welche» sind die Erfahrungen, die eine Aende- rung der Betriebsweise bedingen?
Gegeben sind die klimatischen und BodenverhälL nisse. die sich nicht ändern lassen. Die Wirtschaftsweise muh deshalb diesen Verhältnissen Rechnung ( tragen Aus Grund 20jähriger Durchschnitt-ergeb- nisje in verschiedenen Wetterstationen des oberen Nogelsberges betrugen die Niederschläge 900 bis 1026 Millimeter, im Durchschnitt der Jahre 1924 bis 1927 sogar 1025 bis 1200 Millimeter, in den letzten Jahren somit durchschnittlich 18 Prozent ■ mehr als in den vorhergehenden Jahren. Die Wei- , lcrau verzeichnet demgegenüber nur 579 Millimeter. so daß also im oberen Vogelsberg rund die doppelte Menae an Niederschlägen fällt. Hierbei ist noch zu beachten, daß tue größten Mengen der Ntedersch'äge in den Monaten Mai bis September, also gerade während der Wachstums- zeit. niedergehen und verhältnismäßig am meisten in der Zeit von August bis September, nämlich 21 Prozent gegenüber den auf zwei Monaten ent- | fallenden Durchschnitt von 16,6 Prozent. Also ge° j rode in d e r Zeit der Getreideernte ist im Durchschnitt mit vielen Niederschlägen zu rechnen, wodurch die Ernte sehr häufig sowohl der Menge, wie auch der Güte nach stark geschädigt wird. Auch der Bcgmn der Bestcll- arbeitcn kann in den hohen Lagen erst ab Mitte April vorgcnommen werden, während dies bei- spielsweise in der Wetterau schon Anfang Marz geschehen kann, und das Ende der Wachstumszeit im oberen Vogelsberg ist bereits Mitte Oktober erreicht, während sie in der Wctterau bis Ende Oktober — Anfang und Mitte November dauert Dadurch istdieWachstumszeit im oberen Vogelsberg stark gekürzt und es kann nicht wundern, wenn infolgedessen die Aecker, insbesondere die Getreideerträge, sowohl der Menge, wie auch der Güte nach wesentlich niederer sind. Im Gegensatz dazu sind die Erzeugungskosten dadurch erhöht, daß infolge der Zusammen- drängung der Arbeiten ein höherer Bedarf an Ar- beitsträften erforderlich ist, und die Bestellungsund Pflegearbeiten durch die ungünstige Witterung schwieriger sind. Auch sind die Auswitterungs- Schäden dort größer und die ungünstigen Wachs- tumsbedinaungen erfordern höhere Saatmengen. Die Auswirkungen all dieser ungünstigen Derhält- n.isse zeigen sich in den Erträgen. Nuch der Ermittelung von 16 Erhebungsbezirken beträgt der Durchschnittsertrag bei Getreide im Mittel von 7 Jahren nur 10 bis 11 Doppelzentner je Hektar, gegenüber dem Gesamtdurchschnitt von Oberhessen mit 15 bis 19 Doppelzentner je Hektar Dagegen sind die Erträge der Grünlandflächen ebenso hoch, teilweise sogar noch höher als in der Wetterau mit geringeren Niederschlagsmengen, da das Grünland größere Niederschlagsmengen nicht nur gut verträgt, sondern geradezu fordert und die Güte des Vogelsbergheues ist allgemein anerkannt.
Daraus folgt notgedrungen, daß bei der Ausnützung der landwirtschaftlich benutzten Flache im oberen Vogelsberg der hauptwert auf das Grünland ;u legen ist. wie dies ja auch In klimatisch ähnlichen Gebieten wie zum Beispiel im Allgäu der Fall ist.
Die Hcugcwinnung leidet allerdings ebenfalls häufig unter den vielen Riederschlägen und erfordert deshalb vermehrte Arbeit, ja Ijäu- fig kann trotz der großen Bemühungen das Gturnmet überhaupt nicht eingebracht werden. Das tägliche Herbeischaffen des Grünfutters bei Stollhattung erfordert einen nicht unwesentlichen täglichen Aufwand an menschlichen und tierischen Arbeitskräften. Diese Schwierigkeiten Ion» nen durch Einführung des Weidebetriebs bedeutend vermindert werden, da in diesem Falle nur das Winterfutter zu ernten ist und man infolge verminderter Arbeit die gegenüber der Stallhaltung kleineren Mengen eher bei günstiger Witterung nach Hanse bringen kann. Hand in Hand damit hätte eine Verbesserung eines Teiles der Wiesen zu erfolgen, von denen durchschnittlich etwa ein Drittel in einem schlechten Zustand ist und statt guter Futtergräscr und Futterkräuter Unkräuter und Saucrgräfcr trägt. Durch Verbesserung dieser Wiesen kann insofern ebenfalls Arbeit gespart werden, als man dieselben ertragsfähiger macht und infolgedessen mit beinahe der gleichen Arbeit größere Mengen einbringen kann.
Der Ivejdcbetricb bietet aber außerdem noch ganz außerordentliche Vorteile.
Mehr als die Hälfte der Milchkühe ist infolge der andauernden Stallhaltung von Jugend auf tuberkulös, dadurch nicht so lange gebrauchsfähig und weniger leistungsfähig. Die Tuberkulose dürfte bei dem Rindvieh im allgemeinen den größten Schaden i verursachen, und es ist deshalb mit allen Mitteln danach zu streben, die Tiere gesund zu erhalten. Dies kann nur erreicht werden durch Aufzucht der Jungtiere auf der Weide und durch Einführung des Weidcganges auch für Mllchtiere. Die Jungtiere werden dadurch außerdem gängiger, die Knochen ! stärker, die Muskeln straffer, Lunge und Herz kl» i stungsfähiger, das Wachstum besser, und die Tiere infolgedessen wertvoller. Die Milchtiere bleiben gesünder, erhalten besser verdauliches, nährstoffreiches Futter und können infolgedessen mehr leisten. Alle diese Vorteile können erreicht werden ohne allzu großen Geldaufwand. Wird damit noch Leist u n g s z u ch t verbunden, die Tiere mit viel und 1 fettreicher Milch ausgesucht und weiter gezüchtet, so
Fann der obere Vogelsberg zu einem guten Zucht- > gebiet sich entwickeln mit guter Aussicht auf eine I Rente der Betriebe, ein Ziel, das wert ist, mit zäher Bauernenergie verfolgt zu werden. Um der Landwirtschaft zu zeigen, wie sich die geplanten Maßnahmen in der Praxis auswirkcn werden, sollen Beispiels wirtschaft en ins Leben gerufen werden, die Grünland- und Diehwirtfchast nach den Plänen der Vorlage führen sollen.
Die AuSfp ache.
Eine mehrstündige rege Aussprache schloß sich an. Zunächst erläuterte Ministerialrat Becker kurz die Vorlage, die d em Landtag unterbreitet wird. Darin wer'en zur Wirtscha t> Umstellung für etwa 45 Gemeinden des hohen Vogelsbergs jahr.ich 103 000 Wk. angefordert, mit denen jeweils drei Gemeinden umgestellt werden können. Die Bewilligungen müfien sich insgesamt also auf 15 Jahre erstrecken. Als einmalige Forderung für die Schaffung der Bei- spielwirtschalten sind 50 003 Mk. vor;efehen.
Lieber Fragen der Feldbereinigung referierte tun Ministerialrat Hehl. Es soll schneller und billiger gearbeitet werden mit dem Ziel, größere zusammenhängende Flächen an. Weide- und Wieseng.lünde zu gewinnen.
Aus der eigentlichen Aussprache, an der sich etwa 25 Redner beteiligen, sind folgende Redner hervorzuhcbcn: Abg. 3 oft (Vermut Hain) dankte dem Minister für sein Erscheinen im hohen Vogelsberg und gab seiner Freude besonderen Aufdruck, daß die Regierung — im Gegensatz zu Vorkriegszeit ich n G P lgenhe t n - d e durch die Umstellung betroffene landwi t'ck.a t iche Bc» Dotierung über ihre Wünsche und Arsichten befrage und mit ihr die Plane erörtere. Der Redner bekundete auch lein volles Eiiverstand- niS mit dem von der Regierung vorgesehenen schrittweisen Vorgehen in der Umstellung.
Bürgermeister Heitzenröder (Ober-Moo°) setzte sich aus eigener Erfahrung unbedingt^ für den Uebergang zur Weidewirtscha t ein Es könne nicht genug Weideland angelegt werden. Zur Frage der Viehgualität bemerkte er: Man müsse im Vogelsberg von der gewöhnlichen Viehhaltung zur Vi h uckt, der L e i st u n g s z u ch t, kommen.
Landwirt Fischer (Sichenhau'en) betonte, daß das im Jahre 1924 noch bestehende Mißtrauen gegen die Pläne der Regierung jetzt völlig gewichen sei und einem vollen Vertrauen Platz gemacht habe.
3n begeisterten Ausführungen trat 2lbg. W e ck° l e r nach der Feststellung, daß Regierung und Landtag nur ihre Pflicht für den hohen Vogelsberg erfüllten, für Rationalisierung der Land- wirtsc^a,t und das landwirtschaftliche Biidmrgs» wesen ein. Er forderte das Vertrauen dar Dr» völlerung zur Regierung bei den schweren Problemen der Umstellung, insbesondere müßten die Beispiclswirtschaf en so geführt werden, daß der Fortschritt aus eigener Wirtschaftslvaft augenfällig werde.
Von Regierungsscite wurde hierzu auf die geplante sorgfältige Auswahl der Bei- spielswirtschaften: gesunde Betriebe, Buchführung. Kontrolle usw. hingewiesen.
Rachdem noch Bürgermeister P f a n n st i e l (Bermutshatn) die Pläne der Regierung begrüßt hatte, gab Direktor Hamann (Darmstadt) interessante Details aus den praktischen Erfahrungen, die man auf dem Landwirtschnftskammergut Selgenhof gewonnen hat. Der Kartoffel- und Rübenbau wird dort jetzt völlig eingestellt und zum reinen Weidebetrieb übergegangen.
SMe Vaiarr» r
Roman von 3- Echnewer-Foer-stl.
Urbeberrechtsschutz Oskar Mt-ister. Werdau i. Sa.
57. Fortsetzung Nachdruck verboten.
„Jetzt hör aber auf!" Hettingens Rechte legte sich üoer Leopolds Mund. „Sonst kannst du erleben, daß ich grob werde. Ich möchte nur wissen, was Maria so Entsetzliches dadurch verbrochen hat, daß sie zu mir in die Baracke kam. Ich bin loch kein Tandit. der ein Mädchen, das sich einmal in seine Behausung wagt, so ohne weiteres anfällt. Das hat sie doch gewußt, daß sie von mir nichts zu fürchten braucht. Darum hat sie es auch getan. Ist das so etwas Schreckliches?"
Richthofen saß noch immer in tie'ster Depression. „Wann ich denk, Joachim, daß ich jetzt genau siebzehn Jahr Vater- und Mutterstell an ihr vertritt, kann ichs gar nicht glaubn, daß ick s' vor dem nicht hab bewahrn können. Ist halt am End doch nicht das Richtige gwesen, die 'Aufzieherei von mir wird halt doch was dran gefehlt habn, trotz aller Lieb und aller Wüh, die ich mir gebn hab. Drei Jahr war s' alt, wie uns die Eltern gstorbn sind in einer Wochn. „Papa!" hat f zu mir gsagt, bis s' eingsehn hat, daß das uet stimmen kann, dann hat s' mich „Papi" gheihn, soviel hat s' aus mich ghaltn. Und jetzt das! — — Erschieß« soll ich f, hat V mich bitt, wie L mich afehn hat — — — Willst eS habn, Joachim? Ist dir gholfn, wann ich das Leben auslosch, an dem das mcinig hängt bis zum letzten Fascrl?"
„Poldl! Kein Wort mehr, oder ich laß dich sitzen! Du kannst ja jetzt wählen, ob ich bleiben soll oder nicht. Wir haben ohnedies mir mehr ganz kurze Zeit. Fehmann will durchaus heute abeub zurück. Vielleicht komme ich wieder bald für ganz nach Wien. Ich habe Jankes um meine Entlassung gebeten. Wenn ich irgendwo unterkommen kann, gehe ich wieder in die Heimat."
Richthofens Hände tasteten nach den seinen. ..Zu mir möchst nicht kommen — — gelt, Joachim? Sag nicht gleich nein, laß mich erst aus-
redn. Ich tat verreisn mit der Mizzl: Ein Jahr oder zwei oder vier und fünf, wie du's habn willst. Und dir tat ich die ganze Fabrik überttragn mit Generalvollmacht!"
„Du guter, treuer Mensch!" sagte Hettingen gerührt. „Aber ich kann cs nicht annehmen. Jetzt nicht. Vielleicht spater, Poldl'. Rein, es soll leine leere Redensart sein, ich habe ja schon soviel von meinem Stolz eingebüht."
Richthofen sah, daß er nicht umzustimmen war. So gab er das Bitten auf.
Wit dem Rachtschnellzuge fuhren Fehmann und die Geschwister ab. Hettingen war noch an die Dahn gekommen. Für eine Sekunde ruhten Marias Hände in den seinen. „Vergiß mich!" sagte er ehrlichen Herzens. „Ich habe nichts als Leid in dein Leben gebracht."
Sie erwiderte nichts, aber als er mit angenommenem Hut vor dem Fenster des Abteils stand und die Räder sich bereits in Bewegung setzten, bog sie sich weit hinaus, faßte nach seiner grüßenden Rechten, hob sie hastig zu ihrem Munde und schluchzte heiser auf.
Dann war es vorüber.
Joachim sah den Rauchfetzen nach, welche die Maschine zurücklleh, starrte Sekunden inS Leere und ging dann nach dem Perron zurück, wo Diebow auf ihn wartete.
Roch nie war ihm sein Leben so wertlos erschienen wie in dieser Stunde. Er hätte es mit einem Lachen hingeworfen, wenn ein anderer es gewollt haben würde.
Diebow blinzelte, als er ihm inS Gesicht sah. „Sie hätten dich noch ein wenig länger behalten sollen, die Herren vom Geruht, dann wäre ein Mönch aus dir geworden. So siehst du näm- lick aus, mein Lieber! Erhaben über alles Irdische wie Buddha, und schweigsam wie ein Trappist."
Hettingens Mundwinkel verzogen sich etwas. „Wollen wir jetzt heimgchen?"
Kurl strahlte ihn an. Das ist wenigstens vernünftig gesprochen gewesen, Joachim! Jawohl, wir geben heim! Ich habe zwar gesagt, ich würde oich mit zu meinen Bundesbrüdern in die Kneipe nehmen, aber mein aller Herr hat geschworen. wenn ich dich nicht prompt nach Haufe bringe, könnte ich was erleben. Da ich fürchte,
Staatsrat Weber (ConradSdorf) wies in launigen Worten auf den Wandel der Zeiten hin unter Schilderung der Kämpfe, die es im Jahre 1905 um den Generalkulturplan in Oberhessen gegeben habe.
Abg. St. Riepoth stellte den guten Willen der Regierung und des Landtags zur besonderen Hilfe für den hohen Vogelsberg, die in der Umstellung der Ackerwirtschaft auf Weidewirtschaft bestehe, fest und erbat den gleichen guten Willen von der Bevölkerung. Er hält einen höheren Etalsposten für die Feldberelnigung für unbedingt notwendig. In |einem Schlußwort betonte
Minister Korell
nochmals, wie sehr ihm die- „schone, aber arme Land" mit feiner intelligenten, zähen und stolzen Bevölkerung ans Herz gewachsen sei. Bei gegen- fettigem Vertrauen, wie es heule wiederholt zum Ausdruck gebracht worden fei, werde sich ein Weg aus der Wirtschaftsnot finden lassen. Mit der Hauptarbeit könne jetzt begonnen werden. Das geplante Werk bedürfe noch einiger Ergänzungen, die auf dem Gebiet der Verwertung dcr Milchprodukte und der — von dem Vlbg. Maurer in der Debatte angeregten — Marktverbesserung lägen. Auch Mögliche.ten der Arveils'xfHaflung industricl er A.t müßten erwogen werden. Hier fei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Mit dem Wunsch, daß die allseits gebilligten Pläne der Regierung dem hohen Vogelsberg bessere Zeiten bringen mochten, schloß der Minister mit dem Ausdruck voller Befriedigung über den Verlauf der Aassprache und nach einem Hoch auf die Zukunft des Hessenlandes und Deutschlands die an Anregungen und Ergebnissen reiche Versammlung.
Aus der provinzialhauptsiadi.
Gießen, den 29. Januar 1929.
VoÜrisonaien-Abend in der Volkshochschule.
Die Sonate ist eine Kunstform, die dem Dir» tuofentum durchaus semstehl, die anderseits besonders fruchtbar und bedeuiungsvo.l für dir gesamte Kunst geworden ist. Der Charakter der Violine gibt der Violinsonate den weicheren, lieblicheren und duftigeren Charalter, auch trotz aller Dramatik Beethovens, und macht sie auch dem Laien ganz besonders liebenswert. Tor» getra e.i von Künstlern im Range eines Lenze w s k i und Prof. Schmidt hätte darum die an sich gut besuchte Veransta tung der Voltshochschule doch ncch viel größere Beachtung verdient. Die Volkshochschule leistet mit Veranstaltungen dieser Art eine außerordentlich wichtige musik-pädagogische Drie.t. Gerade heute, zur Zeit der Gärungen und Umwertungen, zur Zeit des Jazz und der noch durchaus proble- niatischen Moderne, ist die Gefahr, Musik zweifelhaften Wertes zu verfallen, befonders groß. Die allem äußeren Effekt abholde Kammermusik kann hier Wegweiser sein, auch zur Moderne! Leider finden viele den Weg zur Sonate nicht, weil sie befangen sind in dem Glauben, einer Musik» gathmg gegenüberzustehen, zu deren Verständnis besondere Begabung oder Studium gehöre: es ist aber weiter nichts nötig, als eine gewisse Erziehung zum unbefangenen musikalischen Hören, was fast jedermann zugänglich ist. Großstädte, wie Frankfurt, haben in ihren Kon'lervatorien Kurse für Musikhörende eingerichtet, und man muß her h'efigrn Volkshochschule dankbar fein daß sie in vorbildlicher Weile ähnliche Wege in ihren Volkslmista.enden geht.
Die selbstverständliche, einwandfreie technische Beherrschung der keineswegs einfachen Wer t zeigte sich sowohl bei Herrn Lenzewsli. wie bei Herrn Prof. Schrntdt so durchaus ungekünstelt, nirgends auf Effekt eingestellt, daß gerade dadurch der reiche innere mus'lla'ische Gehalt des Gebotenen besonders vorteilhaft zur Wirkung kam. Der dynamisch fein abgestimmle, manchmal allerdings etwas spröde Ton Lenzewslis ergänzte lich prachtvoll mit dem Haven, ausdrucksvollen und sehr warmen Spiel Prof. Schmidts. Besonders reizvoll waren die getragenen Sätze, wie die gefambe kurze Hände'.sonate in A-Siir und die getragenen und lyrischen Stellen bei Momrt. Boe.t- Hoven und Reger, dann ferner auch das prickelnde Spiel des echt Mo arischen Prestosatzes und des Deelhovenfchen Scherzo. Die spröde Dramatik
der wuchtigen und genialen l>Woll-Sonate liegt zweifellos der Violine nicht besonders, steht a er auch der subtilen Kunst Lenzewslis etwas feiner. Ohne Zweifel hatten sich sowohl bei Beethoven, wie ganz befonders bei Mozart rein violm» mäßig ungemein viel sanglichere und dankbarere Werke finden lassen. Zinn Zwecke der Darstellung der zeitlichen Wandlung der Sonate war jedoch dir Auswahl außerordentlich geschickt, auch tft es den Künstlern hoch anzurrchnen, daß sie den Mut belaßen, das Konzert rach dem wuchtigen Beethoven mit der rein lyrischen, ungemein reizvollen, aber affeltlos schließenden Lei:.en Reger-Sonate in O-Dur zu beenden. Dr. W. M.
(Siebener Wockicuuiarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 143 bis 173 Pfennig. Matte 30 bis 35. Käse (10 Stück) 63 bis 140. Wirsing 25 bis 30, Weißkraut 23 bis 25, Rotkraut 25 33, gecke
Rüben 20 bis 25. rote Rüben 15 bis 23, 6h.not 50 bis 60, Untertotz.eaöi 8 bis 10, Grünkohl 25 bis 30, Rosenkohl 53 bis 60, Feldsalat 150 bis ISO, Torna en 83 bis 93. Zwiebetn 20, Meer rett ick 50 bis 120, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoll. n 5 bis 5.5 (pro Zentner 3,83 bis 4.50 M Acpfe. 23 bis 43, Dörrobst 35 bis 40, Honig 43 bis 53, junge Hähne 103 bis 110. Suppenhühner 103 bis 123. Tauben 83 bis 85. Ruße 73 bis 80 pro Pfund: Eier 18 bis 23, Blumenkohl 73 bis 143. Salat 43 bis 45. Endivien 40 bis 63, Lauch 15 bis 23. Rettich 10 bis 2\ Sellerie 10 bis 50 Pfennig pro Stück. -
Kursus für Standesbeamte. An Sarnstagvom.iltag fand im Stadtverordneten- sitzungssaale des Stadthauses, Bergstraße, ein von dein Regierungspräsidenten zu Wiesbaden Deranftaltefer Kurlus für Standesbeamte statt, der von etwa 250 Standesbeamten und Slan- desbeamtenstellvertrelern aus den Kreisen Cie- ßen, Biedenkopf. Schotten. Alsfeld. Büdingen. Friedberg, Wetzlar, Lauterbach und dem Stil» kreise besucht war. Vorträge hielten Standesbeamter D ipp el-Frankfurt a. M. über .Beurkundung von Geburten', Standesbeamter S chü 11 e- Frankfurt a. M. über „Form und Beurkundung der Eheschließung". Regierungs- oberselretär M ü l l e r - "äl i.sbadcn über „Reuzeitliche Bestimmungen im Personenstar.dswe- sen". Wei'ere Kurfe sollen im nächsten Winterhalbjahr ebenfalls in Cießen sta tfinden.
*■* Deutsche Voltspartei. Ein Unter- haltungLnaczn.itlag der Deutschen Vollspartei versammelte am Sonntag Ei? STÄ g irder und ihre Angehöii e.', sowie Freunde unö zahlreiche auS- tceinige Gaste im großen Saale der Liebigs» höhe. Wenn schon der Schubertabend in vergangenen Jahre die Gewißheit brachte, daß die Partei über ausgezeichnete Kräfte verfügt, so tonnte man an diesem Rachmiltag erleben, daß in ihr auch schöpferisch Begab.e vorhanden sind. Sie Cello-Sonace von Mar.ini, mit Eleganz gespielt, gab den Aus takt. Anschließend begrüßte die Landtagsabgevrdnete Frau M Birnbaum die Anwesenden. In kurzen, eindrucksvollen Ausführungen gab sie einen äleber- blick über die volkspartciliche Arbeit in den letzten 10 Jahren'. Sie gedachte der ersten Grün- dungsversammlungen der D. D. P. und dankte allen denen, die sich in opfervoller Hingabe in den Dlenst dcr Par.ci gestellt haiten. In bunter Vielgestaltigkeit folgten daun üie vers^tt'- denarttigsicu Darbietungen. Drei Lieder von Wolff und Schubert, ein Prolog „M.in Sku-" )- land" von Freytagh-Lorringhoven, Rezi a.t neu aus Lesfings „Minna von Darnhelm', ein Sin;- spill „Sie Wahrsagerin", Mu ll von Gmck,. flott gespielt, wurden stürinilch gefeiert. Acht juugr Mädchen, aus der Tanzschule Schumann, tanzten einen reizenden Blumenwai,er nach Sira" )- scher Mui in Rach r.ichtendenwollendem Deisall und wiederholtem Htraorrulen von Frau Scku- mann muh:en tu kleinen Tänzerinnen sich zu einer Wiederholung verstehen. Eine von Mitgliedern rci.H au.sgcstattete Verlosung trug zur itxiteren Unterhaltung bei. Alles in allem, ein schöner Rachn.i lag, ba dem sich jeder wohlfühlen tonnte. Der sehr gute Besuch und der ®ci;t, der die ganze Deranstol ung beherrschte, zciste das Zusammengehöriztt.i sgefühl innerhalb der Deutschen Volkspartei.
Lprechstunden der Redaktion
12 bis 1 Uhr m'ttags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.
es könnte nichts Gittes sein, gebe ich dir willig das Geleite."
Dielow freu e sich mar ldS ilb.r d.is schwache Lächeln, das über Hettingens Gesicht glitt. Cs war doch immerhin etwas. Er würde schon Sorge tragen, daß der arme Mensch so bald als möglich wieder in die alte Fasson kam.
2llS Hettingen am andern Frühmorgen an der Baustelle erschien, erwartete ihn eine große Üeberraschung: die dreihundert Arbeiter standen in Reih und Glied, und er mußte wie ein General die ganze Front abschreiten, um jede einzelne Hand, die sich ihm entgegenstreckte, drücken zu können. Am Schachteingang aber hing ein Riefentrans Par ent, von Grün umrahmt, mit einem „Willkommen" in der Witte.
Stumm, ohne ein Wort sagen zu können, wandte er den Leuten für eine Minute den Rücken.
Der Dorarbetter trat rasch auf ihn zu und zog den Hut: „Herr Obsringenieur, feit gestern ift etwaS Wasser eingedrungen! Wir werden pumpen müssen."
,J3a! Ich werde sofort selber nachsehen."
Das war HeltingenS Wiedereintritt in seine Tätigkeit. Wit glücllich-zusriedenem Ausdruck sah Jankes ihm nach, wie er mit einigen der Arbeiter in der gähnenden Höhle des Schachtes verschwand.
AIS der Baron am Abend nach Haufe tarn, empfing ihn der Kommerzienrat mit den Worten: „Der Mörder ist gefunden!" älnd da Hettingens Augen zu flimmern begannen, fuhr er ra'ch weiter: „Cs ist ciy Franzofe, der feine Frau bis hierher verfolgt hat. Das Paar war erst zwei Monate verheiratet, was das junge Weib nicht hinderte, mit einem anderen hierher zu flüchten. Die Rache des Gatten hat fie aber doch ereilt. Er hat sich selbst gestellt. Der Staatsanwalt ist der Meinung, daß er nicht einmal allzu hart bestraft werden wird."
Hettingen biß die Zähne in die Unterlippe. Ohne jede Erwiderung ging er aus dem Zimmer.
Wochen gingen dah:n! — — — Eine reihte sich an die andere. Leichter Frost setzte ein, der jedoch den Fortgang der Arbeit nicht hinderte. Joachim wo.lte erst nach Wien fahren, um das Fest mit her Mutter gemeinsam zu begehen.
aber er fürchtete, daß das kaum Vernarbte wieder von neuem aufdrechen würde, und blleb in Bellinzona.
Er sah dem Christabend mit einer fürchterlichen Depression entgegen. Wie sehr doch das Herz an dem Althergebracht m hing. Cs war das erstemal, daß er das Fest allein beg.ng. fern der Heimat. Auch wenn er in früheren Jahren auf Reisen gewesen war, hatten die Eltern sich ausbedungcn, daß. er Weihnachten nach Hause
So war er einmal ununterbrochen sechs Tage und sechs Rächte unterwegs gewesen, um von Persien nach Wien zu kommen, und eben, al- in der Villa die Lichter angezündet wurden, halte er sich her Wutter unter den Baum gc» W5>u wirst sehen, Achim, es ist auch bei un« auözichallen." neckte ihn Diebow. „Wir werden das ganze Haus voll Gäste kriegen. Langeweile gibt cs nicht!"
„Cs ist nur meiner Mutter wegen! lautete die Erwiderung. „Ich habe Frau Jesla geschrieben, sie am heiligen Abend bestimmt nicht allein zu laffcn, aber ich habe noch keine Antwort von ihr erhalten."
Diebow nickte etwas zerstreut.
Und dann kam d'e Bescherungästunde. — Für Hettingen standen Liköre und Zigarrenserlimente uni er verschiedenen anderen Gaben.
Von Wien war keine Zeile eingetroffen.
Jankes tarn auf ihn zu und. nahm lächelnd seinen Dank entgegen. ..Ich habe noch eine Kleinigkeit als Ueberraschung für Sie, lieber Baron: aber zu diesem Zweck müssen Sie sich in das Auto bemühen. Es ist zwar nur ein paar Häuser weit, aber zum Lausen doch zu viel."
Eine halbe Stunde nachher saß er mit Jankes, dessen Frau und Diebow in dem gcschlol jenen Wagen, der keine fünf Winuten später vor einem Landhaus hielt, aus dem heller Kerzenschimmer brcuh.
„Ihr zukünftiges Heim. Herr Baron!" erklärte der Kommerzienrat. „Ich möchte nicht, daß Sie sich immer nur als — wenn auch gern» gesehener — Gast fühlen und habe das Haus für Sie gekauft. Ich hoffe, daß Sie sich wohnlich darin fühlen" (Fortsetzung folgt)


