Ausgabe 
26.6.1929
 
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Oer Sieg des (Asaß.

Vierzehn Tage hat Dr. Roos, der mit aller Gewalt zum Rebell und zum Verräter an Frank­reich gestempelt werden sollte wie vor ihm schon die Autonomisten in Colmar, vor den Geschworenen in Besan^on gekämpft und hat dabei gesiegt. Cs ist dabei nicht ohne Pikan­terie, dah auf elsässischem Boden ein Schuldig gesprochen werden konnte, während die Geschwo­renen französischer Rationalität die Schuldfrage verneinen; beides zweifellos ein politisches Ur­teil nur mit dem Unterschied, daß die geborenen Franzosen sich als die Klügeren erwiesen haben. Sie gaben durch ihren Freispruch den Franzosen noch eine wahrscheinlich die letzteI Chance, den seelischen Verlust Elsaß-Lothringens zu ver­hüten. Denn gerade das Colmarer Urteil hat gezeigt, wie gefährlich es ist, auf diesem Gebiet Märtyrer zu schaffen, die autonomistische Be­wegung war in ihren Anfängen so schwach, daß sie von der französischen Regierung durch das leiseste Entgegenkommen im Handumdrehen ver­nichtet werden konnte. Sie ist so groß und stark geworden erst aus dem Trotz und aus der Sorge heraus, dah der französische Kurs die Romani- sierung dieses alten deutschen Landes mit aller Gewalt erzwingen wollte.

Welche Umschichtung in wenig mehr als einem Jahrzehnt! Als die Franzosen ins Elsaß ein­rückten. wurden sie von der überwiegenden Mehr­heit der Devöllerung als Erlöser begrüßt. Das war für Deutschland schmerzlich, aber psycho­logisch verständlich. Sn den fünf Sahren des Krieges war Elsah-Lothringen mehr oder minder Front, stand also unter den härtesten Kriegs­gesehen, die noch dadurch verschärft wurden, dah einzelne von ihnen zu Verrätern an der deutschen Sache geworden sind und dah der Milltarismus in schließlich berechtigter Rotwehr diese Erfah­rung verallgemeinerte. Genug, für unser altes Reichsland war der Einmarsch der Franzosen eine Erlösung von seelischen und körperlichen Leiden. Hnb es gehörte sicherlich nicht viel Ge­schick dazu, um die Sympathien zu erhalten, die offenen Herzens entgegengebracht wurden.

Die Franzofen haben das gerade Gegen­teil getan. Sie haben tatsächlich in wenigen Sahren Elsah-Lothringen besser germanisiert, als Deutschland das in fast einem halben Sahrhun- dert verstand. Die einst verlachte Autonomisten- bewegung toucfrä, obwohl sie ohne Geldmittel arbeiten muhte, zu einem riesenhaften Baum, der heute das ganze Land überschattet und die Parteien, die nicht mitmachen wollen wovon die Sozialisten ein trauriges Lied zu singen wissen, einfach erstickte. Die Geschworenen von Desan^on haben dem Autvnomismus nun bestätigt, dah er eine berechtigte Kul­tur b e w e g u n g ist. Erkennt die französische Regierung diese Feststellung an, zieht sie sofort die nötigen Folgerungen, indem sie eine Am­nestie erläht und künftig Sprache und Sitten der Bevölkerung achtet, dann kann sie vielleicht das Land für sich noch retten. Poincarä scheint für sich aus dem Urteil von Besan^on unver­züglich die Konsequenzen ziehen zu wollen, er hat dem Kabinett eine Generalamnestie für Elsah-Lothringen vorgeschlagen. Seine Minister­kollegen haben sich ihm angeschlossen, so dah nunmehr die französische Kammer über einen entsprechenden Gesetzentwurf abzustimmen haben wird. Poincare hat also offenbar eingesehen, dah er sich in Elsah-Lothringen mit Gewalt doch nicht durchsetzen kann, und will nunmehr durch eine allgemeine Versöhnung für eine Verschmel­zung der neugewonnenen Provinzen mit Frank­reich den Boden vorbereiten. Cs fragt sich aller­dings, ob die Generalamnestie ein Abebben der Heimatbewegung im Gefolge haben wird. Elsah- Lothringen hat gesehen, was es durch festes Zusammenhalten erreichen konnte, es wird sehr wahrscheinlich an der Heimatbewegung s e st h a l t e n, weil sie den besten Schutz gegen neue Uebergriffe der Franzosen darstellt, die sofort wieder in die Erscheinung treten werden, wenn man die Waffen streckt, in der Hoffnung, dah mit der Begnadigung der verurteilten Auto- uomisten auch ein grundsählicherWandel in der franzöfischen Elsah-Politik verbunden ist. OerBeschluß desMmisterrais.

Paris, 25. Sunt. (WTB.) Sm Ministerrat wurde auf Vorschlag des Ministerpräsidenten, des Ministers des Snnern und des Unterrichts­ministers beschlossen, in der Kammer einen Ge­setzentwurf über Amnestiemaßnah- men in Elsah-Lothringen einzubringen. Der Gesetzentwurf, der nur aus einem Artikel besteht, sieht völlige Amnestie vor 1. für alle in den drei elsaß-lothringischen Departe­ments begangene Vorgehen gegen die Artikel 87, 88 und 89 des Strafgesetzbuches, 2. für alle Ver­gehen von Beamten, die das Heimatbundmani- sest vont 5. Suni 1926 unterzeichnet haben und dafür diziplinarisch bestraft worden sind. Sn der Begründung dieses Entwurfes wird an das Urteil des Schwurgerichts von Desaneon erinnert, das das Bestehen einem Komplotts im Elsaß verneint.

England und die Sowjetunion.

Tie Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen.

London, 25. Suni. (WTB.) DerDaily Herold" meldet, dah der erste diplomatische Schritt zur Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zu Sowjetruhland erfolgt ist. Die Daldwinregierung hatte seinerzeit den Re­gierungen der Dominions versprochen, sie um ihre Meinung zu fragen, wenn die Frage der Wiederaufnahme der Beziehungen zu Sowjetrußland wieder auf die Tagesordnung komme. Da es unhöflich gewesen wäre, wenn man dieses Versprechen nicht eingehalten hätte, ist an die Dominions eine Mitteilung ge­kabelt worden, in der sie von der Absicht der britischen Regierung in Kenntnis gesetzt werden, die diplomatischen Beziehungen zu den Sowjets wiederaufzunehmen. Man erwartet, dah die Antwort der Dominions bald eingehen wird. DerDaily Telegraph" spricht von einer Spaltung des Kabinetts in der Frage der Wiederaufnahme der Beziehungen. Gin Teil der Minister fei für ein Uebergangsstadium, währenddessen beide Länder in den gegenseitigen Hauptstädten nur durch Geschäftsträger vertreten fein sollen, während ein anderer Teil für sofortige Ernennung von Bot­schaftern eintritt. Der britische Botschafter würde Kennworthh sein.

Sie Tragödie der feindlichen Mder.

Seginn des ToWagprozesses Friedländer in Zerlin.

Berlin, 25. Suni. (WTB.) Der Prozeß ge­gen den 19jährigen OK a n a ff e Friedländer, Der im Sanuar in der Wohnung seiner Eltern in Berlin, Passauer Straße, seinen Bruder Waldemar und dessen Freund Tibor Földes erschossen hat, hat heute vor dem Schwurgericht begonnen. Unter den sechs Ge­schworenen befindet sich auch eine Dame. Der Angeklagte ist ein schmächtiger, blasser und etwas kränklich aussehender junger Mann, der mit klarer und deutlicher Stimme auf die Fragen über seine Personalien antwortet. Cr ist in Petersburg geboren, wo sein Vater früher als wohlhabender Kaufmann gelebt hat. Sein von ihm getöteter Bruder Waldemar war um elf Monate jünger als der Angeklagte. Manasse hat eine Berliner Oberrealschule bis zur Tertia be­sucht, die Schule dann aber, weil er sitzen blieb, verlassen und in einer Vorbereitungsanstalt das Einjährige gemacht. Er ist dann in den photo­graphischen Verlag, in dem der von ihm er­schossene Tibor Földes als Laborant tätig war, als Laufbursche bzw. Lehrling eingetreten.

Mit dem jüngeren, aber körperlich kräftigeren Bruder war es in den letzten Sahren des öfteren zu brutalen Auftritten gekommen. Etwa ein halbes Sahr vor der Tragödie war der Angeklagte gegen ausdrückliches Verbot fortgegangen. Als er nach Haufe kam, wollte ihn die QKuttef strafen. Er wollte sich nicht schlagen lassen und hielt sie zurück. Da sprang der Bruder aus dem tßett, schlug ihn nieder und verprügelte ihn. Vor­sitzender:Wollte Sie die Mutter denn schla­gen? Sie waren doch schon 18 Sabre alt T An­geklagter:Sa, sie gab mir sofort Backpfeifen. Sie verhinderte auch nicht, daß mein Bruder mich verprügelte und gab ihm völlig recht. Am nächsten Tage erklärte mein Bruder, daß ich noch nicht genug bekommen hätte und warf mich mit Faust­schlägen nieder." Die Erörterung wandte sich dann den Vorgängen am Mordtage selbst zu. Der Angeklagte schilderte, wie nachmittags, als der ebenfalls von ihm erschossene Tibor Földes zu Besuch da war, fein Bruder Waldemar zu ihm ins Schlafzimmer kam. aus geringfügigem Anlaß Streit anfing und ihn mit Faustschlägen aus dem -Zimmer und über den Korridor trieb.

Als er im Korridor von feinem Bruder Walde- mar mit Faustschlägen mißhandelt wurde, hat er nach feiner Angabe sich plötzlich des Revolvers erinnert, den er Immer bei sich trug, hat ihn, yhne zu überlegen, herausgezogen und auf feinen Bruder gefeuert. Als auf die Schüsse hin T i b o r F ö l d e s , der sich in einem der Zimmer befand, die Tür nach dem Korridor aufrih, hat der Angeklagte, wie er behauptet, in dem Ge-

Deutscher Reichstag.

Berlin, 25. Suni. (VDZ.) Sm Reichstag steht auf der Tagesordnung die zweite Beratung des Sperrgesetzes fiir Rechtsstreitigkeiten über ältere staa11iche Renten. Der Rechts- ausschuß hat die Vorlage dahin geändert, daß die Vorschriften des Gesetzes nicht gelten sollen für Renten, deren derzeitige Bezugs­berechtigte Gemeinden, Alniöerfitäten oder sonstige Unterrichts» oder Erziehungsanstalten, Kirchen- gescllschaften, Llnterstützunaskafsen, Waisenhäuser, Krankenhäuser oder ähnliche gemeinnützige Unter­nehmungen sind.

Reichsjustizminister v. Guerard er­klärt: Dieses Gesetz entspricht einer Rotwendigkeit, die früher von allen Parteien anerkannt worden ist. Die Erregung weiter Volkskreise darüber ist begreiflich, dah eine ungeheure Auf­wertung verfügt wurde für Renten, die auf mittelalterlicher Grundlage be­ruhen. Es handelt sich um rund 9000 ältere Renten, die einen Aufwand von insgesamt 9 Mil­lionen Mark erfordern. Davon entfallen etwas weniger als 2 Millionen Mark auf Standes- Herren. Die Regierung könnte es nicht ver­antworten, wenn vor der in nächster Zeit zu er­wartenden gesetzlichen Reuregelung der Materie noch einzelne Rechtsstreitigkeiten nach dem gelten­den Recht entschieden werden, so daß sie von dem neuen Gesetz nicht berührt würden. Darum ist das vorliegende Sperrgesetz eine Notwendig­keit. Das Gesetz hat meines Erachtens keinen verfassungsändernden Charakter.

Abg. v. Lindeiner-Wildau (Tn.) führt aus, die preußische Regierung wolle sich hier des Mittels der Reichsgesehgebung bedienen, um s ich der Einlösung legal eingegan­gener Verpflichtungen zu entziehen. Sn der Hauptsache handele es sich dabei um die Ansprüche der srüher in der Landgraf­schaft Hessen regierenden Familie. 1925 wurden die Ansprüche der hessischen Familie von Preußen anerkannt. Seht, wo diese Anerkennung praktische Wirkungen haben sott, versucht der preußische Ministerpräsident, sich um die Erfüllung freiwillig eingegangener Ver­pflichtungen zu drücken auf dem Wege über die Reichsgesetzgevung. Den versafsungsändemden Charakter des Gesetzes hat Herr von Guörard selbst anerkannt, als er noch nicht Reichs­justizminister war. Seine Meinungsänderung in dieser Frage ist wohl darauf zurück^uführen, dah eine verfassungsändernde Mehrheit für die Vorlage nicht vorhanden ist. Das Gesetz ist nicht nur verfassungsändernd, sondern ge­radezu verfassungswidrig.

Abg. Dr. Wunderlich (D. Vp.) hält im Gegensatz zum Minister das vorliegende Sperr- geseh für verfassungswidrig. Wir wür­den einem Sperrgeseh auf kurze Zeit zustimmen, wenn es sich nicht erstreckt auf Streitigkeiten vor Schiedsgerichten oder vor deutschen Ge­richten, die zu Schiedsgerichten bestellt sind. Wir beantragen die Ausschaltung solcher Streitig­keiten aus dem Gesetz. Bei Annahme unseres Antrags würde auch der Streit zwischen dem preußischen Staat und dem Landgrafen von Hessen nicht durch das Gesetz berührt werden.

Abg. Dr. Kahl (D. 23p.) widerspricht dem Reichs- Minister m der Frage der 23erfassungsmäßigkeit der Dorlage. Das Sperrgeseh sei tatsächlich verfas­sungswidrig. Diese Meinung vertrete auch der bekannte Rechtslehrer Triepel. Dr. Kahl verliest einen Brief, in dem Triepel ausführt, die Annahme des Sperrgesetzes mit einfacher Mehrheit würde ein i.chwrrer Schlag gegen ditz Lerlafjuvg

fühl, daß jetzt beide Gegner über ihn herfallen wür­den, auch auf Földes geschossen und ist dann fast unmittelbar darauf aus dem Haus ge- stürzt, um sich der Polizei zu stellen. Während der Untersuchung hat der Angeklagte angegeben, daß ein Streit wegen eines jungen Mäd­chens als Motiv zu feiner Tat eine Rolle gespielt habe. In der heutigen Verhandlung hielt der Ange­klagte, als er auf den Widerspruch aufmerksam ge­macht wurde, seine früheren Angaben nicht mehr aufrecht und behauptete, das, was er in der Vor­untersuchung ausgesagt habe, habe er sich gewisser- maßen selb st suggeriert. Zum Schluß seiner Vernehmung erklärte er: Ich lebte ständig unter der Einschüchterung meines Bruders und hatte das Ge- fichl der Ohnmacht und Schwäche ihm gegenüber. Dadurch hat sich ein Haß gegen ihn in mir ent- wickelt. Da meine Mutter durchaus parteiisch war, und niemand zu Hause war, der meinem Bruder fein Unrecht vorhielt, wuchs bei mir das Ohnmachts- gefühl. Ich wollte es überwinden, und da griff ich zum Revolver und habe alles niedergefchoffen.

Cs wurde sodann mit der Vernehmung der Zeugen begonnen. Der 17jährige Schüler Hans Sternbach gab an, daß Waldemar allen Sungens als Kraftmeier erschien, und daß er stets mit seinen Körperkräften protzte. Sn- folgedessen zogen sich die meisten Sungens von ihm zurück. Der Zeuge hat auch gesehen, wie Waldemar Manasse schlug und mit Boxschläge traktierte. Waldemar habe von seinem Bruder stets in Schimpfworten gesprochen und sich dem Zeugen gegenüber einmal geäußert, dah er Ma­nasse nicht ertragen könne. Der Zeuge glaubt, daß holdes viel Schuld an der schlechten Be­handlung Manasses durch feinen Bruder hatte, weil er Waldemar stets aufhetzte. Vorsitzender: Spielte nicht eine Sache mit einem Mäd­chen hinein? Zeuge: Ich wußte, daß Földes mit einehi Mädchen befreundet war, und glaubte, bei einem Geburtstag bemerkt zu haben, daß auch Manasse dieses Mädchen sehr gern hatte. Der Bilderredakteur Belda, ein Angestellter des Ver­lages, bei dem auch der Angeklagte gearbeitet hatte, erklärte, daß der Angeklagte häufig ohne Be­zahlung Ueber stunden machen wollte. Wenn er zum Nachhausegehen aufgefordert wurde, habe er erklärt, er wisse nicht, wo er hin solle, er habe kein Heim. Uebrigens sei der Angeklagte ein sehr ehrgeiziger Mensch gewesen, der sich stets mit phantastischen Gedanke und Plänen trug. Der 20jährige Vetter des Angeklagten, der Student Ja­kob Friedländer gibt an, dah Waldemar der Lieb­ling der Familie gewesen sei und bevorzugt wurde. Eine lieblose Behandlung des Angeklagten hat der Zeuge jedoch nicht beobachtet.

fein. Das Sperrgefetz verstoße gegen die Artikel 109 (Rechtsgleichheit aller Deutschen) und gegen Artikel 105 der Verfassung, daß niemand feinem ordentlichen Richter entzogen werden dürfe. Die generelle Fas­sung des Gesetzes sei nur eine Verhüllung der Tatsache, daß man damit nur eine Anzahl b e - stimmter Personen treffen wolle. (Lebhaftes Hört! Hört! rechts.)

Abg. Heilmann (S.): Das Gesetz ist nach un­serer Auffassung nicht verfassungsändernd. Wir fin­den es unmoralisch, wenn die preußische Re­publik heute noch der Familie der Landgrafen von Hessen eine Jahresrente von 708 000 Mark zahlt, die Bismarck nach 1866 diesen Fürsten als Lohn dafür bewilligte, daß sie die Pro­teste des hannoverschen Königshauses nicht mitmach» ten. Wenn diese Angelegenheit dem volksparteilichen Antrag entsprechend aus dem Gesetz herausgenom- men wird, dann werden die hessischen Ansprüche 60 oder 80 Prozent aufgewertet. Solche Leistungen aus den Mitteln der Steuerzahler sind moralisch nicht begründet.

Abg. Dr. Bredt (W. P.) erwidert dem Abg. Heilmann, es sei leider schon zur althergebrach­ten Hebung geworden, dah V er fasfungs- widrigkeiten mit ve rf a s s u n g s ä n- herüber Mehrheit be schlossen würden. Wir werben dem Antrag Wunderlich zustimmen, der bas Gesetz nicht auf Schiedsgerichtsverfahren anwenden will. Eine Verfassungsänderung liegt zweifellos in bem Gesetz.

Abg. Landsberg (S.) meint, der Wider­spruch gegen bas Sperrgesetz sei nicht zu ver­stehen bei Abgeordneten, die die Unhaltbar- keit des bestehendenRechtszustandes anerkennen. Wenn bas Reichsgericht anderer An­sicht sei, als der Reichstag, so könne es bas Gesetz für ungültig erklären. Die Cmminger-Der- orbnung von 1924 habe auch wie bas vorliegende Sperrgesetz für längere Zeit vielen Staatsbürgern die Ausfechtung von Rechtsstreitigkeiten unmög­lich gemacht.

Abg. Dr. Haas (Dem.) gibt für feine Fraktion die Erklärung ab, die Demokraten sähen das Gesetz als verfassungsändernd an und würden deshalb gegen den Antrag Heilmonn stimmen. Sie würden aber auch gegen den Antrag Wunder­lich sein.

§1 der Vorlage wird angenommen mit den Stimmen der Linken, gegen die Deutschnationalen und Minderheiten, der Deutschen Volkspartei, der Bayerischen Volkspartei und der Wirtschaftspartei. Der Antrag Wunderlich auf Ausschaltung der Schiedsgerichtsverfahren aus dem Gesetz wird a b - gelehnt.

§2 des Gesetzes wird hierauf im Hammelsprung mit 197 gegen 149 Stimmen angenommen. Der Antrag Heilmann, in der Einleitung die Bemerkung über den verfassungsändernden Charakter des Ge­setzes zu streichen, wird im Hammelsprung mit 183 gegen 171 Stimmen angenommen. Danach ist das Sperrgesetz mit einfacher Mehrheit angenommen.

Abg. o. Lindeiner-Wildau (Dntl.) erklärt, es müsse festgestellt werden, daß der Reichstag heute zum erstenmal durch Mehrheitsbeschluß gegen einzelne Regierungsparteien s i ch selb st die Verfassungsmäßigkeit seiner Beschlüsse besche in igt habe. Die Deutschnationalen müßten dafür die Verantwortung ablehnen.

Präsident Lobe: Das ist nicht richtig Der Reichs­tag hat durch diesen Beschluß lediglich den dazu berufenen Instanzen die Entscheidung über die Ver­fassungsmäßigkeit des Gesetzes überlasten.

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Aus aller Wett.

König Fuad verabfchiedel sich vom Reichspräsidenten.

König Fuad hat vor seiner Abreise von Mün­chen nach Prag an den Reichspräsiden­ten folgendes Telegramm abgesandt:'Beim Verlassen Deutschlands, wo ich einen außerordent­lich angenehmen Aufenthalt gefunden habe, danke ich für die herzliche Gastfreundschaft und den so warmen Empfang, den ich durch Euere Exzellenz, die Reichsvegicrung und das deutsche Volk ge­funden habe. Es drängt mich, Euer Exzellenz die 03ersicherung meines lebhaften Dankes zu übermitteln mit der Beteuerung der aufrichtigen Wünsche, die ich für das Wohlergehen Euer Exzellenz und für das Gedeihen Deutschlands hege."

Das Schicksal bet .Jlamanda".

Obwohl bisher noch keine Nachrichten über den Verbleib des WasserflugzeugesThimancia- einge­gangen sind, mit bem Die spanischen Flieger Franco, Gallarza und Ruiz Alba am Freitag zum Transozeanfluge starteten, ist man in Spanien optimistisch gestimmt, vor allem, weil bas Wetter über bem Meer bei ben Azoren schön ist. Dieser Umstand berechtigt nach Ansicht ber Sachverständi­gen zu ber Auffassung, baß dieNumancia", zum Niedergehen auf bem Meere gezwungen, auf dem Wasser treibe und, wenn auch sehr langsam, nach den Inseln steuern könne. Vier ior« pedobootszerstörer sind nach ben Azoren in See gegangen. Außerbem ist bas vor Gibraltar liegende britische FlugzeugmutterschiffEagle" mit 27 Flug­zeugen an Bord nach ben Azoren in See gegangen. DieNumancia" ist sehr kräftig gebaut uno kann sich barum unbegrenzte Zeit auf dem Meere halten.

Der zweite lutherische TBelttonoenL

Sn Kopenhagen tritt am Mittwoch der zweite lutherische Weltkonvent zusammen. Ab­geordnete des Luthertums aus aller Welt wer­den erwartet. Die lutherische Kirche Ame­rikas sendet 29 Vertreter, Deutschland 37, die skandinavischen Länder 30. Auch die lutherischen Kirchen Sn bien 8, Chinas und Sapans werden vertreten sein. An der Spitze der deutschen Abordnung stehen die lutherischen Landesbischöse von Sachsen, Hannover, Mecklen­burg, Schleswig-Holstein und Braunschweig, der Kirchenpräsident von Bayern, der Landesober­pfarrer von Thüringen und daneben eine statt­liche Anzahl von 'Vertretern der lutherischen Konsistorien und Synoden. Reben den eigent­lichen Fragen der lutherischen Weltanschauung wird sich der Konvent mit den gemeinsamen praktischen Aufgaben des Luthertums auf den verschiedenen Gebieten deS öffentlichen und kirch­lichen Lebens (Sugend, soziale Arbeit, Missions- felder, Presse und anderes) beschäftigen.

Lin folgenschwerer Irrtum.

Ein Flieger der mexikanischen Bundestruppen ent­deckte bei einem Erkundungsflug in der Nähe von Sarranca eine Truppenabteilung, die sich verschanzt hotte. In der Annahme, daß es Aufständische seien, warf der Flieger Bomben ab. In Wirklichkeit handelt es sich um Bundes- truppen, von denen durch die Fliegerbomben ein Offizier und 15 Mann getötet und 15 Mann verwundet wurden.

Ein ungewöhnliches Wiedersehen Im Gerichlssaal.

Während einer Verhandlung vor dem Schwur- geeicht Stade erkannte die Angeklagte in einem Ge- schworenen ihren Bruder, den sie seit 26 Jahren nicht mehr gesehen hatte und der sie nicht wiedererkannte. Die Verhandlung mußte zur Ladung eines anderen Geschworenen vertagt werden.

Oie Wetterlage.

Thorsh.

la (oruna.

Dienstag, d.25. Juni 1929, 7" aMs.

©wolkenlos.O heiter o naio oeoecxL »wolkig. ®oedetxi,lteoe<\

* Schnee & Graupeln a Neoei K Gcwitur.(§)wind$tiiie. «O-> seht leichter Ost massiger Südsüdwest Q stürmischer «ordwest Die Pfeile fliegen mit dem winde Oie oeioen Stationen stehenden Zah­len gehen die Temperatur an. Die Linien verDmden Orte mit gleichem aut neeresmveau umgerechnelen Luftdruck

Wettervoraussage

Der Einfluß der nordöstlichen Störung geht mit der weiteren Abflachung feinem Ende zu. Mit dem Zustrom kühler Lustmassen seht lang­samer Darometeranstteg ein, und unter feinem Einfluß geht die Bewölkung zurück, so daß es zu aufheiterndem Wetter kommt. Wenn sich auch zunächst die Kallluft noch aus die Temperaturen auswirkt, so werden sie doch mit dem Abflauen der Luftzufuhr durch die Sonnenstrahlen allmäh­lich 'tagsüber wieder ansteigen.

Wettervoraussage für Donners­tag: Wolkig mit Aufheiterung, noch mäßig warm, jedoch langsamer Temperaturanstieg, trocken.

Wettervoraussage für Freitag: Mehr aufheiterndes Wetter und weitere Er­wärmung.

Lufttemperaturen am 25. Suni: mittags 12,9 Grad Celsius, abends 10,6 Grad: am 2K Juni: morgens 12,6 Grad. Maximum 13,2 ®rab Minimum 9,4 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. Juni: abends 14,1 Grad: am 26-Juni: morgen; 18,4 Grad Celsius. __________*

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Das Spmgefeß für standeshmliche Renten