Ausgabe 
29.4.1929
 
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Montag, 29. April 1929

179. Jahrgang

Ur. 99 Erstes Blatt

Krisis der Abrüstungskonferenz

Ser ReichsbankprWdent wieder in Berlin

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Berlin. 29. April. Zwischen dem Reichsbank- Präsidenten Dr. Schacht, der am Sonntagoormlt- lag in Berlin angekommen ist, und der Regie­rung haben bisher nochkeineverhandlun- gen stattgefunden. Auch in der Reichsbank waren noch keine Besprechungen angeseht. so daß sich die frühere Abreise des Reichsbankpräsidenlen aus Paris wohl au» rein persönlichen Gründen erklärt. Dr. Schacht wird srühestens am Mittwochabend Berlin wieder verlassen, da er noch am Mittwoch an den Verhandlungen des Generalrals der Reichv- bank teilnimmt. Don den Beratungen der Reichsbank sind offizielle Erklärungen über die Festigkeit der deutschen Währung und gegen die von Frankreich betriebenen Machenschaften gegen die dentscheMark zu erwarten.

Ein neues Angebot?

Der Vorschlag einer Provisorischen Lösung.

P a r i». 29. April. (MTV. Funkspruch.)Lhikago Tribüne" behauptet, daß Dr. Schacht in Berlin die Reichsregierung dafür gewinnen wolle, sein neues Angebot, das gutunlerrichlelen Kreisen zufolge tatsächlich gemacht worden sein soll, zu billigen. Die­ses neue deutsche Angebot sei, so glaubt man, für die Alliierten annehmbar, zum wenigsten für die ersten fünfzehn Annuitäten. Das Schema sehe eine Klausel vor, aus Grund deren die Zahlungen später herabgesetzt würden, oder wenn die Weltwirtschaftslage es erfordere, aufgeschoben wer­den könnten. Grundlage des ganzen Projektes sei: Ofsenlassung der Lösung nach 1 9 4 5, weil man glaube, dah die vereinigten Staaten dann in eine Revision der Kriegsschulden ein­willigen könnten (es handelt sich offenbar um einen von dem gleichen Blatt genannten Annuitälsbetrag von 1750 Millionen Goldmark). 3n dervolonte" heißt es, bisher habe keine Prüfung der Zahlungsfähigkeit Deutschlands statt- gesunden. Die alliierten Sachverständigen hätten willkürliche Forderungen gestellt und die Deutschen hätten auch Zohlen genannt, über die sie nicht hinausgehen können. Behauptung stehe also gegen Behauptung, ein wirkliches Urteil hätte daher nur von Neutralen gefüllt werden können.

England und die deutsche Mark

Frankreichs

politisches Manöver abgeschlagen.

London, 28. April. (WTB.) Die Blätter heben in Berliner Telegrammen die vollkom­mene Grundlosigkeit der Besorg­nisse wegen der Festigkeit der Reichsmark her­vor. Reuter meldet aus Berlin, daß in dortigen Bankkreisen an einen Angriff auf die Stabili­tät der deutschen Währung aus einer aus­wärtigen Hauptstadt, wahrscheinlich Pa­ris. geglaubt wird. Sn Kreisen, die in enger Fühlung mit dem Bureau des Generalagenten für Reparationen stehen, werde kategorisch er»

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Thefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Polttik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.Tyyriot; für den Übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Fitter, sämtlich in Gießen.

Oie Maske fällt.

Die Vorgänge in der Genfer Abrüstungsvor- kOnferenz toerben in Deutschland mit wachsender Unruhe verfolgt. Gs hat sich aus der Debatte d«r letzten Tage ergeben, dah nunmehr alle Mächte sich zu einer Einheitsfront gegenüber Deutschland zusammengefunden haben. Diese Ein- iMitsfront bedeutet praktisch eine Verewigung t)o8 gegenwärtigen Zustandes der Rüstungsun­

Graf Bernstorffs Rede.

Die ausgebildeten Reserven.

®enf, 27. April. (WB.) Zur Frage der H er - Absetzung der E f f e k t i v b e st an d e ve- «zündete G r a f B e r n st o r f f im Vorbereitungs- Liisschuh für die Abrüstungskonferenz den be- kannten deutschen Standpunkt über die Rot- Dendiakeit der Einbeziehung der aus- «Tb ildeten Reserven. Graf Dernstorff er- ttürte in eindrucksvollen Worten habe Herr Gibs'on gestern an den Geist bes Entgegen- kwmmens appelliert und auf die Notwendigkeit

gegenkommenS von der Seite anderer Mächte gemacht worden fei, habe ich bis jetzt nicht vernommen.

Ich kann in diesem Zusammenhang nicht unter­lassen, auf die besondere Lage hinzuweisen, die für Deutschland und die anderen aus Grund der Friedensverträge abgerüsteten Staaten besteht. Line Abrüstungskonvention, die die ausgebilde­ten Reserven nicht umfassen würde, könne viel­leicht in dem theoretischen Fall erträgNch sein, daß alle Signatar st aalen die freie Wahl hätten, ob sie ein Wehrsyskem annehmen, das ausgebildete Reserven zum Entstehen bringt, oder ein solches, bei dem dieses nicht der Fall ist. Denn es sich aber um einen Kreis von Slgnatarftaaten handelt, von denen ein Teil diese Freiheit der Dahl nicht hat. sondern auf Grund bestehender Verträge ver­pflichtet ist, aus ausgebildete Reserven zu verzichten, so kann eineAbrüstungskonoen- tion, die diesen Faktor unberücksichtigt läßt, niemals al» gerecht angesehen werden.

Oie Aussprache.

Man geht zur Tagesordnung über.

Sn der Aussprache über die Frage der aus- gebildeten Reserven gaben sowohl der holländische wie der schwedische Vertreter ihrer Befürchtung Ausdruck, dah angesichts der jetzigen Entwicklung das schließliche Ergebnis der Abrüstungsbestre­bungen außerordentlich gering sein werde. Litwinow bekundete in längeren kritischen Darlegungen seine große Enttäuschung über die Haltung der Vereinigten Staaten und erklärte es für ungerechtfertigt, daß sich Amerika als Seemacht an den Landrüstungen desinter­

essiere. Sn dem Verzicht auf die Einbeziehung der ausgebildeten Reserven in die Rüstungs­beschränkung sah er den Verzicht auf die Abrüstung im allgemeinen. Sede Hoff­nung auf eine nur halbwegs zufriedenstellende Lösung des Abrüstungsproblems werde damit zerstört. r r .

Sokol-Polen bezeichnet die Einbeziehung der ausgebildeten Reserven als unmöglich. Sm übrigen sei ja auch die Erfassung jener Kräfte nicht möglich, die als militärisch organi­sierte Formationen in gewissen Ländern nach seiner Auffassung die ausgebildeten Re­serven ersetzen. Lord Cushendun führte aus. auch England sei bereit, im Hinblick auf die Er­reichung praktischer Ergebnisse auf seine Aus-, fassung in der Frage der ausgebildeten Re­serven zu verzichten, ohne freilich damit seine grundsätzliche Stellungnahme aufzugeben. Die Frage der ausgebildeten Reserven sei untrenn­bar von der der allgemeinen Wehrpflicht, eine stufenweise Einschätzung erscheine ihm äußerst kompliziert und schwer anwendbar.

Präsident Loudon glaubte hierauf, feststel- len zu können, dah der Ausschuß nicht ge­neigt sei, die Frage der ausgebildeten Reser­ven in die Abrüstungskonvention auszunehmen. Graf Bernstorfs stellte fest, dah jene Dele­gationen, die s ü r die Einbeziehung der aus­gebildeten Reserven sich grundsätzlich aus­gesprochen haben, ungefähr die H ä l f 1 e der Menschheit zu vertreten haben. Lit­winow verlangte in Anbetracht der Wichtig­keit der behandelnden Frage eine nament­liche Abstimmung. Loudon bezeichnete eine solche Abstimmung als im jetzigen Zeitpunkt ganz unmöglich und ging zur Tagesordnung über mit der Feststellung, dah oie Abstimmung I erst nach Vorliegen des abschließenden Berichtes I erfolgen werde.

alten Standpunkt vertreten, der den deutschen 'Bedürfnissen etwas entgegenkam. Frank r e i ch Dagegen lehnte jede Berücksichtigung der muüa» rUchen Reserven bei der Vergleichung der Ru­st ungsstärken von vornherein ab. Es hat sich JC|)t herausgestellt, dah der französische Stand- vninkt aus der ganzen Linie den Sieg davontrug. «Sründe, um solches Verhalten und solche Schwen- kiung vergessen zu machen, gibt es schon genug. Mor allem zieht man sich darauf zurück, daß die 'Berechnung der militärischen Reserven ungeheuer kompliziert wäre. Die Tatsache, daß nunmehr England und Amerika die militärischen Hege- inoniebestrebungen Frankreichs in Europa ganz offen auch in der Abrüstungsvorkonferenz unter- ft ühen, bedeutet einen völligen Wandel in der politischen Lage. Früher hatte England ab und iu den schwächlichen Versuch unternommen, das tmachtpolitische Weitergreifen Frankreichs auf twnr europäischen Festlande zu hemmen. Seht d«orf Frankreich mit Englands und 21 m e - . r ikaS Zustimmung auf dem Lande rustm, soviel es will, da diese großen Seemächte ihr Hauptinteresse auf die sogenannte Flotten- a brüstung konzentriert haben.

Für Deutschland ist diese Entwicklung der Ge- , tamtlage von ausschlaggebendster -Beöeutung. Sras Bernstorf f, der als deutscher Der- tcctcr bei den Abrüstungsverhandlungen das Wgliche getan hat, um durch die Sabotagever- iuiche der anderen Mächte hindurch zu klaren Fragestellungen und Antworten zu gelangen, sah si h jetzt doch zu der Feststellung genötigt daß tw8 Ergebnis der gesamten Abrüstungsarbelt für Deutschland in Frage gestellt ift Deutsch» lond hatte seine Mitarbeit m der Wrustungs- mvrkonferenz darauf eingestellt, daß in logischer E-atwicklung des Völkerbundsgedankens auf dem Lompromißwcge allmählich eine Annäherung t-n dem Rüstungsstande der Volker ge- lunöen werden könnte. Die Aussicht auf die Ver­wirklichung dieses Zieles ist jetzt nicht mehrvor- h.anden. Mit brutaler Offenheit erklären die Fran- 1 pfen, daß an dem gegenwärtigen Zustande der Äüstungsgleichheit nichts geändert werden solle. Gerade in diesem Punkte zeigt sich viellei^ a-jn allerdeutlichsten, wie sehr Deutschland durch frag Versailler Diktat außerhalb der Ge­setze gestellt worden ist.

Smmer wieder erhebt sich die Frage, ob Deutschland unter solchen ^Umstanden überhaupt ' luoch weiter an den Abrüstungsverhandlunaen J t eilnehmen soll oder ob nicht vielmehr für b.ic Entwicklung des Abrüstungsgedankens und ffcr die internationale Stellung Deutschlands ei n klarer Bruch vorzuziehen wäre. 2luf dem jolzt beschrittenen Wege scheint uns em Erfolg laicht mehr erzielt werden zu können. Statt dessen tonnte man vielleicht ein solches Recht der Zu- tonft damit begründen daß man letzt in einer

frurd) die anderen Machte seststellt. Zu verlieren hat jedenfalls Deutschland bei den ^nannten Abrüstungsverhandlungen m Genf nicht mehr d°is geringste. Ein praktischer Erfolg wmd ihnen nie beschieden sein, nachdem Frankreich durch tote Seemächte die volle Garantie für seine Land- riftunaen erhalten hat. Einen moralischen Er» big a?er kann Deutschland vielleicht einmal für sch buchen, wenn es die Abrustungsheuchelei der Ederen Mächte vor der gesamten Welt in ein bzlles Licht rückt. Denn schließlich ist der Wunsch der Völker nach gemeinschaftlicher wirtschaftlicher Wiederaufbauarbeit cm dattor, mit dem heute sogar Staatsmänner der Entente- ftiaaten rechnen müssen, um so mehr, als sie die Gefahren einer neuen kriegerischen Verwicklung für die Zukunft Europas genau so gut kennen nie wir. Lind in diesem waffenstarrenden Eu- r>pa bildet das waffenlose Deutschland geraöe- z,'i eine Kriegsgefahr, da es sozusagen nach einem physikalischen Gesetz der Kriegs shauplatz der Zukunft fein mußte.

klärt, daß eine neue Snflation in Deutschland oder selbst ernste Gefährdung der deutschen Währung vollkommen unmöglich fei.Die deutsch eWährung sei durch Gesetz so fest errich­tet, daß ein solches Ereignis nicht eintreten könnte.Sundah Times" berichtet aus Berlin: Die Erregung im Auslande über die Lage der deutschen Mark hat keinerlei beunruhigende Wir­kung in Deutschland Hervorrufen können, und die Reichsbank sowie die führenden Berliner Ban­ken behalten eine stoische Ruhe. Der vorgestrige Angriff auf die deutsche Währung wurde rasch als politisches Manöver erkannt. Man fühlte, daß ein Versuch unternommen wurde, Deutschlands Haltung gegen­über der Reparationsfrage zu er­schüttern, und auch, daß der Versuch inner­halb sehr weniger Tage f e h l s ch l a g e n muh. Die deutschen Banken und Finanzleute haben volles Vertrauen in den Willen und die Fähig­keit der Reichsbank und ihres Präsidenten Dr. Schacht, die Stabilität der Mark aufrecht zu er­halten. Auch .Observer" betont in einem Ber­liner Bericht, dah die neue .Markflucht" voll­kommen ungerechtfertigt war. Der Korrespondent des Blattes schreibt, während der gesamten Ver­handlungen in Paris genoß Schacht das volle Vertrauen des Landes bezüglich seiner Schätzung der Summen, die Deutschland zahlen kann.

Oemokratische Kritik am Parlamentarismus.

Falsche Handhabung des Systems.

Leipzig, 28.April. Im Reichsparteiausschuß der Demokratischen Partei erstattete das Referat über die politische Lage der Parteivorsitzende Koch- Weser. Der Redner wandte sich gegen den Pa r t e i i s m u s, der dem demokratischen Gedan­ken in Deutschland schweren Abbruch getan habe. Das politische Parlament dürfe nicht zu einer I n ° tereffenoertretung werden. Es sei auch nicht Aufgabe der Partei, Minister nach der Zahl, anstatt nach der Persönlichkeit zu bestimmen. Das Parlament neige mehr und mehr dazu, verantwortungslose Be­schlüsse zu fassen in der Hoffnung, daß die Re­gierung sich um die Ausführung dieser Beschlüsse herumdrücken könne. Der Reichstag sei aber zur Arbeit und nicht zur Propaganda da. Mit einer Verfassungsänderung, wie sie die Deutsche Bolkspartei in der Form der Einführung einer qua­lifizierten Mehrheit für ein Mißtrauensvotum gegen die Regierung verlange, fei allerdings nichts ge­wonnen. Wenn allerdings die Verfassung auf die Dauer falsch gehandhabt werden sollte, so werde man auch die Frage einer Verfassungsände­rung nicht ohne weiteres verneinen dürfen, um die Form der Verfassung ihrem Sinne anzupasien. Die Aufgabe der Demokratischen Partei sei es, Führer zu sein in der Wiederher st ellung des echten Parlamentarismus vor allem auch noch der Richtung, daß derReichspräsident die Initiative bei der Regierungsbil­dung zu ergreifen haben und nicht die Par­teien.

GietzeimAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhesien

Druck und Verlag: Vrühl'fche UniverfitSlr-vuch. und Sleindruckerei R. Lange in Glesien. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchiilftratze 7.

hingewiesen, durch rechtzeitige Konzes­sionen die Arbeiten des Dorbereitungsausschusses soweit wie irgend möglich zu beschleunigen. Sn dieser allgemeinen Auffassung," so führte Graf Bernstorfs im wesentlichen weiter aus, stimme ich mit dem amerikanischen Delegierten vollständig überein. Auch ich bin der Ansicht, daß eine Abrüstungskonvention nur bei gegen­seitigem Entgegenkommen in denjenigen Punkten, in denen Meinungsverschiedenheiten bestehen, zu­stande kommen kann. Eine Abrüstungskonven- lion, und zwar auch eine solche, die den ersten Schritt darstellt, kann deutscherseits nur in_ Be­tracht gezogen werden, wenn sie eine fühl­bare Herabsetzung der Rüstungen bringt. Sch hoffe, dah ich mich mit diesem Wunsch auch in Hebereinftimmung mit dem verehrten Vertreter der Vereinigten Staaten befinde. Denn

e» wäre wohl kaum möglich, eine fühlbare Herabsetzung bei den Secrüstungen durchzufüh­ren, bei den Rüstungen zu Lande aber alles beim allen zu lassen. In diesem Punkte, nämlich in der Frage der fühl­baren Herabsetzung der Rüstungen, kann Deutschland keine Zugeständnisse machen, da es selb st bereits vollkom­men abgerüffet ift.

Für uns kommt es in dieser Beziehung nur darauf an, ob die anderen an den Landrüstungen in­teressierten Staaten bereit sind, in Ausführung der Verträge und des Völkerbundspaktes eine fühlbare Herabsetzung der Rüstungen ins Auge zu fassen. Deutsche Konzessionen können bei der gegebenen Sachlage nur erwartet werden hinsichtlich der M e thode für die Durchführung einer fühlbaren Ab­rüstung der nicht abgerüsteten Staaten. In den seitherigen Beratungen des Ausschusses stand auf der einen Seite eine Gruppe von Staaten, zu der Deutschland gehörte, die der Ansicht waren, daß die ausgebildeten Reserven in den Rah­men der Abrüstungskonvention ein- bezogen werden müßten. Eine andere Staaten­gruppe vertrat die These, daß die Konvention die ausgebildeten Reserven nicht umfassen solle. Die Anregung, die ich in meinen Bemerkungen ge­macht habe, lief darauf hinaus, einen Mittelweg zu suchen. Es ist nach meiner Ansicht durchaus möglich, durch Aufstellung eines Wertmessers eine Methode auszuarbeiten, bei der die ausgebil­deten Reserven, insbesondere diejenigen der älteren Jahrgänge, bei der Verhandlung der militärifchen Stärke der Effektivbestände geringer ins Ge­wicht fallen als die unter den Fahnen stehenden Truppen. Auf eine ähnliche Methode hat, wenn ich ihn recht verstehe, der amerikanische Deie- gierte aus dem Gebiete der Seeabrüstung hingewiesen, wo es sich um die Vergleichung von Schiffskategorien handelt. Bei diesem System wurde es sich nicht mehr um Ja oder Rein in der Frage der Anrechnung der ausgebildeten Reserven handeln, sondern die Meinungsverschiedenheit würde auf das Gebiet des höheren oder geringeren Grades der Bewertung übergeleitet. Eine solche Konzession habe ich im Geiste des Entgegen­kommens hinsichtlich der jetzt im Vordergrund der Debatte stehenden Frage der ausgebildeten Reserven ins Auge gefaßt. In meinen Bemerkungen habe ich bereits dargelegt, daß die deutsche Regierung bereit ift, einen Weg zu suchen, auf diesem Gebiete sine Einigung zu finden.

Der Derlreler der Der einigten Staaten hat zu erkennen gegeben, dah seine Regierung, die seit­her auf demselben Standpunkt wie Deutschland und eine Reihe anderer Staaten gestanden hat, zwar theoretisch aus ihrer seitherigen Auffassung verharrt, aber bereit ist, sich der Meinung der Mehrheit derjenigen Länder anzufchließen, deren Landstreitkräfte das Hauptinteresse auf militäri­schem Gebiet darstellen. Was uns betrifft, fo können wir uns nicht einer These anschliehen, die auf die Einbeziehung der ausgebildeten Reserven in eine Entwaffnungskonvention verzichtet.

Ein Staat, der eine bestimmte Anzahl von Truppen unter den Fahnen, jedoch keine ober wenig ausgebildeteReserven oder zur Verfügung stehende Effektiven hat, würde mit derselben Ziffer in der Konvention in die Erscheinung treten, wie ein anderer Staat, der die gleiche Zahl von Personen unter den Fahnen hat, jedoch außerdem noch einen vielleicht zwanzigmal so hohen Bestand an aus­gebildeten Reserven und zur Verfügung stehenden Effektiven. Diese, im Kriegsfall äußerst wichtigen Faktoren, würden in der Konvention überhaupt nicht berücksichtigt. Sitfe Benachteiligung würde um so mehr ins Gewicht fallen, als die ausgebildeten Reserven, die es einem Staate ermöglichen, binnen kürzester Zeit große Mengen militärisch ausgebildeter Personen zu mobilisieren, geeignet sind, groftange­legte Angriffspläne zur Ausführung zu bringen. Die logische Konsequenz dieser Auf­fassung wäre eigentlich die Forderung, daß das System der allgemeinenWehrpflicht überall abgeschafft wird. Trotzdem hat die deutsche Regierung, worauf ich mit Rachdruck Hinweisen muß, die Forderung nach allgemeiner Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht nicht erhoben. Hierin liegt eine wesentliche Konzession, die Deutschland gemacht hat. Daß eine Konzession in der Frage der ausgebil­deten Reserven in demselben Geiste des Ent-

<lrsch«int täglich,außer -Sonntags und Feiertags.

Beilagen

Die Illustrierte Oießener FamilienblStter Heimat im Bild Die Scholle.

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qlcichheit. _

Der Kernpunkt der bisherigen Streitigkeiten lag in der Frage, ob und in welchem Matze die , nuilitärischen Reserven, das heißt die »isgebildeten Mannschaften in Ländern mit all» Lcmeiner Wehrpflicht, angerechnet werden sollen. England und Amerika hatten wieder den