Ausgabe 
28.5.1929
 
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Kr. 122 Erster Blatt

179. Jahrgang

Dienstag, 28. Mal 1929

Giehener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

Druck und Verlag: vrühl'fche Univerfitäts Buch- und Steindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftrftelle: Schulftratze 7.

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für bett Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.

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Das Problem von morgen.

Wie alles, was im politischen Leben als Zu­fall erscheint, sich bei näherer Betrachtung als die Eingebung eines bald bewußt, bald unbewußt wirksamen Zeitgeistes erscheint, so ist auch die Häufung von Auseinandersetzungen über das Verhältnis zwischen Ration und Menschheit zeitbedingt, die wir gerade im Augenblick an den verschiedensten Stellen wie­der beobachten. Da hat Herriot in Zürich über die deutsch-französische Verständigung ge­sprochen. Reichsverkehrsminister Dr. Sieger* Wald in Eltville über die Befriedigung Euro­pas und die innere Politik des Reiches. Lobe auf dem sozialdemokratischen Parteitag in Mag­deburg über das Thema: Ration und Völker­gemeinschaft, und nach ihm sind ausländische So­zialisten, darunter ein Oesterreicher für den An­schluß. ein Franzose für Abrüstung und Ver­ständigung zu Wort gekommen; da haben in Madrid die Teilnehmer an der Weltverbands­tagung der Völkerbundsligen den gleichen Gedankenkomplex erörtert, der deutsche Reichs­tagsabgeordnete Professor Schreiber eindrucks­voll die deutsche Minderheitenpolitik gegen eine im übrigen konziliante polnische Rede als einen Faktor der Völkerversöhnung verteidigt: kurz, die Liste der öffentlichen Betrachtungen zu die­sem Thema zeigt eine immer steigende Reihe guter Ramen und verständiger Ausführungen.

Das alles in einem Augenblick, wo man doch an­scheinend um ein Kernproblem der Völkerver­söhnung, um die Reparationsfrage in hei­ßem Ringen liegt und sich in der Presse nicht immer Liebenswürdigkeiten sagt, wo auch das Ergebnis mindestens noch recht zweifelhaft scheint. Woher kommt es, daß sich die Vorkämpfer einer Verstän­digung, darunter eine ganze Reihe durchaus real­politisch eingestellter Staatsmänner, denen man wirk­lich keine utopistische Auffassung zutrauen darf, g e - rade jetzt mit einer Zuversicht hervorwagen, die im Widerspruch mit den Tatsachen zu stehen scheint? Mit dem fast völligen Versagen dreijähriger Ab­rüstungsbemühungen, dem steigenden Protektionis- mutz trotz der wirksamen Anempfehlungen der Weltwirtschaftskonferenz, dem Egoismus fast aller Gläubigernationen gegenüber der notwendigen Zu­rückführung der Kriegsschulden auf ein tragbares Maß? Wir glauben, daß die Ursache dieses Phä­nomens eine psychologische ist. Die Erkennt­nis von einem tieferen Willen der Völker selbst zur Verständigung, zur Kriegsverhütung, zum Abbau militaristischer Tendenzen und zur gegenseitigen Er­kenntnis und engeren Fühlungnahme.

Das Auftauchen und sichtbare Stärkerwerden dieser Strömungen in den Massen des Volkes in jedem Lande ist vielleicht durch die Gedenk­tage mitbedingt, die gerade in dieser Zeit sich gleichfalls häufen. Durch die Erinnerung an die vor zehn Zähren erzwungenen und in ihren Folgen verhängnisvollen Pariser Friedensver­träge, durch das Ausscheiden der großen mili­tärischen Akteure der Welttragödie, der Mar­schälle Foch, Wilson usw. Lind durch Ereignisse, die ein humanitäres Zusammengehörigkeitsgefühl erstarken ließen, wie die französische Hilfeleistung und Gastfreundschaft gegenüber demGraf Zep­pelin". wie die verschiedenen Ozeanflüge, sport­lichen und künstlerischen Gemeinsamkeitsveranstal­tungen der letzten Zeit. Die Volksmassen verleihen solchen Empfindungen nur schwer und selten einen plastischen und politischen Ausdruck. Aber der wirkliche Politiker weiß sie aufzu­spüren und rechtzeitig in seine Rechnung einzu­stellen. ilnö das sog. F ü h r e r p r i nz i p, das in extremen Kreisen als eine Art Recht zur Vergewaltigung der Meinung und der Inter­essen breiter Volksteile mißverstanden wird, ist in Wirklichkeit der Ausdruck für die Befähigung, solche bewußten oder unbewußten Willensströ­mungen der Völker frühzeitig genug wahrzu­nehmen, zu berücksichtigen und zu einer Synthese zwischen nationalen Interessen und Auftreten der Staatsautorität nach außen zu verarbeiten. Der große Erfolg, den z.D. Mussolini gehabt hat, beruht nicht darauf, daß er sein Volk unter das Joch einer Diktatur geführt hätte, die ihm wesensfremde Leistungen aufgezwungen hätte, sondern umgekehrt in der richtigen Erkenntnis solcher unbewußten Willensströmungen.

Die fliegende Reichspost.

Die ersten Postfluglinieu. - Weitere Pläne in Vorbereitung.

Berlin, 28. Mai. (Priv.^Lel.) Die vor we­nigen Wochen vom Reichspostminister in einer Sitzung des Derwaltungsrates teilweise auf Grund einer Anregung des Reichsverbandes der deutschen Luftfahrtindustrie gemachten Ausfüh­rungen über die Flugpläne der Reichspost sind in einem gewissen Umfange schon heute ver­wirk l i ch t. Seit kurzem wird bereits em Reichspostflug in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Luft-Hansa als Rachtverbindung zwi­schen Berlin und London und zurück betrieben. Da auf Grund gegebener Umstande diese Linie innerhalb weniger Tage vorbereitet und in Gang gesetzt werden muhte, konnte die eigentlich für dieses Unternehmen notwendige Propaganda von der Reichspost leider nicht m vollem Umfange bisher durchgeführt werden. Wie wir hören, wird am 1. Juni eine dtoeite Luftpostlinie eingeführt werden, die Deutschland mit Schweden verbindet. Da die nordischen Staaten untereinander für den Juni versuchs­weise eine gemeinsame Kombination getroffen haben, hat man für diesen Monat von ^n ur­sprünglichen Plan, nach dem an den Berliner Rachtschnellzug anschließend eine Flugverbindung

Der sozialdemokratische Parteitag.

OieKoalitionöfrage.Oiezweitepanzerkreuzerraie.Sollmann gegen dreKritiker

Magdeburg. 27. Mai. (WB.) Auf dem Sozialdemokratischen Parteitag erstattete den Be­richt des Parteivorstandes das Vorstandsmit­glied Vogel, der u. a. ausführte: Der Ein­tritt in die Regierung erfolgte in der denkbar ungünstigsten Zeit. Das erste Jahr Re­gierungstätigkeit war gewiß nicht geeignet, Be­geisterung für die Beteiligung der Partei an der Regierung auszulösen. Es gibt aber nur zwei Möglichkeiten: eine rein bürgerliche Re­gierung oder eine Regierung, in der die Sozial­demokraten möglichst stark vertreten sind. Der Klassenkampfcharakter der Partei kann durch das Zusammengehen mit den bürgerlichen Parteien nicht beeinträchtigt werden. Es kommt allein darauf an, diesen Kampf konkret auf die Ziele zu stellen. Für die Reichstagsfraktion liegt in der Panzerkreuzerfrage bereits eine klare Entscheidung vor. Sie wird auch die zweite Rate ablehnen. Wie aber sollen sich unsere Minister verhalten, nachdem sich auch im neuen Reichstag eine Mehrheit für den Weiterbau des Panzerkreuzers gefunden hat? Würde man sie zwingen, mit der Fraktion zu stimmen, so würde das ein Ausscheiden unserer Minister aus der Regierung bedeuten. Eine neue Dauerkrise mit allen ihren Auswirkungen wäre die Folge. Der Parteivorstand beantragt des­halb, alle Anträge, die sich mit dem Panzerkreu­zer beschäftigen, abzulehnen.

Aba. Conrad Ludwig berichtete über die Kassen­verhältnisse. An Vertretern im Reichstag, in den Landesparlamenten, Prooinziallandtagen, Kreis, tagen, Stadt- und Gemeindeparlamenten zählt die Partei insgesamt 44 OOO, ferner 889 Bürgermeister, 897 Gemeindevorsteher und 520 Stadträte. Die Bareinnahmen aller Bezirke betrugen 10,5 Millionen, wovon 7 Millionen auf Mitgliedsbeiträge entfallen. Rach Erledigung der Berichterstattungen des Parteioorstandes begann die Aussprache. Zur Panzerkreuzerfrage ist von den Abg. Künstler und Lietke ein neuer Antrag eingegangen, der fordert, daß auch die sozialdemokrati.

ch e n M i n i st e r die zweite Rate für den Panzer­kreuzer abzulehnen und sich der Fraktions­disziplin zu fügen haben. Für diesen Antrag wird gleichzeitig namentliche Abstimmung verlangt.

Die Aussprache eröffnete Mecker (Altenburg), ein Vertreter der Jugend, der eine außerordentlich temperamentvolle Anariffsrede hielt, die erheblichen Beifall fand. Auch Wendt (Berlin) kritisierte die Koalitionspolitik. Sehr temperamentvoll referierte sodann der Verleger desKlassenkampf", Seide- w i tz. Er betonte ebenso wie der Vorredner, daß der Opposition jede Spaltungsabsicht fernliege und wandte sich g e g e n d i e K 0 a l i t i 0 n, an der heute wohl niemand mehr Freude habe, die viele im Jahre 1928 hatten.

Eckstein begründete einen zusammen mit dem Abgeordneten Fleihner neu eingebrachten An­trag, in dem die Zurückziehung der so­zialdemokratischen Mini st er verlangt wird. Abgeordneter Sollmann setzte sich für die offizielle Parteipolitik ein. Er erklärte, man dürfe nicht den Fraktionsvorsihenden Müller mit dem Reichskanzler Müller verwechseln. Der Reichstag habe dem Minister den Auftrag er­teilt, den Panzerkreuzer zu bauen. Man dürfe nicht vergessen, daß man das Vertrauen zur Partei auch erschüttern könne durch verant­wortungslose Kritik. Den größten Teil seiner Ausführungen widmete der Redner der Duld­samkeit innerhalb der Partei. Wie könne eine ökonomisch-politische Partei den Atheismus ver­langen? Wir wollen den Sozialismus, und die­ser ist in erster Linie ein Problem der Produk­tion und der Organisation. In vielen kirchlichen Kreisen gibt es bereits Sozialisten, ja es gibt sogar katholische Priester, die aus ihrer katho­lischen Weltanfchauung heraus den Klassenkampf bejahen. Hüten wir uns, sagte Sollmann, als politische Partei einseitig zu werden; hüten wir uns auch vor geistiger Erstarrung. Die neue Wissenschaft hat heute ein ganz anderes Ge­sicht als vor 40 Jahren.

Die Wahlen in Belgien.

Das Maiende bringt in kurzer Folge zwei Wahlen in europäischen Ländern, die für die internationale Politik von entscheidender Bedeu­tung sein können: am Sonntag hat Belgien neu gewählt und am Donnerstag folgt Eng­land. In Belgien hat sich, um das vorwegzu­nehmen, nicht allzuviel geändert. Dafür ist durch das komplizierte Wahlsystem, das ebenso wie das deutsche auf der Verhältniswahl aufgebaut ist, ge­sorgt, das noch durch Verleihung des Stimm­rechtes an bestimmte, während des Krieges be­nachteiligte Frauengruppen nicht aber an die Frau im allgemeinen in nationalistischem Sinne korrigiert wird.

Jedenfalls ist nicht daran zu denken, daß etwa die katholisch-liberale Regierungskoalition, die seit Ende 1927 am Ruder ist, ihre Mehrheit verlieren wird. Ausschlaggebend dafür sind nur die Kam­merwahlen, da der Senat nur zum Teil auf direk­tem Wege gewählt wird. In der Kammer haben die Liberalen die ihren Ramen mit Un­recht tragen, tatsächlich sind sie ausgesprochene Chauvinisten seit 1921 einen dauernden Stimm­rückgang gehabt, bei den letzten Rachwahlen ver­loren sie ungefähr zehn Mandate, so daß sie auf 23 Sitze zurückgingen, während die Katho­liken und die Sozialdemokraten über je 78 Stimmen verfügten. Die übrigen Parteien, die Kommunisten mit zwei Sitzen, und die f l ä - misch-aktivistische Frontpartei mit sechs Sitzen spielten dagegen keine Rolle.

Man versuchte zunächst, das Experiment einer dreieckigen Regierung aus den drei großen Par­teien, das aber nicht lange vorhielt. Es über­dauerte mit einem Personenwechsel die Zeit der Frankenstabilisierung, dann jedoch zogen sich die Sozialdemokraten zurück, und die Liberal-Chauvi- nisten blieben mit der Katholischen Partei allein. Ihre Mehrheit von 78 plus 23 gegen zusammen 88 Stimmen war mehr als ausreichend. Aller­drings brauchten die beiden Regierungsparteien nur zusammen acht Stimmen zu verlieren, um in die Minderheit zu kommen. Das ist nicht geschehen. Was die Katholiken verloren haben, eroberten die Liberalen, die zum erstenmal Spuren eines Wiederaufstieges zeigen, zurück. Auch die Sozialdemokraten haben Haare lassen müssen zugunsten der Flamen, die einen über­raschenden Erfolg aufwiesen und der belgischen Regierung eine schwere Ruß zu knacken aufgeben werden.

Richt vergessen werden soll der Erfolg der heimatrechtlichen Dolkspartei in Eupen-Mai­rn e d y, die hier fast die Hälfte aller ab­

gegebenen Stimmen auf sich vereinte. Wenn es nicht noch mehr wurden, so ist das auf die Sozialdemokraten zurückzuführen, die ihre Wähler nur dadurch bei der Stange hielten, daß sie dem Programm der Heimatrechtler weitgehende Zu­geständnisse machten. Rebenbei aber scheinen hier auch noch Schiebungen vorgekommen zu sein. Je­denfalls ist und das bleibt für Deutschland das Wichtigste der Beweis erbracht, daß die Mehrheit der Bevölkerung von Eupen-Mal- medh sich in Belgien nicht zu Hause fühlt und nach Deutschland zurückmöchte. Diese Abstimmung wird diplomatisch wohl in den Verhandlungen der nächsten Jahre noch eine große Rolle spielen.

Die liberal-katholische Mehrheit bleibt.

Brüssel, 27. Mai. (MB.) Wie die Zeitungen melden, stellt sich unter Vorbehalt der durch die Wahlbündnisse verursachten möglichen veberraschun- gen das Verhältnis der Parteien in der neuen Kammer ungefähr wie folgt dar: Die L i - beraten gewinnen 8 Sitze und verlieren 2; die gewonnenen Sitze sollen Verviers, Thuin, Rivelles, Brüssel, Ostende, Tongern und Arlon fein, die ver­lorenen Dinant und Brügge. Die Katholiken gewinnen einen Sih (Lharleroi) und verlieren 4 (2 in Tongern und je einen in Verviers und Off­en be). Die Sojialiffen verlieren fünf Sitze (Verviers, Lharleroi, Thuin, Rivelles und Arlon). Die 3 r 0 n f i ft e n (Flämische Aktivisten) sollen drei Sitze gewinnen, einen in Limburg, einen in West- und einen in Ostflandern, wegen ihrer Tei­lung in Trotzkisten und Stalinisten werden die fiommuniften, die sonst im großen und ganzen ihre Stellung behaupten und sogar einige Stimmen gewonnen haben, ihre beiden Sitze verlieren. Der autonomiftifdje Kandidat in den Krei­sen Lupen und Malmedy ist nicht gewählt worden. Ward herremanns, der in die Angelegen­heit der Utrechter Dotumenfenfälfungen verwickelt war, ist in Mecheln auf der Liste der Frontislen ge­wählt worden. Den in Lüttich den Kommunisten von den Sozialisten abgenommenen Sih wird die Schwe­ster eines sozialistischen Abgeordneten einnehmen, die als erste Frau in die Abgeordnetenkammer eintreten wird.

von Stralsund nach Stockholm gehen sollte, ab­gesehen und sich dem provisorischen Strecken­netz der nordischen Staaten eingefügt. Von S tockholm und Oslo werden über Malmö nach Berlin undHamburg Reichspostflug­zeuge mitfliegen, bis dann im Juli die Verbin­dung Stralsund Stockholm aufgenom­men wird. Bei diesen Reichspoftflügen erhält die Luft-Hansa für ihre der Post zur Verfügung gestellten Maschinen das Recht, mit eigener Fracht die Tragfähigkeit, wenn sie nicht voll ausgenutzt ist, zu ergänzen. Die Flugzeiten der Londoner

Verbindung sollen im kommenden Jahre noch wesentlich verbessert werden. Rach der RücKehr des Reichspostministers, der zur Zeit nicht in Berlin weilt, werden die Verhandlungen über die Reichspostflüge weitergeführt werden, wobei vor allem das Projekt einer Verbindung mit Kon­stantinopel, das allerdings mancherlei Schwierigkeiten mit sich bringt, im Vordergründe steht. Irn wesentlichen ist man sich darüber klar, daß überhaupt nur Derb indungen mit dem Ausland für die Reichspost rentabel sein können.

Psychose der Gruppenherrschafi.

In einer Unterredung mit Pressevertretern! hat der Reichsauhenminister Dr. Stresemann ein beherzigenswertes Wort geprägt: man solle doch endlich aufhören, jeden Menschen, der irgendwie in der Oeffentlichkeit auftritt, als den Ex­ponenten einer Gruppe anzusehen und ihm nur die Vertretung solcher Gruppeninter­essen zu unterstellen; es gebe noch immer, auch bei uns, Leute genug, die als Persönlich­keit eine eigene Meinung hätten und ihre Entschlüsse auf Grund ihrer eigenen Mei­nung faßten. Dieses Wort bezog sich auf die von einem Berliner Blatte ausgestellte Behaup­tung, daß Dr. Bögler fein Amt als Sachverstän­diger unter dem Drucke einer bestimmten Gruppe der Schwerindustrie niedergelegt habe.

In der Tat braucht man sich bloß umzusehen, um täglich wahrzunehmen, wieviel politische Maß­nahmen und Entschlüsse ohne oder gar gegen das Interesse bestimmter Gruppen oder Parteien gefaßt werden, denen die Männer angehören, die sie zu fassen haben. Der derzeitige Reichsernährungs- Minister Hermann Dietrich ist seit langen Jahren ein führendes Mitglied der Demokratischen Partei. In dieser Eigenschaft und entsprechend dem Partei­programm müßte er also ausgesprochen freihändle­rische Tendenzen verfolgen, den Gedanken eines Agrarschutzes bekämpfen und die Theorie über die Praxis siegen lassen. Faktisch tut er das Gegenteil. Ohne Preisgabe seiner grundsätzlichen Ueberzeugun- gen proklamiert er für die notleidende Landwirt­schaft, wenn auch nur zeitweilige und im Interesse des Volksganzen angewandte Schutzmaßnahmen, so­gar Zölle. Der Reichsbankpräsident Dr. Schacht entstammt jener Region der Großbanken, die angeb. lief) eine Reihe international verbundener Kapital­kräfte zur Ausbeutung der übrigen Menschheit um» faßt. Als Reichsbankpräsident bekommt er, wenn auch ein gutes, so doch sicher ein viel niedrigeres Gehalt als das, dessen er sich als Geschäftsinhaber der Darmstädter und Nationalbank erfreute. Und seit über drei Monaten liegt er in einem schweren, nervenaufreibenden Kampfe mit eben jenen Kräften der internationalen Hochfinanz, der er gruppenrnäßig eigentlich angehören müßte, um Erleichterungen der deutschen Reparationslast zu erlangen.

Die Beispiele ließen sich vervielfältigen. Wir sehen, in Deutschland, wie in Rußland, Gene­räle, die den Pazifismus und die Abrüstung predigen, trotzdem sie gruppenmäßig für das Gegenteil eintreten müßten, wir finden Großindustrielle, die unmittelbar persönlich unb als Angehörige einer Gruppe von der Be­lastung der Völker durch protektionistische Maß­nahmen profitieren, als Vorkämpfer für die Rie­derlegung aller Wirtschaftsschranken. Cs ist also in der Tat i ch t so, daß immer und überall die Gruppe in Ausschlag gibt, der ein Mann angehört. Lind wenn man auch nicht von jedem erwarten und verlangen kann, daß er gegen die Interessen einer Gemeinschaft operieren sollte, der er angehört, so wird man doch meist gut tun, sich wenigstens bei Persönlichkeiten von Rang zu fragen, inwieweit sie wohl von ihrem eigenen Gewissen, ihren eigenen Lieber­zeugungen zu dieser oder jener Entschließung gelangt find, bevor man das übliche Klischee anwendet, zu behaupten, sie handelten im Auf­trage und als Exponenten dieser oder jener Gruppe. Das öffentliche Geben würde dadurch zweifellos an Sauberkeit gewin­nen und das Volk würde in manchen feiner viel­geschmähten Führer die Qualitäten erkennen, die uns angeblich so allgemein fehlen: die Selbst- verantwortlichkeit, den Altruismus, die Hinwen­dung auf das Gemeinwohl an Stelle auf daS eigene oder das Wohl derjenigen Gruppe, der man irgendwie verbunden oder verpflichtet ist. Es ist eine ArtPsychose der Gruppen", die bet uns die Führerauslese beeinträchtigt, obwohl ge­rade in unserer jungen Demokratie diese Auf­gabe eine der wichtigsten und unerläßlichsten ist. Die angebliche Aebenregierung.

Richtigstellungen Stresemanns zum Rücktritt Böglers

Berlin, 27. Mai. (TU.) Vor Vertretern der Presse äußerte sich R e i ch s a u ß e n rn i n i st e r Dr. Stresemann über die verschiedenen Angriffe, die in letzter Zeit sowohl gegen ihn als auch gegen das Auswärtige Amt im Zusammenhang mit Der Pariser Konferenz in der deutschen Oeffentlichkeit er- hoben worden waren. U. a. war auch das Dementi des Auswärtigen Amtes bezüglich der Pariser Reise Herrn von Kühlmanns angezweifelt worden. Der Reichsaußenminister betonte erneut, daß weder er noch irgend ein Beamter des Auswär­tigen Amtes Herrn 0. Kühlmann zu dieser Reise veranlaßt habe, noch ihn mit irgendeiner Mission betraut habe. Eingehend äußerte sich der Reichs­außenminister dann zu dem Vorwurf einer sog. Nebenregierung, die aus ihm, Reichs­finanzminister Dr. H i l f e r d i n g und dem Chef- rebatteur derVossischen Zeitung", Georg Bern­hard, gebildet worden sei und die nach dem Rück­tritt Böglers eine Kampagne aufgezogen habe, um den Rücktritt Böglers als das Ergebnis eines Druckes der Schwerindustrie hinzustellen. Die An­sicht des Reichsaußenrninisters geht dahin, daß Dr. Bögler schon dem sog. Youngplan mit den aller- Größten Bedenken hatte zustimmen können, vorausge­setzt, daß die deutschen Vorbehalte angenom­men würden. Die Behauptung von irgendeinem Druck der Schwerindustrie seien nicht nur falsch, sondern nach innen und außen hin auch sehr bedenklich, ebenso bedenklich wie die Tat- fache, als der Eindruck erweckt worden sei, daß nun auch Geheimrat K ast l als geschäftsführendLs Mit-