Ausgabe 
27.6.1929
 
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der übrigen teilt. Dah sie bas in geistiger Hin­sicht tut, steht schon längst fest. Vor allem hin­sichtlich der Lehrerfrage, die die Kernfrage jeder Schule ist. Es fällt schon schwer, sich damit ob* zufinden, wenn irgendwo im Land ein lebendiger Kreis zerfällt, weil der Sei ter, etwa ein Pfarrer oder Lehrer, verseht wird oder sich erschöpft und verausgabt zuruckziehen muß. Die rechte geistige Hilfe von außen konnte den Zusammen­bruch verhüten. Man muß es geradezu tragisch empfinden, wenn aufopfernde Volkshochschulleh­rer so oft nur deswegen die Arbeit aufgeben müs­sen, weil sie in ihrem Wohnort nichts Reues mehr zu sagen haben. Dabei konnte ein organisierter Lehreraustausch und geistiger Austausch zwischen den Lehrern der Brachlegung der Kräfte unö dem Abbröckeln der örtlichen Teilnehmerschaft vor­beugen. Es wäre aber schlechthin sinn­los, wenn auch die Volkshochschule Gießen, für die vom hessischen Staat, von der Stadt Gießen und von zahl­reichen Persönlichkeiten zehn Jahre hindurch große und kleine Opfer ge­bracht worden sind, früher oder spä­ter dem gleichen Schicksal erliegen sollte. Denn namentlich alles hinsichtlich der nebenamtlichen Lehrer Gesagte gilt auch von ihr, mögen diese Lehrer auch noch so geeignet und opferwillig sein. Die dadurch bedingte chronische geistige Krise durch Gewirmung geeigneter Lehrer aus der weiteren Umgebung Gießens zu be­heben, würde in jedem Fall den drei» bis fünf­fachen Aufwand an Lehrervergütungen und da­mit eine offenbar unerreichbare Erhöhung der Zuschüsse erfordern. Es bleibt also für die Gie­ßener Volkshochschullehrer zur Lösung der Leh­rerfrage nur ein oberhessischer Lehreraustausch. Sie muß daher an Plätzen, wo sich die geeig­neten Persönlichkeiten finden, die Einrichtung von Kursen und so die Bildung eines oberhefsi- schen Stammes erfahrener Volkshochschullehrer befördern. (Raumknappheit verbietet uns, die weiteren Vorteile darzustellen, die sich aus dem Zusammenschluß für dae einzelnen Orte ergeben müssen.) Aus ideell en und materiellen Gründen muß atjo auch die Volkshochschule Gie­ßen aus ihrer isolierten Stellung heraus. Sie muß den beschrittenen Weg zu Ende gehen und Zentrale für oberhes­sische Volkshochschularbeit werden. Diese Zeilen sollten die Prüfung der Frage nahe­legen, ob nicht im Hinblick auf die Er­rungenschaften, die auf dem Spiel stehen, für die gesamte oberhessische. Vvlkshochschularbeit das tragfähige Fundament gelegt werden kann, das für die einzelne örtliche Einrichtung nicht ohne weiteres zu verantworten sein mag. Es geht schließlich auch darum, ob die Volkshochschule, d. h. neben der neueren Volksbüchereiarbeit der andere Zweig der intensiven Volksbildung, in der nördlichen Provinz Hessens ebenfalls heimatberechtigt ist.

Für die Durchführung der Vorarbeiten hat sich bereits ein provisorischerArbeitsausschuß für eine oberhessische Volkshochschule" gebildet. Es gehören ihm Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Volks­hochschullehrer und -Mitarbeiter an. 9n dem Aus­schuß können auch alle Volkshochschulen Vertretung erlangen, die nicht den Charakter eines Unterhal­tungsinstituts tragen, sondern intensive Bildungsar­beit leisten und außerdem engste Zusammenarbeit der oberhessischen Volkshochschulen erstreben.

Oer neue Rektor

-er Technischen Hochschule Oarmstadt.

WSN. Darmstadt, 26. Juni. Zum Rektor der Technischen Hochschule Darmstadt ist für die Heit vom 1. September 1929 bis 31. August 1930 der ordentliche Professor, Diplom-Ingenieur Christoph Ebekle gewählt und vom Gesamt­ministerium bestätigt worden. (Professor Eberle

M IM UM WO Ml

Roman von Edgar Wallace.

12. Fortsetzung. Nachdruck verboten,

Ich möchte mal eine Linie ziehen, die neben dem geraden Pfade der Tugend, von dem Sie innerhalb der letzten Monate nicht abgewichen sind, entlangläuft", sagte er.Ich befürchte, sie würde mehr oder weniger im Zickzack laufen. Fanny, ich werde Ihnen eine Chance geben ich spreche absolut offen mit Ihnen. Es liegt Scotland Vard nichts daran, daß die ganze Welt erfährt, ein weiblicher Gauner ist in das Prä­sidium eingebrochen und hat unter den Augen der Polizei verschiedene Wertgegenstände ge­stohlen."

Die Frau lachte leise und zwinkerte Diana zu.

Für so was kann man nurne Frau gebrau­chen, nicht wahr, Schatz?" fragte sie.Erzäh­len Sie man weiter, mein Herr Schnüffler. Wenn Sie aber denken, daß ich irgend jemand verklappe, dann irren Sie sich gewaltig."

Sie werden mir ganz genau mitteilen, was ich von Ihnen wissen will," sagte Larry scharf, und Sie werden mir sofort sagen, wer Sie für diese Geschichte angeworben hat."

Sie schüttelte den Kopf.

Sie werden mir außerdem noch sagen, wer der Mann war, dem Sie die gestohlenen Sachen aus­gehändigt haben, und wo das geschehen ist."

Fanny schüttelte den Kopf von neuem und war in ausgezeichneter Laune.

Das viele Fragen hat gar keinen Zweck," sagte sie,ich antworte ja doch nicht. Sparen Sie sich doch die Mühe und sperren Sie mich lieber in meine Zelle."

Ich werde Sie in die Zelle bringen lassen, sobald ich Ihnen die gegen Sie vorliegende An­klage mitgeteilt habe", sagte er ruhig. Die Frau fuhr Hoch und blickte ihn scharf an.

Sie Haben mich wegen Einbruches angeklagt."

Das ist nicht das Verbrechen, dessen ich Sie beschuldigen werde", sagte Larry.Wenn ich nicht befriedigende Antwort auf meine Fragen erhalte, werde ich Sie noch einmal zur Proto­kollaufnahme zurückführen und Anklage gegen Sie erheben wegen Beihilfe zum Morde an Gordpn Stuart in der Rächt des dreiundzwanzig- ften April."

Sie blickte ihn entsetzt und keines Wortes mäch­tig an.

Mord?" wiederholte sie,Mord? Guter Gott, Sie glauben doch nicht im Emst, daß ich----

Sie sind in einer sehr ernsten Lage", sagte Larry.Sie helfen Mördern, sich dem Arm der Gerechtigkeit zu entziehen. Sie haben sich verleiten lassen, ein wichtiges Beweisstück zu

ist bekanntlich einer der Gutachter in der Frage der hessischen Gasfernversorgung.)

Tagung auslanddeutscher Studierender

WSA. Darmstadt, 26. Juni. Anläßlich der Tagung der Arbeitsgemeinschaft auslanddeutscher Studierender in Hessen hatte sich eine stattliche Anzahl Teil­

nehmer hier ehtgefunben. Zu dieser Vereinigung gehören die auslanddeutschen Studierenden der Universitäten Gießen und Marburg, der Tech­nischen Hochschule Darmstadt und des Polytechni­kums Friedberg. An dem erfolgreichen Verlauf der Tagung hat der Landesverband Hessen des V. D. A. besonderen Anteil. Die wertvolle Arbeit, die die auslanddeutschen Studierenden im Inter­esse der deutschen Kultur in ihrer Heimat leisten, fand besondere Würdigung.

$roff und Reif im Zunr.

WSN. Darmstadt. 26. Juni. In der vergan« genen Dienstagnacht ist im Odenwald das Ty-''- mometer in vielen Gegenden bis auf den Null- Punkt gefallen. Weite Strecken Land waren am Morgen noch mit Rs^f bedeckt. Wie verlautet, hat diese ganz ungewöhnliche Erscheinung aber an den Feldfruchten Schaden nicht angerichtet.

Die hessische Gasfernversorgung.

Von Bürgermeister Dr. Riepoth, M. d. L, Schlitz.

Wir bringen diese Darlegungen des be­kannten deutsch-volksparteilichen Landtags­abgeordneten zur Kenntnis unserer Leser, ohne damit unsere eigene Stellungnahme zu dieser bedeutsamen Frage festzulegen. D. Red.

Vor einigen Wochen übergab der Vorstand der Hessischen kommunalen Gasfernver­sorgung (Hekoga) dem Aufsichtsrat und da­mit der Oefsentlichkeit einen sehr lesenswerten Be­richt über das Resultat seiner Vorarbeiten in der Frage der Gasversorgung des hessischen Gebietes mit dem Ergebnis, daß der Aufsichtsrat mit gro­ßer Mehrheit der Auffassung des Vorstandes bei­trat und den Beschluß faßte, der Mitgliederver­sammlung der Hekoga vorzuschlagen, den Ver­tragsabschluß mit der Ruhrgas-A.-G., als für die hessischen Interessen am vorteilhaftesten, zu vollziehen. Wer allerdings so optimistisch war, anzunehmen, daß damit d. H. auf Grund des aus rein wirtschaftlichen Ueberlegungen beruhenden Votums des Aufsichtsrats die Frage entschieden sei, der sah sich auf das schwerste enttäuscht. Die einsetzende öffentliche Diskussion zeigte, wie so oft, die Tendenz, an Stelle sachlicher Erwägungen, politische Gründe für die Entscheidung ins Feld zu führen.

Bei der außerordentlichen Bedeutung der Frage der Gasfernversorgung nicht nur für Hessen, son­dern darüber hinaus für ganz Deutschland darf auf den gesamten Fragenkomplex etwas näher eingegangen werden.

Schon vor mehreren Jahren hatte auf Anregung des Bürgermeisters Ritzert (Darmstadt) der ver­storbene Provinzialdirektor von Starkenburg Dr. Kranzbühler den Versuch gemacht, die Gas­versorgung Hessens nach einheitlichem Gesichtspunkt durchzuführen. Die damaligen Verhandlungen führ­ten schließlich zu dem Ergebnis, daß die preußische Zeche Hibernia deren Dividendenlosigkeit die Lage des Ruhrkohlenbergbaus aber auch dieUeberlegen- heit" des Staatsbetriebes deutlicher als alles andere illustriert sich bereit erklärte, an einer fracht- günstig gelegenen Stelle am Rhein eine Kokerei zu errichten und der Gesamtheit der Hessischen Verbrau­cherschaft das benötigte Gas ab Werk zu einem Preis von 1,85 Pf. für den Kubikmeter zu liefern. Es soll hier nicht untersucht werden, ob oder welche Fehler damals gemacht wurden, oder ob Einflüsse hinter den Kulissen maßgebend waren, jedenfalls hielt die Hibernia ihr Angebot nicht aufrecht. Die Verhand­lungen hatten aber doch wichtige Ergebnisse nach zweierlei Richtungen:

Das Ruhrkohlensyndikat hatte erkannt, welcher Anreiz für einzelne Zechen und damit welche Gefahr für den Bestand des Syndikats in der- artigen Plänen lagen. Die Folge war schließlich die Gründung der R u h r g a s A.-G., die der- artige Seitensprünge unmöglich macht. Die Hessi­schen Städte und Gemeindeverbände hatten aber den schlüssigen Beweis, daß sie vereinzelt einem losen Bündel von Stäben glichen und daß sie nur geschlossen in der Lage wären, ihren Interessen gebührend Geltung zu verschaffen, zudem der An­schluß Ofienbachs an Frankfurt was die Gas­versorgung anlangt als Warnungszeichen ge­wertet werden mußte. Die Folge war die Grün­

düng der Hessischen Äomniunalen Gas­fernversorgung (He k o k a). In der He­koga sind vertreten: Provinz ©tarfenburg 17 Stimmen, Provinz Oberhessen 16 Sttmmen, Pro­vinz Rheinhessen 16 Sttmmen, Stadt Mainz 24 Sttmmen, Stadt Darmstadt 14 Stimmen, Stadt Worms 7 Sttmmen, Stadt Gießen 4 Stimmen, Land Hessen 2 Sttmmen.

Ziel der Hekoga mußte sein, ihren Mitgliedern Gas in ausreichender Menge und so billig zur Verfügung zu stellen, daß es nicht nur als Kochgas, sondern auch zur Wohnraum- beheizung Verwendung finden kann. Dieses Ziel konnte theoretisch auf doppeltem Wege erreicht werden: a) durch Eisenerzeugung, b) durch Fremdbezug.

Wer den Vorstandsbericht unvoreingenommen gelesen hat, muß anerkennen, daß hier eine gründliche Arbeit geleistet worden ist und daß man objektiv jede Möglichkeit geprüft hat. Bei den Vorarbeiten war man zunächst an den § 7 des Gründungsvertrages gebunden, der be­stimmte, daß der Weg der eigenen Gasversorgung im Lande in erster Linie zu beschreiten sei, bevor man sich zu einer Versorgung der Gesellschafter von außerhalb her entschließen dürfe. Um hier­für einwandfreie Unterlagen zu gewinnen, hatte ein Mitglied des Vorstandes Bürgermeister Hiemenz (Mainz) eingehende Berechnun­gen aufgestellt in der Hoffnung, auf dem Ge­lände des städtischen Gaswerkes in Mainz eine Kokerei errichten zu können, die das Gas in der benötigten Menge und Beschaffenheit ebenso billig herzustellen in der Lage sei, als dies bei Fern- bezug der FaU sei. Leider so berichtete Bür­germeister Hiemenz entsprach das Ergebnis der Berechnungen nicht den von ihm selbst ge­hegten Erwartungen. Das Projekt einer eigenen Kokerei wurde deshalb zunächst zurückgestellt. Als jedoch im^ Laufe der Vorarbeiten der Di­rektor des städtischen Gaswerks in Darmstadt dem Vorstand einen von ihm aufgestellten Plan einer großen, den Bedarf Iber Hekoga sicher­stellenden Kokerei vorlegte und dabei zu einem außerordentlich günstigen Selbstkostenpreis kam, beauftragte man seitens des Vorstandes die Herren Professor Eberle und Heidebroek von der Technischen Hochschule zu Darmstadt und den Herrn Dr. G i e s e k i n g in Leipzig, das vorliegende Material eingehend zu prüfen. Die Gutachten der Sachverständigen wichen, was den Selbstkostenpreis pro Kubikmeter anlangt, sehr voneinander ।ab. Ich bin selbst kein Gas­fachmann und kann deshalb die Ziffern auf ihre Richtigkeit im einzelnen nicht nachprüfen, ich weiß aber, daß bei Projekten im Umfang des vorliegenden der Voranschlag erfahrungsgemäß stets erheblich überschritten wird (es sei in diesem Zusammenhang nur an die Hefrag erinnert) und daß man deshalb nicht vorsichtig genug rechnen farm, wenn man nicht Gefahr laufen will, sehr unliebsame Ueberraschungen zu erleben. Es ist aber nicht die Preisfrage allein, die gegen die Errichtung einer eigenen Kokerei spricht, von der selbst der Hessische Innenminister Leuschner erklärte,sie haoe eine zu schmale

stehlen, das in den Händen der Polizei war und vielleicht zur Ueberführung der Mörder geführt hätte alles das genügt vollständig, um Sie außerordentlich schwer zu verdächtigen."

Fanny war sehr ernst geworden.

Ist das Ihr wirklicher Ernst?" fragte fic. Vollständiger Ernst", sagte Larry eindrucks­voll.Rehmen Sie nur nicht an, daß ich Sie zum besten haben will, Fanny. Ich bin zu Ihnen so ehrlich, wie nur irgendein Mensch es einem anderen gegenüber sein kann. Sie haben ein Be­weisstück gestohlen, das vielleicht die Verhaftung der Mörder ermöglicht hätte."

Wer sind Sie eigentlich?" fragte sie.

Ich bin Inspektor Holt", war die Antwort.

Allmächtiger Vater! Dann bin ich verratzt!" stammelte sie.Ich dachte, Sie wären im Aus­land. Ree, Mr. Holt, ich will Ihnen erzählen, was ich weiß. Ich habe genug von Ihnen ge­hört und weiß, daß Sie auch Gaunern gegenüber n ehrliches Spiel spielen. Don der ganzen Ge­schichte habe ich bis gestern nachmittag keine Ah­nung gehabt, und dann wurde ich angerufen, ich sollte mich mit dem großen Jake oder dem blin­den Jake, wie er auch noch genannt wird, treffen.

Blinde Jake?" wiederholte Larry, dem der Rame unbekannt war, und dann fiel ihm der blinde Streichholzhändler auf dem Embankment ein, der im Bureau gewesen war aber der konnte es doch unmöglich gewesen sein. Diana hatte gesagt, er wäre klein gewesen.

Die Polizei weiß genau Bescheid über ihn, Mr. Holt", sagte Fanny zaudernd.Er ist ein schlechter Mensch. Von mir klingt das komisch, ich weiß es, aber vielleicht verstehen Sie, was ich damit sagen will: er ist schlecht, grundschlecht. Ich bin in Todesangst vor Jake dem Blinden, und es gibt nicht einen Strolch, feinen Hoch­stapler in ganz London, dem es nicht ebenso geht. Er hat zweimal gesessen. Gewöhnlich arbeitete er mit zwei Komplizen, alles Gauner, und alle drei blind. Wir hatten siedie toten Augen von London" getauft, weil sie sich schneller bewegen konnten a(s Sie, und weil sie im dicksten Rebel die geschicktesten Detekttve, die es jemals gegeben hat, schlagen würden, weil der Rebel für sie gar nichts bedeutet. Jake der Blinde war der Anführer der drei, dann ist einer von ihnen verschwun­den, und ich habe gehört, er wäre tot. In den letzten zwölf Monaten haben totr nicht viel von ihnen gehört, bis auf einmal der blinde Jake wieder auftauchte. Und Geld hatte er wie Heu. 3ch glaube, er arbeitet jetzt für eine Kanone in der Zunft."

Schön, Sie haben den blinden Jake ge­troffen?"

3a", nickte sie.Er gab mir den Plan--"

Aber der war doch nicht von ihm er konnte doch nicht zeichnen", unterbrach Larry.

Der sicher nicht", sagte sie verächtlich.Rein, er hatte den Plan bei sich. Ich muß ihn irgend­wo haben. Vielleicht in meiner Handtasche, die Sie mir abgenommen haben."

Zerbrechen Sie sich darüber nicht den Kopf", sagte Larry.Ich habe ihn im Bureau gefun­den."

Also der blinde Jake sagte mir, was ich zu tun hatte, daß er mir den Mantel und Hut geben würde, den die junge Dame hier immer trug, wenn sie ins Präsidium kam, daß ich beim Pförtner ,Rümmer* 47 sagen und dann so schnell wie möglich nach oben gehen müßte."

Was sollten Sie holen?"

Eine kleine Rolle aus braunem Papier", war die Antwort.Er hat mir ganz genau be­schrieben, wo sie war und daß sie in einer Schale lag." Sie zuckte die Schultern hoch.Ich kann mir nicht denken, wie Sie das herausgefunden haben."

Aber ich", sagte Larry und wandte sich zu dem jungen Mädchen.Der Streichholzhändler hat auf einmal sein Augenlicht wiedergefunden I Wo kann ich den blinden Jake finden?" fragte er Fanny.

Sie werden ihn überhaupt nicht finden", ent­gegnete sie kopfschüttelnd.Er läßt sich niemals am Tage sehen wenigstens sehr selten."

Und wie sieht er aus?"

Er ist riesengroß und stark wie ein Ochse."

Diana stieß einen Schrei aus und fragte:

Hat er einen Bart?"

Ja, Miß. Sone Art kleinen, grauen Bart."

Das war der Mann auf der Treppe," sagte Diana,dessen bin ich ganz sicher."

Larry nickte und wandte sich zu der Frau.

Wann haben Sie die Rolle weitergegeben?"

Heute morgen gegen zwei Uhr. Um diese Zeit sollte ich ihn am unteren Ende der Arundel Street und Strand, in der Rähe des Embank- rnents, treffen. Und was er für eine Laune hatte!"

Wissen Sie, wo er wohnt?"

Sie schüttelte den Kopf.

Vor Jahren wohnten sie in Todds Heim. Das war eine Blindenanstalt in Lissom Lane, Paddington, wo die blinden Straßenhändler Un­terkunft fanden. Aber ich glaube nicht, daß er noch da ist."

Larry führte sie in die Wachtstube zurück.

Sie können sie auf meine Verantwortung hin freilassen", sagte er zu dem diensttuenden Be­amten.Fanny, Sie melden sich morgen früh zehn Uhr bei mir in Scotland Vard."

Ja, Sir," sagte Fanny,und was wird mit meinem Geld?"

Larry überlegte einen Augenblick.

Das können Sie wiederbekommen."

Wenn mir irgend jemand erzählen will," sagte Fanny, als sie die Banknoten mit beleidi-

Basis, um auf die Dauer einen sicheren Erfolg zu versprechen." Bei unserer Kapitalarmut kann es nicht verantwortet werden, rund zwanzig Millio- nen in eine neu zu errichtende Gasfabrik zu stecken, während auf der anderen Seite bis vor kurzem in Hessen nicht die notwendigen Kapitalien aufzubrin­gen waren, um die ersten Hypotheken der Woh­nungsneubauten zu finanzieren. Als weiterer Fak» tor gegen die eigene Kokerei ist das große Ri­siko anzusehen, das jede Veränderung der Spanne zwischen Kohleneinkaufs- und Koksoer- kaufspreis unweigerlich im Gefolge hat. Man muß sich immer vor Augen halten: In den Kokereien der Ruhr wird Koks erzeugt, Gas ist Neben­produkt. In einer eigenen Kokerei wäre Gas­gewinnung Selbstzweck, während der Wert derNebenprodukte Koks, Teer, Benzol und Ammoniak den des Hauptproduktes um das Mehrfache übertreffe, mit anderen Worten, jebe Ver­änderung der Preise für Koks, aber auch für Teer, Ammoniak und Benzol müßte notwendigerweise jede Selbstkostenberechnung illusorisch machen. Ge­radezu katastrophal aber wäre es, wenn die Kohlen­preise steigende Tendenz zeigten, während die Koks« preise unverändert blieben, oder sogar nach unten neigten. Daß eine solche Entwicklung im Bereich der Möglichkeit liegt, beweisen die Vorgänge im No­vember 1927, wo die Kohlenpreise zwar um etwa 10 v. H. heraufgesetzt wurden, während die Koks­preise im Interesse der eisenverarbeitenden Industrie beibehalten wurden. Mag man auch im einzelnen in dieser Beziehung denken wie man will, der Koks­absatz ist für eine Kokerei, die als Hauptprodukt Gas liefern soll, stets ein Sorgenkind. Die Schwierigkeit des Koksabsatzes wäre aber bei Steigerung des Gas­verbrauchs in dem erhofften Umfang eine immer größere, und schließlich könnte man in die Zwangs­lage kommen, die Propaganda für den Gasverbrauch einzuschränken, um nicht im Koks zu ersticken, oder um nicht genötigt zu sein, den Kokspreis herabzu- fetzen. Und nun zum Schluß noch ein Gesichts­punkt, der bei der Errichtung einer eigenen Kokerei zu berücksichtigen ist. Jedes Gaswerk muß für eine bestimmte Leistungsfähigkeit eingerichtet werden, und die Selbstkosten pro Kubikmeter Gas müssen not­wendigerweise am geringsten sein, wenn die Kapazi­tät voll ausgenützt wird. Also nicht nur eine nicht volle Ausnutzung der Leistungsfähigkeit und das wird schon wegen der Spitzenbelastung die Regel sein beeinflußt die Gestehungskosten ungünstig, auch eine Ueberschreitung der Leistungsfähigkeit, die Kapitalneuinvestitionen nötig machen, muß we­nigstens in der Uebergangszeit verteuernd wir­ken. Ein lehrreiches Beispiel hierfür wird aus einer süddeutschen Großstadt berichtet, wo man einer Groß­firma, die zebn Millionen Kubikmeter Gas benötigt, die ersten sechs Millionen Kubikmeter billiger anbot, als die nächsten vier Millionen Kubikmeter. Aus all diesen Gründen muß man der Ansicht des Vor­stands der Hekoga beitreten und die Eigener­zeugung als ungünstig ablehnen.

Es soll nun untersucht werden, welche Möglichkeit bei Fremdbezug für Hessen am vorteilhaftesten ist. In Betracht kommen die Angebote der Ferngas- gesellschaft Saar, der Südwestdeutschen Gas Ä.-G. in Frankfurt a. M. und der Ruhrgas A.-G. in Essen.

genber Sorgfalt nachzählte,dah die Polizei nicht ehrlich ist, soll er man zu mir kommen, und er wird allerlei zu hören kriegen."

13.

Miß Diana," sagte Larry freundlich,Sie müssen jetzt aber wirklich nach Hause gehen und machen, daß Sie ins Bett kommen."

Diana schüttelte den Kopf.

«Ich bin nicht ein bißchen müde, Mr. Holt. Darf ich nicht mitkommen? Wissen Sie nicht, daß Sie mir versprochen haben, den Fall Stuart mit Ihnen zusammen bearbeiten zu dürfen?"

Aber ich habe nicht versprochen, Sie die ganze Rächt hindurch aufzuhalten," meinte er gutge­launt,und Sie sehen sehr abgespannt aus. Ich glaube, ich werde jetzt schleunigst schlafen. Unb nun sofort nach Hause. Die Vorsehung schickt uns gerade ein Taxi," sagte er und winkte.

Sie, fühlte sich müde zum Umfallen, wußte, daß er Worte der Weisheit gesagt hatte, ver­suchte aber trotzdem zu protestieren. QTber Larry war unerbittlich und hielt die Wagentür für sie offen.

Sergeant Harvey bringt Sie nach Haus," sagte er und zog den Beamten beiseite.Sie gehen nach oben in Miß Wards Zimmer, durchsuchen diese Sorgfältig und bleiben auf dem unteren Treppenabsatz, bis Sie abgelöft werden."

Und nun, Sergeant, wollen wir uns mal Todds Heim ansehen."

Larry hatte keine Lust zum Laufen, und es dauerte eine Zeitlang, bis sie ein anderes Taxi gefunden hatten. Sechs Ikhr schlug es von den Kirchtürmen, als der Wagen vor Todds Heim anhielt. Es war ein trauriges, wenig einladend aussehendes Haus, dessen Fenster mit blauer Farbe bedeckt waren. Auf einer langen, schwarzen Tafel, die über die Breite des Hauses hinweg­lief, stand in verblichenen goldenen Buchstaben 7 Todds Heim für bedürftige Blinde.

Larry hatte erwartet, Schwierigkeiten zu haben, um von den Bewohnern gehört zu werden, sah sich aber getäuscht. Kaum hatte er geklopft, als die Tür von einem kleinen Mann geöffnet wurde.

Das ist nicht Toby oder' Harry, auch nicht der alte Joe," sagte er laut.Wer ist es denn?"

Larry sah, der Mann war blind.

Ich möchte den Vorsteher sprechen," sagte er.

3a, Herr," sagte der Mann respektvoll.Wol­len Sie bitte hier warten?"

Er verschwand in einem langen verzweigten Gang, so dah er bald aus ihrem Gesichtsfelde entschwunden war: dann hörten sie ihn in seinen Pantoffeln zurückschlürfen, gefolgt von einem großen, schlanken Mann, der einen weißen Priesterkragen trug. Seine Augen waren hinter dunklen, blauen Gläsern versteckt, und auch er fühlte sich seinen Weg den Gang entlang.

(Fortsetzung folgt.), v