Ausgabe 
27.2.1929
 
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Hof an di« Stelle verlegt, wo sich heut« der Gießener Bahnhof befindet. 3m Januar 1862 wurde die nach Köln führende Strecke gebaut, sie trug in der ersten Zeit den Namen Köln Windener-Dahn. Eine besondere Feierlichkeit bei der Eröffnung dieser Dahn fand nicht statt, sie war rasch aufgebaut worden und war bei der Aufnahme des Betriebes nur notdürftig voll­endet. Besonders im Bahnhof war alles noch ein sehr großer Notbehelf. Bauunternehmer aus Holstein und Schlesien waren mit vielen gut- geschulten Leuten gekommen, diese verdienten am Tage einen Taler, was für die damaligen Ber- hältnisse ein sehr hoher Lohn war. Mit vielen zweirädrigen Schubkarren wurde über Schienen die ausgehobene Erde in großer Eile herbei- gefahren. Tie Eröffnung dieser Dahn hatte zur Folge, daß der Preis der Steinkohlen plötzlich von 48 Kreuzer für den Zentner auf 36 Kreuzer und noch weniger sank. Nachdem man vorher nur mit Holz geheizt hatte, wurde jetzt die Steinkohlenheizung in vielen Gießener Familien eingeführt. Mit dem 1. Februar 1862 trat auch auf anderem Gebiete eine Verbesse­rung der Verkehrsverhältnisse ein. Seither hatte man Kreisboten, die in der Woche zwei­mal nach den Dörfern gingen, um Brief­sachen hinzubringen, nun wurden sie als Post­boten angestellt und gingen nach vielen Dör­fern täglich, nach einigen wenigstens drei- bis viermal in der Woche.

** Das Kindererholungsheim vom Roten Kreuz in Schloß Bingenheim (Kreis Büdingen) wird am 23. März für Kinder des Mittelstands wieder eröffnet. Die ausgezeich­neten Erfahrungen mit den in den vergangenen Jahren dort untergebrachten Kindern infolge der kräftigen oberhessischen Luft, der guten und reich­haltigen Ernährung und individuellen Pflege bieten auch jetzt wieder die Gewähr für einen guten Erfolg. Das Heim steht unter der Leitung der Kreisfürsorgerin Schwester Käte Knoll, die von mehreren Schwestern und Kindergärt­nerinnen unterstützt wird. Es können 12 bis 15 Kinder zu jeder Kur Aufnahme finden. Der Betrieb wird aus Mitteln des Hesiischen Roten Kreuzes (Landesverein und Alice-Frauenverein) finanziert. Die Kur beginnt am 23. März mit einer Mädchengruppe von 6 bis 14 3ähren und wechselt in vierwöchentlichem Turnus ab mit einer Knabengruppe von 6 bis 12 Iahren. Das Hes­sische Rote Kreuz glaubt mit dieser Einrichtung einem bestehenden Bedürfnis abzuhelfen, und hofft, daß gerade von Eltern des Mittelstandes, die bisher ihren Kindern eine Erholung nicht oder nur mit Schwierigkeiten gönnen tonnten, xecht zahlreich davon Gebrauch gemacht wird.

* Zuchtviehversteigerung in Gie­ßen. Die erste diesjährige Veranstaltung des Verbandes Mitteldeutscher Rotviehzüchter am 13. März in Gießen wird wiederum mit hoch­wertigem ausgesuchten Zuchtmaterial aus den be­kannten Zuchtgebieten des einfarbig roten Höhen- rindes Oberhessen, Wetzlar, Biedenkopf, Kur- Hessen und Westfalen beschickt. Zum Austrieb kom­men etwa 50 Bullen über 14 Monate alt und tr-eibliche Tiere, darunter tragende Rinder usw. Das zum Verkauf gestellte Zuchtmaterial ist in den Herdbüchern der Unterverbände eingetragen und auf den Zuchtwert usw. vorgeprüft. Neben einem weitgehend^ Abstammungsnachweise siegen von einer großen Zahl weiblicher Vorfahren die Milchleistungsergebnisse vor. Alle Verkaufstiere bringen die wertvollen Nutzungseigenschasten im Milch-, Arbeit-- und Fleischtyp in vollem Um­fange zur Erscheinung. Sie zeichnen sich durch feste Konstitution, große Wetterfestigkeit und her­vorragende Gesundheit aus und vertreten den Typ des wirtschaftlichen Rindes für die Gebirgs­gegenden. Die Leistungsergebnisie zrigen eine dauernde Steigerung, die Spitzenleistungen br- laufen sich in der Oberhesslschen Herdbuchgesesi- schaft Gießen auf 5322 Kilogramm Milch mit 3,9 Prozent 206 Kilogramm Fett, in Kur Hess en auf 5096 Kilogramm Mich mit 3,8 Prozent = 194 Kilogramm Fett, in Biedenkopf auf 4332 Kilo­gramm Milch mit 4,2 Prozent = 183 Kilogramm Fett usw. Dabei werden die Kühe zur vollen Gespannarbeit herangezogen. Die Lebendgewichte ausgewachsener Kühe liegen zwischen zehn bis zwölf Zentner, die der fünfvierteljährigen Bullen zwischen acht bis zehn Zentner.

** Wünsche zum Musterkoffertarif der Reichsbahn. Nachdem in jüngster Zeit die Schweiz und Oesterreich eine Herabsetzung des Mu- sterkofsertarifs um 33 bzw. um 50 v. H. beschlossen haben, hat der Verband reisender Kaufleute Deutsch-

III. Tag des Kammerspielzyklus.

Theater der Musikalischen Komödien.

Vor dem Weltkriege erhielt der Musikwissen­schaftler Dr. Erich Fischer vom Staate den Auf­trag, in den Bibliotheken nachzuforschen, um Musik­werke aufzufinden, die der Vergessenheit anheim­gefallen waren, um sie dem Musikleben wieder zu­gänglich zu machen. Der Erfolg seiner Bemühungen war derartig reich, daß ihm bald eine große Zahl wertvoller Notenschätze (Lieder, Arien, Singspiele u. a.) zur Veröffentlichung zur Verfügung stand. Den aufgefundenen Singspielen war die Lebensfähigkeit meist durch ungeeignete Texte vereitelt worden. Da begann Fischer unter Anregung und Hilfe seiner Mutter neue Handlungen zu ersinnen, die in ihrem Aufbau so angelegt waren, daß die Notenfunde dafin an geeigneter Stelle eingefügt werden und zur Geltung kommen konnten. Schon während der Ärieasjahre empfand man es besonders wohltuend, im Gegensatz zu der leidigen Operettenmache, daß die wieder erweckten musikalischen Werte im Rah­men derM usikalischen Komödien" der Oesfenllichkeit bekannt wurden.

Der Erfolg des nun schon über ein Jahrzehnt florierenden Unternehmens ist nicht zuletzt in der überaus großen Geschicklichkeit und Vielseitig­keit im Erfinden neuer textlicher Grundlagen zu sehen. Wer in ihnen irgendwelche hochdramati­schen Konflikte suchen wollte, würde ebenso fehl­gehen wie der, dem an einer weittragenden Tendenz gelegen ist. Beides steht den Nachdich­tungen denkbar fern. Sie wollen nur den ver­gessenen Musikalien bienen und ihnen eine Stelle anweisen, in der sie sich ihre Geltung erhalten können. Und darin liegt die Größe und Bedeu­tung der Fischerschen Bearbeitungen, daß sie ganz aus dem Geiste des vorliegenden musikali­schen Materials heraus geschaffen wurden, also Art und Durchführung der Handlung so erstan­den sind, daß man die fertigen Werke durchaus als eine organische Einheit anzusehen vermag. Ohne die Musik würden die Handlungen in ihrer Naivität uns vielfach simpel und auch nicht sonderlich intereffant erscheinen; aber durch « einzelnen Musikstücke erhalten sie ihr inner*

Zum 400jährigen Jubiläum des Kleinen Katechismus.

Don Professor Or. D. Diehl, Prälat der Hessischen Landeskirche.

Am Montag, 25. Februar, sprach auf einer von über 350 Männern besuchten Dorfkirchenvorsteher-Tagungin Reiskirchen (Kreis Gießen) Prälat Dr. D. Diehl über den Kleinen Katechis­mus:Was er unseren Vätern war, und wie er uns das wieder werden kann". Dir Tagung eröffnete Pfarrer Wahr, Gießen, a.s Vorsitzender der Dorfkirchenvereinigung mit kurzem Hinweis auf die Bedeutung solcher Zusammenarbeit von K.rche und Wannern.

Einer der Vorfahren des Vorsitzenden unserer Tagung, Pfarrer Johannes Armbrüster, wurde wegen seines zähen Festhaltens an Luthers Kleinen Katechismus aus seinem Amte verjagt und fand dann in Winnerod und zuletzt in Reiskirchen wieder Anstellung. Ein typischer Fall damals im Marburger Land, als Landgraf Moritz einen Katechismus nach reformierter Zäh­lung der zehn Gebote u. a. m. einführen wollte. Viele Geistliche widersetzten sich dem neuen Ka­techismus; sie wurden ihrer Stelle enthoben. Als Küster, Glöckner fanden sie Unterkunft, mancher war Jahre lang ohne Amt und 'Brot. Nach Tausenden zählten in deutschen Landen diese treuen Männer, die ihre Stellung aufgaben, um des Kleinen Katechismus willen. Schon in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, besonders im Dreißigjährigen Krieg, ging es in allen großen Streitfragen immer wieder um den Katechismus. Verbrannte man in der Gegenreformation Luthers Bibel, so hielt man sich an den Katechismus und verwahrte ihn auf der Brust und in der Rock­tasche. So ist es zu erklären, daß Gegenden, trotz­dem 20 bis 40 3ahre der katholische Gottesdienst gehalten wurde, die Kinder katholisch getauft und erzogen wurden, rein lutherisch blieben.

Mit gutem Grund hatte der lutherische Kleine Katechismus ungeheuere Bedeutung für das Voll. Es ist eine falsche Anschauung, daß mit der Re­formation daS Dibellefen begonnen hätte. Vor 400 Jahren konnten in unseren Dörfern keine drei Leute schreiben und lesen. Die ganze Bibel war noch nicht übersetzt; nur das Neue Testament lag vor. So führte der Katechismus, ein Büchlein mit nur wenigen Seiten, die Leute grundlegend an die evangeliften Wahrheiten heran; er führte sie hinein in die Welt der Bibel. Und buefer Katechismus schuf eine christliche lutherische Volks­gemeinschaft. Sie schuf eine Volksgemeinschaft zum erstenmal. Weil im 18. und 19. Jahrhundert das Voll sich kastenmäßig schied, meinen wir, auch das 16. Jahrhundert sei kastenmäßig geschieden gewesen. Das war vorher der Fall. 3m Mittel- alter waren Fürst und Untertan keine geschlossene Einheit, weil nicht nur der weltliche, sondern auch der geistliche Herr in alle Dinge, weltliche und geistliche Angelegenheiten bis hinein ins Famisienleben dareinredete: im Hessischen nicht nur der Landgraf, sondern auch der Erzbischof von Mainz. Jetzt aber wurde unter dem Druck der großen sittlich-religiösen Gesetze, die in Luthers Katechismus zusammengefaht waren, diese Ein­heit gefunden: nicht nur in der Familie, sondern auch im Volksleben. Studentenbriefe aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, im Marburger Ar­chiv aufbewahrt, beweisen es. Man toanbte sich an den Landesvater und trug ihm seine Not vor, wie ein Kind dem Vater. Und die höchste Stelle antwortete persönlich. Wo wäre das heute mög­lich? Die Dureaukratie steht dazwischen. 3m 16. 3ahrhundert aber war keine Dureaukratie, sondern wirkliche Berührung von Mensch zu Mensch. Der Wert des Menschenlebens wurde nicht gemessen nach der Stellung, die der einzelne einnahm, nicht nach Geld und Reichtum usw. Ihre Feuerprobe bestand diese große lutherische Volksgemeinschaft im Dreißigjährigen Krieg. Un­ter Pest, Zusammenbruch lernten sich die Men­schen aneinander an. Keiner fragte, weh Standes er war; jeder suchte, dem anderen zu helfen.

Dieses große Vollgefühl wurde funbamentiert durch den Kleinen Katechismus. Darum wurde der Katechismus decheilige" Katechismus, die Laienbibel Dr. Martini Lutheri genannt.

Daß der Katechismus das wurde, verdankte er der genialen Art, mit der hier Luther die Bibel, die tiefften und letzten Grundgedanken des Evan­geliums, ins Deuten und Leben des deutschen Volkes übersetzte. Der Vortragende wieS im ein­zelnen, an den drei Artikeln, an den 10 Geboten nach, wie Lucher aus innerster Erfahrung und Verständnis der biblischen Welt das Gesetz Mosis, die drei Artikel der alten Christenheit in die Sprache seines Volkes übersetzte, wie nur der es kann, der fein Volk kennt und die Sprache seines Volkes zu reden weiß, well er dem Volkauf8 Maul" sieht. Wunderbar ist es, wie Lucher in den drei Artikeln die philosophisch-hellenistischen Gedankengänge in persönliches Bekenntnis des Glaubens überseht. Nicht um die Rätsel der Welt und der Schöpfung handelt es sich im 1. Artikel, sondern um das Rätsel deines Lebens: daß du deine Abhängigkeit von Gott erfährst und alles, was du bist, deine leiblichen und geistigen Gaben, deinen Besitz, dein Amt, deine Arbeit, dein Leben aus Gottes Hand nimmst und daraus etwas machst, deinem Gott zu Ehren, deinem Nächsten zu Nutz. Das ist's, was von dir gefordert wird; das ist's, was Glauben heißt. Diese Kraft der Uebersetzung biblischer Gedanken ins Leben schilderte der Vortragende eingehend auch am 2. und 3. Artikel, am 1. Hauptstück: den 10 Geboten. Ueberall wird deutlich, wie die Richtlinien einer neuen Zeit sichtbar werden, wie die großen sitt- lich-religiösen Erfordernisse der erregten Zeit zusami: .ngebaUt werden in wunderbarer Ein­dringlichkeit und Wucht mit dem Glauben an Gott, der der Vater ist, an Christus, der der Herr ist: schenkend und fordernd, die Menschen hinein­stellend ins Leben, ihm zur Verantwortung und Rechenschaft für die Gaben, die sie empfangen haben. Und mögen es geistliche Gaben fein, es ist gleich: unser Leben ist verhaftet Gott zum Besten des andern. Aufs stärkste und inner­lichste tritt die Wahrheit heraus: Glaube ist nicht Lehre, nicht Erkenntnis, sondern Gott fürch­ten und lieben und ihm gehorsam fein mit dem ganzen Leben.

Wir stehen in einer Zeit, wo alles ausein­anderströmt, Adel, Bürger, Bauer, Arbeiter, jeder Stand, und wo jeder Stand erst wieder durch schlagwortartigc Parolen zusammengeballt wird: Parolen, so exklusiv, so parteilich eingestellt, daß die Volksgemeinschaft zerreißt. Nach der Revolution gab es eine Zeit, wo Volksgemein­schaft hätte werden können. Dieser Augenblick wurde verpaßt. Wir werden Volksgemeinschaft nur werden von tieferen Grundlagen her. Das hat die Weimarer Verfassung bewußt oder un­bewußt gesehen, indem sie der evangelischen Kirche eine neue Stellung gab, sie mit neuen Rechten ausstattete. ES ist Wahrheit: Volksgemeinschaft ist notwendig, ist Gottes Wille. Hier kann der Kleine Katechismus zum Führer werden.

Das kann im evangelischen Volke werden durch Vereinfachung und Verinnerlichung des Unter­richts im Katechismus, der kein Lehrbuch, erst recht kein Schulbuchs sondern ein Lebensbüchlein für unser Volk ist. Los vom Schulbuch!, das muh die Parole werden. Daran arbeiten Pädagogik und Theologie, daß man sich wieder zurückfinde zum Kleinen Katechismus als deHLaienbibel un­seres Volkes: das Büchlein befreit von allem systematischen Ballast, mit dem Theologen und Pädagogen es bepackt haben. Dom Katechismus- bcten, von der Katechismuspredigt, von neuer Behandlungsart in jeder Stufe des Unterrichts (Schule, Konfirmandenunterricht, Christenlehre), von dem großen Ernstnehmen deS Katechismus sprachen bte Schlußworte.

Der Vortrag war von starker persönlicher Note, ein Bekenntnis, das in Herz und Gewissen traf.

-Y

lands, Sitz Leipzig, namens der Zentralstelle der am kaufmännischen Berufsreiseverkehr beteiligten Ver­bände seine jahrzehntealte Forderung auf Einführung eines gegenüber dem allgemeinen Gepäcktarif er­mäßigten Musterkoffertarifs erneut bei der Deutschen Reichsbahngesellschast, Hauptverwaltung, erhoben.

liches Leben und so breiten sich oft anmutige und reizvolle Bilder und intime Stimmungen voller Beschaulichkeit vor dem Hörer aus. Stets halten sie sich frei von irgendwelcher sinnlichen Lüsternheit, und so werden sie gern als eine Gelegenhell zu anregender Ausspannung hin­genommen. Vielleicht kommt hier noch einmal ein Prinzip zum Durchbruch, das die Entwick­lung der älteren Oper beherrscht hat. Genau so wie damals derselbe Stoff immer wieder von den verschiedensten Komponisten vertont wurde, also das Interesse am szenischen Geschehen zu­gunsten des Interesses für die Art der musikali­schen Durchgestaltung zurücktrat, so wird auch hier in den Fischerschen Komödien *ble Hand­lung erst durch die mit ihr verbundene Musik eines besonderen Interesses würdig.

Die Handlung zu dem SpielDas alte Lied" tst angeregt worden durch den Fund eine» verschollenen Mozart sie des durch Erich Fi­scher in Donaueschingen im Jahre 1914. Ge­schickt hat er es verstanden, die beiten im ® reif en* kostüm sich gegenüberstehenden jugendlichen Part­ner unter dem Eindruck und der Auswirkung deS Mozartliedes die Gelegenheit zurReif» ins Iugendland" sinden zu lassen.

Karl Ditters von Dittersdorf, desien SingspielDoktor und Apotheker" In den letzten Jahren wiederholt von deutschen Bühnen zu neuem Leben erweckt worden ist, gibt mit feiner Musik der drastischen Kaffeeklatschgeschichte trotz ihrer Alltöglichkell wirksame Pointen. (Ein­tracht ernährt!")

Man muß es der Regie Erich Fischers be­sonders anrechnen, daß er feine Kräfte so auS- gewählt hat, daß sie sich stets in den Rahmen des Ganzen zu fügen vermögen. Eine gewisseB-*- weglichkell im Spiel ist allen eigen, und es fehlt ihnen auch nicht ein gewisser Zug zum Burlesken wie in der Kaffeeschlacht. Mehr noch aber ist die musikalische Befähigung der einzelnen Mitwirken- den ins Gewicht fallend: mit ihr steht und fällt die letzte Auswirkung der Ausführung. Soge­nannte große Stimmen, wie auch eine reißerisch; Art des Singens wären hier nicht am Platze. Charlotte Tetchmann und auch Erich A- CoI - Un sind durch ihr gesangliches Können für ihre

In seiner Eingabe hat der Verband darauf hin- gewiesen, daß der Musterkoffer ein notwendiges Handwerkszeug des reisenden Kaufmanns und die unerläßliche Vorbedingung für die Ausübung seiner Berufstätigkeit ist, und daß es deshalb nicht mehr als recht und billig ist, wenn ihm gegenüber dem ge-

Rollen gleich prädestiniert. Beide verfügen über recht sympathische Stimmittel, beiden ist eine an­genehm berührende Art zu fingen eigen. 3n Elsa Bartl besitzt das komische Element eine typische Vertreterin, so, wie sie spielt und singt, wird sie nie die beabsichtigte Wirkung verfehlen.

Als musikalischer Leiter fungierte recht ge­schickt am Flügel Lothar Grünberg.

3n der Pause versuchte er, für die Dolkslied- spende zu werben. Dr. Erich Fischer, der an der Spitze dieser Bewegung steht, hat sich zum Ziel gesetzt, auf die Entwicklung des modernen volkstümlichen Liedes befruchtend zu wirken. Ein jeder, ob Musiker, ob Dilettant, soll berechtigt fein, Melodien, die ihm zu irgendwelchen Texten einfallen, an den Leiter der Bewegung ein» Ausenden. Die Eingänge werden durch Dr. Erich Fischer gesichtet und die für wertvoll befundenen Lieder in besonderen Wahlheften, von denen bereits zwei erschienen sind, ohne Nennung des Verfassers veröffentlicht. Diese Lieder werden dem Urteil der Musikfreunde anheimgestellt, in­dem jeder aufgefordert wird, dein Herausgeber die ihm besonders zusagenden Lieder zu be­zeichnen. Die Lieder, die die meisten Stimmen erhalten, sollen dann in besonderen Dolkslieder- heften bekanntgegeben werden. Wieweit diese Bestrebungen Erfolg haben werden, wird die Erfahrung lehren. Charlotte T e i ch m a n n brachte einige Proben aus den Wahlheften zu Gehör, die beim Publikum durch den lebendigen Vorttag und die melodiöse Art sehr ans^rachen.

Hochschulnachnchien.

Der durch den Weggang des Professors Julius Schniewind nach Königsberg an der Universität Greifswald erledigte Lehrstuhl der Neutesta- mentlichen Tchevlogie, ist dem a. o. Professor Lic. Dr. Jeremias an der Universität Berlin an­geboten worden.

Zum Aacyfolger von Prof. Max Schneider auf dem Lehrstuhl der Musikwissenschaft an der Uni­versität Breslau ist Professor Dr. Willibald ®urlitt von der Universität Freiburgi.D. in Aussicht genommen.

wohnlichen Gepäck eine Sonderstellung ein geräumt wird. Nicht unerwähnt gelassen wurde weiterhin, daß die Verteuerung der Benutzung der Eisenbahn immer mehr Berufsangehörige zur Abwanderung auf das Auto veranlaßt. Es wäre, abgesehen von dem gün. stigen Einfluß auf den allgemeinen Warenverkehr, sicherlich auch kein Nachteil für die Deutsche Reichs- bahn-Gesellschaft, wenn sie den reisenden Kaufleuten ihren berechtigten Wunsch erfüllen würde.

D ie Zimmermeister-ZwangSin- n u n g hielt am Samstag im Schipkapaß eine Innungsversammlung ab. Nach kurzer Begrü­ßung durch Obermeister Rinker (Nonnenroth) wurde zunächst der mit 510 Wk. abschließende Voranschlag für 1929 genehmigt. Ebenso wurde über eine vom Vorstand beantragte Satzungs­änderung endgültig Beschluß gefaßt. Bei der Besprechung allgemeiner Innungsfragen wurde von verschiedenen Rednern auf die ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse im Zimmererhand­werk hingewiesen und dabei zum Ausdruck ge­bracht, daß sowohl der hessische Staat, wie auch die Gemeinden, trotz aller Finanzschwierigkeiten dem Gewerbetreibenden beim Einkauf von Holz weitgehendst entgegenkommen mühten. Dies gelte insbesondere bezüglich der Zahlung von Zinsen und der Durchführung von Zwangsmaßnahmen. Auch über das wieder stark sich bemerkbar ma­chende Borgunwesen wurde lebhaft Klage ge­führt. Der Vorschlag des gemeinschaftlichen Holz­einkaufs fand mit Rücksicht auf die Schwierig­keit der Durchführung keine Gegenliebe. Zum Schluß wies der Vertreter des KreiSamts auf die Notwendigkeit des handwerklichen Zusammen­schlusses hin, dabei besonders die Aufgaben der gewerblichen Vereine und Innungen hervvr- gebente

Der Evangelische Arbeiterver- e i n hielt am* Samstagabend im Dereinslokal feine Jahresversammlung ab. Nach dem vom Vorsitzenden, Stadtv. Kirchner, erftattenen Jahresbericht hat sich der Verein auch im abge­laufenen Dereinsjahr günstig entwickelt. Die Zahl der Mitglieder beträgt 253. Der Rechenschafts­bericht ergibt eine Einnahme von 722.27 M?., eine Ausgabe von 690.08 Mark. Die finanziel­len Verhältnisse der Sterbekasse deS Vereins sind günstig. Die Einnahmen betrugen hier 765.70 Mk., die Ausgaben 300 Mark. Auch die Gesangsabtei­lung des Vereins hat gute Fortschritte gemacht. Neu eingerichtet wurde ein Bläserchor. Bei den Wahlen wurden die ausscheidenden Vorstands­mitglieder wiedergewählt. unter Hinzuwahl von zwei neuen Vorstandsmitgliedern.

Oberheffen.

Landkreis Gießen.

ck. Heuchelheim, 26. Febr. Am Samstag ftfett derKreditoereinHeuchelheime. G. m.b.H. seine diesjährige, sehr gut besuchte Hauptver­sammlung ab. Wie der Jahresbericht zeigte, hat sich die Genossenschaft auch im abgelaufenen Geschäftsjahr recht aut weiter entwickelt. Die Bilanz­summe zeigt in Passiva und Aktiva den Betrag von 837 358,40 Mark. Der Jahresumsatz hat sich gegen das Vorjahr von 6 4-35 568 Mk. auf 9 912 776 Mark erhöht, der Reingewinn von 3467,69 Mark wurde dem Reservefonds überwiesen, die Zahl, der Ge­nossen hat sich von 366 auf 393 erhöht. Die satzungs« gemäß ausscheidenden Mitglieder des Aufsichtsrots, Ludwig K r ö ck, H. S a ck lll. und Fr. Karl Rinn, wurden wiedergewählt. Neu gewählt in den Auf- sichtsrat wurde Hermann Römer für das frei­willig ausgeschiedene Mitglied Ehr. Volk mann. Don besonderer Bedeutung ist der Beschluß, daß die Kreditgrenzen pro Geschäftsanteil auf 6000 Mk. neu festgesetzt wurden.

5b Alten-Buseck, 26. «Jfebr. Während der Passionszeit sind die üblichen Sonntagnach­mittags-Gottesdienste in Abendgottes­dienste umgewandelt worden. Daß damit einem Wunsche zahlreicher Gemeindemitglieder ent­sprochen worden ist, beweist der gute Besuch deS Gotteshauses. Das Vorhandensein der elektri- schen Heizungs- und Beleuchtungsanlage wird dabei angenehm empfunden. Eine erhebliche Verletzung zog sich der Landwirt Wilhelm Wagenbach zu, indem er sich beim Holzhacken durch Ausgleiten des Beiles den Daumen der linken Hand glatt ab sch lug.

-f- Grünberg, 26. Febr. Die Landwirt­schaftskammer für Hessen veranstaltete hier am Montag im .Rappen" einen Saatgutmarkt. Ausgestellt waren Proben für die FÄhjahrssaat, etwa 30 Sorten Hafer, 20 Sorten Gerste. 20 Sor­ten Kartoffeln, sowie einige Sorten Sommer­weizen, Mais. Runkelrüben und Rotklee. Die

Franlenwein Kranlenwein!

Auf einer fröhlichen Weinreife, die der aus­gezeichnete Kenner Fedvr von Zobeltih durch Baden, Schwaben und Franken unternommen hat und die er, immer durch kulturgeschichtliche Rückblicke vertieft, im Mär,heft von Delhagen & Klas ings Monatsheften launig schil­dert, kommt er nach dem Markgräfler, Trollin- get und ihren Verwandten auch auf den Bocks­beutel und feiste Sippe zu sprechen. »Franken- Wein Krankenwein!" rühmt ein alter Spruch, vielleicht noch aus den Zeiten der Pest, und berühmte Kliniker wie Virchow, Laube. Bergmann haben ihn empfohlen. Aber man braucht weiß Gott nicht krank zu fein, ein kern­gesunder Mensch kann ihn als Hausttmnk eben­so lieb gewinnen. Stein und Leiste sind seine berühmtesten Lagen geblieben. Den Steinwein pflegt man fcäafig nach der uralten Form feiner Flasche alsBocksbeutel" zu bezeichnen, und so heißt er auch in G. T. A. HoffmannS »KreiS- leriana des »Kater Murr". Don gleichem Adel, etwas mllder und süffiger für einen fröhlichen Kneipabend, ist die Traube der Leiste. ,3n den Riesenhallen der Kellereien der Residenz, deS Bürger- und IuliuSspitals sah ich," fährt Zobel- titz fort, »die fränkischen Edelweine in ungeheuren Faßgebinden, Kostbarkeiten wie Würzburger Stein und Harfe Auslese, Innere Leiste. Ränder' faderer Lämmerberg neben den wohlfeileren Ge­wächsen vom Repperndorfer Berg, vom Eschen- berger Fürsten berg, vom Sommeracher Katzenkopf es gibt gar viele und den offen ver­schenkten wie den Sulzfelder Altenberg und den Randersackerer Marsoerg, die mir bei einem Rundgang durch die Heineren Deisel in den engen Gaffen der Innenstadt trefflich den Durst löschen halsen. Eine Sonderheit der großen Kellereien sind die ovalen Fässer, m denen sich nach altem Düttnerglauben der Wein besonder- gut klaren soll und die oft künstlerisch reich ge­schnitzt finb. Giganten, wie die »Deamtenwein- fässer" früherer Zeit im Hofkeller (das größte hält 660 Eimer zu je 68 Liter) baut man heute kaum noch."