Ausgabe 
25.5.1929
 
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Nr. 120 Erstes Blatt

179. Jahrgang

Samstag, 25. Mai 1929

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In Paris wird weiter verhandelt.

Nie Gläubiger studieren die Bemerkungen Dr. Schachts zum letzten Zahlungsplan.

Paris. 24.Mai. (1DIB.) Heber den Stand der Reparatlonsverhandlungen kann folgendes mil- geteilt werden: Die deutschen Delegierten haben heute die Besprechung, die der Klärung der Zahlenfrage dienen soll, fortgesetzt. Auf Grund der von den Verfassern der Antwort der Gläubigermächte auf die deutschen Vorbehalte ge­gebenen Erläuterungen handelt es sich um eine zusätzliche Erhöhung der Youngschen Zahlen von jährlich 5 2,8 Millionen Mark. Angesichts dieser entscheidenden Meinungs­verschiedenheit in der Zahlensrage ist mit der Mög­lichkeit zu rechnen, daß entweder darüber ge­trennte Berichte erstattet werden oder über­haupt eine Verständigung nicht zu er­zielen ist. 3m übrigen sind in der gestrigen Rach- rnittagsbesprechung die Vertreter -er Gläubiger­delegationen aufgefordert worden, sich zu den be­kannten deutschen Vorbehalten zu äußern. Line Antwort hierüber steht noch aus. Die Sachver­ständigen der Gläubigermächte haben einen Mei­nungsaustausch von Delegation zu Delegation über die Bemerkungen, die Dr. Schacht zu dem Memo- randum der Alliierten gemacht hat, gepflogen. Sie suchen gegenwärtig ihre Ansichten einander anzu­gleichen, und man kann daher den heutigen Tag als eine Periode der Vorbereitung und des Abwartens ansehen. Die Punkte, über die eine Einigung am schwersten zu erzielen sein wird, beziehen sich vor allem auf die Frage der In Belgien ausgegebenen M a r k b a n k n o t e n, die Heranziehung der Jladjfolgeflaaten zur Aufbringung der Zahlungen und auf das Zah- (ungsmoratorium. Dr. Schacht hatte heute nachmittag eine Unterredung mit dem Vorsitzenden der Reparationskonferenz, Owen Young. Morgen werden die Gläubigerdelegierten wahrscheinlich nahe­zu endgültig ihre Haltung zu den Vorbehalten Dr. Schachts feftlegen. Man wird alsdann sehen, ob eine Verständigung über alle strittigen Punkte möglich ist, oder ob eine kleine Anzahl davon mangels einer zu findenden Lösung den Regie­rungen zur Behandlung anheimgestellt werden muß.

Ein letzter Versuch.

Die Londoner Presse ist pessimistisch.

London, 25. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Ansichten der Blätter über die Aussichten der Sach- oerftandigenkonferenz gehen auseinander. Der Pa­riser Korrespondent desDaily Chromcle fuhrt aus, di« Franzosen erwarteten heute den Ab­bruch, da die deutsche Delegation nicht ermächtigt sei, gewisse Forderungen der Pariser und Brüsseler Sachverständigen anzunehmen. Trotzdem werde heute ein letzter Versuch unternommen wer­den, zu einer Einigung zu kommen. Der Korrespon­dent erwähnt eine Mitteilung Schachts an die Pressevertreter, daß wenig oder gar keine Hoffnung vorhanden sei, und daß der heutige Tag, wahrscheinlich das erfolglose Ende der dreizehnwöchigen Arbeit sehen werde.

Der Pariser Korrespondent desDaily Tele­graph" erklärt dagegen, in gut unterrichteten deutschen Kreisen herrsche der Eindruck vor, daß auf jeden Fall noch mit einer Fortsetzung der Verhandlung für einige Tage zu rechnen sei. Der Pariser Berichterstatter derTimes" erklärt: Die Hindernisse für eine vereinbarte Regelung schei­nen sehr ernst zu sein, es sei denn, daß in der letz­ten Minute ein Zusammenbruch der deut­schen Stellung erfolgt.

Günstige Beurteilung in Paris.

Die strittigen Probleme.

Paris, 25. Mai. (WTB. Funkspruch.) Die Morgenpresse beurteilt die Lage wemger pessi­mistisch als gestern. Sie bespricht die einzelnen - Punkte, die noch Gegenstand der Aussprache bilden und stellt für gewisse Fragen die Mo g- lichkeit einer Verständigung in Aus­sicht. So erklärtPetit Pariften , für die Tiebergangsmodalitäten vom Dawes- Plan zum Plane (Youngs werde zweifellos eine Verständigung gefunden werden, weil die Re­gierungen und nicht die Sachverständigen den Zeitpunkt für das Inkrafttreten sowie den ge­eigneten Augenblick für die Aufhebung der finan­ziellen Kontrollorgane und die Räumung des Rheinlandes feststellen würden. Die Frage der Heranziehung der Nachfolge st aaten Oesterreich-Tlngarns für die Aufbrin­gung der letzten 21 Annuitäten werde von Dr. Schacht aufs neue gestellt. Aber hier mühten die Alliierten bei ihrer ersten Ableh­nung bleiben, da dieses Problem einzig und allein die interessierten Staaten angehe und vor allem politischer Natur sei. Das schwie­rigste Problem sei das der belgischen For­derung auf Bezahlung der Mark- betrüge.Petit Parisien" will eine Zustim­mung zu dieser belgischen Forderung seitens der übrigen Alliierten feststellen können, während der Avenir" von einem Abrücken der Eng­länder von dieser Forderung spricht. Falls über gewisse deutsche Vorbehalte eine Verständi­gung zwischen Schuldner und Gläubigern sich als

unmöglich Herausstellen würde, würde den Sach­verständigen immer noch die Möglichkeit bleiben, den Negierungen zwei Berichte, einenMehr- heits» und einen Minderhcitsbericht zuzustellen.

Unmögliche Forderungen.

Wenig Hoffnung in Berlin.

Berlin, 25. Mai. (TTl.) 3n den Pariser Berichten der Berliner Blätter kommt allgemein zum Ausdruck, dah die Alliierten durch ihre un­möglichen Rechenkunststücke eine Einigung un­möglich gemacht haben. DerLokalanz." spricht die Hoffnung aus, bald aus Paris zu hören, dah hinsichtlich der deutschen Vorbehalte die nöti­gen Feststellungen getroffen sind, und un­sere Delegierten ihr Mandat damit als erfüllt ansehen. Jedes Mehr werde ein Weniger be­deuten. DerDörsenkurier" sagt, wie immer auch die Klärung in der Frage der Vorbehalte aus­gehen werde, die Deutschen würden mit gutem Gewissen behaupten können, dah sie b i s a n d i e äußerste Grenze ihrer Zugeständnisse ge­gangen seien. Eine Einigung Hält das Blatt kaum noch für möglich. DieDAZ." schreibt, trotzdem der Außenstehende den Eindruck gewinnen könnte, daß die Konferenz vor die letzte entschei­dende Alternative gestellt sei, werde man sich gleichwohl auch heute noch mit Rücksicht auf die zahllosen Wendungen, Wandlungen und Schwankungen der Konferenzgeschichte und auch der deutschen Delegation nicht zu Voraus­sagen entschließen können. Darüber, dah sowohl Deutschlands Interesse wie Deutschlands Würde die Ablehnung der Zumutungen der Alliierten und das F e st h a l t e n zumindestens an der letzten von der deutschen Delegation eingenommenen Stellung gebieten, bestehe kein Zweifel. Sehr erhebliche Zweifel dagegen bestän-

Simla, 24.Mai. (TU.) König Aman UNah hat in Begleitung feiner Frau, der Königin Suraja, und feines Bruders die indische Grenze überschrit­ten. von Tschaman reiste er nach Bombay, von wo aus er sich nachLuropa einschiffen will. Wie dieTimes" berichten, soll die Reise anscheinend als ein Anzeichen dafür aufzusassen sein, daß Aman Ullah den Kamps um den afghanischen Thron auf­gegeben habe. Der englischen Regierung sei, wie der dieplomatische Korrespondent der Morningpost be­tont, Genaueres über die weiteren Absichten Aman Ullahs nicht bekannt. Die Ankunft Aman Allahs auf indischem Gebiet stelle die deutlichste Zurückweisung der sowjetrussischen Behauptung dar, daß Groß­britannien gegen Aman Ullah intrigiert habe. Man erwarte, dah Aman Ullahs Flucht den Stammes- krieg wieder auf leben lassen und z u einem allgemeinen Lhaos in Afghanistan führen werde, da Aman Ullah schon wegen seiner königlichen Abstammung einen gewissen Teil der Kreise hinter sich habe, die eine ordnungsmäßige Regierung wünschten. DieTimes" gehen in einem Leitartikel von dem Gedanken aus, dah Aman Ullah feinen Kampf um den afghanischen Thron wenig­stens für den Augenblick aufgegeben zu haben scheine, verweisen aber auf das Beispiel feines Grohvaters, der zehn 3ahre als mittelloser Flücht­ling in Ruhland gelebt, aber schließlich doch trium­phiert habe. 3m Augenblick sei Aman Ullahs 5lern untergegangen; die Lage in Afghanistan müsse sich grundlegend ändern, bevor er die Hoff­nung haben könne, zurückzukchren. h a b i b U11 a h, der in letzter Zeit an Stärke gewonnen zu haben scheine, beherrsche in Afghanistan vorläufig das Feld; aber weder er, noch General Nadirkhan hätten die Unterstützung der Stämme, von deren Haltung die politische Zukunft des Landes abhänge. 3eher habe feine Anhänger und feine Feinde, und die Verbündeten von heute könnten die Feinde von morgen fein. Dem Bedauern über die Verlängerung des afghanischen Bürgerkrieges könne man nur den Glückwunsch anschliehen, dah es Aman Ullah ge­lingen werde, sich aus den ihn umringenden Ge­fahren zu befreien.

Etwa? überraschend kommt doch die Meldung, dah der frühere König von Afghanistan, Amanullah, in Begleitung seiner Frau und seines Bruders, der für einen Tag sein Nach­folger war, Zuflucht in Britisch In­dien gesucht hat. Für so verzweifelt hatte man feine Lage nicht gehalten, konnte sie auch nicht halten, nachdem er selbst noch vor Wochen eifrig die Reklametrommel gerührt und angekündigt hatte, daß er, sobald die Schneeschmelze einsetze, seine Gegner zu Paaren treiben würde. Es ist anders gekommen. Der /Usurpator H a b i b U l - l a h hat die stärkeren Bataillone hinter sich ge­habt, er hat schon zu Beginn des Kampfes seinen Konkurrenten geschlagen und chn vermutlich so in die Zange gebracht, daß chm nichts anderes als die Flucht nach Indien mehr übrig blieb.

Damit ist zunächst wenigstens die Rolle dieses interessanten Königs ausgespielt. Er hat nicht

den, ob selbst der TZoung-Plan geeignet sei, die deutschen Lebensinteressen sicherzustellen.

DieOeutschnaiionalen fordern Schluß.

Eine Erklärung der Deutfchnationalen Neichstagsfraktion zur Pariser Krise.

Berlin, 24. Mai. (TU.) Die deutschnationale Reichstagsfraktion teilt mit:Der Rücktritt Böglers hat die Lage blitzartig beleuchtet. War das deutsche Memorandum vom 17. April, durch welches die Zahlung von 1650 Millionen auf 37 Jahre unter ganz bestimmten Voraussetzungen als möglich erflärt wurde, wenn auch die Leistungsfähigkeit Deutschlands weit überschreitend, so doch noch ein sachverstän­diges Gutachten, so hat man mit dem Plan des Vorsitzenden Owen (Young, mit der deutschen Zustimmung und mit allen weiteren Verhandlungen den Rahmen einer sach- verständigen Begutachtung verlas- s e n und sich unter starkem Druck politischer Stel­len auf das Gebiet politischen Aus­handelns, für Deutschland aber auf d i e schiefe Ebene begeben. Das kann auch die verantwortungslose demagogische Hetze nicht ver­schleiern, die von der Linkspresse wegen des Rücktritts Böglers gegen ihn und die Schwer­industrie entfacht worden ist. Die Fraktion fordert Schluß dieser Verhandlungen. Wie sie sich jetzt gestaltet haben, muß ihr Ergebnis für Deutsch­land e i n falschesJa" sein anstatt des ehrlichen deutschen »Rein", das allein die Möglichkeit bietet, der hereinbrechenden Kata­strophe Herr zu werden. Die Fraktion wird der verhängnisvollen Entwicklung mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln Widerstand leisten."

viel Freude gehabt an dem Triumphzug, den er im vergangenen Jahr durch Europa aufführte. Alle Mächte wetteiferten darin, chn zu feiern, weil er es verstanden hatte, den Glauben an das große Geschäft zu erwecken, das mit Afghanistan zu machen wäre. So ist er auch in Berlin ausgenommen worden wie in ver­gangenen Friedenszeiten kaum ein verbündeter Monarch. Aber die erwarteten Früchte sind dann leider ausgeblieben. Trotzdem ist es unrecht, chn als Operettenkönig abzutun, er war mehr. Der ausschlaggebende Zug seines Charakters war eine brutale Energie, wie man sie in Mittelasien braucht, um zur Wacht zu kommen und sie zu be­haupten. Ganz mit rechten Dingen sehr vor­sichtig ausgedrückt ist es nicht zugegangen, als er sich die Krone aufs Haupt setzte. Aber er zeigte sich doch bald stark genug, um die Herr­schaft in die Hand zu bekommen. Er war sogar seiner Sache so sicher, dah er sich d i e E u r o Pa­re i f e glaubte leisten zu können, wobei er nur die eine Sicherheitsmaßregel traf, daß er seine intimsten Feinde in seiner Begleitung mitnahm.

Geholfen hat chm das nichts, gestürzt ist er schließlich darüber, daß er die Modernisierung Afghanistans in übereiltem Tempo er­zwingen wollte und jahrhundertealte Volks­bräuche mit Füßen trat. Dadurch stieß er den Konservativen und der Geistlichkeit vor den Kopf, die sich in der Abwehr gegen ihn zusammen­fanden, die sich freilich nur durchsetzen konnten, weil Afghanistan ein wichtiger Stein in dem eng­lisch-russischen Schachbrett bedeutete. Den Eng­ländern war er, obwohl sie ihn so glänzend aufnahmen, unbequem, weil er zu selbständig wurde. Sie haben die Revolution gegen ihn ge­macht, die Russen haben ihn gestützt, aber das englische Pfund hat sich dem rollenden Rubel überlegen gezeigt. Der neue König wird ein ge­fügiges Werkzeug in der Hand Englands fein; allerdings wird Amanullah versuchen, bei der ersten Gelegenheit wiederzukommen und dann an den Engländern Rache zu nehmen. Aber sie werden ihn wohl so fest in einen goldenen Käfig sehen, dah es ihm schwer fallen wird, heraus- zukommen.

Ein Steckbrief gegen fengyuhsiang.

Nanking, 24. Mai. (WB.) Die Nankings Regierung veröffentlichte einen Erlaß, der Feng» yuhsiang der Auflehnung gegen die Regierung und die Partei beschuldigt, ihn sämtlicher Aemter und Würden entkleidet und alle Beamten auf­fordert, ihn festzuhalten und der Nanking-Regie­rung zur Bestrafung zu übergeben. In dem Erlaß heißt es weiter, die Anklagen gegen Fengyuhsiang hätten sich derart gehäuft, daß die Regierung sich nicht länger nachsichtig zeigen könne. Fengyuhsiang habe u. a. die Eisenbahnen zerstört, habe ein Bündnis mit den Kwangsi- Truppen geschlossen, habe sich von der Sowzet- regierung monatliche Subsidien in Höhe von fünf Millionen Rubeln bezahlen lassen, schließlich habe er einen geheimen Vertrag mit Rußland abgeschlossen und mit den chinesischen Kommunisten zusammengearbeitet.

Amanullahs Glück und Ende.

Oie Warnung.

Die Pariser Konferenz der Reparations­sachoerständigen scheint sich im Kreise zu drehen. Nachdem die Gläubiger ihre Forderungen an Deutschland zusammenaddiert hatten, und der deutsche Reichsbankpräsident Dr. Schacht darauf sei­nerseits mit einem im einzelnen oräzisierten Vor­schlag geantwortet hatte, hatte der Amerikaner?)oung als Vorsitzender der Konferenz, einen eigenen Zah­lungsplan ausgearbeitet, der auf dem Wege des Kompromisses beiden Teilen, Schuldner wie Gläu­bigern, gerecht zu werden suchte. Die deutsche De­legation hat diesem Plan zugestimmt, obwohl seine Zahlen die eigenen Vorschläge um ein Beträchtliches überschritt und damit der Grundsatz der deutschen Leistungsfähigkeit als Gradmesser für die deutschen Tributzahlungen endgültig verlassen wurde. Das Reparationsproblem wurde also von der Ebene wirtschaftlicher Erörterungen wiederum auf das po­litische Gebiet verschoben. Die deutschen Sachver­ständigen haben trotz schwerster Bedenken doch ge­glaubt, diesen Weg mitgeben zu können unter der Voraussetzung, daß eine Reihe von ihnen zu dem Young-Plan gemachter Vorbehalte Berücksichtigung fände. Anders die Vertreter der Gläubigermächte. Sie haben zwar scheinbar den Youngschen Zah­lungsplan bestehen lassen, ihn in Wirllichkeit jedoch so gründlich umgemodelt, daß er in dieser neuen Form für Deutschland unannehmbar ist, und das um so mehr, als auch die wichtigsten deutschen Vor­behalte, wie das von den deutschen Delegierten ge­forderte Aufbringungsmoratorium, die Freigabe der deutschen Reichsbahn von ihrer Obligationen­schuld, der Abbau der Ausfuhrabgabe und die Her­anziehung der Nachfolgestaaten zur Tilgung der interalliierten Kriegsschulden sämtlich von den Ver­tretern der Gläubiger abgelehnt worden sind, statt dessen aber neue Forderungen erhoben wurden, wie die Abgeltung der Ansprüche Belgiens aus seinen aus der Besetzung herrührenden Markguthaben außerhalb der Gesamtsumme durch zehn Jahres­raten zu je 25 Millionen und ferner das Neben­einanderherlaufen von Dawesplan und Youngplan vom 1. April bis zum 31. Dezember 1929.

Neun Monate also soll Deutschland die Zahlun­gen nach beiden Plänen leisten. Das ergäbe gegen­über dem ursprünglichen Youngplan eine Mehr­belastung von rund 1800 Millionen Mark. Um nun aber doch auf die Youngsche Durchschnittsjahres­zahlung von 2050 Millionen zu kommen, hat man die erste Annuität des neuen Zahlungsplans auf 420 Mill. Mark ermäßigt gegenüber 1675 Millionen Mark, die Young für das erste Jahr festgesetzt hatte. Der Unterschied von 1255 Millionen Mark soll dann auf das 2. bis 37. Jahr verteilt werden, wobei sich mit Zinsen eine Steigerung der folgenden 36 An­nuitäten um je 80 Millionen Mark ergeben würde. Mit Hilfe dieses Taschenspielertricks ist es den Rechenkünstlern der Gläubigermächte möglich gewe­sen, den Schein zu wahren, als ob sie die Annuität des Youngplans von 2050 Millionen Mark eben­falls beibehalten wollten, in Wahrheit aber ist ihr Plan nichts anderes, als der Versuch, aus Deutsch­land beträchtlich höhere Zahlungen herauszupressen, mit deren Hilfe sie über die Kalamität der Vertei­lung der Reparationen unter sich hinwegzukommen hoffen. Unter diesen Umständen ist es für Deutsch­land natürlich keineswegs verlockend, auf die Siche­rungen des Dawesplanes zu veruzichten, wenn es für diesen Verzicht eine so geringe Verminderung seiner jährlichen Schuld von 2,5 Milliarden auf 2,13 Milliarden, die man durch bislang noch nicht ganz zu durchschauendeMethoden" errechnet haben will, eintauschen soll. Deutschland muß es doch in seiner bedrängten Finanzlage wesentlich darauf an#- kommen, gerade für die nächsten Jahre eine spürbare Erleichterung zu bekommen. Gerade deshalb be­gann der deutsche Zahlungsoorschlag ja mit 1,6 Mil­liarden, um später von Jahr zu Jahr um 25 Mil­lionen zu steigen. Die in dem umgemodelten Young- plan für spätere Jahre gebotenen Erleichterungen rechtfertigen jedenfalls keineswegs die großen Opfer, die die Annahme dieses Planes von uns fordern würde.

Da die Vertreter der Gläubigermächte ihrer Ant­wortnote auf den Youngschen Kompromißvorschlag keinen ultimativen Charakter beigelegt haben, hat die deutsche Delegation geglaubt, weiter verhandeln zu sollen, obwohl die Forderungen der Gläubiger im Grunde genommen die Konferenz wieder an den Ausgangspunkt zurückgeführt haben. Ein deutscher Delegierter, Generaldirektor Dr. Vögle r von den Vereinigten Stahlwerken, zwar hat aus dem bis­herigen Verlauf der Konferenz die Konsequenzen be­zogen und sein Mandat als Reparationssachverstän­diger in die Hände der Reichsregierung zurückgelegt, weil er als ein Mann der Wirtschaft es vor seinem Gewissen nicht verantworten zu können glaubte, an einer Arbeit weiterhin teilzunehmen, die ganz ein­deutig den Boden wirtschaftlicher Vernunft zugunsten rein politischer Erwägungen verlassen hat. Bögler hat schon den Kompromißvorschlag Owen Youngs für nicht tragbar gehallen und wohl schon damals sich mit dem Gedanken getragen, von dem ihm an- vertrauten Amt des deutschen Sachverständigen zu­rückzutreten. Er hatte sich dann doch zur weiteren Mitarbeit entschlossen, da er glaubte, daß die von der deutschen Delegation gemachten Vorbehalte die Er­höhung der Zahlen bis zu einem gewissen Grade kompensieren würden. Nun, wo die Gläubiger nicht nur die Zahlen des Youngplans effektiv überschritten haben, sondern auch von den deutschen Vorbehal­ten die wesentlichsten kurzerhand gestrichen, die an­dern offengelassen haben, ist es begreiflich, daß Dr, Bögler die letzte Aussicht auf eine für Deutschland tragbare Lösung entschwunden sieht und, da er von der Pariser Konferenz nichts mehr erwartet, seine Mitarbeit einstellt. Wir möchten nur wünschen, daß sein Rücktritt den Bertretem der Gläubigernationen eine ernste Warnung ist, den Bogen nicht zu übev^