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neuen Plänen zu helfen, soweit es in meinen i Kräften steht."

Tag und Nacht unter schwerster Verantwortung. Die Operationsschwester H. D. eines großen Lrrankcnhanscs erzählt:

Arbeit heißt für uns: an stillen Tagen von 9 bis 1 und von 5 bis 7 tätig und während der täglichen und nächtlichen Freizeit jederzeit zur Arbeit bereit und erreichbar sein. Aber was sind Berufsstunden in einem Beruf, dem eigentlich das ganze Leben gehört: Denn ob wir morgens schon um 7 oder abends spät bei einem schweren Fall assistieren müssen, immer heißt es. Rerven und Aufmerksamkeit voll an­spannen. sich der ungeheuren Verantwortung jederzeit bewußt sein. Denn ein kleiner Fehler kann ja ein Menschenleben kosten!

Wir reichen, immun wie sie. den Aerzten bei der Operation die Geräte zu. Oft verlangt die Schwere des Falles dabei große Gewandtheit und schnelles Verständnis, das sich von selbst ergibt, wenn man länger mit einem Arzt zu­sammengearbeitet hat und seine Arbeitsweise kennt. Wir desinfizieren und überwachen die Desinfizierung, der Geräte und sind für ihre Sauberkeit, verantwortlich. Ekel kennen wir nicht mehr wie die Aerzte, und auch ästhetische Schön­heitsbegriffe gewöhnt man sich ab.

Die Verantwortlichkeit macht die Arbeit schön, ober sie ist rein körperlich sehr schwer. Wenn wir z. B, was oft vorkommt, morgens von 7 bis 1 ununterbrochen stehen müssen, sinken wir mittags im gemeinsamen Speisezimmer todmüde auf einen Stuhl und möchten am liebsten nichts als die Freizeit zur Ruhe gebrauchen. Das ist aber häufig unmöglich, denn es ist die einzige Zeit am Tage, in der man sich die Kleinigkeiten, die man braucht, besorgen kann. Abends raffen wir uns trotz Müdigkeit oft noch einmal auf, um noch ein wenig Sport zu treiben oder mit netten Menschen zu plaudern. Die wichtigste und häufigste Ausfüllung der Freizeit bleibt aber: Strümpfestopfen."

Lins erwähnt keine Kritik!

Tie Lonfflcuse

des Deutschen Theaters erzählt:

Kein Programm, kein Außenstehender spricht von unserem Beruf, obgleich jeder Eingeweihte weiß, daß er für das Theater ebenso wichtig wie für uns anstrengend ist. Zwar braucht nicht jeder Schauspieler unsere Hilfe aber jeder braucht zum Auftreten das Gefühl der Sicherheit, die. beruhigende Gewißheit, daß er jeder Eventualität mit Hilfe des lebendigen Sprachrohres dort unten gewachsen ist. Wie lebenswichtig dieses gewohnte Gefühl der Sicher­heit für das Theater ist, hat ein tatsächlicher, untheatralischer Auftritt auf dem Theater gezeigt, der dem Publikum wohl immer unerklärlich ge­blieben ist. Vor einigen Jahren lief auf einer großen Berliner Bühne ein Serienstück, in einem harten Winter, in dem die Trambahnen oft durch die Kälte stecken blieben. Das Pech wollte es, daß sich die Souffleuse eines Abends auf dem Weg ins Theater dadurch verspätete. Der In­spizient, an ihr 3vjähriges pünktliches Kommen gewöhnt, bemerkte ihre Abwesenheit nicht und gab das Zeichen zum Beginn. Kortner und Goetz hatten die erste Szene. Rach den ersten Worten sahen sie zufällig zum Souffleurkasten hin, der leer war. Sie waren konsterniert, so perplex, daß sie, die ihre Rollen bestimmt im Schlaf hätten sprechen können, plötzlich kein Wort mehr zu sagen wußten. Kortner verschwand im wörtlichsten Sinn sofort in den Kulissen, und Goetz, was blieb ihm anderes übrig, folgte ihm bald mit ein paar verlegen improvisierten Worten. Der Vorhang mußte fallen, und ge­rade als er fiel, erschien die rettende Souffleuse.

Das ist es: Wir müssen immer da sein, immer allem, was vorgeht, mit wachen Augen und Mund folgen, denn falls wirklich einmal etwas nicht klappte, ist es natürlich die Souffleuse ge­wesen. Man braucht uns heute mehr als je, weil das Tempo der Zeit auch die Schauspieler ergriffen hat. Viele kommen jetzt abgehetzt und müde vom Filmen ins Theater und haben des­halb nicht mehr die gleiche Konzentrationsfähig­keit wie in ausgeruhtem Zustand.

Das Erbe des Herrn von Anfieiien.

Vornan von J. Schneeder-Foerstl.

Urheber-Rechtsschutz durch

Verlag Oskar Meister. Werdau i. Sa.

36. Fortsetzung. Nachdruck verboten

Und wenn mein Vetter sich nicht meldet?" Dann muß man eben dem Hindu die Schlinge enger anziehen. Ucbrigens glaube ich, daß es gar nicht so weit kommt." Er wollte weiter­sprechen, besann sich aber noch rechtzeitig, daß er seine Karten nicht zu früh aufdecken durfte und empfahl sich, indem er das Photo behutsam in seine Brieftasche gleiten ließ.

Anstetten ging mit ihm bis zur Türe, sah draußen die Livree Friedrichs und atmete auf, als das Schloß einklappte.

Atab! Du Getreuer aller Getreuesten! Wer hätte das gedacht. Mochte nun sein, was immer es war, seine Pflicht war, dem Bedrängten zu Hilfe zu kommen. Ueber dasWie" konnte keinerlei Zweifel bestehen. Er mußte hinüber. Aber nicht so, wie dieser Dr. Sethland gemeint hatte! Ganz insgeheim mußte er reisen! Ohne daß irgend jemand davon wußte, mußte er von hier fort, sich in Benares melden und dann wieder verschwinden. Es handelte sich ja eigentlich nur darum, daß man wußte, er lebe noch.

Kopfzerbrechen mußte es immerhin machen, die Geschichte so zu arrangieren, daß niemand hinter fein Geheimnis kam. Ohne Drunhilde ging es nicht. Sie mußte von seinem Reiseziel wissen. Es würde nicht schwer sein, ihr das Wort abzunch- men, daß sie darüber schwieg.

Aber was sollte er für Gründe angeben?

Das war also schon der erste Stein, der ihn stolpern machte. Ob sich die englische Behörde auch in Dardschiling erkundigte? Vielleicht bei Alsworth? Aber wer wußte überhaupt, daß Alsworth bei Hans Peters Sterben zugegen gewesen war? Keiner als Akab.

Er machte ein paar rasche Schritte nach dem Fenster hin, horchte und verließ dann durch d'e

Was man immer von der Premierenluft sagt: das wirkliche Lampenfieber, die Aufregung, die die wichtigsten Rollen und die sichersten Schau­spieler ergreift, herrscht auf den Proben, vor allem bei der Generalprobe. Sie stellt an unsere Rerven die ungeheuerste Anforderung, besonders wenn wir mit den betreffenden Schauspielern nicht ganz gut Zusammenarbeiten. Man braucht einen persönlichen Kontakt, um genau zu wissen, wie man auf jeden Schauspieler reagieren mutz. Jeder verlangt etwas anderes: der eine braucht Stichworte, der anderefrühen Anschlag" und der dritte einen ständigenSchwimmgürtel". Da ist Werner Krauß, der s eine Rollen wie kein anderer durcharbeitet. Gäbe es doch lauter A l - b e r t B a s s e r m a n n s! Er ist der feinste, rücksichtsvollste Schauspieler, den sich eine Souf­fleuse träumen könnte. Lind keinen Klöpfer! Gewiß, man weih: unangenehme Szenen entsprin­gen oft der Produktionsnervosität des Theaters, aber das richtet den eigenen Stolz nicht auf. Denn viele Souffleusen sind heute durch die wirt­schaftlichen Verhältnisse zum Llmsatteln gezwun­gene ehemalige Kolleginnen der da oben auf der Bühne. f

Linser Beruf ist schwer und körperlich auf­reibend. Wir sterben gewöhnlich an Halskrank­heiten."

36 Lahre Soldat in der Heilsarmee!

Wollen Sie einen Blick in meine Sprechstunde werfen? Da kommt eine alte Frau, deren 89- jähriges Herz sich plötzlich weigerte, täglich die Treppen bis zu ihrer Mansarde heraufzusteigen. Man wollte ihr helfen, gewiß, aber sofort ist das ja unmöglich. Da bot ihr ein gleichaltriger Mann an, seinen Keller mit ihr zu teilen, und sie nahm an. Ich habe sie einmal dort besucht, der Keller ist dunkel, licht- und luftarm, aber die zwei alten Leutchen hausten dort vielleicht glücklicher, als sie es jemals gewesen sind.

Da steht ein Marm, blaß und verzweifelt. Er ist vor acht Tagen aus dem Zuchthaus entlassen worden und hat bei seiner Rück­kehr seine Frau mit einem anderen vorgefunden, bei dem sie bleiben will. Er fleht mich an, sie

zu iljm zurückzubringen. In solchem Fall ist das fast unmöglich, Ha Zuchthausvergehen ein Schei­dungsgrund sind. Viel leichter ist es, verheirate­ten Frauen zu helfen, die aus dem Gefängnis kommen. Denn ich habe gefunden, daß bei fast allen Frauenverbrechen die Männer, wenn auch nur moralisch, mitschuldig sind, und deshalb schneller nach der Trennung mit der Frau zu­sammenkommen.

Will der Mann dort wieder Geld haben? Er bekommt nichts mehr. Er braucht es, sagt er, um Wäsche für seine Frau zu kaufen, wenn sie aus dem Krankenhause kommt. Wir haben uns erkun­digt; sie wird wohl nie mehr herauskommen. Denn der Mann hat sie mit allen Mitteln ge­zwungen, Geld für seinen Schnaps zu verdienen, indem er sie auf die Straße schickte. Run muh man sie mit Paralyse wahrscheinlich in ein Irren­haus überweisen. Auch der Blinde darf nicht mehr unterstützt werden. Es hat sich heraus­gestellt, daß er autzer seiner staatlichen Llnter- stützung heimlich noch 20 bis 40 Mark täglich durch Streichholzverkauf verdient!

Sehen Sie, das ist solch eine Sprechstunde, wie ich sie täglich von 1012 Llhr habe. Es kommen dahin nicht nur stellungslose Arbeiter, sondern auch viel schiffbrüchige Gebildete; Kaufleute, In­genieure, arme Studenten und ortsfremde, junge Mädchen. Wir helfen nur ungern mit Geld, weil das leicht mißbraucht wird, und können auch bei der Ausgabe von Kleidung und Rahrungsmitteln gar nicht vorsichtig genug sein. Denn nicht nur einmal ist es vorgekommen, datz wir jemanden, der mit unbeschreiblicher Fußbekleidung zu uns kam, mit guten Schuhen versahen und entsetzt hörten, daß er sie bereits an der nächsten Ecke gegen Kinobilletts oder Zigaretten natürlich weit unter Preis verkauft hat.

Von 1/21 Llhr an beginnen bei uns mittags die Speisungen, nachmittags gehen wirrecher­chieren". d. h. die gemachten Angaben unauf­fällig nachprüfen. Das ist mein Leben gestern, heute, morgen, seit meinem 18. Iahr, in dem ich aus Lieberzeugung in die Hellsarmee eintrat. Damals war sie noch durchaus nicht angesehen, unsere Tätigkeit war eine Berufung, aber kein anerkannter Beruf. In den 35 Iahren meiner Arbeit aber habe ich diesen Lebensentschluh nie bereut."

Mademoiselle Docteur im Kriege.

Eine unmögliche Person.

IV.

Aus dem neuen Buche:Spionage!" von H. R. B e r n d o r f f. Verlag Dieck & Co., Stuttgart.

In der ganzen Zeit ihrer Zusammenarbeit war es das erstemal, daß I. Mathesius den ernsllichen Ver­such machte, sie von' einem gefährlichen Vorhaben ab­zubringen. Drei Tage brauchte Annemarie Lesser zu den Vorbereitungen für ihre gefährliche Fahrt. Drei Tage lang bekam sie Matthesius nicht zu Ge­sicht, und als sie dann zu ihm kam, da fuhr er sie an:

Wie kommen Sie denn in dieses Zimmer? Was wollen Sie denn hier? Wer sind Sie?"

Es dauerte selbst für die scharfen Augen des Herrn Matthesius einige Zeit, bis er feine Kameradin er­kennt. Vor ihm steht ein Mädchen mit tizianroten Haaren, mit unreinem Teint, schlampigem Rock, aus­getretenen Schuhen, geflickten Strümpfen, gedun­senen Zügen und mit einem stupiden Gesichtsaus­druck.

Dieses Mädchen fragt nach einigen Tagen in Paris in einem noch sauberen, aber verschlissenen, blauen Mantel, und mit einem unmöglichen Stroh­hut mit roten Bändern bei den Stellenvermittle- rinnen nach Arbeit. Sie stammt aus der Normandie, ihre Herrschaft, die mit ihr in Toulon war, hat sie in Paris entlohnt, es waren Engländer, die nach Hause gefahren sind. Sie zeigt ihre Papiere, sie ist fleißig, willig und ehrlich". Fast überall bietet man ihr eine Stellung an, aber sie kann sich nicht ent­schließen, sie geht durch die Straßen, besieht die Denkmäler, die öffentlichen Gebäude und fragt, einen Pappkarton mit ihrer Habe in der Hand, bei den Pförtnern nach Stellung.

Auch hier könnte sie an zwei oder drei Stellen gleich da bleiben, aber sie will sich immer wieder die Sache noch einmal überlegen, und so fragt sie am Abend auch den Pförtner eines großen Hauses in

Glänzender Fang.

der Rue Francois, das die Nummer drei trägt. Die­ses Haus steht im Erdgeschoß anscheinend leer, im ersten Stock sind Bureaus und im zweiten und drit­ten betreibt man ein Hotel garni.

Zu derselben Zeit hat die deutschen Agenten in Frankreich noch die Weisung erreicht, auf dem schnell­sten Wege in ein neutrales Land zu fliehen. Der Hauptagent und drei seiner Leute entkamen über die spanische Grenze, die andern wurden sämtlich ver­haftet, als sie den Zug bestiegen.

Ein Dutzend Männer, die den Tod nicht fürchteten, verschiedenartigster Nationalität, rückten von Berlin aus auf den verschiedensten Wegen an ihre Stelle in das Land des Feindes ein, um das Werk der aus­ander gesprengten oder verhafteten Agenten fortzu- führen.

Das Haus Rue Francois 3 in Paris ist kein ge­wöhnliches Haus. Sowohl die Bureauräume, wie das Hotel garni sind erst seit kurzer Zeit hier eta­bliert. Um es kurz zu sagen, in diesem alten und etwas unheimlichen Kasten befindet sich jetzt das Zivilbureau der Zentralstelle für die Spionageabwehr in Frankreich. In den Bureaus sitzen französische Offiziere in Zivil, das Hotel garni ist geschaffen zur Beherbergung der Agenten, die aus den verschieden­artigsten Gegenden und Ländern zu allen möglichen Stunden in Paris eintreffen. In den Bureaus brennt Tag und Nacht Licht, in den Gastzimmern des Hotel garni sitzen ständig Männer und Frauen, reden und hören zu, gehen und kommen. Niemals hätte sich Mademoiselle docteur in dieses Haus ge­traut, wenn sie hätte befürchten müssen, daß ihr ehe­maliger Freund, der Unteroffizier aus der unifor­mierten Spionageabwehrabteilung, die natürlich mit diesem Geheimbureau in der Rue Francois Hand in Hand arbeitete, noch auf seinem Posten gewesen märe. Aber sie wußte, daß er schon seit geraumer Zeit als Souslieutenant zur Truppe eingerückt war.

weiße Schiebetür den Raum. So sehr war er seinen Gedanken von dieser Angelegenheit in Anspruch genommen, datz er statt in sein Arbeitszimmer in Drunhildes Boudoir trat.

Er schrak förmlich zusammen, als er sie auf dem kleinen Ruhebette liegen sah:Was war das für ein Fremder, der da vor Minuten nach dem Gutshof ging? Du könntest dem Gärtner sagen, daß er das Parktor schließt! Ich sehe nicht ein, warum jeder Nächstbeste den Weg hier durch nehmen soll."

Es war ein englischer Detektiv, Brunhilde."

Ein Detektiv? Lind noch dazu ein eng­lischer? Was hat der hier zu suchen?"

Anstetten hatte sich wieder gefaßt und schob einige der Seidenlissen beiseite, um neben ihr Platz zu finden.Er zog bei mir Erkundigungen über Günther ein."

Lieber Günther? Was hat das zu be­deuten?"

Er wird vermißt."

Möglich!" Sie gähnte und legte den Kopf gegen seine Schulter.Wohin soll er denn ge­kommen fein?

Anstetten vergaß zu antworten.Du inter­essierst dich nicht für die Sache?"

Doch. Aber das Ganze erscheint mir lächer­lich. Günther und vermißt!"

Es ist absolut nichts zu lachen dabei, Brun- Hilde." Anstetten zitterte, so sehr verletzte es ihn, datz sie so kühl blieb während jeder seiner Rerven fieberte.Das Ernsteste an der An­gelegenheit ist, datz sein Diener beschuldigt wird, ihn beiseite geschafft zu haben. Man ist drauf und dran, ihn hinter Schloß und Riegel zu setzen."

Kannst du ihm das nicht ersparen, Peter?" Sie hatte sich in den Elleirbogen hochgestützt und sah zu ihm auf.

Er vergaß in seiner Erregung jede Vorsicht. Liegt dir denn überhaupt etwas an Günther, Hilde?"

Mir?" Sie hob die Achseln.Gott, schließ­lich ist er doch dein Detter. Verwandtschaft verpflichtet zu Gefühlen. Es wäre mir natür­lich leid, wenn einer sagen wir dieser Akab ihn so mir nichts dir nichts aus dem Wege geräumt hätte" Dann wurde sie plötzlich sehr

ernst:Peter, wlllst du mich ein bißchen klarer sehen lassen und mir dein Vertrauen schenken? Din ircf) dir nicht ein treuer Kamerad gewesen drei Iahre lang? Ia, Peter?"

Sie hatte ihren Arm in den feinen geschoben und lieh keinen Blick von ihm.

Ich verrate mich, schrie es in feinem Innern. Er fühlte, wie die Farbe seines Gesichtes wechselte.

Sieh, Peter! Wenn man so ganz eines Wesens geworden ist, wie du und ich und wenn ein Weib so ganz in Liebe zu dem Marme auf­geht und sich ihm so ungeteilt zu eigen gibt, wie ich mich dir muß da nicht auch die letzte Schranke fallen die allerletzte?"

Sein Leib zitterte, daß es ihn wie im Schüttel­frost hin und her zu werfen begann.Ich--

weiß nicht was du meinst, Drunhilde!"

Richt?--" Ihre Hand löste sich aus der

seinen, und ihr Gesicht wurde wieder kühl und nachdenllich.Ich fürchte, daß dem armen Hindu nicht mehr zu helfen sein wird." .

Es muh ihm zu helfen sein!" Anstetten tau­melte mit -schweren Füßen vom Divan auf. Er wankte, ohne dah Brunhildes Arm chm zu Hilfe kam.Günther kann nicht tot fein! Ist nicht von ihm ermordet worden. Ich du wirst begreifen, Hilde, dah ich hinüber muh. die Llnschuld Akabs zu beweisen."

Kannst du denn das?"

Ia I"

Wie willst du denn das machen, Peters

Die Sprache versagte ihm vollkommen.

Vielleicht" Brunhilde machte eine Pause von Sekunden,indem du dich für Gün­

ther ausgibst?"

Ia! Das das will ich tun!

Sie hielt das Gesicht etwas vornübergeneigt, als sie jetzt sprach.Komisch! An diesem Hindu scheint dir viel mehr gelegen zu fein, als an Günther selbst. Du wlllst ihn um jeden Preis vor der Strafe bewahren, während es dir an­scheinend ganz gleichgültig ist, deinen Detter er­mordet und verscharrt zu wissen."

Anstetten vermochte nichts zu ertoibern, preßte nur die Hände an die Schläfen und verlieh das Zimmer. Auf dem Korridor stieß er gegen Fried­rich, der ihm flüsternd berichtete:

Der Concierge dieses Hauses hatte Annemarie, die einen unerhört ehrbaren und phantastisch dummen Eindruck machte, nach oben an die Verwalterin des Hotel garni gewiesen. Hier stellte man sie für ein unendlich geringes Entgelt an, sie erhielt dazu freie Kost und Logis in einem Zimmer zusammen mit drei andern Mädchen, und sie übernahm dafür die Verpflichtung, zu scheuern und zu waschen. 14 Tage lang arbeitete sie hier. Sie wusch die Treppen auf, sie fegte diese unendlich schmutzigen, alten Gast­zimmer aus, reinigte das Geschirr, und sie kannte nur eine Erholung bei dieser schweren und unge­wohnten Arbeit, eine Erholung, die ungeheuer ge­fährlich war und die noch einmal ihr Schicksal wer­den sollte.

An den Abenden dieser Tage, an denen sie die Treppen herauf und hinunter gelaufen war, an denen ihr der Abschaum des internationalen Agen­tengesindels in die Waden gekniffen hatte, wenn sie ihren Hunger mit schmaler und unsauberer Kost hatte stillen müssen, an den Abenden dieser Tage brachte die Morphiumspritze sie in eine andere Um­gebung. Zn dieser Zeit kam es, daß diese Spritze mehr als einmal am Tage ihre Funktion erfüllen mußte.

Nach zwei Wochen beginnt sie ihre Fäden zu ziehen. In den Nächten, ab ein Uhr, wenn die Offiziere gegangen sind, sitzen bis zu den frühen Morgenstunden nur zwei Unteroffiziere in den Bureaus der ersten Etage. Dann muß in den Zim­mern in Anwesenheit der beiden Soldaten sauber gemacht werden. Dieser Dienst geht unter den Mäd­chen des Hauses reihum, und es ergab sich bald aus dem Gespräch zwischen Annemarie Lesser und ihren Kolleginnen, daß sie von den vier Mädchen die ärmste war. Der Nachtdienst, das nächtliche Reinigen, war diesen Mädchen, die am Morgen um 7 Uhr, und manchmal schon früher, wieder auf dem Posten fein mußten, eine Qual, und so begrüßten es die drei Kolleginnen, daß sich die vierte gegen ein geringes Entgelt bereit fand, diesen Dienst ständig zu über­nehmen. Das Mädchen aus der Normandie freun­dete sich schließlich mit einem der Unteroffiziere an. Sie sah während seines Dienstes in der Nacht oft an seiner Seite und, wenn es in den Bureaus ganz still war, erzählte dieser Mann von seinem kleinen Hof, der in dem von den Deutschen besetzten fran­zösischen Gebiet lag, von seiner Frau und feiner Tochter, von denen er nur selten und in regellosen Abständen hörte.

An dem Sonntaa, mit dem die vierte Woche der Anwesenheit der Mademoiselle docteur in dem Haus in der Rue Francois begann, an diesem Sonntag hatte dieser Unteroffizier allein Dienst. Der Sonntag war der einzige Tag, an dem von den bei­den Soldaten nur einer in der Nacht anwesend zu (ein brauchte.

In dieser Nacht sah der Unteroffizier das Mädchen aus der Normandie erstaunt an. Wo hatte er nur feine Augen gelassen? Dieses Mädchen war doch eigentiidi sehr hübsch! Die sonst teilnahmslosen und trüben Augen glänzten förmlich vor Munterkeit, sie neckte ihn, und auf einmal trat sie, während er an einem Tisch saß, hinter ihn, und hielt ihm im Spiel die Augen zu. Lachend faßte der Unteroffizier nach ihren Gelenken. Plötzlich fiel ein Tuch über seine Augen, er fühlte etwas Feuchtes, widerlich Süßes, vor feiner Nase und vor feinem Mund, das Blut brauste in feinem Schädel, und er wußte nicht mehr, was um ihn geschah. In dieser Nacht verließ ein Mädchen in blauem Mantel das Haus Rue Francois 3, das viel jünger und hübscher war als das Dienstmädchen aus der Normandie.

Am Morgen spielte der Telegraph aus dem Haus in der Rue Francois an alle Grenzstationen und an. alle die militärischen Grenzstellen, denen die Be­wachung der Züge Pflicht war. Der Telegraph tickte während des ganzen Tages, denn es war Schreckliches geschehen. Ein Unteroffizier in dem zivilen Bureau der Spionageabwehrstelle war be­täubt worden. Alle Akten, Liften und Papiere über die französischen Agenten nicht nur in Deutschland, sondern auch in den neutralen Ländern, waren ge­raubt, und die Täterin war vermutlich eine Person, die als Dienstmädchen Aufnahme in dem Hause ge­funden hatte.

Der Telegraph spielte vergebens. Zwar hatte er veranlaßt, daß sämtliche Frauen, die die Grenzen des Landes passieren wollten, außergewöhnlich scharf auf ihre Identität, ihre Papiere und ihr ®c päck untersucht wurden, aber auch diese Maßnahme half nichts. Es gibt in der Gesch.chte der Spionage den Bericht von einem Abend, an dem eine Fran von Frankreich aus auf verborgenem Wege über bit ©reine auf Schweizer Land floh. Auf den letztem 500 Meter vor der Schweizer Grenze wurden spätes

Herr Baron, der Stefan Würz wartet oben in Ihrem Arbeitszimmer. Es wäre sehr teilt» gend, läßt er bitten." .

Würz! Den hatte Anstetten vergessen. Es gab noch einen, der außer Alsworth und Akab uni Hans Peters Sterben wußte. Ob er zum Ver­räter an ihm wurde, oder schon geworden war?

Sein Schritt wurde schleppend langsam, als er jetzt nach dem Westflügel ging, um in fein Arbeitszimmer zu kommen.

Würz stand nahe der Türe und drehte der Hut in der Linken.Guten Tag, Herr Baron Aus is und gar! Zwölfe hat's g'fchlag'n! Ein Spürhund is heut bei mir g'wes'n."

Du hast mich verraten?"

Stefans Gesicht flammte auf.Ra, Hen Baron! Bei unserm Herrgott am Kreuz! Kein Wört'l hab ich rauslass'n, das Ihnen belast'» könnt! Aber davon müss'n mir uns mach'n, alle zwei! Der laßt nimmer aus! Der nimmer. Gefragt hat er mich! ©'fragt, als wenn ich den Hern Baron Günther umbracht hätt'l"

Glaubst du, Würz, daß er von Hans Peters Tod weiß?"

Ein Achselzucken."Rix G'wisses laßt sich ne sag'n, Herr Baron. Der gnäöig'n Frau müffni halt was vormach'n, dah Ihna auslaßt. Zu Schis' Lauert'd eine Ewigkeit, bis wir nüberkommen Müss'n wir schon das Flugzeug nehmen, da­grausliche! Is gut, daß ich net g'heira! hab! Ietzt fitzet ich schön fest!"

Du mußt hierbleioen, Stefan," gebot An­stetten.Wenn du mitlommst, ist es zu veo dächtig."

Nachher bleib ich halt da, wann'S meinen Herr Baron!"

Anstetten maß ihn mit einem langen Vlia Lind eines Tages wird der Engländer dich doch so weit haben, vaß du alles bekennst un) für mich ist alles verloren."

Würz schüttel.e bedächtig den Kopf.Ich wci? von nix, Herr Baron! Ich kann grad fag'n. daß ich den Herrn Günther das letztemal g'seh» hab, wie wir von Dardschiling wegg'fahrn sinü Seither hab ich ihn nimmer zu Gesicht kriegt. Auch nit mehr von ihm g'hört! Kein Sterb'n- wört'l net!--Da is gleich ausg'fragt."

(Fortsetzung folgt.)