Ausgabe 
25.10.1929
 
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Mißglücktes Attentat auf den Kronprinzen von Italien.

Am Grabe des unbekannten Soldaten in Brüssel feuert ein antifafzistifcher Italiener auf den Kronprinzen Humbert. Der Kronprinz unverletzt. - Der Attentäter verhaftet.

Brüssel. 24. Off. (TU.) Auf den Kronprinzen 5) u m b e r f von Italien, der aus Anlaß seiner Ver­lobung mit der belgischen Prinzessin Marie Jose in Brüssel weilt, ist am Grabe des Unbekannten Soldaten ein Attentat verübt worden, das je­doch sein Ziel verfehlte. Der Attentäter wurde verhaftet. Zu dem Anschläge wird er­gänzend berichtet: Der Kronprinz begab sich am Donnerslagvorrniltag im Auto zum Grabe des Unbekannten Soldaten, um dort einen Kran; niederzulegen. Als er den Wagen verlieb, drängte sich ein Unbekannter aus der Menge nach vorn und gab einen Schutz auf den Kron­prinzen ab, der den Helm eines Poli - z i ft e n traf. Der Attentäter versuchte näher an den Kronprinzen heranzukommen, wurde jedoch von der Polizei zurückgehalten, die ihn vor der Wut der Menge schützen mutzte. Kronprinz Humbert blieb sehr ruhig. Er begab sich nach dem Vorfall zu dem Grabe des Unbekannten Soldaten, das etwas tiefer als die Stratze liegt und legte dort den Kranz nieder, worauf er sich noch mit dem Kriegsminister unter­hielt. Vach einer Besichtigung der Ehrenwache trat der Kronprinz unter dem Beifall der Menge die Rückfahrt an.

Der Brüsseler Berichterstatter der Tele- graphen-Union, der Augenzeuge des auf den italienischen Kronprinzen verübten Anschlages war, berichtet weiter: Gerade in dem Augenblick, als der Kronprinz von Minister de Broqueoille be- grüht wurde, krachte der Schuh. Lin Mann hatte sich von der durch Polizeitruppen abgesperrten Menge losgelöst, lief bis zur Slrahenmitte und feuerte seinen Revolver in der Richtung der den Prinzen umgebenden Gruppe ab. Die Volksmenge flieh Rufe des Schreckens aus. Zwei Leute aus dem Volke konnten den Angreifer überwältigen, gerade als er zum z w e l t en m a l feuern wollte. Geheim­polizei und Gendarmen verhafteten ihn. Sie muhten ihn gegen die erregte Volksmenge schützen, die ihn lynchen wollte. Lr wurde förmlich zur Polizeiwache geschleift. Der Angreifer konnte als der italienische Untertan Enrico Jernanöo Derosa ermit­telt werden. Der Schuh war zu hoch abgefeuerl, so datz niemand verletzt wurde. In der Umgebung des Kronprinzen befanden sich sein Adjutant, Bürger­meister Max von Brüssel, der italienische Botschafter Durazzo. Der König der Belgier hat sich, so­bald er von dem Attentat Kenntnis erhielt, in die italienische Botschaft begeben, in der der Kronprinz wohnt. Auhcnminisler Hymans begab sich sofort zum italienischen Botschafter, um seine Entschuldi­gung auszudrücken. In Brüssel herrscht grohe Auf­regung. Die Polizei hat scharfe Mahnahmen zur Vermeidung jeglicher Zwischenfalle getroffen.

Der Attentäter.

Brüssel, 24. Okt. ($11.) Der Attentäter heißt Fernando D e r o s a , Student der Rechte an der Universität Paris, stammt aus Turin. Man fand bei ihm außer seinem italienischen Paß mehrere schweizerische Pässe, die auf einen anderen Ra- men lauteten. Am Mittwoch war er in Brüssel eingetroffen und in einem großen Hotel beim Rordbahnhof abgestiegen. Der Revolver war mo­dernster Konstruktion und enthielt im Augenblick der Verhaftung noch vier unabgefeuerte Kugeln.

Derosa, der seither seinen Wohnsitz in Paris hatte, in Wirklichkeit aber nicht dort wohnte, hat sich zur Ausführung seines Anschlags nach Belgien begeben. Er hat, wie er angibt, von vornherein damit gerechnet, daß an­läßlich des Besuches des Kronprinzen die Bahn­höfe in Brüssel unter besonders scharfer Heber- wachung stehen. Deshalb begab er sich zunächst nach Antwerpen, wo er sich möglichst ver­borgen hielt, und ist er st gestern abend inBrüsseleingetroffen.woerdie Rächt in einem Hotel am Rordbahnhof verbrachte. Er erklärte, er sei Mitglied der Zweiten Internationale, und es sei ihm eine Ge­wisfenspflicht gewesen, den Kronprinzen von Ita­lien zu töten. Derosa besah einen Schweizer Paß, der aber bereits abgelaufen war. Der Paß ist auch von der polizeilichen Kontrolle in dem

Die Besprechungen Doumergues.

Paris, 24.0kl. (WB.) Der Präsident der Republik hat die Besprechungen zur Lösung der Krise fortgesetzt. Lr empfing den Senator L h a u - mel, den Abg. Franklin Bouillon, den Vorsitzenden der Linksrepublikaner, Abg. Sybille, und den sozialistischen Abg. Leon Blum. Frank­lin Bouillon erklärle beim Verlassen des Lly- sees, er habe im Auftrag seiner Fraktion dem Prä- sidenlen der Republik mitgeteilt, daß sie ihr Ver­trauen nicht einem Ministerium schenken werde, das nicht in zwei Punkten ausreichende Garan­tien biete, nämlich 1. in der Frage der Räu­mung der dritten Rheinlandzone ohne ausreichende Garantien, und 2. hinsichtlich der Ab­trennung des Problems der drillen Rheinlandzone von der Saar frage. Sybille erklärte, keine Fraktion Hal in der Kammer eine Mehrheil. Keine kann also ihr Programm ohne Zugeständnisse durch­setzen. Jede Fraktion mutz jetzt sagen, mit welcher anderen Fraktion sie eine solide Regierungsmehrheit

Zuge nach Brüssel beanstandet worden, und Derosa hat deshalb einen Strafbetrag entrichten müssen. Man hat ihn Weiterreisen lassen, da er über französische Ausweispapiere verfügte, die vollkommen in Ordnung waren und den Inhaber auch Auslandbehörden gegen­über legitimierten.

Römische Morgcnblätter teilen mit, datz Derosa in Turin gewesen sei und dort revolutionären antinationalen Verbänden angehört habe. Als er wegen seiner antinationaten Tätigkeit zur Rede gestellt worden sei, sei er bald darauf, da er ein guter Skiläufer war, gelegentlich einer Skitour bei Dardonecchia über die Grenze gegangen.

Eine zweite Verhaftung.

Brüssel, 24. Oft. (WTB.) Kurz nach dem Attentat auf den Kronprinzen Umberto ist ein zweiter Italiener namens Louis dePas- cole unter dem Verdacht, an dem Attentat beteiligt gewesen zu sein, verhaftet worden. Derosa und de Pascole sollen durch das Los entschieden haben, wer von ihnen den Schuh auf den Kronprinzen abgeben sollte. Pascole (nach einer anderen Lesart Pasquali), der dann wieder freigelassen worden war, ist abermals verhaftet worden. Er soll De­rosa einige Minuten vor dem Attentat Zei­chen gemacht haben.

zu bilden bereit wäre. Um dies vorzubereiten, werde er, Sybille, eine Fraktionssihung der Linksrepubti- faner einberufen.

Der Präsident der Republik Halle noch den Abg. Danielen von der radikalen Linken empfangen, der beim verlassen des Elyfees erklärte, man müsse außenpolitisch die Fortsetzung der bisherigen Politik fordern. Die Abstimmung selbst weise auf eine Orientierung nach links hin. L6on Blum erklärte beim Verlassen des Elysees: Wer auch mit der Bildung der Regierung betraut wer­den möge, die sozialistische Partei ist bereit, die Initiative zu ergreifen -und die Leitung der Regierung zu übernehmen. \

Sie Radikalen

für ein reines Kabinett der Linken.

Ter Parteitag in Reims.

Paris, 24. Okt. (WB.) Heute mittag wurde in Reims der Radikale Parteitag eröffnet. Der Vorsitzende, Abg. D a l a d i e r, be­

Saladin der kommende Mm in Frankreich-

Oer Führer berCRahifolett wird vermutlich heute mit der Kabinettsbildung betraut.

sei, in denen sich keinerlei Dokumente, die auch nur irgendwie einen politischen oder amtlichen Charakter tragen, befinden.

Hindenburg und das Volksbegehren.

Eine Erklärnng des Reichspräsidenten.

Berlin, 24.0kl. (DB.) In einer Unterhaltung, die der Herr Reichspräsident heule mit dem deutschnalionalen Reichskagsabgeordneten Sch m i d l (Hannover) hatte, erklärte der Herr Reichspräsident auf eine Anfrage: Er stehe nach wie vor dem Volks- begehren als solchem in voller Neutralität und Ueberparteilichkeit gegenüber. An dieser seiner grundsätzlichen Haltung, wie er sie in seinem Schreiben an den Reichskanzler vom 16. d. M. bargelegt habe, ändere auch die Aeutzerung nichts, die er in seiner Besprechung mit dem Reichskanzler am IS. b. M. getan habe.

Am 6. November Bekanntgabe des Ergebnisses des Volksbegehrens.

Berlin, 24. Oft. (Privatrncld.) Die Wahl­leiter der einzelnen Wahlkreise im Reich sind angewiesen worden, bis zum 6. Rovern ber die Zahl der Eintragungen für das Volksbegeh­ren in ihren Wahlkreisen dem Reichswahl­leiter mitzuteilen. Bei der schwierigen Art der Listenaufstellung, die in den einzelnen Gemeinden einzeln gezählt werden müssen, wird es er st an diesem Tage möglich sein, das vorläufige amtliche Ergebnis der Eintragun­gen bekanntzugeben.

Vom Amt suspendiert.

Berlin, 24. Oft. Reichsfinanzminister Dr. Hilferding hat den nationalsozialistischen Regie­rungsrat Dr. Fabricius vom Landesfinanz­amt Berlin mit sofortiger Wirkung vom Amt suspendiert. Auf Anordnung der Reichs­regierung war ein Teil des Aufrufs des Reichs­ausschusses der Deutschen Vvlkspartei alsStrese- manns Vermächtnis" in den Dienstgebäu-

den angeschlagen worden. Dr. Fabricius hat diesen Anschlag abgerissen und der Auf­forderung des Präsidenten des Landesfinanz- amtes, das Plakat wieder anzubringen, zunächst keine Sokfc geleistet. Sein Briefwechsel mit seinem Vorgesetzten über den Vorfall hat dem Reichs­finanzminister Veranlassung gegeben, Dr. Fa­bricius sofort seines Amtes zu entheben. Außer­dem schwebt gegen Dr. Fabricius ein Disziplinar­verfahren wegen Angriffe auf die Reichsregie­rung in völkischen Blättern.

Weitere Haftentlassungen in der Sprengstoffaffäre.

Berlin, 24. Oft. (WTB.) In der Vorunter­suchung wegen der Sprengstoffattentate ist heute eine weitere Gruppe von Angeschuldigten, die sog. Ruhrgruppe, Anton Groh und Kurt Rudorf, aus der Hast entlassen worden, da bei dem jetzigen Stand der Untersuchung zwar ein Tatverdacht auch jetzt noch besteht, aber so­wohl Verdunkelungsgefahr, wie Fluchtverdacht nicht mehr begründet erscheinen. Bei dem Ange­klagten Fritz Rehling, bei dem stärkere Der- dachtsgründe vorliegen, ist die Freilassung von einer Sicherheitsleistung von 30 000 Mk. abhängig gemacht worden.

Oer Reichslandbund zur Absahkrise auf dem Kartoffelmarkt.

Angesichts der auf höchste gestiegenenKartoffel- absahkrise hat der Reichslandbund eine beson­dere Kommission eingesetzt mit dem Auf­trage, die Durchführung der von dem Reichs­ernährungsminister bereits im August dieses Iahres vorgeschlagenen innerwirtschaft­lichen Maßnahmen zur Behebung der Kartoffelabsahnot, die im wesent­lichen die iährliche Bereitstellung von 7 Millio­nen Mark auf die Dauer von 5 Iahren erfordern, in besonderer Weise vorzubereiten und voran- zutreiben. Oekonomierat S ch i f t a n, ein land­wirtschaftlich führendes Mitglied der Deutschen Volkspartei und ein hervorragender Sachver­

ständiger auf dem Gebiet der Kartoffelwirtschaft, hat den Vorsitz dieser Kommission übernommen.

Schulfragen im Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 24. Oft. (Wolffs Im Finanz­ausschuß ergab sich zunächst eine längere Debatte über einen Antrag der Abg. Böhm (dntl.) und Dr. Werner (fraktionslos) über neue Amtsbezeichnungen der an den Volks­schulen tätigen Lehrkräfte. Die Regierung er­klärte, datz sie an eine solche Reuordnung jetzt nicht Herangehen wolle, sondern erst dann, wenn gleichlaufende im Reich und den anderen Ländern abschlutzreif seien. Mit neun gegen drei Stimmen angenommen wurde ein Antrag Reiber (Dem.), wonach die Regierung vorbehaltlich einer end­gültigen Regelung die Lehrer in den Besol­dungsgruppen 4a und 4b die Amtsbezeichnung Oberlehrer erhalten können. Aögelehnt wurde ein Antrag der Kommunisten auf allgemeine Einführung der Schulspeisung an den hessischen Volks- und Fortbildungsschulen. Ein deutsch- nationaler Antrag auf Einführung einer be­sonderen Betriebs st euer für Waren­häuser wird durch die Regierungsantwort für erledigt erklärt. Die Regierung sagt darin, datz in dem Gewerbesteuergeseh bereits die Einfüh­rung einer Filialsteuer den Gemeinden ge­stattet ist, und datz die Erhebung einer solchen staatlichen Detriebssteuer einen Eingriff in die Finanzquellen der Gemeinden darstellen würde.

Eine längere Auseinandersetzung entspann sich über den Antrag der Deutschen Volkspartei gegen die Schulgelderhöhung an den höheren Schulen. Ein Teil der Ausschuß- mitglieder lehnte die Erhöhung direkt ab, ein anderer Teil trat für Vertagung der Be­ratungen ein. Dieser Dertagungsantrag Lux (Soz.) wurde schlietzlich mit acht gegen fünf Stimmen angenommen, so datz also die Bera­tungen in der Sache zurückgestellt werden. Gegen die ^Vertagung stimmten die Deutsche Volks- Partei, Zentrum und Demokraten. Mit dieser Entscheidung bleibt also die Schulgelderhöhung zunächst noch in Kraft.

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Stabt Gießen und die inben des Kreises.

ende Bekanntmachung und ortsüblich verossentlichcn zu ing ihrer den landwirtschajl- eintritt hinzuwirken.

r. Braun.

i Garbenteich aus der Bahn-

ütrede Gießen-Gelnhausen uoerksverzeichnis und Plan ;t.(j während der Frist von admng ab zur Einsichtnahme M sind schriftlich wahrend r vorzubringen.

Kttisamies.

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Ur. 25 Erster Blatt

179. Jahrgang

Zreitag, 25. (Moder 1929

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Ernste Sorgen um Fürst Bülow.

LinneucrLchlaganfall -TerFürstbewutzilos

Ro m, 24. Oft. (TU.) In dem Befinden des ehe­maligen Reichskanzlers Fürsten Bülow ist am Donnerstag eine Verschlechterung eingelrelen, «die zu ernsten Befürchtungen Anlaß gibt. Von den tehandelnden Aerzten, den Professoren Razzari «nd M a ch i a f a o a , dem Leibarzt des Papstes, mird mitgeteilt, daß sich am Donnerstag eine herz- Lähmung mit heftigen Atembeschwer­ve n eingestellt habe. Im Laufe des Rachmittags hat Fürst Bülow dasBewußtfeinverloren rind bis zum Abend nicht wieder erlangt In der Villa Malta wird nicht mehr mit dem Auf­kommen des Fürsten gerechnet. Entgegen den bestimmten Ableugnungen, die in den letzten Tagen aus der Umgebung des Fürsten der Presse mitgeteilt wurden, liegt nunmehr ein von Professor Razzari gezeichneter Bericht vor, nach dem Fürst Biiloro bereits am 15. d. M. einen Gehirnschlag ni i t Lähmung der rechten Seite erlitten hat. Gestern wurde Fürst Bülow von einem neuen Schlaganfall betroffen, der eine Lähmung verschiede­ner innerer Organe verursachte. Man befürchtet, ber Kranke werde die Rächt nicht überleben. Die Llerzte, die nächsten Anverwandten und Mitglieder ber deutschen Botschaft find ständig um das Kranken­leger versammelt.

Der Ektarekskandat.

Urkundenfälschung im Gefängnis? Einleitung von Disziplinarverfahren.

Berlin, 25. Okt. (WB.) Gegen die Gebrüder Sklarek ist in der letzten Woche der Verdacht auf« N taucht, Urkunden im Gefängnis ver­fälscht zu haben. Ende voriger Woche wurde eine Persönlichkeit vernommen, die mit den Sllareks i^sellschaftlich viel verkehrte, bei ihnen auch An- ziige gekauft hat und zum engeren Kreise der Hrcunbe der Sklareks gehörte. Diese Persönlichkeit mußte auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft ebenso wie andere Zeugen oder Beschuldigte Quittungen über 'Anzüge oder andere Sachen beibringen, die in der KVG. verkauft, in Wirklichkeit aber von anderen Firmen her gestellt waren. Einige dieser Quittungen, bic der Staatsanwaltschaft und den mit der Unter- srichungsbehörde zusammenarbeitenden Polizeikom- niiffaren vorgelegt waren, trugen das Ausstel- l ii n g s d a t u m 1 927. Bei der Staatsanwaltschaft fr litte man den Verdacht, daß die Quittungen nicht oor zwei Jahren, sondern vielleicht e r ft in aller- I etzter Zeit hergestellt worden sind. Es ent- dcljt nun die Frage, wie es möglich gewesen wäre, -mttungsformulare der KVG. in das Unter- uchungsgefängnis hineinzubringen unb die Dokumente mit der Unterschrift der Gebrüder Sklarek wieder herauszu­schmuggeln, so daß sie dann an die betreffende Persönlichkeit weitergeleitet werden konnten. Nach Informationen einer Korrespondenz handelt es sich tum die Quittungen, die ber Bürgermeister Schnei- foe r der Staatsanwaltschaft auf ihr Verlangen vor- gelegt hat und die tatsächlich auf das Jahr 1927 lnilsgestellt sind. Sollte die Angelegenheit ergeben, toiifj hier eine spätere Datierung vorgenommen öorben ist, so mürbe die Sache für alle Beteiligten con folgenschwerster Bedeutung fein.

Der Oberpräsident hat gegen den Stadt- Bimmerer Dr. Lange, den Stabtrat Dusch, die Stadtbankdirektoren Dr. Lehmann und Z e tj e I Las förmliche Disziplinarverfahren cirrgelcitet. Ferner hat der Oberpräsident Len Magistrat Berlin ersucht, einen Beschluß der sNdtischen Körperschaften herbeizuführen, wodurch Cie drei Stadtverordneten Rosenthal, Mühl­mann und Dunge aus dem Kreditausschuß Ber Stadtbank abberufen werden. Sämtliche Maßnahmen beruhen auf Feststellungen, daß die Genannten bei der Kreditgewährung an die Zirma Sklarek nicht die pflichtgemäße Sorgfalt bei der Wahrnehmung der ihnen übertragenen Aufgaben beobachtet haben.

Ein ganz gewöhnlicher Diebstahl.

Keine Spionage in der französischen Botschaft in Berlin.

2 erltn, 25. Okt. (Priv.-Tel.) Zu der Mel- Bung des Berliner Korrespondenten des Pariser Woumal", datz die Diebstahlsaffäre in der französisch en Botschaft in Berlin in Wahrheit eine Spivnageafsare sei, wird Ber ..B. Z." von der französischen Botschaft in □erlitt erklärt, daß es sich keinesfalls auch mu r im entferntesten um eine Spionagean- Mlegencheit bei dem Diebstahl in ber französi- ioqcn Botschaft gehandelt habe. Im Gegenteil foitten die letzten Feststellungen des Berliner Krimina.kommissars Busdorf vor wenigen Tagen c'geben, daß es sich nicht einmal, wie ursprünglich angenommen wurde, um einen RacheAkt des r iffitoek Portiers gegen den russischen Chauf- s«ur 8er französischen Botschaft gehandelt' habe, s-ndern um einen ganz gewöhnlichen Diebstahl. Der Portier, der russische Oberst Michailow, habe, wie feststande, mit den Sch m u ck g e g e n st ä n d e n über die Grenze fliehen wollen.

Im übrigen weist die französische Botschaft darauf hin, datz der Diebstahl indenPrivat- r i u m e n des Botschafters ausgeführt worden