Ausgabe 
26.9.1929
 
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5trefemann entgegen seiner ursprünglichen Absicht reine Erörterung der Minderheitenfrage in der politischen Kommission beantragt habe, so daß diese iZrage praktisch aus dieser Dölkerbundstagung keine Rolle gespielt habe. Das sei um so mehr zu bedauern, als die Vertreter der deutschen Minder­heiten auf dem vorangeaangenen Minderheitenkon- oreß eine solche Wetterführung der Minderheiten­aktion gefordert hatten und diese Aufrollung von allen Setten, auch von den Minderheitengeg­nern, erwartet worden sei.

Nachdem die Frage einmal urbi et orbi auf. gerollt gewesen sei, scheine es durch nichts be­gründet, die Miuoerheitenaktion gerade in dem Augenblick zu unterbrechen, wo durch den Re­gierungswechsel in England die Erfolgaussichten sich gegenüber früher erheblich gebessert hätten. Die Minderheitenfrage sei doch wohl zu wert­voll, als daß man etwa damit Nebenzwecke verfolgen oder Tagungen ausfüllen dürste.

Das Blatt bringt die Erwartung zum Ausdruck, daß die Pause in der deutschen Minderheltenmltia- tioe nicht allzulange dauern möge und etwa von anderer Seite die Frage mit größerer Energie und stärkerem Geschick aufgerollt werde. Unter Hinweis auf das Verhalten der englischen Regierung kommt dieGermania" zu dem Schluß, daß auch Deutsch­land, wenn dieLiquidierung des Krieges , soweit sie im Haag aufgerollt wurde, vollendet hinter uns liege, im Genfer Wellparlament eine deut- kichere Sprache sprechen könne und müsse, als bisher.

Oie Reichsreform.

Die Arbeiten der Länderkonferenz.

Berlin, 25.Sept. Die in den nächsten Tagen zusammentretende Konferenz der Unterausschüsse der Länderkonferenz wird sich mit der Frage der O r - ganisationderLänder beschäftigen. Es han- beit sich hier um die große Kernfrage der Reichs- resorm, nämlich vor allem um das Verhält­nis zwischen Preußen und dem Reich, der Befugnisse der Landesvertretungen und dem Einfluß der den Ländern durch den Reichsrat auf das Reich gegeben werden soll. Merkwürdigerweise hat man auf der ersten Beratung der Unteraus­schüsse im Juli d.J. über die Zuständigkeit ab ge­stimmt, und die viel grundlegendere Frage der Dr= aonisation des Reiches, aus der sich ja eigentlich erst die anderen Probleme ergeben sollen, in den Hintergrund gestellt. Ob dieses umgekehrte Ver­fahren sich bewähren wird, kann erst die kommende Konferenz zeigen. Wie wir von unterrichteter Seite hören wird der Reichsinnenminister über die vor­liegenden Referate eine Abstimmung veranstal- ten, die wohl eine Mehrheit für die Reformvor- schlage ergeben dürfte, womit aber noch lange nicht das endgültige Ergebnis der Lan­derkonferenz bestimmt ist. In dem jetzigen Stadium der theoretischen Vorbereitung ist der politische Wert einer solchen Abstimmung zumindest recht zweifel­haft, da niemand übersehen kann, inwiewett d,e be­treffenden Länder wirklich in der Lage sind, zu dem Votum ihrer Vertreter tatsächlich zu stehen. Für die kommende Konferenz liegen Referate des preußi­schen Ministerialdirektors Dr. B r e ch t, des bayeri­schen Ministerialdirektors Dr. P ete r ( e n und des bekannten württembergischen Politikers Dr. Bolz vor.

Kompromißverhandlungen über die Versicherungsreform.

Köln, 25. Sept. (WB.) DieKölnische Zei­tung" berichtet über Verhandlungen zwischen den Vertretern der Sozialdemokraten, des Zentrums und der Demokraten über ein neues Kompromiß in der Frage der Ar­beitslosenversicherung, um der Deutschen V o l k s p a r t e i einen gemeinsamen Entwurf der drei Parteien vorzulegen. Der Entwurf der Reichsregierung soll mit zwei Einschrän­kungen angenommen werden, nämlich An­wendbarkeit der verlängerten Wartezeit nur auf jugendliche alleinstehende Arbeitslose unter 21 Zähren und Anrechnung der Sozral- renten auf die Arbeitslvsenrenten er st von 30, nicht von 20 Mark an. Das auf I1/2 Jahre befristete Sondergesetz soll mit folgenden Abänderungen angenommen wer­den: Die im Hauptgesetz enthaltenden einschrän­kenden Bestimmungen über die S a i s 0 n a r b e i - terunterstühung werden in das Svnder- gesetz ausgenommen. Die Gleichstellung jugend­licher Lediger mit den Saisonarbeitern sowie die Verlängerung der Wartezeit für Saisonarbeiter auf drei Wochen werden gestrichen. Der im Aeichsratkompromih vor­gesehene Sonderbeitrag des Bauge­werbes in Höhe von 1 v. H. soll fortfallen. Das finanzielle Ergebnis dieses Kompromisses wird dahin gekennzeichnet, daß statt der 109 Mil­lionen Mark Ersparnis in der veränderten Re­gierungsvorlage nur 60 bis 70 Million en Ersparnisse erzielt werden. Aach dieser Lö­sung würde ein Fehlbetrag von 70 bis 80 Mil­lionen Mark im Jahr ungedeckt bleiben. Das rheinische Blatt bezweifelt, daß dieser Betrag durch Beseitigung von Mißständen auf dem Ver­waltungswege eingespart werden kann. Das Blatt ist der Ueberzeugung, daß die Volkspartei ein solches Kompromiß nicht annehmen wird.

Rehabilitierung Dr. Salingers.

Berlin, 25. Sept. (WTD.) Der Polizei­präsident hat am 19. September an den Zentralverband der Eisen-, Stahl- und Dlech- warenindustrie, in dem der seinerzeit im Zu­sammenhang mit den Bombenatten­taten verhaftete Dr. Salinger tätig ist, ein Schreiben gerichtet, in dem er seststellt, daß die polizeilichen Ermittlungen hinsichtlich des Herr Dr. Salinger völlig abgeschlossen seien und daß keinerlei Anhaltspunkte dafür vorlägen, daß Dr. Salinger an den Sprengstoffanschlägen beteiligt sei oder von ihnen gewußt habe. Don dem damaligen Ver- i acht sei Dr. Salinger jetzt als völlig ge­reinigt anzusehen.

Spaltung der Evangelischen Volksgemeinschaft.

D a r m st a d t, 25. Sept. (Wolff.) Was man in unterrichteten Kreisen schon einige Zeit be­spricht, wird nunmehr öffentlich bekannt, daß Pfarrer Weidner, der Gründer der Evan­gelischen Volksgemeinschaft in Hessen, vier Jahre nach ihrer Gründung a u s g e s ch i e- d e n ist. Welche Gründe ihn zu diesem Schritt bewogen haben, ist noch nicht bekannt. Jedenfalls

Duell und Bestimmungsmensur.

Oie Beschlüsse desReichslagsausschuffes für Strafrechtsreform

Berlin, 26. Sept. (VDZ.) Der Reichstags- ausschuh für Strafrechtsreform setzte die Be­ratung der Strafbestimmungen für Zweikampf fort. Auf eine sozialdemokratische Anfrage wurde von einem Regierungsvertreter erwidert: Zn der Reichswehr seien Zweikämpfe seit 1926 nicht vorgekommen bis auf einen Fall, wo ein Marine­offizier einen anderen wegen tätlicher Beleidigung gefordert habe. Auch in diesem Falle sei der Zweikampf verhindert worden. Beide beteiligten Offiziere seien gerichtlich b e st rast und aus der Reichswehr entlassen worden.

Ministerialdirektor Schäfer (Reichsjustizmini­sterium) erwidert auf die Frage des Abgeord­neten Rosenfeld, bei den studentischen Be­st immu na smensuren müsse zunächst die Stellungnahme des Ausschusses zur Frage der Strafbarkeit abgewartet werden; sodann würden im Reichsjustizministerium die erforderlich er­scheinenden Maßnahmen erörtert werden. Be­denken äußert er gegen die Aufnahme einer Be­stimmung der obligatorischen Aberkennung der Amtsfähigkeit, da sie in vielen Fällen zu un­billigen Härten führen würde.

Abg. Dr. Wegmann (Z.) erklärt, er könne für die Destimmungsmensur keine achtenswerten Beweggründe sehen. Gr sehe darin auch keinen Sport.

Abg. Dr. Hanemann (Dn.) weist darauf hin, daß selbst Geheimrat Bier von der Hoch­schule für Leibesübungen die Mensur eine der unge fährlichsten Sportarten genannt habe. Er werde deshalb bei der zweiten Lesung die Herausnahme aus dem Gesetz beantragen.

Beim § 270 wurden gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Deutschen Volkspartei und der Demokraten die Aenderungsanträge des Zen­trums und der Sozialdemokraten angenom­men.

§ 270 erhält danach folgende Fassung:

DerZweikampfmilWaffen wird mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft, hat der Zweikampf den Tod des Gegners zur Folge, fo ist die Strafe Gefängnis nicht unter zwei Jahren."

Mit der gleichen Mehrheit (18 gegen 7) erhält § 271 folgende geänderte Fassung:

wer jemand zum Zweikampf heraus­fordert oder eine Herausforderung zum Zwei­kampf a n n i m m t, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft."

§ 272 lautet nach der Annahme von Aende- rungsanträgen des Zentrums und der Sozial­demokraten:

Sartetlträger, die ernstlich bemüht ge­wesen sind, den Zweikampf zu verhindern, und die zur ärztlichen hltfeteistung zugezogenen Personen sind straffrei."

Dadurch ist die im Entwurf vorgesehene Straffreiheit für Mitglieder des Ehrengerichts, für Zeugen und Se­kundanten aufgehoben. Unverändert wird § 273 angenommen, der bei der Verletzung der Kampfregeln die gewöhnlichen Strafen für Tötung oder Körperverletzung eintreten läßt.

§ 274 wird in folgender Fassung angenommen:

wer jemand dadurch, daß er ihm Verachtung bezeigt oder androht, oder in ähnlicher weise zu einem Zweikampf mit einem anderen a n r e l z l. wird mit Gefängnis bestraft."

Ebenso wird bestraft, wer jemand Verachtung (bisher: öffentliche Verachtung) bezeigt, weil die­ser eine Herausforderung zum Zweikampf unter­lassen oder nicht angenommen hat, oder wer zu bewirken sucht, daß ihm andere aus diesem Grunde Verachtung (statt: öffentliche Verachtung) bezeigen."

Angenommen wird mit 18 gegen 9 Stimmen ein neuer § 274a, der mit der Bestrafung wegen Duellvergehens immer die Aberkennung der Amtsfähigkeit verbindet. Weiter wird eine von den Sozialdemokraten beantragte Ent­schließung angenommen, die Reichsregierung zu ersuchen, bei den Landesregierungen auf eine dem Gesetz entsprechende gleichmäßige Verfol­gung der Mensuren zu dringen.

hat er eine neue Evangelische Volks­gemeinschaft mit dem MonatsorganEvan­gelische Rachrichten" gegründet. Zhren Rückhalt hat diese neue Gemeinschaft besonders tn Offen­bach und Oberhessen.

Bor einer Regierungskrisis m Thüringen?

Weimar, 25. Sept. (WB.) Die C h r i st l i ch ° Nationale Bauern- und Landvolk- Partei, die Wirtschaftspartei, die Deutschnationalen und die N a t i 0 n al- s 0 z i a l i st e n nahmen heute Stellung zur Haltung des Thüringer Landtages gegenüber dem A 0 ung - Plan. Es wurde ein Antrag angenommen, wonach die Regierung beauftragt wird, im Reichs rat gegen die Gesetzesvorlagen der Reichsregierung bctr. Annahme des Haager Abkommens zu stim­men. Dieser Antrag bedeutet praktisch die Spren­gung der Thüringer Koalition, da sich die vier genannten Parteien durch ihre Haltung in offenen Gegensatz zu den anderen Koalitionspar­teien, der Deutschen Volkspartei und den Demokraten, gestellt haben. Vor der Hand steht noch nicht fest, ob und wann der Landtag zu­sammentreten wird, da ein Antrag auf Einoeru- fung noch nicht vorliegt. Es ist aber anzunehmen, daß nunmehr die Auflösung des Landtags beschleunigt werden wird.

Oie Finanzierung der Lufthansa.

Berlin, 26. Sept. (Priv.-Tel.) Wie erinner­lich. ist durch Gesetz vom 29. Juni 1929 der Reichsfinanzminister ermächtigt worden, die Ver­pflichtungen zur Verzinsung und Tilgung einer f ü r den Betrieb von außereuropäi­schen Lu ft Verkehrs st recken von der Deutschen Lufthansa aufzunehmen­den Anleihe von 6 Millionen Reichs­mark bis zum jährlichen Betrage von 550 000 Reichsmark zu übernehmen. Man hat sich nun­mehr entschlossen, 3 Millionen Reichs­mark im Aachtragsetat anzufordern, so daß man mit der Aufnahme einer Anleihe zu­mindest bis zum nächsten Frühjahr warten kann. Diese Entscheidung ist offenbar im Hinblick auf die zur Zeit ja besonders ungünstigen Möglichkeiten für die Aufnahme einer Ausländsanleihe, an die man bisher gedacht hatte, erfolgt.

poincare und Rechberg.

Verschiedene Versionen über eine politische Unterhaltung.

Paris, 25. Sept. (WB.) Die Agentur Havas veröffentlicht aus Berlin folgendes Schreiben Arnold Rechberg s:

Es ist irrtümlich, daß Herr Poincar6 mich 1928 empfangen hat. Ich hatte im Gegenteil die Ehre, mit ihm im Frühjahr d. I. eine Unterredung zu haben, in der ich ihm meine Ansichten über die poli­tischen Folgen, die sich aus dem deutsch-französischen Kali-, Eisen- und Chemie-Abkommen aus den Jah­ren 1926 und 1927 ergeben, auseinandersetzte. Diese Ansichten hatte ich bereits vor Jahren in der fran- zösischen Presse zum Ausdruck gebracht. Der Mi­nisterpräsident hat mir gesagt, daß er mit eini­gen meiner Vorschläge durchaus ein» verstanden fei, doch machte er Vorbehalte bezüglich anderer. Zum Schluß unserer Unterredung erklärte er mir, daß derartige Verhandlungen letzten Endes durch die offizielle Diplomatie verwirklicht werden müßten. Der Eindruck, den ich aus der Besprechung hatte, war, daß, trotzdem PoincarL die französischen Interessen ebenso hart­näckig verteidigte wie ich selbst die Interessen meines Vaterlandes, eine weitgehende Einigung a u f der realen Grundlage weitgehen­der Interessen, die Frankreich und Deutsch­land gemeinsam haben, durchaus verwirklicht wer­den könnte."

Das Schreiben Arnold Rechbergs ist von Havas dem ehemaligen französischen Ministerpräsidenten zur Kenntnis gebracht worden. PoincarS b e -- (tätigte, daß er Rechbera tatsächlich Anfang 1929 und nicht Ende 1928 empfangen habe. Er habe jedoch nicht gesagt, daß derartige Verhandlungen

letzten Endes von der offiziellen Diplomatie verwirklicht werden könnten, sondern: Diese Ver­handlungen könnten nur auf offiziellem Wege verwirklicht, ja überhaupt eingeleitet und fortgeführt werden. Aus diesem Grunde habe er Rechberg nicht wieder empfangen. Ha­vas fügt hinzu: Es ist übrigens wichtig, daß Poin- car6 nicht a priori den Gedanken an eine An­näherung, über den er sich stets sehr günstig ge­äußert hat, ausgeschaltet hat.

Sie Organisierung der Weltbank.

Der Ausschutz wird in Baden-Baden zusammentreten.

Berlin, 25. Sept. (TU.) Wie von zustän­diger Stelle mitgeteilt wird, ist es bereits als ziemlich sicher anzusehen, daß der Organi­sationsausschuß für die Dank für internationale Zahlungen demnächst in Baden-Baden zusammentreten wird. Eine Einladung des Gouverneurs der Bank von Frankreich an die Rotenbankpräsidenten zur Ent­sendung von Vertretern dürfte in absehbarer Zeit zu erwarten sein. Ueber die Berufung öer amerikanischen Mitglieder des Ausschusses ist unter den Rotenbankpräsidenten bereits volles Einvernehmen erzielt worden. Sobald die Rotenbankpräsidenten die verschie­denen Mitglieder des Ausschusses ernannt ha­ben werden, wird der Gouverneur der Dank von Frankreich in seinem und im Ramen der anderen Präsidenten die beiden amerikanischen Vertreter, Z. E. Reynolds und M. A. Tai- l 0 r. formell ernennen.

Das neue Kabinett in Litauen.

Warum Woldcmaras gestürzt wurde.

K 0 w n v, 25. Sept. (WTB.) Der neue litauische Ministerpräsident Tubelis gab heute vor Vertretern der Presse Erklärungen ab, in denen er nach der Feststellung, daß der Präsi­dent der Republik gegenwärtig im Leben des Staates eine besonders hervortretende Rolle spielt, weiter ausführte, es werde die wichtigste Sorge der Regierung sein, die politische und wirtschaftliche Lage des Landes zu konsolidieren. Um dem Grundgedanken der Verfassung zur Ver­wirklichung zu helfen, werde die Regierung ge­wisse Reformen, insbesondere auf dem Ge­biet der K 0 in m u na l w a h l e n, vornehmen. Sie werde aber auch neue Gesetze über die Wa h - len zum Parlament und über die Präsi­dentenwahl einbringen. Außerdem werde man um eine schrittweise Lösung der Fragen des Kriegszustandes und der Pressezensur be­müht sein. Die auswärtige Politik werde dieselbe bleiben und sich um d i e Wilna-Frage als Mittelpunkt orientieren. Schließlich erklärte der Ministerpräsident noch, die Ursache zum Rücktritt seines Vorgängers Woldemaras sei auf eine Meinungsverschiedenheit mit seinen Ministerkollegen zurückzuführen. Es habe sich ha­bet um die Frage gehandelt, ob denRessort- m i n i st e r n bei ihrer Mitarbeit an den Regie­rungsgeschäften Ranggleichheit mit dem Ministerpräsidenten zukomme, oder ob sie dem Ministerpräsidenten unterstellt seien. Der Präsident habe die Krise zugunsten des Prinzips der Ranggleichheit gelöst.

EnglisH-russischeVerhandlungen.

London, 25. Sept. (TU.) Der russische Bot­schafter D v w g a l e w s k i traf Mittwochnach- mittag um 4 Uhr, begleitet von einem Sekretär, im Auswärtigen Am t ein. Die Unterhal­tung mit dem englischen Außenminister währte nur eine halbe Stunde. Von feiten des Aus­wärtigen Amtes wurde keinerlei Mittet - I u n g über das Ergebnis der Verhandlungen herausgegeben. Es gilt als wahrscheinlich, daß die Unterhaltung am Donnerstag fortgesetzt werden wird. Optimistische Auslassungen Dowga- lewskts, die in London verbreitet wurden, werden in politischen Kreisen als ziemlich verfrüht bezeichnet. Man weist daraus hin, daß die Ar- beiterregietung zwar in einer schwierigen

Lage deswegen sei, weil sie sich bet den Wahlen auf Wiederaufnahme der Beziehungen zu Ruß­land festgelegt habe, während man jetzt die russischen Verhandlungen als eine Angelegenheit zweiter Ordnung betrachte. Aber auf der anderen Seite ist die Regierung verpflichtet, die Be­ziehungen zu Rußland nicht ohne die Zu­stimmung des Parlaments wieder auf­zunehmen. Demnach ist die Lage so. daß Hen- derson und Dowgalewski nach Belieben Unter­haltungen und Besprechungen führen können, aber die wirkliche Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen kann erst nach dem Wiederzusammentritt des Parla­ments erfolgen.

Aus aller Welt.

Die Schweizer Fahrt desGraf Zeppelin".

Friedrichshafen, 26. Sept. (WTD. Funk­spruch.) Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist heute vormittag 8.25 Uhr unter Führung Dr. Eckeners programmähig zu der auf acht Spinden berechneten Fahrt nach der Schweiz a u f g e ft i e - gen. Da der steife Ostwind, der eine Hinaus­schiebung der Fahrt befürchten lieh, im Laufe der Rächt ganz aufgehört hatte, standen der Durchführung der Fahrt keine Hindernisse mehr im Wege. Um 8.20 Uhr wurde das Luftschiff aus der Halle gezogen. Der sonnige klare Herbstmorgen versprach einen herrlichen Verlauf der Reise. An Dord befinden sich 28 Passagiere, meist schweizerischer Ratio- nhlität, darunter auch die Gattin des an der Weltfahrt beteiligt gewesenen Schweizer Groß­industriellen Christoph Zs e l in, Zürich, mit ihren beiden Töchtern. Der Start vollzog sich ohne Verzögerung. Von der Sonne herrlich beleuchtet, erhob sich das Luftschiff nach einer Schleife über dem See und nahm Kurs nach Westen.

Personalabbau der Berliner Banken.

Die Berliner Banken führen einen umfangreichen Personalabbau durch. Nach einer Mitteilung der Konjunktur-Korrespondenz wird die Disconto- Gesellschaft etwa 10 v. H. ihrer gesamten Be­legschaft, das sind rund 400 Angestellte, bis 3um Jahresschluß abgebaut haben. Die Deutsche Bank plant den Abbau von 200 bis 300 Ange­stellten in den Wintermonaten, und zwar in der Hauptsache infolge Zusammenlegung der Effekten­abteilungen der Depositenkassen mit der Zentralkasse. Die Dresdner Bank hat bereits im ersten Halbjahr 1929 über 100 Angestellte entlassen. Beim Berliner Kassenverein dürften 5 v. H. des Personals abgebaut werden. Auch bei den Pri­vatbanken ist ein Personalabbau festzustellen. Der Allgemeine Verband der Deutschen Bankange­stellten veranstaltete eine Kundgebung gegen den Abbau der Angestellten im Banlgewerbe. In einer Entschließung wird gegen den neuerlichen Personalabbau Protest eingelegt. Der Abbau sei viel zu weit getrieben worden, wie die andauernde Ueberstundenwirtschaft beweise.

30 Schwerverletzte bei einem Ausverkauf in Amerika.

Ein Brooklyner Warenhaus, das einen Aus­verkauf von Kleidern und Mänteln $u einem DoNar das Stück angezeigt hatte, zog eine ge­waltige Menge von Käufern an. Der Andrang vor dem Warenhaus war so groß, daß die Vomstehenden in die Schaufenster ge­drückt wurden, wobei mehr als 30 Frauen und Kinder schwer verletzt wurden.

Lin Rill ParisBarcelona.

Die französische Reiterin Rachel D 0 r a n g e, die bekanntlich den Ritt ParisBerlin ausgefüyrt hat, hat ihren neuen Plan, d i e Strecke Paris Barcelona 3 u Pferde 3urück3ulegen, durch- teführt. Sie ist in Barcelona angekommen, wo der ioloklub ihr 3U Ehren einen Empfang veranstaltete.

Sechs Arbeiter im Steinbruch verschüttet.

In einem Steinbruch bei Bateney im Departe­ment Oise sind durch Herabstür3ende Erdmassen sechs Arbeiter verschüttet worden. Zwei von ihnen konn­ten nur als Leichen geborgen werden.

Oie Wetterlage.

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BZeLtervocaussage.

Das Hochdruckgebiet, dessen Kern noch über Deutschland liegt, bestimmt weiterhin die Wetterlage, so daß der herrschende Witterungscharakter mit seinem nächtlichen Temperaturrückgang bis in Ge­frierpunktnähe anhält.

Wettervoraussage für Freitag: Weiterhin nachts sehr kühl, morgens stellenweise neblig, tagsüber meist heiter und mild, trocken.

Wettervoraussage für Samstag: Im allgemeinen wenig Aenderung der Wetterlage.

Lufttemperaturen am 25. September: mittags 17,2 Grad Celsius, abends 9,6 Gr.d; am 26. September: morgens 4,6 Grad. Maximum 17,2 Grad, Minimum 2,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. September: abends 16,3 Grad; am 26. Septem­ber: morgens 10,6 Grad Celsius. Sonnenschein­dauer 85i Stunden.