wurde, wurden zu Anfang "Rheinische Bohn- äpfel von ganz minderwertiger Beschaffenheit ousgeboten. Da kaum Liebhaber für diese Sorte anwesend waren, ging der Zentner für 1 bis 2 Mark ab. Bessere Qualitäten, wie Boskoop und Goldparmänen, kamen auf 8 bis 10 Mk. pro Zentner am Daum. Biele Bäume, die von dem landwirtschaftlichen Versuchsgut während des letzten Frühjahrs und Sommers gepflegt und gegen Ungeziefer behandelt worden waren, wurden von dem Versuchsgut geerntet und an Ort und Stelle untersucht, die Ernte selbst jedoch den Steigerern überlassen. „
al. Allendorf a. d. Lahn, 24. Sept. Die gestrige Ob st Versteigerung war von Einheimischen und Auswärtigen sehr gut besucht. Im Durchschnitt wurde ein sehr guter Erlös erzielt. Die Gesamteinnahme beträgt über 1800 Mk.
• W i es eck, 25. Sept. Im Laufe dieses Som- mers wurde hier ein Geflügelzuchtverein gegründet, dem 30 Mitglieder beitraten; inzwischen sind noch weitere Mitglieder dazugekommen. In einer Mitgliederversammlung wurde beschlossen, am 10. Aovember eine Werbeschau abzuhalten. um der Oeffentlichkeit zu zeigen, was in Wieseck für Zucht- und Ruhgeflügel vorhanden ist. Der Verein ist dem Landesverband Hessen angeschlossen.
T Lollar, 25. Sept. Am vorigen Sonntag hatte der Schiffenberg den Besuch der Mitglieder der evangelischen Frauenvereine aus dem Kirchspiel Kirchberg bei Lollar. Weit mehr als 100 Frauen waren aus den Ortschaften Lollar, Ruttershausen, Staufenberg, Mainzlar und Daubringen, teils zu Fuß, teils mit dem Autobus gekommen, um gemeinschaftlich einen Sonntagnachmittag feiern zu können. Pfarrafsistent Geist (Lollar), der für den dienstlich verhinderten Dekan G ustmann die Leitung übernommen hatte, fand herzliche Worte der Begrühung und gab seiner Freude darüber Ausdruck, dast die Mitglieder so zahlreich erschienen waren. Leider verlästt demnächst Pfarrer Geist das Kirchspiel, um die Pfarrstelle in Rieder-Ofleiden anzutreten. Bei gemeinschaftlichem Gesang, froher Unterhaltung und bei gutem Kaffee gingen die Stunden nur allzu rasch dahin.
]r Mainzlar, 24. Sept. Bei der gestern hier stattgehabten Gemeinde-Ob st ver st eige- r u n g — es kamen nur Aepfel und Dirnen zum Ausgebot — wurden bei starker Beteiligung trotz reichen Obstsegens sehr ansehnliche Preise erzielt. Gut im Preise standen hauptsächlich die Sorten der Taseläpsel, während Wirtschaftsäpfel zum Teile erheblich abfielen. Bon ersteren kam der Baum je nach Gröhe auf 15 bis 24 Mk., während letztere fchon für 1 bis 10 Mk. je Daum zu haben waren. Für Dirnen war wenig Rachfrage vorhanden, so dast mehrere Däume „Schroders Honigbirne"' für 1 bis 2 Mk. verkauft wurden. — Schulverwalter Sommerlad aus Beuern, welcher seit August vorigen Jahres den Schuldienst der zweiten Klasse versah, verlästt uns mit "Beginn der Herbstferien, um nach deren Ende seine neue Stelle im Kreise Schotten an- zutreten. Lehrer Rikolei. seither Gonterskirchen im Kreise Schotten, tritt den Schuldienst nach beendeten Herbstferien hier an. Da die Lehrerwohnung schon seit dem Wegzuge des seitherigen Inhabers unbewohnt ist, erfolgt der Umzug des neuen Inhabers während der Ferien.
' Grünberg. 24. Sept. Zur jüngsten Ge° meinderatsfiyung unter dem Vorsitz des Beigeordneten Keller waren 10 Gemeinderäte erschienen, darunter zum ersten Male die beiden neuen Mitglieder des Gemeinderats, Julius B o n - E i f f und Philipp S ch o m b e r. Ersterer tritt an die Stelle des wegen Versetzung nach Giesten auSschcidenden Oberftudiendirektors Angelberger, letzterer an die Stelle des wegen Krankheit ausscheidenden Sattlermeisters Karl Rühl. Der Beigeordnete nahm zunächst durch Handschlag die Verpflichtung der beiden
neuen Gemeinderäte vor. Dann wurde über die Festsetzung der K a n a I g e b ü h re n verhandelt, da das Ministerium der Festsetzung in der vom Gemeinderat beschlossenen Art seine Zustimmung versagt hat. Während danach das Wassergeld als Grundlage dienen soll (30 Prozent von vier Zielen desselben), gibt das Ministerium anheim, einen kombinierten Ausschlag zu wählen, der neben dem Wasserverbrauch auch die abgehenden Regenwasser berücksichtigt. Die vorliegende Satzung von Butzbach zeigt, dast dort als Berechnungsgrundlage der Brandkassenwert der Gebäude und die Grundfläche dient: es erhebt von 100 Mk. Steuerwert der Gebäude 15 Pfund von 1 Quadratmeter angeschlossener Fläche 1,5 Pf. Alsfeld legt den Gebäudewert zugrunde und hat darauf einen gestaffelten Tarif. Es herrschte die Meinung vor, auf dem ersten Be- schlust zu beharren, die Sache wurde aber zu- rückgestellt. und es soll beim Kulturbauamt an- gefragt werden, welche andere Gemeinden ihre Kanalgebühren in ähnlicher Weise festgesetzt haben. Der Beigeordnete teilte dann mit. dast der Beschlust über den gemeindlichen Steuer» ausschlag die ministerielle Genehmigung gefunden habe. Dieser Beschluh hat folgende Aus- schlagsähe: a) von Gebäuden 25 Pf., b) von landwirtschaftlichen Grundstücken 70 Pf., c) vom Gewerbe-Betriebskapital 80 Pf., d) vom Gewerbeertrag 3,60 Mk. von je 100 Mk. Steuerwert. Der Beschluh war seinerzeit beanstandet worden und anheimgegeben worden, die Sätze in folgender Weise zu beschließen: a) von Gebäuden 22 Pf., b) von landwirtschaftlichen Grundstücken 56 Pf., c) vom Gewerbe-Betriebskapital 1,10 Mick) vom Gewerbeertrag 5 Mk. von je 100 Mk. Steuerwert. Der Gemeinderat lehnte damals dieses Ansinnen ab und beschtoh einstimmig, es bei den zuerst festgesetzten Sätzen zu belassen. Das Ministerium hat seine Bedenken gegen diesen Beschluß fallen gelassen und die beschlossenen Sähe genehmigt. — Der Gemeinderat ist damit einverstanden, dast der Beige or dnete vom 29. September bis 12. Oktober einen 14tägigen .Urlaub erhält, und das älteste Mitglied des Gemeinderates, Schlossermstr. Hch. Schmidt II., mit der Versehung der Bürgermeisterei- geschäfte betraut wird. Einstimmig genehmigt wurde der Verkauf des Reststückes des Färbgrabens in Größe von 913 Quadratmeter zum Preise von 3 Mk. pro Quadratmeter an die Firma Heinrich Schmidt!. Rachdem die Walzarbciten in der Bahnhofstraße in der vorigen Woche ausgefnhrt wurden, soll die Bahnhofstraße noch einer zweimaligen Teerung unterzogen werden, wovon die erste in 14 Tagen, die zweite dagegen erst im nächsten Jahre erfolgen soll. Diese Arbeit wurde der Firma W. 2. Scheid, Limburg, zu ihrem Angebot: Erste Teerung 1,20 Mk., zweite Teerung 1 Mk. pro Quadratmeter übertragen.
* Lich , 26. Sept. Lobenswert sind die Bestrebungen des hiesigen Obst-undGartenbau- Vereins, die überaus reiche Obsternte in einem sowohl für Erzeuger wie auch Verbraucher annehmbaren Preise zu verwerten. Er veranstaltet zu diesem Zwecke mit Unterstützung des Landwirt- schaftskammerausschuslcs für Oberhessen und der Stadtverwaltung Lich am kommenden Sonntag und Montag in Verbindung mit dem beliebten K i r m e s m a r k t im Rathaus dahier ein O bjt - ausstellung mit einer Prämiierung des schönsten und des am besten verpackten Obstes. Durch diese Ausstellung ist Konsumenten Gelegenheit geboten, direkt vom Aussteller schönes Obst in beliebigen Mengen zu kaufen. Auch Händlern bietet sich bei der Fülle des angebotenen Obstes günstige Kaufgelegenheit, da hier in Lich nicht nur Wirtschaftsobst, sondern auch Tafelobst bis zu den feinsten Sorten gezüchtet wird. Rach den bisherigen Vorarbeiten und Anmeldungen verspricht die Ausstellung ein besonderes Ereignis sur unsere Stadt zu werden, und es ist zu hoffen, dast auch von auswärts recht viele Interessenten
sich einfinden werden. In Verbindung, mit der Ausstellung findet heute (Donnerstag) nachmittag im Hofgut Lich ein kostenloser Packkursus statt, dessen Besuch allen Obstzüchtern warm empfohlen werden kann. Das zur Ausstellung gelangende Obst ist bis Freitagnachmittag im Rathause abzuliefern, bis dahin werden auch noch weitere Anmeldungen entgegengenommen. Die Obstausstellung wird am nächsten Sonntag, vormittags 11 Uhr, im Sitzungssaal des Rathauses eröffnet.
t Lich. 24. Sept. Die hiesige Ge s e l l s ch a f t „Gemütlichkeit"" (Vorsitzender Jakob 11 r» Hahn) unternahm am Sonntag bei großer Beteiligung ihrer Mitglieder und deren Familien unter Führung von L. Hammel einen Tagesausflug nach Bad Homburg. Der Autobus der Gambachcr Kraftverkehrslinie brachte die Beteiligten zunächst nach Bad°Rauheim, wo die Kuranlagen einer eingehenden Besichtigung unterzogen wurden. In Friedberg stattete man der Burg einen Besuch ab. Dem Ziel Homburg vor der Höhe widmete man einige Stunden, um das Bad mit seinen Schönheiten kennen zu lernen. Der Autobus brachte die Reiseteilnehmer sodann zum Römerkastell, der Saalburg, wo ebenfalls längerer Aufenthalt genommen wurde, lieber Butzbach erreichte man gegen Abend den Heimatort Lich. Allen Teilnehmern werden die Reiseeindrücke unvergeßlich bleiben.
s. Inheiden. 25.Sept. Bei der Versteigerung des Gemeindeobstes wurden recht hohe Preise erzielt. Es kamen fast ausschließlich Aepfel zum Ausgebot. Auf dem Gelände östlich der Provinzialstraße war der Behang so gering, dast zwei oder drei Bäume zusammen versteigert wurden, und zwar für 2 bis 5 Mk. insgesamt. Volltragende Bäume westlich der Straste kamen auf 12 bis 15 Mk., der teuerste auf 17 Mk.
s. 11 tphe , 25. Sept. Dieser Tage feierte einer unserer ältesten Einwohner, der Landwirt Iohs. Dornmann, seinen 84. Geburtstag im Kreise seiner Familie. Der Greis erfreut sich noch geistiger und körperlicher Rüstigkeit und hilft zur Zeit noch täglich seinen Söhnen beim Kartoffelausmachen. -- Dieser Tage unternahmen die oberen Jahrgänge unserer Schule einen Tagesausflug nach Marburg. Erfreute schon die berg- und waldreiche Umgebung unsere Jugend. die ja aus der an landschaftlichen Reizen armen Wetterau kommt, so versetzte sie die Besichtigung der Stadt vollends in Entzücken. Besucht wurden die Elilabcthenkirche. das altehrwürdige Schloß und die Universität, und dadurch ein Stück althessischcr Geschichte lebendig gemacht. Die Wanderung, die von herrlichem Herbstwetter begünstigt war, dürste einen bleibenden Eindruck in den jugendlichen Gemütern hinterlassen.
Kreis Büdingen.
OW. Ober-Widdershei m, 24. Sept. Am Sonntag feierte die K i r ch e n g c m e i n d e Ober-Widdersheim ihren diesjährigen Iugendsonntag. Damit war die Wimpelweihe der Mädchenvereinigung verbunden. Zu dieser hatte sich als Vertreterin des Hessischen Verbandes der Mädchenvcreini- gungen die Verbandsfekretärin Frl. Ecker aus Zwingenberg eingefunden. Sie leitete die Feier ein mit einer Feststunde am Samstagabend, bei der sie die jungen Mädchen für die große Sache des ReichsverbandeS zu begeistern wußte. Am Sonntagmcrgen wurde der Festtag mit einer feierlichen Morgenweihe eröffnet. Dann wurden auswärtige Gäste vom Bahnhof' abgeholt und unter den Klängen des Posaunenchors Wallernhausen in das Dorf geleitet. Der Festgottesdienst in der dichtbesehten Kirche war durch Posaunenchöre. Gesänge der Mädchenvereinigung und Sprechchöre feierlich ausgestaltet. Der Ortspfarrer hatte Luk. 9, 57- 62 seiner Ansprache an die Jugend zugrunde gelegt und ermahnte diese zu entschiedenem Ehristentum, das bereit ist, Gottes
ÄerFMonWuspyln.
Von Paul Rosenhayn.
1. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Gin paar Freunde Dawsons kamen in die Bor. „Hat er (Men den Fall Pym auseinander- gesetzt?" fragte Earr, der Direktor des Chika- aocr Konservatoriums. „Es ist sein Steckenpferd. Aber glauben Sie um Gottes willen nicht, was die Dordzeitung schreibt. Die Radioagenturen haben Auftrag, die ganze Geschichte zu verdunkeln."
„UnsinnI" knurrte Dawson.
„Ich habe schon versucht, gleich hinter Bremerhaven, von dem Staatsanwalt O'Cardigan Rä- heres zu erfahren. Er hat einfach nicht geantwortet. Heute ist mir nun der erlösende Gedanke gekommen. Wiht ihr, was ich getan habe? Ich habe an Joe Jenkins telegraphiert: an seine Reuyorker Adresse. Mit bezahlter Antwort. Er soll mir, streng privat natürlich, Rachricht geben, wie seine Meinung über den Fall Pym ist. Und ob er Aussicht hat, diese geheimnisvolle Lilian Stone zu finden."
„Glauben Sie im Ernst, Carr," antwortete Dawson mitleidig, „dost Sie von Jenkins eine Antwort bekommen werden?"
„Was wetten wir?"
„Sie mit Ihrem ewigen Was wetten wir?"
Corr lachte. „Ehrlich gestanden: ich dars gar nicht wetten. Denn ich habe die Antwort von Joe Jenkins schon in der Tasche. Hier ist sie."
Dawson riß ihm in sichtlicher Erregung das Telegramm aus der Hand. Es lautete:
joe jenkins an bord des dampfers eolumbus unterwegs nach neuyork.
„An Bord des Dampfers Columbus?" wiederholte Dawson bestürzt. „Joe Jenkins ist auf diesem Schiff? Was bedeutet das? Was will er?"
„Wahrscheinlich," sagte Carr, „wird er in Berlin gemerkt haben, dast diese Lilian Stone nicht existiert."
„Ich habe die Passagierliste sechsmal durch- oelesen," sagte der junge Westinghouse. der Erbe des großen Elektrizitätswerkes. „Der Rame Joe Jenkins wäre mir ausgefallen."
„Wahrscheinlich reist er inkognito."
„Auf alle Fälle wird er sich ein Fiasko holen," sagte Dawson giftig.
Der schweigsame Herr von 106 nahm das Wort. „Warum muh es ein Fiasko werden? Wäre es nicht möglich, dast Joe Jenkins erfolgreich aus Berlin käme, etwa in Begleitung jener Lilian Stone - auf die ganz Amerika wartet?"
„Das wäre..." sagte Dawson zögernd, indem er' unruhig den Kopf wandte. Er sah dem
Sprechenden ins Gesicht, „das wäre... warten Sie einmal, mein Herr." Mit einem Schlage wandten alle an diesem Tisch ihre Gesichter dem Fremden zu, der gleichgültig an ihnen vorüberblickte. „Ich sah sie in Begleitung einer jungen Dame -- vor einigen Tagen, bis in jener Rächt... der kleine Zwischenfall... wie war doch Ihr Rame?"
„Joe Jenkins," antwortete der Gefragte mit höflichem Lächeln.
„Joe Jenkins?" Dawson sprang aus. „Und Sie haben sich von mir die ganze Geschichte haarklein erzählen lassen? Den ganzen Fall Pompejus Phm, den Sie viel besser kennen als ich?"
„Je nun," antwortete Ienlins, „es interessierte mich immerhin, wie sich diese Sache im Kopfe eines klugen Mannes molk."
„Und die Dame?" fragte Carr, fast flüsternd. „Diese Dame? Aus Kabine 104?"
„Es ist, wiö Sie vermuten," nickte 2oe Jenkins. „Diese Dome ist Frau Lilian Stone."
In Centre Street, an der Front des dunklen Gebäudes, staute sich die Kette der Autos: durch die hohen Fenster schimmerte mühsam frühes Licht in die wallenden Rebel, die aus den Tiefen des East River stiegen. Dieses ganze Viertel schien unter dem lähmenden Dann eines seltsamen und beklemmenden Ereignisses zu stehen: die Menschenmenge, die unter dem Zustrom aus den engen Gassen des Hafens beständig wuchs, umwogte das graue Massiv wie ein lebendiger Ring.
Alle Korridore waren erfüllt von Wartenden, alle Türen waren von Ungeduldigen belagert; Glockenzeichen schrillten durch das Haus, Äon- trollsignole antworteten.
Die Tür des großen Sitzungssaales war durch einen Ringwall Uniformierter gesichert: nur hie und da. wenn die Doppeltüren sich hastig öffneten, hörte man das Klappern der Schreibmaschine: aber aus dem hohen Raum, in dem hundert erregte Menschen fiebernd atmeten, schlug fühlbar die Welle zitternder Gespanntheit herüber in das Hasten der Korridore.
Eben wurde ein Rame aufgerufen: Glsie O'Cardigan. Die Tür ging auf: der Kordon der Wächter teilte sich: die junge Frau des Staatsanwalts O'Cardigan trat in den Saal.
Die Blicke der zwölf Geschworenen richteten sich auf die Eintretende, die, ein wenig befangen unter ihrer kritisierenden Sachlichkeck, an die Barriere trat. Der Richter sah ihr mit auf» munterndem Lächeln entgegen; sie kannte ihn, eS war Fremont Higgins: er war einige Male ihr Gast gewesen. Dort, rechts von der Geschworenenbank, saß ihr Mann, der Staatsanwalt, auch er lächelte ihr entgegen, mit jenem Ausdruck in den Augen, den sie diese ganze Zeit über mit Besorgnis an ihm beobachtete. Sie wandte den Kopf. Am andenr Ende des Tisches
saß der Verteidiger, ein blasser junger Mann. Hinter ihm sie fühlte, wie ihr das Blut jäh zum Herzen schoß -- hinter ihm saß Pom- pejus Phm, der Reger. Der Angeklagte. Wie alt er geworden war. Wie seltsam das schneeweiße Haar mit der Bräune seines Gesichts kontrastierte! Seine Wangen waren eingefallen, in den Augen lag ein hilfloser Ausdruck, während er unsicher zu Elfte O'Cardigan hinüberspähte. Sie nickte ihm zu: ein ungläubiges Flimmern glomm in seinem Blick auf, und es ging wie der Schatten eines Lächelns über seine Züge.
„Der Verteidiger hat Sie schon hereinrufen lassen, Frau O'Cardigan," sagte der Richter; „er erwartet von Ihnen wichtige Aussagen. Bevor ich Sie indessen verhöre, muß ich von einer anderen Angelegenheit sprechen, 'bie mir eben gemeldet wird. Bitte nehmen Sie dort drüben solange Platz."
Elsie sah sich suchend uni; ihr Mann stand auf; gleichzeitig erhob sich der Verteidiger, um sich ihr vorzustellen. Die beiden Herren sahen aneinander vorbei.
„Was ich dem Gericht mitzuteilen habe," der Richter erhob sich: man sah, daß er erregt war, „ist, ich dars es ruhig aussprechen, eine Ungeheuerlichkeit. Man hat in der letzten Rächt versucht, den Gefangenen Pym zu befreien."
Aller Augen hefteten sich auf den Reger; dumpfe Stille legte sich über den Saal.
„Gestern abend um 3/il0 Uhr kam das Auto des Obergerichtshofs vor dem Haupteingang der Tombs vorgefahren. Drei Herren, die sich als Gerichtsbeamte legitimierten, ließen sich beim Direktor melden; sie wiesen eine schriftliche Ordre des Obersten Gerichts vor: der Gefangene Pompejus Pym solle aus bestimmten Gründen nach Orange County, im Staate Reuyork, übergeführt werden. Der Direktor, erstaunt über diese ungewöhnliche Maßnahme, wurde mißtrauisch. Was denn der Grund dieser Ueberführung sei?
Der Chef der Drei antwortete ihm: der Gerichtshof habe Rachricht bekommen, daß die Po- gromftimmung in Reuyork im Wachsen fei; man rechne mit der Möglichkeit eines Angriffs auf die Tombs. Der Direktor schüttelte den Kopf: „Gin Angriff auf die Tombs?"
Selbstverständlich sei der Versuch aussichtslos, antwortete der Obmann; man wolle indessen jeder Möglichkeit von vornherein den Boden entziehen. Der Direktor ließ sich telephonisch mit dem Obergericht verbinden. Er erhielt die Antwort: alles sei in Ordnung. Der Befehl sei erteilt."
Erstaunte Ausrufe schwirrten durch den Saal.
„Es gab nun keinen Grund mehr, die Auslieferung des Gefangenen zu verweigern. Während Pym mit den Beamten über den Hof ging, kam dem Direktor — aus irgendeinem Grunde, vielleicht aus dem Unterbewuhtsein — neuer
Willen ganz, gern und gleich zu tun. In bet Festpredigt über Eph. 6, 4 legte er der Gemeinde ans Herz, für die zu erwartende besonders schwere Zeit der Jugend auch eine besonders ernste christliche Erziehung zuteil werden zu lassen. Im Festgottesdienst geschah auch die Wimpel- Weihe der Mädchenvereinigung und die Verleihung der grünen Verbandskreuzchen an den zweiten Jahrgang der Mitglieder. Rach einer zweistündigen Mittagspause wurden die Mädchen- Vereinigungen von Ridda und Wallemhausen vom Bahnhof abgeholt; daran schloß sich ein stattlicher Festzug durch das Dorf. Die Rachfeiet fand in dem fast überfüllten Weisschen Saale statt. Der Posaunenchor Wallernhausen und der Lautenchor der Mädchenvereinigung Ober-Wid- dersheim teilten sich in die musikalischen Dar- .bietungen. Die Begrüßungsansprache hielt der Ortspfarrer. Pfarrer Rau (Wallernhausen) überbrachte Grüße und Glückwünsche *beS ober- hessischen Verbandes. Dann wechselten in reicher Folge die Darbietungen von Gedichten, Reigen und Theaterstücken, wobei auch die Mädchenvereinigung Ridda unter Leitung von Frau Pfarrer Laut und die Mädchenvereinigung Wallern- Hausen, unter Führung des Pfarrers Rau in dankenswerter Weise zur Bereicherung des Programms beitrugen. Als Beendigung der schön verlaufenen Festfeier wurde vor dem Pfarrhause im großen Kreis Aufstellung genommen und nach Derbandssitte das Schlußlied „Kein schöner Land" gesungen. Mit freudigem „Heil!" ging man auseinander. Die zahlreichen Festgäste hatten in den Familien der Gemeinde gastfreundliche Aufnahme gefunden. Rachdem die abendlichen Bahnzüge alle wieder ihrer Heimat zugeführt hacken, versammelte sich die Mädchenvereinigung Ober-Widdersheim noch einmal mit der Ver- banbSicfretärin, um in einer Schluhbesprechung über die Pflichten einer Grünkreuzträgerin dem Tage einen ernsten Ausklang zu geben.
LJ Bleichenbach, 25. Sept. Der hiesige Männergesangverein .,Sängerlust" feierte am Sonntag sein 65jähriges Bestehe n, verbunden mit einem Preissingen, das sich von den sonst üblichen Wettstreiten dadurch unterschied, daß als Preise keine Wertgegenstände, sondern nur Diplome ausaegeben wurden. Der Wettstreitbeitrag für den Sänger, der gewöhnlich 2 Mk. beträgt, konnte infolge dieser Reuerung auf 70 Pf. reduziert werden. An dem am Vormittag stattfindenden Wett- singen, dem Musiklehrer Samper (Darmstadt) ein gerechter und feinsinniger Preisrichter war, beteiligten sich in vier Klassen zehn Vereine, die durchgängig gute Leistungen boten, so daß die errungene Punktzahl der einzelnen Vereine ost ganz dicht zusammenlag und die Entscheidung dem Richter hier und da nicht leicht gefallen sein dürfte. An das Singen schloß sich eine mündliche Kritik an, die Dirigenten und Vorsitzenden recht wertvolle Fingerzeige für die fünftige Weiterarbeit gab. Rach einem stattlichen Festzug durch die mit Fahnen usw. geschmückten Dorfstraßen sand an unserem Gefallenendenkmal eine schlichte, finnige Totenehr una statt. Rach einem wuchtigen Massenchor unseres Vereins („Wo gen Himmel Eichen ragen"), unter Leitung des Dirigenten Lehrer Sinn er, ergriff der Ortsgeistliche dos Wort zu einer ergreifenden Gedenkrede, in der er die Heimattreue der Gefallenen schilderte. Mit der Riederlegung eines Kranzes durch den Vereinsvorsitzenden, dem Lied „Morgenrot" des Vereins und dem von der Musikkapelle gespielten Lied „Ich hack' einen Kameraden" fand die Feier, die in den Herzen oller Teilnehmer einen tiefen Eindruck hinterlieh, ihr Ende. Hierauf wurde dem Iubelverein namens der Gemeinde eine Fahnenschleife überreicht und ihm von Gemeinde- und Schulvorstand, sowie einem Vertreter der übrigen Vereine des Ortes die herzlichsten Glückwünsche dargebracht. Der übrige Teil des Tages - die Jubelfeier dauerte nur einen Tag war durch Tanz,
Zweifel. Er ließ sich zum zweitenMale mit dem Obergericht verbinden. Und nun stellte sich das Unglaubliche heraus: man wußte nichts von einer Ueberführung Pyms: der Befehl war gefälscht."
Wieder stieg erregtes Gemurmel auf; alles sah auf den Angeklagten, dessen dunkles Gesicht sich mit fahlem Grau bedeckte.
„In letzter Minute gelang es, den Gefangenen seinen Befreiern zu entreißen. Die Drei sind entkommen."
Staatsanwalt O'Cardigan erhob sich. „Was hat der Angeklagte zu diesem Befreiungsversuch zu sagen?"
Pompejus Pym, fast krampfhaft nach Atem ringend, antwortete leise: „Ich weih nicht, wer die Männer waren."
„Wollen Sie uns erzählen. Sie hätten nicht gewußt, daß Sie befreit werdest sollten?"
Pym schüttelte den Kops. „Es ist so, Mr. O'Cardigan: ich wußte nichts davon.'
Der Staatsanwalt wechselte einen lächelnden Blick mit dem Richter.
„Und nun. Frau O'Cardigan," sagte Richter Higgins, „nun möchte ich Sie bitten, uns die Vorgeschichte dieser traurigen Angelegenheit zu erzählen: so wie Sie sie in der Erinnerung haben."
Er wies mit einer einladenden Handbewegung auf den Zeugenstuhl; Elsie nahm zögernd Platz.
Der Richter sah ihr lächelnd, offenbar in der Absicht, sie zu ermuntern, ins Gesicht. Sie hacke die dunklen, fast schwarzen Augen der Mutter, deren Bild vor ihm auf dem Gerichtstifch lag; aber das blonde Haar wirkte seltsam und fremdartig; cs mochte das Erbteil ihres Vaters sein.
„Wir wissen aus den Akten," sagte er mit leiser Stimme, „daß der Angeklagte im Haufe Ihrer Eltern bedienstet gewesen ist. Können Sie sich erinnern, ob Ihre Eltern mit ihm zufrieden waren?"
Elsie fühlte, wie der Blick des Angeklagten auf ihr ruhte. „Pompejus war der treueste Diener, Mr. Higgins, den wir jemals gehabt haben."
„So so."
„Meine Mutter hat ihm das Leben gerettet; sie machte eine Reise durch die Südstaaten; in einem Hotel in St. Louis erwachte sie eines Rachts von einem furchtbaren Geschrei auf der Straße: ein junger Reger wurde vorbeigeführt. Man schickte sich an, ihn zu lynchen. Er habe eine Summe Geldes gestohlen. „Das ist nicht wahr!" heulte der (Heger. Meine Mucker bezahlte das Geld für ihn und nahm ihn in ihre Dienste. Von diesem Sage an ist uns Pompejus treu gewesen wie ein Hund. Er ist eines Mordes unfähig, Mr. Higgins: ja, er ist unschuldig."
(Fortsetzung folgt.)


