Ausgabe 
25.4.1929
 
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Gefahr für Luftschiffe, und wir hatten zwei Nächte Nebel. Nächte, die immer wieder bewiesen. Laß Dr. Eckener ein Luftschiffer von ungewohntem Können ist. Er führte sein Schiff durch Sturm und Wind, heimwärts, um einerDepression" auszuweichen, die, wie er einen Tag vorher beobachtet hatte, von Island südlich wanderte. DerGraf Zeppelin" kam am Donnerstagmorgen -"/JO Uhr in Friedrichshafen an und harte nach 5000 Meilen Fahrt noch für 28 Stunden Brennstoff an Bord.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 25. April 1929.

Reklame im Kino und Rundfunk.

Wan schreibt uns: Mit der wirtschaftlichen Und künstlerischen Konsolidierung des Kinos ent­stand die Lichtbild the ate r-Rc klame: hrit dem Auskommen und der wirtschaftlichen und «künstlerischen Konsoliderung des Rundfunks die R u n d f u n k - R e k l a m e. Der Gedanke, durch mietweise Hergabe eines für Reklame ge­eigneten Mittels bequeme Nebenverdienste zu h<chen. lag für .Kino und Radio nahe, kern Wunder, daß sie darauf kamen. Erst recht kein Wunder, wenn man weih, wie gierig gewisse Leute aus dem Reklamejach nachneuen" Werbe­mitteln aus sind, wobei der Ton durchaus auf neu zu liegen hat und es viel unerheblicher ist, ob dos Mittel überhaupt irgendeine positiv wer­bende Wirkung hat.

Diese Werbewirkung mutz heute sowohl der Radioreklame als auch der Kinoreklame abge­stritten werden. Gerade weil Film und Radio aus einer kulturell belanglosen Vergangenheit sich zu hochstehenden kulturellen Einrichtungen ent­wickelt haben, haben die Nebenverdienste durch ..Reklame" das Recht auf Fortbestand verloren, denn es ist ein Unding, dem künstlerisch viel geschulteren Publikum, das für die Darbietungen bestimmte geldliche Leistungen entrichtet, eine Kürzung der für die Darbietungen bestimmten Zeit durch Reklame zuzumuten. Eine gewisse Ausnahme wollen wir für jene Leklamefilme gelten lassen, die. wie etwa die Trickfilme, so amüsant ausgemacht sind, daß der Zuschauer sie um ihrer selbst willen genießt; aber auch hier fallt die Deklamewirkung fort, weil die Aufmerk­samkeit vom Reklame o b j e k t völlig abgezogen und rein auf die Darstellung gelenkt wird.

In der Erkenntnis dieser Sachlage sind denn auch einige Filmtheaterbesitzer von der Kino­reklame abgekommen. Z. D. urteilte einer der fortschrittlichsten Berliner Kinotheaterbesitzer, der Inhaber derKamera", in der ZeitschriftDer- kaufsvraxis" unter der Überschrift:Keine Da- gatellgewinne auf Kosten des Publikums":

Eine Belästigung des Kinobesu­chers bildet die Abwicklung eines völlig un­interessanten Beiprogramms . . . Wir lassen keine Diapositiv-Reklame laufen, sondern als Reklamevorführung höchstens die Kurzfilme, deren Niveau sich ja allmählich bessert"^ Vor aller Oeffentlichkeit hat nunmehr eine Zeitung das festgestellt, was die Oeffentlichkeit selbst schon längst über Rundfunk-Reklame ur­teilte. UllsteinsTempo" veranstaltete eine Um­frage unter seinen Lesern; bezeichnenderweise fin­det keine der eingegangenen Antworten eine Rechtfertigung für dieses Reklamemittel. Eine der Antworten sagt:

Wenn der Rundfunk-Ansager in dem Augen­blick, da er Werbenachrichten ankündet, in einen Zauberspiegel blicken könnte, so würde er hun­derttausend Hörer sehen, die hunderttausend Kopfhörer abstreifen. Im Kino ist die Reklame, der man sich infolge der aufgezwungenen Blick­richtung kaum entziehen kann, eine dreiste Auf­dringlichkeit, im Rundfunk ist sie eine Tor­heit, weil sie das Publikum weder durch Zwang noch- wie eine gute Reklame ,von ungefähr' erfaßt."

Die Antwort eines Arztes sagt u. a.:Wer immer noch - den Rundfunk als einen Kul­turfaktor ansieht, der empfindet die Reklame- veranstaltungen als eine unwürdige Einrichtung." Eine Borsührdome urteilt:Wenn ich abgespannt von der Arbeit nach Hause komme und überhaupt zum Radio greife, will ich etwas Interessantes

Theodor Billroth.

Zu seinem 100. Geburtstag.

Don Or. med. Robert Klopsiock.

Die heute vormittag um Uhr er­folgte glückliche Entbindung meiner lieben Frau, geb. Wazel. von einem gesunden Sohne zeige ich Verwandten und Be­kannten hierdurch ergebenst an.

Theodor Dillroth, Prediger zu Bergen auf Rügen.

Bergen, 26. April 1829."

Dieser Ausschnitt aus der Stralsunder Zeitung, der die Geburt eines der größten Chirurgen aller Zeiten anzeigt, befindet sich heute unter ®Iae- im Dillrothzimmer des Rudolsinerhauses in Wien. Sein Name gehört heute nicht nur der Geschichte der Medizin, sondern auch der Geschichte der Menschheit an. Die Chirurgie ist die älteste der Heilmethoden und von jeher die angesehenste, und gerade sie wurde durch Dill- rvth um früher ungeahnte Möglichkeiten be­reichert.

Schon als junger Assistent an der Chirurgi- schen Universitätsklinik bei Langende ck, dem damals größten Chirurgen, begann er sich neben seiner Tätigteit als praktischer Chirurg mit den theoretischen Grundlagen der chirurgischen Pro­bleme zu befassen. Seine Untersuchungen waren so hervorragend, daß er schon im Iahre 1856 an zweiter Stelle neben Virchow für die Professur für pathologische Anatomie in Berlin vorgeschlagen wurde. Er schreibt darüber in einem seiner wundervollen Briefe, daß es nicht unehrenvoll war, mit Virchow zu rivalisieren, wenn er, auch schließlich aa& dem Felde ge­schlagen wurde. 1860 trat er dann sein Amt als Ordinarius für Chirurgie in Zürich an, um dann iur August 1867 die Leitung der Wiener Uni­versitätsklinik zu übernehmen, der er als erster seines Faches, Don der ganzen Welt geehrt und abgöttisch bewundert, bis zu seinem Tode (1894; treu geblieben ist. Er fühlte sich in der schönen Douau-Stadt, die chn ein Jahr nach Königgrätz, trotz der noch herrschenden Verstimmungen gegen Preußen, berufen hatte, wo seine besten Freunde Iohannes DrahmS und Eduard Hanslick ihren dauernden Wohnsitz hatten, so zu Hause, daß er sich auch nicht entschließen konnte, einem Ruf nach Berlin zu folgen.

oder etwas Amüsantes hören. Soll ich mir da vielleicht Werbevorträge anhören? Wenn ich aber mal Interesse für günstige Angebote habe, so weiß ich davon genug in den Zei­tungen und Zeitschriften zu finden." Amüsant in der echt berlinerischen Kürze ist der Bescheid einer Gymnastik -Lehreri n: Reklame im Rundfunk ist Quatsch. Ich verstehe dabei nur eins nicht: wie Berliner Geschäftsleute, die doch sonst nicht so doof find, dafür ihr Geld in den Aether hinauswerfen können!"

Eine weitere Antwort auf die Umfrage zeigt einen weiteren Nachteil der Rundfunkreklame auf: die Desinteressiertheit des Reklame-Ansa­gers. die natürlich geeignet ist. dieser Reklame den letzten positiven Werbewert zu nehmen:So oft in meinem Bekanntenkreis die Rede auf die Reklame im Rundfunk kommt, wird nur eine An­sicht laut: man stellt den Apparat ab! Noch dazu, da die Unlust und Gleichgültigkeit, mit der der Ansager die Worte daherleiert, den Ein­druck machen, daß ihm selbst die Sache zum Halse heraushängt."

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 180 bis 190; Matte 30 bis 35; Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 20 bis 50; Weißkraut 20 bis 30; Rotkraut 20 vis 35; gelbe Rüben 20 bis 25; rote Rüben 25 bis 30; Spinat 40 bis 50; Unter-Kohlrabi 10 bis 12; Feldsalat 200 bis 250; Tomaten 80 bis 100; Zwiebeln 25 bis 30; Meerrettich 50 bis 120; Schwarzwurzeln 40 bis 90; Kartoffeln 6; ausl. Aepfel 45 bis 80; inl. Aepfel 30 bis 40; Dörrobst 35 bis 40; Honig 40 bis 50; junge Hähne 120 bis 130; Suppen­hühner 100 bis 120; Nüsse 70 bis 80; das Stück: Tauben 90 bis 100; Eier 11 bis 12; Blumenkohl 40 bis 120; Salat 25 bis 40; Salatgurken 80 bis 100; Lauch 10 bis 20; Sellerie 20 bis 100; das Bund: Radieschen 25 bis 30 Pfennig; der Zent­ner: Kartoffeln 5,50 Mark.

e Deutschnationale Volkspartei. Man berichtet uns: Am Montag fand eine Ver­sammlung der Ortsgruppe Gießen der Deutsch- nationalen Dollspartci statt, in welcher der frü­here Marinepfarrer Lic. Müller aus Duten­hofen einen Vortrag über deutsche Arbeit in. Ostasien hielt. In überaus fesselnder Weise führte der Redner die Zuhörer in die in letzter Zeit wieder besonders viel genannten Gebiete des Fernen Ostens, die er bei seiner Tätigkeit auf den deutschen Kriegsschisfen in Ostasien persönlich be­sucht und kennengelernt hat. In anschaulichen, oft humorvollen Bildern zogen die Gegenden Südchinas, besonders die Gebiete um die Städte Tschunking. Hankau und Kanton, die Mandschu­rei. Ostsibirien. Iapan und die Philippinen an dem geistigen Auge der Zuhörer vorüber. Land und Leute nahmen greifbare Gestalt an, Sitten und Gebräuche wurden lebendig. Persönliche Er­lebnisse aller Art ergänzten das Gesamtbild und gaben oft eine köstliche Illustration zu den dort herrschenden Zuständen. Uebcrall in diesen Län­dern traf der Redner bei seinen Reisen wieder auf deutsche Landsleute, die sich dort beruflich niedergelassen haben. Und alle diese Deutschen, ob es nun Kaufleute oder Akademiker, oder See­leute oder Handwerker sind, haben es durch eisernen Fleiß und deutsche Tüchtigkeit zu etwas gebracht, sitzen oft in ganz hohen Stellungen, nennen teilweise fürstliche Vermögen ihr eigen. In ganz entlegenen Gegenden stieß der Besucher noch auf Erzeugnisse der deutschen Industrie. Große deutsche Handelsgesellschaften blühen an fast allen größeren Plätzen, erschließen dadurch neue Absatzgebiete für deutsche Erzeugnisse, ver­mehren damit das deutsche Nationalvermögen und verschaffen deutschen Arbeitern im Heimat­lande Arbeit und Brot. Daß dieser dauernd und erfolgreich sich ausbreitende deutsche Unter- nehmungsgc ist besonders den E.-.gländcrn immer mehr auf die Nerven fiel und dadurch mit eine der Ursachen des Weltkrieges wurde und werden muhte, leuchtete allen Zuhörern ohne weiteres ein. Zum Schluß zeigte ter Redner noch eine größere Anzahl Lichtbilder von selbst gemachten Aufnahmen aus Korea. Unter lebhaftem Beifall und mit dem dringend geäußerten Wunsch der Zuhörer, den Redner noch öfter zu hören, schloß ter sehr interessante Abend.

Die zweite Hülste des 19. Iahrhunderts war die Glanz-eit der Chirurgie, zu Billroth Stu­dentenzeit begann man. mit Narkosen zu arbeiten, die überhaupt erst die exakte Ausführung von größeren Operationen ermöglichten, im Iahre 1847 entdeckte Semmelweis, daß die Wund­infektion, an ter damals noch 80 Prozent aller chirurgischen Eingriffe scheiterten, durch Fem- haltung von Schmutz und Eiter vermieden wer­ten kann. Billroth war es, der als erster darauf hinwies, wie wichtig es ist, auch bei chirurgischen Krankheiten das Fieber zu messen, das er mit vorausschauendem Blick, ohne es beweisen zu können, als eine Folgeerscheinung von Entzün­dungen ansah. Nach einem Todesfall durch Chloroformnarkose führte er eine Aether-Allo- hol-Chloroform-Mischung ein, die noch heute als Billrothsche Narkose im Gebrauch ist.

Seine größte Leistung, vielleicht die größte überhaupt in der gesamten Chirurgie, war aber das chirurgische Angehen der Bauchorgane, ins­besondere des Magens. Am 29. Ianuar 1881 führte Billroth, nach langjährigen Vorversuchen an Tieren, dieersteMagenresektion (Ent­fernung einzelner Teile des Magens) am Men­schen aus, und es gelang, durch diesen Eingriff zum erstenmal mit langjährigem Dauererfolg einen Magenkrebs zu heilen. Das war der Tag ter Begründung ter Bauchchirurgie, die von Billroth selbst und von seinen großen Schülern zu dem fegens- und siegreichsten Kapitel der Chirurgie ausgebaut wurde. Zunächst galt diese Operationsmethote nur für die Ausschaltung von krebsigen Magenteilen, heute wird die Opera­tion auch bei Magengeschwüren in ausgedehn­tem Maße angewendet. Wieviel Tausende und aber Tausende dem Leben zurückgcgeben werden, veranschaulicht vielleicht ter Hinweis darauf, daß eS heute Chirurgen gibt, die persönlich mehr als 2000 solche Magenresektionen ausgeführt haben. W^e groß diese Tat in den Tagen Billroths war, können wir daraus ersehen, daß er sich nach ter Operation in einem offenen Brief verteidi- gen mußte. Und doch war es kein tollkühnes Experiment, sondern die Frucht und Erfüllung einer lohrelang gehegten, schöpferisch gestalteten *3^. Billroth trat auch ter erste, der die vollständige Entfernung des Kehlkopfes ausfuhrte. Die Auszählung der auf feine An- ^Ul ausgeführten neuen, geistreichen Me- tpoBen, der Ergebnisse, die durch seine große Schule gezeitigt wurden, ist schier unmöglich.

Billroth war ober nicht nur ein wahrer Künst-

Der Auto- und Motorrad-Eluk» Gießen und der 'Automobil-Club Marburg vereinigten sich am vorigen Sonntag nach ihren Wertungsfahrten auf der Burg Gleiberg zu einem geselligen Beisammensein, bei dem auch die Ortsgruppen des Gaues III b (Wetzlar. Dil­lenburg, Haiger. Biedenkopf, Wallau usw.) ver­treten waren. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine Ehrung des Gauvorsihenten Otto Kobe (Marburg) anläßlich seines 50. Geburts­tages. Im Hofe ter Burg waren in langer Reihe die Maschinen ter Teilnehmer, etwa 50-auto­mobile und 30 Motorräder, aufgestellt Worten und boten in diesem auf der Burg Gleiberg bis­her wohl noch nie gesehenen Aufmarsch ein imposantes Bild. Im Rittersaale und in dem anstoßenden Vorstandszimmer, die beite bis auf den letzten Platz beseht waren, entwickelte sich bald nach ter Ankunft der Fahrtteilnehmer eine frohgestimmte Geselligkeit. Oberforstmeister R ei­ch a r d t (Krofdorf) begrüßte die Kraftfahrer im Namen des Vorstandes des Gleiberg-Vereins. Sodann wurde von Herrn K a p h i n g st (Mar­burg) ter erste Gauvorsitzende Otto Kobe (Marburg) in einer Ansprache zu seinem 50. Ge­burtstage gebührend geehrt und dem beliebten Führer ein schwerer silberner Decher mit den Abzeichen sämtlicher Ortsgruppen teS Gaues als äußeres Zeichen der Qlnertennung seiner Tätig­keit für den Motorsport überreicht. In herz­lichen Worten sprach der Gefeierte seinen Dank für diese überraschende Ehrung aus. Anschlie­ßend wechselten noch manche Reden und Gegen­reden und trugen zur frohgestimmten Unterhal­tung bet Den Abschluß des Tages bildete ein gemeinsamer Abendschoppen im Hotel Schütz in Gießen. Der harmonisch verlaufene Tag wird den Teilnehmern in bester Erinnerung bleiben.

Oderhessen.

Landkreis Gießen.

H. Großen-Linden, 24. April. In den letzten Jahren sind hier nahezu 50 neue Häuser erbaut und bezogen worden Der da­durch erheblich gesteigerte Wasserbe­darf konnte zwar bis jetzt noch immer befriedigt li er Jen, aber an das Pumpwerk und an die beiden vorhandenen Brunnen wurden große An­sprüche gestellt. Die Gemeindeverwaltung ließ deshalb vorsorglich im seitherigen Quellgebiet neue Bohrungen vornehmen, die von gutem Erfolg gefrönt waren. Unter der Leitung des Kulturbauamts Gießen wurde von ter Firma StefanKuhn (Inheiden) eine neueQuelle erbohrt und gefaßt. Der Wasserbedarf ist dadurch für Großen-Linden auf lange Iahre gedeckt. Das neu erbohrte Wasser ist von vorzüglicher Be­schaffenheit.

r. Lang-Göns. 24. April. Die Aus­saat der Sommerfrucht ist beendet. Die letzten kalten Tage haben leider im Wachs­tum deck Grünfutters eine erhebliche Stockung verursacht. Die Entwicklung tes Klees war bis jetzt recht hoffnungsvoll. Allgemein wartet man auf einen durchdringenden, warmen Re­gen. Die Kälte hat kaum Schaden angerichtet, da die Erde vollkommen abgetrocknet ist. Auch die Feldarbeit wurde nicht unterbrochen. Mit Be­ginn dieser Woche fing das Legen der Dick - Wurzkörner an. Da es in unserer Gemar­kung verhältnismäßig wenig Wiesen gibt, werden sehr viel Runkelrüben gezogen. Das Legen der Körner war schon immer eine sehr mühselige Ar­beit, wurde aber stets in größerem Umfang aus­geführt, als das Setzen ter Pflanzen von Saat­beeten. In diesem Iahre hilft Nun auch hier die Maschine kräftig mit. Mit dem Sehen der Frühkartoffeln wurde vereinzelt begonnen.

©rünberg, 24. April. In ter jüngsten Gemeinderatssihung wurde u. a. über folgendes verhandelt: Dem Bauunternehmer Konrad Dock ist in einer früheren Sitzung die Erlaubnis erteilt worden, 200 Kubikmeter Mauer­steine zum Preise von 50 Pf. je Kubikmeter im städtischen Steinbruch am Siechberg zu brechen. Da die Firma diese Menge soweit aufgebraucht, aber noch weiterhin Steine nötig hat, wird ihr auf ihr Gesuch hin das Drechen von weiteren 200 Kubikmeter zu gleichem Preise genehmigt. Eine auswärtige Holzhandlung schuldete für Holz­käufe aus 1928 360 Mk. Zinsen. Ein von ihr eingereichtes Stundungsgesuch wurde vor einiger ler ter Chirurgie, er war ein Meister ter Musik, ein schöpferischer Geist feinster Struktur. Nicht nur der Chirurgie ward durch ihn die Ausgabe gestellt, in sich das gesamte medizinische Wissen zu vereinigen, wodurch er sie vom Hand­werk zur Wissenschaft erhob, er war in allem ein Mensch, der vom Ganzen herkam und auf das Ganze ausging. Darin lag auch die Lösung des Rätsels feiner zauberhaften Persönlichkeit.

£u und £o.

Von Hans Riebau.

Lu und Lo waren sechzig Iahre alt. Das heißt, pro Kops waren sie dreißig. Denn Lu und Lo waren Zwillinge.

Lu und Lo waren nicht schon. Das nicht. Aber ter Inhaber tes Salons Kosmetika war ein tüchtiger Wann. Und deshalb stand ein Iüngling. der auf einer Dank im Park gesessen hatte, plötz­lich auf und fragte Lu, ob er sie mach Hause bringen dürfe.

»Ditte sehr," sagte Lu. Und der junge Mairn brachte sie nach Hause.

Am nächsten Tage traf ter junge Mann Lo auf ter Straße.

Dieser Zufall!" sagte er, schüttelte ihr die Hand.

Lo machte erstaunte Augen. Aber dann lächelte sie.

Dars ich Sie wieder nach Hause bringen? fragte ter junge Mann.

Lo ging ein Licht auf. Aber sie sagte:Mit Vergnügen". Sonst nichts.

Vierzehn Tage später hat das Drama seinen Höhepunkt erreicht. Der junge Mann weiß immer noch nichts. Er küßt zwei Mädchen, und denkt, er küßt eins.

Aber so geht es nicht weiter.

Wir wollen losen," sagt Lo.

Er selbst soll sich entscheiden," sagt Lu.

Lo nickt. Der junge Mann wird eingeladen. Aber Lu schickt ihm vorher eine Flasche drei» ftemigen Kognak. Denn sie weiß: Lo haßt den Alkohol. Und wenn nun gar ein Mann, ter sie küssen will, nach Kognak riecht...

Lu reibt sich die Hände.

Der junge Mann kommt also. Klingelt, wird in den Salon geführt. Da sieht er, nebeneinander, Lo und Lu Beide haben rosa Stilkleider an, beide frisch ondulierte Haare, beite nicken aufmunlemd mit den Köpfen, beite lächeln.

Zeit aDgelctynr. darausyrn yar ske 200 Mk. be­zahlt, bittet aber jetzt in einem neuen Gesuch um Stundung der restlichen 160 Mk., bis die durch den Holzhändlerverband cingcleitcten Verhand­lungen mit dem Staat wegen Ermäßigung ter vorjährigen. hochbemessenen Zin'en für Holzgeld zum Abschluß gelangt seien, da eine Aenterung des staatlichen Zinssatzes die gleiche Folge bei der Stadt bedingen würde. Die Stundung wird bis 1. August gewährt. Der ehemalige Hoch­behälter im Diebsturm, der feit Erbauung tes neuen Hochbehälters am Wartturm und Trocken­legung der Hösentränke nicht mehr benötigt wird, soll nicht mehr instandgefetzt werden. Im Anschluß daran wird von einer Selle darauf hin- getoiefen, daß die Hösentränke jetzt einen sehr schlechten Anblick biete, da hier Gegenstände ab­getanen würden, die absolut nicht dahin ge­hören. Es wird angeregt, den Schutt Derebncn zu lassen, das wertere eochuttablaten dann zu verbieten und nur noch Erde zum Auffüllen anfahren zu lassen. Eine längere Aussprache ruft ein Gesuch der freiwilligen Feuerwehr um Erbauung eines neuen Spritzenhauses hervor, da das jetzige Spritzenhaus an der Höfentränks- brücke zu eng für die vielen Geräte sei und außerdem zu dumpf, so daß die Schläuche ver­dürben. Als Standort für den zu errichtenden Neubau wird der ehemalige Durggraben beim alten Brauhaus vorgeschlagen. Von verschiedenen Seiten wird anerkannt, daß in dieser Sache etwas geschehen müsse. Es wird angeregt, das seit­herige Gebäude Herrichten zu lassen und durch Verpachtung bzw. Verkauf anderweitig nutz­bringend zu verwerten, da es in vorteilhafter Geschäftslage liege. Ein endgültiger Beschluß wird angesichts der schwachen Besetzung es sind nur 7 von 12 Gemeinderäten anwesend nicht gefaßt, die Sache soll aber weiter verfolgt werten.

# Aus der n ö r dlichen Wetterau, 23. April. Die Frühjahrsaussaat ist ziemlich beendet. Da der Boten infolge tes sZrostes gut krümelte, ging die Arbeit schnell von- statten. Bereits beginnt man mit ter Zuberei­tung der Kartoffeläcker zur Saat. Da starke Ver­luste an Kartoffeln durch die Kälte einge­treten sind, herrscht große Nachfrage nach Saatgut. Ie nachdem es sich um Früh- oder Spätkartoffeln handelt, wird der Zentner mit 46 Mk. angeboten. Das Wintergetreide (Roggen und Weizen) ist ohne nennenswerten Schaden durch den Winter gekommen unb be­ginnt sich bereits gut zu bestocken. Die Klee- bestände zeigen tadellosen, gleichmäßigen Be­stand. ®egentoärtfg ist man mit tem Legen ter Dickwurz ferne beschäftigt. Wan kommt von Iahr zu Jahr immer mehr von der Zucht aus Sehpflanzen ab, weil gewöhnlich um Johan­nistag längere Trockenheit herrscht, wodurch die Pflanzarbeit erschwert wird. Alle O b st a r t c n haben gut Fruchtholz angesetzt, so daß ein gutes Blütenjahr und hoffentlich daraus ein reiches Obstjahr zu erwarten ist. Die Bienenvöl­ker, die fast ohne Verluste den harten Winter überstanden haben, gehen nicht recht vorwärts, da die Witterung nicht warm genug ist. Die Preise für Fettschweine halten sich nun schon monatelang auf ter Höhe von 70 bis 74 Pf. je Pfund Lebendgewicht. In den Dörfern find gegenwärtig wenig Mastschweine anzutref­fen. eine Folge der im Vorjahre ungewöhnlich niedrigen Preise. Große Nachfrage herrscht nach wie vor nach Ferkeln. Während das Paar 7 Wochen alter Jungtiere um Weihnachten 18 bis 24 Mk. kostete, wird jetzt prv Stück derselbe Preis gefordert unb bezahlt. Mit einem Rück­gang der Preise ist vorläufig nicht zu rechnen.

P Steinheim, 23. April. Mit der gestern im hiesigen Gemcindewald abgehaltenen großen Drennholzversteigerung sanden die Versteigerungen in unserer Gegend für dieses Jahr ihr Ende. Die Preise waren durchschnitt­lich höher als im Vorjahre. Der strenge Winter hat die Holzvorräte fast völlig aufgebraucht, so daß die Nachfrage groß war. Sommerholz, Kie­fern und Fichten, erreichten übernormale Preise. Buchenscheitholz 2. Kl. kostete je Raummeter 18 bis 22 Mark, Buchenknüppel 15 bis 18 Mark, Duchen-Stockholz 8 bis 13 Mk., Buchen-Astreifer 1 bis 4 Mk., Eichenscheitholz 10 bis 14 Mk.. Cichenknüppel 8 bis 10 Mk^ Eichenstocke 6 bis 8 Mk., Eichenreiser 0,50 bis 1,50 Mk.; Fichten-

Der junge Mann starrt auf die Mädchen. Starrt und starrt.Also schon total besoffen," denkt er. Rennt die Treppe hinunter und ward nie mehr gesehen.

Lu hätte ihm doch lieber keinen breiffernigerr Kognak schicken sollen.

Llraufführung in Darmstadt.

Der jüngst berftorbene Oberstaatsanwalt Rudi Wünzer hat in den letzten zwei Jahren seines Lebens an einer im Otentoalb spielenden Ko­mödie gearbeitet, deren Handlung historischen Hintergrund hat. Die hessische Spielge­meinschaft brachte das Dialektstück im Lan - destheater zur Uraufführung, und zwar mit durchschlagendem Erfolg. Es ist ein prachtvolles Dolksstück herausgekommen von nicht unerheblichem literarischen Wert, vor allem aber ein Bühnenstück, das stark von Heimatluft durch­weht ist. Wünzer hat sich damit ein Denkmal gesetzt in den Herzen ter Hessen, die er so' sehr liebte. Bedauerlich, daß ter Autor die. Ver­lebendigung seines letzten Werkes nicht mehr er­lebte. Die Komödie dankt ihre Aufführung einer Ausschreibung ter Spielgemeinschaft, aus ter sie mit tem ersten Preis herausglng. Das Dolksstück spielt um die Zeit von Kotzebues (Srmorbung. Der Kampf ter Burschenschaften gegen dieser russischen Staatsrat undVerräter" hat seins Wellen bis tief in den Odenwald geschlagen. Ein junger Bauernsohn aus Falkenbach (in einem dortigen Wirtshaus werden heute noch Kotzebue- Erinnerungen aufbewahrt) wird mit der Ermor­dung Kotzebues durch Sand in Verbindung ge­bracht, verhaftet und durch eine lange Gefäng­nisstrafe aus seiner Lebensbahn geworfen. Da­hinein spielt eine derb-innige Liebesepisote. In die Handlung hinein sind hübsche ernste und hei­tere Episoden aus dem Otenwälter Dauernleben hineingewoben. Tie Aufführung durch die Spiel­gemeinschaft bewies viel Liebe und Verständnis. Sie war im wesentlichen getragen von einer sehr guten schauspielerischen Leistung Hans Eis­vogels, des Studenten, unb Lilli Neudecker, ter Dienst magd, um deren Schicksal sich alles andere herumgruppiert. Die Bühnenbilder von Elli B ü 11 n e r waren im Derein mit den Ko­stümen stilecht, lebendig und farbenfroh, Eduard Göbels vortreffliche Regie sorgte für ein flot­tes Spiel und für die Herausarbeitung ter wirk­samen derbkvmischen Szenen.