Ausgabe 
27.9.1929
 
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Nr. 227 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Aeitag, 27. September 1929

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Fusion Deutsche Bank Oisconto-Gesellschast.

Deutschlands größte Bank mit 285 Millionen Kapital und 4,3 Milliarden Einlagen.

Oie neue Riesenbau!.

Von unserer Berliner Redaktion.

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel ist am Don­nerstag auf allen Börsen die Meldung eingeschlagen, daß die Deutsche Bank und die Disconto-Gesellschaft sich zu einer einzigen Riesenbank verschmelzen wol­len. Diesmal ist das Geheimnis wirklich ausgezeich­net gewahrt worden. Während sonst wochenlang von derartigen Absichten gemunkelt wurde und noch Dementis fällig waren, auch wenn alle Abmachun­gen bereits festftanden, hat hier außer den Nächst- beteiligten offenbar niemand eine Ahnung gehabt. Vielleicht allerdings ist auch der Gedanke selbst im Eilzugstempo durchgeführt worden, weil am 1. Ok­tober die Frist für die Geltung der ermäßigten Fu- fionsfteuer abläuft, also noch Riesenbeträge gespart werden konnten, wenn die Vereinigung sich inner­halb der kommenden Woche vollzieht. Die Folgen dieser inneren Umgruppierung innerhalb unserer Bankwelt zu übersehen, ist im Augenblick gar nicht möglich. Die neue Bank wird über ein eigenes Kapi­tal von 285 Millionen verfügen, wozu noch mehr als 150 Millionen offene Reserven treten. Sie kommt also in Größenordnung schon den größten englischen Banken sehr nahe. Ihr Jnteressenkreis umfaßt fast die gesamte deutsche Wirtschaft. Beide Institute hat­ten bisher enge Beziehungen zur Schwerindustrie, die Fäden laufen zur Elektrizitätsindustrie, zur Ma­schinenindustrie, zu den Automobilen. Dazu die Ufa, der Schultheiß-Konzern, Hirsch-Kupfer, die Zellstoff­industrie, Kaliinteressen und Auslandverbindungen nach der Türkei, nach China, in unsere ehemaligen Kolonien wie auch in das neutrale Ausland: das ist ein Machtfaktor, der sich abgesehen von der rühri­gen Leitung durch sein eigenes Schwergewicht durch­zusetzen imstande sein wird.

An der Börse war davon die Rede, daß Hand in Hand damit auch ein großer Teil des Kapitals der neuen Bank in Amerika untergebracht werden sollte. Vielleicht nur eine Vermutung, die sich auf eine 9tebe hetz. Direktors. LshI von-der. Deutschen .Lank- gründet; er hat vor wenigen Tagen gerade aus­einandergesetzt, daß wir uns durch Abgabe von Attien Geld zu beschaffen suchen müßten, um auf diese Weise eine Art Ueberfremdung künstlich her­beizuführen, aber dafür billiges Geld zu bekommen. Inwieweit dieser Plan greifbar Gestalt gewinnt, läßt sich vorläufig noch nicht sagen. Es liegt aber nahe, daß die neue Großbank international sehr enge Verflechtungen eingeht. Das wäre zu bedauern, ist aber bei unserer Einschnürung vielleicht unver­meidlich und kann auch unter Umständen für die arbeitschaffende Industrie von Wert sein. An sich bleibt natürlich die Zusammenballung derartiger ungeheurer Gelder mit der Macht, die hinter ihnen steht, unerfreulich, weil sie die Mittelschichten er­drückt, aber der Zug zur Rationalisierung, in Ver­bindung damit der Kampf gegen die Uebersetzung der einzelnen Wirtschaftszweige liegt im Laufe der Dinge, und es ist unwahrscheinlich, daß die Ent­wicklung mit dieser Verschmelzung schon abgeschlos­sen wäre.

Das offizielle Kommunique.

Berlin, 26. Sept. (1BB.) Die Aufsichlsräte der Deutschen Bank und der Disconto-Ge- s e l l s ch a f t haben heute beschlossen, die Ber­einigung beider Banken ihren Generalver­sammlungen am 29. Oktober 1929 vorzuschlagen. Das vereinigte Institut wird die FirmaDeutsche Bank und Disconlo-Gesellschafl" füh­ren und ein Aktienkapital von 2 85 Mil­lionen Mark mit etwa 160 Millionen Mark Reserven erhalten. Bon dem Aktienkapital fallen 135 Millionen Mark den Anteilseignern der Ois- conto-Gesellschaft im Verhältnis von 1:1 zu. Der Aufsichtsrat soll aus den sämtlichen Mitglie­dern des Aussichtsrats der Deutschen Bank und der Disconto-Gesellschaft gebildet werden. Außerdem sollen die bisherigen drei ältesten Geschäftsinhaber der Disconto-Gesellschaft, die Herren Dr. Arthur Salomonfotjn, Dr. E. Enno Russell und Franz 11 r b i g ihrem Wunsche gemäß in den A u f s i ch t s r a t eintreten. Die Geschäftsinhaber der Disconto-Gesellschaft, Dr. S o l m h e n , Dr. Eduard Master, Gustav S ch l i e p e r, Dr. Theo­dor Frank und Dr. Fran; A. B o n e r treten i n den B o r ft a n ö der Deutschen Bank und Dis­conto-Gesellschaft ein.

Den Aussichtsräten, Geschäftsinhabern und Bor­ständen der Norddeutschen Bank in Ham­burg, der A. Schaaffhausenschen Bant- verein A.-G. in Köln, der Rheinischen Kre­ditbank und der Süddeutschen Dis- contoGesellschaft A.-G. in Mannheim soll angeboten werden, in alsbald einzuberufenden Sitzungen zu beschließen, den Generalversammlun­gen die gleichzeitige Bereinigung dieser Ban­ken mit der Deutschen Bank und Disconto-Gesell­schaft vorzuschlagen. Für diese Bereinigung der Norddeutschen Bank in Hamburg und der A. Schaaffhausenschen Bankverein A.-G. in Köln wer­den keine Aktien benötigt, weil deren gesamte Ak­tienkapitalien der Disconto-Gesellschaft gehören. Die zur Uebernahme der Rheinischen Kreditbank und der Süddeutschen Disconto-Gesellschaft A.-G.

erforderlichen, übrigens nicht erheblichen Aktienbe­träge der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft werden Großaktionäre gegen Barverrechnung zur Berfügung stellen. Die Handels-Maatschap- pij h. Albert de BaryLLo. N. B. in Amsterdam bleibt unverändert bestehen und soll weiter ausgeftaltet werden.

3n dem LommuniquL der Banken heißt es wei­ter: Diese Entschlüsse der Aufsichtsräte unserer bei­den größten Aktienbanken stellen einen bedeutungs­vollen Schritt dar, um im Bankgewerbe der Ueberbesehung zu begegnen. Sie folgen damit den seit mehreren Jahren von großen Banken des Auslandes und Industrieunternehmen des In­landes eingeschlagenen Wegen. Die Bereinigung der beiden Bankkonzerne, welche fast an hundert deut­schen Plätzen und in Berlin mit zahlreichen eng be­nachbarten Depositenkassen vertreten sind, wird E r- sparnisse an Betriebskosten sachlicher und personeller Art erbringen, auch A b - ff o 6 u n g von Immobilien ermöglichen, da­mit also als Rationalisierungsmahnahme den In­teressen unserer Gesamtwirtschaft gerecht werden. Bei der durchzuführenden Rationalisierung werden die sozialen Gesichtspunkte im Auge be­halten.

Zur Vorgeschichte derVanksusion.

Das Ueberraschungsnwment.

Berlin, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Lieber die Vorgeschichte der Verhandlungen der Deutschen Dank mit der Discontogesellschaft weiß die D. QI. Z. folgende interessante Mitteilungen zu machen: Die Verhandlungen zwischen den füh­renden Persönlichkeiten der beiden deutschen Großbanken haben erst vor verhältnis­mäßig kurzer Zeit begonnen. Sie konnten hauptsächlich beStocgejt mit jo großem Erfolg D6T deV werden, weil die Besprechungen der maßgeben­den Herren in diesem Sommer außerhalb Berlins, und zwar nicht einmal in Deutschland, geführt wurden. Die Schluß- Verhandlungen, die dann in Berlin stattfanden, wurden ebenfalls nicht in den sozusagen offi­ziellen Räumen der Bankbureaus geführt, son­dern im engen Kreise in der Privatwoh­nung des Vorstandsmitgliedes der Deutschen Tank, Dr. Bonn. So ist das Lleberra- schungsmoment, das ja bei solchen Trans­aktionen unumgänglich ist, vollkommen ge­wesen. Prompt stellten sich allerdings auch, vor allem an der Börse, die üblichen ausschmückenden

3m Urteil der Presse.

Berlin, 27. Sept. (Priv.-Tel.) Lieber die wirtschaftliche Bedeutung der Verschmelzung der beiden Großbanken schreibt dasBerliner Tageblatt" u. a.: Die Deutsche Bank wird nach der Qlufnahme der Discontogesellschaft eine absolute Hegemonie in der deutschen D a n k w e l t ausüben. Sie kann sich jetzt ge­trost mit den amerikanischen Großbanken messen. Lieber die Folgen der Transaktion sagt der L o k a l - A n z e i g s r": Beide Institute ver­fügen fast an allen wichtigen Plätzen im gleichen Maße über Filialen und Riederlassun­gen, von denen ein Teil wird Wegfällen können. Die Deutsche Bank verfügt über 181 Riederlassungen im Inlands und 7 Rieder­lassungen im Auslands. Außerdem besitzt sie 100 Depositenkassen. Die Zahl der Angestellten be­trägt etwa 13 000. Der Limsatz betrug 1928 225 Milliarden Mark, die Zahl der Konten 422 694. Die Discontogesellschaft ver­fügt über etwa 50 Filialen und ebensoviel Zweig­stellen sowie über 30 Depositenkassen. Der Per­sonalbestand umfaßt etwa 7000 Personen, der Limsatz betrug 1928 120,6 Milliarden Mark, die Zahl der Konten 166 765. Die Verpflechtungen der beiden Institute mit der deutschen Wirtschaft sind überaus mannigfach, und es ist keine Indu­strie- und Wirtschaftsgruppe, an denen die beiden Institute nicht in irgendeiner Form beteiligt sind. Von großer Bedeutung ist die Fusion ferner für den Immobilien markt; denn zweifellos werden eine Reihe von Bankgebäuden überflüssig, hat doch die Discontogesellschaft allein in Berlin und außerhalb 77 eigene Dankgcbäude.

DerDörsen-Courier" bemerkt: Das neue Institut wird eine Schlagkraft besitzen, wie sie bisher noch keine deutsche Finanzgruppe inne­gehabt hat. Für die Geldversorgung der deut­schen Wirtschaft entstehen hierdurch weitgehende Vorteile, besonders wird die Riesengroßbank jetzt im Auslande mit den ersten amerika­nischen und englischen Banken in eine Operations­front einrücken können, in welcher das deutsche Institut eine gleichberechtigte Rolle spielt. Die Beseitigung des bisherigen Rivalitäts- verhältnisses sichert dem neuen deutschen Instttut bei Verhandlungen über Kredite von vornherein eine bedeutsam gekräftigte Stellung in der Kon­ditionenvereinbarung. Hierauf darf man die Hoff­nung auf einen Beitrag zur Senkung des

Gerüchte ein. Das mit großer Bestimmtheit auf» tretende Gerücht von der Hinzuziehung aus­ländischer Bankhilfe, wobei insbeson­dere die amerikanische Rational City Dank genannt wurde, hat sich als falsch heraus- gestellt.

Oie Gründe.

Kapitalbildung durch Rationalisierung" sagt Lskar Wassermann.

Berlin, 26. Sept. (1BB.) In einer Unterredung mit einem Bertreter bes WTB. erklärte Direktor Oscar Wassermann, daß die praktische Durchführung der Berschmelzung etwa ein bis zwei Jahre in Anspruch nehmen würde. Die eigentliche Arbeit, führte Oscar Wassermann aus, beginnt jetzt erst. Dir erwarten, daß die Berschmelzung der bei­den großen Bankinstitute für die gesamte deutsche Wirtschaft fördernd und bei­spielgebend wirken wird. Die Fusion hat von beiden Seifen schwere Opfer verlangt, einmal nach der personellen Seife hin, zum anderen durch die Tatsache, daß zwei große Unternehmungen mit einer alten Tradition auf ihre Selbständigkeit ver­zichten müssen. Sie ist aber erforderlich geworden ausdem Zwang zur Rationalisierung, den die moderne Wirtschaftsenlwicklung uns auser­legt, und der namentlich im Bankwesen immer fühl­barer wird. Noch mehr als in Berlin drückt das Nebeneinander vieler Bankinstitute den Geschäfts­gang in der Provinz. Wir müssen alles unter­stützen, was zur Kapitalbildung führt. Eine gewisse Kapitalbildung ist in Deutschland wieder vorhanden, aber sie wird atomisiert. Das ist auch der Grund für die schlechte Lage der Börse. Man hat gesagt, die Ursache dieser Lage sei die Aktienscheu des Publikums, man hat auch manches andere ««geführt 1lf«er das alles find Schcingrünbe; denn wenn genügend Mittel für Aktien- erroerb an sich vorhanden wären, so müßten sie einen Ausweg in festverzinslichen Werten oder in Depo­siten finden. Das ist aber nicht der Fall. Ls fehlt eben an Mitteln, die für den Aktienmarkt in Frage kommen. Deshalb muß die Kapitalbildung durch Konzentration und durch Ratio­nalisierung unter st ü h t werden. Das ist der Sinn unseres Zusammengehens, durch das die Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft" an die beiden großen amerikanischen Banken und die eng­lischenGroßen Fünf" heranrückt.

gesamten überhöhten Zinsniveaus sehen. Auch bei der -Unterbringung deutscher Anleihen wird die neue Großbank mit ver­stärkter Aktivität operieren können. Die ,.D o s s. Z t g." schreibt: Die überraschende Rach- richt von dem Zusammengehen der beiden Groß­banken hat heute in der Derliner Geschäftswelt wie eine Dombe eingeschlagen. In jedem Falle schreitet die Deutsche Dank auf ihrem Rationali­sierungswege ein weit Stück vorwärts. Ihre Stoßkraft wächst gewaltig. In ihrer Leitung tre­ten Verjüngungen und recht interessante Ergänzungen ein, und schließlich wird der Ver­waltungsapparat künftig wesentlich billiger arbeiten als bisher. Wenn aber die Danken künftig entschieden rationeller arbeiten als bisher und Ersparnisse auf allen Gebieten erzielen, so ist zu hoffen, daß die jetzige Fusion Deutsche DankDiscontogesellschaft nicht nur den unmittelbar Beteiligten, sondern der gesamten deutschen Wirtschaft Segen bringt, und zwar in Form von billigeren Zins- und Dank­bedingungen. Wenn das große Publikum die jetzige Fusion nach dieser Richtung zu spüren bekommt, dann kann man das Zustandekommen der neuen Riesenbank nur begrüßen.

In derD A Z." wird erklärt, für die All­gemeinheit noch bedeutungsvoller als die interne Rationalisierung werden zweifellos die i n d u - striepolitischen Konsequenzen des Zu­sammenschlusses sein. Wir haben schon an dieser Stelle verschiedentlich ausgeführt, daß die 'Be­tätigung der Danken bet der Lösung der uns bevorstehenden industriepolisischen Probleme eine besonders große Rolle spielen wird, wenn es gelingen soll, für die deutsche Volkswirtschaft glückliche Lösungen zu finden. Es sind dies Pro­bleme, die sich ziemlich weitgehend auf die Schlagworte K a p i t a l n o t und Ueberfrem- dung zurückführen lassen. In dieser Lage kann der deutschen Industrie ein verstärkter Rückhalt durch erhöhte Zusammenarbeit deut­scher Bankgruppen nur dienlich sein. Da anderer­seits gerade auch in dem vorliegenden Falle die Konzernkreise der Deutschen Bank und der Dis­contogesellschaft sich in vielen Punkten schneiden, auf zahlreichen Gebieten aber auch sich gegen­seitig ergänzen, so ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß von dem Zusammenschluß im Dank­gewerbe ein neuer und wahrscheinlich sehr ener­gischer Impuls für die Fortsetzung der Rationalisierung in der Industrie

Die Sebeuhmg der neuen Mkserschmchmig.

ausgehen wird, vor allem auf dem Wege neuer industrieller Zusammenschlüsse.

DieDe r l. D ö r s e n ze i t un g" schreibt: An sich liegt der jetzt vor dem Abschluß ste­hende Zusammenschluß der beiden größten deut­schen Danken völlig im Zuge der Zeit. DereitS auf der Düsseldorfer Mitgliederversammlung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie hat das Mitglied des Vorstandes der Deutschen Bank Dr. Werner Kehl in seinem Referat über die Bedeutung des internationalen Kapitalmarktes für Deutschland ausgeführt, daß, wenn wir ra­tionell arbeiten wollen, in einer ganzen Reihe von Industrien große Zusammen­schlüsse notwendig sind, die allein es gestatten werden, wenigstens die notwendigsten Voraus­setzungen für eine Gesundung zu schaffen. Der Vortragende fuhr dann fort:Ich muh noch hinzufügen, daß ich, soweit es die Banken be­trifft, in dieser Beziehung soeben ein lau- t e s Selbstgespräch geführt habe." Dieser Passus scheint darauf hinzudeuten, daß schon damals zum mindesten innerhalb des Vor­standes der Deutschen Dank Erwägungen ge­schwebt haben, die jetzt zu der Fusion Disconto- Deutsche Dank geführt haben.

Oer Deutsche Gtädtetag in Frankfurt.

Die genormte Kommunalverfaftung.

Derl in, 26. Sept. (Priv.-Tel.) Die am 27. und 28. d. M. in Frankfurt a. M. stattfindende Tagung des Deutschen Städtetages wird für die deutsche Kommunalpolitik von großerBe­deutung sein. Auf ihr wird auch der vom Deutsck^n Städtetag ausgearbeitete Entwurf einer Reichsstädteordnung, der eine Art Cinheitsnorm für die Kommanalverfassung schaffen soll, eine wesentliche Förderung erfahren. Der Entwurf soll den Wirrwarr der heute gel­tenden und ganz verschiedenartigen Kommunal­verfassungen ein Ende machen. Allein in Preu­ßen sind zur Zeit mehr als fünf verschiedene Gemeindeverfassungen in Geltung. Gleichzeisig rechnet man wohl damit, durch den eigenen Vorschlag die von der preußischen Staatsregie- rung begonnenen Vorarbeiten zu einer Städte­ordnung richtunggebend beeinflussen zu können. Dagegen ist noch ganz ungewiß, wie sich das Reich zu einem solchen Vorschlag, den man voraussichtlich Ende Oktober dem Reichsinnen- ministcrium überreichen wird, stellt. Hier tau­chen die großen Probleme der Reichsreform überhaupt auf, die wohl zunächst eine Klärung finden müssen, ehe man an eine Reichsstädteord­nung Herangehen kann. Immerhin soll versucht werden, schon jetzt zwischen Reich und Preußen in dieser Frage eine gewisse prinzipielle Heber» einftimmung, die auch für die süddeutschen Länder annehmbar wäre, zu erzielen, damit die preußische Reform nicht einer späteren Lösung durch das Reich den Doden toegnimmt.

OieBekämpfung derLandfluchi CntschlicßungendcrJnferParlamentarischen Handclskonferenz.

Berlin, 26. Sept. (WTD.) Irn landwirt­schaftlichen Ausschuß der hier tagenden Inter­parlamentarischen Han delskonfe - renz wurden zwei Entschließungen angenom­men. In der ersten heißt es:Die Internationale Parlamentarische Handelskonserenz stellt fest, daß die Entwicklung des Handels und der Industrie eng mit dem Gedeihen der Landwirt­schaft verbunden ist und daß die zuneh­mende Landflucht eine ernstliche Mahnung für alle Länder darstellt. Sie hält es für ange­bracht, die Aufmerksamkeit der Parlamente der verschiedenen Länder auf die dringende Notwen­digkeit zu lenken, Maßnahmen zu treffen, um die Landbevölkerung in höherem Maße auf dem Lande festzuhalts n. Rach Auf­zählung einer Reihe von Mitteln, die hierzu ge­eignet seien, wie Ermutigung der Landarbeiten zum Dodenerwerb, "Bereit ft ellung von Kapital und möglichst umfangreiche Zuwei­sung von billigen Krediten an Ge­nossenschaften ober ähnliche Einrichtungen zur Förderung der landwirtschaftlichen Produktion, starke Verbreitung der R a t i o n a I i f ie* rungsmethoden auf den Gütern und in den ländlichen Haushaltungen heißt es in der Entschließung weiter:Die Interparlamentarische Handelskonferenz hält es ferner für angebracht, die landwirtschaftliche Kommission für die nächste Sitzung zu beauftragen, ein Gesamtpro- 6 ramm der wirksamsten Maßnahmen zurBe - kämpfung der Landflucht auszuarbeiten. Diese Maßnahmen müssen darauf abzielen, die landwirtschaftliche Arbeit für den Landwirt wie für den Landarbeiter einträglicher zu ge­stalten und das Leben auf dem Lande ange­nehmer unb leichter zu gestalten."

Die zweite Entschließung des Llnterausschusses drückt den Wunsch aus, daß landwirtschaft­liche Sachverständige ständig zu den Ar­beiten des Wirtschaftskomitees des Völker­bundes zugezogen werden sollen.