Nr. 2zt Erstes Blatt
1Z9. Jahrgang
Dienstag, 26. November 1929
Rach-
Essen, 26. JIoü. (DJIB.) Die gestern schon kur; gemeldet, ereignete sich vormittags gegen 10 Uhr auf dem Weberplah eine furchtdare Explosion. Ein Gebäude, in dem sich ein haushallungsgejchäst sowie eine Kaffee- und Frühskückssku' e befindet, f l o g m i t furchtbarem Krachen in die Luft. Das Haus wurde vollständig demoliert und auseinandergerisfen. Die Straßen liegen voll von haushaltungsgegenständen. viele sind durch die Fenster in die benachbarten Gebäude geflogen. Die Nachbargebände sind gleichfalls stark in 2HU- leidenschasl gezogen. Die Fenster sind fast sämtlich zertrümmert, die Decken und Wände geborsten. Die großen Schaufensterscheiben der benachbarten Läden wurden vollständig zertrümmert und unter die Waren geschleudert. Die Wucht der Explosion war derartig, daß die großen, drei bi. vier Zentner schweren Sleinstusen der Treppe über die Häuser hinweg auf die Dächer geschleudert wurden und dort große Verwüstungen anrichteten. Alle Feuerwehren mit ihren Krankenwagen find an Ort und Stelle. Bisher sind -us den Trümmern a ch t Schwerverletzte und vier Leichtverletzte geborgen worden. Man sucht noch nach zwei Personen, einem Knaben und einem Mädchen, von den Schwerverletzten ist ein 2Hann kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus g e - ft o r b e n. Eine Marktfrau wurde von einem schweren Stein getroffen und auf der Stelle getötet. Bei den Aufräumungsarbeiten wurde bisher eine weitere Leiche geborgen.
Die Feuerwehren arbeiten angestrengt, um d i e noch vermißten Personen, eine Verkäuferin und einen Mann, zu bergen. Als großes Glück ist es anzusehen, daß sich die Kraft der Explosion
rann, wäre die Sozialdemokratie zu Zugeständnissen ja zwingen gewesen. Das alles ist nun kaputt, und
w . _______ Aeußerung zur Frage der
berfassungsmähigkeit des Entwurfes. Die S t e l -
Eine Erklärung der Neichsregierung. Berlin, 25. Rov. ('DB.) Amtlich.
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Dr. Friede Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton vr.H.THyriot; für den übrigen Teck Trust Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.
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Oie Explosionskalaflrophe in Essen.
Ein Haus in die Luft geflogen — Drei Tote — Oie Ursache noch immer ungeklärt.
Brüssel, 25. Roo. (Tel. Un.) heule nachmittag trat der belgische Ministerrat zu einer Besprechung über die Genter Vniversitätsfrage zusammen. Die Besprechung wurde um '7 Uhr unterbrochen. Beim Verlassen des Ministeriums gaben die Minister keinerlei Erklärungen über den Gang der Verhandlungen ob. Die Sitzung wurde um 9 Uhr abends wieder ausgenommen. Um 10 Uhr wurde die Besprechung damit abgeschlossen, daß das Kabi- n e t l s e inenRücktrittbeschloß. Der Mini- slerpräsidenk I a s p a r wird sich morgen vormittag zum König begeben.
Der Rücktritt des Kabinetts Iafpar ist nicht ganz überraschend gekommen. Der Ministerrat stand am Montagnachmittag vor der Notwendigkeit, endgültig den Gesetzentwurf über die F l a m i - sierang der Universität Gent zu beraten, aber die der liberalen Partei angehörenden Minister baten, die Entscheidung um einige Tage zurückzustellen. Am nächsten Sonntag findet der liberale Parteitag statt, der über die Stellungnahme der liberalen Minister zu entscheiden hat, die bekanntlich die vom Ministerpräsidenten Iafpar vor- geschlagene Einigungsformel angenommen haben. Die liberalen Minister fürchteten nun, daß sie auf ihrem Parteitag in der Minderheit bleiben könnten und wollten Zeit gewinnen. Aber Mi
nisterpräsident Iafpar bestand darauf, am heutigen Montagabend um 21 Uhr einen neuen Ministerrot abzuhalten, um eine endgültige Entscheidung hecbei- zufühcen. Dabei stellte sich auf Grund der genauen Programms Iaspars heraus, daß die Zugeständnisse an die französisch sprechenden Teile der Bevölkerung nicht a u s r e i ch t e n , um die Liberalen zu befriedigen. Die Beratungen endeten mit dem Beschluß, dem König die Gesamtdemisiion des Kabinetts an- zubielen.
Durch den Rücktritt des Kabinetts Iafpar ist eine sehr schwierige Lage geschaffen worden. Man rechnet damit, daß die Krise sehr lange dauern und den Beginn einer Zeit großer Schwierigkeiten, ja Gefahren für den Bestand des Staates, bringen wird. Wallonen und Flamen werden in einen erbitterien Kampf eintreken. Die Flamen werden mit aller Energie ihre S p r a ch e n f o r d e - r u nge n verfechten. Dadurch wird eine Lösung der Krise besonders schwierig. Es läßt sich nicht erkennen, was für eine Regierung an die Stelle des Kabinetts Iafpar treten soll. Die Auflösungder Kammer liegt durchaus im Bereich der Möglichkeit. Infolge der Krise wird Iafpar auch die Präsidentschaft der Haager Konferenz niederlegen. Dec König wird seine Besprechungen am Dienstag aufnehmen.
tungen durch Rundschreiben ersucht, die Ge- meindebehörden anzuweisen, unverzüglich mit de« Anlegung der S t i m m k a r t e i c n und Stimmlisten für einen Volksentscheid a m 2 2. Dezember zu beginnen. Die Vorarbeiten sollen so beschleunigt werden, daß die Stimmkarteien vom 8. bis 15. Dezember zur allgemeinen Einsicht ausgelegt werden tonnen. In den Ländern, m denen erst kürzlich Landtags- oder Ko m - munalwahlcn stalkgefunden haben, oder noch vor dem Volksentscheid stattsinden werden, wo also die Stimmkarteien und Stimmlisten lediglich auf den Stichtag des 22. Dezember zu berichtigen und zu ergänzen sind, wird die Aus- legungssrist nach den Vorschlägen der beteiligten Landesregierungen bemessen werden.
Das Programm des Reichstags.
Berlin, 25. Roo. (XU.) Der Reichskanzler Halle am Montagnachmitlag eine eingehende Besprechung mit den Fraklionssührern des Reichstages über die parlamentarische Behandlung der zur Zeil aktuellen außenpolitischen Fragen. Es ist danach nicht anzunchmen, daß im Plenum
nurnacheiner Seitehin ausgewirkt hat, und zwar nach der Häuserfront. Wären die Steine und die anderen schweren Gegenstände nach der Marktseile hin geschleudert worden, so wären die Folgen unabsehbar gewesen, da sich dort Hunderte von Marktbesuchern befanden. Die neben dem zerstörten Haus stehenden Verkaufsbuden wurden durch die Detonation umgelegt. Es herrscht das größte Chaos. Fische, Obst, Gemüse, Korb- und haus- haltswarcn ufro. liegen wirr durcheinander. In wilder hast sachten sich die Marklbesucher in Sicherheit zu bringen. Die Stände standen verwaist da, selbst die Geldkassetten wurden im Stich gelassen. Die angrenzenden Straßen sind von Neugierigen beseht. Lin großes Polizeiaufgebot hält die Ordnung aufrecht.
Die Untersuchungen über die Ursache des Unglücks hatten bisher ein negatives Ergebnis. Als zweifellos feststehend darf angenommen werden, daß der Lxplosionsherd selbst in den Kellerräumen gewesen ist. Vermutlich hatte die dort später vorgefundene Tote die Absicht, in den Kellerräumen eine bisher noch ungeklärte Handlung vorzunehmen. Da bei den Toten und verletzten keine Brandwunden, die eine übliche Erscheinung bei Gasexplosionen sind, festgestellt wurden, rückt die Mög- lichkeit einer Gasexplosion in die Ferne. In Erwägung gezogen werden muß, ob nicht in den Kellerräumen irgendwelche Explosiv st offe lagerten. Bemerkenswert ist, daß nach Zeugenberichten zwei Detonationen sestgestellt wurden. Die Feuerwehr hat nachmittags die Aufräumungsarbeiten eingestellt, da mit der Auffindung von weiteren Toten nicht mehr zu rechnen ist.
sehgebung in die auswärtige Politik. Damit steht er im Widerspruch zu dem Grundsatz der Trennung der Gewalten, auf dem die Reichsverfassung beruht. Rach der Verfassung ist es Sache des Reichspräsidenten, völkerrechtliche Akte vorzunehmen (Art. 45 RD.) und Sache des Reichskanzlers, die Richtlinien der Politik zu bestimmen (Art. 56). Rach dem Entwurf soll die Gesetzgebung die Initiative für einen den auswärtigen Mächten gegenüber namens des Reiches vorzunehinendcn völkerrechtlichen Akt ergreifen (§ 1), soll Richtlinien für die Reichspolitik aufstellen (§ 2) und soll die Initiative der berufenen Organe in bestimmterer Hinsicht ausschlicßen (§§ 3 und 4). Zur Annahme des Gesetzes durch Volksentscheid ist demnach gemäß Art. 76 Abs. 1 S. 4 der Reichsverfassung d i e Zustimmung der Mehrheit der Stimmberechtigten erforderlich.
Oie Vorarbeiten für den Volksentscheid.
Berlin, 25. Rov. (WB.) Der Reichs- Minister d e s 2 n n e r n hat die Landesregie-
letnis des Eintragungsverfahrens, die Stellung- iachme der Rcichsregierung zu dem Gesetzentwurf lotpic eine gutachtliche Aeußeri ~
Rücktritt des belgischen Kabinetts
Um die Zlamisierung der Universität Gent - Schwierige Lage.
bamit sind — wenigstens bis zum 22. Dezember — öic leisen Hoffnungen, die sich vielleicht aus Andeutungen auf dem .Kasseler Parteitag der Dcutschnatio- i neunen ergeben konnten, zerschlagen.
Das endgültige Ergebnis des ■ Volksbegehrens.
Sie crfordcrlichcn 10 Prozent übcrjchrittcn.
Berlin, 26. Nov. (WTB.) Wie schon in einem leit der gestrigen Auflage kur; milgeleilt wurde, Kot der Reichswahlausschuß zusammen, um i>»s Ergebnis der Eintragungen zu dem Volksbegehren zu prüfen. Nach längerer Aussprache wurde festgestellt, daß int ganzen Lintca- jiingsgebiet 4 135 300 unzweifelhaft gültige, 24 326 ungültige und zweifelhafte Eintragungen vollzogen morden sind. Ls sind also etwa 8000 Eintragungen iitet d i e erforderlichen 10 v. h. hinaus «»chaaden, so daß 10,02 o. h. der Wahlberechtigten ich für das Volksbegehren eingetragen haben.
Vom Volksbegehren zum Volksentscheid.
Oas amtliche Ergebnis — Das Jreiheitsgeseh wird dem Reichstag vorgelegt — Ablehnende Stellungnahme derNeichsregierung Oer Gesetzentwurf ist verfaffungsändernd.
Es ist erreicht.
Von unserer Berliner Redaktion.
Mit gütiger Nachhilfe des Herrn Reichsinnen- ininifters kann der Reichsausschuß für das deutsche Volksbegehren also jetzt mit Befriedigung feststellen, daß er bei seinem Freiheitsgesetz die verfassungsmäßig erforderliche Mindeststimmenzahl um einige Tausend überschritten hat. Der Weg zu'm Volksentscheid ist frei. Wir können uns Vorsteven, daß die Führer dieser Bewegung einen anderen Ausgang lieber gesehen hätten. Sie wissen, daß die Fortsetzung des Kampfes aussichtslos ist und ihnen nur sehr viel Geld kostet; indessen, das weiß der Reichsinnenminister auch, und gerade des- halb hat er wohl zuletzt alle Hebel in Bewegung gesetzt, um zu verhindern, daß durch die unvermeidlichen Ungültigkeitserklärungen das Gesamtergebnis um einige tausend Stimmen hinter den zehn Prozent zurückblieb. Dann hätten nämlich die Väter dieses „Freiheitsgesetzes" sagen können, daß der amtliche Terror schuld an ihrem Mißerfolg gewesen sei, sie hätten auch für die Entscheidung des ^-taatsgerichts- hofes über das Eintragungsrecht der Beamten starke Trümpfe in der Hand gehabt. Dem wollte Herr Severing aus dem Wege gehen, daher die großzügige Geste, die sehr viel wirkungsvoller gewesen wäre, wenn sie von Anfang an dem Kampf um das Volksbegehren keine Schwierigkeiten gemacht hätte. Sehr viel höher wäre die Stimmenzahl nicht ge- , wesen, und niemand hätte das Recht gehabt, über Vergewaltigung zu klagen.
Der Kampf geht also weiter. Auch wir bedauern dos ans allgemein politischen Gründen. Die Sozialdemokraten haben sehr richtig gerechnet, daß sie ein Interesse daran haben, die Deutschnationalen immer tiefer in die Vereinsamung hineinzutreiben. Denn Herr hugenberg muß jetzt, um am 22. Dezember wenigstens Halbwegs erträglich abzuschneiden, mit !u(len Mitteln der Propaganda arbeiten. Ec wird also weiterhin die Regierung angreifen, und es ist unvermeidlich, daß dabei auch kräftige hiebe gegen i tc mit der Regierung lose verbundenen bürgerlichen Parteien fallen, die darauf wieder antworten werden. Die Aussichten einer bürgerlichen Einheitsfront sinken dadurch auf den Nullpunkt, die Sozialdemokratie ist Herr der Lage. Denn ihre ganze Taktik ist darauf eingerichtet, daß die bürgerlichen Parteien
fchentwurfes brechen. Der Entwurf ist aufgebaut auf dem Gedanken, daß durch den einseitigen schriftlichen Widerruf der Bestimmungen des Vertrages von DersaiUes über die Schuld a m Kriege eine neue Grundlage für die Erreichung der Ziele der deutschen Außenpolitik geschaffen werden könne und müsse. Er geht davon aus, daß auf dieser Grundlage die förmliche Beseitigung jener Vertragsbestimmungen, die sofortige und bedingungslose Befreiung der besetzten Gebiete und eine vorteilhafte Regelung der Repa- rationsfrage zu erzielen sei. Diese Annahme ist falsch. 2 e d e deutsche Regierung hat den einseitigen Schuldspruch des Vertrages von Versailles in feierlichen Erttärungen zurück- gewiesen und mit fortschreitendem Erfolge die gegebenen Möglichkeiten benutzt, um die Welt Über die wahren Ursachen des Krieges aufzuklären. Die Reichsregierung wird selbstverständlich auch in Zukunft alles, was in ihrer Macht steht, tun, um die Kriegsschuldfrage zur endgültigen Lösung zu bringen. Sie muß jedoch in der Wahl der Mittel und des Zeitpunktes ihrer Anwendung die Entschließungsfreiheit behalten. f
Die deutsche Außenpolitik hat in den vergangenen Jahren ihr ganzes Bemühen darauf gerichtet, den Anspruch Deutschlands auf alsbaldige Befreiung d e r besetzten Gebiete durchzusetzen. Es hat sich erwiesen, daß dies ohne gleichzeitige ^Neuregelung der Reparationsfrage nicht möglich war. Die Lossagung von den auf der Haager Konferenz getroffenen Vereinbarungen würde deshalb die Räumung des Rheinlandes völlig ins Ungewisse stellen und eine schnelle Regelung der Saarfrage unmöglich machen.
In der Entwicklung der Reparationsfrage sieht die Reichsregierung den Bericht der Sachverständigen vom 7.Juni 1929 trotz ihrer schweren Bedenken gegen die darin vorgesehene Belastung Deutschlands als einen Fortschritt gegenüber der jetzt geltenden Regelung an. Eine endgültige Stellungnahme zu dem Bericht, sowie die Würdigung seiner Einzelheiten muß Vorbehalten bleiben, bis die im Gange befindlichen internationalen Verhandlungen über seine Inkraftsetzung abgeschlos - je n sind. Schon jetzt kann aber festgestellt werden, daß der Bericht eine Ermäßigung der deutschen Zahlungen und die Beseitigung der fremden Aussichts- instanzen vorschlägt. Aus diesem Grunde hat sich die Reichsregierung in Uebereinftimmung mit der überwiegenden Mehrheit des Reichstages, entschlossen, auf der Grundlage des Planes in die internationalen Verhandlungen einzutreten. Sie ist auck heute noch der Ueberzeugung, daß die Rück» keyr zu der Regelung des Dawespla- n e 5 für Deutschland eine sehr viel schwerere Belastung bedeuten würde.
Die S t r a f b c ft i m m u n g des Entwurfes will grundsätzliche Entschließungen der deutschen Außenpolitik dem Urteil des Strafrichters unterstellen. Darüber hinaus fort diese Bestimmung aber, wie ihre Begründung zeigt, dem Ziele dienen, die bisherige deutsche Außenpolitik und ihre verantwortlichen Träger zu entehren. Die Kontrolle über die Führung der Politik durch Reichskanzler und Reichsminister liegt verfassungsmäßig beim Reichstag. Von seiner Entscheidung in Form des Mißtrauensvotums oder der Ministeranklage ist die Fortsetzung der Politik abhängig. Die Zuchthausandrohung des Entwurfes mit ihren strafrechtlichen Rebenwirkungen bedeutet d i e Umformung eines rein politischen Tatbestandes in einen kriminellen. Mit ihr wird bewußt das Ziel verfolgt, den verfassungsmäßigen Kontrollen der Reichspolitik die ausschlaggebende Bedeutung zu nehmen. Das ist mit dem Sinn und Zweck des parlamentarischen Systems nicht vereinbar.
Bei der Annahme des Gesetzentwurfes würde sich sofort erweisen, daß auf feiner Grundlage eine den deutschen 2nteressen dienende Führung der Außenpolitik unmöglich ist. Die in den vergangenen 2ahren wiedererrungene Stellung Deutschlands wäre zerstört, jede Aussicht auf die Verwirklichung der in dem Entwurf aufgestellten Ziele wäre abgeschnitten. Diese Ziele können wie bisher auch in Zukunft nur auf dem Wege derVerständigungspolitik erreicht werden. Die Rcichsregierung spricht sich deshalb mit aller Entschiedenheit gegen öic Annahme des Gesetzentwurfes aus.
Die gutachtliche Aeußerung zur Frage der Verfassungsmäßigkeit des Freiheiks- gcsetzes" führt aus: Ter Gesetzentwurf ist Der- fassungsändernd. Die Bestimmung des 8 1 verpflichtet die Rcichsregierung, den auswärtigen Mächten in feierlicher Form Kenntnis davon zu geben, daß das erzwungene Kriegsschuldanerkenntnis des Versailler Vertrages völkerrechtlich unverbindlich ist. Damit wird die Reichsregierung beauftragt, eine völkerrechtlich rechtserhebliche Erklärung für das Reich abzugeben. Das steht im Widerspruch mit Art. 45 der Reichsverfassung, nach dem der Reichspräsident das Reich völkerrechtlich vertritt und somit ausschließlich befugt ist, völkerrechtliche Erklärungen für das Reich abzugeben. Der Entwurf enthält Eingriffe der Ge-
-ingnabme der Reichsregierung zu hrt Entwurf eines „Gesetzes gegen die Verskla- >og des Deutschen Volkes" lautet:
Tas Volksbegehren macht den Versuch, d i c Linien der deutschen Außenpolitik ftc die Zukunft in weitem Umfange durch ein Keich sgesetz fest zu le gen. Ein derartiger tirgriff in die Handlungsfreiheit der Reichs- ngicrung ist schon an sich ein Beginnen, das mit mr gedeihlichen Führung der Staatsgeschäfte tirvc reinbar ist. Roch ernster sind die De- icnken, die gegen den Inhalt der einzelnen Bestimmungen des begehrten Ge-
Gieheim Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Srantfurt am Main ii686. Druck und Verlag: vrllhl'sche Univerfitätr-Vvch- tmö Steindruckerel rr. Lange in Sietzen. §chriftlektnng und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7.
'ein der Reichswahlausschuh festgestellt hat, daß icd Volksbegehren „Freiheitsgesetz" zu- Unbegelommcn ist, hat der Reichsminister tes Innern auf Beschluß der Reichsregierung ten Gesetzentwurf heute dem Reichstag u n - l er breitet. In dem Vorlagsschreiben wird te: äußere Verlauf des bisherigen Verfahrens icjchildert. Dem Schreiben sind vier Anlagen igefügt, der Gesetzentwurf, die Bekanntmachung les Reichswahlleiters, über das endgültige Er-
auf f i e angewiesen sind. Erst wenn die Mög- s lidjteit bestünde, auch einmal die Deutschnationalen liegen die Sozialdemokraten auszuspielen und zu örohen, daß schließlich auch eine bürgerliche Mehr- Ijeit wieder gegen die Sozialdemokraten arbeiten


