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bezahlen müssen, um in den Besitz eines beschei­denen Eigenheims zu gelangen, ist allgemein be­kannt. Daß aber der Hauswirt seinem treuen Mieter Abstand bezahlt, nur um ihn loszu­werden. dürfte zu den Seltenheiten gehören. Es handelt sich um einen mehrfachen Hausbesitzer der österreichischen Hauptstadt, der Las immer­hin recht zweifelhafte Vergnügen hatte, einen lyrischen Dichter zu seinen Mietern zu rechnen. Lyrische Dichter sind nun einmal mit gut bürger­lichen Tugenden meist nicht übermäßig belastet, und so kam c5. daß der wackere Pcgasusrciter ostentativ vergaß, seine Miete zu bezahlen. Der Wirt war ein ausgesprochener Menschen- und Litcraturfreund: dementsprechend wartete er volle sechs Monate. Erst dann schielte er die erste Mahnung. Vach weiteren drei Monaten die zweite, und als auch diese nichts half, rückte er dem unverbesserlichen Bohemien persönlich auf die Bude. Vicht etwa, um die Miete abzuheben er war schließlich kein Phantast. 2m Gegen­teil: ein reell denkender Mensch, der den Dichter mit einem großzügigen Vorschlag überraschte. 2ch erlasse Ihnen die rückständige Miete von neun Monaten, verehrter Meister," sagte der Literaturfrcund und mehrfache Hausbesitzer, ..wenn Sie die Wohnung räumen!"Wo soll ich denn hin, ich habe doch kein Geld", jammerte sicherheitshalber der Lyriker.Ziehen Sie zu­nächst in ein Hotel, ich bin bereit, Ihre Hotel­rechnung zu zahlen, bis Sie eine andere Woh­nung gesunden haben," beruhigte ihn die Perle von einem Wirt. So geschah es denn auch. Vach etwa einer Woche teilte der dankbare Dich­ter seinem Gönner brieflich mit, daß er die Zah­lungen einstellen könne, da er durch Zufall eine passende Wohnung gefunden habe.Er ist doch ein anständiger Kerl," dachte sich der Hausherr a. D. und freute sich, seineRechnung" mit dem Literaten endlich beglichen zu haben. Am näch­sten Morgen bekam er sodann ein Schreiben von seinem Verwalter mit der erfreulichen Mittei­lung, daß es ihm endlich gelungen sei, die seit Monaten leer stehende Villa seines Dienstherrn zu vermieten. Der Pachter sei ein überaus fei­ner Herr: der bekannte Dichter X!

Der Hausbesitzer ist kein Literaturfreund mehr. Der Dichter T. war nämlich mit seinem mit Mühe und Vot an die Luft gesetzten Mieter identisch! . . .

Bom Lalonlöwcn zum Einsiedler.

(f) London.

Vor etwa 20 Jahren glänzte in der Londoner guten Gesellschaft ein junger Gelehrter, dem der Ruf eines der gescheitesten wissenschaftlichen Köpfe der Vereinigten Königreiche voraufging. Außer seiner gelehrten Begabung machten ihn ein aus­gesprochenes musikalisches Talent und ein tadel­loses Auftreten au einem der bevorzugtesten Gäste in jeder Gesellschaft. Und schließlich war er auch, und das fällt an der Themse noch am meisten ins Gewicht, einer der bestangezogenen jungen Männer der britischen Hauptstadt.

Vor kurzem ist dieser ehemalige Salonlöwe als Besitzer einer kleinen, armsellgen Apotheke irgendwo in Vord-Kensington gestorben. In voll­kommener Vereinsamung. Denn obwohl Edwin IoneS, so hieß diese eigenartige Perfön- lichkeit ein Freund und Wohltäter der Armen war und die Liebe und Verehrung aller kleinen Leute seiner Vachbarschaft besaß, schloß er sich völlig von der Well ab, insbesondere von der Well, deren Stotz und Zierat er früher selbst gewesen war. Viemand durfte ihn besuchen, selbst kein dienstbarer Geist wurde in die kleine Stube über der Apotheke eingelassen, wo Jones unter moderndem Gerümpel und schimmligem Mobiliar hauste. Ebenso vernachlässigt sah der Bewohner selbst aus.

Was hat den Salonlöwen zu dieser Jammer­gestalt gemacht? Ein so gewöhnlicher und all­täglicher Vorfall, daß man diese Wandlung nicht zu begreifen vermag. Der seinerzell von allen Damen vergötterte junge Gelehrte verliebte sich eines Tages Knall und Fall in ein hübsches Mädchen. Seine Veigung wurde beantwortet und der Hochzeitstag war bereits festgesetzt, da sah Jones zufällig seine Verlobte in Dloomsburg auf der Straße in vertraulichem Gespräch mit einem fremden Manne. Auf der Stelle machte Jones kehrt und begab sich, in seinem Glauben an die Frauen zu tiefst erschüttert, sofort in die selbst- gewählle Einsamkeit. Das ist die sentimentale Geschichte von Edwin Jones, die zur Zell den englischen Zeitungslesern in tränenreicher Auf­machung serviert wird.

Lachs Naiarr»!

Roman von 3- Echneider-Foerstl.

Urbeberrechtsschutz Oskar Meister, Werdau i. Sa.

56 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Eine schwache Farbe stieg wieder in ihre Wangen.

Lassen Sie sich nicht mehr stören, Herr Dok­tor!" bat sie.Ich komme in einer halben Stunde ms Bellevue. Wenn Sie das Leopold bestellen wollten."

Er stand auf und bot ihr, als habe er die Worte gar nicht gehört, den Arm.Ich habe einen Wagen vorne an der Ecke stehen. Der Chauffeur wartet schon über Gebühr lange. Kommen Sie. bitte? Begleitest du uns noch das kurze Stück, Achims'

Hettingen erwiderte nur mit einem Ricken und schritt neben ihnen her.

Wo kann ich dich treffen?" fragte der Dollar noch einmal, als der Schlag des Autos zu- klappte und Joachim ihm d.e Hand noch in den Fond reichte.

Ich weiß nicht, Hans. Vielleicht bei Jankes oder wie du sonst bestimmst! Ich möchte dir gerne Briese nach Wien mitgeben!"

Gut, mein Lieber! Ich bringe Fräulein Richt- hosen ins Hotel. In einer Stunde hole ich dich dann beim Äommerjienrat ab. Dienst machst du heute kaum mehr?"

Vein!'.' (Sine Verneigung nach Maria hin, dann Lief das Auto die Allee entlang und bog gleich darauf um die Ecke.

Hettingen durchquerte, um etwas zur Ruhe zu kommen, ein paar Straßenzüge, ging nach dem Fluh hinunter und sah, seine Gedanken zu all- mähllcher Klarheit zwingend, dem Spiel der Wellen zu, die so eilig vorüberhetzten, als gäbe es kein Morgen und Uebermorgcn mehr für sie.

Er setzte sich auf eine Bank und blickt-?. weit zurückgelehnt, nach Le.n Stück blauen Himmels, das sich durch das Dlätterwerk der Bäume stahl,

Grausamkeit."

(aga) Los Angeles.

Richter Fleming vom kalifornischen Obergericht in Los Angeles hat ein Problem zu lösen. Er hat darüber zu entscheiden, ob es nach den im sonnigen Kalifornien gültigen Eheicheidungsge- setzen als Grausamkeit ausgeleft werden kann, wenn ein Ehemann darauf besteht, seiner Frau über die Länge oder Kürze ihrer Röcke Vor­schriften zu machen.

Frau Ruth D. Howland. die ihren Mamr Lee Howland aus Scheidung verklagt hat. führt unter anderenGrausamkeiten", die sich ihr Lee zuschulden Io atmen ließ, auch die an. daß er sie zwang, längere Röcke zu tragen, als die Mode es vorschreibt, und daß er sie dadurchzum Spott und Hohn ihrer Zeitgenossinnen" machte.

Er verlangt von mir, daß ich mir Kleider machen lasse, die bis auf die Fußknöchel reichen," sagte sie dem Richter.

Und Sie bestanden darauf, daß sie höchstens bis an die Knie gehen burften?" fragte Richter Fleming.

Allerdings, Euer Ehren, ganz wie die Mode das heutzutage gebietet."

Und das ist nach Ihrer Ansicht Grausam­keit?"

Frau Howland war ob dieser Frage einen Augenblick sprachlos, fand aber ihre Stimme rasch genug wieder, um dem hohen Gerichtshof ihren Standpunkt klarzumachen. Der Richter unterbrach die Belehrung mit der Bemerkung, er werde sich die Sache einige Tage überlegen.

Dem schlichten, in den Spitzfindigkeiten der Dechtsgeleh-rsamlell unbewanderten Bürgersmann, namentlich dem verheirateten, will es durchaus nicht in den Sinn, warum irgendein Mensch zur Entscheidung einer Frage dieser Art erst noch Bedenkzeit braucht, älnd Herr Fleming kann sich gratulieren, wenn fein Spruch den Erwartungen nicht nur der Frau Howland, sondern der ganzen weiblichen Bevölkerung Kaliforniens nicht ent­sprechen sollte.

Aus der pwVmzialhauptstaSi.

Gießen, den 28. Januar 1929.

Oer LandeskirchenLag der Evang. Landeskirche in Hessen.

Nachdem die Evang. Kirchenregierung am 21. Januar Universitäts-Professor D. Cordier (Gießen), Fürstin Elisabeth zu Erbach (Schönberg), Oberstudiendirektor Dr. Faber '(Friedberg), Arbeiterselretür Lauser (Sann- stadt), Privatdozent D. Matthes (Darmstadt) und Pfarrer D. Walter (Worms) zu Mit­gliedern des Landeskirchentages be­rufen hat, lassen sich die Stärkeverhält­nisse der vier Gruppen des am 29. Ja­nuar zu einer kurzen konstituiereirden Tagung in Darmstadt zusammentretenden Landeskirchentages nunmehr überschauen. Don den 63 Abgeordneten des kirchlichen Parlaments gehören 22 der Hessi­schen Evangelischen Vereinigung (Friedberger Konferenz), 21 der Positiven Vereinigung, 16 der Freien Volks kirchlichen Vereinigung, einer dem Bund für lebendige Kirche in Hessen an. Ober- Hessen entsendet in diese Körperschaft die geist­lichen Abgeordneten Pfarrer Lenz (Gießen), Dekan Schlösser (Lauterbach), Dekan S c r i b a (Ridda), Dekan Vogel (Bruchenbrücken). Pfarrer D. Fritsch (Ruppertsourg), Landeskirchenrat Pfarrer B e r n b e ck (Okarben), Pfarrer Aus - f e l d (Gießen), Pfarrer Georgi (Ermenrod), sowie die weltlichen Abgeordneten, Landgerichts­präsident Veuenhagen (Gießen), 2andta;s- abgeordneten Fenchel (Ober-Hörgern), Lehrrr Dollinger (Alsfeld), Geh.Iustiarat Wahl (Schlitz), Lehrer H e u s o h n (Lorbach), Stu'ienrat Lampas (Friedberg), Studienrat Werner (Friedberg), Landwirt Post (Büdesheim), Bür­germeister Kell (Ober-Bessingen), Altbürger­meister V i e h l (Rainrod bei Schotten). Medi­zinalrat Dr. Walger (Gießen). Bürgermeister Diehl (Hoch-Weisel), LandgerichtsdireLtor S ch m a h l (Gießen), Lehrer Würz (Eichelsdorf), Reallehrer Deggau (Rockenberg), älniverfttäts- professosr D. Cordi e'r (Gießen), Overstudien- direktor Dr. Faber (Friedberg) = 25. Die oberhessis che n Abgeordneten des Landes­kirchentages verteilen sich auf die vier Gruppen wie folgt: Hessische Ev. Vereinigung 12, Positive Vereinigung 11, Freie Volkskirch-

dann nach den Käfern, die in die Blüten der Dahlien krochen, die wie leuchtende Fackeln die Wege säumten.

Es wurde sich gar nicht bewußt, daß sein Kops immer tiefer auf die Brust herabsank, bis er völlig eingeschlasen war.

Vichts als Stille war um ihn. Vur die Wellen gurgelten sachte ans Ufer, und summendes Im- menvolk gaukelte über ihn hinweg. Ab und zu streifte ein Windhauch durch das Blättergewirr der Dlutbuche zu seinen Häupten, sein Blond­haar hob sich leise und gab die scharfgeprägte Stirne frei. Dann lag er wiederum völlig reglos.

Die Sonne stieg schon gegen Mittag. Er war noch nicht erwacht. Plötzlich aber schrie eine Stimme ihn hoch:

Joachim! Mensch! Wahrhaftig, hier sitzt er und schläft!" Diebows zehn Finger um­schlossen Hettingens erstauntes Gesicht.Du! Etwas Entsetzlicheres hättest du gar nicht an­stellen können, als dich hier deinen Träumen hin­zugeben. Wie konntest du nur das tun? Mein Vater ist außer sich, meint, du hättest dich heim­lich davongemacht und ihn samt teil e n Tunnel­bau sitzenlassen! Va. und dein Doktor Feß- mann! Fluchen bei euch in Wien alle Aerzte so lästerlich? Er hat dich mit Kosenamen bedacht, die mich amüsiert halten würden, wenn mir nicht selbst so gottsjämurerlich zumu'e gewesen wäre über dein unmotiviertes Ausbleiben."

Hettingen strich sich das Haar zurecht, das der Wind und Diebow aus afev Fasson gebracht hatten. Er rückte etwas zur Seite, um dem an­deren Platz zu machen. Diebow dankte lachend. Vein, mein Lieber! Ich habe mir zehntausend Franken Finderlohn ausbedungen, wenn ich dich lebendig nach Haue bringe. Sei also nett und komme unverzüglich mit. (.eßmann hat ohnedies geschworen, er würde abreisen, wenn du nicht in kürzester Zeit erscheinst. - Also bittei"

-AQum saßen sie im Wa^en, der an einer Straßenkreuzung wartete, kam Feßmann aus einer ^cbenganc gebo >en. Eine Röte flog über seine Stirn, als Meitingen ihm abbittend die Rechte e.rtgegenstreckt. und Diebow erklärte, wo er ihn gesunl er halte.

Schlafen hättest du hernach auch können!" schalt er.Wenn mir in den nächsten Wochen

liche Vereinigung 2, Bund für lebendige Kirche in Hessen 0.

40 Jahre

Verein für Sterbeunierstirtzrmg.

Der am 1. Oktober 1889 gegründete Verein f ü r Sterbeuntcrstützung hielt gestern im Postkelter" seine 4 0. Generalversamm­lung ab.

Vach Begrüßung der erschienenen Mitglieder durch den Vorsitzenden Reitz und Bekanntgabe der Tagesordnung, erstattete der Rechner Diehl den Geschäfts- und Kassenbericht. Er gab einen ausführlichen Rückblick auf die Entwiae^nng der Kasse seit ihrem Bestehen. Danach leistete die Kasse feit ihrer Gründung bis zum Iahresschluß 1928 185 125 Mk. Sterbeunterstützung. Bei der ©rünbung der Kasse traten ihr 400 Mitglieder bei, die Mitgliederzahl betrug am Ende des Jahres 1928 1863. Don den 1889 eingetretenen Mitgliedern leisteten jedes 797 Beiträge mit 199,25 Mk.. von den 1906 eingetretenen jedes 622 Beiträge mit 155,30 Mk. Da allen Mit­glieder zur Zeit ein sofort nach Vorlage des Todeszeugnisses auszahlbares Sterbegeld von 370 Mark zusteht, ist ersichtlich, daß die Dellrags- zahluirgen weit hinter den gewährten Unter- stützungen Zurückbleiben. Am 31. Dezember 1920 Halle der Verein einen Kassebestand von 22 632 Mark: die Jahre der Inflation verringerten ihn auf 75 Ps. Trotzdem war es durch das Umlage» verfahren möglich, den Hinterbliebenen verstor­bener Mitglieder je 200 Mk. Sterbegeld auszu- zahlen. Heute verfügt die Kasse wieder über ein Vermögen von 879450 Mk. Von den im Jahre 1928 verstorbenen 31 Mitglieder gehörten 9 der Kasse feit ihrer Gründung an, die übrigen hatten 16 bis 37 Mitgliedsjahre hinter sich. Das An­denken der Verstorbenen wurde in üblicher Weise geehrt, dem Vorstand und Rechner Entlastung erteilt.

Von ter Erhöhung des Sterbegeldes, das zur Zeit 370 Mk. pro Mitglied beträgt, wurde mit Rücksicht auf den noch nicht wieder auf die Höhe der Vorinflationszeit gebrachten Reseroefvnds ab­gesehen.

Der Vorstand, 1.Vorsitzender Reitz, Bvna- rius, Diehl, Iodt, Reis und Weber, wurden wieder gewählt, ebenso der Aufsichtsrat Laichinger, Eise und Amen d, neu gewählt die Mitglieder Schupp und Hexamer.

Talen für Dienstag, 29 Januar.

1466: Bestätigung der Leipziger Messen durch Kaiser Friedrich III.: 1814: der Philosoph Johann Gottlieb Fichte in Berlin gestorben (geboren 1762); 1860: der Dichter Ernst Moritz Arndt in Bonn gestorben (geboren 1769); 1763: der Dichter Johann Gottfried Seume in Poserna geboren (gc- ftorben 1810).

Preußisch-Süddeutsche Klassen- I o 11 e r i c. Die Haupt- und Schluhziehung, in der über 52 Millionen Reichsmark zur Aus­spielung kommen, beginnt am 8. F e b r u a r. Außer den beiden Prämien von je 500 000 Mark kommen zur Verlosung die Haupttreffer von zwei­mal 500 000 Mark, zweimal 300000 Mark, zwei­mal 200 000 Mark, zweimal 100 000 Mark, sowie viele andere hohe Gewinne. Die Erneuerung der Lose hat spätestens bis zum 1. Feb ruar zu geschehen.

"WohlfahrtsbriefmarkenderDeut- schen Nothilfe sind noch im Berkaus und be­halten ihre postalische Gültigkeit bis zum 30. April d. I. zum Frankieren sämtlicher Postsendungen nach dem In- und Ausland. Auch die Glückspostkarten find noch zu haben und werden auch jetzt noch gern ür Einladungen, Geburtstagsglückwünsche u. a. ge­nommen. Bei der großen Not, in der sich kinder­reiche Familien, Alte und Kranke, vor allem auch des Mittelstandes, noch immer befinden, sind ergän­zende Mittel zur Fürsorge neben den amtlichen Unterstützungen dringend erforderlich. Die Wohl­fahrtsbriefmarken unx die Glückspostkarten geben die beste Möglichkeit, daß auch Meine Spenden, die den Geber nicht belasten, den Hilfsbedürftigsten zuge­führt werden. Die Marken sind bei dem städtischen Wohlfahrtsamt und bei der Post zu haben. Der offtzielle Berkaus schließt am 31. d. M. Daher decke bis zu diesem Zeitpunkt nach Möglichkeit jeder sei­nen Bedarf für die nächsten Wochen.

*' Warnung vor dem Ankauf von Postwertzeichen usw. von Privat­personen. Die Oberpostdirellion Frankfurt teilt mit: Am 24. Januar sind (wie am Sams-

sämtliche Operativnen mißglücken, trägst du die Schuld daran!"

Hettingen schwieg schuldbewußt.

In der Vllla Jankes Wur7e er empfangen wie ein Sohn, den man nach schwer überstandener Gefahr heimkommen sieht. Der Kommerzienrat stand am Tor und lieh seine Rechte nicht mehr fallen, bis Hettingen sie benötigte, um sie in di« der Frau des Hauses zu legen.

Vach dem Diner bat er den Kommerzienrat um eine kurze Unterredung. Diebow hörte die etwas erregte Stimme seines Vaters, die aus dessen Arbeitszimmer Hang. Was mochte Hettingen da angestellt haben? Er konnte sichs nicht versagen, sein Ohr an die Tür zu b rüden. Da vernahm er ein paar abgerissene kurze Sätze:Sie haben sich mir für drei Jahre vertraglich verpflichtet, Heber Baron! Es geht nicht, mir so Knall und Fall einfach den Scheine! vor die Tür zu setzen." Und dann Hettrngens bescheiden gemach­ter Einwurs:Ich weiß, daß Sie im Recht sind. Herr Kommerz enrat aber wenn ich Sie trotz­dem um meine Entlassung bitten dürfte ich würde mich bemühen, Ihnen einen mehr als vollwertigen Ersah zu rerschaf en."

Darauf des Vaters Organ etwas hochge­schraubt:Ich will aber keinen Wechsel, Herr Baron! Ich will nicht! Zudem sind Ihre Einwürfe völlig haltlos. Keinem Menschen fällt es ein, S.e als Zuchthäusler zu betrachten, wie Sie vorhin saften. Warten Sie es nur erst ab, wie man Sie in Bellinzona verwöhnen wird, und obendrein ich würde es keinem raten, einem Mann, der Gast meines HauseS ist und dem ich meine vollste Hochachtung cntgeger.bringe, auch nur mit einem schienen Blick zu begegnen.

Was Hettingen darauf erwiderte, hörte Diebow nicht mehr, denn Richtho ens Besuch wurde eben gemeldet. Und gleich darauf kam auch der Kom­merzienrat mit Joachim to e'jcr aus dem Zimmer gegangen und schritt gemeinsam mit ihm dem Wiener East entgegen.

Richthosen begrüß e den Freund mit einem schmerzhaften Druck le: Rechten. Kaum war die Vorstellung vorüber, f lüfte, te er ^eßmann zu. Ich möcht noch ein paar Wort mit dem Joachim redn, Hans! Dielie.cht kannst es so einrichtn, daß wir ein Viertlstünderl ungestört sind."

tag von unS berichtet. D. Red.) 6et einem et» bruch in das Postamt Berlin W 8 Postwert­zeichen im Betrage von 45 260 Mark (beson­ders Marken zu 8 und 15 Pf.), Invalidenmarken im Betrage von 277 000 Mark (besonders Marken zu 1,50 und 2 Mark), AngestelltenversicherungS- marlen Im Betrage von 472 000 Mark (besonders Marken zu 8 und 12 Mark) und Cinkommen- fteuermarlen im Betrage von 36 500 Mark (be­sonders Marken zu 1, 2 und 5 Mk.) entwendet worden. Der Täter ist unbekannt. Cs wird empfohlen. Personen, die Marken unter verdäch­tigen älmständen anbieten, sestzustellen oder fest- nehmen zu lassen.

Oberheffen.

50 Jahre Spar- und Dorschußkasse zu Kesselbach.

ibk. K e s s e l b a ch , 27. Ian. Die Cpat» und Vorschußkafse zu Kesselbach e. G. m.b. H. feierte die'er Tage im Saale von Johannes Höchst ihrSOiährigeS Bestehen.

Der GesangvereinLieOerkranz" eröffnete die Feier mit dem wirkungsvoll vorgetragenen Ehor Die Himmel rühmen" von Beethoven. Dann begrüßte Direktor Schmidt die zahlreich er­schienenen Mitglieder, die den geräumigen Saal bis zum letzten Platz füllten, sowie einige Ehren­gäste, den Vertreter des Verbandes und der Landesgenossenschastsbank in Darmstadt und be­sonders die zwei Iubilare Wilh Decker IV. und Jakob Schomber II., die als einzig« Gründer noch am Leben und noch Mitglieder der Kasse sind.

Hierauf gab Rechner Decker einen ge* schicht l ichen Ue&erblld über b le ver­floss enen 50 Jahre der Kasse, auS dem folgendes zu entnehmen war: Angeregt durch den damaligen Lehrer Rabenau traten 15 Männer zusammen und gründeten die Kasse. Mit sehr bescheidenen Anfängen, von der öffent­lichen Meinung etwas mißtrauisch betrachtet, dehnte sich der Deriehr dieser Gründung doch aus und gewann an Mitgliederzahl. BIS zum Jahre 1889 wurde der Kreis der Mitglieder sehr begrenzt gehalten; man ging nie über die 35 bis 37 hinaus, trotz der Zahlreich vorliegen­den Anmeldungen. Eine Aenderung brachte erst das neue GenossenschaftZcs etz vom l.Mai 1889. Run dehnte sich der Mitglie7erstand sprunghaft aus und erreichte bis zum Jahre 1920 di« Zahl von 360. Auch der GeschästSoerlehr nahm einen bedeutenden Aufschwung und dehnte sich besonders in die preußischen Vachbarorte deS KreiseS Marburg aus, von wo auch heute noch eine ganze Anzahl Mitglieder zur Kasse ge­hören. Die Spareinlagen erreichten im ersten Jahre der Gründung die Summe von 9824 OHL, die Bilanzsumme wies 12 929 Mk. aus. 3m Jahre 1890 erreichte die Bilanzsumme 260 000 Mark und der Spareinlagebestand 2/» Million. Im Jahre 1907 Bilanz eine Million, Sparein­lagen 920 000 OHt Im Jahre 1917, welcher noch als Goldmarkjahr zu betrachten ist, erreicht« die Bilanz 1911 000 Mk., die Spareinlagen 1 774 0C0 Mk. 3m 3ahve 1919 wurde zu dem seitherigen Spareinlage- und Darlehensgeschäft auch noch der Scheck- und fteberweisungSverkehr hinzugenommen. Don da ab steigerten sich dl« Umsätze, die seither nicht so erheblich waren, ganz gewaltig. Schwere Zeilen für die DeschäftS- führung und Verwaltung brachten die Kriegsjahr« mit den darauffolgenden 3nflationsjahren. In dem tollen Jahr 1923 wuchsen die Zis ern in- unheimliche an, so daß die Bilanz 639 Billionen 470 Milliarden auswies, der Gesamtumsatz 18 810 Billionen 619 Milliarden. AuS dieser Papier­markbilanz mußte di.' Goldmarkbilanz gezogen werden, welche die beschridene Bilanzsumme von V47 Goldmark brachte. In der ©cneraltejamm* lang am 3. Mai 1924 wurde die llmstelluna auf Goldmark vollzogen, der Geschäftsanteil auf 100 Goldmark und die Haftsumme auf 1000 Gold­mark beschlossen. Die alten Ce chästSantei e wur­den als erledigt erklärt. Es wurde nun langsam wieder aufgebaut. Die Mitgl ederzahl wuchs und hat heute wieder die Zahl von 250 erreicht, di« Bilanz eine halbe Million, die neu eingezahlten Spareinlagen 200 000 Reichsmark, die alten, die mit 16 Prozent aufgewertet wurden, betragen 215 000 Reichsmark. Der Scheck- und äleberweisungsverkehr ist sehr erheblich, so daß im letzten Jahre ein älmsah von 5 Millionen erzielt wurde. Bis zum 3ahre 1890 war die Genossenschaft, wie fast alle In der Provinz

Der Doktor nickte. Bald hernach sah er die beiden nach dem Park gehen.

Als sie außer Sichtweite waren, blieb Richt- Hosen stehen und sah mit seinen offenen ehrlich grauen Augen zu Hettingen auf.

Ich weih nicht, Achim, wie ich dir danken kann, daß du für meine Schwester, daS alles auf dich genommen hast nur damit kein Fleck« auf ihre Ehre kommt. DaS macht mich bis $u meiner letztn Stund zu deinem Schuldner!"

Hettingen wehrte erregtSprich nicht mehr darüber, Poldi. - ES ist alles erledigt jetzt!"

3a, soweit schon aber doch net ganz, mein Alter. Schau, bittn möcht ich dich hall noch, daß du nicht gar zu schlecht von der MHzl denkst well ft die halbe Rächt drauhn bei dir in der Darackn gwesn 18 und sich dir an den Hals gworfn hat!"

Poldi, daS ist nicht wahr!" brauste Hettin­gen auf.

Ret wahr iS?" sagte Richthosen ungläubig. Die Mizzl hal s aber gsagt, und schau, Joachim sie ist ja doch meine Schwester, und ich kann F doch jetzt auch net verstohn, wenn f noch so tief gfuntn wär!"

Poldi! - Mensch!" Hettingen schob feinen Arm unter den deS fassungslosen Freunde- und führte ihn nach einer Bank in der Rähs Roch nie, auch in den Iugendjahren nicht, hatte er Richthofen weinen sehen. Das erschütterte ihn bis ins 3nnerste.Poldi!" bettelte et.3n welche Ce?ankengänge verirrst du dich denn da? Deine Schwerer hat sich nichts vergeben! Richt das Geringste - nur ich, ich, Poldl, hab mich nicht mehr beherrschen können und hab sie an mich gerissen und und geküßt. Wenn du mir das als Ehrenschuld anrechnest bann stehe ich dir ja zu ,ejer Stunde zur Verfügung!"

Willst ruhig fein? fuhr Richthosen ihn an. Willst fie etwa noch größer machn die Schuld, die wir an dir abzutragn ha im? 3ch glaub bir's eh, daß du die Mizzl gschont hast aber das bleibt halt doch hängen an ihr, daß d dir fagn mußt, sie ist in der Rächt zu blx kommen und"

(Fortsetzung folgt)