Ausgabe 
27.9.1929
 
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Das neue Wiener Kabinett.

Bundeskanzler Schober.

Wenn jemals ein Kanzler bei seinem Amtsantritt eine gute Presse gehabt und freundlich begrüßt wor­den ist, dann trifft es für den neuen Leiter der österreichischen Politik zu. Es ist ganz merkwürdig, wie auch die sozialdemokratischen Blätter, in Wien dieArbeiterzeitung", und in Berlin derVorwärts", ihn freundlich, man möchte fast sagen, liebevoll be­grüßen. Dabei muß man sich daran erinnern, daß vor etwas mehr als zwei Jahren gerade Schober als Wiener Polizeipräsident in die politischen Un­ruhen mit fester Hand eingriff und gegen die So- zialdemokraten scharf vorging. Es kam bekanntlich damals zum Sturm auf das Justizgebäude, das in Flammen aufging. Damals war Polizeipräsident Schober der be st gehaßte Mann im roten Wien, und Schmeichelworte wie Bluthund flogen ihm um die Ohren. In den letzten Wochen jedoch hat zwischen ihm und den Sozialdemokraten eine Aussöhnung staltgefunden, und nun hat er vorläufig wenigstens keinen nennenswerten Widerstand von dort zu erwarten. Man muß bei Herrn Schober an­erkennen, daß er mit Kraft auf der einen Seite, aber auch mit politischem Takt und Geschick auf der andern Seite gehandelt hat. Mit rückhaltsloser Ener­gie ist er jedem Versuch, Unruhen zu stiften, ent­gegengetreten, und er hat erklärt, gegen jeden neuen Putsch mit äußerster Strenge vorgehen zu wollen, gleichgültig, ob die Putschversuche von links oder von rechts kämen. Durch diese Unparteilichkeit hat er sich die im heutigen Oesterreich besonders not­wendige Autorität verschafft.

Schon aus der Tatsache, daß Schobers Amts­antritt fast von allen Parteien in Oesterreich als eine glückliche Lösung begrüßt wird, läßt sich er­sehen, daß er in einem sehr ernsten Augenblick das Heft in die Hand nimmt. Es stehen sich die Sozial­demokraten mit ihrem Schutzbund und die bürger­lichen Parteien, voran der Landbund, mit den Heimwehren feindlich gegenüber. Allmählich haben auch die Sozialdemokraten eingesehen, daß sie nicht auf die Dauer einer Aenderung der öfter« reichischen Verfassung sich werden wider­setzen können. Es fragt sich nur, wie weit sie der anderen Seite nachzugeben bereit sein werden. Die heute geltende österreichische Verfassung, die un­mittelbar nach dem Zusammenbruch entstand, hat besonders in Wien zu auf die Dauer unhaltbaren wirtschaftlichen Verhältnissen geführt. Die Konfisk^ tion des Eigentums bürgerlicher Hausbesitzer durch die sozialistische Stadtverwaltung bedeutete einen Rechtsbruch, wie man ihn sich größer nicht vorstellen kann. Schon dem Vorgänger Schobers, dem Bundes­kanzler Streeruwitz, der jetzt zurücktritt, war gelungen, hier einen Ausgleich anzubahnen und eine Aenderung d e s Mietengesetzes durchzuführen, die immerhin eine kleine Besserung brachte.

Streeruwitz war mehr der Vertreter der Wirt­schafts- und Industiüekreise, als aktiver Politiker. Auch er hat in manchen Dingen, z. D. rn der eben erwähnten Mieterfrage, eine glückliche Hand ge­habt und den Boden vorbereitet, auf dem jetzt Schober die Hauptarbeit leisten soll. Stree- ruwih hat sich Verdienste erworben, die nicht unterschätzt werden dürfen. Aber er selbst hat erkannt, daß er als Politiker nicht stark genug war, um die Hauptaufgabe der Derfassungsreform durchzuführen, und somit räumte er freiwillig seinem stärkeren Nachfolger den Platz. Dieser wird aller Geschicklichkeit und aller Taktik be­dürfen, über die er verfügt, um den Verfas­sungskonflikt in Oesterreich so zu lösen, daß die fordernde Seite befriedigt und die Gegner nicht allzu sehr vor den Kopf gestoßen werden. Festig­keit vereint mit Mäßigung geben einen guten Klang.

Das Kabinett Schober.

Altbundespräsident Dr. Hämisch wird Handelsministcr.

Wien, 26. Sept, (wv.) Der Hauplausschuh des Nationalrals hat beschlossen, dem Rälionalrat folgen­den Vorschlag für die Wahl der neuen Bun­desregierung zu erstatten: Bundeskanzler Po­lizeipräsident Schober; Vizekanzler und Minister für Heereswesen v a u g o i n (Christl.-So;.); Justiz­minister der bisherige Justizminister Dr. S l a m a (Grohdeutsch); Minister für soziale Verwaltung Uni- verfitätsprofessor Dr. I n n i h e r; Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft der bisherige Mini­ster Jöbermetjr (Christl.-So;.); Minister für handel und Verkehr der frühere Bundespräsident Dr. Michael h a i n i s ch. Der bisherige Vizekanzler S ch u m y (Landbund) wird das Ressort des Inne­ren übernehmen. Mit der Leitung der Ministerien für Finanzen und für Unterricht soll einst­weilen Bundeskanzler Schober betraut werden, bis die hierfür in Aussicht genommenen Persönlichkeiten erreicht werden können. Wie verlautet, ist für den Posten des Finanzministers der Unioerfitätspro- fessor und frühere Finanzminisler im Kabinett Lam­masch Dr. Joseph Redlich, für den Posten des Unterrichtsministers der Univerfltätsprofessor Dr. Liselsberg in Aussicht genommen. Der TI a - ti 0 nalrat genehmigte mit 84 Stimmen der Christlich-Sozialen, Grohdeutschen und des Land­bundes gegen 69 Stimmen der Sozialdemokraten den wahlvorschlag des Hauptausschusses, womit die neue Regierung in der oben gemeldeten Zusammen- fetzung gewählt erscheint.

Das Kabinett der Wissenschaftler.

Wien, 26. Sept. (Privatmeldung.) Die Zu­sammensetzung des neuen Kabinetts zeichnet sich dadurch aus, daß neben bewährten Persönlich­keiten als Vertreter der Mehrheitsparteien her­vorragende Männer der Wissen­schaft berufen worden sind, deren Namen auch weit über die Grenzen Oesterreichs hinaus einen guten Klang haben. Dies gilt insbesondere von dem auch als Nationalökonom bekannten frühe­ren Bundespräsidenten Dr. h. c. Michael Harnisch, der mit 71 Jahren das älteste Mitglied der Regierung ist. Llniversitätsprofes- f o t Eiselsberg , 1860 geboren, ist der ge­suchteste und international bekannte Chirurg der Wiener medizinischen Schule, ein Schüler Dill- roths, und erfreut sich auch wegen seiner persön­lichen Eigenschaften allgemeiner Wertschätzung. Der für das Finanzministerium in Aussicht ge­nommene Llniversitätsprofessor Dr. Joseph Red­lich, geboren 1869, war auch im Kabinett Lam­masch dem letzten der Habsburger Monarchie,

Finanzminister: er weilt gegenwärtig in Amerika, wohin er vor mehreren Jahren als Professor ür die Staatsrechtsfragen an die Harvard-Llni- versität in Cambridge berufen wurde. Ob er die Berufung annimmt, ist noch fraglich. Der neue Minister für soziale Verwaltung, Dr. Inniher, Professor der Theologie, geboren 1875, war im abgelaufenen Studienjahr Rektor der Wie­ner Universität, als der er in der weiten Öffentlichkeit wegen seines konzilianten Wesens außerordentlich geschäht wurde. In der Heran­ziehung dieser Persönlichkeiten erblickt man viel- ach das Bestreben des Bundeskanzlers Scho­ber, seinem Kabinett von Autoritäten einen weniger politischen Charakter zu ge­ben.

In Deinem Lager ist Oesterreich" Tie Wiener Presse zum Kabinettswechsel.

W i e n , 26. Sept. (WTB.) Zur Berufung des Polizeipräsidenten Schober, die von der bürger­lichen Presse einmütig begrüßt wird, schreibt dieReichspo st" : Wenn heute Polizeipräsi­dent Schober Bundeskanzler wird, so spricht sich darin mit überwältigender Deutlichkeit der Volks­wille aus, für das schwierige Werk der inneren Reform einen Mann an der Spitze des Staates zu ehen, der für jeden eine Verkörperung der Staatsautorität, beb Gesehmä - ßigkeitund Ordnung ist und zugleich die Verkörperung zielbewußter Energie, mit legalen Mitteln den innerstaatlichen Aufgaben zu dienen. Der Rame Schober ist die Widerlegung aüy:

Berlin, 26. Sept. (WB.) Wie der Polizei­präsident mitteilt, ist bei der Stadt Berlin vor einigen Tagen der Verdacht entstanden, daß die Kaufleute Leo, Max und Willy Sklarek in Firma K. V. G. (Kleider-Vertriebs-Gesell- schaft) Gebrüder Sklarek durch umfangreiche Be­trügereien und Llrkundenfälschungen die Ber- I ine r Stadtbank geschädig t haben. Die Durchsuchung der Wohnungen undGeschäftsräume ergab die Beschlagnahme erheblichen Beweismaterials, so daß die Polizei die Beschuldigten vorläufig f e st n a h m.

Die Gebrüder Sklarek hatten auf Grund eines Vertrages mit der Stadt ein Recht auf Be­lieferung der städtischen Dienststel­len, Anstaltenusw. mitfämtlicherDe- kleidung, Textilien und Schuhwaren. Dieser Vertrag läuft noch bis 1935. Die Ge­brüder Sklarek haben sich ihre Forderungen an die Bezirksämter und Anstalten von der Stadt­bank bevorschussen lassen. Die auf diefer Grundlage gegebenen Kredite erreichten im Laufe der Zeit einen Umfang von mehreren Mil- Honen Mark. Daneben sind bann später außer ben Rechnungen auch bie Bestätigungen großer Aufträge von städtischen Dienststellen a l s Kreditunterlage benutzt worden, wobei dem Schriftwechsel die Durchschrift eines von zwei städtischen Beamten unterschriebenen Destellixach- weises beigefügt wurde. Die Prüfungen haben jetzt ergeben, daß diese Aufträge und Bestäti­gungsschreiben 3.$. fingier t gewesen sind, wo- fei auf den Destellnachweisen die Unterschriften der städt. Beamten gefälscht wurden, so daß für diese Aufträge Ansprüche und Forderungen der

6. Internationaler Sans- und Grundbesitzerkongreß.

Berlin, 26. Sept. (WTB.) Der von der Union Internationale de la Propristö Fonciöre Bätie und dem Zentralverband Deutscher Haus­und Grundbesitzer-Vereine einberufene 6. Inter­nationale Haus- und Grundbesitzer-Kongreß wurde im Plenar-Saal des Reichswirtschaftsrates in Anwesenheit von Vertretern der Reichs- und Staatsbehörden sowie zahlreichen Mitgliedern des Reichs- und Landtages und Vertretern von be­freundeten Verbänden und Organisationen, fer­ner in Anwesenheit von Vertretern der Botschaf­ten und zahlreichen Delegierten aus allen Teilen Deutschlands und des Auslandes eröffnet. In seiner Begrüßungsansprache führte der Präsident des Zentralverbandes Deutscher Haus- und Grundbesihervereine, Stadtrat Ioseph H u m a r, Mitglied des Reichswirtschaftsrates, aus, daß die Union Internationale 34 Staaten der Erde umfasse und fünf Millionen Mitglieder aufweise. Sie gehe von dem Grundsatz aus, daß nur das Privateigentum die Grund­lage sei, auf der man eine gesunde Wirtschaft auf­bauen könne. Denn Industrie, Weltwirtschaft, Gewerbe und Mittelstand seien infolge ihrer privaten Initiative und ihres Un­ternehmungsgeistes allein imstande, die Kultur eines Volkes zu fördern und hochzuhal­ten. Der Staat dürfe niemals als öffentliche Hand in die Privatwirtschaft selbst eingreifen. Die Hausbesitzer, die den größten Teil des Privateigentums zu verwalten hätten, müßten ihre Rechte auf der ganzen Welt geschlossen ver­teidigen. Der Präsident der Union Inter­nationale de la Propiets Fonciöre Bätie, L a - m e r a u x , betonte, daß die Grundbesitzer nicht egoistische Interessen, sondern bie Interessen ber Kultur unb ber Länder verträten unb bah sich der gegenwärtige Kongreß in erster Linie mit Fragen beschäftigen werde, die von großer Be­deutung für Volk und Wirtschaft seien. Mini­sterialdirigent Dr. Weigert überbrachte die Grüße und Glückwünsche der Reichs- und Staats­regierung und hob die geschichtliche und volks­wirtschaftliche Bedeutung des Haus- und Grund- besiherstandes hervor. Es folgten weitere An­sprachen der Vertreter der Reichs-, Staats- und Gemeindebehörden und der Führer ber ausländi­schen Delegationen. Mit ber Einsetzung ber Kom­missionen würbe bie Dormittagstagung ge­schlossen.

Westfälischer Bauernbund und Volksbegehren.

Essen, 26. Sept. (WB.) Der in ber hier ftatt- findenden Großen Ruhrländischen Gartenbauausstel­lung versammelte Gesamtvorstand des Westfälischen Bauernbundes nahm in eingehenden Beratungen zu 1 ben brennenden gesamt- unb wirtschaftspolitischen

Putschmärchen. In den großdeutschenWre- nerRachrichten" heißt es: Es unterliegt fei­nem Zweifel, daß bie weitesten Schichten un­serer Bevölkerung die Uebernahme der Regie­rungsgeschäfte durch Schober freudig begrü­ßen eingedenk der zahlreichen Verdienste, die er sich in politisch und geschichtlich bedeutsamen Augenblicken um Volk und Vaterland erworben hat. Das Organ des Landbundes, das Reue Wiener Extrablatt", das schon lange eine neue, starke Regierung gefordert hatte, schreibt: Der Rame Schober ist wohl an sich der stärkste Beweis der inneren Be­friedung Oesterreichs und der absoluten Sicherheit, welche dieses Staatswesen nunmehr verbürgt. Die Zeit des Bürgerkriegs und der inneren Erschütterungen ist damit vorüber. Die Reue Freie Presse" begrüßt Schober mit den Worten: In Deinem Lager ist Oesterreich. Wir sagen es, schreibt das Blatt, mit der Emp­findung, daß niemand stärkere Bürg­schaft gibt für ein Regime der Pflichttreue und der kraftvollen Handha­bung der Gesetze als Iohannes Schober. Mögen die 'Parteien, mögen sämtliche Gruppen bedenken, welches Kapital diese Persönlichkeit bedeu­tet und daß sie durch Hetzereien, durch unnützen Widerstand dieses Kapital verwirtschaften und damit ein großes Gut für Oesterreich zerstören. DasReue Wiener Tageblatt" schreibt: Der Rame Schober bedeutet Vertrauen und Beruhigung. Sein Leitstern ist Legalität und unbedingte Einhaltung der verfassungsmäßigen, gesetzlichen Grundlagen des staatlichen Lebens.

Gebrüder Sklarek an städtische Dienststellen und Anstalten gar nicht bestehen. Die vorläufige Untersuchung bei zwei Bezirksämtern hat ergeben, daß den angeblichen Forderungen der Ge­brüder Sklarek in Höhe von mehreren hundert­tausend Mark tatsächlich nur ganz geringe rückständige Zahlungen der Bezirksämter gegenüberstehen. Hiernach besteht die Wahrschein­lichkeit, daß auch bei den angeblichen Forderungen an andere Bezirksämter Fälschungen in großem Stil vorgenommen worden sind. Der Vertrag der Stadt mit den Grbrüdsrn Skla­rek auf Belieferung der städtischen Dienststellen und Anstalten mit Kleidung, Textilien und Schuh- waren geht zurück auf die Maßnahmen, die seinerzeit bei der Liquidation der städtischen Kleidervertriebsgesellschaft erfolgt sind. Die drei Brüder Sklarek sollen der Stadt Berlin einen Schaden von 10 Millionen Mark zuge­fügt haben. Reben der polizeilichen Untersuchung läuft eine Untersuchung des Magistrats Berlin, die schon jetzt zu dem Ergebnis geführt hat, daß durch mangelhafte Kontrolle und Organisation, vor allem aber durch eine kaum entschuldbare Leichtfertigkeit ungeprüft Millionen-Kredite gege­ben worden sind. Mit der Abberufung der drei Direktoren der Berliner Stadt- b a n k, dLnen in erster Linie die Verantwortung für die Mißwirtschaft zugeschrieben wird, ist baldigst zu rechnen. Ob dem Treiben der Brüder Sklarek durch die Unterstützung beamteter Per­sonen Vorschub geleistet worden ist, wird die weitere Untersuchung ergeben.

Fragen Stellung. Es wurde u. a. die folgende Ent­schließung angenommen: Mit Rücksicht auf die schädlichen Folgen, die auf außen- und innerpolitischen sowie wirtschaftlichem Gebiete durch das Volksbegehren der Rechtsradikalen hervorgerufen werden, fordern wir unsere Mitglieder nachdrücklich auf, s i ch von jeder Beteiligung an der Vorbereitung und Durchführung des Volksbegehrens fernzuhalten.

Oie Gchweizerfahrt desGraf Zeppelin", lieber Genf, Bern und Zürich.

Graf Zeppelin" erschien am Donnerstag kurz vor Mittag in geringer Höhe über Genf. Es flog über der Stadt einen großen Kreis und stieg dabei in zehn Minuten auf etwa 1000 Meter Höhe, um bann den Jura anzuftiegen. Zur Begrüßung des Luft­schiffes waren vom Genfer Flughafen vier Flug­zeuge aufgeftiegen. Der silberne Riesenleib an dem klaren wolkenlosen Herbsthimmel rief auf den Stra­ßen, die sich nach dem Geschäftsschluß rasch mit Neugierigen füllten, überall große Begei- st e r u n g hervor. Auch in der Bundeshauptstadt Bern wurde derGraf Zeppelin" von der ganzen Bevölkerung mit Spannung erwartet. Als das Luft­schiff um 13.35 Uhr in Sicht kam, wurde es durch den Radjosender mit dem Berner Marsch, sodann mit Ansprachen und schließlich mit dem Deutschland­lied begrüßt. Dreimal kreiste das Luftschiff über der Stadt, von mehreren Flugzeugen begleitet. Beim Flug über das Bundeshaus neigte das Luftschiff zum Gruß die Spitze. Nach einem prächtigen Alpen­flug erschien das LuftschiffGraf Zeppelin" um 15.30 Uhr über dem Vierwaldstätter-See und verschwand zehn Minuten später mit Fahrt­richtung auf den Zuger-See. Um 15.50 Uhr wurde das Luftschiff in Z ü r i ch sichtbar und überflog bald darauf, von vier Flugzeugen begleitet, die Stadt. Um 16 Uhr setzte es seine Fahrt in Richtung Win­terthur fort. Nach neunstündiger Fahrt ist es in Friedrichshafen um 17.28 Uhr glatt gelandet.

Oer Zeppelin

zur zweiten Schweizerreise gestartet.

Friedrichshafen, 27. Sept. (WTB. Funk­spruch.) Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist heute früh 8.37 Uhr mit etwa 25 Passagieren an Bord zu seiner zweiten Fahrt nach der Schweiz gestartet. Die Einlegung dieser Fahrt ist auf den Wunsch einer Filmgesellschaft zu­rückzuführen, deren Operateure bereits die erste Reise in die Schweiz mitmachen wollten. Außer­dem nehmen an dieser Fahrt noch teil einige Herren der Berliner japanischen Botschaft, sowie zahlreiche andere zahlende Passagiere. Die Route wird ungefähr dieselbe sein wie die erste Fahrt. Da die Wetterlage für Flüge im Alpengebiet zur Zeit sehr günstig ist, wird, wie schon berichtet,

Sie Siadi Berlin um mehrere MllionengeschäW.

Verhaftung der Gebrüder Sklarek. - Detrugsanzeige durch den Berliner Magistrat

am Samstag s r üh eine dritte Fahrt nach der Schweiz folgen, für welche die Passagierplätze ebenfalls restlos belegt sind. Die Süddeutschlandfahrt, bei der auch München besucht werden soll, wird erst am kommenden Dienstag zur Durchfüh­rung kommen.

Aus aller Welt.

Eine Deutsche Woche in Barcelona.

Dom 19. bis 26. Oktober wird bei der Weitaus- Stellung in Barcelona eineDeutsche Woche" stattfinden. Eine Reihe deutscher O p e r n Vorstel­lungen sind vorgesehen, und zwar unter der Lei­tung von Max von Schillings unb unter ber Regie bes Jntenbanten Sachse vom Stabttheater Hamburg, sowie unter Mitwirkung bebeutenber Künstler ber Berliner, Hamburger, Münchener unb Wiener Oper. Insbesondere soll ber Nibelun- genring aufgeführt werben. Ferner, ist ber Be­such bes neuen deutschen Kreuzers Königsberg vorgesehen.

Deutsche Forscher in Südafrika.

Die deutsche archäologische Expedition, die unter der Leitung des Frankfurter Geheimrats Leo Frobenius steht, und an der acht hervor­ragende deutsche Forscher beteiligt sind, hat in Süd­afrika viele Tausende von archäologischen Funden, u. a. Steinwassen, Tongefäße, Kupfer- und Bronze­geräte von größter geschichtlicher Bedeutung gemacht. In einer rhodesischen Ruine hat Frobenius ein Stahlstück entdeckt, das inzwischen nach Europa zur Prüfung geschickt worden ist. Dieser Fund be­rechtigt zu der Annahme, daß die in Südafrika Vor­gefundene Stahlerzeugung derjenigen der alten Phi­lister sehr ähnlich ist. Frobenius hat kürzlich auch vorgeschichtliche Ueberreste von fBergmertsanlagen von Portugiesisch-Ostafrika vorgefunden und grüne und got'ene Kugeln von einer merkwürdigen Tech­nik entdeckt, was wiederum darauf schließen läßt, daß im vorgeschichtlichen Afrika eine alte Kul­tur herrschte, und daß man große Metall- mengen ausführte. Die Ausfuhr scheint die ganze Küste von Südamerika umfaßt und nach dem Indischen Ozean unb dem Persischen Golf aus- gestrahlt zu haben.

Ein Hochstapler verhaftet.

In München ist der Hochstapler Karl Ql ä gl e verhaftet worden, dem es seinerzeit gelungen ist, sich trotz mangelnder Qualifikation die Stelle als Leiter des Zeileis-In st i t u ts in Nürnberg zu verschaffen. Rägle war früher Trambahnschaffner in München, wurde entlassen und verschwand, nachdem er wieder­holt wegen Betruges und Bettelei bestraft worden war, aus München. Ende Qlngnft traf er als Leiter des Zeileis-Jnstituts in Nürnberg ein, täuschte das Personal der Anstalt und die Assistenzärzte erfolgreich über seine Her­kunft und hatte einen großen Patienten- 8 u l a u f. Als man ihn entlarvte, war er noch rechtzeitig aus Rürnberg verschwunden.

Die erste Weltraumrakete wird gebaut

Professor Oberth, der Preisträger des Pariser Internationalen Wettbewerbs für Raumschiffahrt, hat soeben den Bau seiner ersten Dersuchsrakete begonnen. Lim ihm für seine wissenschaftlichen Theorien die Möglichkeit der praktischen Erprobung bieten zu können, hat dem Vernehmen nach die Ufa und der Regisseur Fritz Lang dem Preisträger die Mittel für den Weiterbau der ersten Dersuchs­rakete zur Verfügung gestellt. Beide werden den Bau der ersten Weltraumrakete gemeinsam fi­nanzieren. Lieber die technischen Einzelheiten des neuen Flugschiffes ist Näheres noch nicht be­kannt

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Donnerstag, 26.5ept.1929,8nmas.

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Wettervoraussage

Wenn auch der Hohe Druck langsam abgebaut wird, so bleibt er doch zunächst noch bestimmend für die Wetterlage. Die im Norden vorüberziehende Stö­rung wird mit ihrer weit südwärts vorgreifenden Warmluft jedoch im ganzen die Temperaturen etwas beeinflussen, so daß namentlich nachts eine langsam sich steigernde Temperaturzunahme zu erwarten ist. Auch dürfte im Laufe des morgigen Tages etwas leichte Bewölkung aufziehen, aber sonst bleibt der herrschende Witterungscharakter fortbestehen.

Wettervoraussage für Samstag: Weiterhin morgens stellenweise neblig, tagsüber meist heiter oder nur zeitweise etwas leichte Be­wölkung, trocken, nachts etwas wärmer.

Wettervoraussage für Sonntag: Weitere langsame Erwärmung, besonders nachts, tagsüber zeitweise bewölkt, trocken.

Lufttemperaturen am 26. Sepember: mittags 18 Grad Celsius, abends 7,3 Grad: am 27. September: morgens 4 Grad. Maximum 18,5 Grad, Minimum 2,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. September: abends 16,9 Grad; am 27. Septem­ber: moraens 10,4 Grad Celsius. Sonnenschein­dauer 7A Stunden.