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crftinalig nach dem neuen Wahlgesetz, das an Stelle der bisherigen sieben 22 Wahl- (reife geschossen hat. Durch die Verkleinerung der Wahlkreise wurde vor allem das Ziel verfolgt, die Abgeordneten in engeren Kontakt mit der Wählerschaft des Bezirks zu bringen. Die Gesamtzahl der Landtagsabgeordneten hängt von dem Umfange der Wahlbeteiligung ab. Wie
bisher entfällt auf je 10 000 Stimmen oder einen Schlußrest von mehr als 7500 Stimmen je ein Abgeordneter. Aus dieser Bestimmung ergibt sich die Erhöhung der Abgeordnetenzahl um 16 im neuen Landtag. Auch im neuen Landtag verfügt die Weimarer Koalition über eine sichere Mehrheit von 58 Stimmen gegen 30 Stimmen der Opposition.
Daladiers Kabinettsbildung.
Entgegenkommender Beschluß der sozialistischen Kammerfrattion.
Paris, 27. Okt. (WTD.) Der Borsihende der Aadikalen Partei Da lädier begab sich am Samstag um 15 Uhr ins Elysäe und verliest e« um 15.50 Uhr. Er erklärte den Pressevertretern: „Ich habe dem Präsidenten der Republik mitgeteilt, dast ich bereit bin, zu versuchen, das Kabinett zu bilden. Ich werde mich jetzt zum Senatspräsidenten und zum Kammerpräsidenten begeben. Austerdem werde ich weiter mit meinen politischen Freunden Fühlung nehmen. Entsprechend den vom Radikalen Parteitag angenommenen Entschließungen werde ich an die Sozialistische K a m in e r f r a k t i o n ein Schreiben richten, in dem ich ihr das Angebot unterbreite, in Form einer Mitarbeit innerhalb der Regierung teilzunehmen. Ich werde meine Besprechungen ohne Ueber- eilung ‘in grösster Ruhe fortsehen."
Der Bries an den Vorsitzenden der Sozialistischen Kammersraktion, der die Beteiligung an der Regierung anbietet, lautet:
Nachdem ich vom Präsidenten der Republik mit der Bildung der neuen Regierung betraut wurde, bitte ich Sie. bei der sozialistischen siammersraktion zu beantragen, dast sie mir ihre vertrauensvolle, entschlossene Mitarbeit leiht. Ich will ein Mi- nisteriun, der republikanischen Aktion bilden, das energisch die Organisation des Friedens. Steuerermähigungen. rasche Durchführung von Mastnahmen zur Behebung der Landwirlschaftvkrlse und die Verwirklichung der von den demokratischen Parteien und grasten Arbeilerverbänden geforderten sozialen Reformen verfolgen soll. Dieses Programm must nach meiner Ansicht die republikanische Blehr- heit vereinen. Nach meiner Auffassung must die Mitarbeit der sozialistischen ftaminerfraHion an der Verwirklichung dieses gemeinsamen Werkes durch deren tatsächliche Beteiligung an der Verantwortung der R c g 1 c r u H g gewährtet st et werden. Ich bin überzeugt, dast ich durch dieses Angebot dem liefen Gefühle des republikanisch gesinnten Landes und den heisten Friedenswillen zum Ausdruck bringe.
Die sozialistische Kammerfraktion hat mit 3 6 gegen 1 2 <vttmmcn folgende Entschließung am genommen:
Die sozialistische Parlamentssraktlon spricht sich für die A n n a h m e der Vorschläge des Vorsitzenden der Radikalen Partei Daladier zwecks Beteiligung der Sozialisten an der Regierung au», bestätigt das dem Lxekullv- Ausschnst übertragene Mandat und fordert den Vorstand der Partei auf, den Nationalrat einzuberufen, um ihn des Näheren vollständig zu informieren.
Der Nationalrat der Sozialistischen Partei wird Montag zusammentreten, um zu dem Beschulst der Kammersraktion Stellung zu nehmen. Rach Kenntnisnahme des Beschlusses der sozialistischen Parlamentarier erklärte D a l a d i e r Pressevertretern, et hoffe, eine Regierung der Union der Linksparteien bilden zu können. Zweidrittel der sozialistischen Parlci- menlsgruppe feien Anhänger der Zusammenarbeit und würden in der Tagung des Rationcil-
rats der Partei die Beteiligung an der Regierung empfehlen. — Im Verlaufe des Rach- miltags hat alsdann Doladier Besprechungen mit einer grösteren Anzahl feiner Parteifreunde gehabt, darunter mit Senator Steeg, Maurice Sarraut, Caillaux sowie mit den Abgeordneten Herriot, Ehautemps und Durand. C a i l l a u r erklärte nach seiner Unterredung mit Daladier, man könne im Leben immer reüssieren, wenn man nur wolle. Sein Eindruck sei ausgezeichnet. Daladier begab sich auch zu Driand, der ihm bestätigte, dast er einer Regierung der bereinigten Linksparteien seine Zustimmung mit um so größerem Vergnügen geben würde, als er selbst eine solche zu bilden versucht habe. Dies seien, so erklärte Daladier, die eigenen Worte Driauds.
Das kommende Kabinett Daladier soll sich nach dem „Echo de Paris" wie folgt zusammen- sehen: 5 Radikale, 4 Sozialisten, 2 Anhänger der Fraktion Loucheur. 2 Linksrepublikaner, 2 Sozialrepublikaner, ein Mitglied der Unabhängigen Linken (Richtung Guernul). Daladier habe die Absicht, ein s e l b st ä n d i g e v P o st m i n l st e r i u m und ein selbständiges 2H l n i ff e r l u m für die Handelsmarine zu schaffen.
Ueber den Beschlust der sozialistischen K a m m e r f r art i on, an der Regierung Daladier teilzunehmen, berichtet die Agentur Havas Die angenommene Entschließung stelle fest, die Einberufung des Rationalrates bezwecke, diesem Organ vollkommenen Ausschluß zu geben. Man habe hieraus in den Wandelgängen der Kammer die Schlußfolgerung gezogen, daß nach Ansicht der Fraklionsmitglieder, die für die Teilnahme stimmten, die Frage der Teilnahme an der Regierung bereits jetzt entschieden und die Zusammenarbeit mit den Radikalen definitiv angenommen worden sei. Es würden also nur n o ch die Modalitäten dieser Zusammenarbeit zu regeln und dem Rationalrat zu unterbreiten fein, her sie wahrscheinlich billigen werde.
Der Beschluß sei auf die außerordentlich entgegenkommende Haltung Daladiers zurückzuführen, der sich bereit erklärt habe, den sozialistischen Forderungen bezüglich einer Kürzung der Heereßkredite um 600 Millionen Francs, großer steuerlicher Erleichte r u n g e n und einer allgemeinen Amnestie für politische Vergehen nachzukommen. — Rach der Agentur Havas soll Daladier beabsichtigen, außer der Präsidentschaft noch das I n n c n m i n i ft e r i u tu zu übernehmen und vier Ministerien den Sozialisten anzubieten, und zwar das Kriegsministerium P a u l - B o n c o u r, das Finanzministerium Vincent Auriol und je ein Ministerium dem Abgeordneten S a l e n g r o und dem Generalsekretär des Allgemeinen Arbeiterverbandes (C. G. T.) I o u h a u y. An Radikalen würde Daladier zum Eintritt in die Regierung aufsordern Herriot, Ehautemps und M o n t i g n h. Zur Vervollständigung seines Kabinetts würde Daladier die anderen link- stehenden Fraktionen, vielleicht bis zu den Linksrepublikanern, zum Eintritt auffordern.
Der Generalsekretär der sozialistischen Partei, Paul Saure, der mit elf anderen Vertretern feiner Fraktion gegen die Beteiligung seiner Fraktion an der Regierung Stellung genommen hat, erklärte einem Vertreter des „Petit Pa- rifien", nach seiner Ansicht werde sich auch der R a t i o n a l r a t in ablehnendem
Arno Holz f.
VonplivcltdozeniOr.ErichLenisch.Königöberq
Der Dichter Arno H o l z ist in der Rächt zum SamStag, 66 Jahre alt, in Berlin gestorben.
Rach Sudermann ist nun auch Arno Holz aus den Reihen der Lebenden geschieden. Mit ihm ist wieder ein Ostpreuße dahingegangen, der die Entwicklung der modernen deutschen Literatur in neue Bahnen gelenkt hat. Ergriffen liest man jetzt die Worte, die Gerhart Hauptmann seinem Erstlingsdrama „Dor Sonnenaufgang" vorausschickt und die von der Bedeutung, die Arno Holz für die künstlerische Entwicklung des Dichters gehabt hat, dankbar Zeugnis oblegen.
Arno Holz, der am 26. Llpril 1863 in Rastenburg geboren wurde, begann mit einem Band Gedichte, dein „Buch der Zeit", daS wohl in feiner inneren Haltung Holz als einen modernen Dichter erwieS, in seinem künstlerischen Eharakter aber noch stark von Vorbildern der Vergangenheit wie Schiller. Uhland, Ehamisso und Geibei und der damaligen Gegenwart abhängig war. Modern war dieses Buch darin, daß eS auch im Klang der Telegraphendrähte, dem Singen der Maschinen, dem Sausen der Eisenbahn Poetische Werte sah. Auch die soziale Bewegung jener Jahre spiegelt sich in diesem Buche wider, das „rote Glossen in daS schwarze Schuldbuch der Zeit" reihen wollte.
Das Werk hatte keinen Erfolg. Und Holz seiner grüblerischen Natur entsprechend, kam zu der Ueberzeugung. daß die neue Zeit auch eine neue Kunstsorm brauche. Mit der Gewinnung neuer Inhalte, wie der Schilderung der Welt der Technik oder des Milieus der unteren Gesell- schaftSschichten mit seiner sozialen Problematik sei nichts getan. Die neue, streng „naturalistische" Kunstform wird erst in dem Rovellenbande „P a p a H amtet" gezeigt, den Holz zusammen mit Johannes Schlaf schrieb, dann and) im Drama und schließlich in der Lyrik
„Papa Hamlet" erschien 1898 unter dem Pseu- donym Bjarne P. Holmfen, einer Spekulation auf das Interesse, baß die Deutschen stets für die Literatur des Auslandes bewiesen haben. Daß Büchlein erregte denn auch feines Stiles wegen Aufsehen. Dieser Sekundenst.l. wie er genannt wurde, war peinlichste ZustandSschlide- vuutf. Moment auf Moment des Geschehens
wurde festgehallen. so daß dos' Ganze schließ- lid) die Summe von Tausenden von Cinzelbevb- ad)tunge» wurde, die dennoch, zusammengehal- ten durch die Kraft der tünftterifdjen Formung, einen starken Stimmungseindruck zu erzeugen her mag. Fontane nannte diese neue Technik der Erzählung eine „Weltenwende unserer Literatur". und Hauptmann verdankt gerade diesen Novellen bestimmende Anregungen für seinen Ralurolismus.
Das erste Drama, das in diesem neuen Stil gefefcrieben wurde. war „ Familie Seit cke", daß 1890 von der Freien Bühne in Derlin ausgeführt wurde. Auch hier war wieder die Wirklichkeit so genau wiedergegeben, wie nie zuvor im Kunstwerk. Die Menschen sprachen auf bet Bühne wie in ihrer Wohnung: mit allen undeutlichen Ausrufen und undefinierbaren Lauten zwischen den Worten, mit allen Pausen, Wiederholungen und Zerhackungen. Es geschah wenig in dem Drama: ein krankes Kind stirbt zum Schluß, ein armes Mädchen verzichtet auf die Ehe, ein betrunkener Vater kommt an der Leiche deß Kindes zur Besinnung. DaS Drama war also mehr Milieuschilderung als Darstellung einer Handlung.
Ruch dieses Werk wurde kein Erfolg, ebenso wenig wie die „S o z i a l a r i ft o f r a t e n", eine literarische Satire auf schriftstellernde Weltverbesserer. Zusammen mit Ierschke schrieb Holz dann die Gymnasiastentragödie „T r a u m u l u s" ein sehr wirksames Theaterstück, daß nach den erprobten Rezepten älterer Dramatik aufgebmit war. Dieses Stück hatte Erfolg. Qlbcr Holz blieb sich und seinem Wege treu: er hatte nun endlich die Muße und Rköglichkeit, unbeschwerter von dem brutalen Druck deS Lebens, den en schmerzhaft an sich selbst gespürt hatte, seine Pläne weiter zu verfolgen. Die großen Dramen »Sonnenfinsternis" und „Ignorabi- m u S" entstanden, riesige Teile eines Zyklus ..'Berlin, Die Wende einer Zeit in Dramen", bejfen Auftakt bereits die „Sozialaristokraten" bildeten. Das Erlebnis, daß Holzens gesamtes künstlerisches Schassen bestimmte, der Zeuge des Anbruchs einer neuen Zeit zu sein, gibt diesen Dramen auch ihren stofflichen und ideelen Gehalt.
Und auch die dritte große Gattung der Poesie, die Lyrik, sollte nun dem neuen Formenprinzip erobert werden. Den Rhythmus der Sprache hatte Holz stets al« das eigentliche künstlerische Ausdrucksmittel hoch beu>crtet. So hatte er jeder Terfon in seinen großen Dramen einen individuellen SpvachrhythmuS gegeben. Nur so könn-
Sinne entscheiden, weil der Beschluß der sozialistischen Parlamentsfraktion in absolutem Widerspruch zum Geist der Sozialist isd; en Partei und den Bestimmungen der früheren Kongresse stehe. Sollte der Rationalrat. was er für unmöglich halte, anders entscheiden, dann würde nicht nur eine ernste Krise ausbrechen, sondern es würde auch nur dazu führen, daß sehr bald ein ausschließlich aus rechtsgerichteten Elementen bestehendes Ministerium ans Ruder komme, das in voller Freiheit und mit aller Leichtigkeit mehrere Jahre regieren dürste.
Die zweite Haager Konferenz.
Ter Staub
der Arbeiten der ?)onnq-Antzschüsse.
Paris, 27.Okt. (WB.) Der Außenpolitiker des „Malin" will in der Lage sein, über den Stand der Arbeiten der Ausschüsse berichten zu können, die damit beschäftigt sind, fürdieInkrastsetzung des P o u n g p 1 a n e s die Vorarbeiten zu leisten.
die in diesem selbst und von der Haager Konferenz bestimmt wurden. Es arbeiten, so schreibt er, sechs Ausschüsse. Die drei in Berlin tagenden — Reichsbank, Reichsbahn und Monopolfragen — dürften in der ersten Woche des Monats November ihre Arbeiten zum Abschluß gebracht haben, so daß der Pounaplan den Dawesplan auf allen Gebieten der deutschen Verwaltung ablösen könne. Von den in Paris tagenden zwei Ausschüssen werde derjenige, der sich mit der Liquidierung der Derganaenheit, also in der Hauptsache mit der Frage des deut' scheu Besitzes im A u s l a n d e, beschäftige, trotz verschiedener noch schwebender Fragen gegen Ende der ersten Woche des kommenden Monats feinen Bericht fertigqe stellt haben. Der zweite Ausschuß dageaen, der sich mit den Dftrcpara- 11 o n e n befasse, sei wegen der Forderungen Ungarns in eine Sackgasse geraten. Der Ausschuß für die Zahlungsban k, der in Baden- Baden tagt, werde voraussichtlich etwa am 10. November seine Aufgaben erfüllt haben. Die zweite Haager Konferenz könnte also etwa für den 10. Dezember einberufen werden.
OieWahlen in der Tschechoslowakei
Prag, 27. Oft. lWTB.) Da die telegraphischen und telephonischen Verbindungen mit der Tschechoslowakei und Karpotho-Rußland infolge Untoelterß teilweise gestört sind, laufen die Meldungen über die Wahlergebnisse nur langsam ein. AuS den bisher bclanntgctoorbenen Teilergebnissen ergibt sich der Eindruck, daß die kommunistischen Stimmen stark zurückgegangcn sind. Dagegen verzeichnet man ein starkes Anwachsen der Stimmen der tschechischen und der deutschen Sozialdemokraten. Die deutschen Sozialdemokraten haben z. B. in Mährisch- Ostrau ihren Besitzstand mehr als verdoppelt. Ein Anwachsen der Stimmen scheinen auch die tschechischen Rationalsozialisten verzeichnen zu können. Der Bund der Landwirte (Spina) zeigt stellenweise einen Rückgang. Die tschechischen Agrarier und die Rationaldemokraten dürften ihre Stellungen ausrechterhalten. Ziemlich schlecht scheint es mit der tschechischen Gewerbepartei des Eifenbahnministers Rahman zu stehen, bei der eß zweifelhaft ist, ob sie in Prag die Wahlzahl erreichen wird. Dagegen scheint die ncu- gegründete Liga gegen die Bundeswahl- listen Stribiny. Gayda, Dr. Pergler ziemlich viel Stimmen in Prag auf sich bereinigt zu haben. Die Deutsch nationalen rechnen mit acht biß neun Mandaten.
Das Schwergewicht Der deutschen Politik in der Tschechoslowakei ist nach dem Wachlaussall auf die sozialistischen Parteien ü b c r g e g a n g c n. Es verlautet, baß bereits am
Montag Verhandlungen mit den deutschen Sozialdemokraten über ihren Eintritt in die Regierung ausgenommen werden sollen. Die deutschen Oppositionsparteien (Deutsche Rationalpartei und Deutsche Rat.°sozialistische Arbeiterpartei) werden aus den Wahlen gestärkt hervorgehen, was insofern nicht ohne Bedeutung ist. als bei den kommenden Verhandlungen über die Bildung der Regierung die deutschen Sozialdemokraten auf nationale Forderungen ein großes Gewicht werden legen müssen. Die Rational- sozialisten haben überall etwa 40 Prozent an Stimmen gewonnen, die Deutsche Rationalpartet etwa 10 Prozent.
Bis Montag 7 Ahr früh waren die Wahlresultate aus 10 Wahlkreisen von 23, darunter den 2 Prager Wahlkreisen, für das Abgeordnetenhaus bekannt. Von 163 zu vergebenden Mandaten wurden im ersten Wahlgang 111 besetzt. Cs erhielten: die Kommunisten 11, die deutsche Wahlgemeinschaft (Bund der Landwirte) und deutsche Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft, Dr. Rasche, 12, die deutschen Sozialdemokraten 5. die tschechoslowakischen Rationalsozialisten 19, die tschechoslowakischen Sozialdemokraten 21, die Liga gegen die gebundenen Wahllisten (Stribiny- Partei) 2, die tschechoslowakischen Rationaldemokraten 4, die tschechoslowakische Vollspartet 13, die Republikaner (tschechoslowakische Agrarier) 21, die tschechoslowakische Gewerbepartei 2, die deutschen Christlich-Sozialen 3, die Hlinka- Partei (slowakische Bolkspartei) 3, die deutschen Rationalsozialisten 2 Mandate.
Die Neuregelung der ZündhoWrlschast.
Oer Anleihe- und Monopolverirag mit dem Gchtvedenirust.
Berlin. 26. Oktober. (WB.) Amt-
l i ch. Der Vertrag zwischen bem Reich und dem schwedischen Zündholzkonzern ist am 26. Oktober im Reichsfinanzministerium endgültig gezeichne t worden. Lieber den Iichalt des Vertrages und die geplante Reu- regelung der Zündholzwirtschaft wird nunmehr folgendes bekanntgegeben:
Bereits vor mehreren Jahren ergab sich die Rotwendigkeit, durch gesetzgeberische Maßnahmen in die Zündholzwirtschaft einzugreisen, da der Konkurrenzkampf innerhalb der Zünd- Holzindustrie den oölligcnilntergang des deutschen Teiles der Industrie besorgen ließ. Infolgedessen wurde durch Reichs- gesetz vom 28. Mai 1927 der Kreis der zur Herstellung von Zündhölzern berechtigten Fabriken in der Weise geschlossen, daß die Reuerrich- tung von Z ü n d h o l z f a b r i k e u von der Zustimmung des Reichswirtschafts-
minlsterß abhängig gemacht wurde. Daß Gesetz sieht vor, daß die Genehmigung nur unter besonderen, sehr eng gefaßten Voraussetzungen zulässig ist. Einige Zeit vor den gesetzgeberischen Maßnahmen, aber im Zusammenhang damit, batten sich die Zündholzfabrikanten bereits im wesentlichen zu einem Syndikat zusammen- - geschlossen, das den Vertrieb der Zündwaren regeln sollte. Die Syndikatsgesellschaft, nämlich die Deutsche Zündholz-Verkaufs-A- G. vermochte indessen den mit der Gesamtheit öer Maßnahmen beabsichtigten Erfolg nicht her- beizusühren. Einmal blieben in gewissem Umfange Außenseiter dem Syndikat fern, die der Dewirtschastuirg der gesamten Zündholzfabrikalion unter einheitlichen Gesichtspunkten im Wege stauben und sodann erwuchs der deutschen Zündholzindustrie in neuerer Zeit dadurch eine mächtige Konkurrenz, daß in bedeutenden Mengen Zündhölzer aus dem Arcslande ein geführt
ten die Gestalten völlig losgelöst vom Wesen des Dichters ihr eigenes Leben bemcifen. Und diese Gestaltung durch den Rhythmus der Sprad)e war auch das Prinzip, aus dem sich eine neue lyrische Kun st form entwickeln sollte. So gibt Holz nicht nur den Reim, sondern jedes metrische Schema überhaupt auf. Er läßt den Vers sich durch den natürlichen und notwendigen Rhythmus bilden.
Der „Phantasus" und die „Blech- schmiede" zeigen diese neue Lyrik, in der, oft in grotesker Weise, Zeilen winzigsten Formats und Zeilen von enormer Spannweite, lose, kurze Sätzchen und unendliche Satzperioden abwechseln. Was Holz in diesen Werken gibt,'ift eine Welt- schau von wahrhaft kosmischen Dimensionen, eine Weltschau, deren Blick nichts entgeht, von den Fixsternnebeln und Planetensystemen bis herab zum Rasiermesser und zur Liebigbüchse.
Das Konsequente dieses Lebenswerkes gibt allein ihm schon seine imposante Große. ‘Ster Ost- Preuße findet in dieser Hartnäckigkeit einen Zug ostpreußischen Wesens wieder. Holz hat nie dem Zeitgeschmack Konzessionen gemacht. Er verfolgte seinen Weg einsam und unter schweren Entbehrungen. Es sei denn, man sehe im „Traumulus" und in den herrlichen Erneuerungen der derben Barockdichtung, wie sie sein vielgeiesener „Das- niß“ enthält, solche Konzessionen, die jedoch nur Lebensnotwendigteiten in des Wortes banalstem und bitterstem Sinire waren. Holz hat keinen Rachsolger, nicht einmal einen Rachahmer gefunden. Seine großen Werke ragen wie riesige Blöcke aus der Ebene der Dichtung hervor, fremdartig und beziehungslos in ihrer Umwelt. Man spürt die eigenwillige Kraft, die sie gebar. Unbeeinflußt und einflußlos stehen sie eigentlich außerhalb der literarischen Entwicklung, der Holz einst die Richtung wies. Vielleicht gehören sie zu jenen Werken, deren wahrer Wert und eigentliche Bedeutung sich erst späteren Genera- tionen erschließt.
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Der Reichskanzler hat an Frau Arno Holz das folgende Telegramm gesandt: Zu dem ferneren Verlust, den Sie und Ihre Angehörigen durch das Hinscheiden Ihres von mir hochgeschätzten Gatten erlitten haben, spreche ich Ihnen zugleich im ‘Ramon der Reichsregierung aufrichtiges Beileid aus. Arno Holz wird als schöpferischer Sprachgestalter in der deutschen Literatur fortleben, der er in vier Jahr- zehnten so viele geistvolle Werke schenkte.
Der Kürassierhelm und die Frauenstimme.
Don Hans Siemsen.
Drehorgelsp-ielen ist gewiß nicht leicht. Auch Hoffänger ist ein schwerer Beruf. Sicher Hachen viele von ihnen ihre eigenen Roten, manchmal sogar sehr eigene Roten, aber eine „eigene Rote" zu haben, unter so viel Hofsängern und so viel Drehorgelspielern aufzufallen, das ist schwer.
In unseren Hof sind zwei Männer gekommen. Der eine ist nur ein einfacher Drehorgelmann im Zivilanzug des einfachen Drehorgelmannes. Aber der andere hat einen Helm auf dem Kopf. Um den Leib trägt er eine Trommel, auf dem Rücken eine Pauke. Die Trommel schlägt er mit den Händen, die "Pauke schlägt er mit dem Fuß, von dem ein Bindfaden zu dem Schlegel der Pauke führt. Rein, eß ist noch komplizierter: von dem einen Fuß führt ein Bindfaden zu dem Schlegel der Pcvuke, von dem anderen Fuß führt ein Bindfaden zu dem Becken, das oben auf der Pauke befestigt ist. Vorn trommelt der Mann. Und wenn er „Bumm!" machen will, tritt er mit bem hnfen Fuß vor sich hin in die Lust. Und wenn er „Tschingk" machen will, tritt er mit dem rechten Fuß vor sich hin in die Luft
Auf dem Kops aber trägt er einen Helm. Einen blankgeputzten Kürassierhelm, von der Art, die Bismarck gern trug. Auf dem Kürassierhelm ist ein Glockenspiel montiert mit vielen kleinen silbernen Glöckchen und einem schwarzer, Roßschweif auf jeder Seite. Und wenn die Glöckchen Hingen sollen, dann schüttelt der Mann den Kopf.
Der Mann mit der Drehorgel spielt: „Wenn der weiße Flieda - Wieda blüht." Und der Mann mit dem Kürassierhelm muß sehr oft den Kopf schütteln.
Aber nun haben wir uns alle sehr erschrocken. Deim plötzlich fängt eine helle Frauenstimme an fingen: „Wenn der weiße Flieda — wieda blüht." Und nachdem wir ganz genau zugehört und hing eschen haben, müssen wir seststollen. daß es der Mann an der Drehorgel ist, aus dem die Frauenstimme kommt. Er macht den Mund kaum auf und preßt die Frauenstimme durch die Zähne. Aber es ist eine Frauenstimme.
Eher noch als dem einfachen Mann an der Drehorgel, der aussieht wie jeder Drehorgel- mann, hätten Wir die hohe Frauenstimme dem Mann mit dem Kürassierhelm zugetraut. Rber der steht dabei, sagt gar nichts und schüttelt den Kops. Damit die Glöckchen Hinten.
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