Ausgabe 
27.2.1929
 
Einzelbild herunterladen

Stück,

0,47 fm

38,49

58,85 74,68 .

43,93

3,0a

3,05

3,02"

werfauf.

ftätnme. ll5' SK4' Dlk

" 8124

^nnne.27'55'®

6tÜ<- 2,23 b,

" 6,50

- U,68,

" <58,

' 2,94 *

" 1L4

. 238^)6 fm

3 «9t, bei btt Untf, Ärin^en» leW N°h«e § n1« Mer'5 un- üi

l-ben 26-ctbruat M, ffi ^tübbiugsbuifm fifllfr o>z-Verfaus. TBifemat vntaust ia chrn Angebots: chenslänime ikten 4,25 uni 26. i-l Klosse 2, 65,16 ta 3, 46,39 4, 3,60 htevftäwme tritlen 37 und 40. ück Riefle la, 29,02 ta

, h 1b, 56,69 ,

, . 2a, 758,

» 3b, 0,41

bcr Abfuhr, späteste sichten müssen bis 15. B: igesahrcn (em. Auskuit Ingebote je yestmeter, p ofen, werben bis p tags 2 Uhr. an ben 6 in Wißmar erbeten. 25. Februar 1929. meindevorsteher.

ufint-

«0*

»et Hell' idel" ,ther

8C,

alles l-'Kk

Ichll»' (u.tRÄ

W M

i> unb Stange« fchenG

m 28. Jebruat, wirb -- -chorn, Mooswalb .eebetßer Temeinbewall^ ffeMch an Ort unb w

!n, unb Buchen-Schrit

>rn-ScheU unb «StnupptL

rchiorstllngswcllen).

rngen 2. Msse.

ingen

,Lfe werben au», den? flrmSiefemtnup^i1 irei|er DcrWl J vormittags lO Uhro. raße auf dem Schm- 2. Februar E Bürgermeister.

ßöhn^, l

, lim-- bitiid eli.

1745D

uftfL Jer nbc" a f" W ,60.

39.

etpoifW

PQd)tun9Jbtt tati.

^»»,w,ber' *?«** *

' Siri

,ennei(tern -

----------- inio rsBE iS wigfl®e Abe A37ipIp

Nr. 49 Zweites Blatt

Oer Wohlstandsindex.

In den Erörterungen, besonders der Pariser Presse über die Sachverständigenverhandlungen spielt seit deren Beginn der Wohlstandsinoex deS Dawesabkommens eine beträchtliche Rolle. Man redet Deutschland gut zu, es könne auf den Transferschutz verzichten, die 2,5 Milliarden Höchstsumme des Dawesplanes als eine dauernde Verpflichtung akzeptieren und diese Summe 60 Jahre lang bezahlen, denn man werde ihm dafür die gewaltige Konzession machen, daß es von den Verpflichtungen aus dem sogenannten Wohlstandsindex be­freit werde. Daß dieser Index existiert, ist all­gemein bekannt: aber daß er in absehbarer Zeit die deutschen Zahlungsverpflichtungen aus dem Dawesabkommen wesentlich oder überhaupt er­höhen könnte, hat man bisher nicht angenommen.

älnö in der Tat ist, obwohl dieser Index ziem­lich bedenklich zusammengestellt und wenig durch­dacht ist, die Gefahr einer solchen Erhöhung nur für einen Fall gegeben, um den wir uns wenig­stens vorläufig nicht zu ängstigen brauchen. Die Konzession ist also nur eine sehr beschei­dene, wenn wir sie überhaupt in Anspruch nehmen. Denn der Wohlstandsindex errechnet sich aus der Steigerung des Eisenbahnverkehrs, der Devölkerungsziffer, des Außenhandels, des Tabak- und Kohlenvcrbrauchs. Unb zwar beginnt seine Wirksamkeit 1930. Wir befinden uns aber ersichtlich in einer Periode wirtschaft­licher Depression, die für die nächsten ein bis zwei Jahre gegenüber der Aufblähung der Ziffern in den ersten Wiederaufbaujahren und unter dem Einfluß einer ziemlich großzügigen Anleihepolitik auf weiten Gebieten des öffent­lichen Lebens eher Einschränkungen und Rückgänge als Steigerungen erbringen wird. Das wird sich voraussichtlich im Eisenbahn­verkehr, im Tabak- und Kohlenverbrauch auswir­ken. Falsch ist zweifellos die Einführung der Bevölkerungsziffer und des Außenhandels in diesen Index und daran ist auch von Anfang an von den berufenen Kritikern und Statistikern Kritik geübt worden. Denn die Bevölke­rungsziffer wächst automatisch, auch wenn damit eine Reichtumsvermehrung keineswegs ver­bunden ist, sondern eine Erschwerung für die arbeitenden Teile der Bevölkerung und eine Vermehrung der Arbeitslosigkeit. Lind der Außenhandel ist in seiner Steigerung gerade in Deutschland keineswegs ein Maßstab ver­mehrten Reichtums, sondetn angesichts der Zwangslage, die deutsche Ausfuhr auch ohne Ruhen oder sogar mit Verlust zu steigern, um Devisen zu schaffen und den Reparationsver­pflichtungen nachkommen zu können, eher ein Kri­terium für die übermäßig hohe Belastung der deutschen Wirtschaft. Was in diesen Index hin- eingehöLle, wären die Anhaltspunkte für eine luxuriöse Lebenshaltung, also z.B. Alkoholver' riuch, Einfuhr von Seide, Cham­pagner, Liköre, Parfümerien, Diamanten, Per­len usw. Aber davor Hot man sich gehütet, weil damit unter LImständen die Einfuhr Deutschlands an hochrentablen Pro­dukten der Gläubigerländer getroffen worden wäre. Der Index gibt deshalb in seiner gegenwärtigen Form ein schiefes Bild, aber cs ist noch keineswegs gesagt, daß er ein so günstiges geben muh, daß sich daraus namhafte Zuschlagszahlen herleiten ließen. Außerdem ist seine Anwendungsform zweifellos ungerecht, in­sofern Rückgänge, die nach diesem Schlüssel fest- gestellt würden, nicht etwa zu einer Verminde­rung der Rormallast, sondern nur zu einem Aussehen der Zuschläge und zur An­rechnung der Minderungen auf künftige, wieder fällig werdende Zuschläge führen.

Jedenfalls ist es älnfinn, zu behaupten, daß der Wegfall dieses an sich reformbedürftigen Wohlstandsindex eine gewaltige Erleichterung für Deutschland bedeuten und es zur Preisgabe des

BeethovensMissa solemnis.

Zur bevorstehenden Ausführung des Konzertvereins.

Als Beethovens Schüler unö Gönner, der Erzherzog Rudolf von Oesterreich, dem Beet­hoven die große 8-Dur-Sonate, op. 106, ge­widmet hatte, zum Erzbischof von Olmüh er­nannt worden war, beschloß der Meister für die Inthronisation eine Messe zu schreiben.Der Tag, wo ein Hochamt von mir zu der Feier­lichkeit für Ihre Kaiserliche Hoheit soll auf­geführt werden, wird für mich der schönste meines Lebens werden, und Gott wird mich erleuchten, daß meine schwachen Kräfte zur Verherrlichung dieses Tages beitragen." (Beethoven an den Erzherzog.)

Je mehr sich der Meister in den vorgenomme­nen Stoff vertiefe, um so gewaltigere Aus­maße nahm er an, und erst zwei Jahre nach der Einführung des Crzhe.zogs konnte Beet­hoven die handschriftliche Partitur abschleeßen. Eine Gesamtaufsührung des gewaltigen Werkes hat Beethoven niemals selber gehört: am 7. Mar 1824 wurden mit der Neunten Symphonie zu­sammen das Kyrie, Credo und Agnus Dei zum Erllingen gebracht. Die erste vollständige Auf­führung der Missa solemnis fand im gleichen Jahre in Petersburg statt zum Besten d:r Musiker-Witwenkasse. Die deutschen Auffüh­rungen folgten sehr spärlich 1830, 1844 und 1845. Ein dauerndes Interesse für das Werk wurde durch bai Eintreten lei Leipziger Riedel-Vereins in den sechziger Jahren wachgerufen.

Daß der Meister sofort bereit war, eine Wesse zu komponieren, hatte seinen Grund in seiner persönlichen inneren Entwicklung. Der Kelch des Leides hatte für ihn den Höhepunkt erreicht. Die völlige Ertaubung trennte ihn von der Außen­welt, dazu kamen die Sorgen für seinen an Sohnesstelle angenommenen Reffen Earl. Die Abschließung von seiner Umgebung durch das Gehörleiden lieh feine Gedankengänge sich immer mehr den letzten Gründen des Snns zuwenden, dem Erleben des Göttlichen in der Ratur und in der persönlichen Erfahrung. Eine eigeirhändige Abschrift der Inschriften vom Tempel Reith zu Sais, die der Meister unter Glas auf feinem Schreibtisch stehen hatte, bestätigt diese Gedanken­gänge.Ich bin, was da ist. Ich bin alles, was ist, was war und sein wird, kein sterblicher Mensch hat meinen Schleier aufgehoben. Er ist einzig von ihm selbst, diesem Einzigen sind alle Dinge ihr Dasein schuldig." Wie stark Beethoven sich in feinem Schicksal von der göttlichen Macht

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)

Mittwoch, 27. Zebruar 1929

Solidarität der Minderheiten.

In Genf hielt vor einiger Zeit der Präsident der Genfer Minderheitskongresse, der Slowene Dr. Josef W i l f a n, einen Vortrag über die Minderheitenfrage. Er betonte, eS sei besondere Pflicht jeder Minderheit, Solidarität gegenüber anderen Minderheiten zu pflegen. Diese ermögliche es den Minderheiten, einander wichtige Dienste zu leisten und als ak­tives Element der Desriedung Muropas zu dienen. 2m Anschluß an seinen Vortrag trat Dr. Wilsan eine Reise durch Europa an, um die Beschlüsse der Dölkerbundligen in der Minderheitenfrage vorzubereiten.

An der Aufrichtigkeit Dr. WilfanS, der sich beranntlich auch im Jahre 1925 für den schwer­verletzten Führer der Banater Deutschen, Dr. Kraft eingesetzt hat, ist nicht zu zweifeln: er hat sich durch seine verantwortungsbewußte Tätig­keit in Sachen der europäischen Minderheiten europäischen Ruf und Achtung gewonnen. 2m schroffen Gegensatz zu seiner Rechtsauffasfung aber steht d ie Politik seiner sloweni­schen Volksgenossen dort, wo sie wie in SlowenienS t a a t s v o l k" sind. Diese Politik weih nichts von Minderhcitensolidarität. Unb es muh betont werden, daß die Slowenen, die in der Bekämpfung und Verdrängung des Deutschtums in Slowenien an der Spitze stehen, unmittelbare Landsleute des Dr. Wilfan, als des Führers der slowenischen Min­derheit in 2talien, und deS Görzer Abgeordneten Dr. Desednjak sind, nämlich Slowenen, die erst aus dem jetzt 2talicn unterstellten Küsten- lande nach Slowenien gekommen sind. Gerade im Kreise Marburg a. d. Drau erfolgte ja eine planmäßige Ansiedlung küstenländi.'cher Slowe­nen; zahlreiche Beamte, Lehrer und Geistliche (der gegenwärtige Bischof von Marburg zum Beispiel ist ein Triester Slowene) sind küstenlän­discher Herkunft. Diese Slowenen aus dem ita­lienisch gewordenen Küstenlande haben die fafzistischen Methoden nach Slowenien verpflanzt: sie tragen mit den Hauptanteil an der Vergewaltigung des Deutschtums in Slowenien. Ebenso ist bei der slowenischen Minderheit i n Kärnten wenig von Solidarität für die be­drängte deutsche Minderheit in Slowenien zu bemerken.

Eine ernste Probe auf das Exempel der von Wilfan als notwendig erkannten Solidarität der Minderheiten untereinander war der im Jahre 1926 von der deutschen Minderheit in Slowenien an die Kärntner Landesregierung gestellte An­trag auf Gewährung voller Schul» und Kulturautonomie für die slowe­nische Minderheit in Kämt en. Reben der neuen preußischen Minderheitenschulverord­nung ist dieses öffentliche Eintreten der deutschen Minderheit in Slowenien für die slowenische Minderheit in Kärnten bisher der einzige ehrliche Ausdruck praktischer Solidaritätspolitik gewesen. Der Kärntner Entwurf -konnte leider, infolge llnnachgiebigkcit chauvinistisch slowenischer Kreise in Kärnten, nicht Gesetz werden. Die überragende Stellung Dr. Wilfans in der euro­päischen Rationalitätenbewegung aber sollte nicht nur ihn, sondern die slowenische Minderheiten­politik in ihrer Gesamtheit verpflichten, gehe sie nun von Laibach oder Marburg, vom Küstenlande oder von Kärnten aus. Kann man

für die eigene Minderheit fordern, was man als Staatsvolk einer anderen Minderheit ver­weigert? Man vergleiche die Politik der Slo­wenen mit den Bemühungen deutscher Minder­heitenführer, die bei den berufenen gesetzgeben- den Stellen im Deutschen Reich ufnb in Oester­reich geradezu den Anstoß zu einer modernen Minderheitenpolitik gegeben haben.

Einige Beispiele aus jüngster Zeit beweisen die fortgesetzte Desavouierung Dr. Wilfans unb seiner Arbeit durch die eigenen Volksgenossen. 2m Vorjahre muhte die eben erst gegründete Deutsche Liga für Völkerbund und Völkerverstän­digung in Slowenien ihre Tätigkeit auf Veran­lassung des Polizeipräfekten von Marburg, eines küstenländischen Slowenen, einstellen. Wenn nun Dr. Wilfan demnächst zu den verschiedenen Völkerbundligen reifen wird, sieht er sich vor die peinliche Tatsache gestellt, daß er seinen deutschen Freunden in Südslawien keinen Besuch ab statten kann, weil diese als einzige keine Völkerbundliga haben, Ende Dezember vorigen 2ahres hielt Dr. Wilfan in _ elgrad einen Vortrag über die kulturelle Be­deutung des Minderheitenproblems: kurze Zeit darauf wurde das Ansuchen des politischen und wirtschaftlichen Vereins in Marburg a. d. Drau um Errichtung deutscher Parallelklassen ab­schlägig beschieden unb gleichzeitig im Kreise Marburg die Abhaltung des privaten Sprach­unterrichtes für je drei deutsche Kinder ver­boten. Man protestiert gegen die ünter- drückungspolitik der 2taliencr, die den Dereins- besih der küstenländischen Slowenen beschlag­nahmen und slowenische Zeitungen verbieten und stößt zu gleicher Zeit in Laibach das erstinstanz­liche Urteil in Dachen des Deutschen Hauses in Cilli mit der Begründung um. daß die der deutschen Kultur- und Geselligkeitspflege dienen­den Zwecke des Deutschen Hauses unmoralisch seien.

Die Verantwortungslosigkeit der slowenischen Minderheitenpolitik wird schließlich noch durch die politische Maßregelung des deutschen Minder­heitenführers in Slowenien. Dr. Morocutti, eindeutig charakterisiert. Dieser war es, bet 1924 zu einer gemeinsamen Schuhaktion der europäischen Minderheiten aufrief und durch seine Schrift:Europa und die völkischen Minder­heiten" 1925 die gedanklichen Grundlagen für eine europäische Solidaritätspolitik der Volksgruppen schuf. Er gab auch die Anregung für die Kärnt­ner Denkschrift und trat als erster für die Ge­währung der Knlturautoiwmie der Kärntner Slo­wenen ein. Die slowenischen Behörden aber ent­hoben diesen Mann seines Amtes als Kreisarzt unb ernannten an seiner Stelle einen ans Görz (also wieder ausReuitalien) stammenden Slo­wenen, namens Dr. Bacar.

Die Frage bleibt:Kann man für die eigene Minderheit fordern, was man selbst einer an­deren Minderheit verweigert?" Wer selbst die deutsche Minderheit in Slowenien unterdrückt hat kaum das Recht, gegen die Vergewaltigung der Slowenen in 2talien zu protestieren! Die slowenischen Führer in Laibach unb Marburg fünbigen also nicht nur wider die von ihrem Landsmann Dr. Wilfan vertretene Solidaritäts- ibee, sie schaden nicht zuletzt ihrem eigenen Volks­tum. den Slowenen in 2talien.

TransserschuheL und zur llebernahme gewaltiger GesamtverspsliDungen auf zwei Generationen veranlassen könnte. Daß schon die Rormal- l e i ft u ng so hoch, ihre Aufbringung und Trans­ferierung nur mit Hilfe ausländischer Anleihen möglich gewesen ist, die ja nicht Jahrzehnte hin­durch fortgesetzt werden können, dürfte man auch in Paris mittlerweile erkannt haben.

abhängig fühlte, dafür sprechen verschiedene über­lieferte Bekenntnisse:Gott, Gott, mein Hort, mein Fels, du siehst mein Inneres! O höre stets, Unaussprechlicher, höre mich deinen Unglück­lichen, Unglücklichsten aller Sterblichen!" Hart ist der Zustand jetzt für dich: doch, der da droben ist, o, er ist, unb ohne ihn ist nichts!"

Unter der Gewalt des Schicksalerlebens erfährt der überlieferte Messetext einen neuen, persönlich gefüllten Inhalt: .Alles, was Leben heißt, sei der Erhabenen (d. i. der Gottheit) geopfert und ein Helligtum der Kunst." Und fo vermag er sich über das konfessionelle Dogma zu erheben unb von der Warte des Künstlers zu einer neuen höheren Erkenntnis des Göttlichen zu gelangen und überlieferte Begriffe der Menschheit näher zu bringen unb der menschlichen Auffassung reicher und beglückender zu erschließen. Denn Beethoven ist der erste unter den Komponisten, der den modernen Menschen mit seinem (Segen- toartSerleben vertritt und dadurch auch unserer heutigen Empsindungs- unb Denkungsweise greif­bar nahe steht unb darum mit seinem Werk einer um so nachhaltenderen Auswirkung sicher ist.

Beethoven hat die Messe selber als fein .größ­tes und gelungenstes Werk" bezeichnet. Zeugnisse aus seinem Umkreis bestätigen das völlige Auf­gehen des Meisters in der begonnenen Arbeit. »Gleich von Anbeginn sch.en sein ganzes Wesen eine andere Gestalt angenommen zu haben, wel­ches besonders seine älteren Freunde wahmah« men, und ich muh gestehen, daß ich Beethoven niemals vor und niemals nach jener Zeit mehr in einem solchen Zustande absoluter Erdentrückt- heit gesehen habe, als dies vorzüglich im Jahre 1819 mit ihm der Fall gewesen.' (Schindler.) »Von Herhen Möce es wieder Zu Hertzen gehen", konnte Beethoven so mit Berechtigung über das Kyrie schreiben. Die innige Versenkung in die Mysterien deS christlichen Glaubens lieh ihn neue, andere Wege finden, als sie bisher in der Mesfenkomposition befchritten worden waren. Den liturgischen Anforderungen war das Werk durch die Größe der Darstellung entwachsen. Die Mittel des Ausdrucks, die er in dem vorher­gehenden symphonischen Schaffen sich errungen unb geläufig gemacht hatte, wurden jetzt, befruchtet durch das erläuternde Wort, die Grundsteine eines neuen kirchlichen Stiles, der, in der Idee des Meisters gewachsen, durch seine Loslösung von der sinnlichen Klangempfindung an die Grenze dessen ging, was menschliche Stimmen herzugeben vermögen. Darum ist es nur solchen Chorvereinigungen Vorbehalten, die über aus­reichende stimmliche Kräfte verfügen, unter der Führung eines hervorragenden Dirigenten an die Aufführung deS Werkes heranzutreten.

Taten für Donnerstag, 28. Februar.

Sonnenaufgang 6.49 Uhr, Sonenuntergang 17.88 Uhr. Mondaufgang 23.23 Uhr, Monduntergang 8.41 Uhr.

1683: der französische Physiker A. F. Rene de Rsaumur in La Rochelle geboren; 1833: Ge­neral Graf Alfred v. Schliessen in Berlin geboren.

Das Kyrie (mit Andacht") beginnt mit weihe­vollen Akkorden und bereitet den Boden für den dreimaligenKyrie"-Anruf des Chores, der von Solostimmen aufgenom.. en wird, vor. Gleichsam als ein Dorbeter seht das Altsolo mit dem Eleison ein, das im Chor nachklingt. Eine wei­chere Stimmung schlägt der MittelsahChriste eleison an, der vorn Soloquartett geführt wird und in dem C^>re sein Echo findet. Eine Wieder­kehr des ersten Teiles läßt den Satz pianissimo verklingen in stiller innerlicher Andacht.

Das Gloria legt Zeugnis ab von der Art, wie sich Beethoven in die Einzelheiten des Textes vertiefte unb burch den deklamatorischen Stil neue Wege fand, die textliche äleberlieferung geistig individuell zu durchdringen. Allegro vivace seht jubelnd das aufsteigendeGloria "-Thema ein, dem sich als Einhalt dasEt in terra pax hominibus bonae voluntatis mit leisen Klängen entgegenstellt. Rach kurzem Aufwallen des Laudamus te" versinkt der Chorklang im heili­gen Schauer des PianissimoAdoramus te". Das majestätisch dahinschreitende fugierteGlori- ficamus te wird wiederum durch einen Pianissi- mo-Ruf desAdoramus te" unterbrochen, ben Gegensatz zwischen erhabener Gottheit unb nich­tiger Menschlichkeit anucutenb. Eine Stimmung der Dankbarkeit prägt sich in bem folgenben Zwischensatzgratias agimus tibi, vom Solo­quartett eingeführt, vom Chor aufgenommenen, aus. In bas vom Orchester intonierte Gloria- thema hallen Unisono-Zwischenrufe des Chores hinein. Mit ben Wortenpater omnipotens" erreichte diese Stelle ihren klanglichen unb in­haltlichen Höhepunkt (Hinzutreten von drei Po­saunen). Wo ftch der Text der Person Jesu Christi zuwendet, erklingen weichere Töne. Das sich anschlletzenbe Larghetto schildert die Leiden des Kreuzesweges in der Einleitung des Or­chesters. Die Solostimmen finden mit chrer In­terpretierung der Leibenstatsachen ihren Wider­hall im Chor. Unterbrochen wird diese zag­hafte Trauerstimmung bei den Wortenqui sedes ad dexteram patris; mit dem gesteigerten Miserere nobis" klingt dieser Teil aus. Ein Wirbel der Pauke leitet ein Allegro maestoso ein:Quoniam tu solus sanctus. Es führt hin zur großen Schluhsuge, deren Thema durch ben Chor entwickelt wird; bas Solo setzt mit ber Engsührung bes Themas ein. Die großen Stei­gerungen finben ihren Höhepunkt in einer macht­vollen ünifonoftelle. Die Coda greift im Presto bas erste Gloria-Thema wieder auf unb führt unter erhabensten Klängen mit bem dreimaligen Gloriaruf die Lobpreisung zu Ende.

Das Credo trägt noch mehr als das Gloria das Gepräge subjektiver Ausdeutung unb stellt

Aus Oer Provinzialhauptstadt

Gießen, den 27. Februar 1929.

Oer Krankenstand im Januar 1929.

Rach einer Zusammenstellung des Hauptver- bandes deutscher Krankenka.sen (Sih Berlin) weist die Zahl der arbeitsunfähigen Kran­ken bei den dem Verband angeschlossenen Kran­kenkassen im Januar eine außerordent­liche Steigerung auf. Die Mitgliederzahl stieg im Berichtsmonat von 5 599 090 (2 970 876 männlich, 2 628 214 weiblich) auf 5 633 685 (3008 547 männlich, 2 625 138 weiblich). Während am 1. Januar 1929 die Krankenziffer noch 4,98 v. H. (1928: 4,8 v. H.) betrug (5,62 v. H. männlich, 4,25 v. H. weiblich), stieg sie zum 1. Februar auf 6,29 v. H (1928: 4,8 v. H.), davon 6,39 v. H. männlich, 6,18 v. H. weiblich. Den höchsten Krankenstand hatte die Krankenkaffe in Oldenburg (Stabt): 13999 Mitglieder, 13,44 v. H. aufzuweisen: der niedrigste Krankenstand wurde in Schlochau(Kreis) festgestellt: 5674 Mitglieder, 1,30 v. H. 2n Frankfurt a. M., wo eine starke Grippe­epidemie herrschte, stieg die Zahl der Kranken von 5,23 v. H. auf 7,31 v. H. (Mitgliederzahl 200 021).

Don hessischen Städten seien folgende Ziffern genannt: Darmstadt: 1. Januar 24552 Mit­glieder (11942 männlich, 12 610 weiblich). 3,76 v.H. (5,30 v.H. männlich, 2,29 v.H. weiblich): 1. Februar 24 310 Mitglieder (11 666 männlich, 12 644 weiblich), 4,79 v. H. (5,85 v. H. männlich, 3,81 v. H. weiblich). Mainz: 1. Januar 37 969 Mitglieder (20 250 bzw. 17 719), 3,18 v. H. (3,75 bzw. 2,53 v. H.): 1. Februar 37 304 Mitglieder (19 691 bzw. 17 613), 4,53 v. H. (4,93 bzw. 4,09 v.H.). Offenbach (Stadt): 1. Januar 41053 Mitglieder (20 759 bzw. 20 294), 4,99 v. H. (6,25 bzw. 3,69 v. H.); 1. Februar 41 672 Mitglie­der (21 232 bzw. 20 440), 5,99 v. H. (7,01 bzw. 4,94 v.H.). Offenbach (Land): 1. Januar 21 016 Mitglieder (10 769 bzw. 10 247), 5,68 v. H. (6,52 bzw. 4,79 v. H ); 1. Februar 22 425 Mitglie­der (11881 bzw. 10544), 5,75 v. H. (5,83 bzw. 5,65 v. H.). Worms: 1. Januar 14 199 Mitglieder (8366 bzw. 3833), 4,68 v.H. (5,77 bzw. 3,10 v. H.): 1. Februar 13 803 Mitglieder (7761 bzw. 6042), 5,85 v.H. (6,91 bzw. 4,49 v. H.). Die 211 Ig. Ortskrankenkasse Gießen (Stadt) w ist folgende Zahlen aus: 1. Januar 9827 Mitglieder (5167 bzw. 4660). 3,93 V.H. (4,49 bzw. 3,30 v. H): 1. Februar 9935 Mitglieder (5190 bzw. 4745), 6,10 v. H. (6,63 bzw. 5,52 v. H.). Allg.Orts- franfenfaffe Gießen (Land): 1. Januar 6828 Mitglieder (4379 bzw. 2449), 4.48 v.H. (4,54 bzw. 4,37 v. H.); 1. Februar 7074 Mitglie­der (4520 bzw. 2554). 5,30 V.H. (4,82 bzw. 6,15 v.H.).

Zu berücksichtigen ist. daß sich diese Ziffern nur auf die in den Krankenkassen des Hauptverbandes deutscher Krankenkassen versicherten Mitglieder beziehen. Alle diesen Kassen nicht als Mitglied angehörenden Personen sind von der Statistik nicht erfaßt. In Wirklichkeit dürften die Kranken- zifsern also das Mehrfache der angegebenen Zah­len betragen.

Gießener Verkehrswesen in alter Zeit.

In den Jahren 1849 und 1850 wurde die Eisenbahn gebaut, die von Frankfurt am Main an Gießen vorüber nach Kassel fährt. Sie trug lange Jahre den Ramen Main Weser-Dahn. Die alten Leser imseres Blattes erinnern sich noch, daß bis zur Eröffnung des Frankfurter Hauptbahnhofes am 1. Oktober 1888 es in Frankfurt einen MainWeser-Bahnhof und einen Taunus-Bahnhof gab; in den letz­terem liefen die Züge ein, die von Mainz und Wiesbaden kamen. Der älteste Gießener Bahnhof befand sich am R eu st ä d t e r To r. Im Jahre 1854 wurde der MainWeser-Bahn-

an die ausführenden Stimmen wohl die stärk­sten Anforderungen. Man kann überall ein fein­sinniges Rachgehen des Meisters bei der musi­kalischen Erfassung der Begriffe feststellen. Eine Wendung zum Mystischen bedeutet die Piano- stelleet mvisibilium in dem Strom des Be­kenntnisses. Aehnlich läßt sich auch der andere Einschnittante omnia saecula" auffassen. Das Bekenntnis zum Gottessohne erfährt eine ber innerlichte Wendung bei der Betonung feiner Menschenliebe (qui propter nos homines). Ein seltener Höhepunkt des Ausdrucks ersteht in dem Adagioet incarnatus, das mit einem Rezi­tieren des Textes auf einem Ton durch den Chor ausllingt. Ein Andante-Zwischensatz (et homo tactus est) leitet zumCrucifixus (Ada­gio espressivo) über, in dem Chor, Soli und Or­chester mit starker Ausdruckskraft den Leidens­weg künden. Um so stärker ist das Aufwallen bei der Schilderung der Himmelfahrt (aufstei­gende Tonleiter). Die Derkündigung des jüng- ft en Gerichtes stellt charakteristischLebende" und .Tote" gegenüber. Das wieder aufgenommene Credo-Motiv führt hin über feierliche Klänge zur großen Doppelfuge, die in dem Gedanken des ewigen Lebens gipfelt. Allmählich erhebt sich das Thema zu immer größerer Steigerung. Es scheint, als könne sich der Komponist in der Verherrlichung des älnsterblichkeitsgedankens nicht genug tun; in febarfgemeißeltem älnifono strahlt sich das Thema aus, die Musik nimmt fast einen Ausdruck der Erdentrückung an. Die Gipsel- fteigerung bringt die Coda (Grave) mit dem führenden Soloquartett und den ftarfenAmen"- Akzenten; danach aber entschwindet der Satz mit einem im Pianissimo verklingendenAmen".

Während das Benedictus in der älteren Messe nur einen kurzen Teil imSanctus einnahm, gibt Beethoven ihm die breiteste Darstellung. Er verklärt diesen Satz klanglich durch die Solo Violine.

Das ernste Bild desAgnus Dei hellt sich im friedlichenDona nobis pacem auf. Beetho­ven dehnt die Bitte um Frieden auch auf den äußeren Frieden aus; kriegerische Klänge lassen daSMiserere nobis" noch einmal wach werden, das schreckhafte Intermezzo zieht vorüber. Von neuem beschwört ein längeres Orchesterzwischenspiel Bilder des älnfriedens heraus. Wie aus der Verzweiflung heraus er­klingt der Anruf des ChoresAgnus Dei"; die Kampsesklänge verhallen; die Gebetsruse im Soloquartett und Chor werden immer zuver sichtlicher, Friedensstimmung zieht ein. Wie der Ferne droht noch einmal die Pauke: Sric- densgewißhcit kündet sich im Schlüsse. Dr. H.