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Kettag, 26. April 1929

<79. Jahrgang

Nr. 97 Erster Blatt

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Spitzenbetrag von 150 Millionen Mark geblieben, der durch einen Kontokorrentkredit der Banken ge­deckt worden fei. Die Kassenlage habe sich im April verschlechtert infolge der weiteren A n - sprüchederArbeitslosenversicherung, die im April 65 Millionen Mark betragen haben und voraussichtlich im Mai weitere 30, im Juni wei­tere 15 Millionen betragen werden. Bis Ende Juni wird also die Arbeitslosenversicherung insgesamt 370MillionenReichs markin Anspruch genommen haben. Dabei ist der S t e u e r e i n - gang infolge der Verhältnisse in der Landwirtschaft, in Gewerbe usw sowie der Nachlässe und Stundun­gen stark verlangsamt. Die Kassenlage hat sich im April um 30 Millionen gegenüber März ver- chlechtert. Gestern ist deshalb mit den Banken ein Kredit im Betrage von 17 0 Millionen Mark abgeschlossen worden, indem sie Dreimonat- Schatzanweisungen zu 7,5 und | Prozent Provision übernommen haben. Zur Behebung der Schwierig­keiten der Kassenlage müßte nun eine Reihe von Maßnahmen ergriffen werden. Die Reform der Arbeitslosenversicherung mit dem Ziele, das Reich von stoßweisen Ansprüchen der Versiche­rung zu entlasten, sei die dringend st eAuf- gäbe. An Stelle der Inanspruchnahme der Ban­ken, die künftig aufhören müsse, würden verschiedene Maßnahmen erwogen. Die K a s s e n f e h l be­trüge seien abgegrenzt und dürften und würden nicht erweitert werden. Maßnahmen seien nun notwendig, um für einen Spezialbedarf dauernd Deckung zu suchen. Das Kassendefizit müsse allmäh­lich abgedeckt werden. Die Folge einer stärkeren In­anspruchnahme des Geldmarktes durch das Reich könne nur eine Verknappung der Mittel

Minister Hilferding über die gespannte Kaffenlage des Reichs

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Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer vis zum Nachmittag vorher.

preis für 1 mm HSHe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- . hlameanjeigen oon 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20'/. mehr.

Thefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich fürPolittk Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton vr.tz.Thyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filler, sämtlich in Gießen.

für d i e Wirtschaft sein. Das sei sehr bedauer­lich, aber keinesfalls eine Gefährdung der Währung,

Umfange verantwortlich. Seit vier Jahren halte das Transferkomitee jeden Monat eine vertrau­liche Sitzung ab. Niemals sei bisher ein Wort in die Oeffentlichkeit gelangt. Ausgerechnet die Mitt­woch-Sitzung sei durch eine Indiskretion der französischen Presse bekanntgegeben.

Oie schwierige Kreditlage.

Beurteilung in England.

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Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.

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Präsidenten aufzufahren.

In diesem Kamps gegen Schacht spielt nun aber Parker Gilbert eine recht unglückliche Rolle, weil er durch Mitteilungen über Bera­tungen innerhalb des Transjerkomitees den Fran­zosen das Stichwort gab. Schon einmal ist der Reparationsagent unangenehm ausgefallen, das war um die Jahreswende, als er seinen Be­richt veröffentlichte, durch den er von vorn­herein die alliierten Sachverständigen veran­laßte, mit allerhöchsten Forderungen in die Er­scheinung zu treten. Er mutz jetzt sehen, daß seine Transferpolitik unsere Gold- und Devisenbestände gewalt g z isarnrnenschmelzen läßt, mutz befürchten, baß man ihn für alle Folgen verantwortlich macht und sucht jetzt alle Schuld auf den Reichsbankpräsidenten abzu- wälzen.

Oie Hetze der Havasagentur.

Tie Reichtzbank stellt richtig.

Berlin, 25.April. (TU.) Amtlich wird mit- geteilt:Die gestrige Sitzung des Transfer- komitees hat der havasagentur Anlaß zu Kom­binationen und Schlußfolgerungen gegeben, die nicht anders gewertet werden können, als eine beabsichtigte Untergrabung des deut- fchen Kredites im Ausland. Sie behaup­tet, daß gewisse ausländische Banken es für klüger erachtet haben, ihre Depots aus Deutsch­land zurückzuziehen. Bisher ist von einer solchen Zurückziehung ausländischer Kredite in Deutschland noch nichts zu spüren gewesen. Wenn diese versteckte Aufforderung der Havasagentur aber zu solchen Zurückziehungen führen sollten, dann wird man wissen, von wel­cher Seite zuerst das Signal dazu und zu den sich daraus etwa ergebenden Transfer- (chwierigkeiten gegeben worden ist. Offenbar haben die Mitglieder des Transferkomitees das Unverantwortliche und Gefährliche einer solchen Stimmungsmache in der Presse erkannt, denn die Reparationskommission hat heute solgende amt­liche Verlautbarung herausgegeben:

.Der Transferausschuß hat gestern seine üb­liche Monatssihung abgehalken. Entgegen den in der presse erschienenen Rachrichten haben weder der Ausschuß selbst noch der Vorsitzende irgendeine Mitteilung an den Reichsbankpräsidenten hinsichtlich des Dis­kontsatzes der Reichsbank gemacht. Der Aus­schuß hat, wie allmonatlich, die üblichen Trans­ferierungen auf Reparationskonto genehmigt.'

Tatsächlich Hal die Reichsbank den Devisen- und Goldabsluh in der letzten Zeil mit steigender Sorge verfolgt und war bereits vor der Sitzung des Transserkomitees zu einer 6t- höhung des Diskonles entschlossen. Sie hat nur den Wochenausweis vom 23. April noch abgewartet, um sich einen vollen Aeberblick über den Gefamtslatus der Reichsbank zu verschaf- fen, um das Ausmaß der notwendigen Diskont­erhöhung beurteilen zu können. Sie hat, sobald die­ser Ausweis vorlag, die sich daraus 'rgebende K 0 tt- iequenz gezogen."

Mißlungene Einfchüchtemngsversuche. Rückzugsgefechte der Pariser Presse.

Paris, 26. April. (WTD. Funkspruch.) Nach­dem gestern die meisten Blätter, wie gemeldet, sich in Angriffen auf die Politik der Reichsbani unb Reichsbankpräsibent gefallen haben, ver­suchen heute die meisten, sich eine 'Rückz u g s - linie baburch zu schaffen, bah sie bas Ver­halten der deutschen Delegation bet der Aepara- tionSkonferenz kritisieren. Am bezeichnendsten ist, daß dasEcho de Paris" den General­agenten für die Reparationszahlungen, Park e r Gilbert, angreift, weil er den ^at- sachen entsprechend feststellte, bah das Trans­ferkomitee sich nie in die Diskontpolitik der

Die Pariser Presse hat wie aus ein gegebenes Signal zu einer scharfen Offensive gegen den Reichsbanlpräsidenten Dr. Schacht angesetzt, bem in jeber Tonart ber Borwurf gemacht wirb, bah er nicht nur bie Reparationskonferenz sabotiert habe, fonbem auch jetzt bewußt auf eine neue beatsche Inflation hin st euere, um bie Gläubigerstaaten zu be­trügen unb sie um bie Erfüllung ihrer angeb­lich berechtigten Ansprüche bem Deutschen Reich gegenüber zu bringen. Herr Dr. Schacht hat in ven letzten brei Monaten manchen Borwurf der Franzosen stillschweigenb eingesteckt, er hat sich burch keinerlei Quertreibereien irremachen lassen unb hat weder durch Drohen noch durch gütliches Zureden irgendwelche Konzessionen ge­macht, bie sich mit unserer Leistungsiähigkeit nicht vertragen. Seine eiserne Stanbhaftigkeit war es, die den Franzosen schon seit Wochen an bie Aer- ven ging, bie sie zu immer neuen Wutausbrüchen gegen ihn veranlaßte und die sie jetzt bewogen bat, schwerstes Geschütz gegen den Reichsbank-

wird darin gesehen, daß sich die I n d u ft rie­ft e b 11 e in der ganzen Welt erheblichver­teuern werden. Die unfreundlichen Kommen­tare von französischer Seite machen sich die eng­lischen Finanzkreise nicht zu eigen.

So meldet der Pariser Korrespondent desDailt; Telegraph": Einige Pariser Blätter beschuldigen Dr. Schacht, er suche vorsätzlich die finanzielle Lage Deutschlands so zu gestalten, daß der Transfer deutscher Daweszahlungen an die Gläubigerlander unmöglich werde. Z u st ä n d i g e alliierte Kreise aber schenken der Behauptung, daß ber Reichsbankpräsident absichtlich einen so gefährlichen Weg einschlagen sollte, keinen Glauben. In den Kreisen der alliierten Sachverständigen wird die alarmierende Auffassung der Pariser Presse über die deutsche Finanzlage nicht g e t e i l t: doch wird zuge­geben, daß die deutsche Finanzlage so ist, wie cs für den Fall eines Mißerfolges der Konferenz erwartet wurde. Von zuständiger Seite wird der Ansicht Aus druck verliehen, daß es gegenwärtig äußerst schwierig sein würde, eine deutsche Anleihe in London oder Reuyork aufzulegen. Denn eben wie eine Regelung den deutschen Kredit ungeheuer ge steigert haben würde, so sei er durch die Gefahr des Scheiterns der Verhandlungen beeinträchtigt worden. Die Aussichten für ein glattes Funktio­nieren des Daroesplanes, das von allseitig gutem Willen abhänge, werden ganz offen als ro e n i g e r günstig, als vor Zusammentritt der Konferenz bezeichnet.

denn die Reichsbank selbst sei in keiner Weise ge­nötigt, deshalb ihre Kreditgewährung auszudehnen. Die Währung stehe also unter allen Umständen abso lut fest. Mit dem deutschnationalen Redner sei er der Meinung, daß kein Hehl gemacht werden dürfe aus dem Ernst der finanziellen Situation, die die jetzige Regierung als Erbschaft von der früheren übernommen habe. Vor Uebertreibungen müsse aber gewarnt werden. Von einem Bankerott des Reiches oder von einer drohenden neuen Inflation könne keine Rede sein. Die jetzigen momentanen Kassen chwierigkeiten dürften nicht zur Erzeugung einer Panikstimmung benutzt werden, bie der Wirtschaft schweren Schaden zufügen könnte.

Die Vorlage wirb mit den Stimmen ber Re­gierungsparteien in .zweiter Lesung ange­nommen. Es folgt

die zweite Beratung des Haushaltes des Reichsarbeitsministeriurns.

Abg. Haslacher (Dnl.) geht zunächst auf die Berichte bet Arbeitslosenversicherung unb der Angestelltenversicherung ein. Die Gesamt­summe ber Soziallasten betrage bei uns jährlich mindestens 5 Milliarden, während für Gehälter und Löhne jährlich 20 bis 30 Milliarden aufgebracht würden. Dem­nach müsse die deutsche Wirtschaft zu ihrer Lohn- summe immer noch rund 20 Prozent an Soziallasten bei den Ausgaben zuschlagen. Im Ruhrbergbau betrage der Sozialzuschlag min- destens 30 Prozent ber Lohnsumme. Die Wirt­schaft halte einen Sozialzuschlag über 20 Pro­zent hinaus für unerträglich. Der größte Teil der Unternehmer sei im übrigen durchaus für eine vernünftige Sozialpolitik. Die An­gestelltenversicherung dürfe nicht mit der In­validenversicherung zusammengelegt werden. Die Zwangsversicherung sollte nicht auf die Kreise ausgedehnt werden, die sich aus eigener Kraft gegen bie Wechselfälle des Schicksals sichern könnten. In der Sozialversicherung sollte das Prinzip der Selbstverant­wortung durchgeführt werden. Die Versiehe- rungen sollten ihre Ausgaben den Einnah­men anpassen unb sich nicht auf die Reichs­kasse verlassen. Deutschland sei den übrigen Län­dern in der Sozialpolitik so weit voraus, bah es mit der Ratifizierung internationaler Abkommen auf diesem Gebiet erst einmal den Konkurrenz­ländern den Dortritt lassen sollte.

Sozialdemokratie und Arbeitslosenversicherung.

Ein verhängnisvoller Beschluß.

Berlin, 25. April. (TU.) Die sozialdemo­kratische Reichstagsfraktton hielt eine Fraktions- sihung ab, in ber sie sich in Gegenwart des Reichsarbeitsministers W i s s e l l und des Reichs­finanzministers Dr. Hilfe rbing mit ber Lage ber Arbeitslosenversicherung beschäf­tigte. Rach mehrstünbiger Aussprache gab die Fraktion folgenben Bericht heraus:

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktton stellt fest, bah sich bas Gesetz der Arbeitslosen­versicherung unb Arbeitsv ermi ttlung in der kurzen Zeit feines Bestehens im allgemeinen gut be­währt unb mit dazu beigetragen hat, die un­gewöhnlich starke Massenarbeitslosigkeit des letz­ten Winters zu überstehen. Wenn auch infolge ber Einwirkungen ber ganz ungewöhnlichen Wit-

Die deutsche Diskontpolitik und das Ausland

Keine, Einwirkung der Reparationskommission aus die Reichsbank.

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhefsen

vrrrck UN- Verlag: vrühl'sche UniversitütL-vuch' und Zteindruckerel K Lange in Stehen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchnlstraße 7.

ßd» 3.

Berlin. 25. April. Der Haushaltsausschuh des Reichstages unb ber Reichstag selber be-

Parker Gilberts Rolle I «ÄÄ»» hinter den Kulissen. V/ Äw £

Unverantwortlicher Optimismus. "ÄbgW°°rp "iDn.) --sucht- den Berlin, 25. April. (TU.) Der Pariser Bericht- Minister um genaue Klarlegung unserer Finanz­erftatter desB.T" beschäftigt sich heute mit ber unb Kassenlage. Außer dem 1400.MiNronen- merkroürdigen Rolle, bie Parker Gilbert während ber Kredit bestehe ,eht ein 252-Mttlionen-Zuschuh an Sachoerstänbigenverhanblungen hinter den Kulissen bie Arbeitslosenverncherima. Weitere gespielt hat. Gilbert habe ganz offenbar eine Po- nen wurden zu diesem Zweck bis zum April not litik der persönlichen Selbstverteidi-- wendig werden Das seien keine werbenden Aus- qung getrieben, denn sein Ansehen in den Kreisen, gaben unb dursten daher nicht aus Anleche ge- bie in ihm das große internationale Finanzgenie nommen werben. Die lehige Deckung, zum Teil bewunderten, stehe auf dem Spiele. Jeder wisse, daß durch Bankkredite, sei §£bit be5

er die treibende Krast gewesen sei, die die große Deunruhigur^ und schädige den Kredit des Reparationskonferenz zusammengebracht habe, ob- Reiches und der Wirtschaft.

wohl zu Anfang des Jahres die Meinung herrschte HeichSfinaNZMMister Ok. HilfekdMg Opttmismus sei größer "gewesen chs seine Kenntnis erklärte, bie Kassenlage feibu r ch bc "plötzlich europäischer Länder. Die Konzessionen, bie er für auf tretenden ^ebarf ber arbeite möglich gehalten habe, habe er offensichtlich als fest- l 0 s e n v e r s 1 ch c r u n g verschlechtert Der stehende dargestellt. So sei in allen Ländern, die OTinifter legt bie Wen im cmgelnen bar, Mfr" er besucht habe, ber Eindruck entstanden, daß mäßig Ende Marz ^9 zu decken gewesen seien, Deutfrhlanb feine Leistungsfähigkeit geringer darunter das voraussichtliche Defizit des Etats 1928. e i n s ch ä tz e n würde als ^tatsächlich der Fall war. Dieses werde vermutlich 80 bis *00 Millionen be- Jede Gläubigerregierung, mit der er gesprochen tragen. Die Arbeitslosen^rsorge e 1 n s ch l l e ß l 1 ch babe sei daher zum Beginn der Verhandlungen be- 6 4 Millionen für Sa t f 0 n a rb e 11 er habe Kommen,"daß^

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K 0 n f erenz zum Berhängnis gewor- und Seehandlung zur Verfügung geftellt Es ei em den Zunächst habe sich ^rausgestellt, baß er Svitzenbetrag von 150 Millionen Mark geblieben, bie gegenseitige Konzessionsbereit, schaff ber Gläubigerländer stark über­schätzt habe, woraus der peinliche Quotenkampf unter ben Alliierten entstanden sei. Dann aber habe sich gezeigt, dah man auch hinsichtlich Deutschlands Leistungsmöglichkeit nur auf bem Wege über die privaten Ansichten | des Generalagenten nicht aber über bie wirklichen Verhältnisse unterrichtet worben sei. Die Ziffer Dr. Schachts von 1650 Millionen liege mit mehreren hunbert Millionen unter ber Zahl, bie von Parker Gilbert offen­bar als burchsehbar bezeichnet worben sei. Auch über bie Gefahr, bie bie Transferschuh- Häufel für bie Reparationseinnahmen ber Gläubigerlänber bebeute, habe der Reparations­agent seine Auftraggeber schlecht unterrichtet.

In diesem Fall sei die Oeffentlichkeit Zeuge seiner rein wunschbedingten, aber den Tatsachen nicht entsprechenden Ausführungen gewesen, denn sie seien in dem bekannten Jahresbericht über Deutschlands Wirtschaftslage enthalten, der im In- unb Auslanb so vielfache Krisen heraus­gefordert habe. Deutschland habe ohne Schwierigkeiten die verlangten Summen aufgebracht und überwiesen. So habe es da­mals geheißen. Aber die Tatsache, dah es d a s Mehrfache seines Reparations­transfers im Auslände borgen muhte, sei nur nebenher als Bagatelle erwähnt worden. Zum gleichen Thema schreibt derTag", dah Parker Gilbert das Bedürfnis fehle, die Verantwortung für ben Mißerfolg seiner Bemühungen von sich abzuwälzen. Für die durchsichtigen polittschen Manöver der Pariser Presse sei Gilbert in vollem

Reichsbank eingemischt habe. Es ist nur zu be­dauern, daß nicht alle Blätter, bie die Finanz­politik ber Reichsbank kritisiert haben, nun auch bie offenherzige Erklärung, worauf der Ab­gang der Devisen in den letzten Monaten zurück­zuführen ist, ber öffentlichen Meinung in Frank­reich unterbreiten. Da das tatsächlich nur einige wenige Blätter tun. ist wohl die Annahme nicht unberechtigt, daß die letzten Angriffe zu einer EinschüchterungderdeutschenDele-

gierten führen sollten. L 0 n b 0 n, 25. April. (TU.) Die Erhöhung des

Der sozialistischeP 0 p u l a i r e bespricht den Diskontsatzes der Reichsbank hat in London Bericht des stellvertretenden Reichsbankpräsiden- I starke Beachtung Lesunben, obwohl der Schritt ten über ben Abfluß ber Devisen und schreibt: an sich nicht überraschend kam. Die Tat- Wenn diese Erklärung richtig ist. ist die Lage in suche, dah die Mittel der Reichsbank gerade im Deutschland keineswegs katastrophal, da die Re- gegenwärtigen Augenblick, wo die Bedürfnisse Portierung eine kurzfristige Operation ist. Die der Wirtschaft erfahrungsgemäß besonders groß aus Deutschland abgeflossenen Kapitalien werden sind, so stark zusammengeschrumpft sind, wird mit nämlich schnell wiederkehren und die Er- einiger Besorgnis verzeichnet. An der Börse Höhung des Diskontsatzes unb ber Lombarbsätze wirkte sich bie Erhöhung bes Diskontsatzes burch wirb in günstiger Weise diese Rückflußbewegung eine ziemlich bedeutende Rachfrage nach beeinflussen. Man darf auch nicht vergessen, daß Mark aus. Der Kurs zog an. In Finanzkreisen ja die Transferklausel in den Dawesplan gerade außerhalb der Börse wird die Entwicklung der deshalb ausgenommen worden ist, um, falls deutschen Finanzen gleichfalls sehr aufmerksam Deutschland in eine schwierige Lage geraten sollte, verfolgt. Die Stimmen, bie die Erhöhung ber ihrer Herr zu werben. Es würbe also dem Geist Diskontrate "auf einen alliierten D r u ck des Dawes-Planes und ber Abkommen von Lon- zurückführen, stammen ausschließlich aus poli- bon zuwiderlaufen. wenn versucht wird, tisch deutschfeindlich eingestellten Kreisen. Eine von vornherein durch eine Pressechampagne das der unerwünschten Wirkungen der Erhöhung der Funktionieren der entscheidenden Organe i n u n - Diskontsätze der Rotenbanken in Deutschland, günstigem Sinne zu beeinflussen, die ein- Oesterreich, Ungarn, Holland, Italien und Polen tretendenfalls zu beurteilen haben werden, ob das Verlangen Deutschlands berechtigt ist oder nicht.

Die radikalsozialeV 0 l 0 n t e hebt hervor, daß selbst das Bulletin d'etudes economiques, das vom Comite des Forges herausgegeben wird unb als objektives Organ bekannt sei, erklärt, die Lage ber Reichsbank sei vor allem die Folge ber allgemeinen Versteifung bes internationalen Krebits unb namentlich ber Finanzpolitik, die von der Dank von England eingeleitet worden sei.