Ausgabe 
25.7.1929
 
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Direkte Verhandlungen zwischen Nußland und China?

London, 24. Juli. (DTV.) Realer berichtet au» Schanghai: Einer hier vorliegenden Mel­dung aus Nanking zufolge teilte der chine­sische Gesandte in Berlin seiner Regierung mit, daß der s o w j e k r u s s i s ch e Botschafter in Berlin ihm erklärte, die Sowjetregierung sei nicht geneigt, einer Vermittlungs­aktion durch die Signatarmächte des Kellogg- paktes zuzuftimmen. Die Sowjetregierung ziehe vor, in direkte Verhandlungen zur Beilegung des Konflikts wegen der ostchinesischen Eisenbahn einzutreken. Zu diesem Zweck werde sich ein bevollmächtigter Vertreter der Sowjetunion nach Eharbin begeben, wo die chinesisch-russischen Verhandlungen wahr­scheinlich binnen kurzem ausgenommen werden würden.

China rückt von den Weißgardisten ab. Nanking, 24. Juli. (WB.) Bon zuständiger Stelle wird die der chinesischen Regierung zuge­schriebene Absicht, russische Weißgardisten zum Einfall in das Gebiet der Sowjetunion zu oenutzen, als vollständig unbegründet be­zeichnet. China beabsichtige nicht, mit Ruß­land Krieg zu führen und werde keinen Plan unterstützen, dessen Zweck es ist, den Weiß­gardisten zu helfen.

Japan etwas gekränkt.

London, 25. 2uli. (WTB. Funkspruch.) Das Reutersche Bureau meldet Es Washington: Der japanische Botschafter D e b u 1 s ch i sprach am Mittwoch nachmittag auf d-em Swatsdepar- temont vor und hatte mit Staatssekretär Stirn- son eine Unterredung über die Lage in der Mandschurei. Die amerikanischen amtlichen Stellen haben den Eindruck bekommen, daß Ja­pan über die Begleitumstände des französisch- amerikanischen Friedensschrittes etwas ge­kränkt ist, und es sind diplomatische Bemü­hungen im Gange, um die Sache in Ordnung zu bringen. Der Botschafter äußerte später, die Mit­

teilung, die er aus Tokio erhalten habe, berech­tige zu einer optimistischen Auffassung.

Oer rote Terror in Rußland.

16 Weißgardisten hingerichtet

Moskau, 24. Juli. (WTB. Funkspruch.) Te- legraphen-Agentur der Sowjetunion. AusCha­barowsk wird gemeldet: Die staatliche poli­tische Verwaltung stellte fest, daß seit Juli russische weiße Emigranten mit direk­ter Unterstützung chinesischer Behörden eine rege Tätigkeit an der Sowjetgrenze des Fernen Ostens zu entwickeln begannen. In der Rächt vom 21. zum 22. Juni überfiel eine bewaffnete Bande Basarows einen Sowjetgrenzposten im Bezirk von Wladiwostok. Am 12. Juni überschritt eine andere bewaffnete Bande die Sowjetgrenze in der Gegend von Tschita. Am 22. Juli wurde bei der Grenzüberschreitung in Transbaikalien eine Gruppe stark bewaffneter Truppen Weih- gardisten fest genommen. Bei der Unter­suchung wurde fest gestellt, daß die Banden mit voller Unterstützung chinesischer Be­hörden die Grenze überschritten, um Eisen­bahnbrücken und Munitionsdepots zu sprengen, andere Anschläge zu verüben, sowie Weißgar­dist ische Banden aus zweifelhaften Elementen zu rekrutieren. Vom 17. bis zum 20. Juli wur­den im Amurgebiet eine Reihe russischer Weißgardisten fe ft genommen, die die Grenze zu dem gleichen Zweck überschritten hat­ten. Die staatliche russische Verwaltung ver­urteilte in der Gerichtssitzung vorn 22. Juli von den fest genommenen Weißgardisten 16 zum Tode, darunter den früheren Minister Du - g a n o w . der die Sowjetgrenze überschritt und terroristische Handlungen auf dem Sowjetgebiet verübte. Unter den zum Tode Verurteilten be­finden sich auch Rasdobrejew, der aus Pa­ris nach Eharbin kam, um Terrorakte in der Sowjetunion zu verüben, und Makarow, ein früherer Polizeispitzel, der Eharbin zu Spio­nagezwecken besuä:'e. Bei sämtlichen Verurteil­ten handelt es sich um aktive Monarchisten und Terroristen. Das Urteil ist bereits voll streckt worden.

Oer Mtz-prozeß in Kattowitz.

Kattowitz, 24. Juli. (WB.) Kurz vor 9 Uhr nahm die Verhandlung des Prozesses gegen den Geschäftsführer des Deutschen Dolksbundes, U l i h , ihren Fortgang.

Zunächst wurde der Belastungszeuge Polizeikommissar Brodniewicz der Woi- wodschaftspolizei vernommen. Der Zeuge sagte aus, daß er von dem Akt Dialucha keine Kennt­nis habe, da er 1925 noch nicht in Kattowitz ge­wesen sei. Er habe aber im Jahre 1927 die Be­kanntschaft der gestern als Zeugin vernommenen Hedwig Knebel vom deutschen Generalkonsulat gemacht. Er habe festgestellt, daß trotz der An­weisung der Zentrale oes Deutschen Dolksbundes die Ausweise als Pässe angesehen worden seien, worauf U l i h erklärte, daß es sich bei den von dem Zeugen angeführten Ausweisen lediglich um die Mitgliedsausweise der Volksbunds­mitglieder handelte.

Der Angeklagte bat sodann den Vorsitzenden, den Zeugen zu veranlassen, den von diesem in einem anderen Prozeß verlesenen Brief auch in dieser Verhandlung zur Verlesung zu bringen. Es handelt sich um ein Schreiben des Führers der Organisation Oberland-Dlücher an den Angeklagten, in dem die Mithilfe zur Grün­dung von Stoßtrupps angeboten wird. Wie

der Angeklagte erklärt, hat er diesen Brief an die Bezirksvereinigungen weitergegeben mit bem ausdrücklichen Hinweis, solche Gründungen zu verhindern, andernfalls sei er genötigt, die Behörden davon in Kenntnis zu setzen.

Hierauf wurde noch der letzte Belastungs­zeuge, Hauptmann Jnasinski vom De- zirkskommando in Königshütte, vernommen, der aussagte, daß er Dialucha selbst nicht kenne. Er wisse nur, daß dieser am 30. Juli 1924 ge­mustert worden sei und der Einberufungsbefehl am 23. Februar 1925 abgegangen sei. Dieser hatte jedoch nicht zugestellt werden können, da der Adressat nach Reiße verzogen war. Der Zeuge erklärte weiter, daß jährlich etwa 150 Deserteure im Bezirk Königshütte festzustellen seien, es sei aber schwer, zu sagen, ob es sich hier um Personen polnischer oder deutscher Ra­tionalität handele. Auf die Frage des An­geklagten an den Zeugen, ob er über die in den letzten Tagen aufgedeckte Wenschen- schmuggelaffäre Angaben machen könne, erklärte der Zeuge, daß er hiervon nur durch die Zeitungen Kenntnis erlangt habe. Aus eige­ner Erkenntnis wisse er nichts. Damit war die Vernehmung der Belastungszeugen beendet und es folgte hierauf der

Mehr Vertrauen zum Theater!

Von Thomas Mann.*)

Rachdruck, auch auszugsweise, verboten.

Mit einem bedeutsamen geistesgeschicht­lichen Manifest eröffnete ThomasMann die diesjährigen Heidelberger Festspiele. Seine Rede legte Zeugnis ab für den be­harrlichen Glauben an die Unzerstörbar­keit des Geistigen, war Bekenntnis zu dem Glauben an die Gegenwart. Wir glauben angesichts der großen Bedeutung, welche seiner Rede zukommt, mit dieser ver­mutlich einzigen wortgetreuen, wenn auch bedeutend gekürzten Riederschrift der Oeffentlichkeit ein kulturhistorisches Doku­ment vermitteln zu müssen.

Ich kann nicht beginnen, ohne des tiefen Schat­tens zu gedenken, der um unser Fest ist wie er um jede geistige Feier dieser Tage sein muh: des Schattens, den der Tod Hofmannsthals um uns breitet, und wenn wir die Wendung von dieser Trauer zur Freude des Festes mühelos vollziehen können, so nur, weil wir dem großen Menschen und großen Dichter Deutschlands in Gegenwart grüßen dürfen: Gerhart Haupt­mann, dessenSchluck und 2au" die vorjäh­rigen, und dessen volkstiefes Spiel vomFlorian Geyer" die heurigen Festfpiele mit dem Atem der Gegenwart füllen. Wie seltsam und wie be­glückend zugleich, feststellen zu können, daß jene damals heftigst umkämpftensozialen" Werke heute eigentliche Volksstücke sind.

Mein Thema in der heutigen Stunde, mein einziger Gedanke ist und bleibt das Theater, ein Thema, das jedes Herz von Genuß und Versonnenheit zugleich bewegt höher schlagen läßt. Was aber könnte ich mich beizutragen unterfangen über das Theater, diese Herzens­angelegenheit der geistigen Ration wo man, wenn man nur etwa einmal die deutschen Zeit­schriften durchblättert, die sich einzig und allein mit dem Theater beschäftigen wie z. D. die Zweimonatsschrift des Bühnenvolksbundes.Das Rationaltheater" oder der von einem ehrgeizigen Dramaturgen in Essen herausgegebeneSchein­werfer". merkt, daß man früh aufstehen müßte, um sich an einer deutschen Theaterdiskussion auch nur mit ansehnlicher Ehre zu beteiligen? Aber was ist diese Diskussion? Ist es nicht

*) Aus der Festrede, gehalten am 20. Juli zur Eröffnung der diesjährigen Heidelberger Fest­spiele.

immer eine Prophezeiung, daß es bergab gehe in der Gegenwart, daß dem Geist Gewalt an­getan werde und das Theater immer mehr herabsinke zu einer unterhaltsamen, untiefen, ver­äußerlichten Angelegenheit? Ist es nicht immer und immer wieder diese Angst, die aus jeder Diskussion bei uns in Deutschland hecvorleuchtet? Ach, es muß gleich im Anfang dazu gesagt wer­den, daß es eigentlich zu viel Furcht in Deutsch­land gibt, zu viel Schwarzmalerei zu viel Angst um die Kultur, was doch eigentlich heißen will: zu viel Angst um das Leben eine Angst, die gerade dem deutschen Volke nicht recht zu Ge­sicht stehen will...

Ich setze mich hier ohne weiteres der Gefahr aus, dahin verstanden zu werden, daß ich Leichtfertigkeit und Unoerantwortlichkeit predige. Das kommt da­von, höre ich weiter feigen, wenn man einen E r - z ä h l e r zum Festredner über das Theater nimmt, dem es Genußmittel ist und kein Problem. Dazu habe ich nur das zu erwidern: das Verhältnis des deutschen Romanciers zum Theater ist geheiligt durch die Herzenswärme, mit der Goethe sich des Theaters angenommen hat. Daß derW i l - Helm Meister" ein Theaterroman ist, will in diesem Zusammenhänge alles besagen. Damit hat das Theater die Ehre für sich, einbezogen zu sein in den selbstbiographischen Kosmos der Goetheschen Roman-Darstellung. Davon strahlt auf jeden deut­schen Erzähler etwas aus: auch etwas vom Thea­ter zu reden. Und wenn bei Goethe in treuherzi­ger Frivolität davon die Rede ist, dem Theater wäre nach Ansicht der guten Theaterfachleute be­reits damit geholfen, daß hübsche Leute darauf agieren würden, so mag man analog die Primi­tivität verzeihen, mit der auch ich mich dem Thema und dem Problem Theater zuwende, indem ich be­tone: ich glaube, daß das Theater die Urheimat ist aller geistigen Sinnlichkeit und aller sinnlichen Geistigkeit.

Das ist historisch ebenso spürbar wie indivi­duell. Wer finge nicht von uns mit dem Drama an, welcher hätte nicht von uns zuerst Dramen geschrieben? Das ist alles kein Wunder: es ist die Kindheit der Kunst, das Theater: das ewig Kind­liche feiert darin feinen Triumph. So steht am Eingang unserer Biographie das Puppenspiel, an dem wir uns begeisterten. Wir brauchten kein Pu­blikum, wir spielten auch das noch mit und applau­dierten uns selbst. Wie dankbar empfanden wir schon damals die Shakespearesche Offenheit:das Spiel zu enden, begrüßt uns mit geroog'nen Hän­den ...'

Und so gleite ich in ein lebensweitläufiges Be­kennen und Erinnern. Was ist nicht alles Theater? Und was ist das Theater nicht alles? Das Sin«

Bericht der Schriftsachverständigen.

Der vor. der Anklagebehörde gestellte Schrift­sachverständige Professor Krol (Krakau) gab ein Gutachten dahin ab, daß die während der Verhandlung vollzogenen Unterschriften des Angeklagten alle Merkmale und Anzeichen aus- weisen wie auf den Bescheinigungen, sowie auf dem inkriminierten Akt Dialucha. Heber das Gutachten entstand zwischen dem Vorsitzenden, der Verteidigung und dem Sachverständigen eine ausgedehnte Auseinandersetzung, die sich darum drehte, ob Tllitz die Unterschriften in schneller Form vollzogen, oder ob ein Fälscher den Ra- menszug des Angeklagten in langsamer kalli­graphisch bedächtiger Art vorgenommen habe. Durch die Verteidigung, insbesondere wieder durch Rechtsanwalt S m i a r o w s k i (Warschau) wird der Sachverständige ziemlich in die Enge getrieben und muß schließlich zugeben, einen genauen Rachweis über seine mikrometrischen Messungen der Steigungshöhe der einzelnen Buchstaben usw. nicht vorlegen zu können, da er Rotizen darüber für nicht notwendig er­achtete.

Der von der Verteidigung geladene Sachver­ständige Kwiczynski, Oberkontrolleur beim Verkehrsministerium in Warschau, führt aus, daß das vorliegende Material außerordentlich schwer zu prüfen sei, da es aus verschiedenen Zeiten stamme und die Unterschriften mit verschiedener Tinte hergestellt seien. Auch dürften die ver­schiedenen Stimmungen des Schreibers, die sich in den SchrifHügen bemerkbar machen, nicht außer Acht gelassen werden. Das vorgelegte photographische Material (Bescheinigung Dia- luchas) sei von einem Amateur hergestellt und befinde sich in sehr schlechtem Zustande. Es lasse sich durchaus kein Urteil abgeben, ob die Unterschrift gefälscht oder echt sei.

Alsdann wurde in die

Vernehmung der Entlastungszeugen eingetreten. Als erste wurde Fräulein Neumann vernommen, die im fraglichen Jahr 1925 beim Deutschen Volksbund in Kattowitz, und zwar bei der Bezirksvereinigung, nicht bei der Zentrale, an- gefteüt war. Sie sagte aus, daß sie nur solche Schriftstücke unterstempelt habe, die vorher von Majowski oder Walden unterzeichnet waren. 2tuf keinen Fall hätte sie von Ulitz unterschriebene Schriftstücke mit Stempeln versehen. Bei dieser Aussage bleibt die Zeugin auch nach der Gegen­überstellung mit der gestern vernommenen Be­lastungszeugin W u z i k, die genau das Gegenteil behauptete.

Der Vorsitzende fragte sodann die Zeugin, ob sie die Gewohnheit habe, bei der Abfassung von Schriftstücken hinter den Punkt einen Ge­dankenstrich zu setzen. Die Zeugin erklärt, daß sie dies nie getan habe. (Das inkriminierte Dokument Bialucha weist auf der Photographie diese Merkwürdigkeit auf, daß hinter dem Punkt noch jeweils ein Gedankenstrich steht.) Die Zeu­gin erklärt weiter auf die Frage des Derteidi- gers Dr. B a j, daß sie das Geburtsjahr immer voll ausgeschrieben habe und niemals eine Ab­kürzung anzuwenden pflegte, wie dies eben­falls auf der fraglichen Bescheinigung der Fall ist.

Es folgte die Vernehmung des zweiten Ent­lastungszeugen Walden, der Gei ter der Be­zirksvereinigung Kattowitz war und sich zunächst über die Organisation des Deutschen Volksbundes aussprach. Von dem Geschäftsführer Ulitz habe er nur ganz allgemeine Dienstanweisungen über den Ausbau der Dezirksvereinigungen und son­stige Anweisungen allgemeiner Art erhalten. Seinen Stempel habe er stets unter Verschluß gehalten. Ter Zeuge bekundet weiter, daß er keine der dem Angeklagten zur Last gelegten Beschei­nigungen ausgestellt habe, auch habe er niemals von derartigen Bescheinigungen gehört. Zu dem fraglichen Dokument Dialucha erklärt der Zeuge, daß dieses nicht in seinem Bureau geschriek^n worden sei, was er ganz bestimmt aus der Ziffer 15 erkenne. Derartige Typen hätten seine Schreib-

nenbob der Oper, die intellektualisierte Mystik der Wagnerszenen, die grandiose Unschuld Shakespea­res, Schillers generöse Dialektik, die Liebenswür­digkeit Goetheschen Bühnenschaffens, Kleists thea­tralische Intoleranz, Hebels kantische Schroffheit, Bilder nur eines Wesens... Was fange ich damit an, der ich nicht enden kann bei diesem Thema? Was soll ich überhaupt sagen, der ich jedes Räso- nement über das Theater für überflüssig halte: weil man über das Leben, über die Natur nicht räfonnteren sollte. Man kann es natürlich: aber was kommt dabei heraus, bei dieser deutschen Theaterphilosophie, was sollen wir uns über die Urelemente des Theaterhaften, die grenzenloses sinnliches Vertrauen find und urinstinkthafte Ver­wurzelung mit den Triebkräften des Lebens, große Gedanken machen.

Und doch begegnen wir diesem Räsonnement heute mehr denn je. Es gibt zuviel Furcht in der Welt, ich sagte es schon, und gerade in Deutschland, und als Deutscher habe ich an dem heiligen Ernst bin­denden und selbstbewußten Anteil. Aber dieses Minderwertigkeitpathos der Epoche, zu einer Zeit, wo man Berlins Theaterkunft, diese strotzende Lust am Theaer, an die Spitze der Welt stellen darf, sollte doch niemals imstande sein, die Lebens­unmittelbarkeit des Theaters und alles Theater- Haften zu berühren.

Wenn es auch um dieses Minderwertigkeitspathos im Grunde vielleicht eine schöne und fromme Sache ist. Aber es kann zu weit getrieben werden, es kann die Lebensunmittelbarkeit zerstören. Wie kommt es denn, daß wir uns in diesen Stunden wie der heutigen plötzlich zu schämen anfangen über unsere Vergnügungen im Kino, zu Hause, beim Elektrola, diesem ordinären Zeitgebilde? Wie kommt es, daß wir uns auf einmal dieser mecha­nischen Alltagserleichterungen schämen und sie weit unter die Kunst stellen, von der wir jetzt feierlich sprechen? Ist es nicht dieselbe Sache, die Heinrich Jjeine bewegte, der im Jahre 1850 über den Nieder­gang musikalischer Kunst, des musikalischen Kunst­verständnisses jammert und dasmechanisierende Instrument", das Klavier, dafür verantwortlich macht, wenn er die zunehmende Mechanisierung der Zeit beklagt? Begeht er nicht den gleichen Feh­ler, in den wir Heutigen um so schmerzlicher ver­fallen: daß wir immer wieder eine unnötige Angst vor der Mechanisierung haben?

Was wissen wir davon, ob nicht vielleicht der Geist, auch wo er schweigt, gegenwärtig ist, auch wo er kein Aufhebens von sich macht, heim­lich herrscht? Vielleicht ist das. was wirReue Sachlichkeit" nennen, ebenfalls nur ein phhsio- anomisches Gebilde des Geistes, den wir nur nicht durchschauen? Vielleicht ist diese betonte Lust am

Maschinen nicht gehabt. Er verneinte auch, daß Empfehlungen an die deutschen Behörden ab- gegangen seien, und erklärte schließlich, daß es in seinem Bureau stets üblich gewesen sei. bei dem Datum den Monat nicht in Ziffern, sondern immer in Buchstaben auszufüllen, was bei dem belastenden Dokument nicht der Fall ist.

Oberregierungsrat Graf M a t u s ch k a von der Regierung in Oppeln sagte als Zeuge aus, daß er im April 1925 mit der Angelegenheit Dia­lucha befaßt worden sei.' Dei den Akten Dia­lucha habe sich keine Bescheinigung befunden, derzufolge Dialucha deutsch gesinnt und mili­tärpflichtig sei, sich aber seiner Militärpflicht durch die Flucht entziehen wolle. Dialucha sei, da er aus dem Heeresdienst geflüchtet sei, die Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland versagt worden. Dei einem nochmaligen Gesuch des Dia­lucha um Zulassung nach Deutschland habe sich nur die Mitgliedskarte des Volksbundes befun­den, aber sonst keine weitere Anlage. Mit der Genehmigung seiner vorgesetzten Behörde über­gab der Zeuge dem Gericht die gesamten Akten über Bialucha mit der Ditte, daß diese Akten zurückgegeben werden sollen, sobald das Gericht dieselben nicht mehr brauche.

Weiterverhandlung am Donnerstag.

Haag Tagungsort der Reparationskonferenz?

London, 25. Juli. (2BIB. Funkspruch.)Ti­mes" meldet: lieber den Zufammenkunfts- otf der Reparalionskonferen; ist noch keine Einigung erzielt. Die britische Re­gierung unternimmt jetzt aber einen endgül­tigen versuch, die anderen interessierten Staa­ten zu veranlassen, den Haag als Konferenz- o t t anzunehmen.

Ernste Worte

desManchester Guardian".

London, 24. Juli. (WTB.) Der Pariser Korrespondent desM anchesterGuardian" befaßt sich mit gewissen Machenschaften zup Verzögerung der bevorstehenden Repara­tionskonferenz und bemerkt, wenn nicht die britische Regierung einen energischen Schritt unternehme, um dieser Komödie ein Ende zu bereiten, so werde sie endlos weitergehen. Es sei unmöglich für die französische Re­gierung, den Haag abzulehnen, und Der belgische Widerstand würde auf ein Wort! von der französischen Regierung hin fallen ge­lassen werden. Die Role der britischen Regie­rung an alle in Betracht kommenden Mächte, in der formell vorgeschlagen wird, daß die Kon­ferenz am 6. August im Haag beginn^ würde der französischen öffentlichen Meinung die Wirklichkeit vor Augen führen.

In einem Leitartikel führt derManchester Guardian" aus:Es üft wirklich Zeit, daß jetzt kleinliche nationale Eifersüchteleien begraben wer­den. Wenn nicht sofort ein Beschluß erzielt wird, wird es überhaupt unmöglich sein, die Kon­ferenz zum festgesetzten Zeitpunkt abzuhalten. In diesem Falle wird sie fast sicher noch nicht beendet fein, wenn die Dölkerbundsversamm- lung Anfang September Zusammentritt. QBcnn die Völkerbundsversammlung zusam­menkommt, bevor die Reparationskon­ferenz beendet ist, wird ihre Aktion gelähmt sein. Sie wird nicht wissen, ob der Reparations­plan angenommen worden ist, ober ob und unter welchen Bedingungen das Rheinland ge­räumt werden soll." Das Blatt beargwöhnt, daß- letzten Endes ein wirklicher Beweggrund hinter der außerordentlichen Unfähigkeit, einen annehmbaren Konferenzort für die Reparati- vnskonferenz zu finden, stehe.

DerManchester Guardian" wendet sich scharf gegen den Plan eines Feststellungs- und Ver­söhnungsausschusses und bedauert, das Heuder-

Körper, diese Protektion des Schönen, an der Quelle ebensowenig ungeistig? Vielleicht ist der neue Typ des Herrschers, der Wirtschaftsmensch, auch ein verkappter Philosoph (wie es vor dem Kriege bereits Rathenau war)? Wissen wir nicht, daß der Boxer Tunneh mit Vorliebe Shakespeare liest und ein Freund G. D. Shaws ist? Rühmt sich nicht auch Dempseh der Freundschaft vieler geistiger Menschen? Gab es so viel schöne Deine unter der Herrschaft des langen Rocks wie heute? Erscheint uns nicht dies jetzt als ein so selbst­verständliches Zubehör, wie es vor einem Men­schenalter noch unbekannt war? Vielleicht ist es dieser neuen Generation Vorbehalten, diese sen­timentale Spannung zwischen Geist und Körper­lichkeit aufzuheben? Wir sollten diesen Zeit­läuften mehr Seelenruhe entgegenstellen und uns nicht gleich sträuben, auch wenn der Vernunft auf Erden etwas betont ihr Recht wird.

Aber da zittert wieder dieses Gefühl, das uns eine Kulturverantwortlichkeit vorschreibt... Da ist wieder der Mangel an Vertrauen an die Lebensunmittelbarlichkeit des Theaters. Bedroht von Film und Radio, neuerdings vom Tonfilm, der ja auch, man mache es sich doch in aller Ruhe und Anüberciltheit klar, weiter nichts bieten kann, als ein ärmliches Surrogat, das vielleicht einmal eine wirtschaftliche Krisis für das Theater her­führen mag, aber niemals eine künstlerische. Liehe sich das Theater wirllich von diesen Erfindungen verdrängen, dann wäre es nicht tief verwurzelt... dann wäre es nicht eine Gefahr, wenn es ver­drängt würde.

Ob unsere Zeit des Tiebergangs, der Auflösung, der Analyse imstande sein wird, eine Wieder­geburt des Theaters als kultischer Feststätte her­vorzubringen, mag man freilich als fraglich an­sehen. Aber das geistig-leibliche Wesen des Thea­ters wird bestehen bleiben, mögen wir uns nur des Diktums Goethes erinnern, das allgemeine Gültigkeit besitzt: daßalle höchste Kunst ganz äußerlich" sei. Faßt dieses große Wort eines Richttheaterfachmanns nicht das Schau­gerechte mit dem Ewigen zusammen? Mag es nicht in erster Linie dazu imstande sein, unsere Dramatiker wieder dahin zu bringen, daß sie einmal nicht nur wiederfür", sondern auf dem Theater dichten? Daß damit das Theater vomehmlichste menschenbildnerische Stätte wird und gesellschaftsfördernde Vereinigung, im Er­innern des großen und ewig-lebendigen Schil- ler-Wortes:Der Mensch bedarf des Mensche« sehr zu seinem großen Ziele..."

^Copyright 1929 by Wissenschaftliches KorrespondenzbureauAkademia", Heidel­berg.

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