Ausgabe 
28.9.1929
 
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drang nomadisierender Wüstenbewohner abwehrten. Man hat bis jetzt nicht einwandfrei feststellen kön­nen, aus welche Weise es den Römern möglich war, die Wasserfrage zu lösen. Denn, von ihr hängt letzten Endes die Besiedlungsmöglichkeit des Landes ab. In Tripolis kommen etwa 45 000 Quadratkilometer für geschlossene landwirtschaftliche Siedlungen in Frage, ein Gebiet so groß wie Ost­preußen. Das ist nicht viel, wenn man es mit den Räumen auf anderen Kontinenten vergleicht, aber doch von großer Bedeutung, wenn es gelänge, nicht weit vom Mutterlande ein Reu-Italien zu schaffen, in dem Hunderttausende Brot und Arbeit fänden. Die Anfänge sind bescheiden, aber der Gang der Entwicklung in den letzten fünf Jahren ist ein außer­ordentlich schneller. So wurden von 1914 bis 1922 nur 3600 Hektar verteilt. 1928 aber betrug das Ge- famtareal der Konzessionen in Tripolis 92 000 Hek­tar. Heute sind es 160 000 (mit 550 Familien). In der Cyrenaica liegen die Verhältnisse ähnlich; nur ist die Entwicklung eine langsamere. Dabei ist zu berücksichtigen, daß alle Oasen in Händen der Araber sind. Das bedeutet, daß der Neusiedler weder Bäume, noch vor allem Brunnen auf seinem Grund« vorfindet. Das Wasser liegt in dem genannten Sied­lungsgebiet meist nicht tief unter der Oberfläche. Maschinen oder Windmotore heben es. Die Regie­rung ist bestrebt, nicht zu siedeln, sondern zu kolo­nisieren; das heißt, der Bauer muß um seinen neuen Besitz mit der Natur hart kämpfen. Die Steppe wird nicht verschenkt, wenn auch der Preis ein geringer und ratenweise Abzahlung möglich ist. Von Bedeutung sind weitgehende Steuerfreiheiten. Wer seinen Acker nicht bestellt, dem kann er, ohne Entschädigung des investierten Kapitals, in abge­kürztem Verfahren wieder abgenommen werden. Derartige, eine erzieherische Wirkung ausübende Fälle sind nicht allzu selten. Die Besitzsorrn ist eine gemischte. Neben kleinen bäuerlichen Betrieben entstehen große Güter. Unter allen Umständen aber soll eine ungesunde Latifundienbil- düng verhindert werden, d. h. die Erteilung von Konzessionen an Personen oder Gesellschaften, die sich damit begnügen, Vieh zu halten und von einigen Arabern hüten zu lassen. Daher ist auch je­der Konzessionär verpflichtet, auf je 30 bis 400 Hek­tar, das Land ist in Siedlungszonen geteilt, je eine Arbeiterfamilie anzusetzen, in deren Eigentum nach einer bestimmten Reihe von Jahren im all­gemeinen die Hälfte des Areals übergehen soll.

Gebaut wird Getreide, zur Zeit fast ausschließ, lich Weizen, der Ende April geschnitten wird. Eine große Aussicht hat die Kultur der sogenannten Ägrumi (Orangen und Zittonen) sowie der Man­deln und Oliven; von letzteren sind bereits je 300 000 Bäume gepflanzt, ferner wurden über zwei Millio­nen Weinstöcke angesetzt. Die landwirtschaftlichen Verhältnisse ähneln denen Siziliens ganz außer- ordentlich. Dies «rleicktert die bäuerlichen Sied­lungen. Eine Schwierigkeit besteht für die Zukunft allerdings vielleicht darin, daß die Erzeugnisse der Kolonie die des Mutterlandes nicht ergänzen, fern» dern ihnen gleichen. Was Italien fehlt, ist Ge­treide (Weizen und Roagen) und Vieh. Beide Dro- du"te haben in der Kolonie nicht allzugroße Mög- lichkeiten. Der landwirtschaftliche Export des italie­nischen Staates wird wahrscheinlich durch die Ko­lonie einst erheblich zu steigern sein. Aber es ist fraglich, ob sie Italien zu einem landwirtschaft­lich autarken Lande machen wird. Man rechnet in der Kolonie damit, Kartoffeln und Gemüse einen Monat früher auf den europäischen Markt bringen zu können, als es das Mutterland kann, ohne daß diesem damit Konkurrenz gemacht wird. Seit dem vorigen Jahre werden Kartoffeln, wenn auch in bescheidenem Umfange, nach Deutschland ausgeführt. (Trotz des außerordentlich schnellen Baümwuchses bat man sich darauf beschränkt, nur die Dünen (2000 Hektar) mit Buschwald aufzufor- sten, und doch wären vielleicht weitergchende Ver­suche in der Richtung nicht erfolglos.)

Die besten Siedler scheinen die Italiener aus Tu­nis zu sein, der Zahl nach überwiegen zur Zeit naturgemäß Einwanderer aus Sizilien; es folgen Norditaliener, während Mittelitaliener zurückbleiben.

Alle Erfahrunaen sind nicht alt und doch kann be­reits mit ziemlicher Sicherheit behauptet werden, daß die Besiedlung des hierzu geeigneten Teiles der Kolonie außerordentlich er folgver- sprechend ist und daß alles geschieht, um ihr den bäuerlichen Bevolkerungsüberschuß Italiens in Zu­kunft zuzuführen Eine volkskonservative Auf- fassung von den Gesamtfragen der Politik, die im zunehmenden Maße Mussolini zu erfüllen scheint, findet einen ihrer stärksten Ausdrücke in seiner Kolonialpolitik.

pädagogischer Rundfunk beim Frankfurter Gender.

Der hessische Minister für Arbeit und Wirt- schast teilt mit, daß der Ausschuß für den Päda­gogischen Rundfunk beim Frankfurter Sender Richtlinien ausgearbeitet hat, nach denen den beiden bisherigen VortragsreihenElternstunde" undJugendbewegung" ab 1. Oktober einP ä - dagogischer Rundfunk" hinzugefügt wird, die unter dem RomenErziehungund Bil­dung" zusammengefaht werden. Mit Rücksicht auf sahungsgemäße Bestimmungen werden int Pädagogischen Rundfunk Frankfurt, abgesehen von Dingen, die für sein Gebiet besonders wichtig sind, nur Grziehungs» und Bildungs­fragen von allgemeiner Bedeutung behandelt. Aus den bisher vorliegenden Vor­schlägen wird ein vorläufiger Vortragsplan aus­gestellt. Am Schlüsse jedes Vortrags wird um Einsendung von Wünschen gebeten, die bei der Aufstellung neuer Vortragsreihen berücksichtigt werden sollen. Der Minister weist alle staat­lichen Erzieher empfehlend auf die Vorträge hin.

Turnen, Sport und Spiel.

Die Tchlagballmcisterschaft der hessischen höheren Schulen.

WSN. D a r m st a d t, 27. Sept. Auf dem Sport­platz der Liebig-Oberrealschule kam gestern das Entscheidungsspiel um die Meister- schast im Schlagball an den höheren Schulen Hessens zum Austrag. Die Auf- bauschule Friedbera siegte dabei mit 75:ol Punkten über die Aufbauschule Alzey und errang damit das Ehrenbanner des Hessischen Philologen­vereins.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

* Das Amtsverkündigungsblatt R r. 7 0 vom 27. September enthält: Straßen­sperre; Sttohensperre-Aufhebung; Flugveranstal­tung in Gießen; Die Bildung einer öffentlichen Wasser-Genossenschaft; Wiesenrundgänge int Herbst 1929; Vorbeugungsmahregeln gegen Feuersgesahr; Sperrung Der Ortsdurchfahrt Beu­ern; Gießener Ferienkurse; Dienstnachrichten.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 28. September 1929.

Großflugtag in Gießen.

Unter den Piloten des morgigen Flugtages befindet sich der Vorkämpfer der deutschen Sport­fliegerei, Antonius Raab. Raab ist Kriegs- flieget. 3m Jahre 1919, bei Gründung der ersten Deutschen Luftverkehrsgesellschaft, trat Raab in die Dienste dieser Gesellschaft und flog hier auf allen internationalen Strecken. 1923 richtete Raab die erste deutsche Rachttiegsfliegerschule in Bres­lau ein und leitete diese mit guten Erfolgen. 3n dieser Zeit brachte er durch feine sensationelle Landung mit Dem Sportflugzeug in Berlin Unter Den Linden seinen Ramen in den Mund Der breiten Öffentlichkeit. Wenige Tage später landete er auf Dem Stadion. 3m 3ahre 1923 holte sich Raab im internationalen Wett­bewerb in Prag den ersten Preis im Kunst­fliegen gegen stärkste internationale Konkurrenz. Bekannt sind auch noch verschiedene fliegerische Bravourstücke Raabs, Umsteigen von Flugzeug zu Flugzeug, vom Flugzeug ins Motorboot usw. Dipl.-3ng. Kurt Katzen st ein ist Sieger im B.Z.-Preis der Lüfte, Preisträger im Sachsen­rundflug, sowie im Sütereutschlandflug, Unter­flieger Der nur 4 Meter hohen Fuldabrücke in Kassel; dies finD Leistungen, die ihn zu einem unserer bekanntesten Sportflieger machten. W. Gaus, ein Gießener Pilot, ist einer der jüng­sten Sportflieger, der trotz seiner 20 3ahre schon mit Erfolg an internationalen Flugtagen teil» nahm. Außer diesen Piloten sind noch verschie­dene bewährte Flugzeugführer Der Raab-Katzen- steinwerke hier anwesend. Besonders zu bemer­ken ist, daß das Bleriot-Flugzeug ein Originalflugzeug aus dem 3ahre 1909 ist. Es handelt sich um dieselbe Type, mit der Bleriot als erster den Kanal überflog, mit Der Pe » g o u t als Erster Loopings machte, mit der weiter Die ersten Passagierflüge ausgeführt wurden. Wir verweisen nochmals auf den Vorverkauf zu Den ermäßigten Preisen. Besonders zu beachten ist, daß auf Die Vorverkaufskarten, als auch aus die Karten Der Tageskasse Freiflüge zur Ver­teilung kommen.

Die Anhängerflugzeuge f ü r Den Schlepp zug, sowie Der historische Dleriot- Eindecker sind mit Der Dahn von Kassel ein» getroffen. Die Flugzeuge werden am heutigen Samstag von Der Dahn nach Dem Flugplatz ge­bracht und Dort am Rachmittag montiert.

Derkchrsordnung jür den Flugtag.

Für Die Dauer Der morgigen flugsportlichen Veranstaltung auf Dem Flugplatz hat das Kreis­amt für Die Zeit von 13.30 Uhr bis 18 Uhr folgende Straßensperrungen beim Flugplatz ungeordnet:

3m Süden: Straße GießenRödgen von der östlichen Grenze der aus Dem Trieb liegenden Sportplätze bis zur Uebersührung der Bahnlinie GießenFulda.

3m Osten; Bahndamm von Kreuzung Bahn­linie GießenFulda, Straße Rödgen bis zum Ostrande des Waldes, genannt Der 3unEem» strauch, sodann in nordwestlicher Richtung Durch Den Wald bis zur Struppmühle.

3m RorDen: Von Der Struppmühle dem Lauf der Wieseck entlang bis zur Gansmühle.' Die Straße WieseckAl.n°2useck ist nur für Den Durchgangsverkehr geöffnet.

3m Westen: Von Der Gansmühle in füD» westlicher Richtung von Wieseck nach Dem Trieb führenden Weg entlang, Ostrand Der auf Dem Trieb liegenden Sportplätze bis zur Straße Gie­ßenRödgen.

Für die Dauer der Sperrzeit ist das Betre­ten des innerhalb der obengenannten Grenzen liegenden Gebietes nur mit Ausweisen der Flug­leitung, oder nach Lösung der von dieser aus­gegebenen Eintrittskarten und lediglich auf den von der Flugleitung hierzu bestimmten Zu­gangswegen gestattet.

Die Straße GießenRödgen ist von 13.30 bis 18 Uhr nur für Den Durchgangs verkehr von Gießen nach Rödgen und umgekehrt geöffnet.

Der von dem Stadtwald unmittelbar nach dem Flugplatz führende Feldweg wird von 15 bis 18 älhr für jeglichen Verkehr gesperrt.

Zuwiderhandlungen gegen diese Polizeiver­ordnung werden mit Geldstrafe bis zu 90 Mark bestraft.

Daten für Sonntag, 29. September.

Sonnenaufgang 5.56 Uhr, Sonnenuntergang 17.44 Uhr. Mondaufgang 0.46 Uhr, Monduntergang 16.56 Uhr.

1758: der englische Admiral Nelson in Burnham- Thorpe geboren; 1868: der Industrielle und Mi­nister Walther Rathcnau in Berlin geboren;1913: der Ingenieur Rudolf Diesel gestorben; 1919: die Sängerin Adelina Patti in London gestorben.

Bornotizen.

Tageskalender f ür Samstag. Rationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei: Oeffentliche Versammlung, 20.15 Uhr, Uniöer» sitäts°Cas6. Gießener RudergesellschaftHas- sia": Generalversammlung, 20 Ähr, Bootshaus. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Dame in Schwarz" undHoppla, Vater fiehts ja nicht". Astoria-Lichtspiele:Der Schrecken der Prä­rie" undVersuchung".

Tageskalender für Sonntag. Flughafen Gießen: Großer Flugtag, 13.15 Uhr. Öffentlicher VortragLiebig als Mensch", 11.15 Uhr, im Liebig-Museum. Dessauer Kinderchor: Konzert, Volkshalle, 15 Uhr. Spiel-Dgg. 1900: Vereinsmeistersch aften, 14 älhr. Dünsberg-Derein, Feier des 30jährigen Be­stehens, nachmittags auf dem Dünsberg. Reichspartei des deutschen MittelstanDes (Wirt­schaftspartei): Oeffentliche Versammlung, Thema: Bringt der Voungplan Dem Mittelstand steuer­liche Erleichterungen?", 13.30 Uhr, Cafe Leib. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Dame in Schwarz" undHoppla, Vater fiehts ja nicht". Astoria-Lichtspiele:Der Schrecken der Prä­rie" undVersuchung".

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Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Feuchiwangers Rachdich­tung vonVasantasena" erschien zum erstenmal im 3ahre 1916. 3n vielen Hunderten Aufführung ?en hat das Stück seit jener Zeit eine starke Zug­raft bewiesen. 3m 3ahre 1893 erschien eine erste deutsche Bühnenbearbeitting des Werkes durch Emil Pohl. Feuchtwanger stellte aber fest, daß Diese Bearbeitung kaum mehr mit dem Ori­ginal etwas gemeinsam hat, außer Den Ramen. Trotzdem hatte auch Diese verballhornte Fällung

einen recht guten Theater erfolg. Die Feucht» wangersche Rachdichtung, Die am Gießener Stadt­theater zur Erstaufführung gelangt, unterscheidet sich von Den früheren Aufführungen Des Werkes dadurch, daß sie einige Aenderungen berücksich­tigt, Die Die Bühnenpraxis ergeben hat. In Szene gesetzt wurde Das Schauspiel von Ober» spielleiter Hans Sannert Die Titelrolle spielt Trude Heß. Es wirken ferner mit, Die Da­men: Doering, Jahn, Jüngling, Scherer, und die Herren: Arzdof, Dommisch, Fallot, Heitzig, Hub, Hais, Haeser, Linkmann, Ritter, Schubert, Zigel. Das Bühnenbild: Karl Löffter, Kostüme: Kurt Huber, Inspektion: Anton Wahlen. Für Mittwoch, 2. Oktober, ist die OperetteBoc­caccio" von Suppe vorgesehen. Direktor Baars, der für Die diesjährige Spielzeit verpflichtet ist, regelmäßige Operettengastspiele zu geben, wird das erste Mal mit Dem neuen Operetten-En- sernble sich mitBoccaccio" vorstellen. Diese Reu- Inszenierung des Frankfurter Operettentheaters wurde wegen seiner erstklassigen Besetzung und der modernen Regieauffassung als erste Vorstel­lung des Ensembles gewählt. Freitag, 4. Ok­tober (1. Vorstellung im Freitagabonnement): Grand Hotel", Lustspiel von Paul Frank. Als nächste Reueinstudierung folgtDie Frau, die jeder sucht", Lustspiel von Georg Hirschseld. Ilm vielen Anfragen zu antworten, teilt die Intendanz Des Stadttheaters mit, Daß Anmel­dungen zum Abonnement täglich entgegengenom­men werden.

Oeffentliche Versammlung Der Wirtschaftspartei. Die Reichspartei Des deutschen Mittelstandes (W.rtschaftspartei), Orts­gruppe Gießen, veranstaltet am morgigen Sonn­tagvormittag eine öffentliche Versammlung, in der Bäckermeister Drewitz, M. D. R. und Vor­sitzender der Reichspartei, über Voungplan und Mittelstand sprechen wird. Man beachte die heutige Anzeige.

Der Dessauer Kinderchor wird auf seiner Konzertreise durch Hessen, Rheinland und Westfalen am morgigen Sonntag um 15 Uhr ein Konzert in der hiesigen Volkshalle veranstalten, bei Dem etwa 150 kleine Sängerinnen und Sänger mit- wirken werden. Auf Die Veranstaltung sei besonders hingewiesen.

Die Museen sind am morgigen Sonntag von 11 bis 13 Uhr geöffnet.

** Erntedankfest imStadtmifsions- saal findet am morgigen Sonntagnachmittag und Abend statt. 3n unserem heutigen Anzeigen­teil wird zu diesen Feiern eingelaDen.

Arbeitsjubiläum. Heute begeht Der Schneider Wilhelm Schreineraus Wieseck sein 25. Arbeitsjubiläum bei der Firma Frensdorf zu Gießen. Der Jubilar hat sich in dem Viertel­jahrhundert seiner Tätigkeit bei der Firma Frens­dorf Die Wertschätzung Der Geschäftsleitung sowie seiner Arbeitskollegen erworben.

** Die 3agD in Hessen. Der hessische Mi­nister Des 3nnem hat die Schonzeit für Hasen für Das ganze Gebiet des Volksstaates Hessen bis zum 15. Oktober einschließlich verlängert, ebenso Die Schonzeit für Fasanen. Die Schonzeit für Rebhühner beginnt am 1. Rovernber.

* Modenschau bei Rowack. Das Mode­haus Carl Rowack im Seltersweg veran­staltete am Donnerstag und gestern nachmittag, sowie zum letzten Male am heutigen Samstag, 18 Uhr. in den Räumen seines Geschäftshauses eine Modenschau, die am Donnerstag und gestern von der Damenwelt außerordentlich stärk besucht war. Gestern reichte der ursprünglich vorgesehene Platz für Die Gäste offensichtlich nicht aus, denn eine ganze Reihe von Stühlen mußtenange­baut" werden, um allen Bfucherinnen und auch Besuchern Sitzgelegenheit bieten zu können. Der Firmeninhaber ließ durch acht Damen Die neuesten Schöpfungen Der Mode den außerordentlich inter­essierten Besuchern vorführen. Herr Arzdorf vom Stadttheater wirkte als Ansager und gesell­schaftlicher Änterhalter mit, Herr Linkmann vom Stadttheater bemühte sich gleichfalls in den Dor­führungspausen um die heitere Unterhaltung der Gäste. Angefangen bei der Morgentoilette der Dame bis zu den großen Abendkleidern wurde von den Vorführungsdamen eine Fülle von Schöpfungen der neuen Mode gezeigt, und zwar in der Reihenfolge: Reizende Pyjamas und Mor­genröcke, sodann Vormittags- und Hauslleider, Straßen-- und Lauslleider, ferner elegante Sttahenkleiter, geschmackvolle und vornehme Rachmittags- und Teekleider und Darauf eine Fülle von Abendkleidern, von Den einfacheren jugendlichen bis zu Den apartesten und elegan­testen aus Crepe de Chine, Crepe Satin, Crepe Georgette, Brokat, mit Spitzen verarbeitet und von einer entzückenden Formgestaltung. Zwischenhinein sah man noch sehr schöne Mäntel mit reichern Pelzbesatz und fernerDie Dame im Regen", schöne Regenmäntel. Die vielseittgen Modeschöpfungen veranlaßten die prüfenden Da­men häufig zu Beifallskundgebungen, denn sowohl in der Materialverarbeitung, wie in der Form­gestaltung zeugten die vorgeführten Kleidungs­stücke von bestem Geschmack und guter Qualität. Entzückende Hüte neuesten Formats hatte zu Den Kleidern und Mänteln jeweils passend das Hutgeschäft von Elise Bock gestellt, die Fri­suren, Perücken in schönen Wasserwellen, und die Schminken stammten aus dem Friseurgeschäft Koch, die wundervollen Blumenarrangements lieferte das Blumenhaus Dietz. Man sagt sicherlich nicht zuviel, wenn man behauptet, daß die Vorführung der Modeschöpfungen für das Haus Rowack ein voller Erfolg war.

Spiclplan der Frankfurter Theater.

Opernhaus. Sonntag, 29. Sept., von 19,30 bis 23 Uhr: Aida. Montag, 30., von 19,30 dis 22,45 Uhr: Die Fledermaus. Dienstag, 1. Okt.» von 20 bis nach 22,30 Uhr: Turandot. Mittwoch, 2., von 20 bis nach 21,30 Uhr: Salome. Donners- tag, 3., von 20 bis nach 22,30 Uhr: Madame Butterfly. Freitag, 4.: Geschlossen. Samstag, 5., von 20 bis nach 22 Uhr: Orpheus und Eurydike. Sonntag, 6., von 20 bis 22,30 Uhr: Schwanda, der Dudelsackpfeifer. Montag, 7.. von 20 bis nach 22,30 Uhr: Orpheus und Eurydike.

Schauspielhaus. Sonntag, 29. Sept., von 20 bis gegen 23 Uhr: Die andere Seite. Montag, 30., von 20 bis gegen 23 Uhr: Die andere Seite. Dienstag, 1. Okt., von 20 bis nach 22 Uhr: Frau Vidal hat einen Geliebten. Mittwoch, 2., von 20 bis " nach 22 Uhr: Frau Vidal hat einen Geliebten. Donnerstag, 3.. von 20 bis gegen 23 Uhr: Die andere Seite. Freitag, 4., von 20 bis nach 22,15 Uhr: Das Gerücht. Samstag, 5., von 20 bis gegen 23 Uhr: Die andere Seite. Sonntag, 6., von 20 bis 22,45 Uhr: Pariser Leben. Montag, 7.. von 20 bis gegen 23 Uhr: 1 Die andere Seite.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

*Großen-Linden, 27. Sept. Die Sech­ziger in unserem Orte beabsichtigen, nachdem sie von einer Fünfzigerfeier im Jahre 1919 abgesehen hatten, eine Wiedersehensfeier zu veran­stalten. Es ist an einem Sonntag ein gemeinsamer Gottesdienstbesuch vorgesehen, sodann sollen Kranz­niederlegungen auf den Gräbern der bereits heim- gegangenen Schulkameraden erfolgen, am Nachmittag soll eine frohgestimmte Veranstaltung die Sechziger- feier abschließen. Die Vorbereitung dieser Sliters- kameradenfeier erfolgt unter Der Leitung von Philipp B e p p l e r, Hierselbst.

* Allendorf (Lah n), 28. Sept. Heute begeht die Witwe Elisabethe Volk ihren 8 4. Ge­burtstag. Von den Nachkommen der Jubilarin, die schon seit 38 Jahren Witwe ist, leben noch drei Kinder, acht Enkel und vier Urenkel. ...

:: Beuern, 27. Sept. Am nächsten Sonn­tag wird Die Einweihung des von unserm ein­heimischen Künstler Wilhelm Arnold ge­schaffenen Gesallenen-Ehrenmals statt* finben. Vormittags 10 Uhr findet in der Kirche ein Gedächtnisgottesdienst statt, an dem sämtliche hiesigen Vereine mit ihren Fahnen geschlossen teilnehmen werden. Rachmittags 2 Uhr stellt sich der Zug bei Der Bürgermeisterei auf, 2.15 Uhr ist die Feier am Denkmal. Bei Der 03er Wei­gerung des Gemeindeobstes wurden trotz reichlicher Vorräte recht hohe Preise er­zielt. Besonders Die besseren Sorten waren sehr begehrt, die oft mit 12 Mark pro Zentner am Baurn bezahlt wurden.

:: Aus Dem CBu f e de r Tal, 27. Sept. Die Kartoffelernte ist in unserem Tale beendet. Der Ertrag kann als recht gut, die Qualität als vorzüglich bezeichnet inerten. Die besten Erträge lieferten wohl die gelben und weißen Sorten, während die roten, wie Vater Rhein. Die wohl Die Trockenheit nicht so gut vertragen können, nicht so dick geworden waren. Auch Die Otenwälder Blaue war sehr stark ent­wickelt; so wurden Knollen im Gewicht von zwei Pfund geerntet. Der ©rünfutterman- g e l spitzt sich immer mehr zu. Die Dickwurz­blätter und Die noch vorhandenen Reste teS Futtermaises bilden zur Zeit noch das einzige vorhantene ©rünfutter. Die Roggensaat hat bis jetzt noch nicht begonnen. Da infolge ter Trockenheit eine planmäßige Deackerung nicht möglich ist. Auch viele Stoppeläcker sind infolge der harten Kruste, die sich durch die lange Trockenheit gebildet hat. ungeackert liegenge­blieben.

-s- Rüddingshausen, 27. Sept. Gestern abend ereignete sich hier ein Slutounfall, der sehr gefahrvoll aussah, zum Glück aber noch glimpf- lich verlief. Das Lastauto eines Frankfurter Obst- Händlers, das mit oollbepackten Obftkörben hochbe- laden war, kam in der Mitte des Dorfes, am sog. Berg, infolge Aussetzens des Motors zum Stehen und anscheinend infolge Versagens der Bremsen zum Rückwärtslaufen. Der schwere Wagen sauste mit immer mehr zunehmender Geschwindigkeit den Berg herunter und gegen einen ßeiter- wagen, der durch die Wucht des Anpralls mitsamt dem Auto gegen einen Gartenzaun stieß, wobei Leiterwagen und Gartenzaun natürlich zerbrachen. Das Auto sauste in den Garten hin­ein und riß hier noch einen starken Baum um, kam dann aber glücklicherweise zum Stehen. Don den Insassen des Autos erlitt eine Frau, die bei Dem Zusammenprall mit dem Leiterwagen aus dem Auto gesprungen und dabei gestürzt war, Verletzun­gen, die zum Glück nur leicht waren; die beiden an­deren Insassen des Kraftwagens blieben unversehrt. Das Auto hatte bei der gefährlichen Fahrt keinen Schaden erlitten, auch der Motor konnte alsbald wieder in Gang gebracht werden, jo daß nach dem Ordnen der Autolast die Fahrt nach Frankfurt fort­gesetzt werden konnte.

+ Grünberg, 27. Sept. Am Donnerstagabend fand hier ein F a ck e l z u g zu Ehren des von hier scheidenden Oberstudiendirektors Angelberger statt. Unter Vorantritt der Feuerwehrkapelle be­wegte sich ein langer, mit Fackeln und Lampions ausgostatteter Zug vom Marktplatz vor die Woh­nung des Scheidenden. Beteiligt waren die Real­schüler mit ten Lehrern, ter Verein ehemaliger Grünberger Untersekundaner (Degus), die Feuer­wehr, der Kriegerverein, ter Turnverein und die beiden Gesangvereine. Da ter Scheidende in einzel­nen Vereinen, in denen er sich besonders verdient gemacht hatte, schon mit Ehrungen bedacht war und da auch im Gemeinderat, dem er angehörte, schon mit ehrenden Worten seine Wirksamkeit gewürdigt worden war, so sollte durch diese Feier nochmals seitens aller Vereine und auch ter Stadt die öffent­lich« Wertschätzung tes Scheidenden hervorgehoben werden. Dies betonte auch der Redner, Pfarrer G r a u l i n g , der im Namen der Stadt und der Vereine nochmals die Verdienste und das Wirken tes f^errn Angelberger für die Stadt und die Oeffentlichkeit hervorhob. Tief bewegten Herzens dankte Herr Angelberger für die Ehrung und versprach, Grünberg, das ihm in seiner 24jährigen Tätigkeit an der von einer Höheren Bürgerschule zur Oberrealschule emporgestiegenen Anstalt zur zweiten Heimat geworden sei, auch fernerhin in gu­tem Angedenken zu behalten. Musikstücke ter Feuer- wehrkapelle und zwei Chöre ter vereinigten Gesang­vereine umrahmten die Feier, die mit den Teilneh­mern fast ganz Grünberg auf die Beine gebracht hatte.

# Bellersheim, 27. Sept. Die Obst* versteigerung an Der Provinzialstraße Trais-Horloff nach Bahnhof ObbornhofenBel­lersheim erbrachte gute Preise. Es muh allerdings Dabei berücksichtigt werden, daß es sich hier vorzugsweise um erstklassiges Tafelobst han­delt, nämlich Holländerreinette, Landsberger­und Baumannsreinette. Es kostete Der Baum,_ je nach Behang und Sorte, 6 bis 11 Mk. Als Käu­fer traten neben Leuten von hier und Der Um­gebung noch Einwohner von Hungen auf.

Kreis Büdingen.

Ridda, 27. Sept. Vor Drei 3ahren ver­lief Die Wahlbewegung für ©«meinte* rat«-, Kreis- und Provinzialtagsmitglieder sehr ruhig, weil Einheitslisten für Die Kandidaten aufgestellt waren und sich deshalb eine eigent­liche Wahlhandlung erübrigte. Diesmal scheint aber eine rege Wahlbewegung hier ein* zusetzen. Die Sozialdemokraten wollen Einheits* listen nicht mehr mitmachen. Seither hatten sie von zwölf Sitzen tes Gemeinterats fünf~ inne, sie glauben aber mehr beanspruchen zu können. Ferner verlangen sie an die Spitz« der Stadt­verwaltung einen Berufsbürgermeister und werden einen dementsprechenden Antrag demnächst stellen. Der Ortsgewerbeverein wünscht auch eine stärkere Vertretung in ter Gemeinde^