Ausgabe 
28.5.1929
 
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gfteb des Relchsverbandes der Deutschen Industrie nur ein Beauftragter wäre, der nachzuplappern habe, was ihm seine Organisation vorspricht. Die Reichsregierung hat von Anfang an den allergröß­ten Wert darauf gelegt, daß die Sachverständigen als individuelle Persönlichkeiten gewertet werden, die nur nach dem eigenen Gewissen zu entscheiden haben. Sogar über das deutsche Zahlenangebot in Höhe von 16 5 0 Mil­lionen habe die Berliner Regierung nicht eher etwas erfahren, als bis es in Paris übergeben worden war. Ob irgendeine andere Macht den Sachverständigen eine derartige Freiheit der Ent­scheidung eingeräumt hat. ist sehr fraglich. Ins­besondere was die französische Sachver­ständigenabordnung angeht, so ist damit zu rechnen, daß der Hauptsachverständige sich mit den Forderungen Poincares ziemlich re st los identifiziert. Dr. Stresemann wandte sich dann nachdrücklich gegen die Behauptungen, daß von feiten der Reichs­regierung irgendeine Person den Alliierten au verstehen gegeben habe, die Reichsregierung würde einer höheren Ziffer zu stimmen, als der. die die deutschen Sachverständigen ange­boten hätten. Der Minister bezeichnete ein der­artiges Verhalten als einen schmählichen Ver­rat nationaler Interessen. In der Kreuzzeitung" war gesagt worden, daß diese Mitteilung über die deutsche Botschaft in Paris den Alliierten zugegangen sei. Auf die Frage derRational-Liberalen Correspon- denz". wer denn diesen Verrat begangen habe, sei nur negativ geantwortet worden. Daß es weder Stresemann, noch der deutsche Botschafter v. Hösch selbst seien: aber es gebe noch andere Wege, die an Stresemann vorbeiführten. Die Oeffentltchkeit. so betonte der Minister mit Rach­druck, habe ein großes Interesse daran, zu er­fahren, wer derartige Wege über die Pariser Botschaft gegangen sei. Er stelle sich noch in dieser Woche dem Auswärtigen Ausschuß zur Verfügung, der jederzeit cinberufen werden könne, um diese Frage endgültig zu klären. Was die sogenannte Rebenregierung angeht, so verwies der Minister auf den Intermini st eriellen Ausschuß, bestehend aus dem Reichsfinanz- mintster, Reichsaußenminister und dem Reichs­wirtschaftsminister, der selbstverständlich während der Pariser Verhandlungen nicht völlig uninter­essiert geblieben sei. Die Beratungen dieses Aus­schusses haben meist in Anwesenheit des Reichskanzlers, möglichst auch eines Ver­treters des Zentrums stattgefunden, um alle Par­teien daran zu beteiligen.

Industrie

und Reparationskonferenz.

Keine Einmischung in die Arbeit der Sachverständigen.

Berlin, 27. Mai. (WB.) Der Reichsverband der deutschen Industrie bittet uns um Weitergabe der folgenden Erklärung: Auf Grund tendenziöser, wahrheitswidriger Presseäußerungen sieht sich der Reichsverband der deutschen Industrie zu folgen­den Feststellungen veranlaßt:

1. Wie der Reichsverband der deutschen In­dustrie bereits zu Beginn der Pariser Sachver- ständigen-Derhandlungen in der Presse ausdrück- ' lich festgestellt hat, sind die beiden ihm nahestehenden Sachverständigen nicht als Beauftragte seiner Organisa­tion anzusehen, sondern sie sind von_der Reichsregierung ausdrücklich als unabhän­gige Sachverständige mit eigener Verantwortung und voller Freiheit in der Entschließung bestellt worden. -

2. Seit Beginn der Pariser Verhandlungen haben die Organe des Reichsverbandes der deut­schen Industrie keinerlei Versuche gemacht, auf den Gang der Pariser Verhandlungen oder auf die Haltung der einzelnen Sachverständigen irgendeinenSinfluß auszuüben. Es haben auch keinerlei Aussprachen unter Hinzu­ziehung von behördlichen Vertretern stattgefun- oen, so daß die Annahme einer Teilnahme des Reichsministers der Finanzen an solchen Be­sprechungen im Hause oder außerhalb des Hauses des Reichsverbandes der deutschen Industrie nicht zutrifft. .

3. Der Reichsverband der deutschen Industrie kann und wird zu den Pariser Sachverständigen- Deratungen erst dann Stellung nehmen, wenn daS Ergebnis endgültig feststeht und die für die Beurteilung erforderlichen Unterlagen be­kanntgeworden sind. Diesen Standpunkt hat der Deichsverband erst heute erneut in einem Rund­schreiben seinen Mitgliedern gegenüber vertreten.

4. Der Reichsverband der deutschen Industrie spricht im übrigen sein lebhaftes Be­dauern und Befremden darüber aus, daß in der deutschen Oeffentlichkeit gegen die deutschen Sachverständigen unsach- liche und herabsetzende Angriffe er­hoben wurden.

Oer Bundesgenosse.

Bradford, 27. Mai. (WB.) In einer Wahl­rede führte der ehemalige Schatzkanzler Snow­den, der der Arbeiterpartei angehört, aus: Frankreich vermindert seineSteuern um 10 Millionen Pfund Sterling. Es verwendet das Geld, das es uns hätte zahlen müssen, zu Anleihen für Polen und an­dere ihm ergebene Staaten für Zwecke der militärischen Ausbildung. Es baut die größte Luftflotte der Welt, die nach den Worten Lord Balfours lediglich als Drohung gege n Großbritannien aus gefaßt werden kann. Es benutzt dieses Geld auch, um der g e - fährlichste Mitbewerber Großbritan­niens auf den Weltmärkten zu werden.

Rein amerikanisches Bürgerrecht für pazifistische Ausländerinnen.

Washington, 27. Mai. (WTD.) Das Oberste Dundesgericht entschied heute, daß im Ausland geborene Frauen, die sich weigern, zur Verteidigung der Regie­rung Waffen zu tragen, und die sich unter allen älmständen der Anwendung von Waffengewalt widersetzen, das ameri­kanische Bürgerrecht nicht erwerben können. Die Entscheidung erging in dem Falle der bekannten ungarischen Pazifistin Schwimmer, die zur Zeit in Chikago wohnt und bei der Raturalisa- tionsprüfung erklärt hatte, sie wurde gegebenen­falls nicht zu den Waffen greifen, um die Bun­desverfassung zu verteidigen. Frau Schwimmer batte geltend gemacht, daß der Bundeskongreh die Frauen ausdrücklich vom Mili­tärdienst ausschließe, und zwar durch

Oie Ausbringung der Reparationen

Oer finanzielle Nachgeschmack.

Don unserer Berliner Redaktion.

Vielleicht ist es im Augenblick noch etwas zu früh, über die finanziellen Folgen der Sach­verständigenberatungen für Deutschland zu spre­chen, es hätte eigentlich erst einen Sinn, wenn bestimmte Ergebnisse vorlägen, die nur politisch auszuwerten wären. Aber es kann nichts schaden, nach der grundsätzlichen Seite doch einmal Klar­heit darüber $u schaffen, daß mindestens ebenso wichtig wie eine Reuregelung unserer Repara­tionsverpflichtungen selbst die Umgestal­tung der inneren Reparation ist, also die Frage, wie wir die Kriegsentschädigung aufzubringen haben. Wir sind nach dem Dawes-Plan durch die Verpfändung der Zölle, durch die Eisenbahn- und Industrieobligationen gebunden. Wenn aber etwas Reues an die Stelle des Dawes-Planes tritt, dann ist es eine selbstverständliche Forderung Deutschlands, daß wir auch die Möglichkeit haben, die Lasten so zu verteilen, wie sie unseren Schultern am bequemsten liegen.

Es gab eine Zeit, wo amtliche Kreise eigentlich allgemein annahmen, daß wir in Paris eine Erleichterung von mindestens einer halben Mil­liarde herausschlagen würden. Damals haben auch die ersten Bemühungen zur Regelung des innerfinanziellen Problems eingesetzt. Von zwei Seiten her: da war einmal das Reichs- arbeitsministerium, das sofort begann, einen neuen Wunschzettel auszuarbeiten und von den erst zu ersparenden 500 Millionen mindestens die Hälfte gleich zu neuen sozialpoliti­schen Ausgaben verpulvern wollte. Da war auf der anderen Seite das Finanzministerium, das an eine Umgruppierung unseres ganzen Steuerwesens heranging. Inzwischen hat Der Reichstag durch seine Sparaktion einen Strich durch die Rechnung der Finanzbureaukraten ge­macht. Herr Dr. P o p i tz, der Staatssekretär und der geistige Kops des Finanzministeriums, ging entrüstet auf Urlaub. Er ist jetzt wieder ^urückgekehrt und hat sofort eine Andeutung füllen lassen, daß mandie Einnahmeseite des Reichshaushaltsplanes einer Rachprüfung unterziehen müsse". Wenn wir ihn recht verstehen, dann heißt das, daß er die Pläne zur Steuererhöhung, die ihm jetzt kaputtge­gangen sind, im Herbst wieder aufnehmen will. Und dagegen kann gar nicht frühzeitig genug Einspruch erhoben werden.

Gewiß ist richtig, daß das von dem Reichstag eingeschlaaene Verfahren zu Bedenken Anlaß gibt, weil die Steuern wahrscheinlich die heraufgeschraub­ten Ansätze nicht erreichen werden. Ein Defizit ist also kaum zu vermeiden. Aber das darf dann nicht

durch Erhöhung der Einnahmen, sondern durch eine planmäßige Sen kung der Aus­gaben ausgeglichen werden. Wir müssen uns alle auch das Finanzministerium und das Ar­beitsministerium daran gewöhnen, daß mit so hoben Einnahmen, wie sie der Steueretat bisher aufwies, nicht gerechnet werden kann. Es muß also eingeschränkt werden und zwar auf der Aus­gabenseite. Das ist auch durchaus möglich, wenn wir nur rücksichtslos entschlossen sind, zu der Sparpolitik zurückzukehren, die in den ersten Jah­ren nach der Inflation bei uns in Geltung war und leider viel zu früh von einer größenwahnsinni­gen Verschwendungssucht verdrängt wurde.

Der Verhandlungen gehen Wetter

Paris, 27. Mai. (WTB.) Die Havasagen- tut berichtet, daß der Meinungsaustausch von Delegation zu Delegation unter Den Sachverstän­digen der Gläubigermächte heute fortgesetzt wurde. Bis jetzt sei jedoch die Antwort des deut­schen Delegierten Dr. Schacht auf das Memo­randum der Alliierten nicht eingegangen. Hier­zu mutz wiederholt bemerkt werden, daß die alliierten Delegationen ein Memorandum der deutschen Delegation gar nicht erwarten können, da sie ausdrücklich darum gebeten haben, keine schriftliche Antwort zu geben, bevor man die Situation in Besprechungen von Dele­gation zu Delegation nicht geklärt habe. Das Manöver der Presse, die deutsche Delegation als in Verzug befindlich zu bezeichnen, mutz also entschieden zurückgewiesen werden. Wie wenig übrigens die Lage unter den Gläubiger­delegationen geklärt ist, darüber berichtet das Journal des Debats", Daß die amerikanische Delegation versuche, verschiedene Kombi­nationen auf neuer Grundlage zu ent­werfen. Zu diesem Zwecke habe Owen Poung Besprechungen mit den Mitgliedern der alliierten Delegationen gepflogen. Heute nachmittag stat­tete der Sekretär der französischen Delegation, Q u e s n a y, der deutschen Delegation einen Be­such ab. Hieraus ergibt sich, dah die Verhand­lungen über die Lösung des Zahlenproblems fortgesetzt werden. Die allgemeine Ansicht in Konferenzkreisen geht dahin, dah i m Laufe dieser Woche eine Entscheidung f al- l e n muh. Die Konferenz wird, falls eine Eini­gung zustande kommt, noch etwa acht Tage Zeit gebrauchen, um die Redaktionsarbeiten zum Abschluß zu bringen. So müssen noch der Annex für die Sachlieferungen, das D a n t ft a t u t und die Annexe über das, was durch das zu schaffende neue Abkommen außer Kraft gesetzt werden soll, in ihrer letzten Fassung festgelegt werden.

die Bestimmung, daß die bewaffneten Streit­kräfte aus waffenfähigen Männern bestehen sollten.

Derdeutschepavillonindarcelona

Der König bei der Eröffnung.

Barcelona, 27. Mai. (WB.) Heute erfolgte in Anwesenheit des Königs und der Infanten sowie Primos de Rivera, der Minister für öffentliche Arbeiten und für Wirt­schaft, sowie der Stadtbehörden die feierliche Er­öffnung des deutschen Pavillons auf der Welt­ausstellung. An dem Cröfsnungsakt nahmen der deutsche Botschafter G r a f v. Welzeck, der Ge- neralkommissar für die deutsche Ausstellung, Dr. v. Schnitzler, Ministerialdirektor Dr. Posse XL a. teil. Der in wenigen Tagen fertiggestellte Pavillon ist in modernem Stil gehalten und besteht aus Marmor, ©lagt und Bronze. Dr. v. Schnitzler hielt die Eröffnungsrede, in der er mit Bedauern feststellte, daß die gegenwärtige schwierige Wirtschaftslage Deutsch­lands die Beschickung mit Ausfuhrartikeln nur in beschränktem Umfange ermöglicht habe. Er wies darauf hin, daß der Pavillon in feiner klaren Einfachheit das Symbol eines Lan­des sei, das alles verwerfe, was überladen und dunkel sei. Der König dankte für die deutsche Beteiligung an der Ausstellung und lobte die Bemühungen für die Herstellung des Pavillons, bei der deutsche und spanische Handwerker brüder­lich xufammengearbeitet hätten. Darauf besichtig­ten Der König und seine Begleiter die einzelnen Abteilungen der deutschen Ausstellungsräume. Am Schluß der Besichtigung wurden der Königin und den Prinzessinnen von der deutschen Ausstel- lungslcitung synthetische Edelsteine überreicht. Der Reichspräsident hat dem König für feine Teilnahme an der Eröffnung der deutschen Ab­teilung auf der Internationalen Ausstellung in Barcelona telegraphisch seinen Dank ausge­sprochen und die herzlichsten Wünsche für einen vollen Erfolg der Ausstellung übermittelt.

Aus dem Gesehgebungsausschuß des Hessischen Landtages.

Darmstadt, 27. Mai. Im Gesehgebungs- ausschuh wurde ein älterer Antrag des Abgeord­neten Dr. Best und Genossen (DRP.) durch die Antwort der Regierung einstimmig für erledigt erklärt. In dem Antrag war eine ver­mehrte Ausschüttung der Auswertungsmasse für die Pfandbriefe der Hessischen Landeshypotheken- bant zugunsten der Pfandbriefgläubiger verlangt worden. Rach Erledigung einer Reihe von Eingaben entspann sich eine längere Auseinander­setzung über eine Eingabe des Amtsgerichtsrates Landmann und Genossen auf Abänderung des Reichsgesetzes über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen. In der Eingabe wird gefordert, eine zwangsmähige Haftpflicht­versicherung für alle Kraftfahrer einzuführen. Im Ausschuß wurde lebhaft Klage geführt über eine allgemeine Zunahme der Derkehrsunfälle durch zu rasches Fahren. Die Regierung wurde ersucht, für eine schärfere Handhabung der Kraftverkehrsgesehe durch die Polizeiorgane einzutreten, damit Derkehrsunfälle in dieser Rich­tung möglichst verhindert würden. In der Aus­sprache wurde auch die Frage angeschnitten, ob nicht eine Haftpflichtversicherung für Radfahrer angebracht sei in Verbindung mit der Wiedereinführung der Rummern- sch i l d e r für Radfahrer. Die Eingabe wurde der Regierung zur Berücksichtigung über­wiesen mit der Empfehlung, sich im Reichsrat für eine möglichst baldige Regelung der Frage der zwangsmähigen Haftpflichtversicherung für Kraftfahrer einzusetzen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichsminister des Innern hat die Einberu­fung der durch die Länderkonfercnz einge­setzten Unterausschüsse für die Verfassungs­und Derwaltungsreform für den 5. und 6. Juli 1929 in Aussicht genommen.

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Reichsernährungsminister Dietrich hat dem Reichskabinett in zollpolitischer Hinsicht eine Reihe von Vorschlägen unterbreitet, über die innerhalb der Reichsreaierung noch beraten wird. Entschei­dendste Aufgabe im gegenwärtigen Augenblick ist die Hebung der Viehpreise. Eine Reihe von Maßnahmen dazu ist in Vorbereitung. So liegt u. a. ein Gesetzentwurf über die Seegrenzschlacht­höfe vor, die unter einheitliche Verwaltung gestellt werden sollen Im Hinblick auf das Brotgetreide hat Reichsernährungsminister Dietrich einen Vorschlag für eine Ausgleicysgebiihr für Weizen gemacht.

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In Bukarest findet in der Zeit vom 7. bis 10. Juni der 14. Internationale Land- wirtschaftskongretz statt. Die Reichsregie­rung wird dabei durch den zuständigen Minister für Ernährung Lind Landwirtschaft Dietrich vertreten sein. Die deutsche Landwirtschaft ent» sendet eine ihrer Bedeutung entsprechende Dele- gation, die aus maßgebenden Vertretern aller beteiligten Kreise zusammengesetzt ist und unter Führung des Reichsministers a.D. Ä:. Hermes steht.

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Der Reichsarbeitsminister hat die am 17. April zwischen dem Deutschen Bankbeamtenverein und Dem Reichsverband der Bankleitungen abgeschlossene Gehaltsvereinbarung sowie die Verlängerung des Reichstarifes bis zum 31. Dezember 1930 für allge­mein verbindlich erklärt.

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Am Sonntag brachten die in Rom an­sässigen deutschen Katholiken dem Papst eine Huldigung zu feinem 50jährigen Prie- sterjubiläum dar. Den Hauptakt bildete ein Pontifikalamt in der deutschen Kirche in Santa Maria del Anima in Gegenwart der beim Vati­kan beglaubigten Vertreter der diplomatischen Missionen. Darauf fand im Vatikan die Audienz beim Papst statt. Der Papst, der von feinem Hofstaat begleitet war, reichte ieitem der 1200 Deutschen die Hand und hielt von seinem Thron aus an die Gratulanten eine Ansprache.

Aus aller Welt.

Ein Kompliment für denGras Zeppelin".

Der stellvertretende Kabinettschef des französi­schen Luftfahrtministeriums, Kahn, der den Rückflug desGraf Zeppelin" von Cuers nach Friedrichshafen mitgemacht hat, schilderte einem Vertreter desParis Soir" gegenüber seine Ein­drücke. Wir haben, so erklärte er, seit 8 Uhr abends, also der Stunde, in der wir in Cuers abgefahren sind, nicht eine einzige Minute ver­loren. Wir haben festliche Stunden genossen. Die meiste Zeit verbrachten wir im großen Sa­lon, der den Vergleich mit den Salons der größ­ten Lieberfeedampfer aufnehmen kann. Richts ist vernachlässigt worden, um Den Passagieren mög­lichst viel Komfort zu bieten. Kahn bezeichnete das Luftschiff als eines der vollkommen­sten Beförderungsmittel, und er würde an Bord des Zeppelin sogar eine Weltreise mit­machen. Heber die Aufnahme, die er und seine Begleiter in Deutschland gefunden Baben, äußert er sich sehr befriedigt. Einem Redakteur der ßibertd erklärte Kahn über die Rützlichkeit der Luftschiffe, das große Unglück für Deutschland sei, daß es nut tinen Zeppelin besitze. Gin ein­

ziges Luftschiff könne einen Unfall haben unfi vernichtet werden, dann spreche man nicht mehr davon. Wenn Deutschland aber mehrere Zep­peline hätte, bann würde feine Luftschiffahrt eine der stärksten der Welt fein.

Luftschuhversuch eines ostpreußischen Kraftwerks.

Auf Veranlassung des Ostpreuhischen Städte­tages wurde ein Versuch unternommen, durch Anwendung künstlichenRebels lebens­wichtige Anlagen gegen etwaige Flieger­angriffe zu schützen. Zum erstenmal in Deutsch­land wurde die industrielle Grohanlage einer der lebenswichtigen Betriebe Ostpreußens, d a S Wasserkraftwerk Friedland, daS die Hauptversorgung mit elektrischem Strom für die Provinz Ostpreußen darstellt, völlig einge­nebelt. Bei ziemlick ungünstiger Witterung begann kurz nach 14 Hhr, von der Befehlsstelle durch Signale geleitet, die Vernebelung, die in kurzer Zeit das Kraftwerk und feine Umgebung völlig den Blicken der Zuschauer entzog. Während des Versuches beobachteten drei Flugzeuge die Wirkung. Rach einer halben Stunde, nachdem etwa 1000 Liter Rebelstoff abgeblafen waren, wurde der Versuch beendet. Der Rebel verzog sich dann ziemlich schnell.

Mit dem Auto in einen Kinderfestzug.

Sn der Kinzigtalgemeinde llnterharmersbach fuhr ein Personenkraftwagen in einen Kin­derfestzug. Sechs Kinder wurden überfahren, eins war sofort tot, ein zweites ist feinen schweren Verletzungen erlegen. Die Verletzungen der vier anderen Kinder sind gleich­falls schwer. Der Fahrer war auf den Um­zug aufmerksam gemacht worden, hat aber anscheinend statt der Bremse den Gashebel getreten. Er soll angetrun­ken gewesen sein.

Familienschlacht in einem Werra-Ort.

In Widdershausen an der Werra führte am Sonntagabend eine feit langem zwischen zwei miteinander verschwägerten Familien Schäfer und E i tz e r t bestehende Fehde zu einem blutigen Zusammenstoß, der zu einer allgemeinen Schie­ßerei zwischen den Familienmitgliedern wurde und in einem Handgemenge mit Aex- ten, Mistgabeln usw. endete, an dem sich sämtliche Verwandte beteiligten und das ganze Dorf in Panik setzten. Im Verlauf der Schlägerei ist der Korbmacher Eitzert durch ein Mitglied der Familie Schäfer mit vier Schüssen getötet worden. Drei Söhne Gitzerts und ein an dem Kampfe unbeteiligter Schlosser sind teils durch Schüsse, teils durch eine Bombe, die aus einem Fenster des Schäferschen HauseS geschleudert wurde, erheblich verletzt worden.

Oie Wetterlage.

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Montag, d.27. Mai 1929, TaMs.

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# Schnee traupcin e Nebel "K <iewiiter.(§)windsliiie. «O-> st» leichter Ost £ massiger Südsüdwest Q stürmischer nordwesl Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie Deinen Stationen stenenden Zal> len geben die Temperatur an. Die Linien verbinden Orte mit gleichet© auf Heeresniveau umgerechneten Luitdruck

Wettervoraussage.

Der hohe Druck hat seinen Schwerpunkt mehr nach dem Nordmeer verlagert. Gleichzeitig lagert über der Ostsee eine flache Druckstörung, an Deren Rückseite etwas kühlere Luftmassen südwärts gelangen. Sie werden bei uns zunächst noch keine stärkere Tempe- ruluränDerung bringen, jedoch dürften sie zeitweise zu etwas Bewölkung führen, wobei Neigung zu lo­kalen Gewitterstörungen besteht.

Wettervoraussage fürMittwoch: Noch meist heiteres Wetter mit zeitweiser Bewölkung, wei­terhin sehr warm, aufkommende Gewitterneigung.

Wettervoraussage für Donnerstag! Wenig Aenderung dec Wetterlage.

Lufttemperaturen am 27. Mai: mittag- 26,6 Grad Celsius, abends 19,1 Grad: am 28. Mai: morgens 17,6 Grad. Maximum 28,3 Grad. Minimum 12,4 Grad.

Sonnenscheindauer 13l/s Stunden.

Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 27. Mai abends 28,1 Grad, am 28. Mai mor­gens 19,4 Grad Celsius.

Amtlicher Reisewetterdienfl der öffentlichen Wetterdienststelle Gießen.

Bayern (Garmisch-Partenkirchen): Gestern warmer lag und meist heiter, 15 Grad, Windstille, heute heiter. (Berchtesgaden): Gestern warmer Tag, meist heiter,15 Grad, Südwinde, heute heiter.

Küste (Westerland a. Sylt): Gestern warmer Tag, meist heiter, 15 Grad, Nordwestwind, heute beiter. (Swinemünde): Der Jahreszeit angemes­sene Temperatur, gestern teils heiteres, teils wol­kiges Wetter, 14 Grad, Westwind, heute Nebel. (Borkum): Gestern warmer Tag und meist heiter, 14 Grad, Nordwestwind, heute heiter.

Baden (Baden-Baden): Gestern warmer Tag, teils wolkig, teils heiter, 17 Grad, Ostwind: heute bedeckt. (Freiburg): Gestern schwül und meist trübe, 17 Grad, Nordwind: heute bedeckt.

Rheingebiet (Köln): Gestern heißer Tag und meist heiter, 21 Grad, Ostwind: heute heiter.