr Prokurist Schmidt wird äußerst dringend gesucht, denn der Chef braucht ihn, um dem Hamburger Geschäftsfreund, den er endlich glücklich am Fernsprecher erwischt hat, noch ein paar Angebote zu machen, und die Leitungen nach Hamburg sind
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Grün-weiß—Herr Schmidt!
Personensuchanlage in Verbindung mildem Hausfernsprecher
Von Ingenieur Walter Iaekel.
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Hausvermittlung mit Zusahkasten für die Suchanlage in einem Psörtnerzimmer.
der Personen, die gesucht werden sollen, aus 2, 3 oder auch mehr Lampen (Bild 1). Ferner gehört zu der Anlage noch eine kleine Einrichtung, die als wesentlichen Bestandteil einen „Wähler" enthält, wie man ihn auch in Selbstanschluh- vermittlungen hat. Jeder Person, die außer an ihrem Arbeitsplätze auch an alten anderen Stellen des Geschäftes erreichbar sein soll, wird nun außer der Rufnummer für ihren Fernsprecher noch eine „Suchnummer" zugeteilt, die man gewöhnlich, damit sie leicht zu merken ist, am besten immer um 20 oder 30 höher wählt als die „Rufnummer". Will man jemanden erreichen, dec nicht an seinem Platze ist, so wählt man zunächst eine bestimmte Ziffer, die in die Suchanlage führt, und darauf seine Suchnummer. In diesem Augenblick leuchten die überall verteilten Signallampen auf, und zwar in einer bestimmten Zusammenstellung, die der Suchnummer entspricht. Der Gesuchte ersieht hieraus, daß gerade er gemeint ist, geht zum nächsten Hausfernsprecher, wählt die Rümmer der Suchanlage und ist sofort mit dem Rufenden verbunden, während die Signallampen erlöschen. Die Anlage steht nunmehr für das nächste Suchen bereit. Damit keine Lampenzeichen übersehen werden, kann man bei jeder Lampengruppe noch ein hörbares Signal anbringen, und zwar nimmt man hierzu in Geschäftszimmern etwa einen Ticker, dessen Ticken erfahrungsgemäß ausreicht: im Lager, in der Werkstatt oder in anderen geräuschvollen Räumen verwendet man eine Glocke oder sogar eine Hupe. Die Lampen bringt man in verschiedener Weise an: In Geschäftszimmern läßt man sie wohl etwas in die Wand ein, in einem Laden hängt man sie vielleicht um die elektrische Uhr Serum, im Hof bringt man sie, natürlich in wasserdichten Gehäusen, an einer Gebäudeecke an, damit sie von möglichst vielen Stellen auS gesehen werden können. Mit 4 Lampen kann man
hat ihn auch nicht gesehen. Lehrlinge flitzen umher, Klingeln schrillen. Türen schlagen, bis man ihn endlich bei Besichtigung der neuen Sendung im Lager findet, seelenruhig, denn er weiß nicht, wieviel Aufregung er, ohne es zu wissen, verursacht hat. Schnell gehts zum Chef, für dieses Mal klappt es gerade noch mit dem Ferngespräch,
man den Anschluß nicht verlieren wollte. Aber die Stadt, der vor 100 Jahren der Untergang drohte, — sie war auf dem Posten. Sie kam nicht nur mit — sie war an der Spitze, zu jeder Zeit, und sie ist es, wie der Augenschein lehrt, auch noch heute trotz ihrer Kleinheit, trotz der Schwierigkeiten der Ratur, trotz der übermächtigen Konkurrenz des reicheren Auslands und trotz des Weltkrieges. Unter solchen Umständen, so wird man zugeben, mag zum Stolz auf das Erreichte doch vielleicht ein wenig mehr Grund vorhanden sein, als an mancher andern Stelle der Welt, wo man es leichter gehabt hat. Schließlich geht es hier ja um Dinge, die für das Deutschland von heute einige Lebenswichtigkeit besitzen.
Es wird gewiß niemand bestreiten, daß das Straßburger Münster, ein Bild von Dürer oder eine Beethovensche Sonate in der Rangordnung der Kulturwerte höher stehen als Werke der Technik. Aber muß man daraus schließen, daß alles Malen, Dichten und Musizieren an sich immer und überall wertvoller sei als das Bauen von Schiffen und Schleusen? Gerade Männer, die etwas von solchen kulturellen Werten verstanden, haben nicht unbedingt dieser Meinung gehuldigt. Die Schleuse des Reuen Hafens in Bremerhaven hat zuerst der Marschendichter Hermann Allmers vor ganz Deutschland als „ein Werk, großartig und staunenerregend" gepriesen, ein Mann, der im übrigen aus seiner Meinung über moderne Kulturlosigkeit schon damals — es war 1857 — kein Hehl gemacht hat. Roch wertvoller aber und immer wieder denkwürdig
bleibt die Tatsache, daß schon die erste Hafenanlage in Bremerhaven regstes Interesse und Bewunderung bei einem viel größeren Fürsten im Reiche des Geistes erregt hat: bei Goethe. Es will doch etwas heißen, wenn der Achtzigjährige sich aus Bremen so dringend eingehendere Rachrichten über das „großartige Unternehmen" erbittet, und noch bedeutungsvoller ist es, daß sich gerade bei dieser Gelegenheit einmal der sonst so seltene Ton eines patriotischen Stolzes bei ihm findet: wenn er sich freut, nach so vielen Berichten über englische Docks, Schleusen und Kanäle endlich auch einmal von einem deutschen derartigen Werke zu hören. Ganz gering kann er dergleichen Dinge also wohl doch nicht geschäht haben — wofür es zuletzt auch noch andere Beweise gibt. Wir wollen keine allzu weitgehenden Schlüsse daraus ziehen, aber zu unserem Tröste wollen wir Kinder einer unromantischen Zeit es immerhin vermerken, daß Faust, nachdem er es bei Helena nicht allzu lange ausgehalten hat, den „höchsten Augenblick" keineswegs in der Erringung einer Dichterkrone sieht: vielmehr wird er bekanntlich — Wasserbauingenieur. Und erst in diesem Berufe wird er reif genug, um zu der Erkenntnis zu kommen, mit der sein Dichter — weniger, wie uns scheinen möchte, für die vergleichsweise gemütliche und poetische Welt seiner Zeitgenossen als für die kommenden, härteren und ruhelosen Jahrhunderte — der Weisheit letzten Schluß verkündet:
»Rur der verdient sich Freiheit und das Leben, Der täglich sie erobern muh."
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Der Kampf gegen den Lärm.
Von Or. Hellmut Thomasius.
In der Entwicklung des neuzeitlichen Lebens liegt es begründet, daß urplötzlich Gebiete in den Vordergrund des technischen Interesses treten, deren Entstehen uns vorher kaum zum Bewußtsein kam. Ein derartiges Gebiet, das augenblicklich nach den mannigfachsten Richtungen hin bearbeitet wird, ist der Lärm und alles was damit zusammenhängt. Aerzte, Physiologen, Juristen und nicht in letzter Linie die Techniker wenden ihm seit kurzem chre Aufmerksamkeit zu. In Amerika ist man in einer ganzen Anzahl von Laboratorien und technischen Betrieben mit der Ergründung seiner Ursachen und mit der Durchbildung von Mitteln beschäftigt, um ihn zu vernichten oder doch wenigstens abzudämpsen. Die englische Aerzte-Gesellschaft hat eine besondere Kommission zum Studium des Lärms, seiner physiologischen Wirkungen und der Verfahren zu seiner Verhütung eingesetzt. Deutschlands größte technische Vereinigung, der „Verein Deuftcher Ingenieure'', hat sich an einem Preisausschreiben beteiligt, das die Bekämpfung des Straße^ lärms zum Gegenstand hat. Außerdem hat fiep noch eine Antllärm-Liga gebildet, der gleichfalls viele Techniker sowie Aerzte angehören.
Der Kampf gegen den Lärm ist also auf der ganzen Linie und in den verschiedensten Staaten gleichzeitig entbrannt. Sein Ziel besteht darin, der Menschheit ein ruhiges und von allen störenden Geräuschen freies Dasein zu schaffen, ohne daß dadurch die Entwicklung des Verkehrs und der Technik irgendwie gehindert wird. Das H eine schwere Aufgabe. Der Verkehr nimmt zu. Die Leistungen dec Maschinen steigern sich ins Ungeahnte. Dabei muß notgedrungen dec Lärm zunehmen. Ec muß auch vielseitiger werden. Es sei nur an den Luftverkehr und an die Propellergeräusche erinnert, die jetzt aus der Höhe auf uns eindringen, in der es früher so ruhig war. Inmitten dieses ständig anschwellen- den Lärms, dessen Symphonie aus so vielen verschiedenartigen Instrumenten erklingt und dessen im Fortissimo ertönendes Finale noch gar nicht abzusehen ist, inmitten dieses Lärms also soll der Mensch ruhig leben, schlafen und arbeiten. Er
Deutsche Seeschleusen.
Von Or. G. Beffell.
Unmittelbar an der Columbus-Kaje in Bremer- Haven, dem europäischen „Bahnhof am Meer", wo die Reisenden direkt aus dem O-Zug in die großen Ozean-Schnelldampfer des Rorddeutschen Lloyd „umsteigen", wurde am 4. Mai der Grundstein zu einem neuen riesenhaften Werke gelegt, das bestimmt ist, den modernen Derkehrseinrich- tungen dieses ersten deutschen Passagierhafens die letzte Vollendung zu geben. Es ist die R o r b s ch l e u s e, die auch den größten Passagierdampfern, vor allem den beiden neuen Riesendampfern „Europa" und „Bremen", ein Einlaufen in die Binnenhäfen ermöglichen soll und die mit einer Länge von 372 Meter und einer Einfahrtsbreite von 45 Meter die zweitgrößte Seeschleuse der Welt werden wird. Es ist die fünfte Schleuse, die in dem eben erst hundert- lährigen Bremerhaven erbaut wird, und jedes dieser Bauwerke ist in seiner Art zu feiner Zeit eine technische Spitzenleistung gewesen. Vor genau 101 Jahren hat der Gründer Bremerhavens, der bremische Bürgermeister Johann Smidt, mit denselben Werkzeugen, die auch diesmal benutzt wurden, den Grundstein zur Schleuse des „Alten Hafens, der ersten Seeschleuse in Deutschland, gelegt. Die Schleuse des „Reuen Häsens" war, zwanzig Jahre später, bereits die breiteste auf dem ganzen Kontinent, und das dritte Decken, der Kaiserhafen, erhielt 1897 sogar für die damalige Zeit die größte Schleuse der Welt.
So bleibt Bremen nur einer alten und guten Tradition getreu, wenn auch die neue Bremerhavener Schleuse wieder zu den allerersten Leistungen auf diesem Gebiet, sowohl ihrem Ausmaß wie ihrer Anlage nach, gehört. Rur von der Schleuse in Vmuiden (Amsterdam) wird sie noch an Gröhe übertroffen, während die berühmten Schleusen von London und Liverpool ebenso wie die des Panamakanals nicht unbeträchtlich hinter ihr zurückbleiben.
Ist aber nicht die Freude an diesen Dingen, der Stolz auf etwas, was über kurz oder lang wieder überholt werden wird, schließlich doch nur ein Ausfluß des Zahlenwahnsinns und der Rekordsucht unseres technischen Zeitalters? Run, man wird sagen dürfen, daß zum mindesten hier die Sache doch ein klein wenig anders liegt. Denn der Stadt, die alle diese Werke unternahm, wurde vor 100 Jahren und auch später noch von mehr als einer Seite ihr Ende als Seehandelsplatz prophezeit, weil sie, abgeschnitten vom Meer, an einem versandenden Flusse tief im Binnenlands gelegen sei. Es geschah das zu einer Zeit, als in Technik und Wirtschaft eine Entwicklung begann, wie die Welt sie noch nicht erlebt hatte. Gerade das Wachstum der Schleusen, das ja nur der Steigerung der Schisfs- gröhen folgt, stellt diese Entwicklung recht anschaulich dar. Ungefähr 300 Registertonnen betrug im Höchstmaß der Raumgehalt der Schiffe, für die man 1830 die 50 Meter lange Kammer- schleuse in Bremerhaven eröffnete. Aber der erste Schnelldampfer, den ein halbes Jahrhundert später der Rorddeutsche Lloyd nach Amerika sandte, die „Elbe", war bereits genau fünszehnmal so groß mit seinen 4500 Bruttoregistertonnen. Rach weiteren 50 Jahren haben die modernen Ozeanriesen wiederum das Zehnfache von dieser Gröhe erreicht: die heutige „Bremen" ist mit 46 000 Bruttoregistertonnen dem Raumgehalt nach einhundertfünzigmal so groß wie die größten Schiffe, denen die Schleuse von 1830 noch genügte! Es war, wie man sieht, kein bequemes Tempo tn dieser Entwicklung, zumal in den letzten Jahrzehnten. Die Länge der Kaiserschleuse wurde während der Projektbearbeitung von 80 auf 200 Meter hinaufgesetzt: als sie sieben Jahre später vollendet war, reichte sie schon für die damaligen größten Schiffe nur gerade eben noch aus. Da galt es denn allerdings scharf auf dem Posten zu fein, wenn
Dagegen erwies sich als vorteilhaft, den hohlen Raum zwischen den beiden Wänden überhaupt nicht auszusüllen. Er ist mit einer ruhenden Luftschicht erfüllt, die den Schall nur in geringem Maße durchläht. Die ruhende Luftschicht ift auch ein guter Wärmeisolator. Wir haben also hier den Fall, daß Isolation gegen Wärme sowohl wie gegen Schall durch das gleiche Mittel herbeigeführt werden kann. Der Hohlraum wirkt scheinbar als Resonanzboden. Er wirft den Schall nach der Richtung zurück, aus der er kam. Im übrigen hat sich das bei der Gewinnung des Rohrzuckers zurückbleibende ausgelaugte Zuckerrohr als vorzüglicher Schalldämpfer erwiesen. Bei Versuchen, durch Doppelwände und eine Füllung von Zuckerrohr Schalldichtigkeit zu erreichen, hat sich ergeben, daß diese aufgehoben wird, wenn Metallteile, also Rägel oder Schrauben, durch die Wand hindurchgehen. So klein diese auch sind, so sehr begünstigen sie die Fortleitung des Lärms. Dadurch wird die Technik vor eine neue Aufgabe gestellt. Was man bisher zusammennagelte oder zusammenschraubte, wird in Zukunft, bei der Herstellung schalldichter Räume, auf eine andere Weise miteinander verbunden werden müssen.
Eine ganz besondere Bedeutung werden dereinst vielleicht schwebende Räume erlangen. Berühren sich Wände und Decken eines Raums, so wird jede von außen her kommende Schallwelle durch die Wand auf die Decke bzw. den Fußboden übertragen. Sie gelangt dann nicht nur durch die Luft, zu unserem Gehörorgan, sondern auch vom' Fußboden her durch die Knochen unseres Körpers. Diese leiten als feste Körper den Schall nach dem Gehör weiter. Schaltet man also diese Art der Fortleitung aus, so muß der Lärm geringer werden. Reue Bauarten wurden erprobt, bei denen der Fußboden nicht mehr unmittelbar mit den Wänden in Verbindung steht, sondern für sich aufgehängt ist. Dadurch wurde eine überraschend starke Wdämpfung des Schalls herbeigeführt. Wenn dann noch die Wände undurchlässig waren, gelangte man sogar zu vollkommener Geräuschlosigkeit. Freilich ift es fraglich, ob man hohe Gebäude durchweg mit hängenden Fußböden oder gar hängenden Räumen wird ausführen können. Vorerst aber werden diese wahrscheinlich in zahlreichen Sonder- sätlen Verwendung finden, also z. D. für wissen
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soll den geistigen Anforderungen genügen, die gleichfalls immer höher geschraubt werden. Dabei läßt sich an den Maschinen selbst verhältnismäßig wenig ändern. Für ihre Durchbildung sind die Leistung und die Wirtschaftlichkeit maßgebend. Ob diese unter Geräusch oder geräuschlos erzielt werden, steht für den Techniker nicht in erster Linie. Freilich, man baut geräuschlose Schreibmaschinen und ähnliches. Dabei ist der Gesichtsvunkt der Absatzsteigerung maßgebend. Riemand aber wird eine Lokomotive oder eine Spinnmaschine ober eine Stanze zur Bearbeitung von Metallblech nur deshalb erwerben, weil sie geräuschloser arbeitet. Bei ihnen kommt es auf Eigenschaften wesentlich anderer Ratur an.
Angesichts dieser Sachlage wird man davon absehen müssen, von einer veränderten Bauart unserer Maschinen viel zu erhoffen. Wo Leistung und Wirtschaftlichkeit nicht beeinträchtigt werden, wird man versuchen, einen geräuschlosen Gang herbeizuführen. Im übrigen aber muß das Augenmerk tn erster Linie darauf gerichtet bleiben, unsere Wohnstätten und unsere Umgebung derart auszugestalten, daß der nun einmal nicht vermeidbare Lärm uns nicht erreichen, daß er uns nichts anhaben kann. Wir stehen noch ganz am Anfang der Lärmbekämpfung. Aber tatsächlich läßt sich schon erkennen, daß die Bestrebungen bereits die eben angebeutete Richtung eingeschlagen haben. Auch einige sehr bemerkenswerte Ergebnisse sind erzielt worden.
Vor allem handelt es sich darum, die Frage der schalldichten Wand zu lösen. Versuche wurden angestellt, die Abdichtung gegen den Lärm mit ähnlichen Mitteln herbeizufüh- ren, tote sie auch gegen den Wärmeaustausch verwendet werden. Die Wand des Eisschranks, das mit einer Asbest schicht umhüllte Dampfrohr wurden zum Vorbild. Doppelte Mauern entstanden. Der Zwischenraum zwischen ihnen wurde mit Sägespänen, Korkmehl und ähnlichem aus- gefüllt. Es hat sich aber gezeigt, daß ein guter Wärmeisolator durchaus nicht immer ein guter Lärmisolator zu sein braucht. Die Schallwellen verhalten sich anders als die Wärmestrahlen. Ein Stoff, der diese zurückwirft, hindert jene noch lange nicht, ihn zu durchdringen. Cs konnte sogar festgestellt werden, daß manche gut bewährte Wärmeisolatoren geradezu als Schallverstärker wirken.
schaftliche Laboratorien, in denen akustische Untersuchungen ausgesührt werden, für Räume zu musikalischen Studien und ähnlichem.
Sollte sich der hängende Raum ober der hängende Fußboden für den Gebrauch der Allgemeinheit nicht eignen, so winkt eine andere Hoffnung. In einzelnen stark belebten Straßen unserer Großstädte ist cs bereits so weit gekommen, daß man kaum mehr ein Fenster offnen kann. Der fjereinbringenbe Lärm stört bei der Arbeit und hindert bas gegenseitige Verstehen bei Unterhandlungen sowie das Abhören am Fernsprecher. Viele Menschen müssen deshalb heute schon einen großen Teil ihrer Zeit in geschlossenen Zimmern verbringen. Bei seinen Untersuchungen sand der Physiker Dr. R e w s v m , daß es für jede Tonhöhe eine bestimmte Spiegelform gibt, durch die die Schallwellen vollkommen zurückgeworfen werden. Hätten die von der Straße hinaufdringen-« den Geräusche stets die gleiche Tonhöhe, so müßte es möglich sein, eine Fläche zu konstruieren, die sie derart zurückwirft, daß nichts davon in den Raum einbringt. Durch zahlreiche Untersuchungen hat Dr. Rewsom gefunden, daß für Strahenge- räusche nur ein bestimmter Tonbereich in Betracht kommt, der kaum jemals nach oben ober unten überschritten wird. Er verwendet zwei Glasspiegel, die über die ganze Breite des Luftraums hinwegreichen, der durch Cmporfchieben des Schiebefensters über dem Fensterbrett entsteht. Die Spiegel sind einander zugekehrt, so daß zwischen ihnen ein breiter Luftraum bleibt Beim Innern ist die konkave Seite gegen die Straße gerichtet, beim äußeren die konvexe. Dec Krümmungshalbmesser ist bei beiden verschieden. Die Schallwellen, die von dem einen nicht gefaßt werden, werden durch den andern nach außen zurückgeworfen. Die Verwendung zweier Spiegel ermöglicht, ben ganzen Tonbereich des Straßenlärms zu beherrschen. 75 v. H. des von der Straße kommenden Lärms werden durch diese Einrichtung vernichtet.
Die Technik geht also nach den verschiedenstem Richtungen hin vor, um des immer mehr an- wachsenden Lärms Herr zu werden. Ihre Bemühungen reichen erst verhältnismäßig kurze Zeit zurück. Aber das, was bis jetzt geleistet wurde« läßt erhoffen, daß bereits richtige Wege gefunden sind, um zu dem gesteckten Ziel zu gelangen.
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