Ausgabe 
28.10.1929
 
Einzelbild herunterladen

l

crftinalig nach dem neuen Wahlgesetz, das an Stelle der bisherigen sieben 22 Wahl- (reife geschossen hat. Durch die Verkleinerung der Wahlkreise wurde vor allem das Ziel verfolgt, die Abgeordneten in engeren Kontakt mit der Wählerschaft des Bezirks zu bringen. Die Ge­samtzahl der Landtagsabgeordneten hängt von dem Umfange der Wahlbeteiligung ab. Wie

bisher entfällt auf je 10 000 Stimmen oder einen Schlußrest von mehr als 7500 Stimmen je ein Ab­geordneter. Aus dieser Bestimmung ergibt sich die Erhöhung der Abgeordnetenzahl um 16 im neuen Landtag. Auch im neuen Landtag verfügt die Weimarer Koalition über eine sichere Mehr­heit von 58 Stimmen gegen 30 Stimmen der Opposition.

Daladiers Kabinettsbildung.

Entgegenkommender Beschluß der sozialistischen Kammerfrattion.

Paris, 27. Okt. (WTD.) Der Borsihende der Aadikalen Partei Da lädier begab sich am Samstag um 15 Uhr ins Elysäe und ver­liest e« um 15.50 Uhr. Er erklärte den Presse­vertretern:Ich habe dem Präsidenten der Re­publik mitgeteilt, dast ich bereit bin, zu ver­suchen, das Kabinett zu bilden. Ich werde mich jetzt zum Senatspräsidenten und zum Kammer­präsidenten begeben. Austerdem werde ich weiter mit meinen politischen Freunden Fühlung neh­men. Entsprechend den vom Radikalen Parteitag angenommenen Entschließungen werde ich an die Sozialistische K a m in e r f r a k t i o n ein Schreiben richten, in dem ich ihr das An­gebot unterbreite, in Form einer Mitarbeit innerhalb der Regierung teilzunehmen. Ich werde meine Besprechungen ohne Ueber- eilungin grösster Ruhe fortsehen."

Der Bries an den Vorsitzenden der Sozialisti­schen Kammersraktion, der die Beteiligung an der Regierung anbietet, lautet:

Nachdem ich vom Präsidenten der Republik mit der Bildung der neuen Regierung betraut wurde, bitte ich Sie. bei der sozialistischen siammersraktion zu beantragen, dast sie mir ihre vertrauensvolle, entschlos­sene Mitarbeit leiht. Ich will ein Mi- nisteriun, der republikanischen Ak­tion bilden, das energisch die Organisation des Friedens. Steuerermähigungen. rasche Durchführung von Mastnahmen zur Behebung der Landwirlschaftvkrlse und die Verwirklichung der von den demokratischen Parteien und gra­sten Arbeilerverbänden geforderten sozialen Re­formen verfolgen soll. Dieses Programm must nach meiner Ansicht die republikanische Blehr- heit vereinen. Nach meiner Auffassung must die Mitarbeit der sozialistischen ftaminerfraHion an der Verwirklichung dieses gemeinsamen Werkes durch deren tatsächliche Beteili­gung an der Verantwortung der R c g 1 c r u H g gewährtet st et werden. Ich bin überzeugt, dast ich durch dieses Angebot dem liefen Gefühle des republikanisch gesinnten Lan­des und den heisten Friedenswillen zum Aus­druck bringe.

Die sozialistische Kammerfraktion hat mit 3 6 gegen 1 2 <vttmmcn folgende Entschließung am genommen:

Die sozialistische Parlamentssraktlon spricht sich für die A n n a h m e der Vorschläge des Vorsitzenden der Radikalen Partei Daladier zwecks Betei­ligung der Sozialisten an der Re­gierung au», bestätigt das dem Lxekullv- Ausschnst übertragene Mandat und fordert den Vorstand der Partei auf, den Nationalrat einzuberufen, um ihn des Näheren vollständig zu informieren.

Der Nationalrat der Sozialistischen Partei wird Montag zusammentreten, um zu dem Be­schulst der Kammersraktion Stellung zu nehmen. Rach Kenntnisnahme des Beschlusses der sozia­listischen Parlamentarier erklärte D a l a d i e r Pressevertretern, et hoffe, eine Regierung der Union der Linksparteien bilden zu können. Zweidrittel der sozialistischen Parlci- menlsgruppe feien Anhänger der Zusammen­arbeit und würden in der Tagung des Rationcil-

rats der Partei die Beteiligung an der Regie­rung empfehlen. Im Verlaufe des Rach- miltags hat alsdann Doladier Besprechungen mit einer grösteren Anzahl feiner Partei­freunde gehabt, darunter mit Senator Steeg, Maurice Sarraut, Caillaux sowie mit den Abge­ordneten Herriot, Ehautemps und Durand. C a i l l a u r erklärte nach seiner Unterredung mit Daladier, man könne im Leben immer reüssieren, wenn man nur wolle. Sein Eindruck sei ausgezeichnet. Daladier begab sich auch zu Driand, der ihm bestätigte, dast er einer Regierung der bereinigten Linksparteien seine Zustimmung mit um so größerem Vergnügen geben würde, als er selbst eine solche zu bilden versucht habe. Dies seien, so erklärte Daladier, die eigenen Worte Driauds.

Das kommende Kabinett Daladier soll sich nach demEcho de Paris" wie folgt zusammen- sehen: 5 Radikale, 4 Sozialisten, 2 Anhänger der Fraktion Loucheur. 2 Linksrepublikaner, 2 Sozial­republikaner, ein Mitglied der Unabhängigen Linken (Richtung Guernul). Daladier habe die Absicht, ein s e l b st ä n d i g e v P o st m i n l st e r i u m und ein selbständiges 2H l n i ff e r l u m für die Han­delsmarine zu schaffen.

Ueber den Beschlust der sozialistischen K a m m e r f r art i on, an der Regierung Dala­dier teilzunehmen, berichtet die Agentur Havas Die angenommene Entschließung stelle fest, die Einberufung des Rationalrates be­zwecke, diesem Organ vollkommenen Ausschluß zu geben. Man habe hieraus in den Wandelgängen der Kammer die Schlußfolgerung gezogen, daß nach Ansicht der Fraklionsmitglieder, die für die Teilnahme stimmten, die Frage der Teilnahme an der Regierung bereits jetzt entschie­den und die Zusammenarbeit mit den Radi­kalen definitiv angenommen worden sei. Es würden also nur n o ch die Modalitäten dieser Zusammenarbeit zu regeln und dem Ratio­nalrat zu unterbreiten fein, her sie wahrscheinlich billigen werde.

Der Beschluß sei auf die außerordentlich ent­gegenkommende Haltung Daladiers zurückzuführen, der sich bereit erklärt habe, den sozialistischen Forderungen bezüglich einer Kür­zung der Heereßkredite um 600 Millio­nen Francs, großer steuerlicher Erleich­te r u n g e n und einer allgemeinen Amnestie für politische Vergehen nachzukommen. Rach der Agentur Havas soll Daladier be­absichtigen, außer der Präsidentschaft noch das I n n c n m i n i ft e r i u tu zu übernehmen und vier Ministerien den Sozialisten anzubieten, und zwar das Kriegsministerium P a u l - B o n c o u r, das Finanzministerium Vincent Auriol und je ein Ministerium dem Abgeordneten S a l e n g r o und dem Generalsekretär des Allgemeinen Ar­beiterverbandes (C. G. T.) I o u h a u y. An Ra­dikalen würde Daladier zum Eintritt in die Re­gierung aufsordern Herriot, Ehautemps und M o n t i g n h. Zur Vervollständigung seines Kabinetts würde Daladier die anderen link- stehenden Fraktionen, vielleicht bis zu den Links­republikanern, zum Eintritt auffordern.

Der Generalsekretär der sozialistischen Partei, Paul Saure, der mit elf anderen Vertretern feiner Fraktion gegen die Beteiligung seiner Fraktion an der Regierung Stellung genommen hat, erklärte einem Vertreter desPetit Pa- rifien", nach seiner Ansicht werde sich auch der R a t i o n a l r a t in ablehnendem

Arno Holz f.

VonplivcltdozeniOr.ErichLenisch.Königöberq

Der Dichter Arno H o l z ist in der Rächt zum SamStag, 66 Jahre alt, in Berlin gestorben.

Rach Sudermann ist nun auch Arno Holz aus den Reihen der Lebenden geschieden. Mit ihm ist wieder ein Ostpreuße dahingegangen, der die Entwicklung der modernen deutschen Lite­ratur in neue Bahnen gelenkt hat. Ergriffen liest man jetzt die Worte, die Gerhart Haupt­mann seinem ErstlingsdramaDor Sonnenauf­gang" vorausschickt und die von der Bedeutung, die Arno Holz für die künstlerische Entwicklung des Dichters gehabt hat, dankbar Zeugnis ob­legen.

Arno Holz, der am 26. Llpril 1863 in Rastenburg geboren wurde, begann mit einem Band Ge­dichte, deinBuch der Zeit", daS wohl in feiner inneren Haltung Holz als einen modernen Dichter erwieS, in seinem künstlerischen Eharakter aber noch stark von Vorbildern der Vergangen­heit wie Schiller. Uhland, Ehamisso und Geibei und der damaligen Gegenwart abhängig war. Modern war dieses Buch darin, daß eS auch im Klang der Telegraphendrähte, dem Singen der Maschinen, dem Sausen der Eisenbahn Poe­tische Werte sah. Auch die soziale Bewegung jener Jahre spiegelt sich in diesem Buche wider, dasrote Glossen in daS schwarze Schuldbuch der Zeit" reihen wollte.

Das Werk hatte keinen Erfolg. Und Holz seiner grüblerischen Natur entsprechend, kam zu der Ueberzeugung. daß die neue Zeit auch eine neue Kunstsorm brauche. Mit der Gewinnung neuer Inhalte, wie der Schilderung der Welt der Technik oder des Milieus der unteren Gesell- schaftSschichten mit seiner sozialen Problematik sei nichts getan. Die neue, strengnaturalistische" Kunstform wird erst in dem Rovellenbande P a p a H amtet" gezeigt, den Holz zusammen mit Johannes Schlaf schrieb, dann and) im Drama und schließlich in der Lyrik

Papa Hamlet" erschien 1898 unter dem Pseu- donym Bjarne P. Holmfen, einer Spekulation auf das Interesse, baß die Deutschen stets für die Literatur des Auslandes bewiesen haben. Daß Büchlein erregte denn auch feines Stiles wegen Aufsehen. Dieser Sekundenst.l. wie er genannt wurde, war peinlichste ZustandSschlide- vuutf. Moment auf Moment des Geschehens

wurde festgehallen. so daß dos' Ganze schließ- lid) die Summe von Tausenden von Cinzelbevb- ad)tunge» wurde, die dennoch, zusammengehal- ten durch die Kraft der tünftterifdjen Formung, einen starken Stimmungseindruck zu erzeugen her mag. Fontane nannte diese neue Technik der Erzählung eineWeltenwende unserer Litera­tur". und Hauptmann verdankt gerade diesen Novellen bestimmende Anregungen für seinen Ralurolismus.

Das erste Drama, das in diesem neuen Stil gefefcrieben wurde. war Familie Se­it cke", daß 1890 von der Freien Bühne in Derlin ausgeführt wurde. Auch hier war wieder die Wirklichkeit so genau wiedergegeben, wie nie zuvor im Kunstwerk. Die Menschen spra­chen auf bet Bühne wie in ihrer Wohnung: mit allen undeutlichen Ausrufen und undefinier­baren Lauten zwischen den Worten, mit allen Pausen, Wiederholungen und Zerhackungen. Es geschah wenig in dem Drama: ein krankes Kind stirbt zum Schluß, ein armes Mädchen ver­zichtet auf die Ehe, ein betrunkener Vater kommt an der Leiche deß Kindes zur Besinnung. DaS Drama war also mehr Milieuschilderung als Darstellung einer Handlung.

Ruch dieses Werk wurde kein Erfolg, ebenso wenig wie dieS o z i a l a r i ft o f r a t e n", eine literarische Satire auf schriftstellernde Weltver­besserer. Zusammen mit Ierschke schrieb Holz dann die GymnasiastentragödieT r a u m u l u s" ein sehr wirksames Theaterstück, daß nach den erprobten Rezepten älterer Dramatik aufgebmit war. Dieses Stück hatte Erfolg. Qlbcr Holz blieb sich und seinem Wege treu: er hatte nun endlich die Muße und Rköglichkeit, unbeschwerter von dem brutalen Druck deS Lebens, den en schmerzhaft an sich selbst gespürt hatte, seine Pläne weiter zu verfolgen. Die großen Dramen »Sonnenfinsternis" undIgnorabi- m u S" entstanden, riesige Teile eines Zyklus ..'Berlin, Die Wende einer Zeit in Dramen", bejfen Auftakt bereits dieSozialaristokraten" bildeten. Das Erlebnis, daß Holzens gesamtes künstlerisches Schassen bestimmte, der Zeuge des Anbruchs einer neuen Zeit zu sein, gibt diesen Dramen auch ihren stofflichen und ideelen Gehalt.

Und auch die dritte große Gattung der Poesie, die Lyrik, sollte nun dem neuen Formenprinzip erobert werden. Den Rhythmus der Sprache hatte Holz stets al« das eigentliche künstlerische Ausdrucksmittel hoch beu>crtet. So hatte er jeder Terfon in seinen großen Dramen einen indi­viduellen SpvachrhythmuS gegeben. Nur so könn-

Sinne entscheiden, weil der Beschluß der so­zialistischen Parlamentsfraktion in absolutem Widerspruch zum Geist der So­zialist isd; en Partei und den Bestimmun­gen der früheren Kongresse stehe. Sollte der Rationalrat. was er für unmöglich halte, an­ders entscheiden, dann würde nicht nur eine ernste Krise ausbrechen, sondern es würde auch nur dazu führen, daß sehr bald ein aus­schließlich aus rechtsgerichteten Elementen be­stehendes Ministerium ans Ruder komme, das in voller Freiheit und mit aller Leichtigkeit meh­rere Jahre regieren dürste.

Die zweite Haager Konferenz.

Ter Staub

der Arbeiten der ?)onnq-Antzschüsse.

Paris, 27.Okt. (WB.) Der Außenpolitiker des Malin" will in der Lage sein, über den Stand der Arbeiten der Ausschüsse berichten zu können, die damit beschäftigt sind, fürdieInkrastsetzung des P o u n g p 1 a n e s die Vorarbeiten zu leisten.

die in diesem selbst und von der Haager Konferenz bestimmt wurden. Es arbeiten, so schreibt er, sechs Ausschüsse. Die drei in Berlin tagenden Reichsbank, Reichsbahn und Monopolfragen dürf­ten in der ersten Woche des Monats November ihre Arbeiten zum Abschluß gebracht haben, so daß der Pounaplan den Dawesplan auf allen Gebieten der deutschen Verwaltung ablösen könne. Von den in Paris tagenden zwei Ausschüssen werde derjenige, der sich mit der Liquidierung der Derganaenheit, also in der Hauptsache mit der Frage des deut' scheu Besitzes im A u s l a n d e, beschäftige, trotz verschiedener noch schwebender Fragen gegen Ende der ersten Woche des kommenden Monats feinen Bericht fertigqe stellt haben. Der zweite Ausschuß dageaen, der sich mit den Dftrcpara- 11 o n e n befasse, sei wegen der Forderungen Un­garns in eine Sackgasse geraten. Der Aus­schuß für die Zahlungsban k, der in Baden- Baden tagt, werde voraussichtlich etwa am 10. No­vember seine Aufgaben erfüllt haben. Die zweite Haager Konferenz könnte also etwa für den 10. Dezember einberufen werden.

OieWahlen in der Tschechoslowakei

Prag, 27. Oft. lWTB.) Da die telegraphi­schen und telephonischen Verbindungen mit der Tschechoslowakei und Karpotho-Rußland infolge Untoelterß teilweise gestört sind, laufen die Mel­dungen über die Wahlergebnisse nur langsam ein. AuS den bisher bclanntgctoorbenen Teilergeb­nissen ergibt sich der Eindruck, daß die kommu­nistischen Stimmen stark zurückgegangcn sind. Da­gegen verzeichnet man ein starkes An­wachsen der Stimmen der tschechischen und der deutschen Sozialdemokraten. Die deut­schen Sozialdemokraten haben z. B. in Mährisch- Ostrau ihren Besitzstand mehr als verdoppelt. Ein Anwachsen der Stimmen scheinen auch die tschechischen Rationalsozialisten ver­zeichnen zu können. Der Bund der Land­wirte (Spina) zeigt stellenweise einen Rück­gang. Die tschechischen Agrarier und die Rationaldemokraten dürften ihre Stel­lungen ausrechterhalten. Ziemlich schlecht scheint es mit der tschechischen Gewerbepartei des Eifenbahnministers Rahman zu stehen, bei der zweifelhaft ist, ob sie in Prag die Wahl­zahl erreichen wird. Dagegen scheint die ncu- gegründete Liga gegen die Bundeswahl- listen Stribiny. Gayda, Dr. Pergler ziemlich viel Stimmen in Prag auf sich bereinigt zu haben. Die Deutsch nationalen rechnen mit acht biß neun Mandaten.

Das Schwergewicht Der deutschen Politik in der Tschechoslowakei ist nach dem Wachlaussall auf die sozialistischen Parteien ü b c r g e g a n g c n. Es verlautet, baß bereits am

Montag Verhandlungen mit den deutschen So­zialdemokraten über ihren Eintritt in die Regierung ausgenommen werden sollen. Die deutschen Oppositionsparteien (Deutsche Rational­partei und Deutsche Rat.°sozialistische Arbeiter­partei) werden aus den Wahlen gestärkt hervor­gehen, was insofern nicht ohne Bedeutung ist. als bei den kommenden Verhandlungen über die Bildung der Regierung die deutschen Sozial­demokraten auf nationale Forderungen ein gro­ßes Gewicht werden legen müssen. Die Rational- sozialisten haben überall etwa 40 Prozent an Stimmen gewonnen, die Deutsche Rationalpartet etwa 10 Prozent.

Bis Montag 7 Ahr früh waren die Wahl­resultate aus 10 Wahlkreisen von 23, darunter den 2 Prager Wahlkreisen, für das Abgeordne­tenhaus bekannt. Von 163 zu vergebenden Man­daten wurden im ersten Wahlgang 111 besetzt. Cs erhielten: die Kommunisten 11, die deut­sche Wahlgemeinschaft (Bund der Landwirte) und deutsche Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft, Dr. Rasche, 12, die deutschen Sozialdemokraten 5. die tschechoslowakischen Rationalsozialisten 19, die tschechoslowakischen Sozialdemokraten 21, die Liga gegen die gebundenen Wahllisten (Stribiny- Partei) 2, die tschechoslowakischen Rational­demokraten 4, die tschechoslowakische Vollspartet 13, die Republikaner (tschechoslowakische Agra­rier) 21, die tschechoslowakische Gewerbepartei 2, die deutschen Christlich-Sozialen 3, die Hlinka- Partei (slowakische Bolkspartei) 3, die deutschen Rationalsozialisten 2 Mandate.

Die Neuregelung der ZündhoWrlschast.

Oer Anleihe- und Monopolverirag mit dem Gchtvedenirust.

Berlin. 26. Oktober. (WB.) Amt-

l i ch. Der Vertrag zwischen bem Reich und dem schwedischen Zündholzkonzern ist am 26. Oktober im Reichsfinanzministerium endgültig gezeichne t worden. Lieber den Iichalt des Vertrages und die geplante Reu- regelung der Zündholzwirtschaft wird nunmehr folgendes bekanntgegeben:

Bereits vor mehreren Jahren ergab sich die Rotwendigkeit, durch gesetzgeberische Maßnahmen in die Zündholzwirtschaft einzugreisen, da der Konkurrenzkampf innerhalb der Zünd- Holzindustrie den oölligcnilntergang des deutschen Teiles der Industrie be­sorgen ließ. Infolgedessen wurde durch Reichs- gesetz vom 28. Mai 1927 der Kreis der zur Her­stellung von Zündhölzern berechtigten Fabriken in der Weise geschlossen, daß die Reuerrich- tung von Z ü n d h o l z f a b r i k e u von der Zustimmung des Reichswirtschafts-

minlsterß abhängig gemacht wurde. Daß Gesetz sieht vor, daß die Genehmigung nur unter besonderen, sehr eng gefaßten Voraussetzungen zulässig ist. Einige Zeit vor den gesetzgeberischen Maßnahmen, aber im Zusammenhang damit, batten sich die Zündholzfabrikanten bereits im wesentlichen zu einem Syndikat zusammen- - geschlossen, das den Vertrieb der Zündwaren regeln sollte. Die Syndikatsgesellschaft, nämlich die Deutsche Zündholz-Verkaufs-A- G. vermochte indessen den mit der Gesamtheit öer Maßnahmen beabsichtigten Erfolg nicht her- beizusühren. Einmal blieben in gewissem Umfange Außenseiter dem Syndikat fern, die der Dewirtschastuirg der gesamten Zündholzfabrikalion unter einheitlichen Gesichtspunkten im Wege stau­ben und sodann erwuchs der deutschen Zündholz­industrie in neuerer Zeit dadurch eine mächtige Konkurrenz, daß in bedeutenden Mengen Zünd­hölzer aus dem Arcslande ein geführt

ten die Gestalten völlig losgelöst vom Wesen des Dichters ihr eigenes Leben bemcifen. Und diese Gestaltung durch den Rhythmus der Sprad)e war auch das Prinzip, aus dem sich eine neue lyrische Kun st form entwickeln sollte. So gibt Holz nicht nur den Reim, sondern jedes metrische Schema überhaupt auf. Er läßt den Vers sich durch den natürlichen und notwendigen Rhythmus bilden.

DerPhantasus" und dieBlech- schmiede" zeigen diese neue Lyrik, in der, oft in grotesker Weise, Zeilen winzigsten Formats und Zeilen von enormer Spannweite, lose, kurze Sätzchen und unendliche Satzperioden abwechseln. Was Holz in diesen Werken gibt,'ift eine Welt- schau von wahrhaft kosmischen Dimensionen, eine Weltschau, deren Blick nichts entgeht, von den Fixsternnebeln und Planetensystemen bis herab zum Rasiermesser und zur Liebigbüchse.

Das Konsequente dieses Lebenswerkes gibt al­lein ihm schon seine imposante Große.Ster Ost- Preuße findet in dieser Hartnäckigkeit einen Zug ostpreußischen Wesens wieder. Holz hat nie dem Zeitgeschmack Konzessionen gemacht. Er verfolgte seinen Weg einsam und unter schweren Entbeh­rungen. Es sei denn, man sehe imTraumulus" und in den herrlichen Erneuerungen der derben Barockdichtung, wie sie sein vielgeiesenerDas- niß enthält, solche Konzessionen, die jedoch nur Lebensnotwendigteiten in des Wortes ba­nalstem und bitterstem Sinire waren. Holz hat keinen Rachsolger, nicht einmal einen Rachahmer gefunden. Seine großen Werke ragen wie riesige Blöcke aus der Ebene der Dichtung hervor, fremdartig und beziehungslos in ihrer Umwelt. Man spürt die eigenwillige Kraft, die sie gebar. Unbeeinflußt und einflußlos stehen sie eigentlich außerhalb der literarischen Entwicklung, der Holz einst die Richtung wies. Vielleicht gehören sie zu jenen Werken, deren wahrer Wert und eigentliche Bedeutung sich erst späteren Genera- tionen erschließt.

Der Reichskanzler hat an Frau Arno Holz das folgende Telegramm gesandt: Zu dem ferneren Verlust, den Sie und Ihre An­gehörigen durch das Hinscheiden Ihres von mir hochgeschätzten Gatten erlitten haben, spreche ich Ihnen zugleich imRamon der Reichsregierung aufrichtiges Beileid aus. Arno Holz wird als schöpferischer Sprachgestalter in der deutschen Literatur fortleben, der er in vier Jahr- zehnten so viele geistvolle Werke schenkte.

Der Kürassierhelm und die Frauenstimme.

Don Hans Siemsen.

Drehorgelsp-ielen ist gewiß nicht leicht. Auch Hoffänger ist ein schwerer Beruf. Sicher Hachen viele von ihnen ihre eigenen Roten, manchmal sogar sehr eigene Roten, aber eineeigene Rote" zu haben, unter so viel Hofsängern und so viel Drehorgelspielern aufzufallen, das ist schwer.

In unseren Hof sind zwei Männer gekommen. Der eine ist nur ein einfacher Drehorgelmann im Zivilanzug des einfachen Drehorgelmannes. Aber der andere hat einen Helm auf dem Kopf. Um den Leib trägt er eine Trommel, auf dem Rücken eine Pauke. Die Trommel schlägt er mit den Händen, die "Pauke schlägt er mit dem Fuß, von dem ein Bindfaden zu dem Schlegel der Pauke führt. Rein, ist noch komplizierter: von dem einen Fuß führt ein Bindfaden zu dem Schlegel der Pcvuke, von dem anderen Fuß führt ein Bind­faden zu dem Becken, das oben auf der Pauke befestigt ist. Vorn trommelt der Mann. Und wenn erBumm!" machen will, tritt er mit bem hnfen Fuß vor sich hin in die Lust. Und wenn erTschingk" machen will, tritt er mit dem rechten Fuß vor sich hin in die Luft

Auf dem Kops aber trägt er einen Helm. Einen blankgeputzten Kürassierhelm, von der Art, die Bismarck gern trug. Auf dem Kürassierhelm ist ein Glockenspiel montiert mit vielen kleinen sil­bernen Glöckchen und einem schwarzer, Roßschweif auf jeder Seite. Und wenn die Glöckchen Hingen sollen, dann schüttelt der Mann den Kopf.

Der Mann mit der Drehorgel spielt:Wenn der weiße Flieda - Wieda blüht." Und der Mann mit dem Kürassierhelm muß sehr oft den Kopf schütteln.

Aber nun haben wir uns alle sehr erschrocken. Deim plötzlich fängt eine helle Frauenstimme an fingen:Wenn der weiße Flieda wieda blüht." Und nachdem wir ganz genau zugehört und hing eschen haben, müssen wir seststollen. daß es der Mann an der Drehorgel ist, aus dem die Frauenstimme kommt. Er macht den Mund kaum auf und preßt die Frauenstimme durch die Zähne. Aber es ist eine Frauenstimme.

Eher noch als dem einfachen Mann an der Drehorgel, der aussieht wie jeder Drehorgel- mann, hätten Wir die hohe Frauenstimme dem Mann mit dem Kürassierhelm zugetraut. Rber der steht dabei, sagt gar nichts und schüttelt den Kops. Damit die Glöckchen Hinten.

Die bei

ÄS

kD-ichch n oonbor iT S"* d

H n

^»6.

W W, oder W

Ä* 1 dsk Äeureg

J, «iw 3i" alio" jJ in* T. gen »"d düng »u s tivecke d.ene W^uftant iahneber dec maligen M den konnte, regdung M Glossen. Du in der & schafttst.gr sind nur für fumgenoll Ausnahmen ° 1927 für he Organisation der einer Ak je zur Hal der deuts4 herrschende O sicht aus 1n Derschlag der Seite bestellt t sitzende, de Destätiaui \ rung bedarf

Auch die D deutsche sein, werden ferne werden. Das und der Mor übertragen ti>

Die Preis Mich im Sc Mernahmepr Monopolgesells hol,»er mit ze Holzern 0,13 der 0,06 AM.1 Warensteuer, l Ter cm die Hai. 0.26 AA Rabatte und hvchstpreii Das Monopo Erhöhung Hölzer bringe nicht erbeblid zurückbleibt.

Wird die Z Zügen Vorstes befchlofsen. fo1 verpflichtet, e in hohe v zck übernehme gezahlt werd, Monate und' kündung des' kurs beträgt jährlich 6 P laufen, nach vom gleichen Diese günftic abhängig gei 'onzern an bolgefelll Aecch behält sur jede Kiste vorweg: der, Aeich und de geteilt.

Die Getvimi

®cnn bic An voll

Uk-bc«