Ausgabe 
27.4.1929
 
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sucht und ihm oorwirft, er habe die schwierige De­visenlage der Reichsbank absichtlich herbeigeführt, um den Dawesplan ad absurdum zu führen und seine Theorie von einer verminderten Zahlungs­fähigkeit Deutschlands den Sachverständigen schlag­kräftig zu beweisen.

Die Reichsbank weist in ihrem Kommunique auch auf die Anspannung an den internatio­nalen Geldmärkten hin. Namentlich die Dis- kontpolitik des Federal Reserve Board, der ameri­kanischen Zentralnotenbank, hat den noch der Dis­kontermäßigung der Reicbsbank im Januar dieses Jahres vorausgesehenen Abfluß kurzfristigen Aus- landkapitols unerwartet gesteigert, da das Anziehen der amerikanischen Geldsätze selbstverständlich einen starken Rückstrom amerikanischen Kapitals zur Folge hatte. So befand sich die Reichsbank in einer Zwangslage, wenn sie wie sie selbst ausführte genötigt ist,der deutschen Wirtschaft neue Zinsbe- lastunaen in einer Zeit aufzuerlegcn, in der die Wirtschaft zu ihrer Belebung Zinsermäßigungen brauchte". Denn das ist die besonders prekäre Seite dieser Diskonterhöhung, daß sie in eine Zeit sinkender Konjunktur fällt, in eine Zeit ausgesprochener Wirtschaftsdepression. Die leichten, kaum erst spürbaren Ansätze zu einer Belebung der Wirtschaft, die von saisonmäßigen Einflüssen aus- gehen, werden von der Verteuerung des Geldes in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Wie weit die Aussicht auf neuen Zustrom von Auslandkrediten auf den höheren Zinssatz hin sich erfüllen wird, bleibt abzuwarten. Sollten die Auslandkredite ausbleiben, ergäben sich für den Reparationsagenten bei der Uebertragung der deutschen Reparationszahlungen neue Schwierigkeiten. Es zeigt sich dann erneut mit aller Deutlichkeit, daß der Transfer eben nur mit geborgten Devisen funktioniert, nicht aber mit Devisen, die Deutschland aus eigener Kraft auf­bringt. Dann würde aber auch der Transfer- schütz in Kraft zu treten haben, der bei einer Ge­fährdung der deutschen Währung durch die Devisen- Übertragung an die Gläubiger dem Reparations- a^cnten die Pflicht auserlegt, die an ihn abgeliefer­ten Tributzahlungen nicht über fünf Milliarden Goldmark anzusammeln, wenn Barüberweisungen sich ohne Gefährdung des Morkkurscs als unmöglich erweisen. Damit tritt eine Stockung im Transfer ein, der Reparationsagent muß die angefammel- ten Kapitalien in der Form von Oblogationen oder anderen Kreditarten in Deutschland anlegen, sie kom­men also der deutschen Witschaft wieder zugute. So­weit ist es aber noch nicht, und es wäre zu wün­schen, daß sich inzwischen bei unseren Gläubigern die Einsicht von der wirtschaftlichen Unmöglichkeit des gegenwärtigen Zustandes zu dem Entschluß ver­dichte, durch eine vernünftige Revision des Da­wesplans zur Gesundung der europäischen Wirtschaft den Grund zu legen.

Sozialpolitische Initiative der Unternehmer.

Denkschriften zur Arbeitslosenversicherung und Lchlichtungsreform.

Berlin, 26.April. (Priv.-Tel.) Wie wir von gut unterrichteter Seite hören, hat die Vereini­gung der Deutschen Arbeitgeberver­bände zu den am meisten umstrittenen Problemen der Sozialpolitik neuerdings eine Reihe eingehender Denkschriften ausgearbeitet, die in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Es handelt sich dabei vor allem um eine Denkschrift zum Problem der Arbeitslosenversicherung, deren Reform in der nächsten Zeit Gegenstand intensiver wirt­schaftspolitischer Auseinandersetzungen sein wird. In diesen Kämpfen soll die Denkschrift der Arbeit­geber eine klare Front schaffen. Es wird im we­sentlichen eine Reform der Versicherung im Sinne einer schärferen Kontrolle der Unter» stützungszahlungen gewünscht und eine E r - Höhung der Beitragssätze, wie sie jetzt die Sozialdemokraten fordern, abgelehnt. Man be­fürchtet, neben den schwerwiegenden Belastungen der Wirtschaft durch eine solche Beitragserhöhung eine Verzögerung, ja sogar eine Gefährdung dieser dringend notwendigen Reform. Gleichzeitig i[t jetzt auch eine neue Denkschrift jur Frage der Schlichtungsreform fertiggestellt worden, die vor allem auf der veränderten Rechtslage durch die Entscheidung des Reichsarbeitsgerichts im Kon­flikt der Eisenindustrie basiert. Auch zu dem viel diskutierten Problem der Rot der älterenAn- gest eilten ist eine sehr umfangreiche Unter­suchung ausgearbeitet worden.

Die Lohnbewegung bei der

Reichsbahn.

Eine Erklärung der Gewerkschaft deutscher Eisenbahner.

Berlin, 26. April. ( Priv.-Tel.) Bekanntlich schweben seit Wochen die Lohnverhandlun- g e n zwischen der Reichsbahn und ihren Arbeitern. Dabei hatte sich die Reichsbahn auf den begreiflichen Standpunkt gestellt, daß trrtz der Anerkennung der Notlage der Arbeiterschaft gegenwärtig keine Möglichkeit zur Befriedigung ihrer Forderun­gen bestehe, da die reparationspolitische Lage dies ausgeschlossen erscheinen lasse und da außerdem jeder Gedanke an eine weitere Erhöhung der Tarife im Interesse der deutschen Wirtschaft und auch des reisenden Publikums unmöglich sei.

Eine Führerkonferenz der Gewerkschaften Deutscher Eisenbahner hat sich nun gestern wiederum mit dem Stand der Lohnbewegung bei der Reichsbahn be­schäftigt. Auf der Konferenz ist einmütig die Auf­fassung zum Ausdruck gekommen, daß die Notlage der Eisenbahnarbeiter unbedingt eine alsbaldige und befriedigende Erledigung der Lohnfrage er­forderlich mache. Im Bewußtsein ihrer Verantwor­tung erwarten die verantwortlichen Führer, daß die Reichsbahnverwaltung dem Ernst der Lage Rech- nung trage und ihren ablehnenden Standpunkt auf. gebe. Eine Veschleppung der Bewegung sei nur ge­eignet, die Lage zu verschärfen. Deshalb werde er­wartet, daß die von den Spitzenorganisationen ein­geleiteten Schritte zu einer friedlichen Verständigung alsbald zu einem positiven Ergebnis führen, bevor von dem lebten, bann unvermeidlich werdenden ge­werkschaftlichen Mittel, dem allgemeinen Der- kehrsstreik, Gebrauch gemacht werde. Es muß der Erwartung Ausdruck gegeben werden, daß es noch im letzten Augenblick gelingt, diese neue schwere Erschütterung der deutschen Wirtschaft zu v e r m e i d e n. Denn es wäre nicht abzusehen, wie sich ein Ereignis, wie ein allgemeiner Verkehrsstreik auf die Gesamtlage auswirken müßte.

Anlagepflicht für Gparkaffengelder?

Berlin, 27. April. Zur Milderung der schwierigen Kassenlage des Reiches denkt man, wie da« .Derl. Tagebl." mitteilt,

Oer Sozialetat im Reichstag.

Die Reform der Arbeitslosenversicherung.

Berlin, 26. April. (D. D. Z.) Der Reichs­tag nimmt in dritter Lesung den Gesetzentwurf auf Anleiheermächtigung an. Bei der dann fort­gesetzten zweiten Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums wendet sich

Reichsarbeitsminister Wiffell

gegen die Vorschläge zum Abbau der Sozialver­sicherung. Bei solchen Vorschlägen werde immer übersehen, daß mit der Güterwirtschaft auch die Menschenwirtschaft verbunden sei. Ohne Erhal­tung der menschlichen Arbeitskraft in voller Lei­stungsfähigkeit sei eine nutzbringende Wirtschaft nicht möglich. Die Sozialversicherung habe sich in der Vorkriegszeit geradezu als eine Voraus­setzung des wirtschaftlichen Fortschritts bewährt. Jetzt sei der deutsche Versicherungsgedanke euro­päisches Gemeingut geworden. Die Möglich­keit des Mihbrauchs in einzelnen Versiehe- rungszweigen sei überall vorhanden, nicht nur in der staatlichen Sozialversicherung. Die Sozial­versicherung sei nicht Staatshilfe, sondern or­ganisierte Selbsthilfe. Die deutschnatio- nalen Arbeitnehmer hätten sich schon kräftig zur Wehr gesetzt gegen die von der deutschnationalen Parteileitung gegen die Sozialpolitik unternom­menen Angriffe.

Die ungünstige Lage des deutschen Arbeits­marktes ist zurückzuführen auf das Abglei - t e n der Konjunktur und auf die abnorme und lange andauernde Kälte des letzten Winters. Die Arbeitslosenversicherung ist durch die damit verbundene gewaltige Steigerung der Arbeitslosigkeit in finanzielle Schwie­rigkeiten geraten. Das Reich mußte mit Dar­lehen einspringen. Die Reichsanstalt habe eine Kommission eingesetzt zur Aufdeckung und Ab­stellung der in der Arbeitslosenversicherung be­stehenden Mißstände. Lieber die Sonderrege­lung für die beruf südliche Arbeitslosigkeit lasse sich jetzt noch nichts Abschließendes sagen. An einem Ausbau der Arbeitsver­mittlung werde ständig gearbeitet. Dabei werde besonders der Verbesserung der Verhält­nisse auf dem Lande lebhaftes Interesse zu- gewandt. Zum Ausgleich der Konjunkturschwan- Inngen bemühe sich das Arbeitsministerium ge­meinsam mit dem Wirtschaftsministerium um eine zweckmäßige Verteilung der öffent­lichen Aufträge.

Abg. Dr. Brauns (3.) erklärt, den Schlachtruf der Wirtschaft gegen die Sozialpolitik lehne das Zentrum entschieden ab, es stimme vielmehr den Ausführungen des Ministers rückhaltlos zu. Die Einbeziehung sol­cher Kreise, die sich selber helfen können, in die Sozialversicherung müsse abgelehnt werden. Eine Verbilligung der Sozialver­waltung sei zu erstreben, aber eine Zusammen­legung der Versicherungsämter mit den Fi­nanzämtern wäre dazu ein ungeeignetes Mittel. Bei der Saisonarbeiterfürsorge seien zweifellos Mißstände vorhanden, aber hierbei sollte man

sich vor allem gegen die Scheinarbeitsverträge für Bauernsöhne wenden, mit denen die Ver­sicherung unberechtigt ausgenutzt wird. Bevor das Ergebnis der von der neuen Kommission vor­zunehmenden Llntersuchung vvrliegt, sollte man mit Kritik und Forderungen zurückhalten. Die übertriebene Kritik am Schlichtungswesen habe sich als unberechtigt erwiesen. Der Redner be­grüßt die Erhöhung der laufenden Unterstützung für die Kleinrentner und wünscht baldigen Ausbau der Gesetzgebung auf diesem Gebiet.

Abg. Aufhäuser (Soz.)

führt aus, die Berechnung des deutschnationalen Abgeordneten Haßlacher über den Prozentsatz der Eoziallasten sei falsch. Tatsächlich betrage die Soziallast 15,23 Prozent vom versicherten Lohn, also vom Gesamtlohn höchstens 10 bis 12 Prozent. Die Wirtschaft handele nad) dem Grundsatz: Lerne Lagen, ohne zu leiden! Steigender Lohn und Sozialpolitik lägen auch im richtig ver­standenen Interesse der Wirtschaft. Denn sie würden eine vernünftige Kapitalbildung fördern und durch Stärkung der allgemeinen Kaufkraft den Jnlandmarkt erweitern. Die Arbeits­losenversicherung müsse leistungsfähig er­halten werden. Auch die Arbeiterschaft würde für eine diesen Zwecken dienende befristete Bei­tragserhöhung Verständnis haben. Das Washingtoner Arbeitszeitabkommen müsse schleu­nigst ratifiziert werden.

Abg. Or. Moldenhaner (O. B.) erklärt, die Volkspartei fei immer für eine ver­ständige Sozialpolitik gewesen. Aber dabei dürften die Grenzen der Leistungs­fähigkeit der geschwächten deutschen Wirt­schaft nicht überschritten werden. 3m Arbeits­ministerium schienen diese Grenzen nicht immer richtig beachtet zu werden. Die Volkspartei be­grüße die unabhängigen Gewerkschaften als einen wichtigen Bestandteil der deutschen Wirtschaft, aber sie wende sich dagegen, daß unter dem SchlagwortWirtschaftsdemokratie" eine ein­seitige Herrschaft der Gewerkschaf­ten über die Wirtschaft erstrebt wird. Die Reform der Arbeitslosenversicherung sei notwen­dig. Sie solle nicht auf eine Schädigung der Ar­beitslosen hinauslaufen, aber sie solle die M i ß» bräuche beseitigen, die jetzt bestehen. Be­sonders dringlich sei eine Reform der Bestimmun­gen für die Saisonarbeiter. Eine Er­höhung der Beiträge zur Arbeitslosen­versicherung oder zu anderen Sozialversicherungen lehne die Volkspartei ab. Sie halte aber durchaus fest an der Sozialversicherung, denn das amerikanisch« System des individuellen Sparens sehe ganz andere Verhältnisse voraus, als sie in Deutschland bestehen. Hier müsse man ver­suchen, das individuelle Sparen neben dem Fort­bestehen des Versicherungssystems zu fördern. 3m Schlichtungswesen müsse die freie Vereinba­rung der Parteien gefördert und vom Staat mög­lichste Zurückhaltung geübt werden.

in parlamentarischen Kreisen an einen Gesetz­entwurf. der die Sparkassen und andere öffent­liche Geldinstitute verpflichten soll, einen Teil ihrer Gelder in Anleihen des Rei­ches und der Länder anzulegen. Unter diese Anlagepflicht würden auch die Vorzugs­aktien der Reichsbahn fallen, Die bei dieser Gelegenheit in einem recht umfassenden Umfange mobilisiert werden dürften. 3edoch soll in irgendeiner Form dafür Vorsorge getroffen werden, daß das Stimmrecht dem Reiche verbleibt.

Baldwin bereitet ein neues Kabinett vor.

Chamberlain bleibt noch zwei Jahre?

London, 27. April. (WTB. Funkspruch.) Wie Daily Telegraph" erfährt, hat Baldwin, da er mit einem Sieg der Konservativen bei den kommenden Wahlen rechnen zu können glaubt, sich bereits mit der Frage der Umbil­dung des Kabinettes beschäftigt. Die Ver­teilung der wichtigsten Portefeuilles soll bereits geregelt sein. Chamberlain wird n o ch w e i - Ure zwei 3ahre als Staatssekretär deS Auswärtigen tätig fein. Wie verlautet, hat Bald­win den Wunsch, daß dann der derzeitige Dize- könig von Indien, Lord 3 r w i n, sein Rachfolger wird. Lord 3rwins Amtszeit als Vizekönig läuft im 3ah re 1932 ab. Er wird jedoch im Laufe dieses Sommers zu einem Besuch nach England kommen, um mit den Mitgliedern der Regierung Fühlung zu nehmen.

Staatsstreichpläne in Rumänien.

Man wünscht eine Militärdiktatur.

Budapest, 26. April. (WB.) Das demokra­tische BlattAdeverul" veröffentlicht sen­sationelle Enthüllungen über die Absicht gewisser rumänischer Militärkreise, in Rumänien einen Staatsstreich durchzuführen und eine D i k- tatur ähnlich wie in Südslawien zu prollamieren. Diese Absicht wird damit motiviert, daß die Regierung Maniufür die Verteidigung der Landesinteressen zu schwach sei, und daß auch der Regentschaftsrat seinen Auf­gaben nicht gewachsen wäre. Man müsse daher die Verwaltung der Erbschaft des Königs Ferdinand übernehmen, um sie dem König Michael anläßlich seiner Großjährigkeit unberührt übergeben zu können. Die erste Manifestation dieser Bewegung der Militärkreise soll am 3ahrestage der Schlacht bei Maraschesti, am 9. Mai dieses 3ahres, stattfinden. 3n Regierungskreisen wird diese De- wegung mit einer gewissen Sorge betrachtet, doch hofft man, sie unterdrücken zu können, da die Regierung überzeugt ist, in der Verteidigung ÖS1?Jer^a^un9 und der Demokratie auf öie iln- lerAHung des ganzen Landes rechnen zu können Auch die liberalen Kreise sollen bereit sein, Der Regierung im Kampf gegen die Militärdikta­tur beizustehen.

Aus aller Welt.

Da» Explofionsuuglück in der Nürnberger Bleiftiftfabrif.

Das schwere Explosionsunglück in der Mars-Blei» ftiftfabrit ist anscheinend durch eine Explosion oder spontane Entzündung des zum Ueberziehen der Bleistifte benutzten Lacks herbeigeführt worden. Der Lack wird im Spritzverfahren durch von Ar­beiterinnen bediente Maschinen auf die Bleistifte aufgetragen. Während die Maschinen im Betrieb waren, war gleichzeitig an einer Maschine ein Schlosser damit beschäftigt, mittels einer elek­trischen Bohrmaschine ein Loch zu bohren. Man will nun beobachtet haben, daß an dieser Bohrmaschine sich plötzlich eine kleine Flamme zeigte. Die Lösungsmittel, mit denen der Lack zer­setzt ist, haben nun anscheinend Gase und Dämpfe entstehen lassen, die sich an der kleinen Flamme entzündeten und sofort unter heftiger Detonation eine riesige Stichflamme er­zeugten, von der im Augenblick die zunächst stehen­den Arbeiterinnen e i n g e h ü l l t waren, unter der Belegschaft brach eine Panik aus, die die Flucht sehr erschwerte, zumal da das Feuer an den vielen laufenden von fertigen Bleistiften und an den Lack» Vorräten reiche Nahrung fand und sich mit unge­heurer Geschwindigkeit durch den Raum verbreitete. Ueberschwemmung an der Küste Schleswig-Holstein».

Ein gewaltiger W e st st u r m hat an der West­küste Schleswig-Holsteins große Lleberschwem- mung hervorgerufen. So wurde daS ganze Vor­land bei £ u f u m überflutet. Das Wasser steht bis an die Kronen der 3nnendeiche. Einzelne Hallig-3nfeln wurden von Der plötzlichen Sturmflut überrascht, so daß zahlreiche Vieh­bestände nicht rechtzeitig auf die höher gelegenen Hügel gerettet werden konnten und verloren gingen. Allein an der 3nsel Rordstrand mür­ben 50 ertrunkene Schafe angetrieben. Auf der Elbe wurde durch den hohen Wellengang im Lauenburger Hafen ein Schleppdampfer gegen einen eisernen Kahn geschleudert und zum Sin­ken gebracht.

Bei einem Hotelbrand umgekommen.

Das dreistöckige HotelGermania" in H e y d e ° trug, das der Hotelbetriebs-A.-G. in Memel ge­hört, ist vollständig niedergebrannt. Auch die zum Hotel gehörenden Nebenräume sind zum Teil ein- geäschert. Ein 19 Jahre alter Handlungsge­hilfe, der in einer Kammer im dritten Stockwerk des Hotels wohnte, hat den Tod gefunden. Zwei junae Mädchen erlitten beim Abspringen aus ihrer Schlafkammer schwere Verletzungen. Das Feuer ist vermullich in der Mädchenkammer zum Ausbruch gekommen.

Vie ehemaligen Kriegsgefangenen beim Reichsfinanz­minister.

Wie die Arbeitsgemeinschaft der Vereinigungen ehemaliger Kriegsgefangener Deutschlands, E.V., mittcilt, empfing RcichSfinanzminister Dr. Hil- f er Ding kürzlich Die Vertreter der Arbeits­gemeinschaft. Gegenstand der Aussprache bildeten Die gesamten materiellen Rechtsansprüche der ehemaligen Kriegsgefangenen. Deren Vertreter wandten sich entschieden gegen die Absicht Der Regierung, Die gesamten Guthabenan­sprüche der ehemaligen Kriegsgefangenen zum GrunDstock einer sozialen Stiftung zu machen. Riemals Dürfe durch eine soziale Geste, Die man auS Verlegenheit konstruiere, Der ZustanD

Der zehnjährigen Llnaewihheit verewigt wer­den, in Der sich die ehemaligen Kriegsgefangenen bis heute hinsichtlich Der tatsächlichen Vertretung ihrer Rechte Durch Die bisherigen Reichs regie« rungen befänden. Die Fragen DerWiederauf­bau" forDcrungen und der Sanitätsgebühren wur­den besonders erörtert. Als positives Ergebnis der Verhandlungen wurde beschlossen, bereits Anfang Mai im 16. Ausschuß des Reichstages Die gesamten Fragen in Gemeinschaft mit Ver­tretern Der Kriegsgefangenen und Der Reichs­regierung zur Verhandlung zu stellen. Der Bundestag Der Arbeitsgemeinschaft Der Ver­einigungen ehemaliger Kriegsgefangener Deutsch­lands E. V. findet vom 24. bis 27. August 1929 in Offenbach a. M. statt.

Schaden ist erheblich.

1400-Iahrseier der Benediktinerablei Montecassino.

An der 1400-Jabrfeier der berühmten Benedit tiner-Abtei Montecassino wird Kardinalstaatssekretär Gasparri im Auftrage PiusXI. als päpst­licher Legat teilnehmen. Nach den letzten Mittei lungen scheint die erwartete Reise des Pap­stes nach Cassino für die nächste Zell nicht vor gesehen zu fein. Kardinal Gasparri begibt sich in einem ihm zur Verfügung gestellten Sonderzuge noch Cassino. Längs der Bahnstrecke werden Trup­penteile des italienischen HeeresSpo l i e r bilden, und seine Ankunft soll durch Ar- tilleriefalven begrüßt werden. Während der Kardi nalstacllssekretär die Abtei betritt, wird dort b i c päpft lic^e Flagge gehißt. Die kürzlich wie derhergestellten päpstlichen Gemächer des Kloster­gebäudes find für den Aufenthalt des Legaten vor­gesehen. Zu gleicher Zeit wird auch der Abtprimas der Benediktiner und Abt von S. Anselmo in Rom. Freiherr von Stotzingen, sich nach Montecassino begeben. Den Mittelpunkt der reli­giösen Feierlichkeiten zum Jubiläum der Abtei bil­det das große Pontifikalamt, das Kardinal Gasparri Zelebrieren wird, und an dem außer zahl­reichen Abgesandten der verschiedenen Benediktiner- Klöster hohe geistliche Würdenträger sowie die Spitzen der Militär» und Zivilbehörden von Cassino teilnehmen werden.

Oberst Bauet schwer erkrankt.

Wie ein Berliner Abendblatt meldet, ist Der bekannte Oberst Bauer, Der sich seit einiger Zeit in Der chinesischen Hauptstadt Banking als Berater Des Staatspräsidenten Tschiangkaischek befindet, an Den Pocken erkrankt und liegt schwer danieder. Die englische Presse hat immer wieder behauptet, Daß Oberst Bauer Der mili­tärische Berater Tschiangkaischeks im chinesischen Bürgerkrieg war. Demgegenüber muß betont werben, Daß Die 3nteressen Des Oberst Bauer von jeher vorwiegenb aus wirtschaftlichem Gebiete lagen unD Daß er Tschiangkaischek getabe in Fragen Der wirtschaftlichen und indu­striellen Reorganisation Chinas unterstützen wollte.

Die ältesten Meine der Mell.

3m Weinmuseum zu Speyer befindet sich eine Glasamphore mit flüssig erhaltenem römi­schen Wein, Der ungefähr aus Dem 3ahre 300 nach Ehr. stammt. Durch verharztes Oliven­öl ist dieser Wein gegen Lust abgedichtet. Ob er allerdings noch genießbar ist, Darf wohl bezweifelt werben. Man fand diese Glasamphore mit zwölf weiteren Glasgefäßen in zwei Sarko­phagen zu Speyer. 3m gleichen Museum findet man Weine aus den 3ahren 1540, 1631, 1687, 1723 und 1822, meist Geschenke aus der Hofkellerei München des Königs Ludwig III. von Bayern. Aus dem 3ahre 1750 sieht man eine Original­flasche mit Wein aus einem Grundstein in Freimsheim (Pfalz).

Die Wetterlage.

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Freitad, d.26. April 1929,7h abds.

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Wettervoraussage.

Eine Randstörung an der Westseite des ausgedehn­ten südskandinavischen Druckfallgebiets hat sich zu einer selbständigen Störung entwickelt, die yeute morgen über der Nordsee lag. An der Südseite der Fallgebiete vorgedrungene wärmere Luft hat in unserem Bezirk einen Temperaturanstieg von etwa 3 bis 4 Grad gebracht und im nördlichen Deutsch­land außerdem zu Regen- und Schneefällen gefüyrt. Die leichte Erwärmung wird nur vorübergehend fein, denn an der Rückseite der Nordseestörung flie­ßen bereits kältere Luftmassen südwärts. Erneutes Aprilwetter setzt ein. Unter finkenden Temperaturen und wechselnder Bewölkung mit Aufheiterung tre­ten mehrfach Regen» und Schneeschauer auf.

Wettervorhers age für Sonntag: Wieder kühleres, unbeständiges Wetter mit Re­gen- und Echneeschauem.

Wettervorhersage für Montag: Roch kein beständiges Wetter.

Lufttemperaturen am 26. April, mittags 9,2 Grad Celsius, abends 5,8 Grad; am 27. April: morgen« 7,8 Grad. Maximum 9,5 Grad, Minimum 1,4 Grad. (Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. April: abends 9,3 Grad; am 27. April: morgens 6,1 Grad. Sonnenscheindauer 1% Stunden.