und tm Inlande zu Preisen abgeseht wurden, die eine ernsthafte Bedrohung der deutschen Produktion bedeuteten. Jede wirtschaftliche Schwächung der nicht übermäßig kapitalkräftigen deutschen Industrie bringt aber für diese zugleich die Gefahr mit sich, von der kapitalkräftigeren ausländischen Industrie auf- gesaugt zu werden. Der Zustand, der sich auf diese Weise herauSgebildet hat, muhte über kurz oder lang zu einem Eingreifen auf gesetzgeberischem Wege führen, wenn nicht die Regierung tatenlos dem allmählichey weiteren Heber» gang der deutschen Fabriken an Ausländer und damit der Entstehung eines Monopols in rein ausländischen Händen zusehen wollte.
Die Neuregelung der Zündholzwirtschaft muh, unter den vorstehenden Gesichtspunkten gesehen, zum Ziele haben, den in Deutschland produzierenden Zündholzfabriken rentable Fabrikation £u sichern und damit zugleich die inländische Zündholzfabrikation vor Stillegungen und vor weiterer Heberfrem- dung zu schützen. Die Mittel, die diesem Zwecke dienen, bestehen in dem Ausbau des Rechtszustandes, wie er im Jahre 1927 vom Gesetzgeber beabsichtigt war, aber mit den damaligen Mitteln nicht vollkommen erreicht werden konnte. Auch nach der beabsichtigten Neuregelung ist der Kreis der Fabrikanten geschlossen. Die Zusammenfassung der Fabrikanten in der beabsichtigten Monopolgesell- schäft ist gr ndsa^ich lückenlos; Ausnahmen sind nur für den Eigenbedarf der Konsumgenossenschaften Vorbehalten. Diese Ausnahmen beruhen auf der schon im Gesetz von 1927 für sie vorgesehenen Sonderregelung. Die Organisation der Monopolgesellschaft entspricht der einer Aktiengesellschaft. Die Aktien sollen je zur Hälfte der schwedischen und der deutsche Gruppe zustehen. Das beherrschende Organ, der Aufsichtsrat, besteht aus 11 Mitgliedern, von denen je fünf auf Vorschlag der deutschen und der schwedischen Seite bestellt werden sollen, während der Vorsitzende, der Reichsdeutscher sein muh und der Bestätigung durch die Reichsregierung bedarf, vom Aufsichtsrat gewählt wird. Auch die Vorstandsmitglieder müssen Reichsdeutsche sein. Zur Heberwachung der Gesellschaft^ werden ferner Reichskvmmissare bestellt werden. Das Monopol soll dem Reich zustehen und der Monopolgesellschaft nur zur Ausübung übertragen werden.
Die Preise der Zündwaren sind grundsätzlich rm Gesetz festgelegt und zwar soll der Hebe r nah mepreis. den der Fabrrkant von der Monopolgesellschaft erhält, für das Palet Streichhölzer mit zehn Schachteln zu je 60 Zündhölzern 0,13 RM. betragen,. abgesehen von der 0,06 RM. für das Paket ausmachenden Zünd- warenstcuer, der Monopolpreis, den der Händler an die Monopolgesellschaft zu entrichten Hal. 0.26 RM. für das Paket, unbeschadet der Rabatte und der und der Kleinverkaufhöchstpreis 0,30 RM. für dos Paket. Das Monopol wird also eine ganz geringfügige Erhöhung des bisherigen Preises der Zündhölzer bringen, der auch gegenwärtig vielfach nicht erheblich hinter 0,30 RM. für das Paket zurückb leibt.
Wird die Zündholzwirtschaft in der in großen Zügen vorstehend zitierten Weise vom Reichstag beschlossen, so ist der schwedische Zündholzkonzern verpflichtet, eine Anleihe des Reiches in Höhe von 125 Millionen Dollar 31/ übernehmen, die in zwei Teilbeträgen ausgezahlt werden soll, und zwar der erste sieben Monate und der zweite 16 Monate nach der Verkündung des Monopolgesehes. Der Auszahlungskurs beträgt 93 Prozent und die Verzinsung jährlich 6 Prozent. Die Anleche soll 50 Jahre laufen, nach zehn Jahren konvertierbar sein und vom gleichen Zeitpunkt ab amortisiert werden. Diese günstigen Anleihebedingungen sind davon abhängig gemacht worden, daß der Schwedenkonzern an den Gewinnen der Monopolgesellschaft beteiligt wird. Das Reich behält aus dem Monopolgewinn zunächst für jede Kiste Zündhölzer (1000 Pakete) 13 Mk. vorweg; der restliche Gewinn wird zwischen dem Reich und dem Schwedenkonzern je zur Hälfte geteilt.
Die Gewinnbeteiligung der Schweden erlischt grundsätzlich mit der vollständigen Rückzahlung der Anleihe, dauert jedoch mindestens 32 Jahre. Wenn die Anleihe nach Ablauf der 32 Jahre noch nicht voll zurückgezahlt ist, ändert sich die Verteilung des restlichen Gewinnes in der Weise, Laß der Wedenkonzern nur noch 25 Prozent erhält.
Oie deutsch-amerikanische Gchuldenregelung.
Berlin, 26. Oft. (Privat.) Zu den Presse- Meldungen über ein besonderes deutsch-amerikanisches Reparationsabkvmmen hören wir von unterrichteter Seite: Amerika ist an den Annuitäten des Voung-Planes mit einem geringeren Betrag beteiligt, als ihm nach dem Dawes-Plan zugeteilt war. Da die Vereinigten Staaten aus dem Zahlungsmodus des Boung-Planes auszuscheiden wünschen, haben sie Deutschland vorgeichlagen, über die amerikanische Quote, die der Voung-Plan vorsieht, ein Sonderabkommen zu schließen. Von unterrichteter Seite wird mit aller Entschiedenheit betont, daß sich an den materiellen Verpflichtungen Deutschlands aus Grund des Poung-Planes nichts ändert, weder was die Höhe der Zahlungen noch die Regelung des Transfers betrifft. Bei dem Ab- konimen handelt es sich lediglich um eine re- pa r a t i 0 n s t echn i sch e Aenderung des Zahlungsplanes.
Oie Räumung der Stadt Oüren.
Düren, 27. Oft. (WB.) Die Dürener Besatzung ist in vollem Aufbruch. Gestern nachmittag stattete der Kommandeur Oberst L a » m 0 ureux dem Oberbürgermeister seine n Abschiedsbesuch. Der größte Teil der französt- ßchrn Truppen wird morgen abtranspor- tiert Es bleibt dann nur noch ein Kommando von 150 Mann in der Stadt zurück. Die Freigabe der beschlagnahmten Geväudc ist bis auf das Militärlazarett, das am 28. November freigegeben wird, erfolgt. Die vollständige Räumung wird bis zum 30. November durchgeführt fein.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 28. Oktober 1929.
Oie Truhe.
Mein Freund und ich verbrachten unseren Sommerurlaub in den Bergen. Wir wohnten einige Zeit in einem Bauernhause, in dem wir die obere große Stube, fast so groß wie ein Saal, innehatten. Es war das Zimmer, das sonst die alten Leute, die Auszügler, bewohnen. Da sie aber gestorben waren, nutzte der Dauer die Gelegenheit aus und vermietete seine Stube an Sommerfrischler.
Die Betten in unserem Zimmer waren wohl neu, Tische, Stühle und Schränke dagegen waren noch echte, gute Bauernmöbel. Das schönste Stück aber war eine Truhe, die zwischen den beiden Fenstern, die nach der Straße gingen, stand. Sie hatte wunderbare Einlegearbeiten und war wie neu. Ein Spruch, von Blumen umrahmt, darunter ein Name und die Jahreszahl 1839 schmückten die Vorderseite. Ob es wohl eine Nachahmung war? Ich fragte den Dauer ge- gelegentlich danach. Da erzählte er mir umständlich, wie er zu dieser schönen Truhe gekommen war. Ich lasse seinen Bericht hier folgen:
Unser Nachbar, ein alter, mürrischer Bauer, war gestorben. Seine Erben ließen an einem Nachmittag den Nachlaß versteigern. Da die Bersteigerung im Blatt bekanntgemacht worden oar, kamen viele Leute aus der Umgegend, auch etliche Althändler aus der Stadt. Solche alten Bauernhäuser enthalten oft die wertvollsten Stücke. Ich war damals etwa .18 Jahre alt, und da ich gerade nichts zu tun hatte, ging ich in das Haus, um mir die Versteigerung anzusehen. Wir Dorfbewohner waren überrascht von den Preisen, die einzelne Leuchter, Stühle und Betten erzielten. Besonders aufregend verlies der Verkauf einiger alter Truhen. Die letzte und schönste kam auf über 300 Mark. Kaum war dem Gebot der Zuschlag erteilt worden, als auf der Straße ein Wagen vorfuhr, dem ein vornehmer Herr entstieg. Als er eintrat, sagte der Käufer der schönen Truhe zu ihm: „Herr W., Sie kommen leider zu spät. Eben ist die letzte Truhe verkauft worden." Dieser, ein Liebhaber alter Bauernmöbel, hatte kaum die Truhe gesehen als er dem Althändler 10 v. H., dann 20 0. H. Aufschlag auf die Summe bot. „Tut mir leid, ich habe sie schon versprochen", lächelte der Händler. Schon wollte Herr W. das Zimmer verlassen, als sich unser alter Tischler, der ihn von früheren Käufen her kannte, in das Gespräch mischte und tröstend versicherte: „Wenn Sie absolut so einen alten Kasten haben wollen, die gibt's hier im Dorf noch mehr, ich will Ihnen schon einen schönen verschaffen." Indem er sich umschaute und mich gewahrte, fragte er: „Wie wär's denn bei euch, Konrad, habt ihr nicht solche Laden — so werden die Truhen im Dorfe genannt — auf dem Speicher ober gar im Stall stehen?" „Ich glaube, ja", erwiderte ich. „Na also, gehen wir einmal mit dem jungen Mann. Sein Vater verkauft sie gern für diesen Preis." Als mir in unfern Hof eintraten, wollte mein Vater gerade einspannen. Auf die Frage des Herrn W. entgegnete er ärgerlich: „Wir haben so was nicht." Ich erinnerte ihn an die Lade auf dem Heuschuppen, aber er sagte nur: „Ich habe jetzt feine Zeit. Der Herr mag ein andermal wieder- fommen." Herr W. ließ nicht locker und stieg mit mir auf den Heuboden. Die Truhe war aber dermaßen mit altem Gerümpel zugedeckt, daß man nur die Umrisse erkennen konnte. „Wissen Sie was," sagte der Schreiner „heute können wir sie doch nicht herausholen. Aber in den nächsten tagen soll sie herunter. Dann schickt Ihnen Konrad eine Zeichnung, er ist ja ein Maler, damit Sie sehen, wie sie ist." Herr W. war einverstanden. Mein Vater knallte ungeduldig mit der Peitsche. Ich verabschiedete mich und fuhr ins Feld.
An einem freien Tage zog ich mit vieler Mühe die Lade aus dem Heuwinkel, reinigte sie, so gut es ging, und schaffte sie zu unferm Schreiner. Dieser hatte in besonderen Fläschchen Benzin und anbere Hilfsmittel. Erft als der Staub, die Spinnweben und der Fliegenschmuh entfernt waren, traten die vielen eingelegten Bilder in ihrer vollen Schönheit zutage. Nach Behandlung mit verschiedener Beize wurde die Truhe wieder wie neu. Ich zeichnete nun die Blumen, die Sprüchlein, eins stand ganz vorn und lautete: „Wer Gott vertraut, hat wohlgebaut!", darunter der Name meiner Großmutter und eine Jahreszahl, säuberlich ab und sandte die Blätter Herrn W. Der Schreiner versicherte, daß wir mindestens 200 Mark verlangen könnten. Als ich aber die wiederhergestellte Truhe meinem Vater zeigte, meinte er, und ich meinte es auch: „Die wird überhauot nicht verkauft. Wir stellen sie in unsere Oberstube." Herr W. kam. Wir blieben fest. Die Truhe gefiel uns täglich mehr. Sie war uns ans Herz gewachsen. Herr W. konnte unsere Liebe verstehen und gab nach.
So ist es gekommen, daß wir die schöne Lade in der Obersrube stehen haben. Sie hat bis jetzt jedem Gast, der zu uns kommt, gefallen. Auch im Dorfe sind viele Leute unferm Beispiel gefolgt, und Sie können fast in jedem Hause alte Schränke und Truhen sehen. Verkauft wird ganz selten etwas. Wenn es den vornehmen Leuten gefällt, warum soUen wir dann keine Freude dran haben? F- K.
Bereinigung ehemaliger Gießener Realgymnasiasten.
Ein stimmungsvoller und genußreicher Fa- milienabend vereinigte am Samstag die Mitglieder dieser Vereinigung und ihre Angehörigen, sowie zahlreiche Gäste und Freunde im Saale der Liebigshöhe, wo unter den Mitgliedern die alte Schulkameradschaft aufs neue vertieft wurde und die Gäste in eindrucksvoller Weife bemerken konnten, wie stark dieses Kameradschaftsband alle Angehörigen der Vereinigung über den Unterschied der Jahre und der sozialen Stellung hinaus verbindet. Das Orchester des Realgymnasiums leitete den Abend in schwungvoller Weise mit dem Kriegsmarsch der Priester aus Atthalia ein. Darauf entbot der Vorsitzende der Vereinigung, Gerichtsreserendar Jüngst, den Besuchern herzlichen Willkom- mengruß und wies auf die idealen Ziele dieses kameradschaftlichen Zusammenschlusses hin. Er kam dabei auch kurz auf die geplante Errichtung eines Denkmales zu Ehren der im Weltkriege gefallenen Lehrer und Schüler des Real- ghmnaftums zu sprechen und teilte mit, daß das Ehrenmal im nächsten Jahre, gelegentlich der Jubiläumsfeier des Realgymnasiums, in dem Garten vor der Anstalt erstehen und dort inmitten der gärtnerischen Anlage für alle Zeiten ein Ruhmesmal der gefallenen Realgymnasiasten und ihrer Lehrer sein falle. Bisher fei von den früheren Schülern schon viel für dieses Denk
mal getan worden, es fei aber erforderlich, daß noch mehr geleistet werde, um die Ehrung der verewigten Kameraden in würdiger Weife gestalten zu können. Im Anschluß an diese Worte brachte stuck, ree. Reichert in. wohlabgewogener und feiner Deklamation ein von Professor Dr. Trapp verfaßtes und tiefste Empfindungen offenbarendes Gedicht, das den im Weltkriege gefallenen Helden des Realgymnasiums gewidmet ist, zum Vortrag. Die packende Dichtung hinterlieh bei den Hörern einen außerordentlich starken Eindruck. Die Pianistin Fräulein Irmgard Decker leitete hierauf mit dem prachtvollen und sehr beifällig aufgenommenen Spiel der Rhapsodie in 0-Moll von Johannes Brahms zum unterhaltenden Teil über, der dann bald als Hauptpunkt des Unterhaltungsprogramms die unter der tüchtigen Regie von stuck, rer. Karl Hugo Reichert flott gespielte Posse „Monsieur Herkules" brachte. Hierbei boten Herbert Kammer als Direktor Mahlmann, Kurt Kiefer als Schreier, Karlernst Seiler als Kandidat Maus, Otto Jüngst als Cäsar, Horst B r u m l i k als Aufwärter August, Hanni Reichert als Stubenmädchen Hanne und Rose Barbara Trümpert als Mahlmanns Tochter Ernestine ganz famose darstellerische Sei Rungen, durch welche die Aufführung zu einem schön abgerundeten Bild geformt wurde und berechtigterweise lebhaften Beifall der stark amüsierten Zuschauer fand. Fräulein Ninon G u i r l i 11 von der Ferretti-Schule in Frankfurt erfreute sodann durch reizende Tanzdarbietungen, die große tanz- künstlerische Fertigkeiten zeigten, wobei insbesondere der Indische Tanz und der Walzer, bei dem Student Karl Michel als Partner gut mitwirkte, gefielen. Als Geiaenkünstler von ansehnlichem Format zeigte sich Kandidat Fabian, der die Scene de Ballett von Eh. de Böriot in ausgezeichneter Weise spielte und dabei in Herrn I. S ch m i h einen vortrefflichen Begleiter auf dem Klavier fand. Weiter konnte man eine Schülerriege des Realgymnasiums in exaktem Bodenturnen bewundern, ferner musizierte das Orchester des Realgymnasiums noch mehrfach in recht schöner Weise.
Am Ende des ersten Teiles der Veranstaltung dankte Oberstudienrat Seiler im Namen des Vorstandes allen Mitwirkenden für ihre ausgezeichneten Leistungen. Er gab seiner besonderen Freude Ausdruck über den engen Kontakt, der zwischen den „Alten Herren" des Realgymnasiums und der heutigen Schülergeneration besteht. Hieraus erkläre sich wohl auch die so freudige Hingabe der Jugend bei TheatersPiel, Orchester und Turnen. Der Redner betonte dann noch, daß die Vereinigung nicht „noch ein Verein" in Gießen sein will, sondern daß sie hohe ethische Aufgaben verfolge und in einer Zeit, die so viel Gegensätzliches aufweist, ihre Mitglieder, wes Standes und Berufes sie auch feien, harmonisch zufammenschliehen wolle im Sinne der deutschen Volksgemeinschaft. Sein Appell hatte zur • Folge, daß eine Reihe von Herren sich in die aufliegende Mitgliederliste ein» zeichnete.Nach der Pause folgten noch eine Anzahl schöner Darbietungen. Reizend waren die beiden Grotesken, die Ninon Guirlitt tanzte. Neben der hervorragenden technischen Leistung entzückte besonders ihre köstliche Mimik. Auf gleicher Höhe stand ein Ne zertanz, den zum Schlüsse Kurt Michel vorführte. Im übrigen konnte sich die tanzsrohe Jugend in ausgiebiger Weise ihrem Tanzvergnügen widmen.
Vornotizen.
— Tageskalender für Montag. Stadttheater: „Herr Lamberthier", 20 bis 22 Uhr. — Papst-Feier, 20 Hfjr, Kath. Dereinshaus. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: »Die Carmen von St. Pauli" und „Das Girl von der Revue". — Astoria-Lichtspiele: „§ 182 Minderjährig" und „Ihr großer Reinfall".
— Aus dem S t a d 11 hea te r bu r e a u wird uns geschrieben: Das Dassermann-Gastspiel beginnt um 20 Uhr. „Herr Lamberthier" (Der» ncuil). — Morgen, Dienstag, 29. Oktober: „Der arme Heinrich" (Hauptmann). — Mittwoch, 30. Oktober: „Die Frau, die jeder sucht" (Hirschfeld). — Freitag, 1. November: „Vasantasena". — Sonntag, 3. November: „Hochzeitsreise". Das nächste Gastspiel: Hermine Körner: „Glas Wasser", am 8. November.
— Das Wesen der Elektrizität, lieber dieses Thema hält Studienrat Heußel einen Volks- Hochschulkursus mit Experimenten. Der Kurs beginnt Mittwoch, 30. Oktober im Physiksaal des Real- aymnasiums (nicht in der Universität). Siehe heutige Anzeige.
— Neues aus den Missionsgemeinden in Afrika und Borneo. Man schreibt uns: Echtes deutsches Wesen in der weiten Welt zur Geltung zu bringen, ist heute neben der Hauptaufgabe der Mission, die Botschast Jesu Christi auszurichten, eine Ehrenpflicht für sie. Dazu hat sie auch heute mehr denn je gan$ ungeahnte Möglichkeiten, ileberall in der weiten Welt kommen die Völker dem deutschen Missionar mit einem Vertrauen entgegen, das uns mit Verwunderung, anderseits aber auch mit dem Gefühl heiliger Verpflichtung ihnen gegenüber erfüllen muß. Hier hat das christliche deutsche Volk auch heute noch große ehrenvolle Aufgaben. Am Dienstag. 29. Oktober, abends 20 ilfjr, will Missionsinspektor Huppen- bauer von Basel in der Stadtkirche davon berichten, welche Fortschritte die deutsche Mission in der letzten Zeit in Afrika und Borneo gemacht hat. Eintritt frei. Gesangbücher mit» bringen. (Siehe Anzeige vom Samstag.)
** D i e Eintragungen für das Volksbegehren. Bis gestern abend hatten sich 332 Personen in die hier aufliegenden Listen für das Volksbegehren gegen den Poungplan eingeschrieben.
' Ehrung eines Veteranen von 1 8 6 6. Anläßlich seines 86. Geburtstages erhielt der Altveteran Karl Mayer Hierselbst, Mitkämpfer von 1866. von dem Herrn Reichspräsidenten von Hindenburg dessen Photographie mit eigenhändiger Unterschrift als Geburtstagsgeschenk übersandt.
** AufgehobeneStraßensperren. Mitgeteilt vom Oberhessischen Automobil-Club (A. 0. D.) Gießen: Die Sperren auf der Provinzialstraßen- strecke Ermenrod — Groß-Felda und auf der Strecke Lauter — Laubach im Zuge der Straße Grünberg—Laubach—Schotten sind wieder aufgehoben.
** Eine Schar Fischreiher wurde gestern nachmtttag 5.10 Uhr über dem Flughafengelande gesichtet. Die Tiere, sechs an der Zahl, flogen in geringer Höhe über das Waldstück „Stolzenmorgen" in der Richtung von Osten nach Westen auf die Stadt Gießen zu. Hierbei konnte man die stolze,
charakteristische Haltung der Dögel beim Flug deutlich wahrnehmen. Fünf der Reiher folgten in gerader Linie dicht hintereinander, wahrend der sechste, anscheinend etwas abgekommen, in einigen hundert Meter Entfernung den anderen folgte. In den letzten Jahren ist der Reiher in unserer Gegend selten geworden. Trotzdem wurden im vergangene» Winter, Ende Februar, Ueberreste (Fittiche und lange Röhrenknochen) eines solchen Vogels, der sich höchstwahrscheinlich verfrüht hatte und infolgedessen wegen Nahrungsmangels einging und bann feinen Feinden zum Opfer fiel, im Philosophcnwald gefunden.
** Hellseher Erik Jan Ha aussen. Am Freitagabend hielt der Graphologe und Hellseher Erik 3an Hanussen einen sehr interessanten, leider nicht besonders gut befugten Experimental-Vortrag. bei dem der Künstler seine staunenswerten Fähigkeiten auf den verschiedensten Gebieten des Okkultismus zur Schau brachte. Nach einigen Erläuterungen über die unterschiedlichen Formen des Okkultismus zeigte er zunächst einige gut gelungene Experimente auf dem Gebiete der Telepathie, und zwar mit und ohne Kontakt. Erstaunlich war dabei die Fähigkeit des Hellsehers, unbekannte Personen aus dem Publikum festzustellen und deren Namen anzugeben. Auf das Gebiet der Graphologie Übergehend, zeigte Hanussen vor allem die Möglichkeit. aus der Schrift eines Menschen Beruf, Charakter und Temperament zu erkennen. Er wies an praktischen Beispielen auch die Möglichkeit nach, diese Eigenschaften schon aus Unterschriften festzustellen. Interessant war dabei die Nachahmung von Unterschriften berühmter Persönlichkeiten auf Zuruf aus dem Publikum, die loeit» gehende Fähigkeiten deS Vortragenden auf diesem Gebiete verriet. Geradezu erstaunliche Ergebnisse zeitigte auch die clairvoyante Deutung des Charakters und Schicksals fremder Personen auf Grund von Briefen und Schriftproben, die aus dem Publikum zur Verfügung gestellt wurden. Die Deutungen erfolgten, ohne daß der Künstler in die Schriftstücke Einsicht genommen hatte, also nicht an Hand der Schrift-eichen, sondern auf Grund seiner hellseherischen Fähigkeiten. Diese kamen noch wesentlich stärker -um Vorschein bei einer Reihe von Clairvohance-Experimenten, bei denen der Künstler im Trance lediglich auf Grund genauer Angaben über Zeit und Ort wichtiger Ereignisse in Vergangenheit und Zukunft geradezu verblüffende, teilweise sogar erschütternde Schilderungen des Tatbestandes bot.
** Autounfall. Am Samstagmittag gegen 1 Uhr stieß an der Ecke Wiesenstraße und Oft» anlage ein Lastkraftwagen einer hiesigen Firma mit einem Personenauto zusammen. Der Per- fanentoagen wurde stark beschädigt und von dem Lastauto, das keinen Schaden davongetragen hat, abgeschleppt. Personen sind zum Glück nicht verletzt worden.
Oie Wetterlage.
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Wettcrvo caussage.
Das Zufließen kühler Luftmassen, das durch die skandinavische Störung verursacht wurde, erreicht mit der Abflachung und Verlpgerung allmählich sein Ende. Die Druckverteilung gestattet sich zur Zeit so, daß sich im Südwesten über Spanien und Frankreich und im fübhmen Deutschland hoher Druck ausbreitet und im Nordwesten im Raume von Island und den britischen Inseln ein neues Fallgebiet sich bemerkbar macht. Der Einfluß des letzteren, das durch feine Warmluft an der Südseite Temperaturanstieg und vielfach Niederschläge über England und Schottland verursacht, dürfte beim Weiterzug auch über Deutschland eine Wetterverschlechterung bringen. Obwohl zur Zeit hoher Druck unser Gebiet noch mit in sein Bereich nimmt, so dürfte er durch die Störung verdrängt werden, und auch über unserem Bezirk werden wieder stärkere Bewölkung und Niederschläge sowie Erwärmung zu erwarten fein.
Wettervoraussage für Dienstag: Milderes, wolkiges Wetter, zeitweise mit Niederschlägen, südwestliche Winde.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Der menschliche Körper braucht Jod!
Der menschliche Körper braucht Jod. Durch namhafte Aerzte und Zahnärzte wurde die Herstellung der Jvd-Kaliklora veranlaßt, die dem Jodmangel abzuhelfen geeignet ist. Aus dieser Jod-Kaliklora wird das Jod in den kleinsten Mengen bei der täglichen Zahnpflege durch die Mundschleimhäute und den Speichel aufgenommen und dem Körper zugeführt. Wer also Zähne und Körper durch regelmäßige Iod- zufuhr gesund und widerstandsfähig erhalten will, sollte die Gesundheitszahnpasta Jod-Kaliklora ge- brauchen. 8678v


