ARNAUD
Montag, 28. Januar 1929
179. Jahrgang
Nr. 23 Erster Blatt
Oer Vorsitz im Gachverständigenkomiiee
ReichSparieiiag der Wirlfchastspariei.
:i u. a. Oesterreich wachsen in Oesterreich
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
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Ehesredakteur:
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, fämtlid) in Gießen.
Dürfen die Amerikaner?
77 e u y o r k, 26. San. (WTB.) Herold and Tribüne schreibt: Owen Young Hai durch Parker Gilbert inoffiziell die Alliierten und Deutschland darüber verständigt, daß feine oder Morgans wohl al» Vorsitzender des Sachver- ftändigenausschuffes zur Regelung der Reporationsfragen aosgefchloffen fei. Es verlautet. diese Ablehnung durch d e amerlranischen Delegierten erfolge aus ausdrücklichen Wunsch Loolidgev, der befürchte, wenn Young den Vorsitz sühre. so würde dies bei einer Herabsetzung der deutschen Schuld entsprechende Forderungen der Alliierten aus Herabsetzung ihrer Schulden an Amerika zur Folge haben. Der Vorschlag, einem Amerikaner den Vorsitz der Sachverständigcnkonfercn; zu übertragen, sei hier von Parker Gilbert im Auftrag der Alliierten und Deutschlands unterbreitet worden. Gilbert habe kur, vor seiner Abreise bemerkt, er wisse nicht, wo« nun hinsichtlich des Vorsitzes geschehen werde. Weiter erklärte er. er halte sich lediglich in Berlin bereit, nach Paris zu gehen, um dort Fragen der Sachverständigen über die deutsche Wirt- schaftsentwicklung zu beantworten.
Entgegen dieser Meldung der „Reuyork Tribüne" wird dem Vertreter de» WTB. In Regierungskreisen aus das bestimmteste versichert, daß Präsident Loo- lidge weder den Reparationsagenten Parker Gilbert noch die erwählten amerikanischen Sachverständigen Young und Morgan irgendwie in- struiertoderberatea habe. Der Präsident sei vielmehr auch hierin seinem wiederholt betonten Grundsatz der Rlchteinmifchung treu geblieben und habe es ganz Youngs Ermessen überlassen, ob er den Vorsitz übernehmen wolle oder nicht. Ls sei natürlich möglich, dah Young Bedenken trage, als Vorsitzender des Ausschusses seinen Hamen mH der künftigen Gestaltung der Reparatlonvfrage identifiziert zu sehen, aber soweit man hier wisie, sei die Frage de» Vorsitze» nicht entschieden.
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Diese Meldung und ihr promptes Dementi läßt noch nicht klar sehen, wie sich die Amerikaner entscheiden werden. Im ganzen aber scheint in Wa-
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shington doch die Tendenz weiterhin zu herrschen, auch nach außen hin jede allzu st arte Bindung an das Ergebnis der Reparationskonferenz zu verhindern. Wenn alfo Cookidge zwei „amerikanischen Staatsbürgern" gnädigst die Tell- nahme an der Konferenz erlaubt, bann ist das nach außen hin eine völlig unverbindliche Angelegenheit, die die Politik der Bereinigten Staaten eigentlich nichts angeht. Dieses Dekorum sollte gewahrt werden. Daß nebenher Owen Young und Pierpont Morgan In den letzten
Weile haben.
Volkspartei und Koalition.
Berlin, 28. San. (Priv.-Tel.) Unter der Äeberfchrift ©tat und Koalition veröffentlichen di« 'Berliner 6 t im men", bad amtliche Or- gern’bet Deutschen Vollspartei, einen Artikel, in bem auf bie scharfen Gegensätze fjmge» wiesen wird, bie bie erste vertrauliche S-ublung- nabme zwischen ben Führern ber im tReia^- Baoineft vertretenen Fraktionen in der örage ber neuen Steuern habe erkennen lassen. Sn bem Artikel wirb bann weiter ausgeführt, man scheine jetzt auch in weiteren Kreiselt zu ber Ansicht zu kommen, bah eine feste Regierung unbedingt notwendig ist. Vor allem scheine das Zentrum Wert auf eine Bindung ber fetzt hinter ber Regierung stehenden Parteien zu legen. Das Zentrum hat offenbar, so heißt es in bem Artikel weiter, bie Besorgnis, dah de Sozialdemokraten Agitationsanträgs bei dem Etat stellen, bie zwar abgelehnt toürben, aber bie Stellung der christlichen Gewerkschaften bei ben Arbeitermassen erschweren würden. Aber auch die Sozialdemokraten scheinen durchaus geneigt zu sein, eine koalitionsmäßige Bindung einzugehen. Die Deutsche Vollspartei habe ihre Bereit
ministers Dr. Hilferding und forderte, bie Regierung möge bas Steuervereinheitlichungsgesetz zurückz'ehen und statt bef,en ben endgültigen Finanzausgleich Doriey<n, bei bem ben Canbern und Gemeinden das Zuschlagsrecht zur Einkommensteuer gegeben werden müsse. Rur auf diese Weise sei ein Abbau ber viel zu hohen Real steuern möglich. — Sodann sprach Reichstagsabgeordneter Mol- lath über das Thema »Wirtschaft und Sozialpolitik". Der Mittelstand sei in ben letzten Jahren burch übermächtige grohkapitalisti-- sche W i rt Ichas tszus ammenfass ungen auf das schwerste bedroht worden. Der Redner ging tn diesem Zusammenhang aus die Ausdehnung ber Warenhauskonzerne und der Konsumvereine ein und polemisierte auch gegen bie Dramtenwirt- schaftsvereine. Sn ber Sozialpolitik sei eine Tendenz zur Tieberspannung der Sozialausgaben vorhanden. Rotwendig fei vor allem ein Abbau der Sozialversicherungsbeiträge.
Rach weiteren Reseraten über .Mittelstand und Eigentum", über .Wirtschaftsvartei und Beamtenschaft" und über .Die Rotlage der Landwirtschaft" sprach Staatsminister Dr. Wilhelm über die .Rot ber Grenzlanbe unb bas Schick- s a l ber Mlnberheiten fenfeits ber Reichsgrenze". Er bemerkte dabei u. a. Oesterreich wächst an uns heran, wir wachsen in Oesterreich hinein. Das Selbstbestimmungsrecht wird sich auch einmal zu unseren Gunsten auswirken. Unfern Brüdern In den Grenzlanden unb jenseits ber Grenzen rufen wir zu: .Haltet audl Haltet durchI"
Willigkeit zur Beteiligung an der Großen Koalition oft genug betont, sie habe aber stets diese Beteiligung von bestimmten Bedingungen abhängig gemacht, von denen die hauptsächlichste die gleichzeitige Umbildung ber Regierung in Preußen fei. Hier aber sei bie Koalitionsfrage vollstänoig auf bem toten Punkt angelangt. Die Landtagsfraktion ber Deutschen Vollspartet werde ihrerseits in Preußen jetzt keine neuen Schritte unternehmen: sie werbe bei ben kommenden Etatsberatungen in Preußen bie Stellung einer Oppositionspartei euv- nehmen, ohne dabei allerdings über das sachlich notwendige Maß hinauszugehM.
Das Arbsiisschuhgefetz.
Berlin. 28. San. (Priv.-Tel.) Wie wir hören, hat das heftig umstrittene Arbecksschutzgesetz entgegen einer vielfach oerbreitebm Meinung im Reichs rat feine sehr wesentlichen und grundlegenden Aenderungen erfahren. Die Sozialdemokratie ist allerdings mit ber Ausnahmestellung. die Betriebe unter fünf Arbeite r n erfahren, intern bei b e en bie Defti.nmmun- gen des Arbeitsschutzgesetzes nur mit gewissen Einschränkungen gelten, nicht sehr zufrieden. Herr Wissell ist aber mit bem Gedanken einer Doppelvorlage im Kabinett überstimmt worden. Zudem müßte diese Olenberung im Arbeits- schutzgesetz für ihre praktische Durchführung noch in einer besonderen Verordnung festgelegt werden, die ihrerseits wiederum ber Zustimmung des Reichstags bedürfte. Weiterhin hat ber Reichsrat neu in daS Gesetz hineingebracht, bie Bestimmung, daß in Zukunft am 2 4. Dezember ber Fünfuhr-Ladenschluh gelten soll. Mit dieser Bestimmung wäre bei ihrer Annahme im Reichstag ber sehr unerfreuliche Streit, der sich auch biesmal um den Termin bes Ladenschlusses am Weihnachtsabend abgespielt hat, beendet worden.
Verbesserungen
für die Gozialversicherien.
Erweiterungen des Heilverfahrens.
Berlin. 28. San. (Priv.-Tel.) Schon seit jeher beschäftigt sich die Regierung, bie Parteien unb bie Organe ber Sozialversicherung angesichts ber großen Bedeutung der Tuberkulose unb der Geschlechtskrankhei- t e n mit ben Möglichkeiten, bie Heilverfahren ber Sozialversicherungen für diese Krankheiten zu verbessern. Sn Deutschlanb sterben jährlich noch C5 000 Menschen an Tuberkulose. Tie Snvalibenversicherung wandte im Fahre 1927 rund 25,5 Millionen, die Ange- stellterwersicherung 7,5 Millionen für Heilverfahren für versicherte Tuberkulöse auf. Durch eine Rovelle vom Suli 1925 wurde ber Rcichs- arbeitsminister ermächtigt. Richtlinien über eine einheitlichere unb wirkungsvollere Gestaltung bes
Wochen recht eingehende Aussprachen mit Hoover und Parker Gilbert gehabt haben, ist etwas ganz anderes. Denn Hoover, Jo versichern die Amerikaner mit listigem Augenzwinkern, nimmt im gegenwärtigen Augenblick noch keine amtliche Stellung in Amerika ein, ist also gleichfalls Privatmann. Das dürfte alle Welt davon überzeugt haben, daß die amtliche Politik der bereinigten Staaten mit der Reparationskonferenz nichts, aber auch gar nichts zu tun hat.
Sie landwirtschaftlichen Spitzenverbände gegen die neuen
Steierwrlagcn.
Berlin, 26. Ian. (1DB.) Die im Reichsaus- jchuh ber deutschen Landwirtschaft jufammen- gcschlosfenkn Spihenorganisatlouea haben folgenden Beschluh gefaßt:
Vie deutsche Landwirtschaft muß angesichts ihrer gegenwärtigen Rotlage ihre schärf st eu Bedenken gegen die neuen Steuervorlagen zur Deckung de» Defizits im Reichshaushalt äußern. Schon bisher konnten die Steuern feilens der Landwirtschaft zum großen Teil nur durch Eingriffe in die vermögenssubstanz ge- zahlt werden. Vie Landwirtschaft muh daher die durch Erhöhung der Vermögens- und Erbschaft» st euer entstehende Reubelastung oblehnen, und sie ist auch als Urerzeuge- r | n nicht In der Lage, der beabsichtigten Erhöhung der Bier- und Brannlroein- steuer zuzustimmen. Auch der Entwurf des Steueroereinheitlichungvgesetzes birgt in der jetzigen Fassung die Gefahr weiterer Steuererhöhungen in sich, und wir lehnen daher auch diesen Entwurf in der vorliegenden Fassung ab. Bei dieser Gelegenheit muß die Landwirt- schast daraus aufmerksam machen, dah erhebliche Möglichkeiten zur Verminderung der ihr auserlegten Steuerlast bisher unausge- nutzt geblieben sind. In einer erheblichen Erweiterung dc» Kreises der Rcalsteuerpflichtigrn, insbesondere auch in der Hinzuziehung der ö s - seutlichen Betriebe zu Reichs-, Landes- und Gemeindesteuern, In einer anderweitigen, den cebensnotwendigkeiten der leistungsschwachen Gemeinden besser gerecht werdenden Verteilung der Reichsüberwelsungen ist der Weg zur Erreichung diese» Ziele» unter anderem gegeben.
Oer Stak und die Parteien.
Berlin, 28. San. (Priv.-Tel.) Mit einer Zaghaftigkeit unb einer fast femininen Veobacy- tung des diplomatischen Fingerspitzengefühls haben, wie ja bereits von allen Seiten mitge- tdlt worben ist. bie Fühlungnahmen bet eii^el- nen Parteien untereinander zum Zweck bet Bereinigung ber Koalitionsfrage eingesetzt. Dabei — unb daraus legt man. tote uns ausdrücklich auS parlamentarischen Kreisen immer wieder erllart wird, ganz besonderen Werl — muß festgestellt werden, dah es sich bisher in keiner Weise um Verhandlungen gehandelt hat. Tie Parteien haben — unb das ist der gegenwärtige Stand der Situation — einan- der ihre Winde st fotdetungen wissen lasten. Die Deutsche Dolkspartet verlangt bie sofortige Lösung ber Preußen- frage das Zentrum fordert eine Vermehrung feiner Regierungssitze unb wünscht in biesem Zusammenhänge bas Er - nähtungs-. unb bas Susti z m ini st e - rium. Daraus erkennt man, bah sich in Der Situation seil ben damaligen ersten Koalitions- Verhandlungen des Reichskanzlers im vergangenen Sabre bis heute auch noch nicht das geringste geändert hat. Reu an der ganzen Sachlage ist nur — unb bas muh scharf herausgeho- ben werden —, dah man heute gar nlq>t mehr unbedingt auf Die Drohe Koalition zusteuert, sondern, beeinflußt von gewissen parlamentarischen Kreisen, gleichsam eine Lösung in Etappen anstrebt. So denkt man sich z. B. eine augenblickliche Bereinigung ber Koalitions- frage bergeftalt, bah bie Regierungsparteien, bie ja schon eine Art Große Koalition bilben, stch etwas intimer im interfraktionellen Ausschuh zusammenfetzen könnten. Etwas zaghafter ist ber anbere Vorschlag, ber dahmgeht, bah man doch erst einmal biefe intime Zusammenarbeit auf ben zu bilbenben Etatsausfchuh beschränken könnte, too sich bie Parteien verpflichten toürben, zunächst nur den ©tat unter Dach und Fach zu bringen. Mit einem Wort: tn ber Koalitionsfrage wird gut Ding noch lang
zwischen Reich und Ländern in staatsrechtlicher unb finanzieller Hinsicht zur Erörterung kommen. Andererseits ist aoer auch bie hessische Etatsgestaltung von dem noch schwebenden Reichs- Haushaltsplan in mancher Hinsicht abhängig, was mit dafür spricht, das Plenum erst im März einzuberusen.
Oer Vatikan
und die elsässische Frage.
Ein untergeschobener Brief.
Paris, 27. Januar. (2DIB.) Die „Kalmarer Reuesten Rachrichten" sprechen voa einem Im Elsaß umlausendcu Gerücht, wonach der päpstliche Brief, durch den die aatonomiftenfeinb- liche Haltung de» Straßburger Bifd) o f 6 gegenüber dem elsässischen Klerus gebilligt wird, durch ein unehrenhaftes Manöver zur Unterzeichnung gelangt fei. Der Brief sei unter die dem Kardinalstaatssekretär Gaspari zur Unterzeichnung vorgelegten Dokumente geschoben mordens Staatssekretär Gaspari habe in dem Glauben, dah es sich um ein unwichtiges Dokument handele, dieses ungelesen unterschrieben. Ein Sekretär der französischen Botschaft beim Vatikan sei e» gewesen, der dieses Manöver habe ansführen lassen. Monsignore Kannengieher unb Senator llbbe Müller erklärten, daß sie die Angelegenheit in Rom nachprüfen lassen würden. Das gleiche Blatt verzeichnet das Gerücht, daß der Vatikan zwei Kardinale mit der Prüfung der Lage im Elsaß betrauen werde.
Indische Kundgebungen für Amanuttah.
Konstantinopel, 27. Jan. (TU.) Wie aus Angora gemeldet wird, haben in Bombay gewaltige Kundgebungen für Aman- u 11 a h stattgefunden. An diesen Kundgebungen haben sich sämtliche indischen Nationalisten und Vertreter der verschiedenen mohammedanischen Parteien beteiligt. Es wurde von den Versammelten ein Telegramm an Amanullah gesandt, in dem ihm die Anerkennung als König von Afghanistan au5> gesprochen unb Unterstützung zugesagi wird. Weiter wurde ein Telegramm an die englische Regierung gerichtet, in dem verlangt wird, daß die englische Regierung ihre Politik gegenüber Arnarn ullah ändern und Habibullah die Unterstützung im Kampf gegen Amanullah versagen möge.
Nach den über Moskau eingetroffenen Nach richten aus Kabul hat sich die politische Lage in Afghanistan zugunsten Amanullahs stark geändert. Den Truppen Amanullahs ist es gelungen, zwei Führer der Regierungstruppen Habibullahs in die Gefangenschaft zu führen. Amanullah W
Heilverfahrens aufzustellen. Tie vom Reichs- arbeitsminifter nunmehr vorgelegten Richtlinien, bie sich zunächst auf Tuberkulose unb Geschlechtskrankheiten beschränken, bringen eine gewisse Arbeitsteilung zwischen ben Dersiche- rungsträgem. Wichtig ist ferner, bah In Zukunft ber Versicherte mit seiner Familie als eine Einheit betrachtet wirb, so bah bie Heil- unb Fürsorgemahnahmen auch ben Angehörigen bes Versicherten zugute- tommen. Der ilmftanb, bah bisher der gute Erfolg ber Heilmahnahmen. namentlich bei ber Tuberkulose, durch die Rückkehr in ungeeignete Arbeits- unb Wohnungsverhältnifse oder sonstige Mängel ber Lebenshaltung schnell wieder verloren ging, unb damit ein großer Gelbauf- wanb ber Versicherungsträger gegenstandslos würbe, wirb in ben Richtlinien des Reichsarbeitsministers dadurch beseitigt, dah ber nachgehenden Fürsorge grohe Aufmerksamkeit zugewanbt wird. Die gesamte Angelegenheit bedeutet also einen Schritt zur Rationalisierung unb Sntensivierung des Heilverfahrens, das den Trägern ber Versicherung innerhalb der Gesundheitsfürsorge für einen großen unb gefunbheitlich stark gefährbeten Teil des deutschen Volkes gilt.
Oie Arbeiten des hessischen Parlaments.
D a r m st a d t, 26. Jan. Sm neuen Jahr hat bisher lediglich der Gesetzgebungsausschuß getagt unb das Zigeunergesetz soweit erledigt, daß am kommenden Dienstag die zweite Lesung erfol- §en soll. Anschließend daran soll das Gemcinde- eamtengesetz in Angriff genommen werden. Am Donnerstag tagte der interfraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien, der sich auch mit diesem Gesetzentwurf befaßte, da über einige Fragen noch Unklarheiten oder Meinungsverschiedenheiten bestanden. Selbstverständlich sind auch von einzelnen Bcamtenberufsvereinigungcn nocy Vorschläge cingereicht worden, die ebenfalls im Ausschuß zur Erledigung kommen sollen. — Sn der kommenden Woche wird auch der Haupt- (Finanz-) Ausschuß seine Arbeiten aufnehmen. Am Dienstag wird zunächst die Verteilung der Referate beim Voranschlag 1929 erfolgen, worauf bann schon mit der Budgetberatung und der Erledigung der noch ausstehenden Vorlagen begonnen werden soll. Wenn auch ein „neuer" Haushaltsplan nicht vorliegt, so ist doch bei dem Finanzgesetz eine B e • schlußfassung z u den einzelnen Kapiteln notwendig. Der dritte Ausschuß wird wahrscheinlich erst gegen Ende der kommenden Woche zusammentreten. Sn parlamentarischen Kreisen rechnet man damit, daß die Etatsberatung im Finanzausschuß etwa drei Wochen in Anspruch nehmen wird. Das Plenum dürfte daher kaum vor Anfang März seine Arbeiten aufnehmcn. Bei seinen Beratungen wird dann mit dem Etat auch die Frage der Neuregelung der Beziehungen
Berlin, 27. San. (WTB.) Die Reichspartei des deutschen Mittelstandes trat im Preußischen Landtag unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung aus allen Teilen des Reiches zu ihrem 10. ordentlichen Parteitag zusammen. Der Partei- vorsitzende, Rcichstazsabgeordneter Drewitz, begrüßte bie Erschienenen, wies auf die wirtschaftliche Rot hin, mit der das deut.che Volk zu kämpfen habe, unb bedauerte, daß Parteizank unb Parteiinteressen eine Einheitsfront des beut- schen Volkes gegen alle seine Widersacher im Westen unb Osten nicht zugelassen hätten. Mit dem Wohlergehen der Ration sei auch das Wohlergehen bes deutschen Mittelstandes unlösbar verknüpft. Wenn ber Mittelstand im neuen Deutschlanb dasselbe Recht erhalten wolle tote bie anderen, so müsse er ein Machtfaktor sein. Das deutsche Bürgertum müsse wieder bie Grundlage des Staatis bilden.
Als erster Redner sprach Deichstagsabgeorb- neter Prof. Dr. Brebt über »Außen- unb Kulturpolitik'. Bei den kommenden Ter» Handlungen über bie Revision deS Dawesplanes, verlange bie Partei in erster Linie eine Aufrechterhaltung des Transserschutzes. Außerdem eine Zurückführung ber Lasten auf ein tragbares . Maß. Sn kultureller unb religiöser Beziehung bekenne sich d.e Partei zum Gedanken ber christlichen Weltanschauung. Sn ber Außenpolitik w.e in der Snnenpolitik gelte bie Losung- „Ein gesunder Mittelstand In einem geunden Tat erlaube 1" — Der Parteivor.i.-ende Drewitz erläuterte bann kurz bie Haltung ber Wirtschaftspartei zur Finanzpolitik. Er wandte sich gegen die neuen Steuerpläne des Reichssinanz-
GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Gberhefsen
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