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Nr. 49 Zweites Blatt
Oer Wohlstandsindex.
In den Erörterungen, besonders der Pariser Presse über die Sachverständigenverhandlungen spielt seit deren Beginn der Wohlstandsinoex deS Dawesabkommens eine beträchtliche Rolle. Man redet Deutschland gut zu, es könne auf den Transferschutz verzichten, die 2,5 Milliarden Höchstsumme des Dawesplanes als eine dauernde Verpflichtung akzeptieren und diese Summe 60 Jahre lang bezahlen, denn — man werde ihm dafür die gewaltige Konzession machen, daß es von den Verpflichtungen aus dem sogenannten Wohlstandsindex befreit werde. Daß dieser Index existiert, ist allgemein bekannt: aber daß er in absehbarer Zeit die deutschen Zahlungsverpflichtungen aus dem Dawesabkommen wesentlich oder überhaupt erhöhen könnte, hat man bisher nicht angenommen.
älnö in der Tat ist, obwohl dieser Index ziemlich bedenklich zusammengestellt und wenig durchdacht ist, die Gefahr einer solchen Erhöhung nur für einen Fall gegeben, um den wir uns wenigstens vorläufig nicht zu ängstigen brauchen. Die Konzession ist also nur eine sehr bescheidene, wenn wir sie überhaupt in Anspruch nehmen. Denn der Wohlstandsindex errechnet sich aus der Steigerung des Eisenbahnverkehrs, der Devölkerungsziffer, des Außenhandels, des Tabak- und Kohlenvcrbrauchs. Unb zwar beginnt seine Wirksamkeit 1930. Wir befinden uns aber ersichtlich in einer Periode wirtschaftlicher Depression, die für die nächsten ein bis zwei Jahre gegenüber der Aufblähung der Ziffern in den ersten Wiederaufbaujahren und unter dem Einfluß einer ziemlich großzügigen Anleihepolitik auf weiten Gebieten des öffentlichen Lebens eher Einschränkungen und Rückgänge als Steigerungen erbringen wird. Das wird sich voraussichtlich im Eisenbahnverkehr, im Tabak- und Kohlenverbrauch auswirken. Falsch ist zweifellos die Einführung der Bevölkerungsziffer und des Außenhandels in diesen Index und daran ist auch von Anfang an von den berufenen Kritikern und Statistikern Kritik geübt worden. Denn die Bevölkerungsziffer wächst automatisch, auch wenn damit eine Reichtumsvermehrung keineswegs verbunden ist, sondern eine Erschwerung für die arbeitenden Teile der Bevölkerung und eine Vermehrung der Arbeitslosigkeit. Lind der Außenhandel ist in seiner Steigerung gerade in Deutschland keineswegs ein Maßstab vermehrten Reichtums, sondetn angesichts der Zwangslage, die deutsche Ausfuhr auch ohne Ruhen oder sogar mit Verlust zu steigern, um Devisen zu schaffen und den Reparationsverpflichtungen nachkommen zu können, eher ein Kriterium für die übermäßig hohe Belastung der deutschen Wirtschaft. Was in diesen Index hin- eingehöLle, wären die Anhaltspunkte für eine luxuriöse Lebenshaltung, also z.B. Alkoholver' riuch, Einfuhr von Seide, Champagner, Liköre, Parfümerien, Diamanten, Perlen usw. Aber davor Hot man sich gehütet, weil damit unter LImständen die Einfuhr Deutschlands an hochrentablen Produkten der Gläubigerländer getroffen worden wäre. Der Index gibt deshalb in seiner gegenwärtigen Form ein schiefes Bild, aber cs ist noch keineswegs gesagt, daß er ein so günstiges geben muh, daß sich daraus namhafte Zuschlagszahlen herleiten ließen. Außerdem ist seine Anwendungsform zweifellos ungerecht, insofern Rückgänge, die nach diesem Schlüssel fest- gestellt würden, nicht etwa zu einer Verminderung der Rormallast, sondern nur zu einem Aussehen der Zuschläge und zur Anrechnung der Minderungen auf künftige, wieder fällig werdende Zuschläge führen.
Jedenfalls ist es älnfinn, zu behaupten, daß der Wegfall dieses an sich reformbedürftigen Wohlstandsindex eine gewaltige Erleichterung für Deutschland bedeuten und es zur Preisgabe des
Beethovens „Missa solemnis“.
Zur bevorstehenden Ausführung des Konzertvereins.
Als Beethovens Schüler unö Gönner, der Erzherzog Rudolf von Oesterreich, dem Beethoven die große 8-Dur-Sonate, op. 106, gewidmet hatte, zum Erzbischof von Olmüh ernannt worden war, beschloß der Meister für die Inthronisation eine Messe zu schreiben. „Der Tag, wo ein Hochamt von mir zu der Feierlichkeit für Ihre Kaiserliche Hoheit soll aufgeführt werden, wird für mich der schönste meines Lebens werden, und Gott wird mich erleuchten, daß meine schwachen Kräfte zur Verherrlichung dieses Tages beitragen." (Beethoven an den Erzherzog.)
Je mehr sich der Meister in den vorgenommenen Stoff vertiefe, um so gewaltigere Ausmaße nahm er an, und erst zwei Jahre nach der Einführung des Crzhe.zogs konnte Beethoven die handschriftliche Partitur abschleeßen. Eine Gesamtaufsührung des gewaltigen Werkes hat Beethoven niemals selber gehört: am 7. Mar 1824 wurden mit der Neunten Symphonie zusammen das Kyrie, Credo und Agnus Dei zum Erllingen gebracht. Die erste vollständige Aufführung der Missa solemnis fand im gleichen Jahre in Petersburg statt zum Besten d:r Musiker-Witwenkasse. Die deutschen Aufführungen folgten sehr spärlich 1830, 1844 und 1845. Ein dauerndes Interesse für das Werk wurde durch bai Eintreten lei Leipziger Riedel-Vereins in den sechziger Jahren wachgerufen.
Daß der Meister sofort bereit war, eine Wesse zu komponieren, hatte seinen Grund in seiner persönlichen inneren Entwicklung. Der Kelch des Leides hatte für ihn den Höhepunkt erreicht. Die völlige Ertaubung trennte ihn von der Außenwelt, dazu kamen die Sorgen für seinen an Sohnesstelle angenommenen Reffen Earl. Die Abschließung von seiner Umgebung durch das Gehörleiden lieh feine Gedankengänge sich immer mehr den letzten Gründen des Snns zuwenden, dem Erleben des Göttlichen in der Ratur und in der persönlichen Erfahrung. Eine eigeirhändige Abschrift der Inschriften vom Tempel Reith zu Sais, die der Meister unter Glas auf feinem Schreibtisch stehen hatte, bestätigt diese Gedankengänge. „Ich bin, was da ist. — Ich bin alles, was ist, was war und sein wird, kein sterblicher Mensch hat meinen Schleier aufgehoben. — Er ist einzig von ihm selbst, diesem Einzigen sind alle Dinge ihr Dasein schuldig." Wie stark Beethoven sich in feinem Schicksal von der göttlichen Macht
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)
Mittwoch, 27. Zebruar 1929
Solidarität der Minderheiten.
In Genf hielt vor einiger Zeit der Präsident der Genfer Minderheitskongresse, der Slowene Dr. Josef W i l f a n, einen Vortrag über die Minderheitenfrage. Er betonte, eS sei besondere Pflicht jeder Minderheit, Solidarität gegenüber anderen Minderheiten zu pflegen. Diese ermögliche es den Minderheiten, einander wichtige Dienste zu leisten und als aktives Element der Desriedung Muropas zu dienen. 2m Anschluß an seinen Vortrag trat Dr. Wilsan eine Reise durch Europa an, um die Beschlüsse der Dölkerbundligen in der Minderheitenfrage vorzubereiten.
An der Aufrichtigkeit Dr. WilfanS, der sich beranntlich auch im Jahre 1925 für den schwerverletzten Führer der Banater Deutschen, Dr. Kraft eingesetzt hat, ist nicht zu zweifeln: er hat sich durch seine verantwortungsbewußte Tätigkeit in Sachen der europäischen Minderheiten europäischen Ruf und Achtung gewonnen. 2m schroffen Gegensatz zu seiner Rechtsauffasfung aber steht d ie Politik seiner slowenischen Volksgenossen dort, wo sie wie in Slowenien „S t a a t s v o l k" sind. Diese Politik weih nichts von Minderhcitensolidarität. Unb es muh betont werden, daß die Slowenen, die in der Bekämpfung und Verdrängung des Deutschtums in Slowenien an der Spitze stehen, unmittelbare Landsleute des Dr. Wilfan, als des Führers der slowenischen Minderheit in 2talien, und deS Görzer Abgeordneten Dr. Desednjak sind, nämlich Slowenen, die erst aus dem jetzt 2talicn unterstellten Küsten- lande nach Slowenien gekommen sind. Gerade im Kreise Marburg a. d. Drau erfolgte ja eine planmäßige Ansiedlung küstenländi.'cher Slowenen; zahlreiche Beamte, Lehrer und Geistliche (der gegenwärtige Bischof von Marburg zum Beispiel ist ein Triester Slowene) sind küstenländischer Herkunft. Diese Slowenen aus dem italienisch gewordenen Küstenlande haben die fafzistischen Methoden nach Slowenien verpflanzt: sie tragen mit den Hauptanteil an der Vergewaltigung des Deutschtums in Slowenien. Ebenso ist bei der slowenischen Minderheit i n Kärnten wenig von Solidarität für die bedrängte deutsche Minderheit in Slowenien zu bemerken.
Eine ernste Probe auf das Exempel der von Wilfan als notwendig erkannten Solidarität der Minderheiten untereinander war der im Jahre 1926 von der deutschen Minderheit in Slowenien an die Kärntner Landesregierung gestellte Antrag auf Gewährung voller Schul» und Kulturautonomie für die slowenische Minderheit in Kämt en. Reben der neuen preußischen Minderheitenschulverordnung ist dieses öffentliche Eintreten der deutschen Minderheit in Slowenien für die slowenische Minderheit in Kärnten bisher der einzige ehrliche Ausdruck praktischer Solidaritätspolitik gewesen. Der Kärntner Entwurf -konnte leider, infolge llnnachgiebigkcit chauvinistisch slowenischer Kreise in Kärnten, nicht Gesetz werden. Die überragende Stellung Dr. Wilfans in der europäischen Rationalitätenbewegung aber sollte nicht nur ihn, sondern die slowenische Minderheitenpolitik in ihrer Gesamtheit verpflichten, gehe sie nun von Laibach oder Marburg, vom Küstenlande oder von Kärnten aus. Kann man
für die eigene Minderheit fordern, was man als Staatsvolk einer anderen Minderheit verweigert? Man vergleiche die Politik der Slowenen mit den Bemühungen deutscher Minderheitenführer, die bei den berufenen gesetzgeben- den Stellen im Deutschen Reich ufnb in Oesterreich geradezu den Anstoß zu einer modernen Minderheitenpolitik gegeben haben.
Einige Beispiele aus jüngster Zeit beweisen die fortgesetzte Desavouierung Dr. Wilfans unb seiner Arbeit durch die eigenen Volksgenossen. 2m Vorjahre muhte die eben erst gegründete Deutsche Liga für Völkerbund und Völkerverständigung in Slowenien ihre Tätigkeit auf Veranlassung des Polizeipräfekten von Marburg, eines küstenländischen Slowenen, einstellen. Wenn nun Dr. Wilfan demnächst zu den verschiedenen Völkerbundligen reifen wird, sieht er sich vor die peinliche Tatsache gestellt, daß er seinen deutschen Freunden in Südslawien keinen Besuch ab statten kann, weil diese als einzige keine Völkerbundliga haben, Ende Dezember vorigen 2ahres hielt Dr. Wilfan in _ elgrad einen Vortrag über die kulturelle Bedeutung des Minderheitenproblems: kurze Zeit darauf wurde das Ansuchen des politischen und wirtschaftlichen Vereins in Marburg a. d. Drau um Errichtung deutscher Parallelklassen abschlägig beschieden unb gleichzeitig im Kreise Marburg die Abhaltung des privaten Sprachunterrichtes für je drei deutsche Kinder verboten. Man protestiert gegen die ünter- drückungspolitik der 2taliencr, die den Dereins- besih der küstenländischen Slowenen beschlagnahmen und slowenische Zeitungen verbieten und stößt zu gleicher Zeit in Laibach das erstinstanzliche Urteil in Dachen des Deutschen Hauses in Cilli mit der Begründung um. daß die der deutschen Kultur- und Geselligkeitspflege dienenden Zwecke des Deutschen Hauses unmoralisch seien.
Die Verantwortungslosigkeit der slowenischen Minderheitenpolitik wird schließlich noch durch die politische Maßregelung des deutschen Minderheitenführers in Slowenien. Dr. Morocutti, eindeutig charakterisiert. Dieser war es, bet 1924 zu einer gemeinsamen Schuhaktion der europäischen Minderheiten aufrief und durch seine Schrift: „Europa und die völkischen Minderheiten" 1925 die gedanklichen Grundlagen für eine europäische Solidaritätspolitik der Volksgruppen schuf. Er gab auch die Anregung für die Kärntner Denkschrift und trat als erster für die Gewährung der Knlturautoiwmie der Kärntner Slowenen ein. Die slowenischen Behörden aber enthoben diesen Mann seines Amtes als Kreisarzt unb ernannten an seiner Stelle einen ans Görz (also wieder aus „Reuitalien) stammenden Slowenen, namens Dr. Bacar.
Die Frage bleibt: „Kann man für die eigene Minderheit fordern, was man selbst einer anderen Minderheit verweigert?" Wer selbst die deutsche Minderheit in Slowenien unterdrückt hat kaum das Recht, gegen die Vergewaltigung der Slowenen in 2talien zu protestieren! Die slowenischen Führer in Laibach unb Marburg fünbigen also nicht nur wider die von ihrem Landsmann Dr. Wilfan vertretene Solidaritäts- ibee, sie schaden nicht zuletzt ihrem eigenen Volkstum. den Slowenen in 2talien.
TransserschuheL und zur llebernahme gewaltiger GesamtverspsliDungen auf zwei Generationen veranlassen könnte. Daß schon die Rormal- l e i ft u ng so hoch, ihre Aufbringung und Transferierung nur mit Hilfe ausländischer Anleihen möglich gewesen ist, die ja nicht Jahrzehnte hindurch fortgesetzt werden können, dürfte man auch in Paris mittlerweile erkannt haben.
abhängig fühlte, dafür sprechen verschiedene überlieferte Bekenntnisse: „Gott, Gott, mein Hort, mein Fels, du siehst mein Inneres! O höre stets, Unaussprechlicher, höre mich — deinen Unglücklichen, Unglücklichsten aller Sterblichen!" — — „Hart ist der Zustand jetzt für dich: doch, der da droben ist, o, er ist, unb ohne ihn ist nichts!"
Unter der Gewalt des Schicksalerlebens erfährt der überlieferte Messetext einen neuen, persönlich gefüllten Inhalt: .Alles, was Leben heißt, sei der Erhabenen (d. i. der Gottheit) geopfert und ein Helligtum der Kunst." Und fo vermag er sich über das konfessionelle Dogma zu erheben unb von der Warte des Künstlers zu einer neuen höheren Erkenntnis des Göttlichen zu gelangen und überlieferte Begriffe der Menschheit näher zu bringen unb der menschlichen Auffassung reicher und beglückender zu erschließen. Denn Beethoven ist der erste unter den Komponisten, der den modernen Menschen mit seinem (Segen- toartSerleben vertritt und dadurch auch unserer heutigen Empsindungs- unb Denkungsweise greifbar nahe steht unb darum mit seinem Werk einer um so nachhaltenderen Auswirkung sicher ist.
Beethoven hat die Messe selber als fein .größtes und gelungenstes Werk" bezeichnet. Zeugnisse aus seinem Umkreis bestätigen das völlige Aufgehen des Meisters in der begonnenen Arbeit. »Gleich von Anbeginn sch.en sein ganzes Wesen eine andere Gestalt angenommen zu haben, welches besonders seine älteren Freunde wahmah« men, und ich muh gestehen, daß ich Beethoven niemals vor und niemals nach jener Zeit mehr in einem solchen Zustande absoluter Erdentrückt- heit gesehen habe, als dies vorzüglich im Jahre 1819 mit ihm der Fall gewesen.' (Schindler.) »Von Herhen — Möce es wieder — Zu Hertzen gehen", konnte Beethoven so mit Berechtigung über das Kyrie schreiben. Die innige Versenkung in die Mysterien deS christlichen Glaubens lieh ihn neue, andere Wege finden, als sie bisher in der Mesfenkomposition befchritten worden waren. Den liturgischen Anforderungen war das Werk durch die Größe der Darstellung entwachsen. Die Mittel des Ausdrucks, die er in dem vorhergehenden symphonischen Schaffen sich errungen unb geläufig gemacht hatte, wurden jetzt, befruchtet durch das erläuternde Wort, die Grundsteine eines neuen kirchlichen Stiles, der, in der Idee des Meisters gewachsen, durch seine Loslösung von der sinnlichen Klangempfindung an die Grenze dessen ging, was menschliche Stimmen herzugeben vermögen. Darum ist es nur solchen Chorvereinigungen Vorbehalten, die über ausreichende stimmliche Kräfte verfügen, unter der Führung eines hervorragenden Dirigenten an die Aufführung deS Werkes heranzutreten.
Taten für Donnerstag, 28. Februar.
Sonnenaufgang 6.49 Uhr, Sonenuntergang 17.88 Uhr. — Mondaufgang 23.23 Uhr, Monduntergang 8.41 Uhr.
1683: der französische Physiker A. F. Rene de Rsaumur in La Rochelle geboren; — 1833: General Graf Alfred v. Schliessen in Berlin geboren.
Das Kyrie („mit Andacht") beginnt mit weihevollen Akkorden und bereitet den Boden für den dreimaligen „Kyrie"-Anruf des Chores, der von Solostimmen aufgenom.. en wird, vor. Gleichsam als ein Dorbeter seht das Altsolo mit dem „Eleison“ ein, das im Chor nachklingt. Eine weichere Stimmung schlägt der Mittelsah „Christe eleison“ an, der vorn Soloquartett geführt wird und in dem C^>re sein Echo findet. Eine Wiederkehr des ersten Teiles läßt den Satz pianissimo verklingen in stiller innerlicher Andacht.
Das Gloria legt Zeugnis ab von der Art, wie sich Beethoven in die Einzelheiten des Textes vertiefte unb burch den deklamatorischen Stil neue Wege fand, die textliche äleberlieferung geistig individuell zu durchdringen. Allegro vivace seht jubelnd das aufsteigende „Gloria "-Thema ein, dem sich als Einhalt das „Et in terra pax hominibus bonae voluntatis“ mit leisen Klängen entgegenstellt. Rach kurzem Aufwallen des „Laudamus te" versinkt der Chorklang im heiligen Schauer des Pianissimo „Adoramus te". Das majestätisch dahinschreitende fugierte „Glori- ficamus te“ wird wiederum durch einen Pianissi- mo-Ruf des „Adoramus te" unterbrochen, ben Gegensatz zwischen erhabener Gottheit unb nichtiger Menschlichkeit anucutenb. Eine Stimmung der Dankbarkeit prägt sich in bem folgenben Zwischensatz „gratias agimus tibi“, vom Soloquartett eingeführt, vom Chor aufgenommenen, aus. — In bas vom Orchester intonierte Gloria- thema hallen Unisono-Zwischenrufe des Chores hinein. Mit ben Worten „pater omnipotens" erreichte diese Stelle ihren klanglichen unb inhaltlichen Höhepunkt (Hinzutreten von drei Posaunen). Wo ftch der Text der Person Jesu Christi zuwendet, erklingen weichere Töne. Das sich anschlletzenbe Larghetto schildert die Leiden des Kreuzesweges in der Einleitung des Orchesters. Die Solostimmen finden mit chrer Interpretierung der Leibenstatsachen ihren Widerhall im Chor. Unterbrochen wird diese zaghafte Trauerstimmung bei den Worten „qui sedes ad dexteram patris“; mit dem gesteigerten „Miserere nobis" klingt dieser Teil aus. Ein Wirbel der Pauke leitet ein Allegro maestoso ein: „Quoniam tu solus sanctus“. Es führt hin zur großen Schluhsuge, deren Thema durch ben Chor entwickelt wird; bas Solo setzt mit ber Engsührung bes Themas ein. Die großen Steigerungen finben ihren Höhepunkt in einer machtvollen ünifonoftelle. Die Coda greift im Presto bas erste Gloria-Thema wieder auf unb führt unter erhabensten Klängen mit bem dreimaligen Gloriaruf die Lobpreisung zu Ende.
Das Credo trägt noch mehr als das Gloria das Gepräge subjektiver Ausdeutung unb stellt
Aus Oer Provinzialhauptstadt
Gießen, den 27. Februar 1929.
Oer Krankenstand im Januar 1929.
Rach einer Zusammenstellung des Hauptver- bandes deutscher Krankenka.sen (Sih Berlin) weist die Zahl der arbeitsunfähigen Kranken bei den dem Verband angeschlossenen Krankenkassen im Januar eine außerordentliche Steigerung auf. Die Mitgliederzahl stieg im Berichtsmonat von 5 599 090 (2 970 876 männlich, 2 628 214 weiblich) auf 5 633 685 (3008 547 männlich, 2 625 138 weiblich). Während am 1. Januar 1929 die Krankenziffer noch 4,98 v. H. (1928: 4,8 v. H.) betrug (5,62 v. H. männlich, 4,25 v. H. weiblich), stieg sie zum 1. Februar auf 6,29 v. H (1928: 4,8 v. H.), davon 6,39 v. H. männlich, 6,18 v. H. weiblich. Den höchsten Krankenstand hatte die Krankenkaffe in Oldenburg (Stabt): 13999 Mitglieder, 13,44 v. H. aufzuweisen: der niedrigste Krankenstand wurde in Schlochau(Kreis) festgestellt: 5674 Mitglieder, 1,30 v. H. 2n Frankfurt a. M., wo eine starke Grippeepidemie herrschte, stieg die Zahl der Kranken von 5,23 v. H. auf 7,31 v. H. (Mitgliederzahl 200 021).
Don hessischen Städten seien folgende Ziffern genannt: Darmstadt: 1. Januar 24552 Mitglieder (11942 männlich, 12 610 weiblich). 3,76 v.H. (5,30 v.H. männlich, 2,29 v.H. weiblich): 1. Februar 24 310 Mitglieder (11 666 männlich, 12 644 weiblich), 4,79 v. H. (5,85 v. H. männlich, 3,81 v. H. weiblich). — Mainz: 1. Januar 37 969 Mitglieder (20 250 bzw. 17 719), 3,18 v. H. (3,75 bzw. 2,53 v. H.): 1. Februar 37 304 Mitglieder (19 691 bzw. 17 613), 4,53 v. H. (4,93 bzw. 4,09 v.H.). — Offenbach (Stadt): 1. Januar 41053 Mitglieder (20 759 bzw. 20 294), 4,99 v. H. (6,25 bzw. 3,69 v. H.); 1. Februar 41 672 Mitglieder (21 232 bzw. 20 440), 5,99 v. H. (7,01 bzw. 4,94 v.H.). — Offenbach (Land): 1. Januar 21 016 Mitglieder (10 769 bzw. 10 247), 5,68 v. H. (6,52 bzw. 4,79 v. H ); 1. Februar 22 425 Mitglieder (11881 bzw. 10544), 5,75 v. H. (5,83 bzw. 5,65 v. H.). — Worms: 1. Januar 14 199 Mitglieder (8366 bzw. 3833), 4,68 v.H. (5,77 bzw. 3,10 v. H.): 1. Februar 13 803 Mitglieder (7761 bzw. 6042), 5,85 v.H. (6,91 bzw. 4,49 v. H.). — Die 211 Ig. Ortskrankenkasse Gießen (Stadt) w ist folgende Zahlen aus: 1. Januar 9827 Mitglieder (5167 bzw. 4660). 3,93 V.H. (4,49 bzw. 3,30 v. H): 1. Februar 9935 Mitglieder (5190 bzw. 4745), 6,10 v. H. (6,63 bzw. 5,52 v. H.). — Allg.Orts- franfenfaffe Gießen (Land): 1. Januar 6828 Mitglieder (4379 bzw. 2449), 4.48 v.H. (4,54 bzw. 4,37 v. H.); 1. Februar 7074 Mitglieder (4520 bzw. 2554). 5,30 V.H. (4,82 bzw. 6,15 v.H.).
Zu berücksichtigen ist. daß sich diese Ziffern nur auf die in den Krankenkassen des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen versicherten Mitglieder beziehen. Alle diesen Kassen nicht als Mitglied angehörenden Personen sind von der Statistik nicht erfaßt. In Wirklichkeit dürften die Kranken- zifsern also das Mehrfache der angegebenen Zahlen betragen.
Gießener Verkehrswesen in alter Zeit.
In den Jahren 1849 und 1850 wurde die Eisenbahn gebaut, die von Frankfurt am Main an Gießen vorüber nach Kassel fährt. Sie trug lange Jahre den Ramen Main Weser-Dahn. Die alten Leser imseres Blattes erinnern sich noch, daß bis zur Eröffnung des Frankfurter Hauptbahnhofes am 1. Oktober 1888 es in Frankfurt einen Main—Weser-Bahnhof und einen Taunus-Bahnhof gab; in den letzterem liefen die Züge ein, die von Mainz und Wiesbaden kamen. Der älteste Gießener Bahnhof befand sich am R eu st ä d t e r To r. Im Jahre 1854 wurde der Main—Weser-Bahn-
an die ausführenden Stimmen wohl die stärksten Anforderungen. Man kann überall ein feinsinniges Rachgehen des Meisters bei der musikalischen Erfassung der Begriffe feststellen. Eine Wendung zum Mystischen bedeutet die Piano- stelle „et mvisibilium“ in dem Strom des Bekenntnisses. Aehnlich läßt sich auch der andere Einschnitt „ante omnia saecula" auffassen. Das Bekenntnis zum Gottessohne erfährt eine ber innerlichte Wendung bei der Betonung feiner Menschenliebe („qui propter nos homines“). Ein seltener Höhepunkt des Ausdrucks ersteht in dem Adagio „et incarnatus“, das mit einem Rezitieren des Textes auf einem Ton durch den Chor ausllingt. Ein Andante-Zwischensatz („et homo tactus est“) leitet zum „Crucifixus“ (Adagio espressivo) über, in dem Chor, Soli und Orchester mit starker Ausdruckskraft den Leidensweg künden. Um so stärker ist das Aufwallen bei der Schilderung der Himmelfahrt (aufsteigende Tonleiter). Die Derkündigung des jüng- ft en Gerichtes stellt charakteristisch „Lebende" und .Tote" gegenüber. Das wieder aufgenommene Credo-Motiv führt hin über feierliche Klänge zur großen Doppelfuge, die in dem Gedanken des ewigen Lebens gipfelt. Allmählich erhebt sich das Thema zu immer größerer Steigerung. Es scheint, als könne sich der Komponist in der Verherrlichung des älnsterblichkeitsgedankens nicht genug tun; in febarfgemeißeltem älnifono strahlt sich das Thema aus, die Musik nimmt fast einen Ausdruck der Erdentrückung an. Die Gipsel- fteigerung bringt die Coda (Grave) mit dem führenden Soloquartett und den ftarfen „Amen"- Akzenten; danach aber entschwindet der Satz mit einem im Pianissimo verklingenden „Amen".
Während das Benedictus in der älteren Messe nur einen kurzen Teil im „Sanctus“ einnahm, gibt Beethoven ihm die breiteste Darstellung. Er verklärt diesen Satz klanglich durch die Solo Violine.
Das ernste Bild des „Agnus Dei“ hellt sich im friedlichen „Dona nobis pacem“ auf. Beethoven dehnt die Bitte um Frieden auch auf den äußeren Frieden aus; kriegerische Klänge lassen daS „Miserere nobis" noch einmal wach werden, — das schreckhafte Intermezzo zieht vorüber. — Von neuem beschwört ein längeres Orchesterzwischenspiel Bilder des älnfriedens heraus. Wie aus der Verzweiflung heraus erklingt der Anruf des Chores „Agnus Dei"; die Kampsesklänge verhallen; die Gebetsruse im Soloquartett und Chor werden immer zuver sichtlicher, Friedensstimmung zieht ein. Wie der Ferne droht noch einmal die Pauke: Sric- densgewißhcit kündet sich im Schlüsse. Dr. H.


