einen Aufruf an sämtliche Soldaten Röntg Habib- ullahs gerichtet, in dem er ihnen für den Fall, daß sie gesonnen sind, binnen dreier Tage die Waffen niederzulegen, völlige Straffreiheit wegen Landes- Verrats zusichert. Ein Fliegergeschwader Aman- ullahs Hot die Rcgierungstruppen crfolgreid) angegriffen.
England in Kabul.
Eine Peinliche Situation.
London. 28. San. (WTB. Funkspruch.) Der Korrespondent der „Daily Wall" in Lahore meldet. es werde allgemein für sehr wünschenswert erachtet, den britischen Gesandten, Dir Francis H-umphrys, aus Kabul abzuberufen. Es sei so gut wie sicher, daß es mit der Herrschaft deS Emir Habib Ullah (Bacha 3. 6a» fao) in kurzer Zeit zu Ende sein wird. Es sei unsicher, wie die Loge des Gesandten sich gestalten würde, wenn der Emir, mit dem er auf gutem Fuße steht, stürmen sollte. Don den Einwohnern werde ganz offen für die Rück - kehr Amanullahs eingetreten, nachdem sie die Leistungen seines Nachfolgers gesehen hatten. Der Umschwung der Stimmung zugunsten Äman-- ullahs könne leicht auf den britischen Gesandten zurückwirken. der. um Menschenleben in Kabul zu retten, dem im Augenblick stärksten Wann zurHerrfchaftverhol- fen hatte.
Reue Rüstungen in Südamerika.
Bolivien bestellt Munition.
Aeuyork, 26. San. (Reuter.) Eine hier eingegangene Meldung, wonach Bolivien Munition im Werte von zwei Millionen Dollar bet einer britischen Firma bestellt habe, die angeblich den Kontrakt an kontinentale Firmen weie.. gegeben haben soll, hat in hiesigen diplomatischen Krei en angesichts der letten Spannung zwischen Bolivien und Paraguay einige Besorgnis verursacht. Es verlautet heute, dah Staatssekretär Kellogg geflern die Angelegenheit mit den diplomatischen Vertretern verschiedener südamerikanischer Lander erörtert habe. Der bolivianische Gesandte erklärte, keine Snformattonen über die Angelegenheit zu haben.
Oer 70. Geburtstag des ehemaligen Kaisers.
Die Feier in Doorn.
Amsterdam, 27. San. (XU.) Sn Doorn herrscht reges Treiben. Unter den Gästen befinden sich die Prinzen des Hauses Hohenzollern, ferner der ehemalige König von Sachsen, die Königin Sophie von Griechenland, die Schwester des Kaisers, der ehemalige Kronprinz mit Gattin, der ehem. Herzog von Braunschweig mit Gattin und Kindern, der Landgraf und die Land- gräfin von Hessen, Prinz Paul von Griechenland. der ehem. Grohherzog und die Großherzogin von Hessen und der ehem. Grohhettog und Die Großherzogin von Wecklenbur g-S ch w e r l n.
Am SamStag versammelte sich der Gemischte Ehor des Dorfes zu einem Ständchen. Auf Wunsch deS Kaisers hatte man einfache holländische Bolk-lieder, darunter die holländische Na- ttonalhymne getoäblL Hierauf überreichte der Doorner Bürgermeister dem früheren Kaiser zwei kunstvoll ausgeführte Gartenbänke al6 Geburtstagsgeschenk der Doorner Einwohnerschaft, gleich- ?rttig auch al« Ausdruck der Dankbarkeit für le Wobltaten. die er den Armen Doorns erwiesen habe. Der ehemalige Kaiser sprach seinen Dank über die dargebrachten Kundgebungen auS, wobei er u. a. erklärte, daß er sich seinerseits dadurch erkenntlich zeigen werde, dah er 14000 ausgesuchte Rosen, ole ihm von der Deutschen Adelsgesellschaft zum Geschenk gemacht wurden, für die Erweiterung des Rosariums bestimmen wolle, dessen Benutzung er kürzlich der Doorner Bürgerschaft freistellte.
Am Sonntagvormittag fand Gottesdienst statt, dem der Hofprediger Vogel. Pfarrer an der Friedenskirche in Potsdam. daS Wort aus dem ersten Römerbrief: .Sch schäme mich des Evangeliums von Ehristo nicht, denn eS ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben“ zugrunde legte. Von der Königin- Mutter Emma von Holland wurde dem ehemaligen Kaiser ein prachtvolles Blumengewinde von roten Azaleen mit einem herzlich gehaltenen Glückwunschschreiben überreicht. Die Königin Wilhelmine von Holland beaus- ttagte ihren Kammerherrn Graf v. Lijnden persönlich ihre Glückwünsche $u übermitteln. Auch Prinz Heinrich der Niederlande übersandte Glückwünsche, ebenso die Kö. igspaare von Dänemark und Schweden. Um ein Uhr versammelten sich sämtliche Gäste zum gemeinsamen Mittagsmahl. Der ehemalige König von Sachsen brachte bei dieser Gelegenheit einen kurzen Toast auf den ehemaligen Kaiser aus. Den Nachmittag verbrachte die Familie unter sich. Um acht Uhr abends versammelten sich sämlliche Gäste wieder zur Abendtafel, an die sich eine musikalische Abendunterhaltung anschloß.
Aus aller Wett-
Das Lawinenunglück am Arlberg.
Ueber bas schwere Lawinenunglück bei Lech am Arlberg, Dem, wie schon Donnerstag gemeldet, zwei Frankfurter Skifahrer, Frau Dr. Röhler und Dr. Seibusch, zum Opfer gefallen sind, geht uns von einem Gießener Herrn, der Zeuge des Unglückes war, folgender erschütternder Bericht zu:
Als wir am 23. d. M. gegen Mittag an der Rubalpe. etwa 100 Meter oberhalb Lechs, rasten wollten, kam ein Herr in scharfer Schihsahrt den Hang herunter, machte mit einem Kristiania vor uns Halt und brachte nur über die Lippen: Lawine rechts von der Kriegeralm. fünf Personen verschüttet. Dann fuhr er in rasendem Tempo ab. um Hilfe in Lech zu holeir Ohne eine Sekunde zu überlegen, machten wir uns zu Vieren auf den Weg. Sn stark ansteigenden Kehren, stiegen wir am Hang hoch und erreichten in etwa >/s Stunde die Höhe, von der aus wir zwar noch nicht die Unglücksstelle, wohl aber den Sülzkopf sehen konnten, von dessen Südwand ein Schneebrett von ungeheueren Dimensionen ab" gegangen sein muhte. Nach einer weiteren Viertelstunde erreichten wir die Unglücksstelle. Ein erschreckender Anblick bot sich uns. Die Lawine hatte Die Touristen, welche von Lech aus den Sattellopf befiel gen wollten, in einem Hohlwege, bzw. etwas oberhalb desselben erfaßt und fünf
Fürstin Maria
Rom, 26. Ian. (1BB.) Die Fürstin Bülow ist im Alter von 80 Jahren hier gestorben. Die Fürstin erhielt durch den früheren Präget Erzbischof, den jetzigen lateinischen Patriarchen von Alexandrien, die Sterbesakramente. Die Leiche der Jür- slin wird am 29. Januar in die deutsche Rallonal- kirche Santa Maria dell' Anima ubergesührt werden, wo um elf Ahr vormittag ein feierliches Requiem staltsinden wird. Unmittelbar nach der kirchlichen Jeter wird die Leiche nach Deutschland übergeführt werden, um in klelnflottbcck bei Hamburg beigesehl zu werden.
Der deutsche Botschafter in Rom hat nach Erhallen der Nachricht dem ehemaligen Reichskanzler Jürften Bülow das Beileid der Reichsregierung ausgefprodjett Der Reichspräsident hat dem Fürsten telegraphisch seine Teilnahme ausgesprochen. ReichskanzlerMüller sandte an den Reichskanzler a. D. Fürst von Bülow nachstehendes Beileidstelegramm: „Zn dem schweren Leid, das Euer Durchlaucht durch den Tod ihrer Frau Gemahlin erlitten haben, spreche ich Ihnen die Versicherung meiner herzlichen Teilnahme zugleich im Kamen der Reichsregierung aus. Euer Durchlaucht möge das Bewußtsein, daß am die Entschlafene eine große Gemeinde trauert, zum Trost« gereichen."
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AuS altem Bologneser Geschlecht stammte die Für st in Maria v. Bülow, die Gattin deS deutschen Reichskanzlers, die nun in Rom in der Villa Malta die Augen für immer geschlossen hat. Am 6. Februar 1848 wurde sie in Neapel alS Tochter des Fürsten Domenico di Camp o - reale geboren. Neapel war damals noch die Hauptstadt dcS Königreichs beider Sizilien: dort residierten die Bourbonen, und Fürst Domencio di Lamporeal«, der auch die Titel eines Herzogs von Adregna, Marchese bi Sambuca, Baron dl St. Giacomo, Patriziers von Bologna und Neapel führte, verkehrte natürlich am neapolitanischen Königshof. Sn erster Ehe war Maria v.Bülow mit dem Grafen Karl Dönhoff verheiratet, doch wurde diese Ehe, der zwei Kinder entsprossen, im Sahre 1882 gerichtlich getrennt und auch durch eine Entscheidung deS Heiligen Stuhls für aufgelöst erklärt. Damals empfand man die frühere Frau deS Botschaftssekretärs und späteren Gesandten Dönhoff schon ganz alS Deutsche. Frühzeitig war sie mit Richard Wagner zusammengetroffen, der. wie sie selbst behauptet hat. einen sehr groben Einfluß auf fi> ausüben konnte. Beim Grasen PourtaldS hatte sie die Bekanntschaft des großen deutschen Komponisten gemacht, der mit ihr einige Partien aus dem Tristan einftudierte, und für den sie so begeistert war. dah sie im August 1876 zur Eröffnung deS Festspielhauses in Bayreuth mit ihrer Mutter — übrigen- hn Salonwagen Kaiser Wilhelms L, den sie beb dieser Gelegenheit kennen lernte, — zu den Festspielen fuhr. Später lernte sie in Wien Adolf Wi lb ran dt kennen, der Ihr tm Sahre 1882 einS seiner Bücher mit der Widmung überreichte: „Zur Erinnerung an die Vollendung Shrer Deutschwerdung".
Am 9. Sanuar 1886 heiratete sie Bernhard v. D ü l o w, der damals noch AttachS an der
von Bülow f.
deutschen Botschaft in Rom war. es aber schnell zum Botschaftsrat in Petersburg und bcttd darauf ! zum Ge andien in Bukarest brachte. Llnzertrenn- I sich schien das Ehepaar zu fein; überall, wo \ Bernhard v. Bülow auftauchte, sah man auch die kleine, zierliche Gestalt seiner Gattin, die bei allen Empfängen dennoch stets „grohe Dame" war. Man schätzte die krrnstliebende Frau, die oft vierhändig mit den alten Franz Liszt musizierte, und zu deren künstlerischen Freundeskreis auch M a r k a r t gehörte, der sie gemalt hat. Sie scheute sich nicht. Gerhart Hauptmanns Salon zu besuchen, als der Dichter der „Weber" noch al8 sozialer Revolutionär verschrien war; denn ihre Liebe für Kunst und Dichtung war vorurteilslos, großzügig, überlegen.
Als Bülow im Sahre 1894 zum Botschafter In Dom ernannt wurde, konnte Maria von Bülow endlich für lange Zeit in ihr Heimatland zurückkehren. Drei Sahre wellte sie in Stallen, bis Bülow zum Leiter des Auswärtigen Amtes in Berlin ernannt wurde. Der Aufstieg ihres Mannes brachte sie dann als Hausherrin in das Reichskanzlerpalais, wo ihre Tätigkeit damit begann, die gesamte alte Einrichtung zunächst einmal hinauszuwerfen und von einem Zentner Seife gründlich Gebrauch zu machen, den ihr Wilhelm II. aufmerksam für das Großreinemachen übersandt hatte. Nichts sollte b'eiben, wie es gewesen war, und auch die letztm Reste von der Einrichtung der Vorgänger sollten entfernt werden. Die Wände wurden mit Stoffen bc> kleidet, geschmackvolle Möbel wurden aufgestellt, und unter der Leitung der kunstverständigen Frau verwandelte sich daS Haus in einen Palast, der geeignet war, den DepräserttationspfUchten des deutschen Reichskanzlers zu genügen. Sn dem Musiksalon trafen sich nun die intimen Bekannten des Kanzlerspaares, die sich an den künstlerischen Darbietungen ter Hausfrau erfreute. und dort traf man auch zwei andere Italiener innen, die deutsche Männer geheiratet hatten, Frau Giuletta von Mendelssohn, eine geborene Gordigioni, und Frau Antoinetta von Shne aus der Familie Palloni. Sm Relchskanzlerpalais entstand der vornehmste literarische Salon von Berlin. die hervorragendsten Künstler und natürlich die Politiker und Diplomaten verkehrten in dem Kreis, in dessen Mittelpunkt stets Maria von Bülow stand. Del großen Empfängen waren dort oft über 803 Personen versammelt, die sich, soweit sie noch leben, zweifellos gern an die in der Wilhelmstratze 77 ver eöten Stunden und an die reizende Hausherrin erinnern. Nur bei Hofe war man zunächst nicht geneigt, die ,geschiedene Frau" des Grafen Dönhoff ohne Dorurteil anzuerkennen.
Als der Botschafter Bülow aus Rom nach Berlin zurückberusen wurde, wollte sein Koch nicht mitkommen, da er überzeugt war, dah Maria von Bülow doch bald wieder ihren Wohnsitz in Rom aufschlagen würde. GS hat lange gedauert, bis sich das greise Kanzlerpaar dazu entschloß, aber schließlich sind sie doch wenigstens für die kalten Wintermonate in den warmen Süden gegangen. Mit Maria v. Bülow ist eine der anziehendsten Gestalten aus der alten Berliner Gesellschaft dahingegangen, eine Frau, die das Geheimnis der ewigen Jugend besaß.
Personen unter sich begraben. Da die Lawine etwa 200 Meter über der llnglücksstelle abgegangen ist. war ihre Gewalt riesengroß. Zum Glück wurde der Führer verschont und waren einige Leute in der Nähe, die sofort Hilfe holten. Ein Herr konnte sich sofort selost befreien und zwei Damen, deren Bretter aus dem Schnee herausragten, wurden vom Führer sofort herauS- geholt. Eine brach sofort ohnmächtig zusammen. Inzwischen kam Hilf«. Diniae Holzfäller waren alS die ersten berbeigcellt und nach einer Viertelstunde wurde die Frau des Herrn, der sich zuerst befreit hatte, leider als Leiche geborgen. Die sofort vorgenommene künstliche Atmung blieb ohne Erfolg. So war die Situation, als wir an die llnglücksstelle kamen. ES fehlte noch ein Herr (Zahnarzt aus Frankfurt a.M.). Da das weitere Suchen ohne Erfolg blieb, wurde nun die ganze Lawine systematisch mit Hilfe der Skistöcke ab- gesucht. Langsam kamen wir vorwärts. Sn einer Reihe stehend, wurde in ganz kurzen Abständen, in die Lawine gestochen, um auf diese Weise den Verschütteten zu finden. Zweieinhalb Stunden haben wir gearbeitet und hatten erst die Hälfte der Lawine hinter uns. Etwa 50 Meter waren wir schon am Hang hochgekommen, und als wir uns mal umblickten, standen unsere Bretter, die wir natürlich abgeschnallt hatten, weit unter uns. Eine Beweis für die Gröhe der Lawine. Snzwischen waren natürlich eine Wenge Hilfskräfte angekommen. Einheimische arbeiteten mit langen Sondierstangen, aber immer noch lein Erfolg. Auf Anraten eines Herrn wurde nochmals von oben angefangen und in ganz kurzer Zeit stieß ein Holzfäller auf den Ski des Verschütteten. Eine Kolonne rückte mit Schaufeln an und in wenigen Minuten war der letzte geborgen. Auch er konnte nur als Leiche heraus- gefchaufett werden. Auch aus der Lage seines Körper- konnte man sehen, mit welcher Wucht die Lawine heruntergekommen war. Run gab es für uns nichts mehr zu tun. Unvergeßlich wird allen dieser traurige Anblick bleiben. Welcher Kontrast: — Sm Schnee die Leichen, bei der einen der trauernde Gatte und am Himmel die herrlichste Wintersonne. Sn unzähligen Stemmbogen und Kristianias fuhren wir die steilen Hänge im wunderbarsten Pulverschnee herunter und bald sahen wir auch den traurigen Zug den Berg langsam herunterkommen.
Schwere Unfälle beim Wintersport in Berlin.
Der lebhafte Wintersportbetrieb .der sich am Sonntag In und bei Berlin abfpleite, hatte eine Rekor dzahl von Unglücks fällen zur Folge. Sn die Berliner Krankenhäuser wurden über hundert Personen eingeliefert. Aber nur die Schwerverletzten, die besonders schwere Bruche erlitten hatten — im ganzen 37 —, wurden in dcn Kliniken zurückbeha't n. Ein tödlicher ilnglüdlfall ereignete sich auf dem Weißensee. Dort brach ein noch unbekannter Mann mit feinem Schlitten ein und ging unter. Ein 16 Jahre aller Gärtnergehilfe, der dem Er- trunfenen nachsprang, erlitt salbst erh:bllche Dcr- icchungen und mußte in) Krankenhaus gebracht werden. Die meisten Rodelunfälle, die vor allem auf dem völlig ungeregelten Betrieb und auf die Vereisung der Bahnen zurückzuführen
sind, trugen sich In den Müggelbergen und im Grünewald zu. Sn die Sanität: stellen der östlichen Dorortsbezirke wurden 64 Personen gebracht, die Knöchelbrüche, Gehirnerschütterungen und schwere Hautabschürfungen erlitten hatten.
Höllenmaschinen in Postpaketen.
Die am Freitag auS Apolda gemeldete Explosion einer Höllenmaschine im Bureau einer Wollwarenfabrik stellt sich als Glied einer offenbar aus persönlichen Rachegedanken heraus planvoll vorbereiteten Kette von Sprengstoffatten- taten dar. Sn der Nacht vom 25. zum 26. Sanitär ging in Weimar einer alleinstehenden Frau ein gleiche- Paket zu, dessen Snhalt glücklicherweise, obwohl si chdie Empfängerin bereits damit zu schaffen machte, nicht explodierte. Die Sprengladung hätte genügt, um schwerste Verheerungen anzurichten. Gleichzeilig wird aus Dornstedt bei Sangcrshausen der Eingang eines dritten Paketes gemeldet. Die dort beim Oeffnen erfolgte Explosion verletzte drei Personen. Tie Pakete sollen angeblich In Erfurt aufgegeben worden sein. Der Verferliger und Absender der Höllenmaschinen ist ermittelt u n b f e ft g e nommen worden. Der Täter, ein Schlosser Pflug aus Apolda, behauptet, nur die drei Höllenmaschinen zum Versand gebracht zu haben, die bereits gefunden worden sind. Seinen Angaben nach hatte er mit den Empfängern seinerzeit persönliche Differenzen und hat sich auf diese Weise rächen wollen. Um feine Spur zu verwischen, hat er dann die Krankenanstalt ausgesucht.
Mastenuerglftuug in Rotterdam.
Don Massenvergiftungen wurden 550 Teilnehmer an einem von der Personalvereinigung einer Lebensversicherung veranstalteten Festessen betroffen. Bei allen Vergifteten waren die Krankheitssymptome durchweg leichter Natur, so daß alle erkrankten Personen in wenigen Tagen vollständig wiederhergestellt fein werden. Trotzdem hat der Vorfall infolge der damit verbundenen Begleitumstände ungeheueres Aussehen erregt Richt nur konnte die Versicherungsgesellschaft, deren Personal betroffen worden war, ihren Betrieb nicht öffnen, sondern es hat sich auch her- ausgestellt, daß im Tivoli-Theater, das die Tellnehmer des Festessens später ausgesucht hatten, während der Theateraufführung im Zu- schauerraum sich eine förmliche Panik entwickelt hat, da ungefähr 600 Zuschauer sich zum großen Erstaunen Der Schauspieler erst vereinzelt, dann gruppenweise, schließlich in geschloffener Masse von den Sitzen erhoben und fluchtartig °nach den Ausgängen stürmten, wobei es in den Dor räumen zu heftigen Szenen kam. Der sofort atarmierten Polizec und dem Personal des städtischen Gesundheitsdienstes bot sich in den Gängen des Theaters ein furchtbarer Anblick. Alle Tollettenrämne waren überfüllt, alle Gänge furchtbar beschmutzt. An den Wänden lehnten überall Personen, die mit heftigem Brechreiz kämpften und nach Ollem rangen. Auch der Platz vor dem Sweater befand sich in einem solchen Zustand, dah er von der Feuerwehr mit Sch'auchlettungen gesäubert werden mußte. Die Polizei hat eine strenge Untersuchung ein»
geleitet. Alle Speiserest r tn dem betreffenden Restaurant wurden beschlagnahmt. Wan führt die Decgiftungserschelnungen auf ueröorbens Quetschkartoffeln zurück.
Eröffnung der4 Grünen WocheBerlin 1929
Samstagoormlttag wurde die Dierts Grüne Woche offiziell eröffnet Unter den Ehrengästen sah man u. a. den preußischen Minister des Innern Grzesinski. den Prinzen der Niederlande, den finnischen Gesandten und andere mehr. Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dietrich wies in seiner Begrüßungsrede darauf hin, daß die Aus- stellung nicht mir den Zweck habe, dcn Tausenden von Landwirten, die in diesen Tagen in die Reichs- Hauptstadt kommen, Belehrung und Anreguna zu geben, sondern noch mehr der nichtlandwirt- schaftlichen Bevölkerung zu zeigen, was die Landwirtschaft für das Gesamtvolk l e l st e. Das Bewußtsein, daß die Landwirtschaft ein unentbehrlicher Bestandteil unserer Wirtschaft ist, und die Erkenntnis, daß ihr Rückgang eine Gefahr für das ganze Volk bedeutet, bedingt die weitesten Volkskreise zu erfaßen. Die gegenwärtige Regierung fei sich voll bewußt, welch ungeheure Verantwortung sie traae, welche Bedeutung die Landwirtschaft und das Landvolk hätten, sie fei bereit zu helfen, und erwarte, daß ihre chilse von Erfolg fein werde, well sie dem Willen der Landwirtschaft begegne, die eigene Kraft, die letzten Endes entscheidend fei, mit in die Waagschale zu werfen. — Dr. h.c. Steiger, preußischer Staatsminister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten wies auf die Notwendigkeit hin, das landwirtschaftliche Meliorationswesen zu fördern, da es so möglich wäre, einen großen Teil der Lebensmitteleinsuhi auf eigener Scholle zu erzeugen und auf diese Weise unsere Handelsbilanz erheblich zu verbessern. Oberbürgermeister Böß hob in seiner Ansprache hervor, daß die Stadt Berlin zu den größten Landwirten und den größten Forstbesitzern in Deutschland gehöre. Schon deshalb sei Berlin besonder- interessiert an der Ausgestaltung und Fortentwick- lung der Grünen Woche. — Der Präsident de» Reichslandbundes und Vorsitzende des Arbeitsaus^ fchustes der Grünen Woche, Reichsminister o.D^ 2)r. h. c Schiele, legte dar, daß es sich baruni handele, durch die Ausstellung Dienst an der Land' wirtschaft, Dienst an der Verbraucherschaft un8 Dienst am deutschen Volke zu leisten.
Der Sonneburgcr Zuchthausprozeh.
Als zu Beginn der Samstagsitzung wieder dev Gefangene Paasch vorgeführt werben sollte, ließ sich dieser Hauptbelastungszeuge durch einen Beamten entschuldigen;' er fei krank und könne nicht erscheinen. Die Beweisaufnahme wurde dann unterbrochen. Die von der Anklage besonders belasteten Oberwachtmeister Naumann und Uerkwitz blieben dabei, sich keiner Schuld bewußt zu fein.1 Naumann bezeichnete dann auch die Bekundungen Paaschs gegen die übrigen Beamten, soweit er selbst dabei eine Rolle spielen sollte, als unrichtig. Nach einer kurzen Pause konnte dann wieder der Strafgefangene Paasch vorgeführt werden, nachdem der Arzt, der ihn untersucht hatte, festgestellt hatte, daß ihm nichts fehle. Paasch belastete auch die An- Öen Oberwachtmeister Kleiner und Koppen.
,en erregte die Feststellung des Verteidigers, daß selbst heute noch der Nachrichtendienst unter den Gefangenen ausgezeichnet funktioniert, Der Vorsitzende gab selbst seiner Ueberraschung Aus« bunf, daß die Gefangenen untereinander bester Bo» scheid wissen als das Gericht.
Die feindlichen Brüder.
Das Petit Soumai berichtet auS Straßburg, dah die Brüder ElauSundMatternZorn von Bulach, die sich seit längerer Zeit stark bekämpfen, vor dem Untersuchungsrichter cifd,lenen, well Mattern gegen Claus eine Klage wegen Wilddieberei eingereicht halte. Sm Laufe der Vernehmung kam eS zwischen den beiden Brüdern nicht nur zu einem heftigen Wortwechsel, fondern auch zu Handgreiflichkeiten. so daß der Untersuchungsrichter die Gerichtspolizei alarmieren mußte, um die streitenden Brüder zu trennen.
Oie Wetterlage.
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Sonnldü, d.27.Jan.1929,8‘mgs.
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Wettervoraussage.
Wettervoraussage für Dienstag: Me.st wollig bis bedeckt, noch Frost, sedoch sich langsam abschwachcnd, zeitwcifc Schneefälle.
Witter unasaussichten für Mittw och: Beränderlich.'s Wetter mit wechselnder Bewölkung, Temperaturen schwankend, ftrichwcise Niedersch'äge.
Lufttemperaturen am 27. Januar: mittags — 2,7 GradCelfius, abends — 4,2 Grad Celsius; am 28. Januar: morgens — 5,6 Grad Celsius. Maximum — 2,7 Grad Celsius, Min.mum — 6,7 Grad Celsius. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 27. Januar: abends —1,9 Grad Celsius; am 28. Januar morgens —1,7 Grad Celsius.


