Ausgabe 
28.12.1929
 
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troUEommiffion der Ansicht sei, daß Deutschland be­gonnen habe, seine Verpflichtungen auszuführen, werde ein Teil der in Frage stehenden Artikel über­flüssig. Dann ober bestehe noch die Frage der 'Reparationen weiter, und auf die Reparatio­nen beziehe sich die am Rhein bleibende Deckung. Was Marin wolle, entspreche nicht dem Versailler Vertrag.

Ministerpräsident Tardieu erinnert daran, daß Clemenceau und er fünf Mo­nate lang gegen die Alliierten England, Belgien und Amerika angekämpft hätten, die von einer Be- setzung des Rheinlandes nichts wissen wollten. Schließlich habe man dennoch im Versailler Vertrag die Annahme dieser Besetzung durchgesetzt, aber m i t Einschränkungen, und zwar sei beschlossen worden, die Wirkung der Besetzung auf die Re­parationen zu beschränken. Er müsse am Vorabend der herannahenden Konferenzen eine klareAeußerungderKommer haben. Alle Parteien hätten Lösungen oorgeschlagen, von denen wegen der Stauf ein des Versailler Vertrages keine als befriedigend und endgültig habe angesehen wer­den können. Es sei sicher, daß Deutschland Vorteile erzielt habe, namentlich die vorzeitige Räumung eines Teiles des Rheinlandes. Die Räumung der ersten Zone habe den Wert der restlichen Besetzung hcrabgemindert. Die französischen Delegierten wür­den in geschlossener Front auftreten, um die fran­zösische These durchzufetzen, die die strittigen Punkte auf ein Minimum zu reduzieren strebe. Es handle sich um die unantastbare Aufrechterhaltung des Grundsatzes von dem ungeschützten Annuitätenteil, der Frankreich zugewiesen sei, um die Aufrechterhal­tung der Mobilisierungsfähigkeit, die dem Poungplan erst seinen vollen Wert geben würde. Es sei nicht möglich, eine internationale Diskussion mit mehr Sorgfalt und Methode vorzubereiten, um den Erfolg bei der Konferenz zu sichern. (Lebhafter Beifall.)

Gewiß begegne er bei seiner Arbeit vielen Kri­tiken; vor allem stoße er auf jene Art Pessimis­mus,'der bereits 1919 nicht habe sehen wollen, daß der Versailler Vertrag Frankreich ein von allen Lasten befreites Llfaß-Lothringen, ferner die Besetzung des Rheinlandes und positive wirlschaflsktanseln eingetragen habe, die der nationalen Wirtschaft einen herr­lichen Aufschwung ermöglicht chatten. Es sei leicht, nur das zu sehen, was fehle; es fei aber auch notwendig, zu sehen, was vorliege. Man habe 1919 zu sehr vergessen und vergesse auch weiter, was der Vertrag des Sieges Frankreich gebracht habe.

Man bergeffe auch zu sehr den Kamps, den die französischen Unterhändler zu führen hatten, um die im Vertrage vorgesehenen Lösungen durch­zusetzen. Wenn man das wisse, dann bewahve man den tarnen Clemenceau im Herzen. (Leb- haster Beifall.) Hätten denn die Alliierten alles erholten, was sie forderten? Wenn Franklln- Vouillon die Lage von 1919 mit der von 1871 vergleiche, so sei zu erwidern, daß 1871 nur ein Sieger vorhanden gewesen sei, 1919 aber sechs. Der Abgeordnete Deibel habe mit seinen Enthüllungen über den Marschall Foch bereits zur Zeit Poincares ausgewartet. Es sei besser, sich der Zukunst zuzuwenden, als seine Zeit damit zu verbringen, rückwärts zu schauen. (Veifall.) Solange die Haager Abkommen nicht unter­zeichnet und ratifiziert seien, sei keine Rede davon, zu räumen. Er versichere, daß er an dem Sage, an dem Frankreich Nein sagen müßte, dieses Dein tatsächlich auch zu sprechen wissen werde. Die Regierung habe bereits Gelegenheit gehabt, dieses Wort zu gebrauchen. Durch ein altes Manöver versuche man. Briand gegen Tardieu auszuspielen. Aber die Regierung sei solidarisch. Wenn die Kammer nicht wolle, daß die Regierung sich zu den Verhandlungen nach London und in den Haag begebe, möge sie es schnell sagen, damit die Rachfolger vor Vesteigen des Zuges noch Zeit hätten, die Akten« stücke einzusehen. Vor allem, wollen wir nicht Diesen Zermürbungskrieg, diese Politik zweck­loser Kritik. Ich fordere eine möglichst große Mehrheit, weil es bei internationalen Zusammen­künften gut ist, sich auf eine starke Mehrheit stützen zu können. Die Regierung ist gewillt, etwas Gutes zu bollbrinqen, und um dem ge­nügen zu können, muh sie das Vertrauen der Kammer haben. Die Kammer hat daraus dem Kabinett Tardieu mit 342 gegen 1 76 tim = men bei fast einmütiger Stimmenthaltung der Linken das Vertrauen ausgesprochen.

China hebt die ungleichen Verträge auf.

Mut der Verzweiflung.

Die Nanking-Regierung hat durch einen Erlaß die Vorrechte der Europäer auf chine­sischem Boden aufgehoben. In Zukunft werden die ansässigen Ausländer den Chinesen in rechtlicher Beziehung g l e i ch g e st e l l t. Dieser Be­sch. wird namentlich in England, Amerika und Frankreich eine starke Ueberraschung auslösen, weil er praktisch eine Aufhebung der ungleichen Verträge bedeutet, die die Nanking-Regierung schon vor längerer Zeit ins Auge gefaßt, aber eben wegen des starken Widerstandes des Auslandes nicht durchzuführen gewagt hat. Daß sie gerade in diesem Augenblick innerer Wirren und des noch nicht end- gültig gelösten Konflikts mit der Sowjetunion die Sonderrechte befestigt, läßt sich nur mit ihrer ver­zweifelten Lage begründen. Sie hat beachlliche politische Kräfte im Lande gegen sich, die sie offenbar durch die Aufhebung der ungleichen Verträge zu ge- minnen hofft. Ob chr das gelingen wird, ist recht zweifelhaft. Sicher ist jedoch, daß sie außenpolitisch in neue Schwierigkeiten gerät und daß sich die bevorrechteten ausländischen Staaten die ein­seitige Aushebung nicht gefallen lassen werden.

Das Deutschtum in Rumänien.

Protest des deutschen Bolksraies.

Bukarest, 27. Dez. (SU. Funkspruch.) Der deutsche Volksrat von Rumänien und Siebenbürgen hat am Freitag fol­gende Entschließung angenommen:

Ser deutsch-östliche Volksrat stellt mit Be­dauern fest, daß die Bedürfnisse des deutschen Volkes keinerlei Berück­sichtigung von fetten der ^Regierung finden. Der Staat erfüllt auf keinen Fall die Verpflichtung, die er Im Friedensvertrag in bezug auf die Minderheiten übernommen hat. Mit tiefer Enttäuschung und Be - frerndnis muß der deutsch-östliche Volksrat zur Kenntnis nehmen, daß auch der Haushalt

Em Reuyorker Siadirichter das Haupt einer Verbrecherbande.

Enthüllungen aus der Unterwelt Neuyorks.

SieD. Z." berichtet aus Reuyork: Sie Reu- Yorker Polizei hat nach E n t 11 u n g e n eines Spitzels über Rächt eine über ba3 ganze Land verbreitete Organisation von Berufs­verbrechern ausgedeckt, die in Chikago ihren Hauptfitz hatte und deren Protektor der Stadtrichter von Reuyork, Albert Vitale war. Durch diese Entdeckung beginnt sich das Suntel um zahllose Morde. Bomben­attentate und Raubübersälle in Reuyork und Chikago zu lichten. Am 9. Sezember brachten Reuyorker Zeitungen die Alarmnachricht, daß bei dem Gala-Siner, welches der Demokra­tische Klub des Stadtteils Bronx dem wie­dergewählten Richter Vitale gab, eine Bande von sieben Verbrechern die Sinergesellschast ausgehoben und die dreißig An­wesenden mit vorgehaltenem Revolver gezwun­gen haben, Schmuck und Geld abzu­laden. Mehr und mehr sickerte einiges über ein geheimnisvolles Diebesmahl Vitales durch, u. a., daß sieben vorbestrafte Ver­brecher sich unter den Gästen befunden hatten. Es ergab sich, daß der Raubüberfall bei dem Essen nur beteilt war. Der Klubpräsi- dent, ein reicher italienischer Obstgroßhändler, befand sich in Geldnöten. Er hatte einem Chika- gocr Bravo das schriftliche Versprechen gegeben, 10 000 Dollar für die Köpfe zweier Reuyorker Bandenführer zu bezahlen. Ser gedungene Mör­der kam seinem Auftrag pünktlich nach, aber

erhielt nur 5000 Dollar. Er drohte mit einer Anzeige, wenn er den Rest nicht bekäme. Ser Klubpräsident, Terranova, der gleichzeitig Mitglied der DcrbrecherbandeUnion Siciliano Nationale" ist, lud den Mörder zum Vi­tale-Bankett ein mit der Lockung, ihm das Blutgeld dort auszuzahlen. Die Räuber drangen in den Ban- kettjaal ein und bestahlen die Anwesenden. Während aber innerhalb der nächsten vier Stunden Geld und Schmucksachen dem Staotrichter wieder zurück- gebracht und den staunenden Gästen wieder aus- gehändigt wurden, blieb der Mordkontrakt, den der Chikagoer Ehrengast leichtgläubig mitge­bracht balle, verschwunden. Vitale und seine Verbrecherfreunde an der Tafelrunde waren stumme M i t s p i e l e r der Komödie gewesen. Die Kriminal­polizei brachte weiteres Material zutage, daß der Klubpräsident Terranova eng befreundet mit Vitale war, daß er siebenmal verhaftet und be­straft war und daß der sog.Demokratenklub", in dem Vitale das Protektorat besitzt, 820 vorbestrafte Verbrecher zu Mitgliedern hat, daß Vitale zum Freundeskreis des berüchtigten Rothstein gehört, eines ermordeten Millionärs und Bandenführers und daß er bei Rothstein 19 000 Dollar Spielschulden hat. Wie weit die Enthüllungen weitergeführt wer­den, hängt jetzt von den Chikagoern Polizeigewal­tigen ab, die mit dem Verbrechertum bekannter­maßen eng liiert sind. Bis zur Stunde befanden sich noch immer sowohl Richter Vitale als der Der- brecherchef in Freiheit.

für 1930 feine entsprechenden Beträge für die kulturellen Bedürfnisse der nationalen Minderheiten aufweist. Das deutsche Volk fühlt sich dadurch in seinen Rechtsansprüchen auf gleiche Behandlung mit den Rumänen verletzt und legt gegen diese Art der Behandlung entschiedenste Verwahrung ein. Wir werden von unseren berechtigten Forde­rungen nie ablassen, bis der Staat seine Ver­pflichtungen gegenüber den nationalen Minder­heiten voll erfüllen wird."

Attentat auf den Präsidenten von Argentinien.

Präsident Jrigoyen unverletzt. DerAtten» täter von der Polizei erschossen.

BuenosAires, 26.Dez. (ADP.) Auf den Prä- sidsnten von Argentinien, I r i g o y e n, ist am Dienstagnachmittag ein Revoloeranfchlag verübt worden. Der Präsident befand sich a u f der Fahrt nach dem Re gi e r un g sgeb ä ude, begleitet von einem Polizeikommissar, als aus un­mittelbarer Nähe plötzlich drei Revolver» fchüffe abgegeben wurden. Ein Schuß traf den Chauffeur tödlich, während durch einen zweiten Schuß der Polizeikommiffar schwer verletzt wurde. Der dritte Schuß ging um wenige Zenti­meter am Präsidenten vorbei. Bevor der Attentäter erneut feuern konnte, wurde er von einem der zum Schutze Jrigoyens bestimmten Leute niederge schossen. Die Stadt befindet sich in großer Aufregung über das Attentat, zumal sich der Präsident großer Beliebtheit erfreut. Der Polizei gelang es, den erschossenen Attentäter zu ibentfi» zicren. Es ist der italienische Emigrant Jose Mari­nelli. Marinelli hat die Schüsse aus der nächsten Nähe auf Jrigoyen abgegeben. Die Leibwacke des Präsidenten schoß auf den fliehenden Marinelli, der von Dutzenden Kugeln durchbohrt tot znsammensank. Die Polizei glaubt nicht, daß es sich um ein Kom­plott handle und legt dem Attentat keine weitere Bedeutung bei.

*

Der Reichspräsident hat dem Präsidenten Irigoyen ein Telegramm gesandt, in dem er ihn zu seiner Errettung von dem Attentat beglück- w ü nscht.

Indien verlangt völlige Unabhängigkeit.

Ein Antrag des Vollzugsrals für den Nationalkongretz.

London. 27. Dez. (TU.) Der Vollzuzsrat des allindischen Rationalrales, der mit den entschei­denden Vorarbeiten für die am Sonntag begin­nenden Plenarverhanülungen des Kongresses be­schäftigt ist, hat nach Meldungen aus Lahore eine Entschließung vorbereitet, die in ihren weitgehen­den Forderungen alle Befürchtungen übertrifft und nun auch den Dominion st atus als nicht weitgehend genug ablehnt, die Teilnahme an einer allgemeinen Konferenz mit der britischen Regierung verweigert und völ­lige Unabhängigkeit für Ind.ien ver­langt. Ser Kongreß soll jetzt erklären, daß er unter Homerule die völlige Unabhängigkeit ver­stehe. Der von Pundit Rehrn ausgearbeitete Plan eines Dominionstatus wird sallengelassen und der Kongreß gibt nach der vorbereiteten Entschließung der Hoffnung Ausdruck, daß alle in ihm vertretene Parteien ihre Anstrengungen ausschließlich auf die Erlangung der völ­ligen Unabhängigkeit richten werden. Der Kongreß erfiärt u. a. den völligen Boykott der Zentral- und provinziellen gesetzgebenden Versammlungen und ersucht alle an dem Kongreß tellnehmenden Personen, sich in Zukunft jeder unmittelbaren und mittelbaren Teilnahme an Wahlen zu enthalten. D'.ese Entschl chang trägt vorläufig noch den Romen von G h a n d i und in allen Berichten aus Lahore wird die Auf­fassung vertreten, daß die Annahme vielleicht mit geringen Aenderungen kaum noch zweifel­haft sei. Ghandi hatte Ende voriger Woche als gemäßigter Vermittler zwischen den Ex­tremen und gemäßigten ©liebe gegolten, ist aber nach der Besprechung zwischen den indischen Füh­rern und dem Dizekönig in das extreme Lager abgewandert.

Weihnachisgrütze englischer Kriegsbeschädigter

Der bekannte englische Heerführer General Sir Jon Hamilton hat an den Schriftführer der Deutsch - Englischen Vereinigung folgendes Tele- flramm gerichtet:Weihnachtsbotschaft an Deutsch- land. Die schwerkriegsbeschädigten englischen Sol­daten in (Bifforb House, Roshampton, grüßen alle

kriegsbeschädigten Soldaten in deutschen Lazaretten, (gez.) General Jon Hamilton.

Aus aller Welt.

Eine Spur von dem Düfsekdorser Mörder?

Sie Wiener Blätter melden, daß durch die Anzeige einer in Sollenou bei Wiener-Neustadt wohnenden Frau die Gendarmerie auf eine Spur gebracht wurde, die geeignet scheint, die Spur des vielgesuchten Düsseldorser Mörders finden zu lassen. Sie Zeitungen veröffentlichten vor einiger Zeit ein Kriegsgedicht, das der unbekannte Düsseldorfer Mörder geschrieben haben soll und das in die Hände der Kriminal­polizei gelangt ist. Die Frau in Sollenau las dieses Gedicht und erinnerte sich, während des Krieges von einem in der Sprengstoffabrik in Dlumau beschäftigten Arbeiter, mit dem sie näher bekannt war, dasselbe Gedicht erhalten zu haben. Durch Nachforschungen in der Spreng- stofsabrik ergab sich, daß der betreffende Mann Romens Eovolfkh während der Kriegszeit von Düsseldorf, seinem Heimatsort, zur Dienst­leistung nach Blumau einrückte, wo er die Arbeit eines Pumpenwärters verrichtete. Roch dem Umsturz kehrte er noch Düsseldorf zurück. Die deutsche Sicherheit.b.Hörde wurde von der Spur sofort verständigt. Die Kriminalpolizei sand ihn nicht in Düsseldorf,' er ist unbekannt abgemeldet. Der Steckbrief ist international erlassen worden. Aufklärung einer Mordtat nach sieben Jahren.

Der Berliner Kriminalpolizei ist es gelungen, ein grauenhaftes Verbrechen, das vor sieben Zähren am 5. März 1922 verübt wurde, aufzu­klären und einen der Täter zu verhaften. Der Festgenommene, der 33 Sahre alle Schnitter 8ran$ Kaczmarek, hatte damals gemeinsam mit etnem Komplicen, dem 33jährigen noch flüch­tigen Schnitter Michael K a c z i n s k h, den 58 Jahre alten Landwirt Reinhold Werbelow auf besten Anwesen in Reufaltenwald bei Där- wolde in der Reumark erschossen und die Schwester Werbelows durch einen Schuß schwer verletzt. Sn dem Glauben, daß beide tot seien, schleiften sie die Körper aufeinenKompost- Haufen und bedeckten sie mit Dung. Dann be­gaben sie sich in das Haus des Geschwisterpaares, aus dem sie wegschleppten, was ihnen in die Hände fiel. 11. a. erbeuteten sie 21 000 Papier- mork. Bevor sie die Flucht ergriffen, demolierten sie in barbarischer Weife die Wohnungseinrich­tung. Als die Mörder schon längst davongeeilt waren, kam Anna Werbelow, deren Verletzungen nicht tödlich toaren, in ihrem schauerlichen Grabe wieder zu Bewußtsein, arbeitete sich mühselig aus dem Dunghaufen hervor und schleppte sich schließlich, mehrmals zusammenbrechend, zu dem nächsten Wirtschaftshof Steinbachgrund, wo sie von der Bluttat berichtete. Von den Verbrechern wurde jedoch keine Spur mehr gesunden. Werbelow wurde tot ausgegraben. Seine Schwe­ster genas später im Krankenhaus. Sm Kott­buser Gefängnis wurde der eine der Täter, Kaczmarek, der wegen Diebstahls eine vierjährige Freiheitsstrafe zu verbüßen hatte, jetzt ermittelt.

Wiederaufnahmeverfahren im Fall Richter?

Wie derMainzer Anzeiger ' aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, hat Rechtsanwalt Mayer H. aus Bonn von dem Donner Land­gericht die Akten des Prozesses Sr. Richter aus Dingen, der vorn Bonner Schwurgericht wegen Mordes an der Krankenschwester Mertens zum Tode verurteilt worden ist, zur Einsichtnahme gefordert. Rechtsanwalt Mayer ist von den Angehörigen Dr. Richters be­auftragt worden, gegebenenfalls das Wieder­aufnahmeverfahren zu betreiben. Die Gründe zu diesem Schritt sollen die zahlreichen Gutachten von Sachverständigen sein, die eine Schuld Dr. Richters zum Tell verneinen oder wenigstens stark abschwächen.

Fünf Personen im Main ertrunken.

Sn dem Würzburg benachbarten Margets­höchheim vergnügten sich vier Knaben im Alter von neun bis zehn Sahren auf dem dünnen Eise eines alten Annes des Mains. Die Kin­der brachen ein. Auf ihre Hilferufe eilte der in der Nähe beschäftigte 30 Sahre alte Vitus Wi11stadt herbei, um die Kinder zu retten. Dabei fand er ebenso wie die vier Knaben den Tod im Wasser.

Ein imposanter Bau aus dec Römerzeit.

Ein imposantes Weck römischer Baukunst wurde in Koblenz bei Arbeiten unter der <51. Florinskirche freigelegt. Man stieß auf große Mauerwerke. Bei Fortsetzung der Arbeiten konnte man in ein Zimmer Vordringen, das einen geradezu imposanten Anblick gewährte. Sie Wände waren reich verziert. Dlumengemälde, Blattgirlanden, Oliven- und Lorbeerzweige schmückten eine Wand. Eine andere zeigte auf

ebenholzfarbenem Grunde Thyrsusstäbe. Pompe- janisches Rot leuchtete dem Beschauer von der dritten Wand entgegen und die vierte Wand ist in gelblichem Grundton gehalten. Zwei Wand­nischen, in denen früher Altäre standen, sind mit Freskomalereien aus dem 12. Sahrhundcrt geschmückt. Allem Anschein nach ist das Prunk­gebäude vor langer Zeit einem Brand zum Opfer gefallen. Drandüberreste und Holzkohlen lassen wenigstens daraus schließen.

Vier Opfer des Eises.

Bei Harburg-Wilhelmsburg brachen am Freitagmorgen auf der Eisdecke des Ernst- August-Kanals drei Knaben ein. Rur einer konnte von hinzueilenden Passanten gerettet werden, die beiden anderen ertranken. Sn Putt- gard, auf der Snfel Fehmarn, sind zwei Mäd­chen im Alter von acht und zehn Sahren, die Tochter zweier Arbeiterfamilien, beim Schlitten- fahren auf dem Eis des Dorfteiches eingebrochen und ertrunken.

Vergiftungen in einem spanischen SrrenhauS.

Sn einem spanischen Srrenhaus sind nach dem Genuß von Wein zahlreiche Personen erkrankt. Zwei Krankenwärter und zwei Anstalts­insassen sind bereits gestorben. Fünfzehn wei­tere befinden sich in bedenklichem Zustande. Sie Untersuchung hat ergeben, daß ein Angestellten der Anstalt versehentlich eine arsenikhal­tige Flüssigkeit in den Wein geschüttet habe.

Raubüberfall auf eine Beuthener Bank.

Sn die Bank Prazemyslowow auf der Glei- witzer <Ärahe drangen nachmittags gegen 6 Uhr fünf bewaffnete Männer ein. Sie be­nutzten gleichzeitig mit einem Bankkunden die vom Hausflur nach den Bankräumen führende Tür, die Eingangstür von der Straße war be­reits geschlossen. Sic Räuber bedrohten das Per­sonal mit den Waffen und zwangen vier An­gestellte, sich mit dem Gesicht nach der Wand hinzustellen, den Kassierer und den Bankkunden aber, sich auf den Boden zu legen. Zwei Räuber sprangen darauf in den Kassenraum und raubten ungefähr 16 000 Mk. deutsches Geld und 2500 Zloty. Darauf ver­ließen sie da.s Bankhaus durch den Hausflur» zogen die Schlüssel der Tür ab und schlossen von außen aus zu. Sie entkamen dann unge­hindert auf der sehr stark belebten Verkehrs- strahe.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Die Störungstätigkeit im Norden; immer noch nicht beendet. Ein Tiefausläufer hat unserem Gebiet heute nacht Regen gebracht. Da wechselweise ozea­nische Warmluftmassen und auch kühlere herantrans­portiert werden, so kommt zunächst keine Beständig­keit auf. Der Himmel bleibt wechselnd bewölkt, vor­übergehend heitert er sich auf. Die Temperaturen werden dabei Schwankungen erfahren, vereinzelt treten noch Niederschläge auf.

Wettervoraussage für Sonntag. Roch vielfach wolkiges Wetter, teilweise auch aufheiternd, Temperaturen schwankend, verein­zelt Niederschläge.

Witterungsaussichten für Mon- t a g. Fortdauer der herrschenden Wetterlage.

Lufttemperaturen: am 27. Dezember: mittags 3,1 Grad Celsius, abends 3,5 Grad: am 28. Dezember: morgens 3,1 Grad. Maximum 3,5 Grad, Minimum 2 6 Grad. Erdtempe­raturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 27. De­zember: abends 0 Grad: am 23. Dezember: mor­gens 0,2 Grad Celsius. Niederschlag 2,9 Millimeter. Sonnenicheindauer 3/< Stunde.

Amtliche Mntersportnachrichten.

Vogelsberg (Hoherodskopf): Dunstig. 0 Grad, 6 Zentimeter Schnee, Sportmöglichkcit nicht vorhanden. Herchenhainerhöhe: Ne­belig, 0 Grad, keine Sportmöglichkeit. Oden­wald (Tromm): Wolkig, plus 4 Grad, keine Sportmöglichkeit. Neunkirchen: Regen, plus 2 Grad, keine Sportmöglichkeit.

Sauerland (W in ter berg): Nebel, 0 Grad, 3 Zentimeter Schnee, Neuschnee, Papp­schnee, Sportmöglichkeit für Ski und Rodel nur stellenweise möglich.

Harz (Schierke): Leichter Schneefall, 0 Gr., 7 Zentimeter Schnee, Schneedecke durchbrochen, Ski und Rodel nur stellenweise möglich. --

Schwarzwald (Feldberg): Schneefall, minus 1 Grad, 60 Zentimeter Schnee, Neuschnee 6 bis 10 Zentimeter, Pulverschnee, nur Ski mög­lich. Hornigsgründe: Nebelr'.e'eln. minus 2 Gr., 30 Zentimeter Schnee, 6 bis 10 Zentimeter Neuschnee, Firnschnee, Ski möglich, Rodel gut

Alpen (Garmisch-Partenkirchen): Bewölkt, minus 1 Grad, 12 Zentimeter Schnee. Schneedecke vereist, Ski gut, Rodel mäßig. Berchtesgaden: 0 Grad, 21 Zentimeter Schnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut.